Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1814 (4.3.1924)
- Date
- 1924-03-04
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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mt. im mm,mm ' WStmrmm^ twm\m mm Die Pariser Olympiade. W-r eutMhmen nechsteheu»tee UnSsithvungen der Prager Presse: „Obwohl Mt der AnstraMUa der einzelnen Konkurren- Kß bereits am 8. Mat mit den Rugby-Fuschallspielen begonnen, e dann mit den Assaeiatton-FußbaNämpsen fortMsetzt tverden, «fofflflt demtochtetic offt^klle feierliche: Eröffnung der Spiele erst am ö. IM. Die teiesbePÜplichen Vomrbei>ten sind schon beendet und da8 genaue Ewssmi-uasprograntm Wagt bereits vor. Nach diesem wird die feierliche Erössmmp des Stadions in Dolombcs am ö. IM, L Wr nachntittagS, durch den Präsidenten teer Re- PuMk Millerand vorgenonunenBaron de Coubertin, >teer Präsident deS Intemat-ionalen Otympischeu Weltverbandes und Eo»nie de Elarh, der Präsident des Pariser Olympischen lKomitseS, werden Mnllerand am Eingänge des Stadioms empfangen und zur Ehrentribüne führen. Obenauf werden die SpovtSleute der verfchiedenen Staaten ihren Einzug in das Stadion halten. Bor feder Abordnung der einzelnen Staaten wirte «in Herold die Fahne des betreffenden Landes schwingen, wühvend hinter diesem eine Standarte getragen wird, teie den Namen der Nation bekannt gibt. Der Einzug wird sich irr der üblichen alphabetischen N-echenfolge vollziehen. Gegenüber der Ehrentribüne nehmen die Vertreter aller Staaten im Halbkreise ^lusstellung, worauf sich Graf Vary zur Festtage begibt und Mtllerand mit den Worten: ,^Jch verEüntee die Eröffnung der Olympischen Spiele von Paris, das die achte Olympiade der modernen Zeitrechnung feiert." Unmittelbar darauf werden Fanfaren geblasen und unter de.in Donner von Kanonenschüssen wird die Olympische Fahne auf dem Haupt-mast des Stadions gehißt. Gleichzeitig toerden alle Fcchnen der vertretenen Staaten zur Begrüßung gasen kr. Die Olympische Fahne ist weiß, ohne Rand, und trägt in ihrer Mitte fe einen blauen, gelben, schwarzen, grünen und roten Ring, die sich ineinander verschlingen. Der H«u« Ring Frankreichs befindet sich in der rechten oberen Ecke. Nach jeder Konkurrenz wirte auf dem Hauptmast die Fahne des siegenden Landes hochgezogen. Ein spezielles Augenmerk wird uatürlich der Quartierfrage zugewendet. Damit diesbezüglich -eine Beschwerde vernehmbar werde, wurde teer Wohnungsdienft zentralisiert und nur eine einzige Stelle hat das Werfügungsrecht. Es sind dies die ,-Services officiels de logements du Co,mite C. O. F., Paris, 19 Boulevard Hansman". Diese Stelle hat auch das Ber« fügungsre-cht über das Olympische Dorf in Colomibes und über die Olympische StM im Park de Prtnce, die -beide an 1000 Athleten uuterbringen können." Meistevschaftsglossen. Der schlechten Witterung siel so manches Meisterschaftskresien zum Opfer und das hat nun zur Folge, daß die erstklassigen Vereine nicht die gleiche Anzahl von Meisterschaftslämpfen bi'sher ausgetragen haben. Am fleißigsten waren die Simmeringer. Slovan, Wacker und Ostmark, die bereits 18 von 82 auszutragenden Spielen unter Dach gebracht haben. Am wertesten im Rückstand befindet sich die Hakoah, die erst zehn Spiele zur Gänze absolvierte, doch >darf nicht vergessen werden. daß zwei zur Herbstserie der Meisterschaft zählende Dressen keinen regulären Abschluß fanden. Es handelt sich um die Spiele Hakocch—Sportklub und Hakoah—Admrva, von denen noch Nachtragsspiele zu absolvieren sind. Die Amateure und Rapid besetzen noch inimer beit ersten und zweiten Platz, doch sind insbesondere den letzteren Vienna und Sportklub bedenklich nahe gerückt. Die Simmcringer fallen immer tveiter zurück. Sie rvehuieu derzeit den fünften Platz ein und können auch mti kommenden Sonntag von teer Hakoah noch nicht überholt werden. Trotzdem ist die Stellung der Simmeringer nicht gefestigt, da die Krieauer um drvi Spiele weniger auSgetragenhaben. Im Hintertreffen der Tabelle hat sich nichts geändert. Hertha. W. A. F. und Ostmark bilden die Nachhut. Für die Brigittenauor gestaltet sich die Lage hoffnungslos, da sie noch immer nicht mehr als einen Punkt erreichen' konnten. Die Vienna erfocht am Samstag über Ostmark einen ziffernmäßig hohen Sieg. Trotzdem vermochten Ms teie Döblinger nicht jpinz zufrieden zu stellen. da wir wieder den Eindruck gewannen, daß sie keine Mannschaft großen Formats darstellen. Sie besitzen viele ausgezeichnete Emzelspreler, doch fehlt der Elf der einliertliche Geist und der einheitliche Wille. Die einzelnen Bestandteile der Maschine sind ans ausgezeichnetem Material, ihr Ineinaudergreiseu läßt aber manches zu wünschen übrig. Beim letzten Treffen kam der Vienna noch teer Umstand zugute, daß Ostmark bald nach Spielbeginn einen Stürmer durch Verletzung verlor, so daß die Brigittenauer während des ganzen Treffens nur zehn toti int Felde hatten. Die Simmeringer, die vom Sportklub Slovan eine Niederlage erlitten, wurden nicht von einem besseren, sondern vor allem voit einem kräftigeren Gegner geschlagen. Fast jeder Slovan-Mann hatte gegenüber dem chm entgegentretendeu Simmeringer ein llebergewicht von mehreren Kilogramm, nute dieser Umstand gab im Spiel den Ausschlag. Die Wiener Tschechen kämpften absolut nicht mit unerlaubten Mitteln, doch verstanden sie es ausgezeichnet, von ihrer überlegenen Körperkraft Gebrauch zu machen. Die kleinen und viel zarterett Simmermger wurden bei den Durchbrüchen der Gegner zur Seite geschoben, ohne daß elftere entsprechenden Widerstand leisten konnten. Wie wir bereits vor einer Woche vüraussagte», arbeitet sich der Wiener Sportklub immer weiter nach vorne. Am letzten Sonntag muhte der Sportklub Wacker daran glauben, ohne eigentlich wesentlich schlechter gewesen zu sein als die Dornbacher. Der Wiener Sportklub kultivierte wieder seine in der Meisterschastskonkurrenz so erfolgreiche Spietiveise.^ Die harte Verteidigung verhindert den gegnerischen Angriff am Erzielen der Tore und die Stürmer bringen doch den einen oder den anderen Treffer zustande._ Eine Sportdebatte tut ungarischen Parlament. In der tevimerstägigen Sitzung teer ungarischen Nationalversammlung wirrde teer Gesetzentwurf über die Schaffung eines Lcmidesfonds für Körperkultur verhandelt. Der Gesetzentwurf sichert aus den Eingängen des Totalisateur einen Fonds, der den Zwecken der Körperkultur dienen soll. Kultusminister Graf Kuno Klebelsbera hielt aus diesem Anlasse eine große Rede über teie BeteeiiÄmg des Sports, und betonte die Notwendigkeit der Demokratisierung des Sportes, damit die breitesten Schichten in die Lage kommen, ihren Körper zu stählen. Im vergangenen Jahre betrug der ToMlisateur Umsatz 12 Milliarteen, wovon das Kult usministerium mit 70 Millionen erhielt, obwohl es ans -eine Milliarde Anspruch gehabt hätte. Iw der Zukunft Wird sich die Lage bessern und die Regierung genügende Geldmittel zur Verfügung stellen, mit alle Arten des Sportes tatkräftig unterstützen zu können. Die Regierung beabsichtigt die Errichtung einer Hochschule für Körperkultur und wird zu teiejrm Zwecke eine Kaserne umbauen. In seder Gemeinde müssen Sportplätze errichtet werden, und schließlich will man zur Errichtung des nativmälen Stadions schreiten. Die Rede des Ministers wurde auch von teer Opposition mit Beifall (beaiißfrt. Die nächsten Meisterschaftsspiele. Am kommenden Sonntag finden folgende Spiele statt: 1. Klasse: Ostmark—Hakoah, Amateure^Bienna, Sportklub—Simmering, Zldmira—Rapid, Wacker—Hertha, W. A. F.—Slovan. 3. Klasse West. Kadimah—Union, M. A. K.—Baitmgarten Normama—Weiße Elf, St. Veit—Neptun, Einheit— Ober-St. Beit, Astoria—Normania. Spielfrei Fünshcms. 4. Klasse Nord. I. A. C.—-Viktoria Ly, Dörnbach— Wr. Viktoria, Reichsbrmd—Taubstummen, Währing—Nenlerchenfelte, Nnität—Sparta 16, Alsergrnwd—Sieveringer Fortuna. 6. Klasse Nor b. Achteuth—Griuziita, Bar-Kochba— Alemamtia, Britaitnia—Mercedes. Spielfrei Biudobona. I» Agram unterblieben wegen des starten Schneefalles am Sonntag alle Wettspiele. Die Kultursektlon deS Uoung Iewish Sporting Club veranstaltet ihken zweiten Vortragsabend morgen Mittwoch, präzise 8 Uhr, im Goldsalon des Cafe Siller, 1. Bez., Schwedenplatz. Herr Paul Földes spricht über „Das heutige Palästina", Frls Betty Lewin, eine junge Klavierkünstlerin, bringt gewählte Stücke zu Gehör und der Vortragskunstler Herr Artur Preisz lvirte durch Rezitationen für Unterhaltung sorgen. Anschließend Tauz. Gäste herzlichst willkonnnen! Die große Sportredoute des I. A. C. findet am Donnerstag den 13. d. in den Olympiafälen (Leopoldi-Wiesenthal) statt. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Kadimah. Sonntag den 9. d., Präzise 9 Nhr, findet im Cafe Landtmann lsämtlichen Sälen) die Kadimah-Redvute statt. VorverkanfSkarten im Klnbheim, Cafe Metropol, 9. Bez., Berggasse 93, im Cafe Landtmann lbeim Bnrgtheater) sowie bei allen Funktionären bereits erhältlich. Boxen. Ein zweiter Boxkampf Denrpsey—Earpe-n« tier. Im Jaii 1924 in Wembley-Stadion zu London. Die Fortsetzung der BerhantelnugM über daS ateermatige Zuiantmentresien Carpentier—Demps'ey zu dem der Amerikaner bereits seine Eiuwitlignug gegeben hat, rrgcÄ» als wichtigste Tatsache, daß teer Kampf in Europa^ und zwar sin Juli int Wembley-Stadion zu London auSgetragen werteen soll. Dieses Stadion enthält 125.000 Plätze, man rechnet mit emer Einnahme von 100.000 Pfund Sterling. Tescamps ist mit dem Manager Gene Tuuueus, des Weltmeisters im leichten SHweraewicht, handeleins getvorteen. Man stritt sich nur um WXX) Dollar, die Billy Gibbons, teer Manager des Amerikaners, M Erhöhung teer Garantie Carpcntiers, Pünktlich zum Kampfe anzutreten, gefordert hatte, aber jetzt ist auch diese Differenz be- S. Earpentier wird vor teem Kampf ntit Dempsey gegen ey antreton. Tnnney hat einen sehr guten Rekord. Er begann während des Krieges zu boxen, war als Angehöriger der Marine in Europa und gewann die Militärmeiftevschast. Im Jänner 1922 wurde er amerikanischer Meister im Leichtschwergewicht, indem «r Battling LevinSky schlug. Bon seinen bisher awgefochtenen 46 Matches hat er nur «rneS verloren, und das auf Grund einer stark angefochtenen Punkwentscheidnng gegen Harry Greb. Dafür hat er sich übrigens vor kurze mkla re Revanche geholt. Fechten. (Srofte intefitaitonale Fechtvernnstnltnng des W. A. C. Im Knrsalon der Stadt Wien führt teer Wiener Achletik- Sportklub am 12. d. eine fcchterische Beranst-altnng durch, die wobl zu den bederttendsteit gehören wird, die in Wien je stattfauoen. Es werden im Rahmen einer internationalen Fechtakademie große fechtsportliche Wettkämpfe stattfinden. Akademiefechten heißt Schanfechten. Beim Schaufechten wird aber meist der sportliche Wettkampf ausgeschaltet und e8 gibt daher keinen Sieger und keinen Besiegterr'. Mit solchen Vorführungen ist ieteoch unser heutiges Publikum nicht zufrieden, es will ernste sportliche Wettkämpfe sehen. Diesem Verlangen trägt der Wiener Athletik-Sportklub Rechnung, und es ist sein Verdienst, wenn, ebenso wie im Vorjahre, wo der W. A. C. gegen Holla'ud kämpfte, auch diesmal, vielleicht in eincni weit größerem Umfange, derartige Wettkämpfe des edlen Fechtsportes der Oeffentlichkeit geboten werden. An den diesmaligen Kämpfen werden sich die' Meister Deutschlands, Italiens, Ungarns und Oesterreichs beteiligen. Folgende Wettbewerbe werden stattsinden: Bierer-Mannschasiskampf im Säbel Ungarn gegen W. A. C., Florettmatch deitalienischen Fechtmersters Biaggini gegen Fechtmeister Losert (W. A. C.) «nd schließlich Säbelmatch des besten Amateurmeisterfechters Italiens im Säbel Cav. Oreste Pnliti gegen Dr. Herschmann. Außer diesen Wettkämpfen sind noch einige hervorragende Akademiegefechte in Aussicht genommen, an welchen unter anderen der Meister Deutschlands Erwin Casmir, der vorzügliche italienische Amateur Peverelli sowie die Fechttneister Cav. Santelli (Budap ': Cav. Venezia (Palermo) und Cav. Franzeschinis (Wim) teilmhmen werden. An dieses fechtsportliche Fest schließt sich der große Ball deS W. A. C. an. Einzelhsttw über die fechterischen Wettkämpfe werden »och rechtzeitig verlantbart werden. Jüdischer Turnverband. Heute mit halb 8 Uhr abends Sitzung sämtlicher jüdischer Turnvereine im LRakkabi, 0. Bez., Liechtensteinstraße 20. Sämtliche Obmänner werden höslichst eingeladen. _ Aus Üen Vereinen. Hakoah. Heute Dienstag um 8 Uhr abends Klub' leitungssitzung. Sämtliche Herren" werden gebeten, bestimmt zu erscheinen. Heute Dienstag, präzise 7 Uhr abends, Sitzung der zionistischen Kommisiion. Sämtliche Herren Vertreter der Sektionen werden gebeten, bestimmt und pünktlich zu ersckwinen. D o n n g I e w i s h Sporting Club. (Schwimmsektion.) Heute Dienstag, Punkt viertel 8 Uhr, Schwimmtraining im Beatvixbad, 3. Bez., Bahngasse. Trainingsleiter Wiesner. Gäste herzlichst willkommen. Copvrlgth 19*3 by Nachdruik veristkn »««ych-Oesterrflitgschkr Bering, Wien. *9. Fortsttzm>g. Die Heimatlosen. Von Wilma Dukclich. „Pst! . . sagte der Maler mit -gedämpfter Stimnte. „Nur kernen Skandal. Der 5(erl ist ja besoffen wie ein Schwein. . ." Dann aber svandtc er sich voll kalter GcriWschätzung an Da-in'el. „Sie, junger -Manu. Wenn Sic Prügel wollen, Wmen Sie leicht ivelche haben. Sie werden Ihnen übel bekbünmen, junger Närnn . . . Uebrigens merken Sie sich das, mein Guter. Mit königlich 'n.ngarischon Hnsarenopfizieren fängt man ipet ikc Händel <m Und mit Leuten Ihresgleichen schlägt sich ein ungarischer Gentry nicht . . . für die ist die Kar- 'lxi tsck)« . .!' Und itetitun briUlte er plötzlich ans n>nd feine Augen!begamwn zu vollen. „Inteeniba-gage, hinaus!" Seine Hand wi-e-s wach der Türe, als ob es weiter keinen Widerspruch gä>be. Daniel aber ließ die Schnittern hängen. Smn Haupt .sank zurück in den Nacken.. Er fühlte mit einem Male, wie hilflos er war. Wie völlig ausgeliefert und allem in dieseün ganzen uwnscheuerfüllten Saale. Er fiMe das Lachen um sich enipovschlvetleni wie schmutzigtrübe Fluten, teie nach ihm griffen nute ihn hiuabzogen-. Gab es da noch Argumente? Gab es da ein Erklären, diesen Menschen gegenüber, die nicht wissen . . , die nicht erkennen wollen . . .? Und war nicht er es gewssen, der an die Gewalt appelliert hatte, der nach Waffen^ gegriffen hatte, teie nicht feine Waffen waren , . .Z Und stand mm erniedrigt, beschmutzt und gedemütigt da. Und Lydia war verloren. Er wankte nach der Türe. Gin Greis, der ohne jede HoiffnmH ist. Und bas Lachen griff ihm nach. Die Geigen schrien und höhnten. Und einer goß ein Glas Wein nach ihm, der rot wie Blut an seinem Ueberzieher herabtroff. Draußen empfing ihn Tihanrer mit Vovivürfen. Er war plötzlich nüchtern getvovden und hatte sich rasch aus denr Stcmbe gemacht, als die Situatiarr anifing, brenzlich zu werden. Nun stülpte er den Kragen hoch und zog den Hut tief in die Stirne, ängstlich darauf bedacht, daß ihn nnr ja keiner erkenne. „Ich sage immer, man kompromittiert sich mit euch. Ihr habt eben keine Wnung von den Gepflogenheiten unserer Kreise. Legt man um Mitternacht jedes Wort auf die Goldwage? Unsinn! Um Mitternacht ist man besoffen und weiß überhaupt nicht, was inan redet. Nur ein Narr kann da jedes Wort so bitter ernst nehmen . . . Lydia? Lydia ist ein schneidiger, fescher Kerl . . . fühlt sich höchstens geschmeichelt, je mehr von ihr geredet wird. Und überhaupt . . er blieb stehen und maß den Freund, der bei jedeur seiner Worte wie unter Peitschenschlägen znsammenge^uckt war, mit einem wegwerfenden Blick von: Kopf bis zu den Füßen . . . „Ueberhanpt. Wer hat dich Zirm Ehrenkabalier von Naghsz-mnbath Kraus Lydia ernannt? Me kommst du, Daniel Rosenberg, dazu . . .? Möchtest dar mir das gefälligst erklären?" Am anderen Tage ging Lydia zu Gero, dem Maler. Er hatte ihr die feinsten Bilder vorgegankelt. Sein Atelier fei ein Mn st nm, das sie sehen nn'issc. Er habe da Dinge . . . über jeder Beschreiibmtg. Lydia solle kommen, wann es ihr beliebe. Für sic sei er 'immer daheim. Es kämen ja Soweit $it chm, mehr als ihm lietö wäre. Allerhand Damen. Ämter Neugierige, -lauter Lüsterne. Ob sie überhaupt eine Ahnung von der Verderbtheit der Budapester weiblichen Kreise habe . . .? Er sah sie vielsagend an, so als ob er sagen wollte, er könne da Mit den unglmtblichsten Dingen anffvarten.?llles Ms eigener Erfahrung natürlich. Mer er zog es vor, diskret zu bleiben und sich mit vagen Andeutungen zu begnügen. Jedenfalls sei es Tatsache, daß jede . . . aber auch jede Frau zu haben fei. Sie glaube das nicht? Gut, er würde ihr bei Gelegenheit den Beweis erbringen. Nur sei natürlich teer Kmrfpreis verschieden angeseht. Eine verlange Sensationen, die andere Geld. Einer genüge die Illusion der Liebe, andere suchen andere Perversitäten. Denir im Grunde feiern, teie Frauen alle gleich. Alle suchen Vas Böse. Alle. Weil sie selber böse seien. Weil sie nichts stärker anziehe, stärker aus sie wirke als die Gemeinheit. Dann aber, als er Lydias schmollend verzogenes Mäulchen sah, war er rasch in eine andere Tonart übcrgesprnngen. -Hatte gebettelt wie ein lieber, verzogener Junge, dem man nichts abschlagen konnte. Sie sei so wunderschön. Gm so aparter und dennoch Vollkommerker Mensch. Sein Malemuge entzücke sich au ihren Linien. Erfrische sich an denr Goldkon ihrer Haut und ihrer Augen. Sie solle ihm doch die große, reine Freude an ihrer Schönheit lassen. Diese sei so selten. Die Vollkommenheit sterbe aus und der Dirneutypus beherrsche das Leben, die Malerei und die Literatur. Lydia fühlte sich bei all diesen Worten wie von loeichen. linden Händen ungerührt. Ihre Nerven zuckten auf ir seltsamen, ungekannten Gesiiihlen und duckten sich baut wieder wie kleine verflogene Vögel, die sich zahm in ein» warme Hand schmiegen. Korösetzung folgt.) -