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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-13 · Heft 1883 (13.5.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1883 (13.5.1924)
Date
1924-05-13
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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''tzk-'M MM, ersten Zeit größere Kurssteigeruugen nach sich zog. Deckungs¬ und Arbitrctgeraufe gaben weitechm dem Markte ein ausgesprochen festes Gepräge. Im späteren Verlaufe wurden -war 'Realisationen vovgenommen, die jedoch ans die Kursgestaltung Leinen Einfluh auSübten. Die-bedeutendsten Steigerungen erzielten die führenden Kulissenwerte sowie Eisen-Mtien, die gegen Freitag 16 bis 2g Prozent erreichten. Der Schluß war werter fast, der Betkehr lebhaft. - ...äl '.:v .j (Alles in Tausenden von Kronen.) Schlußkur ser Bttttsch-Ung. Bank 72.—, Ung. Kredit <888, Oesterr. Kredit 234, Salgo Kohlen 730, Rimanmranyer —, Sübbahn 74.—, Staatsbahn 600.—. Anglobänk —. Gran- SzaSzvürer 430, Oberuna. Berg-. Hütten . 680.—, Dräsche-' Ziegel 2.85 Ung. allg. Komm 8675, Urikatth Kohlen 1130, KoLurg 38.—, Spodium 228, Clotildecheck. Fabrik 95, Ung. Eisenbahnverkehr 226, Verein. Holz 40.—, Adria 1760. Sie vevisenlurle. Zürich. 12. Mai. (Devisenkurse von 12.18 Uhr. — Von ber Schweizerischen Kreditanstalt mitgeteilte Mittelkurse.) Berlin, -ro Milliarde —.— (—.—), Holland 210.60 (210.60). New-Dork 663.- (663.60), London 24.61 (24.61), Paris 81.90 (88.75), Mailand 26.— (25.10), Brüssel 26.76 (27.70); Kopenhagen 96— (96.-), Stockholm. 149.- (149.25), Chriftiania 78.75 (78.62), Madrid 77.60 (77.62), Buenos Aires 188.- (184.-), Prag 16.50 (16.60), Budapest 0.0062 (0.0060), Bukarest 2.86, (2.85), Belgrad 6.97'//(6.97'/,), Sofia4.12'/, (4,10), Warschau--.- Wim 0.007950 (0.007912). . Berlin, 12. Mat. (Devisenkurse.) (Zn Goldmark' für 100 Einheiten mit Ausnahme von Buenos,New-Dork, London,Japan und Rio-für 1 Einheit, Wien und Budapest für 100.000 Einheiten.) Amsterdam 157.86 (157.60), Belgien 20.05 (20.76), Christiania 68.95 (68.96), Kopenhagen .71.62 (71.82), Stockholm 111.47 (111.47), Italien 18.96 (16.95). London 18.365 (18.405), New-Dork 4.19 (4.19), Paris 24.14 (25.84), Schweiz 74.51 (74.61), Spanien 58.10 (58.10), Wim 5.98 (5.98), Prag 12.46 (12.46), Budapest 4.48 (4.48). Sofia 3.04 (8.14),. Belgrad 5.255 (5.18). ' . Berlin, 12. Mai. (Notenkurse.) (In Goldmark für 100 Einheiten mit Ausnahme von Dollar und Pfund für 1 Einheit, österreichische für 100.000 Einheiten und polnische für 100 Zloty.) - Noten: Dollar 4.19 (4.19), Pfund 18.35 (18.40), Italienische 19.05 (19.05), Oesterreichische 6.94 (5.61), Polnische 79.95 (79.46), Tschecho-slowaNsche 18.52 (12.62), Prag, 12. Mai. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin*) 7.88 (7.88). Zürich 606.- (605.50), Paris 198.75 (206.26), . London 148.80 (148.80), New-Dork 83.95 (33.95), Belgrad 42.49 (42.65), Bukarest 17.10 (16.96), Men 4.77 (4.77»/,), Warschaus) 3.80 (8.34), Agram —(—.—), Budapest 8.67*/* (3.67*/*), Jugoslawische 42.47'/, (42.55), Oesterreichische gestempelte Krone 4.75 (4.77), Polnisches) (3.84), Ungarische 3.65 (3.67»/,). U. *) Pro Billion, f) pro Million. ' "MM Budapest, 12. Mai. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 82.300 bis 83.200, Bukarest 436.— bis 455.—, Kopen- Hagen 14.730bis 15.130,Christiania 12.080 bis 12.430. London 377.700 biS 387:700 Berlin -.- bis —Italien 8830 - bis 3950.- PariS 4880.- bis 5040.—, Prag 2530;- bis 2600.—, Stockholm 22.800 bis 28.450, Zürich 15.360 bis 16.760, Wien 1.2210 bis 1.2535, Sofia 630.— bis 660.-, Agram 1070.- bis 1100.-, New-Bor! 86.500 bis 88.800, Warschau —bis > Brüssel 4100.— -iS 4240.-. Agram, 12. Mai. (Devisen.) Wie» 0.1141 biS Berlin —bis —, Budapest —bis—.—. Bukarest41.60 biS —.—Italien 360.- LiS —London 364.30 bis —. New-Dork 80.60 bis —, Paris 480.— bis , Prag 237.16 biS —.—, Sofia —bis —, Schweiz 1438.— bis Brüssel -.- bis , Warschau bi» Amsterdam —.— bis —. Stockholm —bis —. Belgrad» 12. Mai. (Devisenkurse.) London' 954.25 biS Paris 478.- bis New-Dork 8087.50 bis , Genf 1434.— bis —, Saloniki —bis Mailand 869.70 bis —.—, Prag 237.70 bis —, . Berlin —bis Wien 0.1139 bis Bukarest 40.50 bis Sofia —bis —.—, Budapest 0.1050 Bis . Brüssel —bis —, Amsterdam 3022.50 bis , Warschau — bis Warschau» 12. Mai. (Devisen.) Berlin —, London 2239 Li8 2269, New-Dork 616 bis 621, Prag 1515 SiS 1530, Wien 728 bis 785. Copyright by 19*5 Nachdruck verboten. Dtutsch.Oesterreichijcher Verlag, Men. 93. Fortsetzung. Ae Heimatlosen. j Bon Wilma BukUch. Er wußte itur; daß die Straße übermächtig war. Daß sie im Rausch und in der Raserei ihrer entfesselten Instinkte sich schieben ließ, sich betäuben ließ von den billi- . gen Getränten, aus Patriotismus und falschem Rassenhandeln glaubte, war sie doch nichts weiter als die Marionette, der arme, schlottrige Hampelmann, der an den Fäden zappelt, die jene anderen, die Wenigen und Mächtigen, m Händen halten und dirigieren, wie es ihr Wille berechnet, wie es ihr Vorteil erfordert. Und während sie für sich selbst Glanz und Glorie und Sicherheit erwerben wollen, verwenden sie den Menschen als Nummer, treiben ihr Spiel mit ihm, vergessen an sein Menschenrecht, an sein Recht, ,das Leben auf der angestammten Scholle in Frieden auszuleben. Treiben die Massen zu Paaren, reihen sie aus dem Frieden ihrer Arbeit, aus dem Schutz ihres evdesH. Zersprengen die Familien, vernichten die Werke von Jahrzehnten und Jahrhunderten. Vernichten die Idee, die langsam in den ringenden Menschenherzen ans Licht, zu keimen beginnt, die Daten, die getan werden wollen, um das Leben einfacher und bester zu gestalten. Sie vernichten die Kinder, die nach Leben schreien, in ihrem Samen. Sie unrrvwühlen die Erde und machen sie zum Minenfeld. Reißen die Meere auf und legen Feuer in die aufgewühlten Schlünde. Umgeben die Erde mit einem Wall von Hunger, Krankheit und Gebresten. Verfluchen die Scholle, Eisen zu tpagen, anstatt des Seyens der Frucht. Den Gefunden überschütten sie mit den Seuchen des Elends und der Pest. Zerschmettern seine Glieder und graben feine Augen' aus ihren Höhlen. Und lasten die Kanonen ihr Liedheulendaß das Eingeweide der Erde erbebt. Kleine Kinder vergessen das Beten. Bräute reißen den Kvanzaus ihren zerwühlten Locken und. gebend ihr. Haar Wiener MorgMzertüny.^^ 18 . Mai I M l Fußball. Die Generalversammlung des Oe. F. B. Der OestervoWsche Fußballbnnd hielt am Samstag im Hotel Post ft'me diesjährige Hauptversammlung ab, zu der fast' sämtliche Stiimvmberechttgten erschienen waren. Der Vorsitzende Nationalrat BoAert erstattete dsn Rechenschaftsbericht, aus dem hervovgjing, daß im Berichtsjahr der Fußballfport - sich weiter in die Breite entwickelt hat. Ferner wuvdvn viele neue Sportplätze errichtet. Eine lange Debatte entstand m der Frage über die Aufteilung der Einnahmen aus Länderspielen. - Die Abstimmung ergab, daß der Wiener Verband 40 Prozent aus den Einnahmen zu erhalten hat. Unter -den übrigen Anträgen war der auf Einführung einer sechsmonatigen Karenzsrist für. zuwaudernde Spieler. Er wurde' abgelehnt, da er infolge ver Haltung der meisten Ländervertreker die' erforderliche Zwei-,, drittelmajorität nicht erreichen konnte. Bei der Wahl wurde Nationalrat Bollert zum Vorsitzenden und die Herren Doktor' Gbersthaler, Dr. Brichta Und Eidler zu'Bilzeprästden'ten gewählt, wodurch die Zahl der letzteren eine Bermchrnng er«., fährt.: Wavrzm nehmen die Nntionnljuven nicht an -er Olympiade teil? In der >,MHrstch<)stvauer MorgenlzeÄung" finden wir folgende Zuschrift: „Nachdem die Zünden in allen Staaten als Nation Anerkennung güfunden haben, mutz es eigentlich wundernchmen, daß man in jüdischen Kreisen eine.Teilnahme an der heurigen Olympiade gar nicht in Erwägung gezogen hat. Sämtliche Teilnehmer nrüssten nur Nationaljuden sein. AeiHMtig aus welchem Lande und welcher Muttersprache. In Betracht käme allerdings Wohl nur ein Gebiet — Fußball. Nachstehend der Entwurf zweier Mannschaftsausttellungen, der keinen Anspruch. erhebt, erschöpfend zu sein. Immerhin dürften beide Mann-' schäften internationale erste Klasse repräsentieren. Zsigmondy Wakkabi Brünn),; Gold (Hakoah, Wien), Popovi-ch ' (Amateure); Obitz (Makkabi, Brünn), Guttmann (Hakoah. Wien), Mahver (D. F. C.. Prag); Neufeld, Schwarz (Hakoah Wien), OrAh (M. T. K., Budapest), Hirzer, Weiß (MakTabi. Brünn). — Duldig (Hakoah, Wiens; Feldmann Mal-kabi, Brünn), Mandl (M. T. «K., Budapest): Rainer iMabkabi. Btünn), Ienö Konrad (Amateure,-Men), Hojo.s (MaMabi, Brünn); Braun ' (M. T. K., Budapest), Nikolsburger (MaKabi, Bmnn), Kalman Konrod (Amateure, Wien). Eifenhosfer, Molnär (M. T. K., Budapest). — Als Tormänner kommen noch Holpern (Hakoah, Wien), Jokl (Amateure, Wien)' und Fischer (V. A C., Budapest) in Betracht. . Den Verfasser dieser Zeilen müssen, wir dahiMchend awsklären, dass Szigmondy. Popopich,.. .Obitz,/ Orth, Hirzer, Rainer trnd Hajos keine Juden sind. Trotzdem würden sich sicherlich zwei Wische Teams aufstellen lassen, die keine Konkurrenz M scheuen hätten. Dcr Cinisender irrt, wenn er glaubt, dass nur die Mischen Fußballer bei der OlympMe ehrenvoll abschneiden könnten. Wir erinnern nur an den jüdischen Langstreckenläufer. Katz (Finnland), an die-Ringer der Wiener Hakoah und des Juda MaSkabi (Novssad), wir erinnern nur an die tzahMen hervorragenden jüdischen Fechter, weiters an die jüdischen TönniSspieler, Boxer und Schwimmer.-Schliesslich -darf auch nicht an die hervorragenden Mischen Turner des V. A. C. (Budapest) vergessen werden. Wir wollen mir darauf Hinweisen, dass bis jetzt drei Wiener Hakoahner für die Teilnahme an der Pariser Olympiade auserschen sind. Guttmann wird in der ungarischen Nationalurannschaist spielen. Gottfried wird als Fechter Oesterreich in-Paris vertreten und Fräulein Hödi Bienenfeld dürfte voraussichtlich als Schwimmerin bei der Olympiade für Oesterreich.-starten. Die Teilnahme der Juden an der Olympiade kann erst dann ermöglicht werden, wenn verschiedene. kulturelle Bestrebungen .zum Ziel geführt haben. Die .Ligen für Menschenrechte" treten dafür em. dass keine Unterschiede auf Grund der Geograph^ gemacht werden. Mr stehen ihnen zur Seite. Bis zur. DeÄNirklnhungdieses Planes ist es aber weit. Die national- Müschen Sportler ersehnen den Tag. cm dem sie ihrem eigenen Volk bei der Olympiade Ehre einbvingen Wnnen. Vorläufig ist aber-unsere Jugend noch bemüsiigt. ihre Kräfte dem Staate zur Verfügung zu stellen, in dem sie das Heiimattecht besitzt. Guttmann in -er ungarischen Olympiamannschaft. Der ungarische Verbandskapitan Kitz hat am Sonntag mit der Soktionslertung der Hakoah, wegen der Freigabe Guttmanns für die Olympiade unterhandelt. Ursprünglich bestand die Absicht, daß der Hakoahner erst in der kommenden Woche der UMarischen Auswahlmannschaft nachreise. Herr Kiß legte aber Wert darauf, daß Guttmann vorerst nach Budapest zurückkehre, damit er bei den anlässlich , der Abreise der ungarischen .Nationalmannschaft.stattsindenden Feierlichkeiten, anwesend sei. Uebevdies ersuchte der ungarische Verbandskapitan, daß Guttmann bereits am kommenden Sonntag in Zürich für das ungarische Olympiateam gegen die Schweizer Auswaöhlmannschaft Wielen könne. VerfchiÄene Rücksichten persönlicher und fa -miliarer Natur waren maßgebend, daß dre Hakoah den Wünschen . des ungarischen. Verbandskapitäns: nachkam. Guttmann hat sich gestern bereits nach Budapest begeben und passiert am Donnerstag auf der Reife nach Zürich Wien.' Die Hakoah hat an den Oe. F. B. eine Eingabe gerichtet, worin sie anfucht, daß Guttmann für Ungarn an der Olympiade teilnehmen darf. Diese Erlaubnis dürfte sicherlich erteil werden. _ Eine Unterredung mit Mr. Wall. In der ,/Baseler Nation-alzeijung" finden wir oi-nS interesslant-e. Unierreduing eines Schweitzers mit dem Generalsekretär .des englischen Fussballvcrlbandes. Dieser Herr gibt seine Eindrücke wie folgt wieder: In einem der schönsten Quartiere Londons, am Prächtigen Rüssel Square, liegt das Heim des englischen Fußballverbandes. Ein Heim^ das Nicht schöner, nicht Pralktifcher gedacht werden könnte. Eine brchte Marm-ortreppe fuhrt zum Einaa-ng, zu dessen Seite eine imposante Brontzetafel mit den Mengenden Buchstaben Prangt: „The Footlall Assocüation". Die Dochalle des Gebäudes ist mit schweren Deppichen belegt. Darauf folgt der Raum, wo sich die Besucher zu melden haben. Sind Woher und Wohin erledigt, werden die Persona-. lien dem Generalsekretär UlNteribrettet, welcher nach Gutdünken die nachgesuchte Unterredung gewährt oder ablehnt, oder auch den Besucher an feinen Stellvertreter weist. Als Bekannter Mr. Walls ist zwar der SchrMer dieser Zeilen schon öfters in das „Allerheiligste" vorgedvnngen. Dieses ist ein Heller Raum, dessen . Wände unzählige Bilder verschiedener Fussballgrößen, von Eup-Finals usw. zieren. Für jeden Fußbauer ei-m . wahre Augenweide! . Nachdem ich ntich im Ledersessel niedergelassen habe, beginnt das Fragen!'Leider ist Mr. Walls Zeit knapp bemessendenn der englifche Fußiballverlband ist gegenwärtig mit allerlei wichtigen Dingen starik beschäftigt. Und so beschränke ich mich auf zwei uns besonders -wichtig erscheinende Fragen: Was halten sie vom kontinentalen „Amakeurismus?" Die Frage scheint Mr. Wall überrascht zu haben. „Ich weiß", sagte er mir, „daß in vielen Ländern dem Amateurparagvaphen nicht chrlich uachigeliebt wird. Veyschickdenenorts werden mehr als Reifeausla-gen vergütet,. -ja sogar Besoldungen ausgerichtet. Alle wahren Amateure sollten sich Mammentun und gegen diese Welt von -UNwahchett ankämpfen. Auch sollten.i-nsküNfti'g die internationalen Matches nicht mit den basten Amateuren, sondern Mit den besten Spielern des Landes bestritten werden. Gerade weil wir Engländer zwischen Amateur und Professional scharf unterscheiden, ist es uns unmöglich, die Olympiade zu beschicken."' Auf meine zweite Frage: Warum befaßt sich die | englische Presse so wenig mit dem kontinentalen Sport? erl widerte mir Mr. Wall: „Unsere Presse sieht sich güzwungen, dem Winde preis. .Und Mütter lachen, lachen gellend -und erwü-rgen ihre Brut. Und es schmettert die Musik, es fließt der Mein. Der falsche Würfel und die Karte zieht Goldmasten an sich. Gold fließt durch alle Adern des Landes, Und in seinem Strom ersäuft dev letzte Rest von Scham. Der letzte Glaube. Die Angst vor Gott und der Hölle. Nur Lüge bleibt und jene rasende Gier nach mehr' und mehr. Einer steigt auf die Schultern des andern. Der Starke zertritt den Schwachen. Zennal-mt ihn und sein Blut imb fein Eingeweide vermischen-sich mit dem Staube der Straße. Was tut es auch? Noch immer eröffnen sich ■ neue Genüsse. Seidene Kleider rauschen und Juwelen . blitzen^ Nackte Werber tanzen durch die Gasten. Und tanzen über alles Elend >weg. Drüben aber marschieren die Kolonnen. Grau in grau. Stumpfsinn! und Vertziveiflung im Blick. Ein Fraß>-der Raben und der Wölfe. Es marschieren die Kolonnen, mn ihre stinkenden Grnben zu ^beziehen. Und sich mit bluti-. gen Nägeln eintzugraben in das GÄ der .Gebirge. Um zu verschmachten auf den einsamen Felsenhöhen, ohne TvanL, ohne Speise. Ziehen hinaus in den Wahnsinn der Trom- 'Melfeuer, der Handgemenge. In die Kloaken der Gesängenfchast. Entmenscht. Entsetzt. Reißendest-Tieren gleich, die morden mästen und gemordet, werden. Mit der letzten Geste .und mit dem letzten Pathos ihres Wahnsinns, der schauerlich aufbvüllt: Rache! . Dies alles, diese ganze'Hölle schlau berechnet und heraufbeschworen durch einen Federstrich! Die Machtha'ber stellen die Figuren auf. Sie machen selber die Konstellation. In den geheimen Kg-nzleien der Diplomatie wird um das . Wort gewürfelt: Leben oder' Tod. Sie haben.'den Tod erhandelt für die anderen — Las Leben für sich.?. Lieder jauchzen durch die Gaste. ^Fahnen wallen im Winde. Blume» stürzen zu Wßen der". Berauschten nieder. Sie heben sie äuif und schmücken . Hüte und Brüst. 4 Die Presse berferkert. Hatz und Gift in jeder Zeile. .Sie -imprägniert die Masten mit nöch mHhr Haß. Sie braut das Gift ihrer Räusche. Sie findet die großen Worte, die das' Blut zum Sieden bringen und die Wert» umwertet. Sie ist die Meinung, in die sich jedermann hineinschmiegt, weil es gut ist, sich mit dem Ferttgen abzufinden. Lajos -war dem Wahnsinn nahe. Dies alles wisten und 'hilflos daneben sichen. Wortlos, mit versagender Kraft. Und sich fragen müssen, zehnmal, hundertmal, taufendmal, in den gedrängten Stunden dioser vom Fieber durchwühlten Sommertage: Kann es sein? Und warum? Wo ist jener, der die Fäden Mt? Wo läßt e-r sich troffen, sängest?. Wo ist die Stimme, die so menschlich ist, so stark, um an. sein- Herz zu dringen, oder die Faust, um ihn zu zermalmen? Ehe das Unglück geschehen. Ehe es für immer zu Mt?' ' Kornitzer . . . der große Kornitzer? Gibt es einen Weg zu. diesem Herzen, der nicht über seine Tasche führt? Läßt sich menschlich zu Kornitzer reden, wie -mau zu seinem Bruder redet, den man beschwört, den man aufleht . . .? Denn Kornitzer wir mitten drinnen, das wußte Lajos. Er nahm an den geheimen Konferenzen teil und erfuhr, früher als jedermann, was in dem Allergeheimsien beschlossen wurde. Er lief von einem Minister zmn andern und lud das GroMpital und die Großindustrie-in sein Bureau, desten wattegepolsterte Wände verschwiegen waren wie &tt- Geheimarchiv. Kornitzer wusste alles. Und er, wie keiner, hetzte den Haß der Menge. Sein Blatt vor allem . floß über von LoMität und Patriotisums. Floß über von 'Hohn und Galle, in denen es den Gegner ertränkte. Schürte ‘ das- Machtbeiwußtsein und den falschen Mannesstolz. Wer seine Ärtikel, gelesen, der schlug sich an die Brust und -wurde ein Held. Die Fabriken aber begannen ihre fieberhafte Arbeit. Datz Großkapital hatte seine goldene Zeit. Die Großindustrie stellte sich in den Dienst des Krieges und machte Kalkulationen von phantastischen Riesenkriegsgew'muen, von kolossalen Kapitalsvermehrungen, steigendem Agio unwachsenden Dividenden. Wie ein Rausch kam es über die arbeitende Erde. Die Essen rauchten. Eisen wurde geschürt, geglüht und geschweißt. Kanonen über Kanonen gegossen. Munition und Kriegsmaterial fabriziert. . (Fortsetzung folgt.)

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