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Wiener Morgenzeitung · 1924-03-09 · Heft 1819 (9.3.1924) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1819 (9.3.1924)
Date
1924-03-09
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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6e!fr 14 9. Mr; 1924 Nr. 1819 Wien. Sonnkiq Wiener M"r«*en^eitnnft. n 0 P I Bl R I ( H T Gala du printemps. Das Frühlingskleiid Hai stets etwas Heiteres, Ber-- säugendes an sich — wie der Frühli-ng selber. Denn cs derlangt als Rahmen den janen Sonnerstrahl und de.s schnüre Grün der ersten Knospen, und mit dem Reichtum an Gefühlen mtb Stimmungen stellt sich der Wunsch nach Kleidern cm, die diesen Gefühlen entsprechen. Damit hängt — wenn mau in der Mode Psychologe sein will — der R c ichtu m an F r ü hi o 9 x § m o b c I i c n zusammen. Keine Saison, nicht einmal der Fasching, kann mit ihnen in bezug aus Varianten konöurricren. Aus der unendlichen Anzahl von Wünschen und Projeklen, von Hoffnungen und Möglichkeiten kristallisieren sich die mann'g-- fachen Varianten in Kleid und K o st ü m, die mannigfachen Varianten in Farbe und Linie. Dieser Tatsache har der Pariser Modellschichsee Paul Poiret Rechnung getragen, indem er seine srucn Frühjahrs- -Novelle hinemverwob in ein Fst, eine Gala du printemps, wie sie alljährlich in Nizza aogehalten werden als Abende doll Anmut und Freude, kurzum als die richtigen Frühlingsfeste. Dort gibt die Narur des südlichen Klimas den Rahmen, wir m der kälteren Zone msz uicren die Frühlingsimpression im geschlossenen Saale. Dazu sind Requisiten notwendig und die hat Poiret in reickier Fülle mitgebracht. Seme Modelle sind der Ausdruck einer r in persönlichen Rote, die bewutzr von der Norm abweicht und daher vielfach dem Diener Geschmack zuwiderläuft. Dies ist der Grmvd, w shalb man sehr vorsich ig sein mutz in der Auswahl der Säcke: ijcitw. Kleider sind nicht die obligaten Garderobestücke der Notwendigkeit, vielmehr Spezialitäten für einen verwöhnten aber dabei extravagamen Geschmack. Poiret legi besonderen Werl aus die kleinen Verzierungen, die neben dem Schnitt das Kleid apart machen können, wie eine dünne, zarte Spitze oder eine hübsch angesctzte Rüsche oder originell ziselierte Metallreile und dergleichen Mätzchn. Selbstverständlich finden alle seine neuen Kreationen Aufmerksamkeit, in diesem Falle aber interessieren uns m erster Linie die S o m m e r a b e n d k l e i d e r, die auf der Gala du printemps wie aus einer Reunion in einem großen Kurort präsentiert wurden. Da war beispielswere ein Revnekoistüm zu sehen, ,La Rose": aus Taft in verschiedenen Rosatvnen abschatriert und in der Form von Rosenblättern zusammengesetzt, so daß der Eindruck einer aufblühenden Rose erweckt wird, noch gehoben durch den Umstand, daß das Kleid ein Stilkleid ist, also in der Taille ganz eng und, von der Taille ausfallend, eine richtige Krinolme bildet! Aus jedem der Rosenblät^erteAe sind Straß-Steine ang bracht, die Tawtropsen Vortäuschen sollen. Eine zweite Kreation, von entzückender Wirkung mit der Wendung nach dem Osten, wobei der orientalische Charakter durch die gekreuzten, aus fe irrstem GoMame gearbeiteten Rockteile erreicht wird, die vorne gerafft übervmandergelegt, an den Fsse-ln mir einem Gokdbändchm ge- Ärnden sind, hingegen nach rückwärts in eine eleganteschmÄe Schleppe auslaufen; der Oberteil ein eng anliegendes, ois unter die Husten reichendes Leibchen ans goldbrochiertem Material, besonders auffallend durch die eigenartigen buntfarbigen Ornamente. Neben der Glocken form favorisiert Poiret immer noch die gerade, hemdartige Linie, die dadurch Abweichungen erfährt, daß der Rock in feinsten, fast stecknadelengen Stchplisies verarbeitet ist. Bei den bunten Stickereien finden Motive seltenster Art Verwendung, die an antike Muster erinnern. Die Gewebe sind Ripsstoff, Crepe Marocain, Otto* manseide edelster Qualität. Alle Modelle zeichnen sich durch Farbenreichtum aus. Die Gala du printemps, selbst ein Fest freudiger Äimm-ungen und früh! msisha sie r Pracht! Der Frühling her- ^orgezaiweri durch die originellen R quisiten. mir den-en Poiret ''eine Gäste überraschtefür die Damen Schäferiunenhü te aus Manila, Floreminer und aus leichten Geflechten -eit reichen: BliimeMor. als Kopfputz ferner groß'', aufgeblü-bw Rosen in Toquesorm! Die Herren wurden mit großen, typisch SPITZER & MARKUS II. HOLLANDSTRASSE 1 ATELIER für feine englisch« vomi»hm“ftaTn*inmf>de Herren^ardorobe Ko_stume’ u. Straesen-Kleider vornehmsten Genres in feinst« AaafShroa? Elegante CLamenhule französischen Gä r nt nerhü t e n, mit blauen Gärtnerschürzen und niedlichen Gießkannen ausgcstattcr, weitere pikante Requisiten waren kleine Vogelkäfige, Kirschblüten mit verborgenen Vogelnestern, wobei durch einen Mechanismus Bogeia-ezwitscher hervorgerufen wurde; für die Blume nsch lacht gab es originell kaschierte Luftballons alle Arten Frühlingsblumen, der große Saal g:rland:n dekoriert. Ms bc'wnd ve Parfumstakons, Marke „R o s i n c", arrangiert. Die Modcschau faszini rte, sie ließ den E'.ndri'ck vortresflichLr Improvisation zurück, der Frühling selbst hielt seinen Einzug in den munkdurchhaachten Sälen. mit mächtigen Rosen- U e bcrraschwn gsges chenke teilweise mit Blumen LPfcfe Aus der Fülle der Toiletten, die beim Poirerschen Frühlingsfest Aufmerksamkeit gefunden haben, heben wir zwei Stücke hervor, welche für den ersten Sonnenstrahl besonders gee'gnet sind. Das Nachmittagskleid, aus braunem Moire, ist in ganz gerader Linie gehalten; der Sattel, der Rockansatz und bie weiten Manschetten bestehen aus Terracotca-Crepe Georgette mit großen indischen Motiven in Gold- und Silberfäden gestickt. Die Originalität dieses Modells wird durch einen ziselierten Metallreif erhöht, der die rückwärtige Partie bis zu den Hüften Ansaminenhilt. ''Weiß ist unbedingt der Clou des Sommers und wird zum Teil schon für das beginnende Frühjahr vorweggenommen. Wir zeigen ein weißes Ripskleid, oas durch Verwendung einer Weste aus gleichem Material eine zweifache Impression gestattet: Kostüm und Kleid. Diese Impression wird dadurch erzielt, daß man über das komplette Kleid die Weste aulegt, deren Aermel gleichzeitig die Aermel des Kostüms darstellen. Der Oberte'l des Kleides ist glatt, durch einen bunten, mit bulgarischen Motiven hcmdgestickten Gürtel mit dem Rock verbunden, deren Pttsses vorne und rückwärts liegend, an den Seiten stehend sind. Den oberen Teil des Kleides ziert vorne ein großes, gesticktes Sternornament. Aermel eng anschließend, an .den Manschetten bestickt. Die Weste fällt geride, sokkoartig, ,mü einem aufgesetzten, bestückten Stehlragen, die Taschen nur markiert durch aufgesetzte Stickerei. r. m. «sd! i C. BOJ KO ABEND- U. BALLKLEIDER TEEKLEIDER. KOSTÜME WIEN, I. KARNTNERSTRASSE Nr 34 Eingang Maysederpasse iss nur im Stock (Lift) 4 TUCHHAUSzum HIRSCHEN MODESTOFFE LETZTE PARISER NEUHEITEN II. TABORSTRASSE 17b I. 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