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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-31 · Heft 1751 (31.12.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1751 (31.12.1923)
Date
1923-12-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer K 700 Wien 7um Ahholen in He» Expedition, H,,Tahorat».1r3, oder in einer Verschleisatelle (Trafik' monatl. K?8.000 Strassenverkauf in Wien, lurch die Kolportrqre der Firma Oold«icb»niedl, 1.8er.. , WoUzeile N. Mil Poatversand fürWien u. Oeslerr. monatl. K 28.000 Ta c h e e h o- S I o wa k e i: Men. K 17 Jugoslawien: Mor D?na^50 polnische Mark 2,200 "00. aebl. ■ Mou. Goldmark 3.—, Prankr. Belgien: Mon. Frca. 10 TABOft&Tft tsch«ch. K t.- Italien: Monati. 12 I .ire R n m 3 n i e n M«n. 1301 ei, BuVarren Kon. 75 fewa Schwei« and da* übrig« Ausland monatiieb Fr«. 3 Redaktion n. Administration Wien. H.. T«bnr*traaae 1 —8 Telephone: ib 6 Uh? aHd*. 19.483,25-282 Tel.- Adr.:„Morgenreitunx" Oesterreichfcches Postspai* ka«*en-*Cont» Nr. 150.693 Nr. 1751 Men. Montll». 31. Lejemder 1923 5. SaSronna JeMkmds Sturz in den Abgrund. Das ei,eue Unvermögen. — Ae aufmarkKiereude Reattüm. — Das Echo des Auslmives: Keine Aenderung der Besetz««,sregimrs. Berlin, 31. Dczember. (Tel. d. „St. Morgeyzeitimg".) v.;c von den einzelnen Reichkstellen angrstteb'en SanerimgSmaßnahmen sind infolge der Uneinigkeit der verscbie-denen deutschem Behörden, nicht geeignet, wirklich greift lxire Erfolge aufzuweisen. Was dic eine Stelle zur Rettung des untergehenden StaatsschiGes unternimmt, wird von (stier anderen Stelle.sofort sabotiert und umgeke-hrt. Das solcherart Este lende Chaos wird-von den reaktionären Elementen oller Schatliermtgen zu ihr: w Zwecken mißbraucht. Kein Wunder, wenn heute die militaristischen preußischen Elemente Morgenluft wittern und frech auf den Plan treten. Ihr Schandtreiben artet bereits zu . Exzesse« aus, die. man mag sie wie immer betrachten, geradezu den Charakter einer R c benreg ie rung tragen. Haute wurde dir belanute - linkstmokralisch^azifiAsche Montags,Zeitung „D i e W e.l t a m M o n t a g", deren Herausgeber der belamtte Frirdeusvorkäm.^eln-ut ton Ger lach ist. auf die Dauer von vier Wochen verboten. Als Grund wird, ein Artikel dieser Zeitschrift angegeben. der sich mit den letzten Vorgängen auf dem -entlckeu Finanzmarkte beschäftigt und eine •' - verschklerte Jsiflvsiou •i>:S Finanzamtes ausdeckt. Diese Begründung wird jedoch von allen Seiten zurückgewiesen und erklärt, daß diese „Schild fast allen Blattern angekreidet werden mißte. Die „Welt am Montag" hat einen offenen Brief an den Militärbwollmächstgten General S e e ck 1 gerichtet, in dem der Herausgeber sich über die brutale Handhabung des militärischen Belagerungszustandes und über seine Ausschreitungen..beschwert. Dieser Schritt dürste die eigentliche Ursache d-'s Verbotes bilden. Es ist Tatsache, daß der militätische Belagerungszustand von beit reaktionären Elementen dazu benützt wird, alle demokraiischen, sozialdemokratischen und pazifistischen. Orga n c m u nblot . zu machen. Nahezu 70 P r o z e n t d i e s e r 391 ä t t c r sind bereits auf längere Zerr verboten und es ist heute bereits so weü <?dmmeit, daß die tvenigstvu Blätter es mehr wagen, aus diese Tatsache hinzuweisen, da, auch sie sonst von dem Verbot getroffen wurden. Das Ausland, dem man in Berlin so gerne die Schuld au dem Untergang Deutschlands betmessen will. beobachtet die Vorgänge im Reiche mit großer Aufmerksamkeit, und es darf auch daher nicht wundernebmen, wenn eS auf diese Vorgänge reagiert und die Konsequenzen auch zieht, die dann, merkwürdig genug, als gegen Deutschland gerichtete Maßnahmen angesehen werden. So hat, wie eine Pariser Depesche mitteilt, General D e g o u t t e und T i r a r d dem, Ministerpräsidenten P o! n c er t c m itgeteilt, daß sie von einer Aenderung des Regimes in dm besetzten Gebieten, wie sie die R-ichsregierung verlange, entschieden ab rate. .Dieser Entschluß der französischen Kommandanten im R-^iÄänd wird, daran' ist nicht zu zweifeln, für die f r a n z ö fisch e Antwort an Berlin aus schlaggebe md fein. Antrag der Sozialdemokraten auf Aushebung der BrlaaeruuzsrvftanW. Berlin, 31. Deze-mber. (Tel. d. „Wr, M'wen- Mtung".) In der am 3. Jänner stattfindenden ersten Plenarsitzung des Reichstages wird die fozialdemokratische Fraktion einen Antrag auf Aufhebung - e S B e t e r u n gs z u p a n de S,MW«gW5 Die demo kratisch e P arte i «nd ein Teil des Zentrums haben -ie Neigung, den Antrag zu unterstützen. Auch r n n e r h a 1 bder Regierung scheint sich die Auffassung zu verstärken, daß die früheren Boraussetzungen für die Fortdauer des Ausnahmszustandes in der Hauptsache jetzt weggefallen sind, seitdem die Wirtschaft «nd die Wahrung ein« Beruhigung «nd Stärkung erfahren haben. Zftnf Todesurteile in rontumaciam. Aachen, 30. Dezember. (Haoas.) Von dem hiesigen Kriegsgericht sind die Angekgaten Menzel und N e u h a u s e r ivogen Eisenbahnsabotage. zu; lebenslänglicher. beziehungsweise fünfzehnjähriger Zwangsarbeit verurteilt worden. Ein dritter Angeklagter namens Schwager erhielt ein i Jahr Gefängnis, der vierte wurde freigesprochen. Wegen , desselben Deliktes wurden fünf weitere Ange- . klagte in contumaciam zum Tode, vier zu. Zwangsarbeit von verschiedener Dauer und einige andere i zu Gefängnisstrafen verurteilt. Protest Englands gegen die RL-rnngrkredite Frankreichs a« die Nachfolgestaaten. Berlin, 31. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgrttzeiiung".) Wie der „M o n t a g sp o p" aris 8 o « d o n Lerichtet wird, hat Lord Curzan in den Hauptstadtm Mitteleuropas und der Balkanstaate« gegen die von Frankreich an Polen, Rumänien und Jugoslawien gewährten Kredite f ii r W a s f e n u n d M unition Protestfchritte unternehmen lassen. Wie „Evening Standard" ausführt, wird dieser Protestschritt damit begründet, daß diese Staate» noch mit Rückzahlungen der diesen Staaten wahrend des Krieges gewährten Krediten überlastet find und sich außerdem diese Staaten . auf Grund der Friedensvertrage verpflichten mußte», einen Teil der Schulden der früheren ststerrerchisch-ungarischen Monarchie zu bezahlen, ohu« daß bisher eine bescheidene Zahlung erfolgt sei. Das Blatt meint, daß dieser englische Schritt ohneFühlungn a h ui e mit Frankreich erfolgt ist. Mechs-slokoakischer Antrag ans BrMmutng Ses denMe» Wronstrdlze» nach Kocht. . Prag. 31. Darüber. Die ischechrfche Presse schlägt vor. rrn beut schon Exkwuprinzen nach Korfu zu d er b a uu c n. ES wäre augezcigt, der deutschen Regierung, die durch dk, Attwcseicheü, des Exkronprinzen in Deutschland hi eine tut* mgenehnre Lage gebracht wurde» aus dieser dadurch zu helfen. baß die Großmächte den Exlronpr'nzen aus die ehemalige Br--- sivung des deutschen Kaisers in Kosiu einlatzeu würden, um ihn dort „board and residence" zu geben. Es ist nicht ausgeschlosfeit, daß eine solche Einladung angenommen werden würde. Lob Seipel« durch den Papst. Rom, 80. Dezember. Derösterreichische Gesauidtc beim Vatikan, Dr. Pastor, ist heute vom Papst in Audienz empsaugen worden, um die Neujahr Zw uns che der österreichischen Regierung zum Ausdruck zu bringen. Der Papst erwiderte. es freue ilm sehr, zu böven, daß es in Oesterreich immer mehr a ü f w ä r t s gehe, alle Berichie,die er bekomme, stimmten darin überein. Das ist, sagte der Papst, das H a n p t v e r d i e n st des Bundeskanzlers Monsignore Doktor Seipel. Einen Atann, der seine Pflicht so treu erfüllt, muß , der Segen Gottes siegleikn. Brnlzelor auf der Fahrt nach Griechenland. Marseille» »ft $e;emVt. (Havas.) Ve «izsloS hat sich nach Griechenland er« geschifft. Tvd de« franBstschen GenerMabscheft. Paris, 30. D'wmber. (Havas) Der Cbcf des Gi'tteralstades Genera! A u a t ist heute nachts gestorben. Brrat rvar vor zwtt Tagen w.'gru eines Darmkrebses operiert worden. Paris, 30. Dezember. (Hn>as.) Dem Chef des Geueralstadrs General Bueit und dem Kommandanten der höheren Krieas'chule Genera! D e b e n n e y ist das Grotzkreuz der Ehrenlegion verliehen worden. Lagesbericht. Verhaftete Raubmörder. Gestern vormittags hat die Wiener Polizeibehördt zwei Raubmörder verhaftet, die Mitte dieses Monats in Kärnten ein gräßl'ches Verbrechen begangen haben. Am 16^'d. M. um 10 Uhr vormittags waren auf se?n>em Auwssen, - dcnr „-Hoflinger-Hof" in der Ortschaft Techadam. irr der Cemrinde Pulst in Kärnten, der Wirtschastsbesitzer Aldis 'Ra u t e r und seine Tochter Gabriele ermcrdet aufMumden worden. Der Lokalaugsnschein hatte ergeben, dätzein R a u b m o r d. der in b e st i a l i s ch e r W e i s e ve.rübt wtrden ist. vorlag. Vater und Trchier war mit der Schn ei de feite einer Fleischerhacke der Schädel eingeschlagen worden. Die Beute, die die Täter gemacht hatten, war verhältnismäßig gering: an barem Gslde etwa eine Million Kronen, dann ein Khakiänzug und ein schwarzer Anzug. Die Umstände sprachen dafür, daß der Raubmord schon am Abend des 15.- d. M. begangen worden ist. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich gegen zwei junge Burschen, die im Wiener. Dialekt gesprochen^ und sich in der Gegend herumgetrieben hatkn. Die Gendavinene nahm die Nachfor'"^«»^ auf, und der Rahonsinspektor der Gendarmerie Rud.-lf P ey e ri mel-- i bete, daß er am 3. d. M. auf der Skvaße von Kathal bei MeißeErchen zwei -Burschen zur Kontrolle angehalten s habe, die angegeben hatten, sw kämen von Dien, und j glktzeu^ m b$t Richtung des AgvLnttvbes. um "in der ■ Gegend von St. Beit an der Glan beim WirtschäftsLesitzer i Ra über Arbeit'zu i suchen. Der eine hatte sich als der {■• Hilifsarbeiter Rrrdölf Fuchs.'am 1. August 1904 zu Wien geboren, der andere als der Backergehllse Franz Etil, i am 17. Juni 1904 zu Wien geboren, legitimiert.; Da die Persans besch reibuug. die man von den Tätern hatt-e, atrf sie paßte, war der Verdacht gegen die beiden! jungen Burschen bekräftigt. Die beiden Burschen waren ans der Gegend verschwunden. Es wi'rde festgcstellt, daß F u ch s sch-n einen Monat zuvor bei R a u t e r gearbeitet hat. so daß er die V e r h ä l t n i s s« i n d e m e i n s a m e n Anwesen genau gekannt haben muß. Weiters würde erhoben, daß Fuchs zu Anfang des Jahres durch längere Zeit sich in Villach arbeitslos Herumgetrieben hat und am 23. Februar auf dem Schubweg in seine Heimat nach Wien befördert worden war. v Diese Ergebnisse der Erhebungen wurden dem Wiener Sicherheitsbureau b'-kanntgegebeit. Es ordnete auf telegraphischem Wega die Verfolgung der. beiden Verdächtigen au. Hier wurde erheben, daß Fuchs als landwirtschaftlicher Gehilfe in Königsbrunn gearbeitet hat und daß E. t 11 seit Anfang Dezember d. I. a u s W i e n flüchtig geworden war. Er hätte eine wegen Diebstablsteil-nabme über.ihn' verhängte viermonatige Kerkechvase abbüßen sollen, und war. um ihr zu entgehen, geflüchtet. Vom Elternhaus war er, der schon im Jahre 1918 mit drei, Wochen Verschließung bestraft worden ist, wiederholt wegge wiesen worden. Durch langwierige Erhebungen wurde ermittelt, daß sich die beiden jun-^en Burschen nach Wien begeben haben und daß sie sich ist' Hernals herum treiben sollen. Mit um so größerem Nachdruck nahm das Sicherheitsbureau die Verfolgung auf. und gestern vormittags wurden die freibe» Raubmörder an verschiedenen Orten, aber durch Zufall, knapp hintereinander verhaftet. Zuerst wurde Fuchs festgeuvmmen. Der Sicher» hei'tsivachebeamt'e I n s ü h r hatte in Erfahrung gebracht, daß er sich in der Umgebung der Hcrnalser Hauptstraße aufzuchrlten pflege. Tatsächlich wurde Fuchs vom Kriininälbeamten Hocke am Vormittag auf der Hernailfer Hauptstraße erkannt und verhaftet. Wenige^ Minuten später gelang es den Kriminalbeamten Ullrich und Heud r i'ch auch E t t l auf dom Hernalser Gürtel ftstzumhmen. Beide wurden nach ihrer Verhaftung einvernomnren. ^uchs legte sofort das Geständnis ab. den Raubmord begangen zu haben. Er bezeichnetr auch ausdrück'ich E t't'l als seine.« Mitschuldigen. Er machte nur die eine Einschränkung, daß die geraubte Sumune nicht eine Million, sondern nur 300.000 Kronen betragen habe. Einen de« geraubten Anzüge hatte er am 2e ib*. Ettl hat bei der Einvernahme die Verübung veß Rsttlbnr-ordcS in Abrede gestellt. Er will vorläufig von der Tat nichts wissen und bezeichnet die Behauptung F u ch S als erlogen. An stiner Schulz ist aber nicht zu zweifeln. Beide Burschen wurden ins SicherheitSbureau bracht und werden nach Abschluß der polizeilichen Erhebnngeü den Kärntner Gerichtsbehvrden überantwortet werden^

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