Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1787 (6.2.1924)
- Date
- 1924-02-06
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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e Se8« " 'r'"r' Wien, Mttwo'ch '’,'wrTV" - i- —.——- 1 .... 1—1—— -*“• Zucker ist weiter steifend, tschechischer ist um 25 Puutle höher, Kristall notiert 4.30 tschech. K.. Würfel 4.60 tschech. K. sowie 11.60^> St., respektive 12.400 K. ab Lager Wien. Abgeschlossen wurde: Kristall österreichischer Provenienz zu 11.500 K. Kottdensmilch gezuckert pro 14 Unzeu-Dose prima Marke schwächte sich um 600 K. auf 8800 K. und ungezuckert pro Dose (16 Ilnzen-Dose) mnerikanische mrf 7800 K. ab. Portugiesische Sardinen, 300 Gramm-Dosen (6 bis 8 Fische) erhöhten den Preisstand um 50 K. auf 5800 K. Zum öffentlichen Verkaufe gelange« am &(., %1 Uhr. 1 Waggon Mischfettsäure 97/98. am 9. d. 11 Uhr. 3510 Stück Türschlösser und am 12. d., %1 Uhr, 570 Kisten Kondensmilch. Die Warenmärkte. (Eigenbericht der ..Wiener Morgonzenmtg^J Wolle. Zn Buenos Aires und Montevideo hat die lebhafte Frage für alle Qualitäten bei steigenden Preisen angehalten. Die Ckfpreise für La Plata-Wollen verglichen mit Ende Jänner 1923 zeigen einen Aufschlag von 20 bis 25% für Merinos, ungefähr 40% für mittlere Krenzzüchter, ungefähr 60% für grobe Äreuz- Mchten. Die Saison cmr La Plata geht einem ungewöhnlich frühzeitigen Ende entgegen. Zn Sydney und Melbourne verlief das Geschäft bei guter Auswahl in Spinnerwollen und unter starker Konkurrenz von Enaland zufriedenstellend. Japan und Nordamerika hatten feste Tendenz. Merindpreise sind seit Ende Dezember um ungefähr 7%% gestiegen und stehen heute ungefähr 15% über Jänner 1923. An Bremer Baumwolle blieb die Frage seitens der Spinnereien ziemlich gut. Die Terminmärkte waren stetig. Die Bremer Baumwollnotierung zeigte schwankende, nach oben gerichtete Tendenz und war nach einem größeren Rückgang am 31. Jänner tags darauf 36 67 Cent. Amerikanische Baumwolle fullv middling, good color, 28 Millimeter staple loko notierte am 26. Immer 36'02 und am 1. Februar 36 67 Cent. Auch die anderen Märkte zeigten durchwegs uneinheitliche Tendenz. In Liverpool kostete mnerikanische Baumwolle am 26. Jänner 19 56 und am 31. Jänner 19'31 Pence; in New-2)ork am 26. Jänner 33'55 und am 31. Jänner 3410 Cent. Für ägyptische Baumwolle begehrte man in Alexandrien am 28. Jänner 43°90 und am 31. Jänner 43.55 Tallaris. Am französischen Tertilmarkte hat die Unbeständigkeit der Wechselkurse eine ernstliche Verwirrung im Gefolge, wo man sich bei den Ankäufen von Rohmaterialien außerordentlich vorsichtig verhielt. Hingegen hat man in der letzten Zeit in Fabrikaten, was Baumwolle betrifft, eine große Zahl von Verkäufen vorgenommen und nach gewissen Quoten soll die Zahl der insbesondere mit Deutschland getätigten Abschlüsse nicht unter 100 Millionen Franken betragen. In Wolle weist das Rohmaterial anziehende Preise auf. MehmSrtte in St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Morgen zeitung".) Borstenviehmarkt. Angemeldet wurden für den gestrigen Markt 3612 Schweine, allein zu Beginn desselben waren bloß 2962 Stück, darunter 1142 Fleisch- und 1820 Fettfchweme, aufgetrieben. Ter Provenienz nach waren 51 inlärrdischc, 1563 iugoslawische. 809 dänische und 539 niederländische. Der Markt eröffnete in ziemlich lebhafter Stimmung, im Laufe des Verkehrs jedoch hat sich ein Tendenzwechsel vollzogen. Fettschweine haben namentlich in den minderen Qualitäten bis zu 1000 K. und Fleischschweine durchwegs 1000 K. pro Kilogramm gegenüber der Vorwoche im Preise ekngebößt. ES notierten: Fettschweine prima 27.000 bis 28.500 K., mittelschwere 26.000 bis 27.000 K., Bauernschweme 24.000 bis 28.000 K., alte Schweine 24.000 bis 26.000 K., alte dänische 21.000 bis 22.000 K. und Fleischschweine 23.000 bis 26.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Pferdemarkt. Zum gestrigen Markte wurden 360 Schlächter- und 408 Gebrauchspferde gebracht. Verkehr lebhaft. Preise für Gebrauchspferde behauptet, für Schlachtpferde in befferen Qualitäten steigend. Es notierten: Zugpferde, leichte 4,000.000 bis 8,000.000 K.. schwere 8,000.000 bis 14.000.000 K., Kutschpferde 6,000.000 bis 10,000.000 K., Pferde für Schlachtzwecke 5000 bis 12.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Sffieitct MiWMWMK« »aumwollmartt. Slew-B-rK, 4. Februar. Baumwollzufuhren irr den atlant. und Golfhäfen 17.000, im Sattem 8.000. Ausfuhr nach Großbritannien 20.000, nach dem Kontinent 10.000. Lokalmarkt middling: 34.85 (letzt. Kurs 34.35). Tendenz: Stetig. — Termine r^Jänner 27.28, Februar 34.32. März 34.85, Avril —Mal" 34.83. Juni Juli 33.43, August 30.45, September 29.40, Oktober 28.55, November —Dezember 28.05. ' ' ' ';•* —— «NÄM I . Berliner Börse. Berlin, 6. Februar. Da die ^>eiulario^t zu Begiiuc der- Börse in einzelnen festverzinslichen Merten Realisatimren vorrrahm. 4var die KurSbilüung «keine einheitliche. Steigerungen rmd Senktmgen im Ausmaße von 1 bis 3 Billionen Prozenten hielten ft# ungeMr die Wage. Die Grundstiwutung lvcrr aber trotzdem stft, da das Pu-Aiktm: in den Mnfen foriftchr. Später machte sich die feste Grundtendenz noch fühlbarer. so daß sich Steigerungen bei einiget: Spezialpapieren von 2 bis 7 Billionen Prozente ergaben. Besonders die Elektro-, Chemischc- und einzelne ÄtLschiremfabriks-Äktien war Interesse vorhanden. Das Geschäft nahm aber im allgemeinen kernen größeren Umfang an. Dagegen tvar die Beteiligung des IPrivatpublikums bei den zu Emheiiskursen gehandelten Jndustriewerten größer. Die Nachftagc nach Renten hat etwas nachgelassen. « Ausländische Anteilen konnten chret: Kursstand bchaupierl. In der Flüssigkeit des Geldstandes hat sich trichts von Bedenrnng geändert. Arrch die Devi.senpt-erse erftchwn nur minimale Äettdertkngett. (Alles in Billionen dort Aiark.) Smlußkurse: Türkische Lose 42.—, Oesterr. Staatsbahn 43.75, Nordd. Lloyd 9.75, Ver. Elbeschisfahrt 7.—, Berliner Handelsgesellschaft 68.75, Kommerz. Privatbank 10.37, Darmstädter Bank 19.37, Deutsche Bank 19.—. DiSkonto» Komniandit 22.4. Dresdner Bank 12.6, Nationalbank für Deutschlatw —, Oesterr. Kredit 0.75, Oesterr. Länderbank —, Reichsbank 54.—, Wiener Bankverein 0.5, Wr. Union-, bank 0.6, Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft 15.5, Bochumer Gußstahl 72.—, Daimler Motoren 5.75, Deutsch-Luxemburger 65.—. Deutsche Maschinen 12.37, Dynamit Nobel 13.25, Felten u. Guilleaume 44.—, Gelsenkirchener Berg. 72.37, Th. Goldschmidt 24.5, Harpener Bergbau 91.75, Hirsch Kupfer 47.5, Höchster Farben 22.75, Hohettlohe-Werke 49.—, Laurahütte 25.75, Mannesmannröhren 50.5, Phönix Bergbau 46.5, Schuckert u. Co. 55.—, Siemens u. HolSke 50.5, Telephon Berliner 9.2, Dollarschatzauweisungen 4.2. Prag« Börse. Prag, 5. Februar. An UeLereiustimmung ttüt tüedrigerett Wiener 9iotierungen eröftnete der heutige Verkehr ebenfalls in schwächerer Haltung. Tie ermäßigten Küche benützte die Kantermine zu teilweisen Deckungen, so daß im weiteren Verlaufe die Mehrzahl der Werte sich kräftig erholen und eitrzelne Papiere sogar den letzten Schlußkurs überschreiten konnten. Dies gilt vor allem van Schoellor--, Nussiger Raffinerie-, Alpine- und Berg u. Hütten-Wtien. Spirituswerte lagen behauptet. In der Aullisse stellten sich die Kurse durchwegs medriger. Bon Transportwerten büßterr Novdbahn 250 stchechi-- sche Kronen ein. Hiesige Banken bliebet: fast unverändert, die Wiener gaben nach. Der Anlagemarkt wies keine Veränderungen auf. Auf dem Exotenmartt machte sich nach schwächerem Beginn auf Deckrngen eine Erholung bemerkbar. Schlußtendenz teilweise schwächer. Schlußkurse: Türk. Eifetchahu-Auleihe 400 Frauken —, Böhm. Unionbauk 475.—, Böhm. Eskoinpteüank 453.—, Böhm. Jndustrialbank 484.—, Zivuostenska Banka 452.—, Anglobank 166.—, Oesterr. Kredit 143.—, Wiener Unionbank 147.—, Wiener Bankverein 95'5, Buschtichrader Eisenbahn Lit. A 601.—, Lit. B 229.—, FerdmandS-Nordbahn 8130, Prag-Duxer 220.—. Ausfig-Teplitzer Eisetlbahtr 1270.— Nestomitzer Zuckerindusnie 1755.—. Vereinigte Elektrizität Wieu 217.—, Brosche 1445.—, Koliner Spiritus 1270.—, Königshofer Zement 1315.—. Breitfeld-Danek 560.—, Riughoffer 790.—, Sinnneringer 161.—, Rothkosteletzer Textil 392.—, Alpine Montan 347.—, Pvldihütte 405.—. Prager Eisen 1015.—, Oesterr. Berg u. Hütten 2830.-. Skoda 629.-. Jnwald 448.-. '«.HÄmarM ' MWft, Budapefter Böcke. Budapest, 5. Fsbruar. Die Tendenz der Börse lva« ajrr bei lebhaftem Verkehr ausgesprochen fest. Auf.samvr' lichen Utnsatzgebietet: hatte das Gvldangobot das UebergewiiW so daß schon aatifangs Kursgeitvinne in Erscheinung traten um allgemein eine langsame Auftvärtsbewegung eiyjs^te. Spätevhrn veratckaßten die höheren Kurse Realisationen, doch kam es zu keinen größere:: Verlusten, da sich erneut Kanflukt, auch! seitens der, Wiener Arbitrage, zeigte. Ter Schluß war VÄ i)ajtem Verkehr fest. Wochengeld notterte 1^ Prozent, (Alles in Tausenden von Zkronem) Schlußkurse:Britisch-Ung. Bank 102.—, U«g.5kredÄ 719, Oesterr. Kredit 194, Salgo Kohlen 748, Rimamurattye^ 140, Südbahn 108, Staatsbahn 476, Anglobank —, G«m-, Szaszvarer 475, Oberung. Bergu. Hütten 1075, Dräsche Ziegel 360, Ung. allg. Kohlen 3215, Urikmch Kohlen WO 5kobr rg 53, Spodium 196, Clotilde chem. Fabrik 140, lUttf Eisenbahnverkehr 200, Verein. Holz 51, Adria 850. Sie Sevlsenkucke. Bovtm, 5. Februar. ^Devisenkurse.)*) Amsterdau: 1,578.lM (1^78.045), Belgien 176.565 (175.565), Christiania 570.800! (566.583). Kopenbageu 688.275 (688.275). Stockholm 1,108.235 (1,105.230), Italienische 184.337 (185.535), London 18,054.700 (18,354.000), New-York 4,189.500 (4,189.500), Paris 196.508 (198.802), Schweiz 731.160 (733.362), Spanien 637.483 (536.655), Wien 60 019 (60*149), Prag 123.091 (123.081),' Budapest 148*625 (144.388), Sofia 30.174 (30.882), BeksrK 50,174 (50.174). *) In Millionen von Mark. Derlin, 5. Februar. (Notenkurse.)*) — Roten: DoLak, 4,189.500 (4,189.500), Pfund 18,647.000 (18.314.000),Italie«ische 189.250 (190.523), Polnische 458.000 (468.000), Tscheche slowakische 122.792 (122.942), Oesterr. gestempelte 69*501 f59*501):! *) In Millionen Mark, ausgenommen polnische Mark. Prag» 5. Februar. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Baukamie des tschecho-slowaktschn: FinanMiuisteriumS.) Berlin*) 8.14 (8.20). Zürich 602.50 (598.50), PariD 161.50 (163.50), London 150.17% (150.42%). New--Nork 34.90(34.90), Belgrad 41.12% (41.25), Bukarest 17.65 (17.70), Wien 4.81 (4.81), Warschau!-) 3.60 (3.6p), Agram —.— (—.—), Budapest (11.80 (11.90) Jugoslawisch» 41.— (41.—), Oesterreichische gestempelte Krone 4.83^/^ (4.83^ Polnische-;-) 3.40 (3.40), Ungarische 8.45 (8.25). '-^) pro Billion. >-) pro Million. Ladapett» 5. Februar. (Kurse der Devuenzentrale.) — Amsterdam 12.185 bis 13.065, Bukarest 169.— bis 181.—, Kopenhagen 5310 bis 5810, Christiania 4265 bis 4765, London 129.900 bis 139.900, Berlin —.— bis —.—, Italien 14?0.— bis 1520.—, Paris 1515.— bis 1625.—.Prag 941.— bis 1011.—, Stockholm 8535 bis 9145. Zürich 6650 bis 6050. Wien. 0.4680 bis 0.4910, . Sofia 235.— bis 251.—, Belgrad 382.— bis 407.—. New-Aork 32.450 bis 34.750, Warschau —.— bis —, Brüssel 1340;— biS 1440.-. Agram, 5. Februar. (Devisen.) Wien 0.1197% bis Berlin —bis —. Budapest 0.2875 bis —.—, Bukarest 4180 bis —. Italien 371.25 bis —, London 368.76 bis —.-7. New-Aork 85.- bis —, Paris 395.- bis , Prag 246.60 bis , Sofia —bis —Schweiz 1485.- bis —, Brüssel bis —.—, Warschau —bis —, Amsterdam —bis —, Stockholm —bis . Belgrad, 5. Februar. (Devisenkurse.) Laudon 809.75 bis—.—, Paris 400.—bisNew-Aork 85.50 51« — , Get:f 1485.- bis Saloniki —bis —. Mailand 372.80 bis —Prag 247.90 bis —. Berlin —W Wien 0.1205 bis Bukarest bis , Sofia 61.25 bis —, Budapest —bis —, Brüssel bis—.—, Amsterdam —bis —.—.Warschau —bis—.—., Warschau» 5. Februar. (Devisen.) Berlin —, London 38,430.000, New-York 9.000.000, Prag 256.760, Wien 127.-. Rew'Nork» 4. Februar. (Devisen.) London 480% Paris 466.25. Berlin 0.2350 für 1 Billion. Mailand 437.38,' .Zürich 1742.50, Kopenhagen 1644.—. Stockholm 2631.—; Christicutia 1354, Amsterdam 3756.—, Prag 290.125, Wüm 0.14, Budapest 0.35, Bukarest 51.25, Warschau 0.0001, Madrid 1283.—, Helsingfors 251.50, Brüssel 413.—, Kanada 2"/» unter pari, Brasilien 102.—, Argentinien 3208, Belgrad 117.60. Copyright 192S by Aachdruck vtrioten. Leuffch'LesterrLichiicher Verlag, Wien. 13. Fortsej)U»g. Die Heimatlosen. Roman von Wilma v. Vukelich. Tatsache war, daß die Mädchen gediehen. Äcichr nur die Püspokladanyer, welche übrigens noch eine dritte ^Schwester harten, die aber — hcrribile dictu — ein ganz gewöhnliches negerhaariges kleines Judenmädchen ohne besondere Nuancen, ohne Stil und Linie war. Ja, Maneika verschandelte scgar den Stil der beiden Stilvollen, «indem sie «schrecklich viel aß und nichts auf gute Formen hielt, sozusagen als Bttwätevin wirkte, wo immer «sich die beiden anderen zeigten. „Enfant terrible" beliebten sie das kleine Ungeheuer M nennen. Innerlich aber schäumten sie. Das hatte man gerade notwendig! Sich so tief in die Karten blicken, zu lassen! Wer glaubte ihnen da noch die gange Noblesse, wenn er Atanelka gesehen hatte, die an ihren Nägeln biß, anstatt sie zu maniküren! Aber das war auch wirklich «die einzige Unanuehurlichkeit des Budapöster Aufenthalts und schließlich war das «ein Farmlienübel... ein kleiner Rückschlag in weiß Gott welche langst vergessene «Generation hinab. Darum hofften Jrmuska und Klarr nicht weniger eifrig auf ihren Grafen .. . das heißt, sie wären natürlich auch mit einem Bankdire'ktor zufrieden gewesen . . . wenn «dieser nur «das notige Verständnis für die gesteigerte Delikateste" des Weinbergerschen Typs . . . ,Mlond in Blond" besessen 'hätte und das nötige Kapital, sich den kostbaren Typ zu Lüsten. Inzwischen lebte sich da's .Kleeblatt auf seine Weise Uns. Jrmuska lag halbe Tage lartg in: seidenen Phsama auf der Chaiselongue und las Romane. Klar: rechnete, denn sie war ein stilles Wasser. Ihr kam es darauf an, ,^-iebe mit Automobil" vereinigt zu finden. Und das „Familienübel" stritt, lutschte Kugler und machte sich die Kleider fleckig. Am Nachmittag aber, wenn die leder«ne Baronin bei ihrem Five o'clock tea war, wie sie ihre «hausbacknen Kaffeeitränzchen zu nennen liebte, oder a-bends, wenn sie fcLbsr «amüsante kleine Kartetiparlien gab, wobei ein alter, lwock- Vger General -und ein l-uztigep Kostde-l«ma«nn zur Disposition mit schön geschweiften Biedernrciermrniewn die Ehrenkavaliere machtet: ... da flogen die jungen Damen aus . . . oder aber sic gaben ihrerseits nette kleine Jours . , . und die guten Freunde, die sie dabei zuzogen, waren lange nicht so umständlich, wie jene «der Baronin. O, ganz im Gegenteil! Es ließ «sich entschieden in dem kleinen Bogelhäuschen am Rande des StadtwLldchens leben. Sogar die ledeme Mchte der Baronin, die dieser glich wie ein Ei dem anderen und die sich sonst immer nur inoralisch über die ubri«gcn Pensionärinnen zu entrüßen pflegte, war bei diesen kleinen improivisierten Festlichkeiten gerne zugegen, «und das üwtt viel sagen; denn die Mchte war richtiger .Hochadel, wenn sie auch nur die Tochter eines kinderreichen Obersten war und sich im Elisabethinum zur Lehverinnenpvüfung vorbereitete, iwas sie vor den Weinberger Mädchen krampfhaft leugnete; denn sie schämte sich maßlos, als einzige Ghristin unter diesen reichen Jüdinnen, die sie verachwte, sich ihr tägliches Brot selber verdienen zu wüsten. Übrigens war sie auch sonst ein sympathisches Mädchen. Lispelte aus das angenchmste, war von undefinierbarem Alter und von hysterischer Reizbarkeit, die sich 'in den täglichen lauten Wortgefechten mit' ihrer Tante kundgab. Kurz, Lydia war entschlossen, diese Haüsgenossin möglichst zu meiden; denn sie. kam ihr durchaus verdächtig vor. Um so herzlicher schloß sie. sich an Mademoiselle, die Keim Französin, an, die bei allen gefährlichen Unternehmungen als Aufpasterin fungierte, was Lydia äußerst sympathisch fand, viel synipathischer als den richtigen Pariser Akzent, den die kleine Mademoiselle «den Töchtern des ungarischen Hochadels beizubvingen verpflichtet war. Sie schenkte chr auch sofort eine ihrer hübschen Spitzenblusen, denn «mit so verwendlbaren Personen stellt man sich , prinzipiell auf guten Fuß. Und ifie berichtet der netten ' Französin. Gestand ihr, daß sie einer unglücklichen Liebe wegen nach Budapest gekmmuen war. Schilderte ihren Fall in den verzweiftltsten Farben, weinte sogar ein bißchen; denn Lydia lebte sich in ihre Rollen imnrer gl-eich mit «Leib und Seele ein. Vcrinied es aber, den Namen ihres Geliebten gtt verraten! Denn mit RosenberV DmM, depr Freund ihrer Kindheit, konnte sie keinen Staat machen. Ueberhaupt ging es ihr eigentümlich, seitdeM sie — halb und halb um seinetwillen — nach Budapest gekommen war. Rosenberg! Datviel war ja sicher ein guter J^unge ... für den Haus- > gebrauch Aber «ach Budapester Dimentsioyerr! gemessen? Mit der Budapofter Dandy- und Lebewelt be$' Rings und Korsos verglichen? Konnte sie Staat machen mit ihm, der «ein sanfter und i «gütiger Ghettoträumer war? Der ging, als ob «er eim Last! trüge, und dabei mit vorgenelgt«er Stirn immer in die Ferne zu lauschen schien. Oder in sich selber hinein. In die Vergangenheit. In die Zukunft, deren Rätsel er nicht zu ergründen vernwchte. Sie aber, Lydia, war das Seiten, wenn es sich rundet, trenn es neugierig und lüstern die ersten Knof)ten spitzt. Die erste Begierde und der erste Traum. Und dieser Traum tzvar seiden «und parfümiert und tanzte im graziösen ‘ Walzerschritt an die goldene Pforte heran, «den moussieren-- den Gha-mpagnerkelch zwischen den gespitzten Fingern. pochte an. Lachte girrend. Und «warf sich dom Swrita! Schatten in die Arme, der «ihn überbreitete mit dom weichet:' Fittich der Liebe . . . Der ihn hinwegtrug in eine stille^ «dunkle Welt, wo selbst das SHfjot schwer «ist und von einer kränklichen Müdigkeit gestreift. Als Lydia klein wa«r, ein ganz Keims Mädchen mit keckem, zausem Lockenköpfchen, da war ihr Daniel wie ein« Bild evfchiomn, wie eine Erscheinung, die sie rührte und i austegte AUgl-eich. Sein stilles Knabengesicht mit den großen, tiefernsten Äinderaugen, unter 'deren Oberfläche sie eine fanatische Glut verspürte, «deren Quelle sie tttchi kannte, gefiel ihr, wie etwas ganz Fremdes und Fernes einem gefällt. Und «immer kam ein Nachdenken über sie,j das sie bedrückte, wenn sie Daniel sah, «der seinen greisen! MnÄen Großvater sorglich «leitete, Schritt um Schritt, mit! einer gespannten Aufmerksamkeit, die etwas seltsam Hm-' gebendes ha«tte. Denn er versäumte ja «die Spiele «der Jugend, da's leichte Treiben seiner Kameraden, Sport und Spaglevgän«ge, Gedankenaustausch und alles, >was Wert in den Augen der anderen hatte, um einen gebrechlichen!: rmd lichtlosen Greis täglich in die Synagoge zuführen. , '« Fortsetzung folgt.)