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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-09 · Heft 1790 (9.2.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1790 (9.2.1924)
Date
1924-02-09
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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1 ( Nr. 179Ü Wien, Samstag Wlenir M^inen-elikuntt. 9. Februar 1924 Seite 11 Fußball. Aus dem österreichischen Fuschallverbande. Nochmals die Olympiade. Die gestrige Sitzung hatte sich wieder mit der, man sollte meinen, schon genug oft erörteren Frage der Beschickung oder Nichtbeschickung der Pariser Fußballolympiade zu beschäftigen. Herr Mrisl schlug vor. man solle alle Vorbereitungen zur Beschickung der Olympiade treffen; da der Nennungssch.uß erst am 24. April ist, habe man bis dahin noch immer Zeit, darüber -chlüssig zu tverden, ob die Teilnahme opportun sei oder nicht. Architekt Budasch schloß sich dieser Meinung an und machte den Vorschlag, man solle die Spietzeit auf Kosten der Sommerpause so weit verlängern, daß die Meisterschaft und der Cup dnrchgeführt werden könnten. Tr. Ebersthal-er erklärte hierauf, ihm persönlich wäre, da er nationalgesinnter Deutscher sei, die Teilnahme unsympathisch, doch wäre er aus IPorÄichen Gründen nichtsdestoweniger für die Entsendung der Mannschaft,. falls die technischen und finanziellen Schwierigkeiten beseitigt werden konnten. Dr. Gruder. der vor einer Woche aus Paris kam. erzählte, an eine Unterstützung von seiten des olympischen Komitees sei nicht zu denken, da dieses nur sechs Millionen zu seiner Verfügung habe uniy wenn es alle eingelaufenen Subventionsansuchen berücksichtigen wolle, zumindest dreißig Millionen Franken aufwenden mußte. Herr Meisl machte nun den Vorschlag. das Geld durch private Sammlungen sowie durch einen Zuschlag zu den über 20.000 Kronen kostenden Sitzplätzen aufzubringen. Bczirksvorsteher Pantnchek setzte sich für die Teilnahme Oesterreichs ein und wies darauf hin, daß im kommenden April in Frankreich Neuwahlen feien, bei denen möglicherweise wie in England die Arbeiterparteien die Majorität erlangen könnten. Schließlich beantragte er eine Resolution folgenden Inhalts: Der österreichische Fußballbund ist im Prinzip für die Teilnahme, wenn die technischen und finanziellen Fragen so gelöst werden, daß weder die Vereine noch die Verbände einen nennenswerten Schaden erleiden. Diese Resolution wurde mit allen Stimmen gegen die Prof. Schmiegers angenommen. Dasselbe Simmenverhültnis ergab sich bei einem Antrag Dr. Schwarz', dahingehend, daß ein Komitee zur Aufbringung der finanziellen Mittel gebildet werde. In das Komitee wurden die Herren Meisl. Direktor Spiegler, Dr. Schwarz, Direktor Schwarz und Dr. Gruder gewählt. Das Komitee wird durch einige Heven, darunter den Präsidenten des W. F. B., ergänztwerden. Die heutigen und morgigen Spiele. Ein Meisterschaftsspiel. Ms einziges Diei-sterschaftsspl-el kommt morgen die ziv'sie Spielhälfte des -seinerzeit infolge einer Verletzung des Schiedsrichters Komar in d?r Pause abgebrochenen Meffterschaftstreffens Hakoah—Vienna zur Austragung. Das Spiel beginnt beim Stande von 1:1 und dauert 45 Minuten. Das Kräfteverhältnis der beiden Breine hat sich seit dem Herbst sehr zugunsten der Vienna verschoben. Die Döblinger stehen sehr gut •im. Training und treten in stärkster Aufstellung an. Die Hakoah-Ma-lmscbaft hat nach der überaus anstrengenden Orientreife die wohlverdiente Ruhe gepflegt. Uebordies sind die Mau- Weißen morgen gezwungen, auf einige ihrer Hauptstübcn zu verzichten. Vor allem ist der Zenterhalfposten verwaist, da Gutmann in Budapest, dann können anch Schwarz und Scheuer, die alten Verlet-ungen laborieren, nicht antreten. Fried ist für dieses Nachtra-gstpiel nicht -spielberechtigt -und Häusler ist noch immer disqualifiziert. So ist di« Hakoah gezwungen, morgen mit mehreren Ersatzleuten amn treten. Trotzdem.ist kein Grund vorhanden, -daß dir jüdische Mannschaft die Flinte ins Korn werfen sollte. Es hat sich wiederholt gezeigt, daß Verlegenheilsmannschaften allen Befürchtungen zum Trotz mit vorzüglichen Leistungen aufwarten. Wenn auch die Vienna Favorit ist. ein Erfolg der Hakoah erscheint nicht ausgeschlossen. Bereits heute tragen Hertha und Ostmark auf dem Platze des erstgenannten Vereines ein Freundschaftsspiel aus. Während Hertha in der letzten Zeit nichts Besonderes gezeigt hat, war bst Ostmark in den lbeiden letzten Spielen ein Fortschritt unverkennbar. Deshalb würde es uns nicht wundern, wenn die Brigittenauer auch heute die Oberhand behalten. Schiedsrichter Putzendoppler. Ftenvdschastsspielr. Morgen Sonntag ■ finden einige Freundschaftsspiele statt. Wacker empfängt Adm-ftn zu Gaste. Beide Mannschaften sind ungefähr gl ich.stark,, so daß ein interessanter Kampf zu erwarten ist. Die etwas günstigeren Chancen dürften die Floridsdorfer haben. Die Amateure und Simmering treten in Ober-St. Veit gegsnesnender an. Beide Mannschaften mußten Spi-cler an unser TeaNl hbgeben, wodurch sich das Kpä-MerW'nis ganz wesentlich-zugunsten der Amaieme verschöbet hat. Mit ihrem Sieg ist zu rechnen. Schiedsrichter Schrbek. » Der Diener Cup. Rapid spielt morgen aufeigenem Platz gegen die St. Veit'w Sportfreunde. Det Sieg der Erstklofsigen steht außer Frage. Schiedsrichter Korkes. Nachspiele bestreiten Phonizia gegen Cricketer (Fav. A. C-Platz, Schwan), International gegen Bewrgnngsspieler (halb 10 Uhr, InlernationalMlatz, Skop). Die Koalition dev Spitzenvereitte. Die Spitzenvereine Amateure, Sportklub, Vienna und Hakoah hielten Donnerstag abends im Klubheim der Vienna eine Sitzung ab, in welcher anch die Vertreter des S. C. Rapid erschienen waren. Die Hütteldorfer vollzogen, nachdem ihnen einige' Aufklärungen bezüglich des Programms der Koalition gegeben worden waren, ihren Beitritt. Nunmehr gehören der Vereinigung sämtliche großen Vereine Wiens an Die Koalition wird znm ersteil Male in der Zeit vom 1. bis 9 Juni mit einer großen Sportwoche vor die Oesfentlichkeit treten. Außer den fünf Wiener Vereinen werden an der großzügigen Veranstaltung die Glasgow Rangers, eine führende englische Professionalmannschaft, und der belgische Meister teilnehmen. Die Koalition hat bereits mit beit führenden Vereinen Praas und Budapests Fühlung genommen, die sich prinzipiell geneigt erklärt haben, mit ihr gemeinsam zu operieren. In der nächsten Zeit werden Vertreter der Sparta und Slavia nach Wien kommen, während Prof. Schmieger als Vertreter der Koalition nach Budapest fährt. Im Anschluß daran soll dann in Wien eine gemeinsame Besprechungder führenden Vereine von Prag, Budapest und Wien stattfinden. Schiedsrichter Herites.hat telegraphisch feinte Zusage zur Leitung des Länderkampses Oesterreich-Jugoslawien bekanntgegeben. Die Affäre Hierländer gelängte endlich zum Ab chluß, da dem Spieler auf Antrag des Referenten Direktor Spiegler mit heuigem Tage die Spielbercchtigung. für die Amateure erteilt wurde. Wenn Hakoahner heiraten kaufen sie ihre nur bei Anton Schlesinger B.Wailner$iraf$e3 (nächst Kohlmarkt) wo sie bei Vorzugspreisen ein reichassortiertes Lager von einfachen sowie Luxus-Möbeln vorfinden bbqhJI Fußballer als Ringer. Morgen abends werden, foUbereits mitgetcik, einige bekannte Fußballer der Hakoah als Ringer vor die Ocffentlichkeit treten. Es ist sicherlich begrüßenswert. daß die Hakoahner auch andere Sport.zweigc Pflegen, da das Fußballspiel, allein 'betrieben, den Körper «mir einseitig ausbildet. Die zahlreichen Anhänger der Fußballsektion werden es sich wohl nicht nähmen lassen, Neuifcld. Katz, Grünfeld, Schwärz Grünwäld ufw. a>Nf der Matte zu begrüßen. Die Kämpfe finden ab 7 Uhr abends im Klnbheim, Cafe Atlasyof, statt. Der I. S. C. Hakadur wurde in den Wiener Fußballverband aufgenommen und in die Schutzgruppe A eingeteilt. Julius Straßmann, der verdienstvoll.' langjährige Obmann der jüdischen Sportvereins Achduth ist aus diesem Vereine geschieden und spricht ihm die Vereinsleitnng für seine bisherige Tätigk.-it den besten Dank aus. Ter S. C. Hazair-Maklabäa trägt morgen um halb 1 Uhr und halb 3 Uhr nachmittags auf dem KaisermWen A. C.-Platz ein Trainingsspiel ' gegen den sünftklafstgen Verein Wiener Kicker aus. Ans den Vereinen. Achduth. Heute um halb H Uhr abends wichtige Voll» Versammlung im Vereinslokale, 2. Bez., Obere Donaustraße Nr. 65, Tür 4. Mannschaftsaufstellung für das am Sonntag um 10 Uhr vormittags stattfiudende Spiel gegen Sturmvogel auf dem Jnternatioual-Platz. Nichtanwesende werden bei her Ausstellung nicht berücksichtigt. Anmeldung und Einzahlung. Adir. Heute um 7 Uhr abends Vollversammlung im Klubheim, Cafe zur Post, 3. Bez., Hetzgasse 22, zu der sämtliche Mitglieder bestimmt zu erscheinen ersucht werden Tagesordnung: 1. Bevorstehende Frühjahrsmeisterschaft. 2. Wahl eines Festkomitees. 3. Gründung einer zionistischen Kultursektion usw. Anmeldungen für die Schach- und Ping-Pong- Sektion von 8 bis 9 Uhr. Hakadur. Heute um halb 6 Uhr Ausschußsitzung, zu der alle Herren bestimmt zu erscheinen haben. 7 Uhr Spielerversammlung. Aufstellung von zwei Mannschaften für die Spiele gegen Eßlingen. Nachher Ping-Pong. Morgen Ping- Pong und Unterhaltnngsabend. ' Hako ah. (Alte Herren-Mannschaft.) Mittwoch den 13. d. um 8' Uhr abends Sitzung der Alten Herren im Klubheim, 1. Bez., Wiesingerstraße 11. Folgende Herren werden gebeten, bestimmt zu erscheinen: Grasgrün, Präger, Burian, Spunner, Dr. Menkes, S. Fleischmann, Pisk, Auer, Ing. S. K" > : Artur Kolisch, Eisen, Zwicker. Alsr. Pollak, Lajos.Schwach, H. Rosenthal, A. Schönfeld, Horowitz, Alt, Földes, LazarUs^ Herbert Feßler, Brunner, Dukesz, Nußbaum und Eisler: Diejenigen Herren, die Interesse für die Alte Herren-Mannschaft haben, werden ebenfalls ersucht, zu dieser Sitzung zu erscheinen. Hasmonea. Heute Samstag um 8 Uhr abends im Wiener Theatercafe, 2. Bez., Praterstraße 33, Wahl des Fußballsektionsleiters, anschließend äußerst wichtige Mitgliederversammlung und Mannschaftsaufstellung. Morgen um 10 Uhr 'vormittags spielt die erste Mannschaft aus der Hohen Warte gegen Vienna. Um 7 Uhr abends trägt die Tabletennis-Sektion gegen den Sportklub Arkadia im Cafe Blau (Rotensterngasse) einen internen Klubkampf aus Die Uebungen der Tabletennis-Spieler sind täglich ab halb 7 Uhr abends im Klublokal, woselbst Neuaufnahmen entgegengenommen werden. Hazair-Makkabäa. Heute, Präzise halb 7 Uhr abends, Sitzung der Fußballsektionsleitung, zu der die Herren Feßler, Schwarz, Futterwert, Sternfeld, Büchler, Seidler, Neubauer, Dr. Morgenstern und Schlesinger bestimmt erscheinen mögen. Anschließend Spielerversammlung und Mannschaftsaufstellung für die morgigen Spiele gegen Wiener Kicker um halb 1 und'halb 3 Uhr nachmittags auf dem Kaisermühlen A. C.-Platz. I. A. C. Heute um halb 8 Uhr abends Spielerversammlung der ersten und zweiten Mannschaft. Aufstellung zu dem am Sonntag stattfindenden Meisterschaftsspiel gegen Reichsbund ans dem Neubauer-Platz um 10 Uhr. Halb 9 Uhr Fortsetzung des Vortrages des Herrn Dr. Ropschuta „Hvgiene und Sport". Sonntag um 8 Uhr Bunter I. A. C.-Abend im Cafe Schlösselhof, 8. Bez., Alserstraße 25. Akademie und Tanz. Gäste willkommen. Iordania. Heute um 8 Uhr Spielerversamminng und Mannschaftsaufstellung im Cafe Reichshof, 2. Bez., Praterstraße 60. Jüdischer Asso ciations - Football - Elub. Dienstag und Freitag um 7 Uhr abends Ping-Pong. Heute Samstag Spielerversammlung im Cafe Nizza. Rejim. Heute um 5 Uhr nachmittags außerordentliche Generalversammlung. Die Versammlung ist auf alle Fälle beschlußfähig. Versammlungsort: 20. Bez., Allerheiligenplatz 17. U n i t a s. Heute um halb 8 Uhr abends Leitungssitznng. Anschließend Festkomiteesitzung. — Die Tanzabende finden von Nun air jeden Montag und Mittwoch um halb 8 Uhr abends im Saale des Cafe Rembrandt, 2. Bez., Untere- Angartenstraße 11, unter Leitung des Tanzmeisters Herrn Robert Weiß statt. Copyright 1028 hj Nachdruck «erboten- Deutsch'Oesterrcichischer Verlag, Wien. 16. Fortsetzung. Die Heimatlosen. Roman von Wilma v. Vukelich. Lydia aber lächelte sorglos ins Leere hinein. Ja sogar ein wenig kühl und überlegen. Denn was ging das im Gwnde alles sie an? Sie sand alle diese Worte übertrieben, überspannt und wenig zeitgemäß . . . -Judentum? Was war Judentum? Konnte es wichtiger sein als ihr gemeinsames Erlebnis? Konnte er trauern, wenn sie ihm die Illusion ihrer Schönheit schenkte, die täglich neu war, täglich andere Formen annahm? Wenn sie ihm die Illusion einer Welt mitbrachtc, die tausendmal -mehr wert war als die finstere Welt, in der er sich mit seinen Gedanken begrub? „Ich -finde es sehr nett, ein Kulturjude zu sein, Jude und Europäer, wie du es selber nennst, svobei mir der Jude erst dann sympathisch zu werden beginnt, wenn er sich sein Judentum möglichst abgewöhnthat!" Sie sagte das kühl und voller' Anzüglichkeit. Und kräuselte die seine Lippe -in leisem Spotts „Jä, ja, du brauchst gar nicht so große und böse Angen zu machen! Ich liebe dorr Jungen, der sich wie ein Engländer kleidet, der wie ein Franzose liebt und wie ein magyarischer Gentry das Leben leicht nimmt, es schön lebt, sich amüsiert! Oder nennst du das Verfall? Ich nenne es Lebenskultur! Anpassung an die vollendeten Formen des Lebens. Man durchbricht die Starrheit der Vorurteile und ist überall daheim." „Oder nirgends!" sagte Daniel schwer und versonnen. ,Mvgends! Ja, Lydike, im letzten Sinne hast du recht. Für .dich M du recht. Denn du nimmst das Leben als m Absolutes -und löst es auf in Genuß. Jener andere aber, der an sich selber leidet, der sich angeschmiedet fühlt an eine traurige, schwerfällige und boschwerte Persönlichkeit, der das Gift der Jahrhunderte in seinem Blute trägt und es verlernt hat, einfach zu empfinden, sich einfach zu freuen, das Leben einfach aufzunehmen. wo und wie er es findet, dem alles zur Komplikation wird, weil er -in jeder Weise mit sich und seiner Umwelt in Konflikt ist, tveil er andere Ohren hat, zu hören, andere Augen, zu sehen, seine Gedanken aber andere Aüsgangspunkte und ein anderes Ziel? ... . Soll auch er sich kleiden wie ein Engländer, lieben wie ein Fra-nzcise, sich amüsieren -wie ein ungarischer Edelmann? Wird -dir der Pseudoede-lmänn gefallen, der unter seinem Kulturenropäertu-m den Semiten verbirgt, der er doch immer und immer bleibt, mit seinem ganzen Sensualismus, mit der ganzen krausen Mentalität des Semiten? Denn glaube mir, Lydia, nicht ich -und - ein paar Sonderlinge meinesgleichen kranken am Judentum, an dem Riß zwischen T-un . und Anlage, zwischen Form und Inhalt. Wir alle tun es: Tihttrner, der das ganze Problem in eine Frage der Form auslöst. Lajos mit seiner maßlose» Begcisteru-ng für die Menschheit, die keine Grundlage hat; denn im letzten Sinne bleibt dSse „Menschheit" ein leerer Begriff für ihn. Tibor, der die Schönheit sublimiert. Alfred, der ein Leben lang mit sich zu tun hat und dabei niemals zu einem Ziel kommt, so wie ich zu keinem Ziel komme, weil ich nicht einmal imstande f>m> mein Problem in eine knappe Formel zu fassen, und nur weiß und sichle, daß es so nicht weiter-geht: Und du, Lydia, dü selber . . . bist du kein Problem? Gebt uicht auch durch deine Seele jener RN „Schweig!" Fast zornig schrie sie cs. „Ich will davon nichts hören! Ich will das Leben so nicht sehen! Das alles macht mich schwach, lenkt mich von meinem Ziele ab! Was sollen mir deine Probleme? Werde ich glücklicher durch sie oder auch nur stärker und klüger? Nicht die Spur! Ich verliere mich mit dir zusamnren in einer grauen und endlosen Trostlosigkeit, aus der es keinen Ausweg gibt! Nein, das will ich nicht. Ich will es einfach nsivt. hörst du?" Sie fauchte ihn an wie eine böse kleine Katze, und während sich ihre Lippe zornig krünuute, flogen um ihre Augen schon wieder die kleinen lustigen Fünkchen, das verstohlene Lachen, das die Trauer zur Farce macht, die Gedanken zur Karikatur, indem es sie -zersetzt, verwässert, bis alles wolkenleicht wird. Schtvebend sozusagen. Gebilde, die keiner saßt. „Und dennoch," fügte Daniel mit trauriger Hartnäckigkeit hinzu. „Auch durch deine Seele geht jener Riß. Denn du liebst den Genuß und suchst die Freude, das schöne Erlebnis. Und dennoch, in irgendeinom dunklen Pu-nkte deines Wesens wurzelt jene Empfindung, die dich zu mir zieht, deinem Widerpart. Und durch irgendeinen geheimen Triebdeines Herzens mußt du mich lieben, der ich dir nichts biete von alledem: weder Freude noch die große Sensation. Sieh, ich bin nichts als ein armer, schmerzbelademr jüdischer Student mit einer geringen Zukunft. Und dennoch kommst du zu mir, schmiegst dich an mich. Deine Augen leuchten mir, deine Lippen duften mir. Du verschleudevst dich, Lydia. . . wirfst dich weg, ohne Gegenwert! Denn ich habe nichts als meine traurigen Grübeleien und weiß selber nicht, wohin mein Weg mich jemals führen wird . . * Nun sage selbst, bist du kein Problem . . . bist bit keine Jüdin, Lydia?" (Fortsetzung folgt.) m

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