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Wiener Morgenzeitung · 1924-05-01 · Heft 1871 (1.5.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1871 (1.5.1924)
Date
1924-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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VMtz Mett, DcmneEg. T ■r Wiener Morgenzettunfs. 'gramm zur Folge. Trotzvcm war der Absatz sehr groß, da die Großmarkthalle honte geschlossen bleibt. La» Wetter. Wir sind zwar schon im Mai, haben aber noch das Aprilwett«. In ganz Oesterreich herrscht kühles Regenivetter. Die Voraussage, die für . heute vorwiegend trüb und regnerisch gestimmt ist, läßt eine geringe Hoffnung zu, indem sie eine' vörübergehende. Befferung nicht als ausgeschlossen bezeichnet. Wien, 1. Mai. * Drei vermißte Wiener Bürgerschüler. Seit Freitag sind ßre.i Bürgerfchüler abgängig. Der eine hat einen Revolver und 1,5 Millionen Kronen bei sich. Es ist noch nicht aufgeklärt, ob Abenteurerlust oder ein Ausflug die drei Bürgerschüler von Wien weggesührt hat. Die Mutter eines der.Vermißten glaubt, daß die drei Burschen eine Tour ins Rax- oder Schneeberg-. gebiet unternommen haben, wo wahrend der kritischen Tage Schnee- und Frostwetter herrschte. * Die Beleuchtung des Praters. Die Gemeinde Wien beabsichtigt. die Beleuchtung und die Straßenpflege des Praters auf^ eigene K o st en durchzuführen, wenn der Bund ihr diese Anlagen ins Eigentum übergibt. * Die Lustbarkeitsabgabe Hagenbecks. Am Montag ist der Zirkus Hagenbeck von Wien nach Prag übersiedelt. Im Monat Oktober wird er wieder Vorstellungen in Wien veranstalten. Der Zirkus spielte in Wien vom 6. Dezember 1923 bis 27. Llpril 1924. Während dieser Zeit , hat-er an die Gemeinde an Lustbarkeitsabgabe 3,242 Milliarden Krotten geleistete * Die Düse aus der Fahrt «ach Europa. Aus Nvw-Aork wird dem „Berliner Tageblatt" gemeldet: Vor dem Sarge der Eleonore Düse in Saint Vincent Ferrery-Curch zogen gestern den ganzen Tag über große -Schaven Trauernder, vorüber. Unter der Menge waren sowohl die Wohchabenden als auch die arme Bevölkerung, namentlich Italiener. . vertreten. Eine feierliche Seelenmesse für die verstorbene Künstlerin ist abgehalten worden. Danach solch die Uebersührung des Sarges aus den nach Genua abgehenden Dampfer „Duilio" statt. * Auffindung eines Denkmals aus der Bronzezeit in Ungarn. Wie aus Miskolcz gemeldet wird, wurde aus dem in der Nähe befindlichen Gutshof Talkod. welcher von dem f'usie Bodrog iimüiünert worden war, nach Zurückfluten der ewässer ein ansehnliches Denkmal.aus der Bronzezeit ausgefunden. Es wurde festgestellt, daß dieser Ort ein Friedhof gewesen sein mußte. Unter anderem wurden acht Bronze« schwertcr. vier- Brustwchren. eine Reihe von Pferdebeschirren und viel Kriegsmaterial aufgefunden, das den Toten ms Grab mitgegeben worden war. * Verbot einer jüdischen Zeitung in Konstautinopel. Die Bchörden haben ein Verbot gegen das Journal d'Orient" erlaßen mit der Begründung, daß das Blatt während der alliierten türkischen Besetzung eine antitürkische Haltung eingenommen habe. Das „Journal d'Orient" ist die-einzige in französischer Sprache erscheinende jüdische Zeitung' Konstantinopels. Sie ist auch die bedeutendste französische Zeitung in der Türkei. -. * „Der Jude." Eine Monatsschrift. Herausgegeben von Dr. Martin Buber. Im Jüdischen Verlag, Berlin N. W. 7, Dorotheenstraße 35. Das soeben erschienene Mäiheft hat folgenden Inhalt: Leonhard Stein: Zur Frage der Selbstregierung Palästinas; Kutzinski: Siegmund Freud, ein jüdischer Forscher; Franz Rosen zweig: Vom Uebersetzen; S. I. Agnon: Zwei Erzählungen (aus dem Hebräischen übertragen von Gechard Scholem); Martin Buber: Zweierlei Liebe; Bemerkungen, Umschau. , * Zehrite,österreichische Klassenlotterie. Bei der gestern abgebaltenen Ziehung des 10. Tages der fünften Klasse gewannen: 4 Millionen Kronen das Los Nr. 65.002; ie 3 Millionen Kronen die Lose Nr. 6002, 6718, 12.140, 41.140, 46.406, 72.002, 75.020 und 85.737; je 2 Millionen Kronen die Lose Nr. 1466, 22.793, 27.243, 28.406. 55.002, 61.288, 70.900 und 78.793; außerdem wurden 1983 Gewinne zwischen 1 Million und 300.000 K. ausgelost. * Neue Telephonnummern im Dorotheum. Pon heute an Slten für die Hauptanstalt des Dorotheums die Nummern der erie 75--5-60 dis 75-5-59. (Entgeltlich.) Vereine, BortrSge und Versammlungen. Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt. Heute präzise 8 Uhr abends im Wiener Bürger-Cafe, 2. Bez., Praterstraße 11, Vortrag Dr. Leopold So fer: Palästina und wir". Ebendort jeden Donnerstag zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträgen. Der Bund jüdischer Jungwanderer veranstaltet im Rahmen seines zehnten Zuges einen- Iugendsührerkurs, der Br alle Mischen Jugendlichen frei und unentgeltlich zugänglich ist. Die Vorträge finden jeden Donnerstag von 7 bis 9 Uhr im Heim. 2. Bez.! Taborstraße 56, 1. Stock, Unter der Leitung Nathan Sperbersstatt, und umfassen jüdisches Wissen (PMstinographie, Probleme der jüdischen Bewegung, ChalMuth und Hachscharah, jüdische Literatur und .Kunst, He'braisierung' üsw.), Pädagogik (Individualpshchologie, FÄHrertaktik, Spiele, Lieder), Jugendbewegung (Sirm und Ziel der Iugöndbewegung im Rahmen der Gesellschaft, Sozialismus in der Iudengasse und in Palästina, Löbensreform. Abstinenz u. a.) und schließlich allgemeines technisches Führerwissen. . Ansuchen um Zulassung sind entweder schriftlich oder persönlich vorzubringen (Mittwoch von 5 bis 7 Uhr oder Donnerstag vor 7 Uhr im-Heim). Jahrzeitfeier für Rabbiner Kramer. Die Misrachi-Landeszentrale veranstaltet heute Donnerstag, abends 8 Uhr, im Vereinslokale, 8. Bez.. Praterstraße 43. eine Gedenkfeier für Rabbiner Kramer. Die Gedenkrede hält Herr Rabbiner Doktor Feuchtwang. Alle Freunde werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Verein Ferienheim. Die Kinderauftührung' des Vereins terienheim „Jslinde" ein Märchenspiel von Helene Scheuiesz, Musik von Paul v. Klenau, Regie Melly Weiß, Tänze einstudiert von' Ditta Tenger. wird Sonntag um 4 Uhr nachmittags im Etablissement Ronacher zu ermäßigten Preisen wiederholt. Karten im Ferienheim. 9. Bez., Türkenstraße 17, Tel. 11-1-53, KonzertdirAtion Melly Weiß, 7. Bez., Burggasse Nr. 22, Tel. 88-3-68. Schulbücherverlag,, 1. Bez., Schwarzenbergstraße 6 und PaPierhaMung Walter Deuffch, 1. Bez., " Kärntnerring 2. Mitteilungen aus dem Publikum. ikj. Feine «» W. U. MMUM 1—Z Woknunxselnricdlungen. (LclcsKsrl Lehwei^hokerLiasse) Vle bekannte firm» „Zur Blusenkönigin“ hat ihre erweiterten Verkaufsräume neu adaptiert und nunmehr eröffnet m P)en P. T. 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Die gesamte Ta-gespresse, Kriegsberichterstatter von einst, Vertreter der Börsenblätter von jetzt, sind höflich geladen uüd mit Freikarten /bedacht. Kraus wußte es, mußte' es wissen — und ist auch da. Schwer zu begreifen für alle, die seine Schriften, Kamp-fparolen und Grundsätze kennen. Mer nicht genug daran. Dreißig Mal (hat ein Reporter gezählt) kommt er vor die Rampe, verbeugt sich nach allen Rich innigen, dankt gesenkten Hauptes den Zeitgenossen, die er soeben im.„Tranmstück" verdammt hat, winkt ihnen mit der Rechten zu und tut mimisch kund, daß er vor Rührung nicht sprechen könne. Es war eine Prcssoaufführung. ü- Man spielte sein „Träumstück". Der Dichter, -am Schreibtisch, ist des Nachts von Erscheinungen bedrängt. Die Mörder und Opfer des Weltkrieges, die Nutznießer des Zusammenbruches rauben chm Wchtruhe. Beneidenswerter l.mcimi_ Nr. mt Dichter. Dic Zchillö der Uiutvrli lätzt ihn des Nachtnicht ' schlafen. Aber die eigene Schuld ficht ihn nicht an. Glücklicher! Kraus, dem sich niemals verdichten die eigenen Sünden zu Traum gesichten. Theodor Herzls Gestalt zum Beispiel kam noch nie zu ihm aus dem Jenseits. Und doch hat er an diesem Manne schiverer gesündigt ails selbst die „Neue Freie Presse", hat den Schöpfer des politischen Zionismus niedrigster Spökuiliation ber* dächtigt, hat nach Kräften mitgeholfen, daß sein kostbares Leben verkürzt wurde, hat nie widerrufen, nie bereut, hatte erst jüngst die Unverfrorercheit, nach der Lektüre von Herzls Tagebuch die ,Aeue Freie Presse" anzuklagen und zynisch zu verschweigen, daß er selbst der Verfasser des Pamphlets „Eine Krone für Zion" ist. — Es stört niemalls seine Nächte der Arbeit, daß er, der sich jetzt als den einzigen mutigen Gegner des Weltkrieges aufspielt, zu Beginn des Krieges schrieb: „Wer jetzt etwas zu sagen hat-, der trete vor und schweige"-und erst.dann nicht schwieg, als es ihm gelang, so zu schreiben, das; es bei der Zensur durchrutschte und keine Gefahr für Leib und Leben war (wA)rend Friedrich Adler -hinging und sein Leben in die Schanze schlug). —Und es sicht ihn niemals au, daß er Wohl die Schale! bis nach Japan verfolgt, jene jüdischen Führer der österreichisch en Sozialdemokratie aber verschont, die unter seinen Augen in unerhörter Verdohvtheit das Bestehen des jüdischen Volbes verleugnen und Karl Kraus, den Volljuden, als Rebellen preisen, seitdem er alles an ihnen übersieht, was sich Alice Schalüks Wesenheit bedeuWch nähert. * „Trämnstück" von Bertold Viertel ausgezeichnci in Szene gesetzt, ist ein Extrakt der „Letzten Tage der Menschheit". „Gürtelpelz", „Valuta", „Zinsfuß", „Zeitung", „Feldherr", „Journalist" treten auf, die Verse, welche das „Tuberkulose Kind" .spricht, sind der erschütternde, die Strophen, welche die „Pshchoannalen" sinM, sind der sarkastisch gepfefferte Höhepunkt. Unter den Mitwirkenden ragen der feine Lothar Müthel (Dichter) und„Erna Scholler hervor, welche, den Part des Prole-tariermädchens mrfsagend wie ein verprügeltes Kind, tiefste Wirkung übte.. Vorher wurde eine Bekenlntnisdichtung „Tv a u m t h -e a t e r",. ein dialektisch zngefpitztes, aber für die Bührve nicht gerade taugliches, Spiel aufgeführt. Mich hier erwies sich Lothar Mithel als Künstler von Rang uwd Cäcilia Lvovsky sprach eindringlich. Für die Gestaltung der ihr anvertranten Figur fehlt es chr.allerdings an Persönlichkeit. ' ' , V’''?'’’ .' * '' Die Festrede hielt Bevthold Viertel. Im Still Krausens — aber inhaltlich mit bemerk-enswertm Konzessionen an. das „goldene- Wiener .Herz", das Wanntlich der Giefeierte .ganz und gar nicht anerkennt. Ward etwa also der-schließliche Ausgleich zwischen Karl Kraus Und Wiener sswesfe'(mit dreißig Berbe-u.gungen) glücklich vorbeveitet? l Auf der Galorttidrairgte sich die Jugenp, die vorwiegend j üd ts ch e Jugend,, welche Kraus nichtbloß als Schriftsteller (was ihm gebührt), sonder-n wett mehr noch als sitMche Größe, als Propheten, verehrt. Wenn sie eines Tages entdeckt, daß -sie ihn deShcdb.'-vpihbmmelt'e, weil chm „nicht'beizükommenist, wird sie sich schämen müssen. Otto.Abel.es. Aur den Matern. Heute bleiben sämtliche Theater ac* schlossen. Deutsches Volk S t heute r. Morgen „I o u r? n a l t st e n". Samstag und Sonntag abends . ^P a.p a" und Sonntag, 8 Uhr nachmittags/ MolnarS Spiel „D e r X e u f e l". -V o l k 8 o p e r. Morgen „Cavalleria r’u s t i* can-.a"- und e r B a j a z z o". .Samstag^ nachmittags Produktion d e r O p e r n s ch u l e des Neuen Wie n e r Konservatoriums, abends Kienzls. „K u hr e i g e n". Im N e n e n W i ener Stadttheater findet morgen die vorläufig letzte Revrise der Operette „D ä S Weib i m P u r p u r" statt. Von Samstag den 3. d. bis. Mittwoch den 7. d. Nestroys „T a n n h ä u s e r pa r o d i e". Donnerstag den 8. d. einmalige Aufführung.des Schauspieles „D-e r i u n g e Fritz" von Ferdinand B o n n. Freitag den 9. d^ Premiere „D i e s ch w a r z e P e r l'e" („ti© crime du böuif"); Pariser Sensationskomödie in 9 Bildern von M o u e e z i E o n und La Fouchardiere, deutsche Bearbeitung' von Benno V i g n y. .... Theater in der I o s e f ft a d t. Morgen „D e r Diener z >v e i e r Herren". Samstag Erstaufführung ColderonS Lustspiel in drei Aufzügen „Dame Kobold" in der Bearbeitung von Hugo Hofmannsthal. Raimund-Theater. Morgen 25. Aufführung von „Sechs Personen suchen einen Autor". — Elisabeth B e r g n e r spielt Donnerstag den 8. d. zum ersten Male das „F r ä u l e i n Julie", bis dahin täglich das Lustspiel von Sacha Guitrh „Ich liebe dich 1". Sonntag, 3 Uhr nachmittags, S ch ü l e r v o t ft e 11 nn g Schillers „D i e Räuber". Renaissaneebühne. Morgen, 8 Uhr abends, Erstaufführung von Sil-Vara8 „Mit derLtbe spiele n". — ES ivird aufmerksam gemacht, daß ab morgen die Vorstellungen um 8 Uhr abends beginnen. ' # Direktor Tomaso Mau r o. aus Rom, der größte italienische Theaterunternehmer, hat Emmerich Kalmans Operette »Gräfin M a r i tz a" erworben und gleichzeitig Hubert Mari s ch k a :rtc Rolle, an eingeladen, die von ihm kreierte Uraufführung in Mailand zu spielen. anläßlich , der italienischen u. weitere 5 grosse intern, Boxkämpfe / Kassaeröffnung 1 Uhr nachm, / Vorverkauf von 9-12 im Zentralbureau, VII. Neubaugasse 6l, u.Hotel Bristol, «llll llm maaa

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