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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-16 · Heft 1737 (16.12.1923) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1737 (16.12.1923)
Date
1923-12-16
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Beite 10 Wien, Sonntag Mlsches Symphoniekonzert in Pretzburg. Gastkonzert des Hakoah-Orchesters und des Wiener jüdischen Gesangvereines. lieber Einladung des hiesigen zionistischen Vereines Ahavat Zion, der bereits durch eitle große Reche jüdischkultureller Veranstaltungen die Aufmerksamkeit des jüdischen Publikums auf sich gelenkt Hai, sowie des rührigen Sportklubs Makkabäa fand im grössten ^aale Preßburgs das Konzert des Wiener Hakoah-Orchesters lmd des Wiener jüdischen Gesangvereines unter persönlicher Leitung des Herrn Prof. Braslavsky und Mitwirkung des Herrn Oberkantor Gerson M a r g u l i e s statt. Nach Uebevwiudung zahlreicher technischer Schwierigkeiten gestaltete sich der Abend zu einer jungjüdischen Kulturarbeit. Die Wiener Gäste wurden am Bahnhose von Devutationen des Ahavat Zion, Sportklub Makkabäa und des Haschomer empfangen und durch Herrn Dr. Oskar N e um a n n namens des Arrangementkomitees auf das herzlichste begrüßt. In der Redoutenbar fanden sich sodann die Gaste zu einer gemütlichen Jause zusammen, zu welcher die Damen des Sportklubs Makkabäa und Ahavat Zion das Gebäck beigesteuert hatten. Nach der Begrüßung seitens des Präses der Makkabäa, Herrn Dr. Reiß, ergriff namens der Zionisten Preßburgs Herr S. Komlosj das Wort. Seine aus tiefstem Herzen kommenden Worte der Begrüßung, welche in geistreicher Weist an die drei Formen der Musik, die Musik der Worte, die Musik der Töne ><ud die Musik der Seele, anknüpften, und darin gipfelten, daß die zu erwartende Musik der Worte und der Töne in uns sicherlich jene höchste, innere Munk, die Musik der Seele, auslösen werden, weckten einen starken Widerhall und das Gefühl innerer Zusammengehörigkeit. Namens der Gäste antwortete zuerst Herr Felder, welcher ausführte, daß mit diesem Konzert auch ein Herzenswunsch der Wiener erfüllt werde. Mit dem vom jüdischen. Gesangverein dorgetragenen Bundeslied schloß die nachmiltägige Begrüßungsfeier. Vor dichtbesetztem Saale, unter Teilnahme aller Kreise der jüdischen Bevölkerung, fand das Konzert am Abend statt. Mendelssohns melodiöse Symphonie Nr. 4, A-Dur, sehr sauber und mit viel Hingabe gespielt, leitete die Stimmung der Zubörer allmählich zu jenen interessanten und seelenvollen Schöpfungen Braslavskys über, welche den Kern und Gipfelpunkt des Konzertes bedeuteten, und durch das diszivlinierte Zusammenwirken von Orchester. Chor und Solokräften auch bewiesell. auf welch hohem, künstlerischen Niveau sich bereits die beiden jungen Verbände befinden. Braslavskys Psalm Nr. 118 läßt an manchen Stellen etwas vom Pathos der Propheten spüren. Die Aufführung dieses Psalmes, dessen Fortissimi die Seele wirklich in die Höhen prophetischer Gottessehnsucht emporwirbelten, war hervorragend. Die Solopartien fanden durch den herrlichen Tenor Margulics würdigste Interpretation. Ent- * zückend wurde die Paraphrase über ein jüdisches Volkslied gespielt, packend der „Bar-Kochba-Mcrrsch" nach Goldfaden. Interessant und an die Moderne anlehnend Braslavskys Ouvertüre D-Moll. Zum Schlüsse der wuchtig aufragende Psalm Nr. 30, nicht von der Dynamik des Psalmes Nr. 118, aber voll heimlicher Feinheiten. Braslavskys stürmendes Temperament sucht nicht nach Ursprüngen. Es sucht Verwirklichungen der jüdischen Seele, ohne um jeden Preis an das Gestern anznrnüpsen. Vielleicht ist das ein Mangel. Wir bäben trotzdem den .Hauch jungjüdischer Kunst gespürt. Der stürmische Beifall wurde mit Lewandovskhs Psalm Nr. 10, instrumentiert von Braslavsky, quittiert. Nach Schluß des bis in die späte Nachtstunde währenden Konzertes versammelten sich Gäste und Gastgeber zu freundschaftlichem, gemütlichem Beisammensein unter Gesang und Tanz bis in die frühen Morgenstunden, die die junge Künstlerschar wieder heimwärts rief. Dr. N—n. Festvorstellung in der Jüdischen Bühne. Mittwoch den 19. d. findet in der Jüdischen Bühne, 2. Bez., Taborstraße, Hotel Stephanie, eine Festvorsteltung statt, veranstaltet vom Hilfskomitee. Zur Aufführung gelangt die bekannte historische Operette „Akedas Jizchok". Der Reingewinn fällt zur Gänze unseren notleidenden Brüdern in Deutschland zu. Schon mir Rücksicht auf diesen Zweck wird um zahlreichen Besuch gebeten, starten sind erhältlich bei I. Pinkas, 1. Bez.. Heß gaffe 7; 11. Grünberg. 1. Bez.. Judsngasse 4; Menorah-Derlag, 2. Bez., Heinestraße 14; Modehaus Borenstein. 2. Bez., Hollandstraße 10, und -bei der Tages- und Abendkasse. Hedi Geroldt spielt im Konzert des Wiener Frauen- Symp hon ieor che st er das Klavierkonzert von Mozart in C-Moll Dienstag den 18. d. im Neuen Saal der Hofburg. Dirigent: Julius Lehnert. Hakoah-Orchester. Am 17. d., 7 Uhr abends, findet im Neuen Saale der Hofburg ein Kammerkonzert des vollständigen Hakoah-Orchesters unter der Leitung des Herrn Professors S. Braslavsky und Mitwirkung von Frau Dr. Lotte Meczes (Gesang) und Frl. Jlka Steiner (Klavier) statt. Programm: Händel: Concerto grosso, G-Moll; Mozart: Klavierkonzert, vl Dur; Dr. E. Münz: 3 Lieder mit Streichquartett; Haydn: Synphonie Nr. 27, D-Dur (Londoner). — .Karten von 6000 bis 25.000 K. im Sekretariat der Hakoah, 1. Bez., Miesinger« straße 11, und Buchhandlung Löwit, 1. Bez., Rotenturmstvaße 22. Der IM. Geburtstag Josef Israels. Am 27. Jänner 1924 begeht Holland den loO. Geburtstag seines großen Malers Joses Israels. Im Haag wird eine große offizielle Feier vorbereitet. auch die Gebuvsstadt Israels, Groningen, rüstet sich einer solennen Feier. Im Rahmen der Feiern werden Kollektivausstellungen der Werke Israels stattfinden. Die Zionisten Hollands werden den Namen des Verstorbenen jüdischen Künstlers, der ein Anhänger des zionistischen Gedankens war, in das goldene Buch des Jüdischen >l..iiie.ialstnds eintragen lassen. Wiener Morgenzeitung. DOROTHEUM Versteigerungs-Einteilung fT^aV 27, 28., 29. XII. Pretkisen im Franz-Saal. TägllchGebrauohigeoenrtKn<le im Ludwtatorff-, Rössler- und Kolowrat-Saal, am 17., 10. u. 20. XU., auch im hranzSaal und speziell Mo den 17. XU. K-ndersploIzeug, Operngläser, Photoapparate, Mo 17. bis Do 20. XU Spezia Bilder; Dllö.XII.SchöneWische, i^elze, Perserteppiche, Kleider, Nähmaschinen, Fahrräder; Mi 19. Xll Photoapparate, Ferngläser, Schreibmaschinen, Reisszeuge; Fr 28. XII. Jagdwaffen, Fahrräder, Sattelzeuge, Pelze im Ludwigstorff-Saal. lauktlon der luwelenabteilung Prunk- Silberschatz Brillanten Do 20 XU. Sohönet Moilibar, Perserteppiche, Oemälde, Kunstgewerbe im Franz Jostf-Saal; Di 18 XII. (Wolhnaohts-Auktirn) und jeden Fr im Hoch-Saal, Sa 29. XII. im Uechau-Saal: Kunst- Bewerbe, Oemä de, Teppiche, Antiquitäten; jeden Di und Fr Möbel, Luster. Bilder, Hausgeräte im Olashof. Mi 19. bis Sa 22. XII., Welhnaohts-Büoner Auktion. Fr 28 , Sa 29. XII Btioher ausser Katalog Im Eminger-^aal: Mo 17., Di 18 . Mi 19. Fr 8. XII. Briefmarken, VI., Mariahilferstr. 73. Fr 21., Sa 22. MI. Autographen-Auktlon im Dechau-Saal. Di 18 bis Fr 21. XII. Weihnächte Auktion der Kunstahtellung: Gemälde, Miniaturen. Aotiqui- und Perlensohmuok. Präzisionsuhren im Karl-Saal täten, Olas, Porzellan, Kunstmobillar, Aubussons Im Kunst* auktlons-Saal. Di 18. Xll. 470 Flaschen Schaumwein Töricy Reservö Und Chateau Cllry, ferner diverse Flaschenweine und Liköre im Franz-Saal. Mi 19. XII. Technische Auktion: Autos u. Bestandteile, Maschinen, Wagen, Werkzeuge, Armaturen, Messapparate, VII1., Feldgasse 6. Mo 17 bis Do 20. XII., ‘/,3Uhr nachm : Schönes Mobiliar, Bösendorfer-Flügel, Persertepplcho, Gemälde, Miniaturen, Silber- ». Chinasilber, Bronzen, Japonika, Ziergegenstände im versteierungs-raal Margareten, V., strohbachgasse S. Täglich Schaustellungen ab 1 Uhr Beginn der Versteigerungen ab 3 Uhr Näheres durch die „Mitteilungen“ und „Nachrichtenblätter Eine Knnstzeitschrifl der Moskauer „Habimah". Im Verlage der Direktion des Moskauer hebräischen Theaters „H a b i m a h" effcheint ab 1. Jänner 1924 eine Monatsschrift, welche den Kunstbewegungen des Ostens, mit besonderer Berücksichtigung der Kunstbestvebungen der nationalen Minderheiten, gewidmet sein wirs. Das Blatt wird in hebräischer und russischer Sprache erscheinen. Als Mitarbeiter werden , u. a. der bekannte Kunstkritiker A. L. Wolinski, Luna« 'tscharski, Stolin, Rabindranat-Tagore und dessen Sohn genannt. Der Kammersänger Pattiera mußte sich einer kleinen Naseuoperation unterziehen, die Herr Professor Epstein auSführte. Die Heilung wird nur wenige Tage in Anspruch nehmen, so daß Herr Pattiera in Kürze wieder am Operntheater auftreten wird. Die für Montag den 17. d. mit Herrn Pattiera angesetzte Vorstellung ,pOthello" muß daher unterbleiben und es wird an diesem Tage „Madame Butterfly" zur Aufführung gelangen. Dienstag den 18. d. wird im Operntheater zu besonderen Preisen „Aida" mit den Damen Vera Schwarz ä. G., Anday, Pirckhoff und den Herren Slezak, Groenen, Manowarda, Norbert, Wernigk aufgefuhrt. Frau Anday singt in dieser Vorstellung zum erstenmal die Partie der Amneris. Musikalische Leitung Herr Rerchenberger. Anfang 7 Uhr. Rarumvd-Fekr in der Urania. Anlloßkich der Hundertjahrfeier der Ensta-ichsWhrung des Raimundschen ,^-ar-mnetermachers auf der ZauderinsÄ" findet Mittwoch den 19. d. um halb 8 Uhr adends i>m Großen Saale der Urania Mit Feistaufführung des Vortrages ,Hevdinanid Rmmuüd" von Fritz StwberMrncher statt. Es wirten Dr. Joises Bergauer und Blanka Glossy mit. Aus de» Theatern. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr. „Penthesilea". Dienstag, 7 Uhr, „D e r T e u s e l S s ch ü l e r". Im Redoutensaal. Sonntag den 16. d., y9S Uhr abends, Ballett-Soiree. Donnerstag den 20. d. *C o s i f a n t u 11 e“. Deutsches VolkStkieater. In Aendernng des Spielplanes wurde für Dienstag den 18. d., '/,7 Uhr, „D o n Carlos" mit Alexander M o i s s i als Posa angesetzt. Der Kartenverkauf für die Freitag den 21. d. stattfindende Erstaufführung von Gerhart Haupt manns dramatischer Phantasie „Der weiße Heiland", welcher der Dichter beiwohnen wird, beginnt heute. In den K a m in e r s v i e l e n findet das erste Auftreten Uvette Guilberts Mittwoch den 19. d. nicht wie ursprünglich geplant um 10 Uhr nachts, sondern um 7 Uhr abends statt. Die für die Nachtvorstellung gelösten Karten behalten für die Abendvorstellung ihre Gültigkeit. Um 10 Uhr nachts geht Tristan Bernards Schwank „Der Hühnerhof" mit Herinann Thimig in Szene. In den K a m m e r s p i e l e n findet Donnerstag den 20. d. die deutsche Aufführung der Komödie „Mein Vater bat recht gehabt" (Mon p6re avait raison) von. Sacha Guitry mit Hugo und Hermann Thimig in den männlichen Hauptrollen statt. x Carl-Theater. Heute, 7*8 Uhr nachmittags, die Lanner-Sternsche Operette „A l t -- W i e n". 7 Uhr abends „G l ü ck b e i F r a u e n". Im Theater an d e-r Wien veranstaltet die Direktion am 31. d. eine Nachtvorstellung unter dem Namen „S i l v e st e r n a ch t bei K l e o p a t r a". Sämtliche Wiener Theater werden mit ihren hervorragendsten Mitgliedern vertreten sein. Der Vorverkauf beginnt Freitag den 21. d. Vormerkungen werden ab heute in der Direktionskanzlei entgegen genommen. Im Lustspieltheater wird die Schwanknovität „D e r N a ch t p o r t i e r v o m M a x i in" (l> Chasseur de chez Maxim) von Mirande und Gervule vorbereitet. Raimund-Theater. Heute und morgen verabschiedet sichWilly T h a l l e r, der eine Berufung ans Burgtheater erhalten hat, in dem Schwank „Zwei glückliche Tag e". Den Toni Freisinger spielt Anton Ebthofer. Dienstag den 18. d. beginnt Max Pallenberg setne Tätigkeit in Swobodas Lustspiel „Die Dampfmaschine". Apollo t.heater. Heute, 3 Uhr nachmittags, zu ermäßigten Preisen „Der f i d e l e B a u e r". ' Abends 7 Uhr „D e r s ü ß e K a v a l i e r" von Schanzer und Welisch, Musik von Leo Fall. An den beideu Weihnachtsfeiertagen ist die Johann Strauß'sche Operette „D i e F l e d e r m a u s" fiir nachmittags angesetzt. Der Vorverkauf hat an den Kassen des Apollotheaters begonnen. In der I ü d i s ch'e n B ü h n e, 2. Bez., Taborstraße 13, gelangt morgen Montag um J/,8 Uhr abends im Rahmen einer Sondervorstellung der mit großem Beifall aufgenammenen Schwank „In der Sommerfrisch e" zur Aufführung. Wenige restliche Karten an der Theaterkasse erhältlich. 16. Dezember 1923 Nr. 1737 Salta Wirt. Gestempelte Krone ----- 0.11081 ßentimes. Auszahlung Wien --- 0.008078 Eentimes. In Zürich notierte 15./12. 14./12. die österr. gestempelte Krone .... 0.0081 — die österreichische Krone. 0.008075 0.008075 die tschechische Krone.16.79 16.75 die Mark ...... pro Milliarde — Holland.219.— 219.12 Rew-Aork. 573.75 573.75 London. 25.08 25.08 Paris. 30.45 30.55 Mailand . 24.92 24.92»/, Belgrad. 6.49 6.50 Bukarest. — Sofia . 4.— 3.90 Budapest. 0.0302 0.0303% Warschau. — Börsenideologie. Man mag den Charakter der Börse noch so genau studieren, mag aus einzelnen Erscheinungen Gesamischlüsse zu ziehen versuchen, immer, oder besser gesagt, fast regelmäßig treten Momente ein, welche alle Berechnungen über dm .Haufen werfen. Dies äußert sich im Börfewjargvn in den einfachen Worten: au der Börse ist es immer anders als man evwartet. Es liegt etwas mehr darin als ein gewöhnlicher Ausspruch. Ein Erfahrungssatz, der zum Allgemeingut geworden ist und deswegen auch der Bövse und den auf ihrem Parkett Agierenden den Charakter von „Spiel und Spielern" verliehen lzat. Vielleicht beruht dies auch daraus, daß -das Wesen der Börse trotz aller Präzision des Studiums nicht vollkommen erfaßt ist, daß die psychologische Reaktion der Massensuggestion, wie sie sich im Börsensaale und seiner Umgebung äußert, noch nicht in dieser Genauigkeit erkannt ist, als es zur gründlichen Kenntnis notwendig ist. Gerade so wie noch keine mathematische Berechnung dem Roulettespiel Monte Carlos den Hasardcharakter nehmen konnte, so dürfte auch keine noch so fein angeklärte psychologische Begründung das Wesen der Börse so zergliedern können, daß ihr tatsächlich der Charakter des Spieles genommen wird. Die Ungewißheit über ihre Gestaltung in den nächsten Stunden ist ihr hervorstechender Grundzug. Erst ht der letzten Woche wurde wieder ein Beispiel für die Berechtigung dieses Ausspruches geboten. Als der Pvststveik ausbrach und der Verkehr ^mit dem Auslande und der Provinz vollkommen unterbrochen war, als sich jeder automobilfftische Relaisverkehr als Nachrichtenersatz vollkommen unfähig er-wies, diesen Mangel zu ersetzen. Da wurde bei der Ankündigung dieser Maßnahme bk Befürchtung laut, die Börse werde die begonnene ErhÄung in ihren Kursen wieder einbüßen. Tatsächlich war aber die Börse gerade an diesen Tagen fest. Auf manchen Gebieten fester als es ohne Unterbrechung des Verkehrs vielleicht gewesen wäre, trotzdem nicht einmal das lokale Publikum imstande war, seine Orders anfzugeben. Eine zweite Abnormität: Als der Poststreik zn Ende war und logischevweise die Börse günstig darauf reagieren sollte, machte sich am Freitag plötzlich eine ungünstige Stimmung bemerkbar. Ursache? Die starke Geldknappheit, die sich plötzlich äußerst fühlbar machte und den Reportsatz aus das Dreifache emporschnellen ließ. Der allzu große Umfang des Börsengeschäftes war sicherlich nicht die Ursache dessen. Schließlich hatte das Geschäft infolge der vergangemn Streiktage unmöglich allzu große Ausdehnung annehMen können, die eine solche Verknappung des Geldmarktes heworzurusen iinftande gewesen wäre. Wahl waren nicht die Geldnüttel für die ausgeführten Orders aus der Provinz und dem Auslande eingetrosfen. Dies hatte selbstverständlich eine gewisse Verminderung der Geldmittel zur Folge haben müssen. Andererseits aber zeigt gerade der letzte Ausweis der Nationalbank, der allevdings die Verhältnisse -einer Woche vorher widerspiegelt, daß ihr EskomptePortefeuille merklich zurückgegangen ist und auch der Geldumlauf eine starke Abnahme erfahren hat. Jahresschluß und Weihn-achtsnähe begründen wohl ein größeres GeMedärfuis. Doch hätte sich dies viel eher auf anderen Gebieten der Privatwirtschaft äußern müssen als gerade an der Börse. Die Privatwirtschaft aber scheint nicht einen solchen Mangel empfunden zu haben. Wenigstens erklärt es die Nationalbank, deren Mittel auch in dieser Woche nicht allzu stark in Anspruch genommen waren. Nieniand hätte also eine so furchtbare Verteuerung erwarten können als sie tatsächlich eingetroffen. Vielleicht hat hier ebenfalls die Psychologie der Geldgeber mitgeiwirkt, die einerseits zurückhaltend ivaren, weil sie künstlich die Geldknappheit verstärken und dadurch den Zinsfuß vergrößern wollten, andererseits die Mißstimmung mancher Kapitalistenkreise über den ausgebrochenen Streik. Sie legte sich allerdings sofort, als der Reporffatz 1,75 Pro« zent betrug und einen Massenzustrom von Geldern aus alten Ecken und Enden verursachte. Normal kann man einen solchen Zustand des Geldmarktes ilange nicht nennen. Sei dem wie auch immer. Es Ist möglich, daß sich eines daraus schließen läßt: Die Konbernnne hat abgegrast. Die Kurse ha>ben vielleicht in der vorletzten Woche ihr tiefstes Niveau erveicht. Nun sind alle Momente dafür gegeben, daß jetzt wieder die Reaktion auf pie Baisse eintritt, wie Umwertung, günstige Dividenden, Lösung der Reparationsfrage, günistigere Beurteilung der Politischen Weltlage usw., usw. Diese Momente haben sich ausKNWirten begonnen trotz der Behinderung des Verkehrs. Doch -ögeittch, Witz solche Kelwegiungen m Malta immer

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