Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1783 (1.2.1924)
- Date
- 1924-02-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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E2M w men, WttBöö %DAS m fttoitt MorKenzeik««A. 1 ^tee IM NL!7W 3m kinföhrung. Diese neue Beilage, welche wir hier zum ersten Male in die Hand unserer Leser legen, ist bestimmt, einem wirklichen, oft und von vielen Seiten geäußerten Bedürfnisse entgegenzukommen, eben so sehr aber, dieses Bedürfnis in stets wachsenden Kreisen zu wecken oder es zu steigern, wo es bereits vorhanden ist. Die jüdische Renaissancebewebung hat es zuwege gebracht, daß heute der Gedanke des jüdischen Palästina, des Mederaufbaues der verlorenen Heimat, bereits den Rahmen parteimäßiger Gebundenheit zu sprengen beginnt und zum verknüpfenden Gemeingut der verschiedenen jüdischen Strömungen werden will. Er schickt sich an, allmählich Mittelpunkt und zentrale Plattform aller noch irgendwie positiv orientierten jüdischen Richtungen zu wewen und die Erkenntnis von der primären Pflicht jedes einzelnen, mit am Werk zu sein, erobert sich immer neue Kreise. Die bisherige Erfahrung hat jedoch die Notwendigkeit erwiesen, diese Erkenntnis aus der Region bloßer Vernunft in die tiefere des Gefühls zu verarckrn und allen Interessierten eine genauere Kenntnis palä- 'rinensischer Wirklichkeit, Palästinensischer Notwendigkeiten und Bedürfnisse zu vermitteln. Die genauere Kenntnis vom Leben Palästinas, von den Hoffnungen /und Nöten des jungen, ringenden Pioniergeschlechtes, von den Leistungen der Judenheit für den Wiederaufbau und von deren bisherigen Unzulänglichkeiten hat sich ° stets als das wirksamste Mittel zur ^-Erziehung für jüdische Palästina-Arbeit erwiesen. Dieser Aufgabe soll diese Beilage dienen, welche den Problemen der aus den Aufbau des jüdischen Palästina gerichteten Politik und der gesamten Palästina-Frage gewidmet sein und — . wir wollen es hoffen — der Sache der jüdischen Renais- , sance neue Anhänger erobern wird. Al. F. Ae llniverfitatsfrage. Von Prof. Otto Warbrng. I. Bekanntlich spielt die Universitätsfrage in üer Monistischen Welt schon sehr lange eine gewisse Rolle. Schon im Jahre 1901 wurde sie auf dem fünften Zionistenkongreß in Bast! ernstlich diskutiert, zum zweiten Mal freilich erst wieder auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1913. Erst nach dem Kriege und nachdem Dr. Weizmann im Jahre 1918 auf dem Skopus (in Jerusalem) den Grundstein der Universität gelegt hatte, wurde die Frage wirklich aktuell. Im'. Jahre 1920 wurde beschlossen, daß der Keren Ha je s so d einen Universitätsfonds bilden soll. Wenn dieser Universitätsfonds so klein geblieben ist, so ist dies im wesentlichen darauf zurückzuführen, baß unsere Bewegung während der Jahre nach dem Kriege, durch die vielen aktuelleren Anforderungen gehemmt, nicht mit genügender Energie die Ausbringung dieses Universitätsfonds betreiben konnte. Auch die Reist von Prof. Einstein nach Amerika im Wrntex j.920/21 brachte infolge der geringen Vorbereitung, die dort iür die Universitätspropaganda getroffen war, unmittelbar nur ganz geringe Beträge ein. Das gleiche gilt auch ffiti die Propaganda während der Keren Hajessod-Kampagne in Amerika im Jahre 1921/22 unter Führung von Herrn S o ko low sowie für meinen eigenen kurzen Aufenthalt .in; Amerika im Jahre 1923. Das wesentlichste Ergebnis ■ neser Bemühungen war di- Gründung einer Reihe von Universitätskomii ees, die, aus Fachleuten der verschiedenen Disziplinen bestehend-, die Ausgabe übernahmen, 'Me Mittel für diese zusammenzubringen. — Am bekanntesten und erfolgreichsten ist das Aerztekomitee, das schon mehrere 100.000 Dollar gesammelt hat und dadurch imstande war, das mikrobiologische Forschungs» fastitut für eine Reihe von Jahren zu sichern. Außsr den eigentlichen Aerzien sind auch die jüdischen Zahnarzt?, Apotheker, Drogisten und Chemiker in den Bereinigter? Staaten organisiert worden, und man hofft, jährlich die Gelder, für mindestens ein Institut aufzubringen. Immerhin wird es noch viele Jahre dauern, bis die medizinische Fa-t fuliat eröffnet werden kann, wenn nicht von anderer Seitö große Mittel zur Verfügung gestellt werden, da außer best klinischen Abteilungen, die sich an ein größeres Kapital, das euch noch fehlt, anlehnen müssen, auch die allgenreinen Fächer wie Anatomie inklusive Histologie und pathologische Anatomie, Physiologie, Hygiene, Pharmakologie und die /orooädeutischen naturwissenschaftlichen Fächer ihre Institute haben müssen. Von letzteren sind zwar Physik und Chemie schon vorgesehen, aber bisher sind nur die Gelder für di? Einrichtung des chemischen Instituts infolge der Bemühungen von Dr. W e i z mann zusammengekommen, und gerade das physikalische Institut ist natürlich sehr teuer, und ebenso fehlen noch die Gelder kür die biologischen Fächer- Zoologie und Botanik. Würden diese Institute ins Leben gerufen fein, so könnte man durch Angliederung einiger weiterer Institute, wir .Mathematik, Geologie inklusive Mineralog'e und Paläontologie, leicht eine fast vollständige naturwissenschaftliche Fakultät Herstellen, freilich vorläufig ohne die teure Astronom^ und di« nur halb dazu gehörenden Fächer wie Ethnologie, Anthropologie und Geographie. — Durch Erweiterung der ■'Rr aut '.»te .kultvr-Abteilnng gehörenden Versuchsstation. könnte auch ein modernes lanidwirtschastliches Institut als Teil der Universität geschaffen werden, jedoch haben die hierfür von mir in Amerika geschaffenen Ansätze noch keine sestm Formen angenommen. — Die technischen Fächer sind gleichfalls, da bisher keine richtige Propaganda dafür zustande kam, noch kveit davon entfernt, an der Universität eine Heimstätte aufschlagen zu können^ auch die Vereinigung jüdischer Ingenieure in Amerika hat in finanzieller Beziehung noch nichts geleistet; sind doch bisher noch nicht einmal genügend Gelder zusammengebracht, um die technische Mittelschule in Haifa als wirklich gesichert bezeichnen zu können, wenngleich durch die Bildung eines leitenden Komitees in England und die bevorstehende Eröffnung des Technikums gute Grundlagen hiefür geschaffen sind. Nicht besser steht es mit den Fächern bet Geisteswissenschaften der Universität. Der einzige Teil, für den Aussicht besteht, bald die nötigen Gelder zu erhalten, ist die Abteilung für Judentumswissenschaft, wenngleich man sich auch hier statt der geforderten 12 bis 14 Dozenten wohl fürs erste mit dem dritten Teil wird begnügen müssen; hiefür liegen sogar schon einige größere Professurstipendien vor. Für die mindestens ebenso notwendige Abteilung der Orientalistik scheinen bisher kaum Fonds zur Verfügung z-u stehen; ebensowenig für die historischen, kunst- und literarhistorischen, philologischen und philosophischen Facher. Für die juristisch-flaatswissenschastliche Fakultät hat sich während meines letzten Aufenthaltes in Amerika im vergangenen Frühling ein Komitee dortiger Juristen und Volkswirte gebildet; auch beabsichtigte» auf meine Anregung hin einige hervorragende jüdische Gelehrte Amerikas, dort einen Verband für die judaiftisch-orientalischen Fächer zu begründen. Jedoch scheinen bisher greifbare Resultate noch nicht erzielt worden zu sein. Auch die Bibliothek steckt noch in ihren Anfängen; während manche Abteilungen derselben, namentlich die hebräische und judaistische, sich nicht schlecht repräsentieren und die medizinische neuerdings in Bildung begriffen ist, sind viele andere gänzlich vernachlässigt. Da keine Fonds zum Ankauf von Büchern zur Verfügung stehen, die Bibliochek daher aus zufällige Geschenke und Sammlungen angewiesen ist, so ist es natürlich ausgeschlossen, daß sie auch nur im entferntesten den Ansprüchen einer bescheidenen Universität genügen kann. Es bedarf hierzu nicht nur systematischer Leitung durch eine gut geleitete Organisation, sondern auch zahlreicher erheblicher Fonds für Anschaffungen. Es sind zwar in verschiedenen Ländern Bereinigungen von Freunden der Bibliothek gegründet worden, sie beschäftigen sich aber fast ausschließlich mit Sammlung von Büchern, und 'zwar ohne Methode und System, so baß ihre Hilfe, so dankenswert sie auch ist, doch nicht allein, ohne einen großen Anschafsungsfonds, zum Ausbau einer brauchbaren Bibliothek führen kann. Auch die Platz- und Gebäudesrage der Universität ist nichts weniger als geklärt. Durch Zukauf weiterer Landyarzellen auf dem Gipfel des Skopus durch den Natiynalsönds verfügt zwar die Zionistische Organisation, schon über einen Platz, der nach weiterer Arrondierung für eine kleinere Universität genügen dürfte, und es liegt auch schon außer dem von Ged des entworfenen großzügigen Plan ein einfacherer von Dipl.-Jng. F. Kornberg vor, doch leiden beide daran, daß späterer Erweiterung keine Rechnung getragen werden kann, da der Gipfel des Skopus «nur einen sehr schmalen Kamm darstellt. Daher habe ich mich stets dafür eingesetzt, daß es unumgänglich nötig sei, einen viel größeren Teil des Skopus zu erwerben, auf dem/ dann die verschiedenen Fakultäten und möglichst auch die einzelnen Institute in größeren Abständen gebaut werden, um bei der später wahrscheinlichen Erweiterung und Spezialisierung Platz für Einschiebung neuer Institute zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt könnten die freien Plätze parkartig aufgeforstet werden, wodurch die ganze Anlage auch äußerlich ein vornehmes Aussehen erhalten würde, während der Skopus bisher nur eine kähle Fläche bildet. Auch würde dann für Sportplätze, Freitheater. Studentenheime, Klubgebäude und Professorenwohnungen Raum vorhanden sein. Auch jetzt ist es noch möglich, bas dafür nötige Gelände zu raufen, falls die Mittel hiefür bald Zusammenkommen, in einigen Jahren wird dies freilich wohl schon ausgeschlossen sein. Was die Eröffnung der ersten Institute betrifft, so ist Hoffnung vorhanden, noch in diesem Jahre damit beginnen zu können. An das Grey Hill-Haus werden gerade jetzt die Laboratorien für Chemie (allgemeine und Biochemie) sowie für Mikrobiologie angebaut. Für das Institut für Judentumswissenschaft ist dagegen noch kein Gebäude errichtet und auch noch kein Platz vorgesehen. Es kann ja auch bei seinen vorläufig wenigen Dozenten fürs erste bequem in einem in dör Stadt gemieteten Gebäude Unterkunft finden. Mit einem Neubau ist auch besser zu warten, bis der Neubau der Bibliothek definitiv bestimmt ist. Für die Bibliochek wird wohl am besten ein Platz in Betracht kommen, der zwar am Skopus gelegen ist, aber mehr am Fuß desselben und nicht gu tveit von/ der Stadt entfernt, damit sie auch von den Bewohnern derselben unschwer benützt werden kann...da io die wifU» von den Studenten der Universität selbst benötigten, lvichtv. geren Bücher in den Handbibliotheken der einzelnen Iw stitute vertreten sein müssen. Leider sind auch hierfür die nötigen Mittel noch nicht vorhanden, obgleich die Wo Vf ft soh»-Stiftung ihr gesamtes Kapital von zirkü 1S.000 Pfund zur Verfügung gestellt hat. Hoffen wir, baß es Prof. Löwe, der augenblicklich in Amerika wellt, dort gelingen wird, den fehlenden Rest aufzubringen. Es ist eine absolute Grundbedingung für die Errichtung der Universität« daß die Bibliochek bald ausgebaut wird. Die bisherige Beth-Neeman-Bibliothek in der Stadt genügt weder in haltlich noch was die Lokalität anbetrifft. Dabei ist sie so überfüllt, daß die neuen Sendungen nicht einmal ausgepackt werden können, und die zum Unterhalt der Bibliothek zur Verfügung gestellten Gelder sind so minimal, baß eine sachgemäße Verwaltung zur Unmöglichkeit wird. Es Ml ein absolut unhaltbarer, geradezu skandalöser Zustand, dem unbedingt möglichst bald abgeholfen werden muß. Wie aus dem Bisherigen hervorgeht, sind wir noch weit entfernt davon, daß etwas in Erscheinung tritt, das wirklich den Namen Universität verdient. Immerhin sind Ansätze vorhanden, auf denen weitergebaut werden kann. Um diese zu stimulieren, hat der letzte Kongreß in Karlsbad die Exekutive aufgpfordert, „Anstrengungen zu machen, im Jahre 1924 die hebräische Universität in Jerusalem mit: mindestens zwei Fakultäten zu eröffnen, und zwar mit der judaistisch-crientalischen und der naturwissenschafllichen", auch hat er beschlossen, daß der Keren Hajessod 5000 Pfund für die Universität beisteuere, davon 3000 Pfund für den jubaistischen und 2000 Pfund für den naturwissenschaftlichen Teil. Das ivefentliche ist aber, daß einerseits endlich einmal eine, systematische Propagandaorganisation zur Aufbringung der Mittel eingesetzt werde, und andererseits, baß die Universität eine Zentrale erhält, die die Verantwortung für die zu sammelnden Gelder und deren Verwendung trägt. Auf meinen Reisen in Amerika wurde ich immer wieder gestagt, wer ist die Universität, und ich mußte immer ausweichende Antwort geben. Gelder, die zur Zeit der Reise Pros Einsteins gesammelt waren, konnten jahrelang nicht ihrem Zwecke zugeführi werden, da kein Empfangsberechtigter vorhanden war. Das soll jetzt anders werden, indem der letzte Kongreß beschlossen hat, einen allgemeinen jüdischen Universitätsverband zu begründen, mit Landeskomitees, deren Hauptaufgabe die Herbeischaffung von Mitteln für die Universität sein soll. Auch soll die Exekutive einen Boa v d ernennen, der die für die Universität gesammelten Gelder verwalten und über deren Verwendung zu beschließen hat. Hoffentlich bleiben diese Beschlüsse nicht auch wieder Fetzen Papier. Palästim als internationaler Kurort. Während man in den letzten Jahren nach allerlei Methoden suchte und verschiedene Pläne diskutierte, um' Palästina ökonomisch zu entwickeln, hat man sich bishev merkwürdigerweise niemals emsthaft mit der Frage der, Entivicklungsmögl'ch eiten der palästinensischen Kurplätze befaßt, ein Weg, der, wie Fachleute erklären, überaus geeignet wäre, Palästina zu bereichern und wirtschaftlich zu heben. Es gibt in Europa Gegenden, ja sogar ganze Länder, die zu einem überwiegenden Teile von der sogenannten „Fvembenindustrie" leben. Man braucht hier nur die Schweiz zu nennen, wo dies zutrifft, und muß auf die großen Investitionen verweisen, welche Regierungen oder öffentliche Körperschaften in verschiedenen europäischen Landern geleistet haben, um den Fremden- oder Kranken- Zustrom anznz'ehen. Auch im Orient gibt es hiefür manches Beispiel. In erster Reihe sei das Palästina benachbarte Aegypten genannt, wo sich europäischer Unternehmungsgeist bemüht hat, durch den Ausbau aller jener, Einrichtungen von Komfort (Eisenbahn- und sonstiges Verkehrswesen, Hotels, Restaurants usw.), welche der verwöhnte Reisende verlangt, einen Fremdenstrom heranzuziehen, welcher große Kapitalien ins Land bringt, Handel und Verkehr befruchtet und sehr zahlreichen Menschen Existenz möglich'eiten bietet. Für das Gros der Fremden, welche Wochen und Monate in Aegypten verbringen, bietet Palästina vermöge seiner historischen und religiösen Tradition eine viel größere Anziehungskraft als jenes. Aber auch in anderen Hmsichten fällt ein Vergleich nicht zu ungunsten Palästinas aus. Was die Krankheiten Malaria und Trachom anlangt, so weist ein Fachmann, Dr. Ben-^Jemini in Jaffa,, darauf hin, daß es in den letzten Jahren (namentlich dank den Bemühungen der jüdisch-sanitären Gesellschaft Hadassah) gelungen ist, diese Krankheiten in hohem Maße auszurotten, und der Tag ist nicht fern, da sie völlig der Vergangenheit angehören werden. In Tel-Awiw sowie in den neuen Quartieren Bone-Bajith und Tch> pioth in Jerusalem haben die Aerzte seit Monaten keinen neuen Statt dieser Krankheiten festgestellt, und dasselbe gilt von einer Reihe von Kolonien; in Safed, Hebron, Ber SiÜb-bs» iü .LA«/-«!-» Wü «oImu»