Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-04-01 · Heft 1842 (1.4.1924) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1842 (1.4.1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980925--18398-3005463
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ifc MS_Wim, Dimrtag Wiener MorKenzektnng. 1. Aprü 1924 . @eW« H ■awKiAJHffiimaffisaMiiai mssssm Das Jerusalemer Sportfest in der Pessach' Woche. Einreiseerleichterungeil. Jerusalem (I- T. A.) Das Departmneni für Einwandecuitfl illB Verkehr hat den auswärtigen britischen Konsuln eine Mitteilung gesandt, daß den zu dem Pessach-Spovtsest nach Palästina reisenden Besuchern besondere Crleichtcrunpen in bezug auf die Bisa für Palästina gewährt werden sollen. Gejuche für Visa werden vom 15. Marz bis 1>5. April ewtgepengenommen. Visen werden auf Treu und Glauben solchen Besuchern gegeben, die nicht die Absicht haben, sich dauernd in Palästina niederzulassen und über RAckveisedokumente verfügen. __ Di« wenig gastfreundlichen Lroppauer. Wir finden folgende Kritik in der „Mährisch-Ostrauer Morgenzeitung": Wir haben über dieses Kapitel des öfteren unsere Bemerkungen geknüpft, doch scheinen alte Unsitten wieder emzureißen, weshaO wir darüber einige Worte verlieren wollen. In der vergangenen Woche weilte ein Wiener Gast, die Mnira, sowohl in Mäbrisch-Qstr-au als auch in Trop° pan. Während den Gästen in Ostrau von den tlchcchischen Funktionären und Spielern der denkbar doste Empfang bereitet wurde, scheint man in Troppau en,-weder auf die ankommenden Gäste vergessen zu haben oder liegt eine absichtllich-e Verletzung dcr Gastfreundschaft vor. Weder bei der Ankunft rwch bei der Abfahrt konnte man einen VereinSfunkt-ionär sehen, sang- und klanglos ging die Ankunft, sang- und klanglos die Abfahrt . der Gaste vonstatten. Auch am Spielplatz wurden die Wiener nicht mit Glacehandschuhen behändest. Worin liegt die Ursache dieses Vorgehens? Da wir von mehreren Seiten in derselben Angelegenheit interpelliert wurden, erachten wir es als unsere Pflicht, vor solchen Nebenerscheinungen im Fußballsport rechtzeitig zu warnen, da dies nicht in den vier Mauern Troppaus bleibt. sondern auch im In- und Ausland ein nicht geradezu schmeichelndes Bild auf den Gastgeber wirft und nicht zur Hebung des Sportes beiträgt. Bei internationalen Treffen ist -es immer usuell, dnrch/ine freundschaftliche ZufammenkMft nach denr Wettspiel die Freundschaft zu stärken und zu befestigen. In diesem Falle scheint man aber aus ganz unbegreiflichen Gründen den sonstigen Gebrauch durchbrochen zu haben, Gin Erlaß des tschecho-slotvakischen Innen- Ministeriums gegen fric Roheiten Lei Fuß- / ballspielen. - Bai zahlreichen Wettspielen der letzten Zeit, namentlich wich in Prag, ging es zi endlich turbulent zu; so wurde zum Beispiel das letzte Spiel gegen VÄtoria ZiKkov desweben alb- ' /cchrochen, weil -das Publikum, empört über die Vorfälle, die /ick im Spielfeld Mp Uten, den Platz einfach stürnvtie. Nach /Abbruch des Spieles wurden dann einige Kämpen ganz. /jämmerNch verprügelt. Dies wäre an und für sich nicht gar /so schrecklich wann sich die Vorfälle nicht beängstigend oft / häufen würden. Der Grund liegt m einer biL zur Siedehitze gssteigertem Rivalität zwischen einigen Vereinen, in der Disziplinlosigkeit der Spieler, welche vom tschechdchcn Verband immer imfo immer wieder amnestiert, beziehungsweise überhaupt nicht ^straft werden, damit dieser oder jener Verein, dem Ausland gegemikber stets mir den besten Kräften antreten könne. Die Ignorierung solch skandalösir Vorfälle hat es mit sich gebracht, daß es ans den tschechischen Sportplätzen hie und da wie im Wildwest zugeihl. Nim scheint aber, da die Fußballbchöiden keine M«ne machen, energisch emzuschreiten, der Behörde die Sache etwas zu toll zu werden, wie folgender Erlaß des Ministeriums des Innern an die unterstellten Behörden seiat: ,Ms Ministerium wurde darauf awircerifam geuracht, vatz sich in der letzten Zeit die Fälle von Roheiten bei sportlichen Devanstalturigsn mehren. ES wurde gleichzeitig daraus hingeiwi-eiM, -daß dadurch gerade die Jngenld zu Roherten und Rücksichtslosigkeit verführt wird, durch welche das eigentliche Ziel der körperlichen Ausbildung ans ein sehr gefährliches Feld hinWcrgeleitet wird. Mit Rücksicht auf Mel;c Beschwerden wird das dortige Amt au'fgefovdert. binnen kurzem einen Berichts über die Erfahrungen innerhalb seines Wirkungskreises in dieser Hinsicht vorzulegen, sowie im Falle etwa bereits über die Mittel und Woge, durch welche solchen Roheiten bei Wett, spielen usw. vorigebeugt werden konnte, beraten worden wäre, geeignete Vorschläge für die Sicherheit der Spieler und der Tcilttchmer zu erstatten." Dapl bemettt die .^Bohenna": „Wir sind somit glücklich so weit wie in Ungarn gekommen, wo aus ähnlichen Gründen im Hevbst vorigen Jahres längere Zeit hnckurch Fußballwettipiiele unter Ausschluß hes Publikums, späterhin nur bei einem großen PolizeiansgMot stattfinden konnten. Was sich das Ausland über die hiesigen Fußball« Verhältnisse denken wird, wenn vor einem Wetll'piel hundert oder mchr Gu-nmuknüttel zum Schutz der öffentlichen Sicher« hsit ansmavschieren werden, lassen wir dahingestellt. Schreiten die Fußballbchörden nicht rechtzeitig ein, laufen die Vereine Gefahr, das bessere Publikum gänzlich zu verlieren und die A ll gerne iu'he i t gegen den Fußballsport einzunchmen." Wir sind der Ansicht, daß es auch bei uns in Wien bald so weit kommen wird, tvenn der W. F. B. sich nicht bald zu einem energischen Einschreiten aufrasst. _ , Die nächsten Meisterschaftsspiele. Samstag: Vienna— Rapid; Sonntag: Hakoah—Admira; Sportklub—Ostmark; Amatenre—Slovan; Hertha—Simmering; Wacker—W. A. F. Der Städtekampf Prag—Berlin gelangt am 6. April in Prag zur Austragung. Prag stellt folgende Mannschaft: Staplik (Slavia); Hoser A. (Sparta), Hojcr Fr. (Viktoria Zizkow); Kolmaty. Kada, Cerveny (Sparta); SMaeek (Sparta), Stapl, Vanik, Capek. Kratochwil (Slavia). Das Schiedsrichteramt wird Herr Hirrle (Basel) innehaben. Jüdische Klubs für den olympischen Fonds der Dschecho- Slowakei. An> 12. und 13. April spielen in Proßnitz: Sparta, MaWcrbi, Ham Slavia, S. K. Pr-erov; in Olnuutz: S. K. Olomouc, Halkcha, S. K. Hodolany. D. F. C. Olmütz. Am 12. April spielen die Klubs laut AuÄchu'Ng, am 13. April Sieger gegen Sieger und Äesrcgie gegen Besieigde. Der Berliner Sportklub Schoneberger Kickers in Polen. Warschau, 31. März. (P. T.-A.) Die Berliner unterlagen am Samstag in Lodz gegen L. K. S. 3:6. Im RetourspiÄ wurden die Berliner am Sonntag 0:3 gachlagtn. Hechawer trägt am kommenden Sonntag ans dem Union 21-Platz sein Meisterschaftsspiel geigen BeriiaS aus. Hakoah-Sportplatz Krieau Straßenbahnlinien A, Ak, 5, L, 11 bis zum Sportplatz Sonntag den 6. April 1924 99~ Va5 Uhr im =? Meisterschaft s Admira-Hakoah Vorher die Reserven Vorverkauf ab heute Geschäftsstelle Hakoah, K. Bezirk, Wiesingerstraße Nr. 11 iaaos Fritz Kerr hat nicht, wie wir vorgestern irrtümlich mefr ■beten, gestern Wien verlassen. Er begibt sich erst heute Dienttag um 1 Uhr 55 Minuten nachmittags mit Der Ostbah» uiid nicht mit der NorÄbcchn nach Lemberg. Die Frühlingsredoute (veranstaltet vom I. S. B. chatver, Wien) findet morgen in den Olhmpiasälen statt. Borverikaufsstellcn: 1. Bez.. Cafe Arlon. Rothgasse ö; LÄVit, Rotenturmstraße; Buchhandlung Bauer. WiMingerstraße 12; Hakoah, Wiesingerstraße; Gulsti Schmidt, Miöseumstraße 8; Kavtenbureau, Notenturmstraße 13; 2. Brz.. Aida, Tabors straße 6; Häusler, Taborstraße 57; Stadion, FranzenSbrücken«- straße 34; „Wiener Movgcnzeitung"; 3. Bvz., Tafe Lido, Dampfschifßstvaße 20; Cafe Ilion. Lödvengasse; 4. Bez., Sport-' haus Fischer, Favoritenstraße 30; Storch, Wiedener Hauptstraße Nr. 60; 7. Bez.. Buchdruckerei A. Becks Erben, Kaiseristraße A; Pchhaus Bien. Maria'hiilfevstraßc 116; 8. Bez.. Kartettburea-u, Iosefstädterstraße 81; Bcinnoheim; 0. Bez., Cafe zur Klinik, Spitalgasse 21 a; 16. Bez., Kartenburcau, Mäp--stvaße 8; 16 Bez., Cafe Baldiahof. Ottakringerstraße 102; 20. Bez., Kartenbureau, Wallensteinstraße 22. Leichtathletik. Der Aoung Jewish Sporting Club hat «ine Handball» sektton für Herren und Dcrm.en ge-gmndet. Das Tvaininig hat Herr KnöpsÄmacher (früher Nicholson) überuonmven. Interessenten mögen sich herite um halb 9 Uhr abends im Tafe Arlon, 1. Dez., Iiochgasse, einfiudeu. Makkabi (Zagreb) hat einen deutsck>en Trainer für Leichtachletik und Fußball verpflichtet. Aus den Vereinen. Hagrbor. Morgen Mittwoch, halb 8 Uhr abends, Vor» standSsitzung im Tafe Ilion, 3. Dez., LöweiMsse 89. Die Herren Dr. Hartmann, Rubin E.. Rubm S., Roth, Deichtal. Weil, Rieder Zunder rmd Hormger haben pünktlich und zuverlässig zu erscheinen. Hakoah. Zu dem am Sonntag den 6. d. stattfindende« Meisterschaftsspiel haben nur diejenigen Mitglieder gegen Vorweisung ihrer Mitgliedskarte freien Eintritt rn Len reservierten Raum, die ihren Mitgliedsbeitrag bis Ende Jum bezahlt haben. Heute, 8 Uhr abends, Klubleitnngssitzung. Sämtliche Herren werden gebeten,^ bestimmt und pünktlich zu erscheinen. — Lawn-te nnis-Sektio n. In den ersten Ostertagen wird bereits das Training aus den Krieauer Tennisplätzen eröffnet. Die zahlreichen Anmeldungen haben die Sektionsleitung veranlaßt. umfassende Vorbereitungen für einen radionellen Spielbetrieb zu treffen. Die Neuangemeldeten sowie alle übrigen Mitglieder ,die ihrer Saisonbeitragsleistung noch nicht rmchgekommen sind, werden ersucht, ehebaldM dre Beiträge an den Sektionskassier Herrn Leon Eisner, 6. Bez., Esterhazhgasse 34, eventuell mittels Postecklagscheines oder zu Händen eines der Ansschußmitglieder zu entrichten. Wünsche bezüglich, der Spreleinteilung können nur 'insoweit berücksichtigt werden, als die Saisonbeitrage -rechtzeitig erlegt wurden. Der Saisonbeitrag für Neueintretende beträgt 1,000.000 K. exklusive Klubbeitrag cher 124.000 K.). Auskünfte und AnmeMngen täglich im Klubsekvetariat. 1. Bez.. Mesingerstraße 11, Souterrain, Telephon 76-0-10. mit Ausnahme von ScrmStag uvd Sonntag. — Akademische Sektion. Zu der heute um 8 Uhr abends im Klubheim ftattfindenden Bollvevsammlung haben sämtliche Mitglieder unbedingt zu erscheinen. Hasmonea. Morgen MWwoch um 8 Uhr abends äußerst wichtige Spielerversammlung» Donnerstag 8 Uhr, Borstcmdssitzung im Cast Piffl, 2 .Bez., Fvanzensbrückenstraß« 1. Sonntag Meisterschaftsspiel gegen Achen. Die Klubmeistersckaft der Table-tennis-Sektion wird kommenden Samstag beendet. techawer. Geselligkeitssektion: Heute haben dir Herren tig. Bien. Fred Beck. Dr. DiKer. Flußmann. Frisch, Grün. Groß, Hochwald. Dr. Kriege!, Lichtensteon, Kollmar«, Dr. Presser, Rubin. Salzer und Schmorak bestimmt im Cafe Lido um 9 Uhr zu erfchrrnen. Karten für dir Redoute müssen, bis Mittwoch, 10 Uhr abends, verrechnet werden. Nicht derrechnete Karten gelten als verkauft. — Fußballfektion: Die - Sektionsleitungssitzung wird auf übermorgen Donnerstag verschoben. Donnerstag auf dem Union 21-Platz Training. Poung Jew'isih Sporting Club. Schwimmsektion: Heute Dienstag, vierteil 8 Uhr. Tvaining im Beatrixbod, 8. Bez., Bahngasfe. Oopyri^Ui d; 1»»S NachdrucI rnholen. DnNsch-Oestenüchgchtt Verlag, 8Bltn. 59. Frrtirtzuvg. Die Heimatlosen. Bon Wilma Vukelich. Willst hu mich an die Lagerstätten meiner Kranken begleiten, die unrein sind und von bosom Ungeziefer wimrneln? Mills! du mir helfen, jene -heilen und trösten, für die es sonst keilen Trost mchr gibt? Willst du ihre Kinder warten? Ihre Frauen belehren? Sie all da's lehren, was du selber weißt und was da ist, um das Leben leichter und erträglicher zu machen? Willst du mit mir den Kampf anfnehmen gegen jahrhundertealte Vorurteile und Gepflogenheiten^ Den Kampf gegen jene selbst, die dir nicht einmal Dan! dafür wissen? Willst du ein Pionier des Lebens fein, die Entbehrungen jener Menschen teilen, mit ihnen ringen. . . -und sie dein Lachen lehren . . . dein liebes, klingchdes Lachen, das einmal auch meine Erlösung war. Und das mich noch heute lockt, dir zu folgen . . .?* Dann wer stockte Daniels Feder und ex schüttelte voller Bangickeit und Zweifel den Kopf. „Du kamst es nicht. Tu kannst mir nicht folgen. Aber du kannst mih auch nicht in deine Welt hinüberzwingen, der ich fremd gegenüberstehe wie du der meinen. Soll ich mich selber verraten und dann ein Leben lang mit gesenktem Blick,iScham aus den Wangen, scheu durch eure Reihen schleiaen? Gebrochen im Kern«, untauglich für hüben und dvjben? Und sich, Lydia! Ich kann nicht m euren Reihen leiben! Nicht siinmal mr deinetwillen. Denn so lange ich diese Lust atme, bi» ich -einer nicht 'wert. Ja, ich fürchte mich hin- Kutreteu vor sich, denn du kannst ja nichts anderes in miir schen, allsiden waffenmüden Kämpfer, der sich ergab, noch che der r.ste Trompetenton erschallte. Noch che der erste Schlvevtsüeich siel. . Doch nicht wm mich Handolt es sich, sondern um dich. Hast bu die §coft, mir zu folgen, so komnte, Lydia! Nicht nnl mein t-, wm deinetwillen magst du es tun. Um der Seligkeit willen, di« aus der Hingabe an ein ganz großes Gefühl stammt. Um der Liebe willen, der dein Opfer erst den Glanz und die Tiefe geben wird. Was sind mein Glück, mein Leid, an so großem Dingen gemessen? Nur eines noch WA ich dir sagen, Lydia. Du weißt, daß ich einzig durch dich und an dir alles Lichte, alles Warme, alles Freudvolle ertfel&m kann. Das weißst du, Lydia. Nu-n tu, wie du tun mußt. Nicht u«m meinetwillen.. Um deinetwillen tn's." Uelber diesen Brief weinte LMa bitterilich. Wointe eine Nacht durch und wußte selber nicht, ob sie um sich oder um Daniel weinte. „Daniel, Daniel!" schluchzte sie in ihre Kiffen. „Narr! Träumer!" Und sie zerbiß die Kiffen, denn wioder empfand sie jene Machtlosigkeit, die sich wie eine Mauer zwischen ihr und dem: Leben ausrichtote. Und Lydia konnte nicht darüber hinweg. Ihr war so bange mit einsmmall. Der Genuß versagte. Und auch sie selbst versagte. Das war das SchmeMchste. Sie fühlte sich ausgÄiesirt. Hatte sich verloren, so wie sie Daniel verloren, der doch ihr gvhört hatte als ihr unbestrittenes Eigentum, als ihre letzte Reserve und LobenSmögllichSeit, seitdem Lydia zurückdenlen konnte. Und sie empfand, je heißer der Zorn in ihr anschwoll, um so schmerflicher i>> Größe der Enttäuschung, uns es schien ihr unmögl:cy, errdgültig auf Daniel verzichten zu sollen. Ebenso unmöglich aber erschien es ihr, mit ihm zu gehen. Schon diese Fordemng empfand sie als Hohn und Verletzung. War der gute Junge närrisch geworden? Hatte er nur einen AugeMick lang an die Möglichkeit gedacht, Lydia lvnrde kommen. . . freiwillig und von selber, um rhret- und nicht um seinetwillen . . .? Oder hatte er sie einfach verhöhnen wollen, da er doch gut wußte, sie könne auf Leben und Freude nicht verzichten? Und was sie Leben ngnnte, wußte er ja: Toilletten mrb Theater, Reisen und Jours, Bewundermtg und Flirt. Gab es das in jenem wüsten Land, in das fw Daniel führen wollte — um sie die Freude der Arbeit und der Pflichten zu lehren. . .? Und schon stahl sich ein leiser Spott um ihre Lippe«, und rhve Tränen, ihr Schluchzen sprangen rn ein närrisches krampfhaftes, uuhemmbares Lachen über. Lydia in Jerusalem! War das auszudenken? Unter lauter Leuten mit rotunterstrichenem Judentum! Wie gut eiN'.m solch prononciertes Judentum nur zu Gesicht steht! Und Juden en rnaffe. Juden ohne Ende! War das überhaupt erhört? Der liebe Gott hatte sehr gut gewußt, was er lat, als er die Juden so schütter anbaute, immer einen auf hundert Christen. So nehmen sie sich doch noch dekorativ ans . . . aber im Judenstaat, wo sich einer über den anderen fortwährend zu Tode ärgern muß . . . Nein! Und sie lachte, lachte unaufhaltsam, bi's ihre Augen sich wieder -näßten. Gott, hafte dieser gute Daniel Ideen! Er war zu naiv. Und hatte im Grunde doch keine Ahnung, wer Lydia war. Er kannte sie ganz und gar nicht. Wußte nichts von ihren Wünschen und ihrer Sehnsucht. Sonst wäre er einfach gekommen und hätte sie in seine Arme geschloffen. Hätte sie lie-b gehabt. Da es doch das war, was sie vor allem begehrte . . . War Judentum wichtiger in seinen Augen? ' Und dann trocknete sie ihre Tränen und suchte sich zu tröstrn. Suchte alles mit einem Ruck von sich zu tun. Die ganze Vergangenheit. Sie würde schon fertig werden mit ihr. Wenn sie nur recht -wollte. Und immer noch gehörte die Zukunft ihr. Das „Große" lvar keineswegs n-och verspielt. . . * Auch Tihcvmer hatte seine Romantik. Es war die Romantik der reichen Söhne aus beffereir jüdischen Häusevn. Sie tat niemand weh, aber auch niemandem wohl. Sie war nicht kalt und nicht warm und bewegte sich streng innerhalb der Gedankerr» mild Äebenssphäre jener Kreise, die, weil sie sich alle's erlauben, niemals bis zum Außerordentlichen gelangen können. Die sich an die Norm halten und an die Form. Und wenn sie schon ein paa: Linien von Norm und Form abweiche«, so geschieht es m einer Augenblicksanwand'lung; und auch mit dieser Amoandlnng trüben sie zum Schluß kein Wässerchen. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.