Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1788 (7.2.1924)
- Date
- 1924-02-07
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1^68_ Men, Donnerstag_•_ Vierter Mor-enzektung. -ML Die Beschickung der Variser Olympiade — gefallen? Aus der Spielausschußsitzimg -ec ersten Klasse. In der gestrisiM Sitzunq des Spielausichtisfes der ersten Klasse wurde die Frage. ob wir rms an der Pariser Oivmpiad.'! beteiligen sollen, neuerlich bolxmdE. Di« Sprecher der ciwße-n Koalition vertraten die Ansicht, das; es dem österreichischen Fußballkmich Mit der Boschickunq nicht ernst ist. Man suche EN Prügelknaben, der die Teilnahme au den Pariser Wettrümpfen verhindert. Dia erste Klasse s-oll nun dom Oe. F. B.: nicht den Gefallen erweisen, eine billige Ausrede;n haben, weshalb der Spielausschuß den Beschluß -fassen moste, daß >?r! prinzipiell für die Teilnähme stinrnw. Professor Schmieger wies darauf hin. daß folgende Voraussetzungen n-otweubig' sind. Bor allem muß der Cup sistiert werden. Dann minien die Vereine damit einverstanden sein, daß die Meisterschastsi termwte vom Verband neu angesetzt werden. Weiters ist in der - Zeit vorn 1. Mai bis 9. Juni mit einem gedrosselten Sporibe- - wibb in Wien au rechnen und zum Schluß müssen sich die' Vereine darüber klar sein, daß sie von keiner Seite auf irgondwclche Entschädigung rechnen können. .Herr Ratzl, der.Vertreter dor kleinen Klubs, beantragte, daß die Erstklassigen nur dann für die Beschickung stimmen sollen, wenn der Oe. F. B. Gewähr leistet, daß lein Verein zu Schaden kommt. Schließlich wurde zur Abstimmung geschritten, wobei sich . die Vereine Slopan, Hertha, W. A. F.. Ostmark, Wacker, Simmering und Adlnira gegen, und die Vereine Amateure, Hakoah: Sporrkluh und Vienna für die Beschickung der Olympiade ausspracheu. Damit war der Antrag gefallen. Selbstperständlich ist damit noch nicht die letzte Entscheidung herbeigesührt, da dicse dem ÖsterreichWen Fußball- Lund Miegr. Mit Rücksicht darauf, daß der Wiener Verband von-der Reise nach Paris nicht entzückt ist und auch der Oe. F. B. bisher eine schwankende Haltung eiug'.no>mmen hat, -ist mit einiger Sicherheit anzunehnrcn, daß Oesterreich bei der Fußballer-'OlhmPiade nicht vertreten sein wird. In der gestrigen SpielauZschußsitzu-ng kamen, noch einige, interessante Punkte Mr Behandlung. -Das Schiedsrichtcrkollegmin -brachte einige seiner Mitglieder zur Leitung von erstklassigen Meisterschaftsspielen zum Vorschlag. Der Spielausschuß sprach sich dahin ans. «daß diese Herren noch durch einige Zeit Treffen der R-eservemannschaften leiten mögen. Dann kam der Streitfall zwischen Hakoah. und Vienna zur Sprache. Der Sektionsleiter des Wischen Berams Arthur Baar wies darauf hin. daß die Hakoah wohl seinerzeit den Vorschlag unterbreitet habe, die restlichen 45 Minuten des Meisterschaftsspioles am 10. Februar zur Austragung zu bringen. Cs ist auch richtig, daß die Vienna sich mit dem Vorschlag einverstanden erklärt hat. Die Hakoah antwortete aber auf dieses Schreiben, daß sie ans verschiedenen Gründen -ihren siiincrzeitigen Vorschlag nicht aufroel)terhalt.en kann. Sie -fühlte sich zu dieser Zurückziehung ans dem Grunde berechtigt, weil der Spielausschuß den neuen TeMlin noch nicht sanktioniert 'hatte. Die Absage' der Hakoah erfolgte am 38. Jännc-r und erst nach diesem Tage hat die Vienna den Spielansschuß davon in «Kenntnis gesetzt, daß sie mit der. Hakoah den. neue« Dermin vereinbart hat. Dazu war der Döblinger, Verein nicht mehr berechtigt. Der Redner wies auf das Prinzipielle der vom Spielansschuß verlangten Entscheidung hin. Der Vertreter der Döblinger erklärte, daß er ans die Einhaltung des Tcrniines Ms dem Grunde bestehen müsse, weil sein Verein keinen anderen Termin frei habe. Die. einzelnen Redner gaben wohl zu, daß die Hakoah in formeller Bdziehuug Recht habe, doch ersuchen sie, die Zwangslage der Vienna zu berücksichtigen. Knapp bevor zur Abstimmung gesehrüten wurde, gab Herr Arthur Baar bekannt, daß die Hakoah am. kommenden Sonntag die noch restliche Spielzeit von 45 Mnmtön Nachträgen werde. Mithin war eine Entscheidung des Spielgüssch-ussts überffnfsig. . .Schließlich lag noch ein Schrasben des Schiedsrichterkollegiums vor. worin das Gutachten des 'Spielansschusses über die Schredsrichtergebühr von 250.000 K. pro Wettspiel verlangt wurde.. Der Spielausschuß vertagte diese 'Angelegenheit auf die nächste Sitzung.; Arnatettrismus ober Professionalismus? Die jüdischen Vereine müssen sich entscheiden. s>n ganz Europa wuchert.der.Scheinamatouvismus. Die Fußballer gelten als Herrenspioler. verschmähe es aber nicht, Zuschüsse von den Vereinen -zu nehmen. Dieser Zustand ist ans verschiedenen Gründen materieller und ethischer Natur unhaltbar, was überall erkan-nt wird. Dir mitwienropäis-chen Fnstball'vcrbände..wollen sich aber nicht dazu au'srassen, reinen Tisch zu machen. Rur der.Oesterreich Wo Ittßballbund, -tutd hier m erster Linie der Wiener Fiuß'ballpLvba-nd. zeigen das ehrliche. B-streben, das Bernssspie-lertuur ein-zuführen. , In der Tschccho-iDlowakei. wo man noch Vogel Strauß- Politik betreibt, sch:inen nun ginzelne Vereine ernstlich daranzugehen. im eigenen Wirkungskreis Ordnung zuschaffen. Es erfüllt uns nun mit Genugtuung, daß es gerade Wische Klubs sind, die die derzeitigen Praktiken nicht mehr mitmachen wollen. So sendet uns der MaKa'bi Wroßiritz) ein Schreiben, das folgendes b.'inhaltet: „llnier Ausschuß hat den Beschlußgefaßt, von null an keinem Spieiler irgendwelche Zuschüsse zu . gewähren, da allen Spielern entsprechende Posten veZchafft wurden, die ihr Auskommen sicherten. Denienigen Spitzlern, -die damit nicht oiuverstanden sind, wird die Freigabe anstandslos gewährt. Unsere bisherigen, Spieler Krans.z, K'övesz, Brodh und Sinaer haben den 'Austritt angemeldet und sind der Hakoah. (Olmüh) beige treten. Die--genan-nten Fußballer b chatten ihren Wohnsitz und ihre- Stellung m iProßnitz,' sie worden sich aber in Olmütz sportlich betätigen.". . Wir ftenen uns darüber,.daß der Makkafti (Pvoßnitz) die. moralische Kraft ausbrachte.,' put: Amat-eurism-us Mvückzukchren. Wenu wfr apch M'PrWfionaljsmns nicht grundsätzlich Mähnen. so sind wir uns darüber doch klar, d-'b - nur wenige jüdische Vereine -die.Lasten, die 'das Berufsspieler-- tmn anferlegt, ertragen-können. - - Schiedsrichterbesetzungen für Sonntag. Meisterschaft: Hakoah—Vienng, (Krieauer-Platz, Schiedsrichter Komar). Freundschaft: Amateüre-7-Simmerinq (Amateur-Platz, Schiedsrichter Schebbk). Cup: Rapid—St. Beiter Sportfreunde (Rapid-Platz, Schiedsrichter Korkes), Vhönizia—Cricketer (Favoritener A. C.-Platz,.. Schiedsrichter Schwarz), International—Bewegungsspieler (halb 10 Uhr, International- Platz, Schiedsrichter Skop). Das Meisterschaftsspiel Sportklub—Bienna findet am Samstag den '16. d. auf dem Dornbacher-Sportplatz statt. l t] Photo- und Kinoapparate sowie »äiatlfohe Bedarfsartikel Photohaus „KELLY“ ' HEINRICH LÖITER Ttfien, II. Kotehstdmp*asse 28 r.usarbegtungen wf Vergrd$serungen 7. -Februar 1024 Seite Ö Jüdischer Eportverhand. Gemäß Beschlusses der letzten Generalversammlung des Jüdischen Sportvcrhandes werden die Vereitle miffteforbcrt, bis Samstag den 10. d. -ein Mitglied für den Parteiiiu- ,Ü-utur-aussch,l'ß des Jüdischen Sportverbandrs zu nominieren. In Anbetracht der Wichtigkeit dids-es Ausschusses ist bei der Wahl dieser Funktionäre besonders sorgfältig vorzugel>en. — Organisationsattsschuß: Donnerstag den 8. d. findet im C-ase Lavrana,!l. Bez., Löwetm>asse 36, um 8 Uhr abends -eine Sitzung des Org-auisationsausschusses. unter Vorsitz des Herrn Ing. Königstein statt, zu der folgende Herren 1 eingeladm werden: B»'da, Gn-'swin. Seudr-wstt und K-hn. Die Stiftung eines jüdischen Sportplatzes in Palästina. I. T. A. meldet' aus Berlin: Der jüdische Turnverein Bar- Kochba, der vor kurzem sein 25jähriges Bestchen feierte und von dem die jüdische Turttbewegung ihren Ausgang genommen hat, veranstaltete eine Vorführung des Palästina-Films, die dltrch eine Ansprache des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Klee eitlgeleitet wurde. Der Rcdtter forderte die Herren des Bar- Kochba auf, sich eine Spcüalaufgabo in Palästina ans. dem Gebiete der körperlichen Regeneration zu schaffen. Wie der I. T. A.-Vertreter erfährt, besteht die Absicht, vom Bar- Kochba und dem deutschen Kreis der jüdischen Turnerschaft aus einen großen jüdischen Sportplatz in Palästina zu schaffen, der den Namen des verstorbenen Vorsitzenden der Berliner Bar-Kochba, Dr. Ertlst Tuch, tragen soll. Es wird angenymnwn, daß das Projekt mit eitlem Aufwand von 10.000 Gvldmark ausgeführt werdeu kann. Hugo Fallemann, ein ehetnaliger Spieler des S. C. Hazair-Makkabäa, übersendet aus Buenos Aires sämtlichen jüdischen Sportlern die herzlichsten Grüße. A. C. Sparta—Amateure. Die Frühjahrswettspiele dieser zwei großen. Gegner kommett am 23. März in Prag und am 1. Juni in Wien zur Austragung. Auf dem Union 21-Platz (Iller-Wagen bis Jndustriestraße) itt Sladlan trägt Sonntag um 9 und halb 11 Uhr Hechawer zwei Traiteingvsp'ele gegen Esha ans. Hasmonea—Zentralverein 4:2 (3:1). Beide Vereine tratet! zu diesem Wettspiel mit Ersatzleuten an, trotzdenr führte Hasmonea ein sehr ztveckmäßiges Spiel vor, was ihr auch den verdientett Sieg eintrug. Hasmonea spielte vorerst mit dem Wind int Rücken und war überlegen. In der 12. Minute erzielte Bäumer für Hasnton.ea die Führung. Fünf Minuten später erhöhte Bcstler den Stand auf 2:0. Zentralverein kam nun auf und errang aus einem Elfmeierstoß den ersten Treffer. .Knapp vor der Pause brachte Kestlcr durch Bombenschuß, den Stand auf 3:1. Nach Seitenwechsel war der S. C. Zentralverein überlegen, konttte aber infolge schlechter Taktik keinen zählbaren Erfolg erzielen. Ein Gegenangriff von Hasmonea führte zum vierten. Treffer, den Fuß erzielte. Die Blau-Weißen gaben sich mit dem Resultat zufrieden. Zentralverein war von nun ab im Angriff, wobei der Zenterstürmer das Endresultat herstellte. Das rückständige Meisterschaftsspiel I. A C. gegen Reichsbnnd wird Sonntag um 10 Uhr auf dem Neubauer-Platz' . ausgetragen. Grüße. Wir erhielten aus New-Uork eine. Postkarte, die die Grüße an alle Hakoahner von nachstehenden Mitgliedern enthielt: Artur Hivschler, Otto Hilfreich, Fviedel, Frank Robicz'ek, Hans Klein, Alfred Brückner- und Michler. - Die Kadimah hat durch dem Beitritt der Spieler Gruschka, Eckhcms, Rosenfeld, Dukes, Lmneberg, Berkvvicz erliebliche Verstärkung erhalten. Sternmann (Hakoah) hat sich beim I. A. C. angemeldet. Berliner Wettschwimmen. Berlins größter Schwimutklub, der Schwimmsporlklub 1909, trug seine Klubmeisterschaften über je vier Bahnen (96 Meter) aus. Garzellniak gewann den Freistil in 1:03,7 um eine Zehutelsekunde gegen Wolf; Martens das Seitenschwimmen in 1:11,2; Weidhöner das Rückenschwimmen und auch die lange Strecke und Müller das Brttstschwimmen in 1:14,2. Im Springen trug Paschke den Sieg davon.. Der Vertrauensmann der Schwimmer der Hakoah ersucht, uns um Aufnahme folgender Zeilen, welchem Wunsche wir Nachkommen, obwohl wir -es bedauern, daß die Differenzen nicht imeigenen WirkungÄrois beigeb'gt werden. Die Z-ttschrift lautet: „In ihrer Letzten Versammlung um 4. d. haben die aktiven Schwimmer der Hakoah Herrn Dr. Altar als ihren Vertrauensmann in die Leitung der Schwimmf-ektion cutsendet. Di-es-e Wahl kommt der S-.-ktionslertun>st unerwüscht, da zwischen ihr und Herrn. Dr. Altar zurzeit Gegensätze, die in der verschisdeuLn AuGaffung über manche Sporfragen, wie Startpflicht Lop^rizM 1983 by Nachdruck verboten- Deutlch-Oesterxeichckchrr Verlag, Wie». 14. Fortsetzung. ' Roman von Wilma v. Vukelich, Lydias Staunen machte allmählich einer Art Ehrfurcht Platz. Die Flotte, Leichte, Un-bedeMche fühlte allmählich süße Rührung in sich emyorquellett und es. entzückte sie, daß diese -großen, ernsten Träumeraugen weit vor Bewunderung wurden, wenn Da-niel sie erblickte. Und sie lächelten einander zu. Sie tasteten sich aneinander heran und stürzten schließlich wie zwei -Flammen in« einander nach einem ewigen Gesetz. Das Lichte -muß sich erlösen im Meere dunkler Glut. Und die Tiefe sehnt sich nach dem Leuchten der Oberfläche. Nach den tanzenden Sonnenfunken. Nach Vogelgezwitscher und Lust. Und Lydia 'war treffsicher in ihrem Liebesinstitt'kt, laiunen'haft wechselnd und voller Einfälle. Liehe war in ihren Augen eine Unruhe, die niemails zu Atem kommen läßt. Sensationen, an denen man sich festsaugt, die man steigert und steigert. Eine Flamme, der'man Stunde u>m Stunde neues Brenn materiail zuführt. Rendezvo-us und Briese. Ein ewiges Versteckenfpielen und Sich-Wuden. Ein ewiges Sich-Umgaukeln und Sich-EnGiehen. Alles hart an der Grenze des Möglichen. Alles/knapp vor den Augen der Eltern, im Atem der Gefahr, die nur zu neuen Wagnissen aufpeitscht und neuen Brennstoff in die Flamme mischt. Und auch dann noch blieb Daniel Lydias eittzige und lvahre Liebe, als sie mit siebzehn, achtzehn die 5kuöigin der Ballseste wurde, umschlvärmt von den Weinen Husarerrleutnants, eine Sylphe im Tanz, eine schneidige Gegnerin beim Tennis, eine graziöse Künstlerin auf der Spiegelfläche des Eises, wo sich Hunderte zusammenscharten, um das Linienspiel ihres beweglichen Körpers anzustannen, der ein Kunstwerk an sich war, wobei es ein besonderes Schauspiel lvar, Lydias Freude zu sehen, ihr Silberlachen zu hören, zu Mren, wie sie sich anslöste in der Lust all sich selber, an der Bewegung, an der -frischen, Wngenden Silberluft und am Bei satt der anderen, der sitz berauschte. Immer-aber Kehrte sie' tnmken von ihren Erfolgen in Daniels Arnre zurück und fand eine neue Art von Entzücken, wenn sie seine schüchterne. Eifersucht merkte, die sich bei feiner großen Güte gar nicht recht Hervortrante. Ja, sie schür'e diese Eifersucht, weil es ihr ein unglaubliches Vergnügen bereitete,, immer wieder-um zu -erobern, sich neu erobern zu lassen. ... Niemals machte sie; Zußunstspl-äue, denn die Zukunft schien ihr.unsicher in der. Ferne zu schweben . . . Ja, sie kannte sich und wußte, daß iy ihr selber auch nicht die geringste Garantie für eine' Zukunft war. Und immer wieder sprach sie zu Daniel: M „Weiß ich, was ich - morgen wollen werde? Heute ist honte. Morgen ist morgen. Sei froh, daß ich dich heute lieft habe!" Jetzt aber war diese ZtMnft. da. Und trotzdem Lydia sich schämte,' auch nur Rosenberg Daniels Namen vor Mademoiselle auMsprechen, trotzdM die Eindrücke über sie herein-brachen: der Korso, GevbMr, hie neuen Toiletten, die neuen Bekanntschaften ^-wpbei sie.wußte, daß dies alles nur Präludien, verantwortungslose kleine Abenteuer waren, mit denen sie hi-e Wartezeit äusfüllte — trotzdem 'dachte sie auch jetzt noch an Dguiel. der'ein so guter Junge war, so über alles gut, nur ein bißchen langweilig «war er, und es ließ sich eben Lein Staat mit ihm machen. Darüber konnte sie natürlich.nicht so mir nichts, dir nichts hinweg. Aber es war doch eine Art Selbstevhalt-nngs-trieb, wenn sie sich in dein Chaos des Budapester Lehens an Daniel feschielt, der ihr altes Ich uu-d ilMier'nur dieses widerstrahlte, es läuterte uud.vergoldvte ^rrch das Medium seiner Liebe und au dem Rollenspiel, das sie sich zurechtgedichtet, beines-wegs teilnahm. Sie. aber Wußte gut, daß jene Lydia, die Daniel .sah, der wiMchen Mit Kerlegelr.'.war. Nur wäre es.ihr sehr unbequem gewesen, die Rolle, b'ie er ihr zu wies, auch tatsächlich -immer zu spielen. Was war ^er gute Junge naiv und hatte so goldige Illusionen! Er merkte gar nicht, daß sie im Grunde doch -nur ein egoistisches, genußsüchtiges und leichtsinniges kleines Geschöpft war... Meist imsen sie sich in einer für devlei Zwecke sehr geeigneten Konditorei, deren Adresse sie der erfahrenetr Mademoiselle verdankten. Dort roch es aber so sauer nach ranziger Butter und Kaffee,, auch gab es noch Litzbe'spaare zweifelhafter Herbunft dort, daß sic es schließlich vorzog, auf Daniels Studentenbude zu schlüpfen, die nett und sauber' 'war, aber gar nicht auftegend. Viel zu wenig aufregend, fand Lydia, die es nicht fasten konnte, -daß Daniel nicht heftiger auf den Reiz ihrer.Persönlichkeit reagierte. Außer sich müßte er sein, hingerissen vor Glut und Seligkeit! Kam doch sie, Lydia, in seine graue Stube, und war längst nicht mehr die kleine Lydike von einst mit bm immer zerzausten Wuschelhaar, die über Gräben hüpfte und sich hinter beit Hecken versteckte, um Daniel zu necken. Sie war eine junge Dame, sorgfältig frisiert und onduliert, sie trug Toiletten und Hüte, die Hymnen des guten Geschmacks waren. Sie duftete wie die Göttin von Zypern selber, nnd dabei war ihr Parfütn eine durchaus individuelle Mischung und ihr eigenstes, tiefstes Geheimnis . . . Und von all dem merkte der dumme Junge nichts. War das erträglich? Er machte seine großen, verliebten, schwermütigen Augen und glaubte, daß dies genüge, um so viel! Reiz zu quittieren! Wo aher blieb die Aufregung, wo die große Sensation, von der Lydia träumte, Tag und Nacht?, War sie desroegen nach Budapest gekommen? Wußte er denn nichts, tvas sie ein wenig aufrüttelte, aus sich selber herausriß . . . wenn sie doch kanr ... zu ihm, demkleinen, unbedeutenden Studenten, )mnn sie ihm ihre Liebe schenkte, wo sie, weiß Gott, tausend andere hätte haben können! Wo sie Dinge hätte erleben können ... die Haut schauerte ihr bei dem bloßen Gedanken, nnd eine leise, unverstanderie Sehnsucht meldete sich. (Fortsetzung folgt.)