Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1769 (18.1.1924)
- Date
- 1924-01-18
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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l'-t »WM«*‘iMß*Ut!4KUiH-s \ Seite 8 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 18. Jänner 1924 9K. 1769 Film Md Kino. „Kaddisch." tPressevorführung des Eterna-Filmo.) ,sn dem kleinen ungarischen Dorfe feiern die Juden Hochzeit. Schon ist alles zu denk frohen Fest gerüstet, die Braut wartet im Schmuck ihres Ehrentages, der Rabbiner kommt aus der nahen Kreisstadt und die Gäste sammeln sich im Hause des Brautvaters. Nur eine kleine Formalität, die aber von größter Wichtigkeit ist, wäre noch zu erfüllen: Tie Auszahlung der längst vereinbarten Mitgift. Aber der Brautvater hat das Geld nicht im Hause, und der Vater des Bräutigams erklärt kategorisch: „Keine Mitgift, keine Hochzeit!", packt seinen Sohn zusammen, geht mit ihm in die Schenke mtb wartet der Dinge, die da kommen sollen. Schnell nimnlt der Brautvater einen längst fälligen Wechsel und eilt damit zu feinem Schuldner, einem versoffenen Bauern, dessen Wirtschaft nbc! vernachlässigt L' Uka Griining L. Zizok: Manfred Laske |i, um sein Geld emznrrerben. Und da kein Geld im Hanse ist, er Bauer aus dem Felde, nimm: er von dessen Frau den Nehlvocrat, läßt ihn auf einen Wagen verladen und bietet hn dem Vater seines künftigen Schwiegersohnes als Kompenation an. Ter ist damit zufrieden und schickt das Mehl gleich mt demselben Wagen zur Stadt, wo es für feine Rechnung erkauf: werden soll, und die Hochzeit beginnt. Die bescheid ne feier eint arme Menschen, die schwer des Lebens Last ru ragen haben, für wenige frohe Stunden und mit naiver Fre: de >/•> I Sj? '/* S// L. Zizold Lia Eibenschitz «eben sie sich ganz den magere:'. Taselfreuden und dem Tanze hin. — Doch ein jäher Schrecken scheucht sie auf. Der Gendarm erscheint. Das Kind des Bürgermeisters ist verschwunden, man hat es zuletzt beim Hause des Juden gesehen und die Leute im Torfe sagen, daß die Juden bei ihren Festen gerne Christenkinder aus die Seite brächten. Angst befällt alle, und während der Gendarm den ganzen ärmlichen Hausrat und die primitive Lcweneinrichtung durcheinander wirst, um das verschwundene .Änd zu suchen, fliehen die Gäste schreckerfüllt nach allen Richtungen. Auch der junge Gatte wird von seinem Vater fortgezogen. — Aber das Kind findet sich nicht. Nur im Brunnen des Hauses schwimmt sein Ball. Und die Leute im Dorfe sagen: „Der Jude hat das Kind geschlachtet!" Sic greifen zu Sensen und Mistgabeln und wollen das Haus des Juden stürmen. Mit Mühe'und Not verhindert dies der Bürgermeister und der Gendarm. Aber nachts, wie die Braut aus dem Hause schleicht, um für das jüngste Schwcstcrcben, das noch im Sänglingsalter steht, Milch zu versorgen, fallen die Bauern über sie her und schlagen sie nieder. Mühsam schleppt sie sich noch in das Haus, um dort zu sterben. — In der Nacht kommt der Fuhrmann, der das Mehl zur Stadt fuhr, mit dem schlafenden Kind Om Arm znrüä. Es hatte sich, während das Mehl.abgewogen tnixbc, in dem Wagen versteckt. — Und im Morgengrauen begäbt der trostlose "Vater sein Kind auf dem kleinen, wüsten Judenfriedhof und über dem frischen Grabhügel spricht er das kaddisch. Adolf Edgar Licho hat diesen Film meisterhaft inszeniert und spielt den Brautvater mit tiefem Empfinden. Reizend ist Lya Eibenschitz in ihrer grazilen Anmut als Braut, ergreifend Lueie Höflich als die Bürgermeisterin, von drastischer Komik Jlka Grüning als Heiratsvermittlerin. Wetters bieten L. Zizold als Bräutigam, Manfred L a s k e als sein Vater und Rudolf Lettinger als Bürgermeister sehr schone Leistungen. „Messalina." (Pressevorftihrung.) . .. Ein riesiges Werk mit einer ungeheuren Ausstattung ist dieser zwölf prunkvolle Akte umspannende Kolossalfilm. Was die Kaiserzeit des alten Ron: an entnervenden Luxus zu bieten vermochte, was Laster, Verbrechen und Herrschsucht zeugten. ■ das alles ist hier zusamniengefaßt, um dieser Kurtisane auf dem Kaiserthron des weltbcherrschenden Roms eine würdige Folie zu geben. In machtvollen und prachtvollen Bauten ist hier das alte Rom wiederevstanden; der Palatm. das Forum. PaWe. von den Sklavenschaven mächtiger Senatoren belebt, der riesige Zirkus mit seinen Gladiatorenkämpfen und Wagenrenncn, Straßen, durch die die Quirlten geschäftig eilen.' und die Suburrae, das Mertel der Bordelle und Marroseuschenken. Und über dieser neuerstandenen Stadt strahl: dir südliche Sonne und liegt die schwüle, sündenschwangere Mondnacht Italiens. Die Handlung beginnt mir der Ermordung des Caligulla und endet mit dem Tod Messalinas. In ihre Gschichte hinein ist die eines Wage ule n>ke rs und einer griechischen Sklavin verwoben, die das Gegenspiel zu tragen haben, und UMählige kleinere Episoden. Es ist betvnnderniigAvnrdig, mit welcher Präzision die Regie — für die Enrico Gu'azzo nt. der Schöpfer des seinerzeit weltbekannten ,>Quo vadis", zeick)-- ner — sich ^durch diese weitverzweigte Handlung durcharbeitet. Sämtliche Spielszenen sind sorgfältig durchgearbeiret und ausgegeichn-Lt bis ins kleinste Detail ausgeführt und selbst die kleinste Episodenrolle mit markanten Typen besetzt. Es seien hier beispielsweise mix der Buchmacher denn Wagenrennen und die einzelnen Gladiatoren, übrigens wirklich athletische Gestalten, erlvähnt. Großartig ist die Regie der ungeheuren Massen, j die gegen hu ndcrtt ansend Mitspie lende umfassen j sollen. Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Präzision diese Mnschenmengen bewegt werden, in denen, bei Ausfüllung der garten Bildflächr, der Kopf des -einzelnen nicht größer als eine Erbse ist. Ausgezeichnet wie die Regie ist auch die von ihr gekettete Darstellung. In erster Linie Rena di Lignora in der Titelrolle. Aian glaubt ihr die Messalma in jeder Bewegung. Sie ist schön, nach den Begriffen eines d'Annungios sogar wunderschön, u:rd ihre Rolle lckbt sie inchr als sie ne spielt. Bon den anderen Darstellern, die ebenfalls ganz ausgezeichnet sind und ihr ebenbürtig, liegen leider keine Namen vor. Vollkommen zufriedenstellend ist auch die Photographie. „Die letzte Stunde." (Pressevorführung.) Das Sujet zu diesem wirklich kolossalen Film, das von^ Ladislaus V a j da herstammt (unter dem Namen Srdney Garrik als Filmautor bekannt), hat eine lebhafte Handlung, die spannend fortschveitet, etwas mysteriös und rätselhaft ist und schließlich mit einer Art Bluff endet, der die Aufklärung bringt. Max R e u s e l d. der mit Jacques B acherach zusammen das Drehbuch ansarbeitete, hat es verstanden. durch eine seine und wohldurchdachte Regie sämtliche Möglichkeiten, die hier in reichem Ausmaß geboten wurden, auszunützen und die Handlung durch einen wirklich großzügigen Aufwand mit sehr guten Biloern zu illustrieren. Außerdem finden sich hier sehr viele gute Regieeinfälle, liebenswürdige Details und was man sonst noch Gutes in -amerikanischen Filmen, deren Regietechnik als mustergültig angesehen wird, findet. Durchwegs sehr gut, stellenweise sogar ausgezeichnet ist die Darstellung. In erster Linie Jean Angelo, der seinerzeit durch den Film „A tlanti s" Iveltbekannt wurde. Er versteht es, die Figur des blasierten Globetrotters, der dem Leben keine Sensationen abgewinnen kann und darüber ehrlich betrübt ist, nicht m:r glaubhaft, sondern auch sehr sympathisch zu gestalten. Daß er dieses nicht nur durch sein vorberlhaftes Erscheinen, sondern auch — und zwar hauptsächlich — durch sein Spiel zu erreichen weiß, muß an ihm besonders gewertet werden. Als seine Partnerin kommt leider Bilma Branky, eim ebenso hübsche wie temperamentvolle junge Künstlerin, deren Talent zu schönen Hoffnungen berechtigt, durch das Ausmaß ihrer Rolle nicht so, zur Geltung, wie man es wünschen möchte. Unter dem Pseudonym Lilith Adams verbirgt sich eine in der Wiener Gesellschaft bekannte Sportsdame, dre mit viel Geschick ihre Aufgabe in den: Kostümteil löst. Ausgezeichnet ist Eugcn Neufcld, der nicht weniger als drei Rollen in diesem Film spielt. Er verfügt über ein Bonhomie. die ihn zu einem wirklich liebenswürdigen und durchaus sympathischen Intriganten macht und ihm eine eigene Note gibt. Sehr gut sind auch die Herren Strobl und Jensen in größeren Episoden und von erfreulich natürlichem Humor Albert Pan« ' lig in seiner Dienerrolle. „Das Karussell des Lebens." Unter den FilnwrzeuMsser: nehmen die Produkte Schwedeus einen hervorragenden Rang ein..Einer der großartigsten Filme ist der von der Svenska Filmindustrie in Stockholm her-gestellte. „Das Karussell des Lebens", sechs Akte, von Alfred Fetete und Dimitri Buchowetzki. Buchowetzki, der Moiistorregisseur, hat in der Inszenierung dieses Films ein großes .Kunstwerk geliefert. „Das Karussell des Lebens" -behandelt, die hochdramatischen Schicksale eines Zirkushelden, bietet einen fesselnden Einblick in das Avtisten leben, -da ein Teil des Kinostückes im Zirkus spielt, in dein das Publikum verblüffende Leistungen sieht. Dieser Film ist durchwegs mit ersten Kräften beseht. And Egede Nissen, der beliebte Filmstar, Mphons Fryland, Walter Ja ns s>e n spielen.die Hauptrollen. In kleinere!: Partien sicht inan den früheren Bnrgschauspieler Jakob Tiedtkc, tociters die Berliner Bülmeustars Rosa Baletti, Ferry Spkta nick Guido Herzfeld aus der Leinwand. Dieser hochwertige Film erscheint Freitag in den Wiener Kinos. Die Filme der Woche. „Das Freudenschisf." — „Messalma." — „Die Erbschafts- Piraten von Dixonville." — „Sklaven der Liebe." — „Nora." — „Das umzingelte Haus." — „Daish." — „Karussell des Lebens." — „Biolet, der Roman einer Mutter." -ROTENTURM-KINO_ WIEN, l, FLEISCRMARKT 1 IPf* Ab heute bis 22. Jänner "W> Messalina Grfiistcr IVlonurnentalfllm in L Teilen, in der Hauptrolle Röna di Lygnora und das übrige Schlagorprogramm Beginn der Vorstellungen: 4. >/.6, und %9 Uhr BogioUrausik einer erstklassigen Künsllerkapelle »niuirt 6 Akte von Alfred Fekete und Dimltrl Buchowetzki Regie: Dimitri Buchowetzki Hergesteilt von A. B. Svenska Fittmindustri, Stockholm Hauptdarsteller: Aud kgede Hissen, Alphons Fryland, Walter Janssen * Vom 18. bis 21. Jänner: Burg-Kino» I. Opernring 19 Gartenbau-Kino, I. Parkring 1L Münstedt-Kino, II. Ausstellungsstrasse 142 Löwen-Klno, III. Löwengasse 33 Haydn-Kino, VI. Mariahilfersirasse 57 Lichtspiele Wienzelle, VI. Linke Wienzeile 4 Zentralpalast-Kino, VII. Mariahilferstrasse 120 Vom 22. bis 24. Jänner: Tuchlauben-Klno, I. Tuchlauben 7a Intperlal-Klno, I. Rotgasse 9 Kruger-KIno, I. Krugerstrasse 5 Kammerlichtspiele, III. Schwarzenbergplatz MUnstedt-Kinopalast, II. Ausstelhmgsstr. 142 P \1FWAI IV\ Das gewaltigste Filmwerk der Welt JL' mlijiEl lia<]L (Das Leben der grossen Kurtisane u. Kaiserin) erscheint Freitag den 18. Jänner int: Kärntner-Kino Ellte-KIno I. Johannesgasse 3 1. Wolizeile 34 Central-Kino Rotenturm-Kino II. Taborstrasse 8a I. Fleischmarkt 1 Kammerlichtspiele am Schwarzenbergplatx III. Schwarzenbergplatz 6 Oienstag den 22. Jänner Im: Arkaden-Kino VIII. Alserstrasse 23 Park-Kino XIII. Hietzing. Hauptstr.22 Regie: Commendatore Enrico Guazzoni (Der Schöpfer von „Quo vadis*1) Freitag den 25. Jänner u.an den folgenden Tagen im: MUnstedt-KIno II. Aus8tellungsstr. 142 Woltsplegal-Klno X VI. Lerchenfeld ergilrtel53 Flieger-Kino IX. Liechtenstein«^ 37 Rochus-Kino UI. Landstr. Hauptstr. 25-27 Qudrun-Klno X. Oudrunstrasse 151 Sch8ffor«Kino VI. Marlahilferstrasse 37 Strauss-Klno IV. Favoritenstrasse 12 Raimund-Kino XIV. Sechshauserstr. 13 ^975 61