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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-15 · Heft 1825 (15.3.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1825 (15.3.1924)
Date
1924-03-15
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Wiener Morqeuzeitun« 26. Mürz 1924 Nr. 1 m «mr, «mnsmtz O Fußball Die Meisterschaft. Zwei Spiele, die zur erstklassigen Meisterschaft zählen, finden bereits heute statt. Das bedeutungsvollere gelangt «lf der Hohen Warte zur Austragung wo Vienna und Admira -oinandei entgegen treten werden. Die Döblinger zählen nach ihrem Erfolg über die Amateure zu unteren ersten Meisterschaftsanwärtern. Dies besagt ober keineswegs, daß sie die Vereine, die in der Tabelle tvenig:r günstig placiert sind, unterschätzen dürfen. Mit der Admira ist die Vienna fast immer ohne große Kraftanstrengung fertig geworden. So wurden die Floridsdorfer auch inr letzten Treffen 3:1 geschlagen. Heute gelten die Döblinger wieder als Favovits. Wenn sie auch kaum göschlaMN werden dürften, so ev cheint es doch nicht ausgeschlossen, daß sie mit ihrem Gegner die Punkte teilen müssen. Die Vienna wird aleo auf der Hut sein müssen. Ostmark spielt heute auf eigenem Platz gegen Slovan. Die Brigittenauer sind sicherlich besser, als man auf Grund der wenig schmeichelhaften Resultate glauben könnte. Sie haben aber das Selbsivertrawen verloren, so daß sie keinen vollwertige» Gegner mehr abgeben können. In ihrer derzeitigen moralische» Verfassung werden sie den tüchtigen Wiener Tschechen die Punkte kaum streitig machen können. Die Makkabi-Wettkampfe bei der Jerusalemer Festwoche. Aus Berlin meldet I. T. A.: Seitens des Präsidiums k& Makkabi-Weltverbandes zu Berlin wird der I. T. A. mitzeteklt, daß an dem vom Makkabi-Kreis während der Pasiähfestwoche in Jerusalem veranstalteten Wettkämpfen alle naüonaljüdischen Vereine in der ganzen Welt teilnahmsberechtigt ßnd. Mokkabi in Palästina stellt für die ganze Zeit des Aufmchaltes in Jerusalem ein Zeltlager zur Verfügung. Die Wettkampfausschreibungen setzen sich aus fast alle» leichtathle- Men Wettkämpfen zusammen. Ein neues Dorado der Fußballer. Kürzlich meldete -ein Wiener Blatt, daß Deutschland feit kr Stabilisierung seiner Valuta ein neues Dorado der Fußballer geworden sei. Dagegen wehrt sich nun das „Berliner Tageblatt" in einem Artikel, in welchem unter anderen aus-- zeführt wird: „G?wiß hat unsere wirtschaftliche Stabilität segensreich ruch im Sporte gewirkt, und speziell unsere Fußballvereine, die h» schweren Nöten, sind so lansam auf dem Wege einer innerett Desundung. Weit über das Ziel hinaus schießt aber die launige Plauderei im „Wiener Sport-Tagblatt", wenn dort der Satz ^prägt wird, daß die deutschen Fußballvereine etben jetzt in »er Lage wären, für ein einziges Spiel an die 5000 Goldmark pt bieten. Eine utopistilche Wendung, vielleicht launig hinge- »orf.en, die aber in der Oeffentlichkert eine völlig falsche Vor- LÄlung erzeugen muß und daher einer ernsten RichtiAellung Bedarf. Kein deutscher Fußballverein ist heute in der Lage, eine »erartige Phantasiesumme für eilt ausländisches Wettspiel anpllegen" eine Summe, die auch ohne weiteres seitens der maßzebendev Fußballbchörden niemals als zulässig genehmigt werden würde. B:i großen Länder- und Srädtaspielen, di« fast stets eine Rekordzufchauermenge im Gefolge haben, könnte srne solche Summe vielleicht in Frage kommen. Der Wiener Plauderer scheint in seiner leicht tändelnden Wiener Art den .heutigen rechnerischen Wert von 5006 Mark zu verwischen. Lin praktischer Gegenbeweis, der zurzeit den deutschen Fußballmnd beschäftigt, erhellt schlagartig die vorgezeichnete Situation: Der Deutsche Fußballklub (Prag) hatte die Absicht, zu Ostern auf Einladung des Mülhenner Sportvereines eine Reise nach Westdeutschland zu unternehmen. Der Verbandsfußballausschuß des westdeutschen Spiewevbandes hat nun vorläufig jedes Spiel mit oem D. F. C. (Prag) verboten» und zwar aus folgenden Gründen: Die Prager verlangen nicht tveniger als freie Fahrt 2. Klasse, vollständige Verpflegung und 6000 Goldmark. Der Deutsche Fußballbund wird bei dem tschechischen Verband über diese maßlose Forderung energisch Beschtvcrde führen. Wir sehen, daß diese launige Plauderei des.Wiener Blattes amen recht ernsten Widerhall bei uns hervorgerufen hat. Die deutsche Oeffentlichfeit muß wissen, daß wir alles daran sehen, unserem Sport Achtung dem Auslande gegenüber zu verschaffen, daß wir aber niemals als „Eldorado" gelten wollen und können. Unsere Wiener Sportkameraden sind uns stets liebe Gäste, aber sie dürfen nie den sportlichen realen Boden unter den Füßen verlieren." Soweit das Borliner Blatt. Die Verhältnisse nrüsien aber doch anders liegen, denn mehrere deutsche Vereine haben Wiener Vereinen 6000 Goldmark pro Wettspiel «»geboten und auf dieser Basis auch Abschlüsse getätigt. Jüdischer Sportverband. Ko-nrutenden Montag am halb 8 Uhr abends im Hakoah-Klulbheim, 1. Bez., Wiesingerstraßo Nr. 11, gemeinsame Sitzung der Delegierten aller Sportvereine und des Vorstandes des Jüdischen Sportverbandes. Alle Vereine haben Mevsichtlich einen Vertreter zu entsenden. Rabinowicz» Altmaun und Wiesolmann sind zn ihrenc Stammverein Hagibor zurückgekehrt. Am 23. Marz spielen die Wiener Amateure gegen die Sparta, die Vienna gegen die Slavia in Prag, Admira gegen S. K. Mor. Ostrava in Mährisch-Ostrau, die Simmeringer gegen die Deutschen Sportbrüder in Prag. D. C. (Prag) spielt morgen Sonntag in Hamburg gegen F. C. Eimsbüttel. Cechsc Karl!» in Spanien. In ihren: zweiten Spiel gegen F. C. Sevilla verlor Ecchie Karlin 1:2. Robert Hastel, der zuletzt für den Teptitzer Fußballklub tätig war, hat sich wieder bei seinem Stammverein, vom Sportklub Wacker, angemeldet. Vestham United liegt sehr gut im Mitvettreisen der englischen Ligameisterschaft. Jnt-eresiMttertveise trenn dir Engländer fast jeden Sonntag in 'denselben Aufstellung an. in der sie gegen Hakoah 5:0 unterlagen. Kürzlich wohnte das Älubleitüngsmrtglied Direktor Brind einem Spiele des Vereins bei, aus welchem Anlaß ihm besondere Ehrungen zuteil wurden. Boxen. Samson-Körner boxt in Paris? Der neue Menager des Schwergewichtsmeisters Paul Samson-Körner, Dr. Louis Meyer, weilt augenblicklich in Paris, um Kampfabschlüsse für seine „Stallgröße" z« tätigen. Demnach wird Paul Samson- Körner voraussichtlrch bereits inr Sommer dieses Jahres in Paris einen oder mehrere Kämpfe absolvieren. Carpentier witÄ nicht, wie gestern vielfach berichtet tvurde, in Berlin ein Exhibitionsmatch austrageu. Sein Wenn Hakoahner heiraten kaufen sie ihre Anton Schlesinger I.Wallnerstraße3 (nächst Kohlmarkt) . wo sie bei Vorzugspreisen ein reicbassortiertes Lager von einfachen sowie Luxus-Möbeln vorfindoL Zahlungseiiekhterungen nächstes Match ist vielmehr das gegen Townlcyawf der Hohen Wart». __ Schwimmen. Die bekannten Schwimmer und Wasserballspieler Robert Raffay und Ingenieur Heinrich Goldemnnd sind der Schwimnlsektion der Vienna beigetreten. Leichtathletik. Die Meisterschaft von England im Croß-Country. Die in Doncaster zur Entscheidung gelangte englische Croß-Country- Meisterschaft über zehn Meilen fiel an den Favoriten Cotterell, der die Strecke in 56:50 zurücklegte; 2. Harper in 66:54; 3. Webster in 57:06; 4. Williams. — Jnterklubmeisterschaft: L Birchfield Harriers; 2. Surret) A. C. Unsinn, der Schule macht. Anläßlich des am 26. d. stattftndenden-Hallensportfcstes im Velodrom Kaiserdamm in Berlin, Veranstalter Sportklub Cbarlottenburg, soll das Zweistunden gehen und -laufen nach Art der Sechstagerennen durchgesührt werden, das heißt, daß alle zehn Minuten eine Wertung der Läufer vorgenommen wird. Diese Anregung machte der bekannte Langstreckenläufer und vorjährige Sieger im Marathonlauf Hempel. Heute werden jedenfalls große Teile der Leichtathletiker dieser Neuerung etwas skeptisch geqennberstehen'. Ob eine derartige Sensation im Amateursport Anklang findet, ist vorderhand eine offene Frage. Fechten. Italienische Fechtersitte. Biel bemerk* und belächelt wurde bei der Fechlveraustaltnng des W. A. C. die Tatsache, daß der italienische Amateurmeister Puliti nach dein gewonnenen Match gegen Dr. Herschmann den allgemein gebräuchlichen Händedruck mit zwei herzhaften Küssen aus die Wanken seines Gegners begleitete. Mag solches Vorgehen auch nicht gerade appetitlich sein, es zeugt MnMs von der Herzlichkeit des Fechters, mit welcher er von seinem Gegner scheidet. Es ist nicht anzunehmen, daß diese italienische Sitte auch hier ©ht*. gang findet. ec. ec. raschest und zu billigsten Preise» bei Ehrenpreise Metallwarenfabrik Großman« & 80. Rfg. Schüller & So., Wien. 15. Bez.. Jdagasse 11 lft56° Alleinvertreter: Egon Polln! (Hakoahh Telephon Nr. 82-1-93 sämtliche Modeartikel wie Herrenhemden, Krawatten, Socken, Strümpfe W i e a. 8. Taborstr. 59 Svortartikel sämtlicher Sportzweige lagernd! Copyrijzth 1 r 23 hy Rackdruck verboten. brüchh-Oisterrrrckischer Berlan. Wien. 4b. Fortntzunz. Sie Heimatlosen. Von Wilma Vukelich. Uild dennoch! Dort war er daheim. Es war die Welt, Mrs der er empo-rgestiegen.. Es 'war -das B?bk. Sein Volk, dessen Führer er werden' wollte. Das er erlösen wollte mit der Jdee.^'Dsm er Licht 'bringen wellte durch die Macht stines Wortes. Und er erinnerte 'sich jener Abende, der ersten m Budapest, da er Tibor seine flammenden Artikel über Volks beglückuing und Volks-erlösung dortpk\m hatte. J-n einer eiskalten Kammer, ohne Licht und ohne Atendbrot. Wie wundertooll war der Rauisch dieser Erhebung gewesen! Wie er sich beraulschte an seinen Phrasen, an seinem Glauben, wie er sich erhob -über sich ftikber twtb ein Gott wurde, der begi'ückle. Einer, zu dem die Menschen empcrfehen, um mit zitternden Händen ihr >Heil wwd ihr Wehe von ihm zu empfangen. Und er hatte sich ihronr.Dienste angelrbt. mit Leib und Seele. Die Rechte der Entrechteten wollte er vertreten. Die Ketten der Geiesselten ilö-ftn. Das Laster auslöschen. Die Krankheiten heilem Diese aus^emergelten, von Arbeit und Not zermürülen Äövper wieder erblühen machen. In die Fabrileu gehen Md predigerl: ihr seid die Herren, Hebet eure -Häride aujf -und alle 'diche Maschinen stehen, still. Alle Räder des Staates, der Industrie wn-d ^des .Handels stechen still. Die EiMhghnen gehen nicht nwhr. Man sät kein Korn und bäckt kein Brot. Ma.n schürft keine Kohle «nd hämntert kein Eisen. Hört khr? Alles seid ihr . . . und ohne arrch ist nichts! Die aber, die in Seide und Samt eurv Müi^ verpvassen, eure Arben vergeuden, die reißet aus »hrerr aite« Palästen, aus dem Schutz ihrer alten Vorrechte und zeiget -ihnen, daß ihr< die Herren seid. Ein dünkelgeblähtes, altersschwaches Magnatentum, eine feiste, aus eurem Blute gemästete Bour-Feoisie . . . und alle ihre Institutionen ... ihr Heer und ihre Justiz, ihre Kirche und ihre Presse . . . Werfet sie über den Hausen, zertstcnnpft sie! A la la-ntevno mit ihnen! Ecrasez l' infame! Faist schrie er die letzten Worte laut heraus in feinem Taumel, und es -war Mt, -daß cs scheu liefet Abend war und die Straße menschenleer. So hörte ihn (feiltet. Nur verwunderte Augen hefteten sich da und dort aus ihn, und ei» leises Lachen folgte chm. Ein Tmnfener, einer mehr. Wie viele Trunkene taumeln durch die nächtlichelt, Straßen Budapests! Und Lajos dachte weiter. Nem, das 4var kern Denken mehr. Bild um Bild rollte ab in seinem entzündeten Gehivn. Ta 'war keine Logik, kein Wollen. Nur ein ehernes Müssen. Er fühlte: der Faden ist in meiner .Ha-nd. Langsam entrollt er sich. Wo das Ende ist, weiß; ich nicht. Wohin ich gehen -werde, weiß ich nicht. Aber ich muß gehen. Schritt um Schritt/ Das Ziel ist iw mir... irgendwo böge, ferne und im Dunkel, lind kämpfen kau» ich. An-- kämpfen. Aber toas nützt es? Wenn ich doch muß, wie mich das Tmnfel zwingt. Und ldcvnn stieg wieder Koomtzers Bild s»ov ihm empor. Widerlich. Mit seitwärts gebtchtelen Augen, den großen geschlvollentzn Mund zum tückischen Lächeln verzegen. Und dies hieß schiel als: du wirst kommen, mein Sohn. Ich kenne dich. Denn auch du bist einer van den Gierigen, die der Genuß hält, wenn er ihn einmal in Händen hat. Glaubst du, ich -habe deine neidischen Blicke nicht erkannt? Glaubst du, ich weiß daß du leben willst?^ Komm' nur! Da ist alles! Geld und alles, was käuflich und um Geld 51t haben ist: Weiber und Räusche . . . und das Spiel -mit der Macht. Jcur -wählerisch darfst du nicht sein. Wählerisch nicht. Sieh' ntich an, den großen Kornitzer! Weißt du, wie ich mich emporsraß, wie ich mich durchgrub durch jeden Unrat, durch jede Gemeinheit? Und dann lachte Kornitzer, fein breites, fettes Lachen, das die Zähne entblößte und den Nachen ausriß. Und sein Gesicht wurde zur Fra^-e und sein Lasten wurde zmn letzten Höhnlachen, das Ekel ist. Der Ekel vor den andern. De-r Ekel vor sich selbst. Und dann war Lajos, -ohne es recht zu merken, vor dais Redaktiousgo-bäude der „Noten Fahne" gekrenmen, und es war bereits Nacht, als er in den dwnlklen Torflur e-inbog. Und er merkte es nicht, daß er über Kisten und Ballen stölPorte; den-n die Gedaüken trugen ihn, diese (Gedanken, die noch immer abssitsgiugen und vom Ziele ablenkten. Nein, ein Etwas trug ihn und trieb ihn vor-- wävts, Schritt um Schritt. Er selbst aber ivar hilflos wie ein Kind, ja, er wehrte sich gegen sich selbst, grub die Zähne in die Unterlippe, bis sie zu bluten begann, strich ein ums-andere Aial über die Stirne, die vom Schweiß troff, als -ob -er den Nebel verteifert wollte, der ihtt am Sichen hinderte. Und stand nochinalZ stille, nachdem er bereits die dnn-tle Hühttersteigentreppe omporgirklomnten «war; sein Atem feuchte und seine Nüstern we-itetetr sich. Nun gehst btt in die Falle, Lajos. . .! sagte er sich selber . . . und schneidest ben Faden ab, der dich mit den: Leben verbindet! Tann aber wurden feine Lippen.gartg schmal und trocken und er preßte sie ztts-anunen, u-nK Gewalt über sich zu gewinnen-, f' v' - (Fortsetzung folgt.)

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