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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-05 · Heft 1756 (5.1.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1756 (5.1.1924)
Date
1924-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wies: Zum Abholen in der E*p«ditioti,II.,Tabor»tr.l»3, oder in einer Verachlei sstelle § Trefft) monatl. K 28.000 trassenverkauf in Wien ddreh die Kolporteure der Finna Goldschn»iedt,I.8er.. Wollzeile 11. t Postversand für Wien n. terr. monatl. K 28.000 Tsehech o-Slowakei: Men. K17. Jugoslawien: Men.Dinar50. Polen: Mon. polnische Mark 2,200.000, Deutseh).! Mon. Goldmark 3.—, Frankr„ Belgien: Mon» Frea, 10 FNaebs»hl«BS«i> *P9 PnterbShtmgeo mbebdta* »r. 1796 ^yirAXö1 Der Mann der sein QedHchtnle verlor [£\ta bor.ötr'Aa, mmmsssm Wien. Samstag, 9 giinner 1924 Polen: poIn.Mtc.IOOOOf Italien: Monatl. 12 Urc Rumänien Mon. 130Lei Bulgarien Mon.75 Lewa Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II,,Taborstrassei—3 Telephone: 44-Ö-38i43-3»19, ab 6Uhr abds.19-483,25-282 Tel- Adr. :„Mergenzeitua?* Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.69z 6. Fahrgang Sin Vrschlnßantrag auf Abschaffung des Numerus clausus in Ungarn. des Wg. Sandar. - Das Recht auf Gründung einer Wischen Hachschule. Bor der Parlaments« eröffnung. (Von unserem Londoner W-Berichtttstatter.) Irr Erwartung der großen Ereigmffe der nächsten Wochen haben die Politiker London verlassen, um sich für das 4Ämmende Ringen vorzube.reiten. Nur die Presse ergeht sich tu den 'wildesten Spekulationen über die zukünftige Ordnung der Dinge. Dabei ist eS unendlich schwer, vorauszusagen, was kommen wird. Sicher ist nur, daß das Mwisterimn Baldwin bei der ersten Gelegenheit wahrscheinlich durch die HevauSforde.rung der Arbeiterpartei unter tätiger Beihilfe .der Liberalen geMpzt wird. Daraufhin wird der König, der konstitutionellen Ue-bung folgend, Herrn RaMsah Aiacdonald Kr sich berufen, und ihn mit -der BWung einer Regftmng betrauen. Mer Wahrscheinlichke.it nach wird der Labouv-Ehef das Mnisterium bilden, nachdem ihm seitens der Krone die Wiche Unterstützung versprochen wird. Insbesondere wird eS sich dabei um die Auslegung der Konstitution durch Herrn Asquith handeln. Der Führer der Liberalen behauptet nämlich, daß für den Fall, als die Arbeiterregievung.im neuen.Hause an der Durchführung ein-er chver Forderungen der im Kampfe gegen die sozialistischen Prinzipien vereinigten Liberalen und Konservativen scheitern sollte, der König durch sein Veto der Parlamentsaus- Vflmg sich -wiöexsetzen werde. Dadurch wird die Arbeiterrsgiettmg veS wücksamisten Mtt-elts, des Appells au das Landberaubt sein. Es sei. gar nicht rMg, behauptet -AsWich, ddL. Land. zu befragen, sd lange es noch eine Partei mr Hause Kbt, ’fofe be.wit wäre, die Regierung zu übernehmen, >werm Labour nicht weiter kann. Drsse Deutung der Konstitution durch einen Mann,, der feit Jahrzehnten im öffentlichen Leben in -erster Reihe steht, ruft großen Widerspruch hervor. Der durchschnittliche Engländer ohne Änterschied der politischen Richtung ist der Meinung, daß man der Arbeiterpartei, da sie die zweitgrößte Partei im Lande ist, auch die Möglichkeit zur Ausübung aller Rechte geben muß, die ihr gebühren. Dabei müssen die gegnerischen Parteien „fair Play" walten lassen, auch wenn sie vor de.r imaginären „roten Gefahr" zittern. Die vernünftigen Politiker wissen auch, -daß jede Beeinträchtigung der Arbeiterpartei 'die Wut ihrer Anhänger aufpeitschen, die Zahl ihrer Mitläufer vergrößern und vielleicht auch die Leitung aus den Händen der gemäßigten Führer reißen wird. .Fm allgemeinen haben sich die Engländer schnell au . den -Gedanken gewöhnt, daß eine Avbeiterregievmrg ihr Land repräsentieren wird. Ztvar haben mächtige Pressetrufts sich bemüht, die Labour-Parte-i von der Regierung sernzuhalten und lancierten -den Gedanken e,iner Koalition, wie sie unter Lloyd George -bestand. Diese Möglichkeit wurde jedoch von allen Parteien einnrütig abgelchnt. Man wird sich lieber an das Unvermeidliche gewöhnen müssen und Zusehen, wie ' man bei einem Dreiparteiensystem vorwärts kommen kann. Tie Labour-Pa-rtei wird, so lange sie ihre sozialistischen Pläne i itt Hintergründe hält', die Unterstützung der Libe.ra- , Int genießen, insbesondere in der Bekämpfung der Arlbeitslosigke.it und in dem stärkeren. Auftreten gegenüber Herru . Bein care. Auch die Frage der 'Anerkennung Sowjeivußlands wird die Unterstützung der liberalen Partei finden. Sollte sie aber ihre Sozial-isievungsplänc hervorholen, so wird sic in der Minorität verbleiben. Bei einer solchen Gelegenheit wird Herr Macdonald, die Auflösung des Paria ments Vorschlägen und Neuwahlen ausschreiben. Man rechnet mit diesem Vorgehen frühestens im Mai und fpätestens im Hevbst. Die Neuwahlen sollen -dann «me Basis für eine Majovttätsvetzievmvg schaffen. . Das sind ungefähr die Erwartungen der Politischen Kreise. Sie sind stets mit aller Reserve a-ufzuirehimn> da ja -Uebervaschungen in der Politik auf der Tagesordnung sind. Die englischen Wahlen haben klar bewiesen, wie -schwer das M'iier des politischen Propheten -ist. Miniftevrat und Thvonvede. London, 4. Jänner. (Del. der ,Miene.r Morgmzeüung".) Lüstern vormittags vevsammM-e sich mtter dsnr Vorsitz ValdwinZ das Kabinett in Downi-ngsstreet. Mehrere Minister wohnten der Sitzung nicht bei, lveil sie sich noch in de.r Provinz oder im Auslande befinden, so Lord D c r b h, A m -e r y, Sir Johnson H i ck s. Die Minister beschäftigten sich mit der endgül-tigen -Festsetzung der Thron rede,.die der König am 15. Jänner halten wird, tatsächlich.wird -das Unt-erhaus schon am 8. Jänner zusa-niiunWen. . ., Budapest, 4. Jänner. (Tel. der „Wiener Movgen- Mung".) In der AbenÄsitzung der Nationalversamm-lung brachte der Aba. Sandor nach einer ausführlichen Re-de, in der er s c h r f ch arfe Kritik a-n der bisherigen Politik der Regierung übte und unter anderem bestätigte, -daß Ministc.rprä-stdent Be t h l c n int vergangenem Herbste tatsächlich die Auflösung des Vereines der „Erwachenden Ungarn", nicht aber auch der nationalen Schutz a. b t e i l u n g e n dieses Vereines versprochen habe, z w ei Be s ch t u ß a n t r ä g e ein. Im Sinne des ersten soll der K u l t u s m i u i st c r auge<u>ieseu werden, die Außerkraftsetzung des Gesetzes über den Skmwrus clausus b‘em Parlamente zu unterbreiten. v Nach dem zweiten solle sich das Haus «dafür aussprechen, daß der jüdischen Glaubeu sge me i us ch a f t a uf G ru nd einer i m Ia hre 18 7 3 äbMgedenen Erklärung des damaligen Unterrichtsminist e rs das Re cht zustehe, eine jüdische konfessionelle Hochschule zu gründen. London, 4. Jauner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Den „Times" zufolge, sei Ramsah M a cdonald der Ansicht, daß die B il d ung eiuer Arbeit e r r e gr e r un g aus verfassungsmäßigen Gründen tt i ch t v e r h i.n d e r t werden dürft, auch wenn diese Regiernug.dann nur einen Tag bestehen sollte. Maedönald werde nach BUdung seiner Regierung das Par)läMeHt^f4^t 200.0)0^ C£i<t0ett rmb erst d<^ M . HÄ Änterheius sme politische Erklarmrg verwsen. . Die Arbeiterpartei sei entschlossen, wenn sie an der Regierung bleibe, sich vorerst ausschließlich mit s o z i a l e u Problemen zu beschWgerr und die Nationalisierung splä ne sowie die Vermögensabgabe wenigstens bis zum nächsten Jahre z u r ü ck z ü st e l l e n. MobiWemns der ameMnischen Flotte. Große Seenranöver iw Atlantischen Ozean. London, 4. lJänner. (Del. der „Wiener Nkorgerlzeitung".) Wie der „Exchange Telegraph" aus Washington meldet, hat das Marineministerium der Bereinigten Staaten -ie Mobilisierung der Flotte im Atlantischen und im Stillen Ozean angeordnet und einen Plan für-große Seemanöver ausgearbeitet, die im Jänner und Februar stattfinden sollen. Eine Flotte von 15 Panzerschiffen, 4 Kreuzern, 53 Torpedobootzerstörern, 11 Unterseebooten, 87 Hilfsschiffen und 123 Minenwersern. sowie zahlreiche Schlepper werden an diesen Manövern teilnehmen, die an Umfang alle bisherigen übertreffen. Das Ziel der Operationen, die sich in den Antillen vollziehen sollen, ist die Verbindung der amerikanischen Flotte durch den P a n a m a k a n a l für den Fall eines plötzlichen Austauchens feindlicher Schiffe im Norden des . Atlantiks. knMch-üalienW-söanischr MittelmeermanSver. R o m, 4. Jänner. (Tel. der,Wiener Mortzenzeitu-ng".) Roch in diesem Monate finden im Mittel me er englische Flottenmanöver von besonderer Bedeutung statt. Es werden sich daran auch Verbände der italienischen Flotte beteiligen. Ebenso ist die Teilnahme spanischer Flottenverbände in Aussicht genommen. Auch Flieger- und Unterseebootabteilungen werden in großem Umfange beteiligt sein. In politischen Kreisen wird diesen Manövern des- ' halb besondere Bedeutung/beigemessen, weil es das erste Mal ist, daß englische Verbände mit italienischen und spanischen Flottenteile« zusammen nmnSveriereu. Die Jnflationsgefahr. — Der Ansturm von außen. Zürich, 4.. Jännvr. (Tel. der „Wiener AdorgenzsitMtz".) Die Nachrichten, welche von sämtlichen internationalen Devisenplätzen einlangen, zeigen mit erschreckender Deuilichkeit das neuerliche Sinken des französischen Frankens, dem kerne offizielle Stützungsmaßnahme Frankreichs bisher Einhalt zu gebieten imstande war. In den letzten drei Tagen ist er an der Züricher Börse um 1,3 Schweizer Franken gefallen. In ähnlichen! Verhältnis die Mckgäme au$ den übrigen Manen. Die Gründe sind teils außenwirtschaftlicher, teils inner» finanzieller Natur. Es scheint tatsächlich eine starke Kontermine gegen die französische Währung am Werke zn sein, Ivelche ihren Hauptsitz in der New-Zorker Wallstreet zu haben scheint. Dies geschieht durch forcierte Kündigung des Dollarguthabens in Frankreich und durch Leerabgaben auj den internationalen Plätzen. Aber auch in Frankreich treten schon die bisher sorgsam verhüteten Juslationserschemnngen Miage^ welche den bekannterr Lireulus vttiogns^ Gekdvermehrun- und WÄtabbröckelüng, dokumentieren. So weist' der letzte französische Notenumlauf eine wöchentliche Erhöhung um 1200 Millionen aus. Ein untrügliches ZÄchen für die innere Wertverminderung dieses Geldes. Der Finanzmimster ist heute nach Paris zumckgekehrt und wird morgen mit Vevschredemn Vertretern der Finanz- und BankenwÄt jene dringenden Maßnahmen beraten, die die Spekula-tion des Franken eindämmen sollen. In Regiernngskreisen wird erklärt, da ßdie Schwäche des Franken 'hauptsächlich auf Börsenspekulationen zurückzufüjhren ist. Paris, 4. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzertung".) Dem „Ternps" zufolge werden die allgemeinen Neuwahlen für den 2 7. A p r il attbemnmt werden. Die kommunistische Partei 'bereitet für ihren vorher in Lyon stattsindendeu Parteitag den Plan einer Gründung eines Blocks der Arbeiter und Landwirte vor, der dem nationalen Block entgegengostellt werden soll. Das Programm dieses neuen Blocks sichert den städt-ischen Angestellten das R e ch t d e s S t r e i k s zu und will andererseits die Landgebiete des Großgrundbesitzes den Landwirten zur Bearbeitung z-uteilen. Non an diesem Pwgramm ist auch der Vorschlag zur Unterstützung solcher Kaudidaten, die nicht der kommunistischen Partei augchören, jedoch ein radikal-fortschrittliches Programm verfolgen. Die Ksuferem der lleise» ßntente. Keine Aufnahme von neuen Mitgliedern! Belgrad, 4. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeituug".) Das Programm! der Konferenz lder kleinen /Entente ist nunrnehr-deftnitiv zusammenge-stellt und unrfaßi folgende drei Punkte: 1. Berichterstattung über die politische Lage Mitteleuropas, wobei die Frage -der Aufnahme neuer Staten nicht in Betracht gezogen lverden wird. 2. Die S a ii i e r n n g der ungarischen F in a nz c n, deren Vorarbeiten beinahe abgeschlossen sind. 3. Die Stellnngnahme znr A nerkennung SowjeLrußlands. Darüber hinaus werden keinerlei Beratungen statt- . finden. Tic Haupffragen sollen schon am ersten Konferenztage erledigt werden, während die übrige Zeit der Zusant'- men-knuft der Außenminister -der kleinen Entente Ärr Erörterung nntergeordneter Angelegenheiten, sowie zur Pflege persönlicher Hl-usspnachen verwendet wird. Sie IionWsche krekutivr. vtühum Sokolöws Südaftika-Neise verschoben. London, 4. Jänner. Wie I. T. A. erfährt, hat der Präsident der Zioni-stischett Exekutive, Nahum Soko'low, feilte Reise n.ich Südafrika v c v s ch o b e n und bleibt 'vorläufig in London.

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