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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-30 · Heft 1781 (30.1.1924) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1781 (30.1.1924)
Date
1924-01-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seife 8_SSeit, MtNvo-y_ Wiener Börse. GrfchLftSlos, schwächer. Luch die gestrige Börse war von einer geschäftslosen Haltung gewogen. Weder das Privatpublikum, noch die Spekulation hat Interesse, sich am Geschäfte zu beteiligen. Da auch von den auswärtigeu Plätzen keine Anregung geboten wurde, genügten schon ganz geringfügige Abgaben, um einen Druck auf das Kursniveau auszuüben. Die Aufnahmsfähigkeit des Marktes war äußerst geringfügig, die Konterminc blieb infolge der ungeklärten Verhältnisse teilnahmslos. Im weiteren Verlaufe des Verkehrs verschärfte sich die Geschästslosigkeit derart, daß tatsächlich vollkommeite Stille im Börsensaale herrschte. Mit ganz geringer Ausnahme vollzog sich der Schluß zu den tiefsten Tageskursen. Stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden ungarische Werte. So verloren ungarische Kredit 82.000 Kronen, Salgo Kohlen 21.000 K. Ferner büßten Südbahn- Prwritäten 3900 K., österr. Kredit 8000 K., Unionbank 6000 K.. Alpine 10.500 K., Felten 11.000 K., Poldihütte und Skoda je 20.000 K.. Waagner 11.000 K., Timber Holding 26.000 K., Karpathen Petroleum 13.000 K. und Semperit 10.000 K. im Kurs ein. Die Kursbewegungen im Schranken bewegten sich ebenfalls in retrograder Richtung. Lediglich einzelne Baupapiere und Textilwerte wiesen behaupteten Preisstand auf. Von den fließenden Papieren büßten Dampfschiff 20.000 K., Aussig chemische 40.000 K., Berg und Hütten 110.000 K., Guttnrann-Holz 38.000 ft., Oberung. Hütten 50.000 K., Ungar, allg. Kohlen 75.000 K., Urikanp 55.000 St., Fanto 90.000 St., Ungar. Zucker 230.000 SL ein. Von den übrigen Werten verloren Nordbahn 550.000 K., Galicia 400.000 Kronen, Schodnica 55.000 K., Naphtha 105.000 K. Bezugsrcchte: Alpine chemische 650, Slavonija 14.000, Ungar. Hofherr 54.500 bis 58.000, Neusiedler 1101000, Rhombus 350. Auf dem Anlage m arkt ergabeir sich nur geringe Veränderungen. Von den Exoten notierten Effeff 39.000 bis 40.000, Erdöl 40.000 bis 40.500, Jriag 271.000 bis 277.000, Holzverband 21.000 bis 22.000, Mraznica 197.000 bis 204.000, Schubert u. Co. 14.000, Tepege 99.000 bis 103.000, Universale 81.500 bis 63.000, Wiener Waffen 20.000. Wiener Warenbörse. sEigenberich: der „Diener Morgenzeituug".) Der Hamburger Chemikalienmarkt ist nach einem kurzen Aufflackern wieder ruhiger geworden, dg allgemein mit einem Preisabbau gerechnet wird. Die hoben Hamburger Hafengebühren belasieten bisher den Handel. Aetznatron wurde lebhafter gesiagt, Aetzkali und Kalilauge wurden reichlich ausgeboten, fanden aber nm geringes Interesse. Nach Pottasche bestand rege Nachftage bei leicht anziehenden Preisen. Der Absatz in Soda kalziniert ließ sich sehr gut an. Für Norddeutschland stellt sich die Importware wesentlich billiger als Syndikatsoda. Die Nachfrage in Zinkweiß, Bleimennige und Lithopone hielt an. Essigsäure war gesucht. Tie Notierungen zogen an. gefordert wurde 150 Goldmark pro 100 Kilogramm. Der Exportmarkt war ruhig. An der gestrigenWarenbörse machte sich Frage geltend für die Artikel Salzsäure, Kristallsoda, Glaubersalz kalz., Harz W. W. und Essigsäure. Ausgeboten wurden: Bromkalium zu 22 Dollar Pafsau, Aetzkali zu 8000 K. iransit Pasiau und 10.200 K. Wien, Aetznatron zu 6200 K. rollend transit Wien. Bittersalz zu 520 K. transit Wien, Bleiweiß chemisch rein zu 12.850 A. Wien, chlorsaures Kali zu 6700 K.. Eisenvitriol zu 1050 K., Essigsäure zu 1.10 Schweizer Franken transit Passau inkl., Kupfervitriol 98/99 zu 21 Pfund 10 Schilling transit Passau, Milchsäure zu 11.200 K. transit Wien. Minium Bleiberger zu 12.600 K., Naphthalin zu 16 Pfund 16 Schilling transit Passau, Pottasche zu 7800 St., Mkenee MoriMzeMkirßk. Schellack T. 9t. orange zu 100.000 bis 104.000 K. rollend ab Wien, Soda bie. B. zu 4100 K>, Soda bie. M. B. B. zu 5300 K., Schwefel floristrlla zu 2600 K., Bienenwachs zu 97.000 K., Karnaubawachs zu 86.000 K., Pottasche 80/85 Hydrat zu 6200 K. transit Passau. Verkauft wurden: Rohmontanwachs zu 7000 K. transit Wien. O e l e und Fette. Die Stimmung blieb behauptet nur Schweinefett ist um 800 K. billiger, Faßpackung notiert 24.000 K. und in Kleinfässern 24.100 St. Zum öffentlichen Verkaufe gelangten laut Art. 843 d. H. G. B. 240 Kisten brasilianisches Schweinefett zu 18.000 K. pro Kilogranmr. Kolonialwaren. Kaffee hatte in Transitware festere Tendenz, Santo? Prinm nottert 85 Schilling 6 Pence, Santos fuperior 82 Schilling, Rio VII Johnflon 62 Schilling 6 Pence und Sal de MinaS 78 Schilling 6 Pence, alles pro 50 Kilogramm transit Wien. Tee, Gewürze und Reis blieben unverändert. Holländischer Kakao ist um 2000 K. billiger und wurde mit 33.000 K. bewertet. Z n ck e r ist etwas fester, Kristall österreichischer Provenienz wurde zu 10.900 K. frachtfrei Waggon Wien verkauft. Ferner notieren: Kristall 3.95 tschech K., Würfel 4.15 tschech. K.. sowie 11.000 K., respettive 11.900 K. ab Lager Alen. Bosnische Pflaumen befestigte« sich um 600 bis 700 K., 95 100 Sackware notiert 9600 K. und iu Kisten 10.600 K. Exekutiv wurden, verkauft 50 Kisten h 48 Dosen Magermilch gezuckert zu 4600 K. und 50 Kisten zu 5000 K. Mrhmörtte ln St. Marx. (Eigenbericht der „Wioner MorgoiiMMig".) Bor st entzieh m arkt. Angemeldet wurden für Leu gestrigen Markt 2418 Schweine, allein zu Beginn derselben waren bloß 2098 Stück, darunter 963 Fleisch- und 1135 Fettschweine, aufgetrieben. Der Provenienz nach waren 115 inländische. 168 ungarische, 798 jugoslawische, 694 dänische, 238 holländische und 85 schwedische. Bei reger Kanflust blieben die vorwöchigen Preise fest behauptet. ES notierten: Fettschweine prima 27.000 K. bis 28.500 K., mittelschwere 26.000 K. bis 27.000 K., Bauernschweine 25.000 K. bis 28.000 K., alte Schweine 25.000 K. bis 26.000 K.. alte dänische 21.000 K. bis 22.000 K. nnd Fleischschweine 24.000 K. bis 27.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. P f e r b e m a r (t. Zum gestrigen Markte wurde»: 353 Schlachter- und 550 Gebrauchspferde gebracht. Bei lebhaftem Verkehr notierten: Zugpferde, leichte 4,000.000 K. bis 9,000.000 Kronen, schwere 8,000.000 K. bis 14,000.000 K., Kutschpferde 6,000.000 bis 10,000.000 K.. Pferde für Schlachtzwecke 5000 bis 11.560 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. JieWaremnörkte. (Eigenbericht der ^Wiener DdorgonMung".) Stärke. Das Geschäft in Stärke und Stärkeprodukten gestaltete sich in der abgelaufenen Woche etwas lebhafter und der Absatz war zu teils behaupteten, teils erhöhten Preisen befriedigend. Es notteren: Hochprima Kartoffelsiärkemehl 7000 K., Weizenstärke 8800 K., Kernweizenstärke 3000 K., AtaiSpuder 7450 K., hochprima Diaisbrockenstärke 7800 K., hochprima Dextrin 9450 K., Kartoffelstärkesirup 9400 K., Traubenzucker 8600 K., Reisstärke 8800 K. Die Preise verstehen sich inklusive Zo!t und Umsatzsteuer ab Wienrr Lager. Wachs. Die ausländische^ Marktlage ist bei gutem Begehr anhaltend fest. Es gelten folgende Richtpreise: Ausläudisches gelbes Bienenwachs je nach Provenienz 110 bis 115 Schilling, fettgraues Karnaubawachs 101 bis 103 Schilling, lg, Original Japanwachs erste drei Marken 92 bis 95 Schilling pro cwt. netto unverzollt ab Lager München. Reines gebleichtes Bienenwachs 275 Goldmark. Zeresin naturgelb 54/56* 80 Goldmark, I» weiß 54-56° 86 Goldmark pro 100 Kilogramm brutto für netto verzollt ab Lager München. Hopfe». Auf den: Saazer Hopfenmarkte hielt die seitherige langsame Steigerung der Hopfenpreise an. Als Käufer trat n. a. ein reichsderrsicher Händler auf, der gut 350 Ztr. Prima- und Ausstichhopfen in der Preislage von 4850 his 495.0 K. an sich nahm. Außerdem kauften Kommissionäre und Exporteure in gleicher Preislage. Die Sö. Mnner iM 9K. 178h AUswartsvewegung der Preise beruht einerseits auf de. ^^nNachfrage Md dem klernen Angebot, midererfeits auf de» Ä« Aufwärtsbewegrmg der Preise in Mrnberg. woselbsi bis 700 Goldmark, das sind 5700 tschech. S. pro 60 Kilogramm bezahlt wurden. Die dortigen Prelle sind demnach weit höher als die Saazer. Deshalb wenden sich reich-deutsche Händler zu, Deckung des dringenden Bedarfes der reichsdeutfche»» Groß, brauereien dem Saazer Markte zu. «VcmutHKl, S^em!fttr,enifte^S ü ber Berichtswoche war ziemlich lebhaft. Die allgemeine Tendenz trug keinen eircheitlichen, Charakter, da teils höhere, teils niedrigere Preise z« verzeichnen waren. „ Paraffin beftanb weiterhin bei unveränderten Prellen Nachfrage und ist die erhoffte Erleichterung bi» nun nicht eingetreteu, irn Gegenteil werden teilweise höhere Prelle aefordert. Dar Geschäft m Dienenwachs ist unverändert, ebenso m Japan- und Chinawachs. Eine »veitere Preissteigerung setzte in Carnaubawachs em und werden auch ab Hamburg erhöhte Notierunaen gemeldet. In Montanwachs beginnen sich die Preise Werks- Notierungen langsam anzupaffen, da die alten Lager bald abverkauft sein werden. Das Geschäft in russischem Terpentinöl war außerordentlich lebhaft und wurden bei erhöhten Preisen größere Abschlüsse getätigt. ES ist für die nächste Zeit mit einer eventuellen weiteren Preissteigerung zu rechnen. Die Schrllackpreife haben sich etwas ermäßigt, jedoch hat ber Wiener Markt hievon noch keine Notiz genommen. Befestigt haben sich gegen die Vorwoche Aetzakli 88 92 um 100 K. auf 10.300 St., Glyzerin 28 B6 chemisch rein um 1500 K. auf 29.000 K. ab Wien exklusive Emballage, Soda-Ammoniak 96/98 um 50 K. auf 3000 K., Soda kristallisiert um 100 K. auf 1800 K. Abschwächungen erfuhren Aetznatron 128/130 um 400 St. auf 7100 K., Kali gelb-blauiaureS um 4000 K. auf 24.000 K., Kalisalpeter um 300 K. auf 10.200 St., Minium Bleiberger um 100 K. auf 12.900 K., Schwefel floristella um 50 K. auf 2550 K., Weinsteinsäure kristallisiert spießig um 2000'N$. oitf . 33.000 ft. Mumwollmllktt. Rev-Vork», 28. Jänner. Baumwollzufuhren iu den ailaut. ur»d Golfhafen 15.000, im Innern 15.000. Ausfuhr nach Großbritannien 5.—; nach dem Kontinent 9000. Lokalmarkt middlintr: 33.45 (letzt. Kurs Tettderiz : Fest. — Tennine: Jänner —, Februar 32.90 März 83.15, Avril Mai 33.45, Juni Juli 33.20, August 29.88. Sevtember 28.83. Oktober 2S.~, Novemb"' 27.70, Dezember 27.48 Berliner Börse. Berlin, 29. Jänner. Die gibitfti^ere Bevsasjung der g> strig-Ln Börse hatte nicht vermocht, wertere Kreist zur Beteiligung am Börsenaeschäste zu veranlassen; st war die Spskulotion wieder auf sich stKst angewiesen. Die Folge war ein Zurückfallen in die frühere Geschäftsstille. wobei es nich> ans-- Äeivsn konnre, daß vorsichtige Käufer von gestern wieder zu Realisierungen schruter. Die KursveräUdernngen boten daher ein rech: un^leiichinätziges BM, dochhielten sich die ■ Besserungen und Abschwächungen bei Mchmäßiqer Bentriwna in engen Grenzen. Zu der allseits geübten Zurückhaltung haben auch die Meldungen über die angeblich von der Regierung geplante Einführung einer KvpWcuer der Börsen-- 5e such er beiigetrageil. Im Verlaust schien das Angebot entschiedener das Uobergowichi über die Nachfrage zugewinnen untz die Kurse gerieten fast allgemein Ms Gleiten nach unten. Gsgsn stärkere Rückgänge zeigte sich aber die Börse widerstandsWhig. « Alles iu Billionert von Marl.- Schlußkurse: Türkische Lose 25, weiten Staatsbahn 44.25, Nordd. Lloyd 10.—, Ver. Elbeschiffahrt 6.25, Berliner Handelsgesellschaft 70 5., Kommerz. Privatbcnck 9.75, Darmstädter Bank 20.75, Deutsche Bmrk 19.6, Diskonto- Kommandit 22.4, Dresdner Bank 11.5, Nationalbauk für Deutschland —, Oesterr. Kredit —; Oesterr. Lärrderbanl —, Reichsbank 42.—, Wiener Bankvereür 0.5, Wr. Unionbank 0.5, Ällg. Elektrizitäts-Gesellschaft 14.62, Bochnmer Gußstahl 70.—, Daimler Motoren 4.—. Teutsch-Luremburger Copyright 192# by - Nachdruck »«Beten. Dratsch-Oksterreichischer Verlag, SSiei:. f. ysnfeöung. Ae Heimatlosen. Roman von Wilma v. Vukelich. Seinen Vater haßte er nicht. Ihm gegenüber empfand er nur ein großes Staunen. Wie Nxrr es nur, daß er Blut von diesem Blute war? Und niemals regie sich eine Stimme in ihm, die für den Alten gesprochen hätte. Alfred war, er wisse nichts von ihm, hohe nichts genreinsam mit ihm, und er schien sich so fern von jenem Ausgangspunkt, den fei« Vater genommen, als habe er viele (s-enerationeu übersprungen, und zwischen hikben und drüben klaffte eine Lücke, die kein Gedanke, kein Wumsch, keine Neigung je Überdrücken könne. Ja. er erinnerte sich seines Vaters gar nicht. Es fiel ihm niemals ein. daß sein Vater Wünsche, Gedanken, Neigungen haben könne, die beachtenswert wären. Sein Vater verdiente Geld, viel Geld sogar. Im übrigei: war er wohl ein wenig störend, aber gar nicht aufdringlich. Und man hatte weder Berührungspunkte noch Re'chungspuntte. Man sah sich selten, und es war eben selbstverständlich, daß der Vater Geld verdiente und dieses Geld der vornehmen, tulturverwöhnten und anspruchsvollen Familie zur Ber-. fügung stellte, es ivar selbstverständlich, das; man sich nie-- mals etwas versagte, ivas für Geld;n haben tvar . . . wozu wäre der Alte sonst eigentlich dagewcsen? Dieses Gefühl war als ein absolut natürliches von der Mutter den Sohn übergegangen; denn auch Frau Marianne hatte ihre kostspieligen Äulturbsdürfmffe und wollte, daß ihre Wünsche cinwandlos befriedigt würden. Und es machte ihr nichts aus, das Geld mit beiden Händen aus dem Fenster zu werfen und den Geber dabei gründlich zu verachten. Mehr noch ... sie verachtete nicht nur. Sie kam sogar völlig aus der Fassung, wenn es sich um ihren Gatten handelte. Er war der einzige Mensch, der ihr ganz und gar alle Haltung raubte. Sie behauptete, nicht eine Luft mit diesem Manne atnren zu können, der breit und von jenem unglückseligen jüdischen Typus war. den der Fremde als lustige Karikatur, der „Kulrurjnde" Ob« ck» ttrtfe NskidWMO «Wmdck, vchaack ck» «ft die Fingerspitzen, aber sorgfältig manikürt, so daß die völlig stumpfen und breiten Nägel glänzten, der schwere Siegelring aber in den Speckpolsteru der -Hand versank, was den Eindruck der Eleganz gerade auch nicht erhöhte. Und es war sonderbar, wie geniert er sich durch diese bmtale Plumpheit feiner .Hände fühlte. Er versteckte sie gerne. Seine Gebärde hatte etwas Hilfloses und Tastendes. Auch wenn er sich ganz ungeniert fühlte, lvenn sein gewöhnliches breites, durchaus behagliches Grübchenlachen auf dein fersten Gesicht lag, hatten die Hände etwas ängstlich Verkrochenes. am liebsten legte er sie aitf den Rücken, was*die groteske Plumpheit seiner iurzen Gestalt noch mehr hervorhob. Und we:rn er so hin und her Ivandelte, auf Frau Mariannens seinen Perserteppichcn. klein, feist, gewöhnlich, und sich sehr zu Haust fühlte irr denr violetterr Boudoir. desien große venezianische Spiegel seine lustige Erscheinung vervielfachten, was geradezir niederschmetternd auf Frau Mariannens Nervensystem wirkte, dann reckte sie die königliche Gestalt doppelt so anmutig und hoheitsvoll empor, so daß die gelbe Seide aufglänzte wie das goldene Vlies, >war doppelt so interesiant, unnahbar, verfeinert und dämonisch, sprach von Strindberg und seinen Problemen, von Bergsonismus und dem Phänomen des Unbewußte!:, während ihr (Äatte von dem polnischen Iü-den erzählte, der. . „Sie entschuldigen, meine Herren,... wir sind doch unter uns . . . also hören Sie mir zu, -wenn Sie sich unterhalten wollen . . .!" Wozu er grvhlend lachte und sich die tränenden Augen wischte. / Manchural tan: er hinzu, wenn die Bündler tagten, das heißt, wenn sich alles in gesammelter Aufmerksamkeit mn die schöne Frau gruppierte, die aus der Fülle ihrer Lebensinhalte und Erfahrungen imnrer neue Anregungen hintvars. Die lachte und schäkerte, die ernsthaftesten Ideen zerzauste, so daß keiner d'er Bündler sic wiedcrerkannte, und dennoch tvaren sie entzückt, nrachtlos . . . selbst Lajos verstand sich dazu, We Führung diesen schönen und schmeichlerischen Händen;n überlassen, und wenn sich manchmal der alte Lajos geltend machte, der an einer ungeborenen Rede MÜttfc taut 8*0* irn §u» ckn kühles, perlendes Lachen anzustimmen, und er verstummte: 'bemt alles wollte er ertragen, ja er traute es sich zu, auf allen Linien zu siegen, über dieses Lachen kaiu er niernals hinaus. Und den leisen, huschenden Spott, der die Akundwinkcl dieser Frau, vertiefte, den ertrug er nicht. Lieber schwieg er. Und' das wollte sehr t>ir( bei Lajos sagen. Und auch die übrigen tvaren erhitzt und berauscht von den süßen, duftenden Getränken, von dieser aus feinstem Parsün:, Zigarettenrauch und Weiblichkeit gemengten Atmosphäre, die den jungen Menschen zu Kopfe stieg und ihnen noch nach Stunden das gesunde Urteil trübte. Wenn der "Alte kam, schmollten sie. Sie verstanden -es nicht, wie dieses fremde Element überhaupt wagte, in ihre Äreife einzudringen. Und sie hätten sich ohne jede Rücksicht über ihn hinweggesetzt, wenn sie nicht Msred bedauert hätten, der nrelancholisch und rnüde aussah, sich tvenig am Gespräch beteiligte und um so heftiger schwieg, je geisweicher und unwiderstehlicher seine schöne Mutetr wurde. „Lassen Sie sich nicht stören, meine Herren. Lun Sie so, als ob Sie ganz. .zu .Hause wären", meinte Herr Moritz Görgei gutmütig, indem er aus seinem Schreibtisch die dicke, rotbebänderte Zigarre nahm, deren Spitze er mit seinen goldploinbierten Zähnen erst zerbiß und' mit der dicken Zunge und den wulstigen Lippen umständlich zerweichte und beleckte. Dann spie er das Ende aus, mitten auf den vornehmen Perstrteppich. wohin er auch die Asche fallen ließ, nachdein die Zigarre angeraucht war. Dann ließ er sich äußerst gemütlich in den: breiten Schaukelstsscl gleiten und wippte auf und ab. „Lassen Sie sich nicht stören. Fahren Sie ruhig fori. Ich höre Jahnen gerne zu. So junge Herren konnpen ülvrall herum und wissen inriner ettvas Neues . . . Was rnacht L« Politik?" Er fragte zutunlich, in dem sichtbaren Bestreben, seine Rolle als ausinerksanler Hausherr gut durchzuführeu. indes sich sein Bauch vorwölbte wie ein Globus, und die Goldkette daran auf und nieder hüpfte. Auch verschob sich die Turnüre, denn er schaukelte sehr energisch, die seidenen Strümpfe wurden sichtbar und ein weißes Bändchen, das an die llnanssprcchlicheu gemahnte. (Fortsetzung folgth

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