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Wiener Morgenzeitung · 1924-04-02 · Heft 1843 (2.4.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1843 (2.4.1924)
Date
1924-04-02
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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Gelte 8 Men. MfttwoE Wiener Börse. Schwacher. Ungeachtet der in Kraft igatreteuen Ermäßigung der Bankwrrditionen und der RÄuktion der Sensalen gebühren, eröffnte die gestrige Börse, nach der kräftigen Erholung die sie am Vortage zu verzeichnen hatte, in schwächerer Haltung. Ungünstigen Emiluf; iibicn die aus Prag Md Budapest vorgelegenen schwächeren Notierungen. Auch mangelte es an privaten Kaufaufträgen. so daß sich der Verkehr nur fchleppnod entwickelte. Für Budapester Rechnung gelangte Ware auf den Vtarkt, die int Verein mit Leerabgaben der Kontermme einen Druck auf das Knrsniveau ausübten. Einzelne Bankenwerte haben sich gut gcha.ten und wiesen sogar im Eröffnuugsstadium Besserungen aus im Hi Mick auf günstige Bilanzschätzungen. Im wmieren Verlaufe des Verkehrs verminderten sich die Umsätze ans der, ganzen Linie; die Aufnahmefähigkeit ließ viel zu wünschen übrig, doch konnten sich Bankpapiere gut behaupten und einzelne Werte wie St'aatsbahnaktien gingen über den letzten Kurs ans dem Berkchr. Bloß Südbahn-Prioritäten litten unter Gewinuficherstellung-en und verloren 28.000 K.. Ungarisch? Kredit büßten 27.000 K-, Anglobank 24.000 K., A-pinc 1/.Ö00 K.. Felten 21.500, Kni'PP 21.000, Skoda37.000 -St., 7La?aner 17.000 K., Salgo 5lohlcn 15.000 K. ein- Hingcaen wurden Der ostren bank; Länderbank, Unionbank und Zivnosteuska höher bewertet. In: Schranken war die Tendenz nicht einheitlich. Im Gegensätze zur Kulisse waren die Werte ungarischer Provenienz behaupte; und teilweise höher, die Umsätze jedoch geringer als am Vortage. Von den fließenden Schrankenwerten verloren Dampfschiff 160.000 K., Mgemeine Bau 36.000 K., Aussig chcw'.sche 00.000 K., Urikany 40.000 K-, Leykam-Jofcssthaler 25.000 K.. Fanto 5000 K., Schoeller Zucker 80.000 K., Schöupriesener 55 000 K-, kroatische Zucker 85.000 K. Hingegen wurden ungarisch? allgem. Kohlen um 80 000 K. und Ungar. Zucker um 110.000 K. höher gehalten. Von den zu Einheitskursen gebandelten Werten verloren Aussig-Teplitzer Genußscheine 15.000. Krone::. Nordöähn 700 000 K., Perlmooser 50.000, K.,, Gösser Brau 130.009 K., Brosche 110000 K., Sch'idemandl 100.000 K., Dynamit Nobel 400.000 K., Naphtha 30.000 K. Dagegen stiegen von den B.rnkenwerten Pester Kommerziell um 79000 K. und ungari'me- Hypothekenbank um 22 000 K. Ferner profitierten Adria 100.000 K., Dampsschisf-Genußscheine 70.000 K., Königs- Hofer Zenrenr- 25,000 K-, Wienerberger Ziegel 50-000 K. und Galieia 15 000 K. Bezugs rechte: Elektrische Linz 1200 und Oberösterreichifch- Wasserkraft 80. Auf dem ' Anlagemarkle erfuhren die tschechoslowakischen Ersenbcchn-Obligationen.Besserungen. Von den Exoten notieruen: Essess 34.000, Holzoerband 21.500 Bt.‘ 26 000, Mraznica 119.250 bis 127.000, Tepege 70.000 bis 74.000, Universale 50.000 bis 54.000, Wiener Waisen- D>.000 bis 17.000. Wiener Warenbörse. ^Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Tie deutschen Ebemikalienmärkte trugen . das Zeichen der Unsicher'-eit. Zum größten Teile wird Zurückhaltung beobachtet, was eine nach unten gerichtete Preistendenz zur Folge hatte. Die unerfreulichen Zustände auf dem Inlandsmarkte werden durch eine leichte Belebung des Ervortmarktes wieder wett gemacht und einige Abschlüsse kamen zu eher festeren Preisen zustande. Au der ' gestrigen Warenbörse war dor Verkehr etwas lebhafter und verschiedenerlei Warenaattungen gelangten Wiener Mornenßelfttnft. zum Abschlüsse. In C ü e Nl i k a l i c it wurden anSgel'lOm! französisches Harz zu 6900 K.. 4nit 8000 K.. Schellack blattfrei zu 104.000 K.. Schwefelnatrium 60 62 zu 4690 K.. Stearin zu 18.000 K.. EarnanbawaKs »u 39.000 K., olles, transit Wien, amerikanisches Har» zn 6400 K. transit Budavest, Aebnatron 128/130 zu 7200 A. Wien, Alaun SU 6800 K. Wien. Ameisensäure Wh zu 10.500 A. transft Wien, Chlorkalk 110/116 zu 2300 K. Wien, Essigsäure 80°/, für Genußzwecke zu 22.000 K., Kremserweiß zu 17.800 K.. Kuvservitriol 98/99 zu 8200 K., Navhtbalin Sckmpvcn weiß »n 6600 K., Oxalsäure »u 14.000 K.. Pottasche 96/98 pro 100 Kikoaramm zu 00 Schweizer kranken transit Reaensburg, Salzsäure 20/22 technisch zu 1100 K.. Schwefelsäure 66° BL zu 1769 K., inländisches Tertieicklnöl zu 26.000 K., russisches Terventinäl zu 17.509 K., Bienenwachs zu 39.000 K-, Camaubawachs zu 38.000 K. pro Cwt., Montanwachs zu 8000 K. Zum erekutiven Verkaufe gelanate 1 Waaaou Aetznatron (64 Trommeln, 19286 Kilogramm) zu 5500 K. transit Budapest. Oele und Fette blieben unverändert. Nordamenkanisches Schweinefett notiert 30 75 Dollar vro 100 Kilogramm transit Wien, in Kisten zu 22.600 K. ab Wien. Kolonialwaren. Einige Abschlüsse erfolgten in Kaffee. Tee und Kakao nt behaupteten Preisen. Kümmel ist um 500 K. billiaer und notiert 4*009 K. Zucker notiert: Kristall 4 tschech. K. prompt. Würfel 430 tscheck. K. vro Avril ab Grenze, ferner 11.200 K., respektive 12.900 K. ab Laaer Wien. E r e k u t i v wurden verkauft: 76 Tonnen Kristall zu 3.10 jschecki. K.. 75 Tonnen w,iMef zu 3.35 Scheck: K. vro Oktober- Dezember ab Grenze. fen,er 75 Tonnen Kristall zu 3.20 jkchech. K., sowie 75 Tonnen Würfel zu 3.^5 tschech. K. vro Jänner-März 1925 ab Grenze, Ablauf ab Oktober in Monatsquanten ä 50 Tonnen. Exekutiv wurden gedeckt! vortuaiesi^che Sardinen (200 Gramm- Dosen! zu 29 Schilling 9 Pence oik Triest. . Znnr öffentlichen Verkaufe gelangten laut Art. 311 des H.-G.-B. 28 Ballen »a Reis zu 6620 K., 15 Ballen laut Muster zu 5019 K., 5 Kisten Spargelbohnen 11.599 K. und 3 Sack Arachielnüss« zu 16.160 K. Wiener Holzbörse. (Eigenbericht der „Wiener Moraenzoitung".) An der heutigen Holzbörse werden zum exekutiven Deckungsverkaufe 15 Doppelladungen Langholz (Fichte) gesucht. Ae Weinmörttr. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Die „Wein-Zeitung" berichtet: In Wien sind größere Quantitäten Alcamowcine angelangt, die inso-l-ge der erstklasscaeu Qualität den Beifall der Empfänger gesunden habm. Im Engrosverkehr notierten llprozentige Ältweine 9000 K-, lüprozenlige 9500 bis 10.009 Ä., ausgebessene 1923er 8200 bis 85M K. pro Liter. In der Berichtswoche machte sich eine etwas lebhaftere Nachfrage geltend. In Niederöfterrcich wird langsam gekauft. 1922er Weine sind nur mehr in geringen Mena-n vorhanden, aus welchem Gründe ziemlich hohe Preise gefordert werden. 8prozentige 1922er notieren zirka 6000 Ä., höhervrozentiqe 7090 K. Pro Liter und mehr. In Ungarn Und die Werupreise in der Berichtswoche gleickigcblieben. weil das Sinken der ungarischen Krone ein vorläufiges Ende gefunden hat. Der Wcimnarkt ist nur wenig belebt, die Inlandsspetulation bat sich scheinbar anderen Geschäften zngewendct. Trotz der Geschä'rsl-nigkeit denken die Produzenten am keinen Preisabbau und bt’EMi nur bei Geldbedarf aus. Es notieren 10- bis llprozm'rge Herrschaftsweine 3500 ung. K., 12pwzeniige 4000 bis 4*500 miiT. K., lAprozentiige und davüber bis 7000 üng. K. Pro Liier. Im der Tschech o-Slowakei sind die Weinprcise rrotz flauen Geschäftsganges fest. In Preß'burg und Unrgebuug notieren Neuweine 6 tschech. K., in Mähren ebenfalls 6 tschech. K. pro Liter. In Jugoslawien hat sich die Weinkrise dermaßen verschärft. daß an eine Reform des Wemsteuergesetzes gedacht wird, um den Export zu heben. Die Pwduzentert versprechen sich sehr viel für dei Export nach Oesterreich, wenn den jugoslawischen Weineri die gleichen Begünstigungen wfe Ungarn Mgestanden würden. 9- bis 14grädige Weine aus Brsac notieren 5 bis 12 Dinar vro Liter, Dalmatmerweine werden um 23 bis 35 Dinar _2. April IM Nr. 1848 pro L:er verkauft. Zu Süvtiroi ü >o o:-' iem-it Qualitäte« bereit;; iefteu. Meistens lagern miniere Nonveine. die zu 180 bis 170 Lire pro Hektoliter ausgeboten werden. Billigere Sorgten lagern in der Etschebene. Die italienischen Weinmärkte sind flau. 'Irl Piemont notierm 13- bis 14grädige BarlbeMverne 190 bis 200 Lire pro H^ktofiter. in Sizilien 13/5- bis llgradige rote Verschnittwei-ne 110 bis 135 Live. Bonmwollmarlt. New-Vorff. 31. Mätz. Baun'wvllzufttbren in dul atlanr. und Golfbäfen 33.000, im Innern 6000 Ausftlhr nach Großbritannien —. nach dem Kontinent 18.000. Lokalmarkt :?8 60 (letzt. Kur? 27.70). Tendenz: Sehr fest. — Termine: Mär, —, April —. Mai 28.50, Juni —. Juli 27.50, August 26.25, September 25.15. Oktober 24.58, November —Dezember 24.20. Jänner 23.86. Mehmörtte in St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) B o r st e n v i e b m a r k t. I'lnaemeldet wurden für den, gestrigen Markt 4202 Schweine, allein zu Beginn desselben waren bloß 4162 Stück, darunter 2046 Fleisch- und 2116 Fettschweine aufgetrieben. Der Vrovenienz nach waren — inländische, 936 ungarische, 969 iuooslatvische, 710 dänische und 1547 niederländische. Bei einer Mebrzusubr von 1200 Schweinen und angesichts der konstant ungünstigen Llbsatzverbältnifsc sowohl in Fetivrodukten ivie auch in Fleisch war die Tendenz eine flaue. Geoenüber der Vorwoche erlitten Fettwie auch Fleischschweine einen Preisrückgang von 1090 bis 1500 K. pro Kilogramm Es notierten: Fettschweine vrima 22.500 bis 24.000 K., extreni 24.500 K., prima holländische bis 25.000 K., mittelschwere 22.000 bis 23.000 K., Baueruschloeinc 21.000, bis 23.500 K.. ölte Schweine 19.000 bis 21.100 K. und Fleischschweine 22.000 bis 24.006 (24 500) K. pro Kilogramm Lebendgewicht. S ch a f nr a r k t. Ter Auftrieb belief sich auf 129 Schafe, die tit Anbetracht der besonders guten Onalilät zn 12.500 K. pro Kilogramm verkauft wurden. P f e.r d e m a r f t. Zuni gestrigen Markte wurden 346 Schlächter- und 398 Gebrauchtzvferde gebracht. Bei lebhaftem Berkelir notierten: Zugpferde leichte 4,000.000 bis 12,090.000 K., schwere 8,000.000 bis 18.990.000 K.. Kulschvferde 6,009.000 bis 12,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 5000 bis 13.000 K pro Kilogramm Lebendgewicht. Berliner Börse. Berlin, 1. April. Bei unverändert bochgradiger Geschäfts^ stille bewirkte das verhältnismäßig tticht besonders große, zürn Verkauf gelangendc Material, welches hauptsächlich aus den Kreisen des Publikums stammte, eine weitere Senkuua des Kltrsstandes um durchschnittlich eine Billion und für schwere Werte um zwei bis vier Billimten Prozent. Die mangelnde Anfnahmslnst der Börse hattgt ans den bekannten Gründen hauptsächlich mit einer starker sich bemerkbar machenden Ver^ knappung des Geldmarktes zusantmen. Die Tevisennotierrtngen und Zuteilungen wurde bei etwas geringerenr Bedarf zumeist wieder unverändert festgesetzt. (Alles m Billionen von Marl.) S ch l n ß k n r s e: Türkische Lose Ziehung, Oesterr. Staatsbabtl —, Nordd. Llotzd 6.375, Ler. Elbefchiffahrt 4.—, Berliner Handelsgesellschaft 38.25, Kommerz. Privatbank 5.5. Darmstädter Bank 11.122, Deutsche Bank 10.625, Diskonto- Kommandit 13.—, Dresdner Bank 6.125, Nationalbank für Deutschland —Oesterr. Kredit 0.525, Oesterr. Länderbauk —Beichsbank 20.5, Wiener Bankvereffl 0.4, Wr. Unionbank 0.525. Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft 10.5, Bochnmer Gußstahl 57.—, Daimler Motoren 5.—, Deutsch-Luxemburger 46.—, Deutsche Maschinen 7.—, Dvnamit Nobel 7.-—. Felten tt. Okuilleaume 28.75, Gelsenkirchener Berg. 54.5. Tb. Goldschmidt 14.—, Harpener Bergbau 66.—. Hirsch 5tüpser 35.1. Höchster Farben 14.5. Hohenlohe-Werke 34.875, Laurahütte 14.3, Mannesmannröhrett 38.—, Phönix Bergbau 32.—, Schlickert n. Eo. 37.1. Siemens u. ÄalSke 40.—, Televbon Berliner 5 25. Tollarschatzanweisnngen 84.25. dopvrißtl, V7 1923 Nackdruck verbaten. Teuilch-Lesterreickncher Verlag, Wreu. L0. Fortjetzung. Die Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. Aber es war doch Romantik, wenigstens Tihamer Empfand sie als solche, und er fühlte sich sehr gehoben durch ihren Nimbus, obwohl er alles, was ihm an Gutem;u!am, als eine Art Selbstverstäwdlichkeit auffaßte, als etwas, das ihm gebührte. Ja, es rvar das wenigste, wenn ihn das Leben mit allem Guten überschüttete; denn er war doch Naghszombaty Kraus Tihamer, und jedermann wußte, was das zu bedeuten hatte. Er lvar Nagyfzombarh Kraus Tihamer, ein Junge, der sich bereits in den Kinderschuhen von seinen Kameraden ttnterschieden hatte durch die Sicherheit und das Vollendete seines Auftretens. Dessen erste Knabenhöschen schon den tadellosen Schnitt aufgewicseu hatten, der den künftigen Weltmann verrär. Der stinen ersten Hunger bereits an Kaviarbrötchen und Ereanetorten gestillt hatte und der im Grunde jedermann verachtete, der sich mit robusterer Kost begnügen mutzte. Daß er in den Salons der Budapester exklusiven Kreise seine dekorative Wirkung geltend machte, war doch klar. Er wußte, daß das englische Schnurrbärtchen sein schmales Aristokratengesicht aus das vorteilihafteste hob, und er verstand es, mit einem ungezwungenen Schick zu geben und zu stehen, mit einer spöttischen Gleichgültigkeit die Oberlippe emporzuziehen... Das alles verstand Tihamer. Und er wußte, daß die kleinen Partiemädchen weg waren vor Wonne, wenn er die Gnade hatte, sie zu beachten. Und die kleinen Partiemädchen behaupteten, Tihamer i>abe etwas — keine konnte das näher defmieren —, er habe etwas, das kolossal aufregend auf die Nerven wirke, man werde klein und schwach in seiner Gegenwart; und mait war geneigt, um diesen! Etwas auf den Grund zu kommen, Tihamer die breitesten Konzessionen zu machen. Und es brachte die kleitren Mädchen in er ne gclntbc Raserei, daß er auf diese Konzessionen niemals näher c inging. Ja, er blieb kühl, blaß unb blasiert. Und Fehervari Muci erkürte, wenn sie ihn nicht kriege, so begehe sie Selbstmovd. Denn Fchervari Muci tvar so. Sie hatte Tenrperament. Sie ja. Und mit ihrem zündenden Temperament mußte es ihr schließlich gelingen, auch ans Tihamer Eindruck zu machen. Es mußte gelingen! Denn Muci war doch bisher alles gelungen, was sie nur wollte. Einem Wink ihrer Hand gehorchte jedermann. Dern Glanz der Millionen widerstand keiner. Tihamer aber schien keineswegs gesonnen, Mucrs Ansprüchen entgegeirzukominen. Wohl war er überall, wo Muci war, was sein Ansehen ins Grerlzenlose hob. Das wußte er und ließ sich vorläufig daran geniigen. Es genügte ihm, für den Aüserwähltert Fehervari Mucis zu gelten und in dem eleganten Kreise, der ihre Gesellschaft bildete, daheim zu sein. Sein flottes, gedankenloses Genußleben zu leben, sich von den Kellnern der Nachtlokale .Herr Baron, von den kleinen Balleftratten Schnüki anreden zu lassen. Für' schön, schick und vornehm zu gelten und sich darin zu sonnen, daß rnrn auf alten Jours und bei allen Karteivpartien seine Ansichten beredete. Das genügte Tihamer, und es machte ihm gar nichts aus, daß seine Schneider und Lieseranterl indes Rechnung ans Rechnung an die Bankfivma Kraus Mihaly und Kvrup. sandten, was Papa Kraus weniger imponierte; denn er gewaltn den Eindruck, daß der Budapester Aufenthalt seines Sprößlings in einen Achtungserfolg und diese ,aftigen Fakturen ausmüudete, vom Studieren aber leine Rede sei. So wurde Tihamer denn nach Hause beordert — und das war der Anfarrg der Romantik. Denn er wurde herausgerissen aus dem Kreise seiner männlichen und weiblichen Verehrer. Aus idem Milieu, das für seine gläuzetiden Anlagen und Neigungen das einzig passende war. Wurde mit Vorwürfen bedacht. Gemessen mit dem . kleinlichen und krittligen Maßstabe der Provinz. Sein Vater hatte leinen Sinn für die tadellose Glätte seines 'Auftretens. Ja selbst Tihamers blasierteste Miene schien auf Kraus und Komp, den entsprechenden Eindruck zu verfehlen. Väter sind einmal so. Blind für die Fortschritte der Generation. Und Tihamer sollte arbeiten lerrien. Sich irr die Traditionen des Hauses hmeiufinden. Und bei Krausenö gab cs Szenen, natürlich sehr gedämpfte; demt Krausens waren vornehm, und im Grunde seiner Seele hatte Papa Kraiis sehr, aber auch sehr große Absichten mit seinem Sohii. Papa Kraus kannte Margos Gesinnung, ltub solchen Gesinnungen gegenüber hält sich ein zärtlicher, umt das Wohl seines Sprößlings besorgter Vater keineswegs passiv. Und er war entschlossen, de ne widerspenstigen Sohn dett Brotkorb Häher Zit hängell. Das übrige aber überließ er der Zeit und der kleineil licbestollen dtärrin, die nach Tihanrers Abreise - hysterische Krämpfe bekommen uub unter Füßestampfen erklärt hatte: „Er oder keiner!" Worauf die erschrockenen Elterti ihr Küchteirl auf den Tatra expreß luden ttnd es mit tvendelböer Post nach Szevlak befördere ten. Dorr erhielt sie Arsenitiiijeftionen. zur Stärkung ttnd kalte Abgießungen zur Bcruhigullg. Lag an der Sonne, bis sie schwarz wie ein Negermädcherr wurde. Aß Jwetschkenrompott -zur Fördernllg des StoffwechselZ und trank saure Milch ztlr Beschleuitignug bcr. Verdauung. Alles umsonst. Acnei lmtrbc mager und M-uci verdaute nicht. Gerade das, worauf es den Eltern am meisten ankam. Und Szeplak standihr wirklich schlecht zu Ge>sicht; beim sie schaute. aus wie der kleine Homunkulus, ehe er die Retorte verläßt, uub auch das viele Zivetschkeirrorupoti trug dazu bei, daß sich Mucis Aeußeres immer mehr vergeistigte. Und }■( vergeistigter sie war, -inu so verliebter war sie. Und da half kein Ztvckschkeukompoti. Das mußten auch die Eltern schließlich ein sehen. Und die sahen es auch ein, nachdem Papa Fchervari eine sehr eingehende Ge - schäslskorrespondcnz mit Papa Kraus gepflogert, bei der die sechsstelligen Ziffernreften nicht die kleinste Rolle gespielt hatten. Sic sahen es ein, obwohl sie sich schmerzlich fa-gcit mußten,. daß Kraus Tihamer ein Niemand war, eilt Verbraucher schlimmster Sorte... aber er war doch schließlich Kraus Tihanrer . . . alte jüdische Noblesse, die mit der Fehervari scheu ruhig IMumcrcit konnte. Und das war imnterhin ein gelinder Trost. Obwohl Muci ganz ali-dere- Ansprüche hätte -machen Wunen. Aber schließlich konnte eine Fehervari Ntuei überhaupt nicht nach ihreü An - sprächen heirat-en. Sie mußte auf alle Fälle chinab-stcigen. lgeese^nna solgt.) 1

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