Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1774 (23.1.1924)
- Date
- 1924-01-23
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ffll Men, MKwdch! Wiener MorgeneeiknM w. ttßxmim mkts. Blldapester Börse. Budapest, W. Icmmr. Die «schon «rstem uiwerftunbar WN Wüchchem getretene Äesscre Auffassüng HM, auch heute «n und. «bei lMr-aft-erenl Gssehäft gestaltete sich die Anfangs» tendery fest. Größere iKursgbwinne waren füdoch nicht zu verzeichnen. MS -um SMrß ergaben Och in den Favoritwerten Gteiigerungen von 3 bis 6 Prozent, während Luch sonst das Sch-luhniv-eau als Mt 'behauptet -bezeichnet -werden kann. Die Berichte auS Wien drückten wohl auf das Niveau, Gegen Schluß begann eine langsame Aufwertung -der Kurs? und die Tendenz war sveuMüh, die Nachbörse -jedoch aeschäflS-lvS. (Alles in Lausenden von Kronen.) S ch l n ß k u r s e r Britllch-Ung. Bank 98, Ung. Kredit 650, Oesterr. 8kredtt 170, Salgo Kohlen 678, Rimamuranyer 169, Cüdbabn 106, Staatsbahn 486, Anglobank —, Gran- SzaSzvarer 470, Oberung. Bergu. Hütten 1060, Dräsche Ziegel SSV, Ung. allg. Kohlen 3930. Urikany Kohlen 845 Koburg. 60, Spobimn 198, Clotilde chem. Fabrik 117, Ung. Eisenbahnverkehr 292, Verein. Holz 49, Adria 775. Ae Devisenkurse. Berti», 82. JLrmer. ^Devisenkurse.-*) Amsterdam 1,666.078 (1,871.068). Belgien 178.565 (173.566), Christtania 678.563 (694.610). Kövenbagen 675.806 (713.01Y), Stockholm 1,097.260 0.101.240), italienische 184.288 (182.648), London 17,855.250 (17,865.250), Rew-York 4.189.500 (4,189.600), Pari« 191.031 (180.091), Schweiz 781.188 (783.163), Spanien 885.159 (586.167), Wien 59*850 (59*550), Prag 122.692 (123.090;, Birdavest 149.695 (147*680), Sofia 90.174 (80.147), Belgrad 48.378 (48.079). *) In Millionen von Mark. Berlin, 22. Jänner. (Rotenkurse.)*) — Noten: Dollar 4,189.600 (4,189.500). Pfund 17,830.318 (17,756.500), Italienische 186.532 (185.535), Polnische 365.000 (346.000), Tschechoslowakische 121.696 (122.194). Oesterr. gestemvelte 68.603 r68*104). *) In Millionen Mark, auSgenonrmen polnische Mark. Hrag» 22. Jänner. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakischen Finanzministerium«.) — Berlin*) 8.17V, (8.20), Zürich 602.50 (603.25), Pari« 155.12 (151.26), London 146.55 (146.30), New-Aork 34.80 (84.80), Belgrad 89.85 (89.87), Bukarest 16.95 (16.90), Men 4.777, (4.77), Warschaus*) 8.227, (3.477,), Agram —(—.—), Budapest 12.— (12.88) Jugoslawische 39.65 (39.627»), Oesterreichische gestempelte Krone 4.80 (4.80) Polnischel*) 2.977, (3.85), Ungarische 9.76 (9.76). *) p« Billion, f) pro Million. Budapest, 22. Jänner. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 11.180 bis 12.280, Bukarest 154.- bi« 169.-, Kopen. Hagen 5160 bi« 6660, Christiania 4250 bis 4750, London 127.250 bis 139.650, Berlin bis —Italien 1910.- bis I486.-, Paris 1335.- bi« I486.-, Prag 876.- bis 976.-, Stockholm 7930 bis 8680, Zürich 5215 bis 5716, Wien 0.4236 bis 0.4735, Sofia 214.— bis 234.-, Belgrad 345.— bi« 877.-, New-Aork 30.220 bis 33.220, Warschau bis —Brüssel 1240.- bi« 1865.-. Agram, 22. Jänner. (Devisen.) Wien 0.1220 bis —, Berlin —bis —. Budapest 0.30 bis —.—, Bukarest 42.— bis Italien 378.25 bis —London 86fcW bis New-Dork 87.25 bis —, Paris 886.50 bis —, Prag 258.— bis Sofia -.- bis Schweiz 1612.60 bi« Brüssel 858.50 bis Marschau bis Amsterdam —bis Stockholm —bD — Belgrad, 22. Jänner. (Devisenkurse.) London 368.75 bis Paris 390.- bis New-York 87.75 bis - Genf 1516.- bis Saloniki bis Mailand 880.50 bis —.-. Prag 254.60 bi« -.-7 Berlin —.- bis Wien 0.1227 bis Bukarest 43.60 bis Sofia bis Budapest 0.88 bis Brüssel bis—.—,' Amsterdam 3225.— bis Warschau —bis-. Warschau, 22. Jänner. (Devisen.) Berlin —.—, London 41,100.000, New-York 9,765.000, Prag 284.500, Men 197.—. New-Aork, 2l. Jänner. (Devisen.) London 421, Paris 443.7b, Berlin 0.2360 für 1 Billion, Mailand 499.25, Zürich 1725.50, Kopenhagen 1618.—, StoÄolm 2593.— ChrisÜMia 1876, Amsterdam 8695.—, Prag 290.—, Wien 0.14, Budapest 0.93, Bukarest 49.50, Warschau 0.0001, Madrid 1230.-. HelsingforS 250.50, Brüssel 405.-, Kanada 2'«/« unter; Brasilien 108.50, Argentinien 3235.—. Belgrad 114.25. Unsere Auswahlmannschaft in Senna Die Hinreise. Nach sechSundzwanziastündiger Reise sind die Wiener gestern um halb 8 Uhr ftüh in Wien einaetroffen. Horeys, Staatsanwalt FickeiS, Dr. Gruder. und die beiden Mitreisenden Ochs und Pordes fehlten. Hörens hatte sich zu Verwandten nach Zürich begeben. Der Vorsitzende des Struma, Dr. FickeiS, war nach Bozen gereist. Das Vorstandsmitglied des Oe. F. B., Dr. Gruder, blieb mit seiner Frau in Genua, um von dort über Nizza, Monte Carlo nach Paris zu fahren. Schließlich trennten sich auch die Herren Ochs und Pordes in Genua von den übrigen, da sie ungefähr 14 Tage in Monte Carlo bleiben werden. Alle, die in Wiest ankamen, waren munter und guter Dinge. Auch Aigner hatte seinen Unfall bereits verschmerzt. Die Ereignisse auf der Reise nach Genua sollen nur gestreift werden. Dre Auswahlmannschaft war in zwei Schlafwagen untergebracht worden. Eine Gruppe konnte bis Villach, die ändere bls Tarvis die Ruhe pflegen. Die übrigen Reiseteilnebmer benütztest einen Waggon zweiter Klasse. In VW begrüßte Konsul Cavallieki Marci die Wiener. Am Freitag um emviertel 3 Uhr nachmittags trafen die Oesterreicher in Venedig ein, , wo sie in den .Sitzungssaal des venetianischen Verbandes, geleitet wurden. Die Gäste wurden mit Champagner und Backwerk bewirtet. Präsident Commandatore Giovanni Zardinone begrüßte die Wiener und überreichte ihnen die Nadeln des venetianischen Verbandes. Die Oesterreicher sichren dann mit Motorbooten durch den Canal Grande und kamen bei der Accademia, Ponte di Nialto, Alberghi, Ca d'Oro, Palazzo Vmdramin, Arsenale, Museo Civico, Chiesa della Salute und beim Palazzo Ducate vorbei. Beim letzteren verließ die Reisegesellschaft faic Motorboote und lenkte ihre Schritte zur Piazetta San Marco dal Mare. Dort bewunderte sie die Campanile, die Chiesa San Marco, den Torre dell'Orologio. Il Coriile. Von der Campanile, dem höchsten Turm der Stadt,, hatten d'" Wiener einen herrlichen Rundblick. Sie sahen bis zur Insel Giorgio. Der Rundgang durch die Gässchen dehnte sich bis in die Abendstunden, aus. Die Wiener statteten auch dem Ruderverein Bueintoro einen Besuch ab. Dieser Klub, der bisher drei Weltmeisterschaften gewann, ist der Stolz der Stadt. Das Nachtmahl wurde im Restaurants Cavalletto eingenommen. Hier erreichte die Wiener nachstehendes Telegramm: „Namens des Präsidiums entbietet österreichischer Nationalmannschaft und Begleitern die besten Willkommengrüße. Demarchi." Von Venedig fuhr die Reisegesellschaft am Freitag um einviertel 10 Uhr abends weiter. In Venedig, das die Italiener „la regina bei mare" nennen, stellten die Wiener eine Temperatur von 14 Grad Wärme fest. Auf der Weiterreise kamen die Oesterreicher aber wieder in die Schneeregion. Erst ungefähr 80 Kilometer vor Genua besserten sich dre klimatischen Verhältnisse. In Genua selbst, wo eine Temperatur von 18 Grad.Wärme herrschte, kamen die Wiener am Samstag um halb 10 V vormittags an. In bereitgestellten Autos fuhren die Gäste am Columbus-Denkmal vorbei, dann dürchdie via venti Settembre, sie erblickten das Theätro Carlo Felice und kamen dann ins Hotel'Genes, wo die Reisegesellschaft einquartiert war. Ueber den Aufenthalt in Genua werden wir dann morgen berichten. Der Wiedergabe des denkwürdigen FußballkamPfeS wollen wir dadurch vorgreifen, daß wir dre Einsichten einiger Fachleute bereits jetzt veröffentlichen. , Bundesrapitän Hugo Meisl: „Unsere Mannschaft spielte hervorragend. Halten wir einen vollwertigen rechten Flügel gehabt, dann wäre der Mißerfolg der Italiener noch empfindlicher gewesen. Der Sieg über die spielstarken Italiener war einer unserer schönsten Erfolge." Feretti, Vizepräsident des italienischen Verbandes: „Die Oesterreicher haben uns eine , gute Lehre gegeben. Wir werden noch viel lernen müssen, wenn wir sie in der Fußballkunst erreichen wollen." Mr. Garbutt, englischer Trainer des F. C. Genua: „Die Oesterreicher an der Arbeit zu sehen, war ein Genuß. Eine derart hervorragende Kopie der englisÄen Spielweise habe ich noch von keiner kontinentalen Mannschaft gesehen." S w a t o s ch, Spielführer der Oesterreicher: „Die Zähigkeit meiner Mannschaft war bewundernswert. Wir waren m jeder Beziehung dre besseren und erfochten demgemäß einen verdienten Sieg. Besonderes Lob gebührt dem Schiedsrichter Barrette." Moseardini, der vorzügliche Mittelstürmer der Italiener: „Die Oesterreicher können spielen, wir aber nicht. Dies ist der Grund für unsere 0:4- Niederlage." SchiedsrichterBarrette (Belgien): „Die Oesterreicher pflegen eine andere Methode als die Belgier. Ihr System ist aber vollendet und muß den Erfolg bringen. Ueberrascht hat mich die große Wucht und Härte der Oesterreicher. Die Italiener waren dieser vorzüglichen Mannschaft nicht gewachsen." _ Sie PalMm-Reife der Hakoah. Wir berichten an aüdever Stelle über die geistern vor» mtdtagß evftLgte Ankunft der Hakocch-Fussballer. Wir unterbreche heute den chronologischen ReMt-eVcht des EAedttionS- Leiter« Dr. I. H. Körmr und devWsNtlichen vor allem feie Berichte «über du noch Msyetragenen WetffPiÄe. HÄoah—Englisches Soldatenteam Palästina 3:0 (3:0). IevusÄlsm. 12.000 Zuschauer. HaEoah: DMig; GM, Pollok; Slutzch, Guttimanh Motoar; Katz, Grunwald, Häusler, Schwarz, N-eufM». Die KrWitder haben Plahwchl und spielen mit der Sonne. Der Ptotz ist etwas zu kurz und gu schmal, überdies ohne jede Gr-asimrbe. Die Engländer greifen sofort an, der rechte Wüigckl vergübr aber. Hcckoah erwideirt den Angriff. der Ball ländet tot Out. Das ©pktf fft fchr nasch, Be%e Parteien toieklen außgereK. Der nächste Angriff der Hakocch ergibt «Mn Kovuer, der rcis-Mattos denläust. Nun bekommt DuDig Ge-, lagsnheit, Mn erstemnÄl -eiirMGwiiftn. Auch der gegnerische Goasslkeep hat einen scharf gcßchvssenen Ball Häuslers M Meisterin. Einen davauffollgeniden Kvrner gegsn die Engländer vLnschießt GniKm'üimr. Hccköcch ^findet sich und kombiniert in yewEvter Manier. Schwarg Wcht, doch der Goaldeöp HW. Weitere AngMe der Hatoalh werden durch off side von NeuftM) itmb Häusler aulsigehalten. Katz «in der Mitte dät * Ball, läuffl der: Verteidigern auf und davon und schießt mit Boinbenischuss das schöniste Tor des. DaMs (16. Minu'te). Nicht endsnwolle-nver Berftrll belrchnit diese Tat. Hatoah fft nun mächtig im Angrisf. Einen Zeniter Neniscllds ÄbevntoMt Häusler volley, verschießt aber. Nun findet sich auch der' Gvguer, doch enlden seine Ml>gvUe »mit FÄhäschüst'en. Immer wieder dvingt Hatocch mit schöner KombMLtiion vor. Gin Schluß Häuslers wird gehalten, doch der davaiuffoLgende Schttß von Schwarz, scharf getretm und Plaeier>t, Mrt Wm zweiten Goail to der Ä. Mimtte. Die ErycKänder bemÄhan sich, das ResMat Anistiger zu gestaLten. Das Spiel bewegt sich nun tot Mittel-, selld, wobei die Schwäche MvLnars Kar zum AuZd-ruck wie er ütberbaupt der schwächste Mann des Haivoah-Deams war. Der nächste Angriff der Hakoah w«ird «durch Foult an der Strafraumgrsnze anifgchastein. Guttimünn verwandÄt den StraFtoß durch pKchtigen Schuß -um drAen Treffer (44. Minute). BaD darvutf HalliWt. Nach Wiederibsginn ist HaLocch schont wieder i«n Angriff. HäuSler Produziert sich im DribbÄn. siichrt die Enchänder sipazieren. Was chm dröhnenden BeiifM des Publikums eünträgt. GuMnann und Gvünwalld läßt der Ruhm Häus'lers nicht vüyvn. Sie Kvigen Keichsalls ihre, MM. Durch diese Spielereien werden die Engländer nervös und bvingsn eine schärfere aapvnev: by Deirtsch-Oesterreichlscher Verlag, Wien. Nachdruck verboten. 2. Fortsetzung. Ae Heimatlosm. Roman von Wilma v. Vukelich. Und der Bund.schritt Vovwävts, wie die fttngen Geister vorwärts schritten. In einer geraden Linie., vom RomarvtiAiswus ihren unklaren Knabenschwärmevei zum Idealismus sernleuchttznder, aber möglicher Ziele. Und er schritt vorwärts, wie sich die Erfahrungen ihres Lebens häuften, wie die Ausblicke lichfer und umfassender wurden. Der Keine Nagh Lajos mit dem flammerchvoten Haarschopf war die Sexle des Ganzen, trotzdem er nichts war als ein armer, Keiner Indenfunge, der Sohn einer schäbigerr Trödlerin, die den überspa>nnten Ehrgeiz hatte, aus ihrer Nachkommenschaft ein Geschlecht von «Herren zu erziehen. > Vorerst machte der Keim LajoS durchaus, nicht den Eindruck, als ob er zu Größerem geboren wäre. Seine Mutter kleidete ihn -mit jenen Abfällen ihres reichaffortiertsn Lagers abgelegter Herrenkleider, die sich sonst als du*echaus unveMuftich erwiesen und die meist weit über Lajos' Dimensionen hinausgingen. Auch war ihr Verständnis für geschrnackvolle FarbenHÜsammenstellungen äußerst mangelhaft. Die Kleider rvchen muffig und Motterten an seinem dürftigen Leibe wie an einem 'Haubenstock. Was tat's? LajoS war doch der Erste im Bund . . . trotz ^.i>hamer, der ^elegant nud. vornehm war und sich über das unstandeSgeanäße Aeußere des Freundes nur schwer yurw^setzte . .. Lajos )var der Erste in -der Klasse trotz seiner geistlichen Professoren und tvotz aller braven .'t'cmgregaffonisten, die vor Neid grün und gelb tvuvden. Denn Lajos war wer. Er hatte Einifalle und die nötige Enevgie, seine Einfälle in Taten umzusetzen. Unh er hatte eme Suada, mit der er jedermann rettungslos i«n Gvund nnd Boden redete. ,Mott hat ihn auSerwahlt! Er hat ihm Vas Feuer unsevcr Vorfahren gegeben!" Der gute Rabbi sagte es, als er ihn: die Frechlätze in besseren jüdischen Häusern ver- Aber der gute Rabbi schrie Zeter, als Lachs die ersten Funken dieses Feuers merken ließ. Das heißt, nach einer glorreichen Agltationsreise im Komitat, wobei er für die achtundvierziger U-nabhüngigen warb, während sich die Iudenschast offiziell für Tisza erklärt hatte . . . wobei sich Lajos das erste Raue Auge, den ersten Rausch und den ersten Fünfer ault Sitten holte . . .Nach dieser gelungenen Fahrt erhielt er die freundliche, jedoch entschiedem Aufforderung seiner Wohltäter, gefälligst keine Ueberzengungen p haben, die für arme Iudenk'mder ein gefährlicher Luxus wären. Sondern einfach anzunehmen, was man ihm gäbe, 'demütig und dankbar zu sein und möglichst schleunig und ohne weitere. Umschweife sein Ziel zu erreichen. Punktum. Nur daß Lajos sehr wenig Talent zu Demut rind Dankbarkeit in sich >hatte und auf Almosen Ms. Ja, er haßte und verachtete jene, die ihn mit den Brosanlen ihrer, überfüllten Tische spejiisten und die dieses Mahl mit Gleichgültigkeit und Verachttrng würzten. Aber lernen würde er. Lernen ja. Schuften. Es zu etwas bringen. Er würde ihnen zeigen, was der Sohr: der avmen Trödlerin konnte. Er würde alle überflügelin, die. heute herabsahen auf ihn. Er hatte die nötige Zähigkelt dazu und den großen, großen Hunger. Macht wollte er haben. Herrschen über die armseligen Gemüter, die, nichts von seinen Träumen, von seinem glühenden Ehrgeiz und all den berauschenden Boraussetznngen wußten, die ihn vorwärts trieben. Die zufrieden lvaren und satt. Er aber, der arr ihrem Abfall fernen Hunger stillen mußte, trank auch ihre Verachtung wie einen bittersüßen Trank in sich, de,r ihn stark urachte, .widerstandsfähig und unbodenklich. Vorläufig galt sein Ehrgeiz und seine Energie dem Bunde. Er hatte keine Ruhe und ließ auch die anderen nicht zur Ru.he kommen. Er hielt Sitzungen ab, Konferenzen und Enqueten. Er gründete Zeitungen, die mit der Zeit , immer radikalere Ansichten vertmten, denn sein Held Koffuth Lajos gehörte bald in die historische Rumpelkammer und ~ machte neuen Göttern Platz: Kvaipotkin, Lassalle, Marx, deren Glaubensartilsl widerjlpvuchslos beschworen ivurden. Sozialismus, bis. m seine, extremste Konsequenz. Maimanifest, Glaubensbekenntnis der Jnternationaleir, Revolution, Umsturz, Nihilismus, bis zur AllWbung der letzten Autorität! /; Welch ein Wust von Phrasen wurde d<r zutage gefördert!. Wie viel aufgelesene ZVeisheit verarbeitet! Fekeie. Tibor lieferte ltterarrscho Effais, die. ihresgleichen suchten, Alfred entdeckte seine poetische Ader und dichtete Lydia an, Ti'hamers reizende Schwester, die aber keineswegs geneigt war, seine Ergüsse ernst zu nehmen. Im Gegenteil. Sie eMärte sofort, daß sie. sich durch diesen tränentrie-fenden Weltschme^ nicht erweichen lasse. Und sie lasse sich diese schöne, goldige Welt überhaupt nicht verdüstern.. . . wenn Mfteds poetische. Lyra auch noch so eindringlich von Selbstmord und ähnlichem Unfug widevklinge. Sie wisse, was sie zu erwarten habe . . . und überhaupt sie sei nicht fo . . . um ihretwillen brauche keiner solche Schmachtfetzen zu schreien. Sie liebe den Bund . . . Sie. liebe chn in seiner Gesamtheit, sei jedoch auch nicht abgeneigt, seine Mitglieder im besonderen zu lieben. Nur so dürft manihr nicht kommen. So nicht! Worauf sich Alfred endgültig entschloß, auf literarischen Lorbeer zu derzichien und das Md 2xi]e>§ überließ, der es mit seinem in Tyrannenblut getauchten Schwerte .pflügte. Und es war das ivenigste, daß er ferne Artikel mit dem Deckworte Marat Unterzeichnete, was sicher nicht nur in zarter Anspielung auf den brennenden Haarschopf deS blutdürstigsten alle.r Eommmiards geschah . . . Später geriet der Bund unter Trbors Präsidentschaft, der'wahrscheinlich darum einstimmig gewählt wurde, weil sich die Bündler einig waren, daß eigentlich Tibor am wenigster: für diese Rolle taugte. Denn er war wortkarg und linkisch. Floh die Welt der Tatsachen und verkroch sich in seine Bibliothek, die ein kleines Kultuvdenknml in der nicht eben kultur-übersättigten Kleinstadt war., Ein Stück Zusammenhang mit der großen Welt, deren geistigen Niedevschlag sie .barg. Und Tibor stellte diese Bibliothek — das Beste, was er tvar und bosaß — dem Bunde zur Verfügung, der sich an ihren Schätzen sättigte. Und dabe.i etwas bedächtiger im Tempo wurde, etwas nachdenklicher in seinen Schlüssen und ein Stück Bescheidenheit und stilleres Bovwärtsstteben lernte, indem er sich an den Werken der großen^ Meister emporlas und durch sie neue Gesichtspunkte, neue Aussichtswe.iten gewann. (Forisktzuu-a to'aO ,