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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-26 · Heft 1807 (26.2.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1807 (26.2.1924)
Date
1924-02-26
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. '1807 Wien, Dienstag ^_, __Wiener Morgenzeitungi. " M il il i Zum Meisterschaftsbeginn. Die lange Wintenpause mag es bewirkt haben, daß am letzten Sonntag trotz der empfindlichen Kälte viele tausende Menschen den Spielen beiwohnten. Den größten Besuch hatte der Rapid-Platz aufzuweisen, was Wohl darauf zurückznsühren war, daß man dem Erstauftreten der verjüngten Hütteldorfer Mannschaft viel Interesse entgegenbracht.'. Vor der Pause schlug sich die Rapid-Elf recht gut, nach Seitenwechsel hingegen gab sie einen minderwertigen Gegner ab. Solide Rapid in Hinkunst keine besseren Leistungen vollbringen können als in der zweiten Spielzeit des letzten Treffens gegen Ostmark, dann werden sich die Zuschauer bald verlausen .Mit der Lage des Hakoah-Platzes waren die Anhänger des jüdischen Vereines die längste Zeit nicht einverstanden. Man empfand den dort ständig herrschenden Wind störend und kritisierte die sich im Sommer auf dem Platz empfindlich fühlbar machende Staubplage. Aber nicht nur dst Freunde der Hakoah, sondern auch die Anhänger der gegnerischen Vereine stellten diese Uebelstände sest und das gab uns zu denken. Auf den Fall oritner Plätzen erhebt sich ein wahrer Orkan, lvenn sich im Stadtnnern kein Lüftchen rührt und vom ff. A. C.-Platz kommt mail im Sommer nicht anders fort, als ob matt in einen Mehlsack gefallen wäre. Und doch kritisierte man gerade die auf dem Hakoah-Platz herrschenden Verhältnisse, obwohl diese absolut nicht so schlimm waren. Der Grund dafür war darin zu suchen, daß sich die Beisucher des Hakoah-Platzes bereits in gereizter Stimmung befanden, wenn sie die Sportanlage erreicht hatten. Sie empfanden deshalb geringe Mängel derart empfindlich, weil sie eben schon um die einte Laune gebracht waren und nun kommen wir zum eigentlichen Grund, warum sich der Krieauer Sportplatz keiner Beliebtheit erfreute. Die Sportanlage war an keiner Straßenbahn gelegen. Sowohl von der Endstation Prater-Hauptallee als auch von der Ausftellungsstraße hatte man gut 20 Minuten zu gehen, bis man ocn Sportplatz erreichte. Berücksichtigt m-an noch, daß man Auen zu durchqueren und Wiesen zu überschreiten hatte, so kann man es erklärlich finden, daß die Zurücklegung dieses Weges insbesondere bei schlechtem Wetter nicht Zu den Annehmlichkeiten gehörte. Der Mangel der schlechten Straßenbahnverbindung ist nun gänzlich behoben und als Folge davon kann man feststellen, daß am vergangenen Sonntag keine wie immer geartete Stimme der Klage gehört wurde. Kein Wiener Sportplatz dürfte aber auch von allen Teilen der Stadt so günstig erreicht werden können, wie derzeit die Krieauer Sportanlage. Zahlreiche Straßenbahnwagen der verschiedenen Linien werden direkt bis zur Eingangstür des Platzes geführt und diese Wagen tragen die Aufschrist „Krieauer Hiortplatz". Die Anhänger der' Hakoah werden sich jetzt sicherlich mit ihrer Sportanlage mehr befreunden als früher, so daß es der jüdische Verein nicht mehr notwendig haben wird, das Gastrecht bei anderen Klubs zu verlangen. - ' Im Hakoah-Angriff klappte es am Ergangenen Sonntag nur zeitweise. Dies mag in erster Linie darauf zurückzuführen gewesen sein, daß Neufeld, Schwarz und Grünwald gegeneinander spielten. Unbestreitbar ist Schwarz von diesen drei Spielern der tüchtigste Torschütze, obwohl sich auch Neufeld auf dieses Geschäft versteht. Da der zuletzt genannte Spieler am Flügel stürmt, hat er viel ungünstigere Aussichten, Tore zu erzielen als ein Innenstürmer. Der zum Goalgetter berufene Schwarz wurde aber durch die eigenartige Spielweife von Neufeld und Grünwald in seinem Bestreben behindert mtö gezwungen, die Vermitlerrolle zu übornehmen, die im Grunde genommen seinen beiden Partnern zugekommen wäre. Neufeld und Grünwald sind Spieler, die selbst den Abschluß der Aktionen besorgen wollen. Letzterer glaubt sich sogar den Luxus leisten zu können, die Vorarbeiten seinen Partnern zu überlassen. Die Kombination Neufeld-Schwarz-Grünwald ist deshalb als nicht glücklich zu bezeichnen. Der richtige Mann, der so recht Schwarz und auch Grünwald in Front bringen könnte, dürfte Häusler sein. Der Angriff der Krieauer wird voraussichtlich erst dann seine volle Leistungsfähigkeit erlangen, wenn Häusler als Mittelstürmer' die Führung des Sturmes übernimmt. Schwarz erzielt durch plötzlichen Flügelwechsel die für den Gegner; am überraschendsten kommenden Wirkungen. Ganz unvermutet gibt Schwarz plötzlich den Ball zum gänzlich freistehenden linsten Flügelftürntcr Katz, der dann unbehindert Vordringen kann. Auf diese Art gelangte Katz. auch zu seinem einzigen Treffer. Der jeweilige Linksverbindungsstürmer der Krieauer sollte dieses Beispiel beherzigen, damit auch Neufeld einmal freie Bahn findet und nicht immer Zweikämpfe mit dem Gegner austragen muß. Die Simmeringer haben am vergangenen Sonntag recht gut gespielt und die Kritiken, die besagen, daß sie ihre vorjährige Form nicht erreicht haben, sind unrichtig. Man muß es aber ehrlich eingestehen, daß die Simmeringer in den Spielen g.'gei, die Hakoah zumindest kein Glück haben. Man muß weit zurückgreifen, um auf einen Erfolg der Simmeringer über die Hakoah zu treffen. Die Simmeringer gaben seit jeher für die Hakoah den willigsten Punktelieferanten ab. Die Amateure befinden sich in großer Form. Sie wurden auf dem heißen Floridsdorfer Boden mit der Admira mühelos fertig, was sie in erster Linie ihrem ausgezeichneten Angriff verdankten. Die Ober-St. Beiter besitzen derzeit keinen schwachen Punkt in ihrer Mannschaft und doch will man nicht recht daran glauben, daß sie den Meistertitel erlangen werden. Es ist freilich auch fraglich, ob die Verteidiger Poppovich und Tändler, deren Fähigkeiten einseitig sind, schweren Aufgaben gewachsen sein werden/ D,cr W A F. hat der Vienna einen unerwartet harten Widerstand geleistet. Es zeigt sich eben, daß die Döblinger nur zu kämpfen verstehen. Wenn sie durch die Ansicht, einen minderwertigen Gegner vor sich zu haben, dazu verleitet tverden, nurihre technischen und taktischmi Fähigkeiten ins _ Treffen zu führen, daun erkennt man, daß es mit dem wirklichen Können der Mannschaft nicht allzu weit her ist Unser Typ für die Meisterschaft ist der Wiener Sportklub. Wir wissen, daß die Fähigkeiten der Mannschaft den Durchschnitt nicht überragen und trotzdem glauben wir, daß der Sportklub das Zeug in sich hat, den Meistertitel zu erlangen. Am vergangenen Sonntag boten die Dornbacher keine besondere Leistung, aber gewonnen haben sie schließlich doch. Dieses Schauspiel wiederholt sich von Sonntag zu Sonntag. Der Wiener Sportklub spielt nicht hervorragend und bringt beide Punkte nach Hause. Diese anfallende Erscheinung ist darauf zurückzuführeu, daß die Dornbacher es wie keine andere Mannschaft verstehen, Defensivkämpse zu liefern. Das Bestreben aller Spieler scheint in erster Linie auf die Abwehr gerichtet zu sein und nur im gegebenen Moment brechen die Stürmer vor. Auf diese Art gelingt es dem Wiener Sportklub, auch daun sein Tor reinzuhalten, wenn sie der Gegner die längste Zeit im Angriff befindet. Er pelzt letzterem schließlich auch Treffer auf. wenn er es nicht erwartet. Unserer Meinung nach hat der Wiener Sportklub/die .besten Aussichten, den Meister-, titel zu erringen. , Meisterschaftsspiele vom kommenden Sonntag. 1. Klasse: W. A. F.—.Hakoah, Amateure—Rapid, Ostmark—Vienna, Sportklub—Wacker. Admiva—-Hertha. Slovan—Simmering. 3. Klasse West: St. Veit—M. A. K.„ Baumgarten— Einheit, Weiße Elf—Astoria, < Fünfhaus—-Ober-St.. Veit,. Neptun—Normannia, Union—Wieden. Spielfrei: Kadimah.. 4. Klasse Südo st: Vorwärts 3—Hazair, Veritas— Aspcmabahn, Republik—Hasmöne-a, Hechcvwer—Prater Sportklub, Iofesstadt—Gechie, Athen—Elektra. 5. Klasse Nord: Bar-Äochba—Bindobom, Achduth —Mercedes. Brigittcnaner A. C.—Borochow. Britannia—Grin-" zing. Spielfrei: Memcmnia. Gradjanski wird in der Türkei am 14. März gegen Galata Serail, am 16. März gegen Feiher Bagdze und am 23. März gegen das türkische olympische Nationalteam spielen. Geplant ist auch ein Spiel gegen eine Konstantinopler griechische Mann¬ Oopvn^Ut 1928 by Nachdruck verboten Leutich-Oestcrrcichischer Berlag, Wie». 28. Fortsetzung. Die Heimatlsserr. Von Wilma Vnkelich. . Damit erlosch die Vision, und nur der graue müde Kämpfer blieb zurück... Daniel, der die Hände rang, da das Ende der Tage ferne stiegt... und die Sehnsucht so namenlos groß ist! i * Abend um Abend trafen sich die Freunde in der „Gelben Tulpe", einem Weinrestaurant dritter Gute, das Lajos anfgestöbert hatte und für sehr geeignet hielt; denn er bewegte sich dort um vieles freier als in den Görgeischen Salons und fühlte sich auf das sympathischeste berührt, weil außer den studentischen. Stammgästen auch NachlpuMikmu die ,/Gelbe Tulpe" a-ufsuchte, so gegen Mitternacht, wenn alles außer Rand und Band geriet. Und Lajos fand das sehr anregend, wenn auch die betreffenden Frauenzimmer schon etwas übertragenere Jahrgänge repräsentierten... und der Prunk ihrer Toiletten verblaßt tvar wie die „Gelbe Tnlpe" selber. So paßte eben alles zueinander. Denn schließlich gehörten auch die Lebejüug'linge nicht gerade der vornehmsten Karste an, zumal sie >des Tages meist hinter Pulten hockten, Zucker auswogen oder Seide verkauften. Manchmal waren es auch Advckaten oder Aerzte, Literaten oder Börsenjobber. Das tat n'chts zur Sache. Im Grunde gehörten sie doch so ziemlich alle den; sogenannten „Wie gcht>s"--Typus au^ der in Ungarn überall stark verbreitet ist. Ein sehr sympathischer Typus! Er stellt das Gemisch einer etwas anrüchigen Eleganz mit geistigem Analphäbetentum dar. Gepflegte Nägel sozusagen, mit mangelnden 4Nameren. Setzt Zynisrmts an Stelle von Geist. Verschlagenheit für LebenEugheit. Setzt sich im Grunde über alles hinweg. Schwingt sich über alle Untiefen hinüber, >denn er' ist völlig unbeschwert im Geiste., in der Moral, im Fühlen und Tun. Ist der „Nirgendheim"! Der kleine Commis Voyageur mit der Tür in. der Hand. Und feine große Unbeschwertheit gibt ihm nicht etwa Schwung. Flugkraft, die Hohen erreichen läßt. Sie gibt ihm nur die Fähigkeit, sich überall und immer im Gleichgewicht zu halte«. In jedem Element zb schwimmen. Eben weil er unbeschwert ist. Im guten an der Oberfläche einer seichten Gutmütigkeit. Im schlechten in den schlammigen Gewässern einer gefahrlosen Gemeinheit. Die Freunde kamen zeitig und saßen an ihrem Stammtisch in der kleinen, verrauchten Extm'stnlbe, die trotz ihrer etivas abgenützten Eleganz iminten: noch anregend auf naive Gemüter wirkte. Obwohl die Pruustgebilde ans Stuck von Jahrzehnte altem Staub lbelaftet waren., das Gold sich ablöste i'N schäbigen Fetzen, die Gcbskins eigentlich verschossene Baumwollgdwelbe waren und die Fresken plumpe Nacktheit^ zeigten: Jungsvauen, die auf rosigen Wolken dahmsogelten, aber längst schon jede Frische und Lebenslust eingebüßt hatten. Putdis und verrenkte Liebesgötter, die sich offenbar ihrer schamlosenMchevlichPt bewußt waren, denn sie machten die trostlosesten Gesichter und Ge- >bä.rden. Aber die Kronleuchter aus Talmigold genierte das kein bißchen. Sie schütteten ihr weißes, kaltes Licht über die Tische aus. auf denen die Tischtücher große Weinflecken aufwiesen, und über den bordeauxroten Plüsch der Wandbänke, die alt und verschossen waren. Im Nebenraum, das'heißt indem großen Hauptsaal., der das eigentliche Loben umfaßte, schrien und dudelten die Zigeuner, sie tanzten und wiegten sich beim Spiel, und da-s trug sehr zu Steigerung der Stimmung bei; -denn im Grunde spielten sie einen Gassenhauer nach den anderen, und da der kleine, dicke, ungarische Provinznabeb, der ihnen zunächst saß und ganz außer Rand. und Band geraten war, es wünschte, so spielten sie dieselbe abgedroschene Melodie auch zehnmal nacheinander. Denn der Kleine konnte sich 86. Februar 1024 Seile 9 schüft. An der Tournee sollen 14 Spieler teilnehmen. die von einem Vereinsftmktionär und dem bekannten Sportsmann D. Weiß begleitet werden. Die Spanieineife des Brunner Makkabi, welche für den Monat März geplant war, findet nicht statt. Die restlichen Eintrittskarten für die morgen stattfindende Orientalische Redoute der Hakoah in den Sophiensälen sind bif morgen mittags nur im Sekretariate, 1. Dez., WiesingeL straße 11, erhältlich. _____ Schwimmen. Weismueller schwimmt 100 Aard in Weltrekordzeit. And New-Zork, 21. d., wird gemeldet: In Miami (Florida) verbesserte I. Weismueller den Weltrekord im Frehtilschwimmrn über 100 Pärd ans 52,8 Sek. Skisprungmeifterschaft von Oesterreich. Oesterreichs Ledoutendster Skispmngwettbewerb, der auf deckt Semmering zur Austragung gelangte, brachte folgende Ergebnisse: 1. sfranz Wende, H. D. W. Tschechoslowakei, 41, 41, 42 Meter: )wte 18.847. 2. Hans von der Planitz, Deutschland, 38,5, 40, 40 Meter; Note 18.166 3. Heinrich Hinteraucr, Salzburg, 34, 36, 37 Meter; Note 16.375. 4. Ing. Sepp Bildstein, Wien, 35, 34,6, 36,5 Meter; Note 16.069 ' 5. Hans Racker, Steiermark, 33,5, 34, 36; Note 15.628. 6. Ällbert Dildstein, Kärnten, 31, 31,5, 34 Meter; Note 15.166. 7. Hans Greussing, Tirol. 35, 40, 41* Meter; Note 14.889. 8. Ambors Scholz, Wien, 32, 31,5, 32,5 Meter; Note 14.792. 9. Ernst Lomberger, Tirol, 28/5, 30,5, 38,5 Meter; Note 14.139. 10. Gerrncvu Raab, Deutschland, 35*, 36, 37 Meter; Note 14.026 11. Ernst Dosenberger Salzburg, 33, 37, 36,6* Meter; Note 13.806. 12. Ing. Ernst Stärck, Steiermark, 38, 29, 32 Meter; Note 13.708. ' 13: Adolf Püb, Tirol, 32,5, 36/5, 37,5* Meter; Note 13.556. 14. Hans Mayringer, Wien, 35,5, 35*, 34,5 Meter; Note 13.195. 15. Franz Denn. Steieriuark. 30,6, 30.5, 31 Meter: Note 13.125. 16. -Franz Fischer, Salzburg, 31/5, 96, 36* Dieter; Note 13.097. 17. Oskar Fischer, H. D. W., Tschechoslowakei, 32,5, 36,5 38* Meter: Note 13.056. 18. Bela Szepes, Ungarn, 29,5, 35,5* 38 Dieter, Note 12.625. 19. Franz Keglewitsch, Steiermark, 31, 31*, 29,5 Meter; Note 11.347. 20. Ing. Alfred Walter, Deutschland. 31,8, 33, 33* Meter; Note 11292. 21. Hans Eder, Salzburg, 33*, 33,8* 33 Meter; Not« 9.069. 22. Siegfried Amanshanfer, Salzburg, 33*, 35*. 38,8* Meter; Note 8.445. 23. Hcms Rattay, Wien, 31,5*, 31, 33, Meter; Note 8.180. 24. Hans Siedler, Wien, 32*, 34, 34,5* Meter; Note 5.342.' 28. Karl Grettlev. Steiermark, 32*. 34*. 33,8* Meter; Note 5.000. 26. Heinrich Lori, Wien, 32* 34* 80* Meter; Note 4.000.' Aus den Vereinen. Joung Iewish Sporting Club. Heute, 8 Uht^ Klubabend im Vase Arlon. Den Mitgliov'.'rn stehen 5 Ping- Pong-Tische zur Verfügung. Zusammenkunft der Schachsektion: Sekretariat von 8 bis halb 10 Uhr. Auskünfte und Anmeldungen daselbst. — Schwimmsektion. Heute, viertel 8 Uhr, Schwimmäbend im Beatrixbad TramingÄeiter Herr Kiesner. Gäste willkommen! * bedeutet gestürzt. das leisten. . . einen Zehner nach vem anderen klatscht« er auf >den Tis>ch, lachte, daß es schnalzte, und schrie: „Iha>j . . . tijuhaf. Nie ^stirbt der Maghare!" Und die zierliche GolMowde, die noben ihm saß, zählte höchstens fünfzehn Jahve, wenn ste auch güschmiM wie eine Jubelgreisin und frech wie eine Wanze war. Tihamer fühlte sich nicht sehr da!hei,m in dieser Umgebung. Denwoch zeigte er sich lieber hier als arldorswo mit den Freuiüden, an welche ihn eine Pietät fesse.lt«, die er noch immer als das echteste und beste Clernent seines Wesens vmpfarckd. Er freute sich darüber, ein guter und anständiger Kerl zu fein,, aber es war ihm doch auch recht, daß er hier vor seinen noblen Bekannten ziemlich sicher war. Denn die ,/Gelbe Tnlp^ war kein Lokal für Budapester Hautevolee. Bevirrte sich je einmal ein Trupp Gentrh-Lebejugend in diese Gesellschaft, dann konnte m<m sicher fein, daß sie stockbesoffen, also in unschädlichem Zustande tvar. Wenn Tihamer die Sache so besah, konnte er sich sogar recht ibeihgtglich fühlen, und er vergaß sehr rasch mch germ seiner überfeinerten Formen, die in „seinen" Kreisen als Kulturersatz galten. Er trank und renommierte lustig darauf los. redete die Freunde in Grand und Boden, gab ihnen die Vorstellung einer fremden, durch und durch übersoinierten. Welt, der sie teils verschüchtert, teils skeptisch gegenüber standen. Tihamer aber war daheim in dieser Welt, für ihn war Aristckratie kern leerer Begriff, sondern erfM von einem großartigen und großzügigen Wesen, getragen von jener Leichtigkeit der Geste, die ritterlich rind jodial zugleich ist, geleitet von jenmr Knltrrs der Form, der sich im guten, gewählten Geschmack äußert. Ja, er gehörte einer Kaste an, die den Geschmack zum Götzen erhöbt, die Menschen 'stürzt u>nd erhöht, nicht nach dem Werte ihres Charakters, son-dern nach der .Farbe ihrer Krawatte und dem Schnitt ihres Smokings. So wird die Gabel gehalten. So viel Trinkgelder gibt nian. Trägt dies oder jenes Kleidungsstück. Eortsetzung folgte

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