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Wiener Morgenzeitung · 1923-12-04 · Heft 1726 (4.12.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1726 (4.12.1923)
Date
1923-12-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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^fettet? MorqenzelruifA Me«, Dienstag -7-L.^ iü Die Generalversammlung der Hakoah. Eine Resolution von weitlraflender Bedeutung. Die IahreSversammKmo der Hakeah, die sich auf zwei Tafle erstreckte, nahm einen überaus würdigen Verlauf Der größt« jüdische Sportverein hatte die Genugtuung. daß die Pro- , minentesten Wischen Führer an der Eroffrmnfls-sißuwa, die am Samstag um halb 6 Uhr abends im Saale des Niederöster« rcichischen Gewerbe-vereinö begann, Teilnahmen. Do bemerkt« man als Vertreter des Zionistischen Akt ionskonnteetz den Präsidenten Sr.' Ehrwi'ivden OberraMner Prof. Dr. Chajek, als Vertreter der Kultusgemeinde feen Präsidenten G.-O.^Dt. Prof. Dr. Pick, als Vertreter der Zionistischen Partei den Präsidenten Oberbaurat Ing. Stricker und den Bizeprüstdeuten Doktor Löwenherz, ^als Vertreter der Union dentschösterveichiischer Inden den Sekretär Me sicher. Wort-rS waren erschienen: Doktor Arnold Aschr, Baurat Dr. DM8. Dr. Jakob Ehrlich, Generaldirektor Ing. Flach, Iirg. Feilendarf. Direktor Kantor, Direktor Marmorstein. Di'. Valentin RosenfeV). Konrmerzialrat Rosenzweig. Architekt Schallmfler, M. Oesterreicher, Doktor Trcho rmd Besirlsra^ Weiner. Nach der Bearüßung durch den Präsidenten des Vereins Dr. Mrner, erariff Frau Tlnitta Müller-Eolben das Wort und behandelte in fesselnder Form das Thema: „Die Iu.den und der Sport". R icher Beifall belohnte die glänzende Rednerin. Anschließend darqn verstand es Herr Dr. Rahmn Goldmann, die Zuhörer durch seine geistig tiefen AMnhrungen zu fesseln. Herr Dr. Nahum Goldmami erklärt«, daß er zum ersten Male in seinem Leben vor vierzehn Tagen einem Fußballspiel beigewohnt hatte, bei dem di? jüdische Hakoah den SPoriLlub Hertha bosiegt«. Er erblickte in diesem Kampf mehr als eine sportlich« Tat., Elf iüdi'che Jungen erlebten es, daß sie aus sich selbst angewiesen waren und von keiner Seite eine Hilf? zu erwarten hatten. Der Ball war ihr Schicksal und ihn mußten sie ins gegnerische Tor treiben. Aus sich selbst gestellt, gelang es diesen elf sungen Juden, ihrer Ausgabe voll und ganz'gerecht zu . werden» und dies bezeichnet« der Redner als ein Erlebnis von nachhaltics'-'r Wirkung. Das gesamte iüdische Volk, das in den Zeiten seiner Diaspora immer-auf MoMas aehosft hat und es nie zuwege brachte, sein Schicksal selbst zu bestimmen, mfcft aus feem Beispiel, das ihnen die elf Juden gegeben haben, die .Lehren ziehen. Der Zionismus hat erkannt, daß wir unser Schicksal selbst bestimmen müssen. Sir haben ebenfalls von keimr Seit« Hilfe zu erwarten und nur unserer eigenen, unermüdlichen Tätigkeit ist es zrrzuschoeilben, daß di« Balfour« Deklaration das Licht der Welt erblickte. Leider müssen wir aber in dw zionistischen Bewegung gerade setzt die so notwendige Energie vermissen. Die Juden verfallen wieder in ihre, alten Fehler und wiegen sich in Sicherheit, da die Realisierung Sr3 zionistischen Gedankens Zeit ha>be. Diese Ansicht ist aber gänzlich falsch, und wir müssen uns darüber klar werden, daß der Zionismus in den nächsten zehn Jahren ein positives Ergebnis zeitigen muß. In der zionistischen Bewegung fehlt das Tempo unld der Redner erwartete gerade von den Sportsleuteu Verständnis für dies'»:.Mangel. Er forderte sie deshalb auf, unermüdlich für die B-erwirkkichmrg unserer Lebensaufgabe tätig zu sein und gerade so wie aiilf d?m Fußball frlde auch im Leben ihr Schicksal selbst zu bestinrnren, ohne irgend welche Unterstützung zu erwarten. Di? Haikoahner folgten mit atemloser Spcrmruua den aläirzenden Ausführungen- und dankten dem Redner mit frenetischem Beifall. An, Sonntag um 9 Uhr vormittags wurde die Generalversammlung fortgesetzt. Herr Dr. Felix erstattete den Kassebericht und anschließend daran gab der Revisor Herr Buchsbaum bekannt, daß die Bücher ovdmmflsgstnäß geführt wurden. Nach der Genevaldebatte wurde der abtretenden Leitung das Absolutormm erteilt. Am Nachrnittag gelangten die einzelnen Anträge zur, Verlesung. Am interessantesten war eine Eingabe. die die Zurückziehung der Fußballmannschaft aus der Meisterschaft verlangte. Die darauf,folge"!-? Debatte wurde rein sachlich und leidenschaftslos geführt. Man verschloß sich nicht den Schwierigkeiten, die sich der Absicht, die Hakoah an der Meisterschast nicht mehr tellnehmen zu lassen, en-dpegenstellen I würden,, trotzdem wurde einstmimia der Ansicht Ausdruck verliehen, sich in Hinkunft Terrorakte von keiner Seite mehr gefallen zu lassen. Sollten sich ähnliche Ereignisse, tote in manchen Herbst spie len. crsianeu. dcckn haben die Fußballer das Recht, eine „außerordentliche Geucralversammln-ng, die sich mit der Zuri'lckziehung der Kanrpfmannschaft auS der Meisterschaft zu befassen hat. einzuberufen. Schließlich wunde folgende Resolution eiustimmia gefaßt: ' „Die Generalversammlung spricht der Fußballsektion für ihr mannhaftes Auftreten für die Farben des Sportklubs Hakoah Dank, und Anerkenntnis aus. Die Generalversammlung ist sicher, daß die Leitung der Fußballsektion im Falle, daß sich die Ereignisse der letzten Zeit wiederholen sollten, wissen wird, welch? Maßnahmen sie zu ergreifen hat." Nun wurden die WM«n Vorgvnommen, die folgendes Ergebnis zeitigten: Präsident: Dr. I. H. Körner: Dizepväsioenten: Ing. Ackermann, Deszö Herbst, FÄir BÄiaxe; Kassier«: Dr. Felix. Direktor Bund; SchvWühver: Dr. Rofenvlakt. GoMän.fl: Bertr?t.er m'der Ziön-isiischen Partei: Földes; KlubanwaltDt. Menkes; Beisitzer: Dr. Buxbaum. Schön, Direktor Spiegler; Revisoren: B-uchsü-annr, Schuber, Hirfchfew. illach der Wahl des Disziplinarausschusses wurde einstimmig der BeMnß gefaßt, ein G'lückwirnsLtelegramur an den großen zionistischen Führer C. H. Meizmarm. anläßlich seines 50. Geburtstages abzusenden. Wärters, wurde beischlossen, daß die Mitglieder außer Schekel und Parieist euer auch eine Kopfsteuer, für den Nationalfonds avzufi'chren haben. Zwecks Beriniverlichung der Erziehungsarbeit l-abin di« eiMlnen Sektionen, Res ' reuten für die Zionist Mrn Arbeiten zu bestlmnien. Diese Referenten,haben rin Einvernchmen mit Herrn Földes ihre Propagandatätigkeit zu entfalten. Die würdig verlaufene Gmerawersammlung übte auf sämtiliche TeÄrwhnver einen nachhaltigen Eindruck aus. Nachträgliches zum Wettspiel Hakoah (Wen) gegen Slavia. Die Hakoathner haben iit Prag außerordentlich gut gefallen u-nd sämOichr KriMen über ihr Späc>l find voll vom Lobe. So schoeiiibt zinu: Beispiel eine der beste« tischechischen Sportzzitungeu, der Bvüne.r ,-Sport", fosxnsd: .Das Unglück der Gäste war. daß sie nicht M ihre Kräfte gekannt chatten. Sie haben VN von ihrer Kraft zu ihrer schönen Leistmug in der crften und an: Anfänii der Kveiten Hatbzoit verbranckt, so daß ,sie dann stark im. Tvnrpo naLgo'asf'in und der Slavia die Initiative überlassen halbem. Es toird dies für. sie eine gute Lektion fsm. Es ist noiweulÄg zu säM, daß wir es nicht begreifen können, wie Wien eine so aut,? Manuschaist hassen kann, und Mar nur deshM,^wE»fi-e Ivtdear sind. Wenn allein Prag gastierenbvm Wiener Mannschaften sich so wie Hvkoah repräsentiere« könnten, so hat'eu w ir. vo m Wiener Fußball, ein e „bedeuten,!d be-ss«re M'? i num g. SchlieWch ist es Grschmackfa-che. in den Sport die PoMik und Religion hl-mirv-uziech?'N. B«i uns wenden wir alles audev machen, n>u>r das nicht, da wir über den Svoot eine amtdere Müimung und einen anderen Sinn für die Begrctiifuiw seiiner BcidMt'Uwg und seines Zweckes haben." Ostmark «nd Amateure tza'&u am konrurenlde>n SmMtag auf dein: Platze des erstgenanntan VevLi-ms .chr fälliges Meisterscha!ftsfpiol aus. i. Dezember 1888 . . Gerte - ----- - - ——S . D«r Dresdener verband stellte an den W. F. B. schMt» Ach das Ansuchen, eürch, Stäkstokampf atMutomgen. Die A>» aslegrrchest wurde n der gestrigen Mtzmeg des W. F. B.-Mom Rvforent«« überp-iben. Ludwig eMoli Kr die WeBviSreiise der Mennr «ach Paris SpivllbMülligunia. - Der Aoung Iewish Sporttna Clnb ladet mam«ils Zeit a«i diesem Wepe Mi Herren der Schwimmse-tion des S. Sp. C- Kadrimiüth für h.mte um hatlib 10 Uhr ins RiMpaif« ein. Schwerer Unfall bei einem Bndapester Meisterschcsttsspiel. St»m vergangenen Sonntag standen e-iinander ine» böide« Spitzenvereine, der zweiten Klasse N. S. C. und M. A. C. gegenüber. Ersterer Verein siegte wohl 1:1. doch beMaiLt er den Unfall seiiwes bcsten Svieilers Roiöv. deg bei einem Zusamnrenstoß mit bm floflnevischen VertEaer SwWa einen dreifach«« offenen Sch'ienbe'm'bruch evütt. Der Vemtz'Muckt« wurde' vvn der R>ctituM.Za?ls«Gch>a!ft ins Mische Spital überführt. Slavia (Kaschan) sicherte sich für das kvmimende Jahr Wetifpiespeisen nach Pollen Mrakau, Lsmtbovfl, Warschau) und Rumänien (Clui müd Ol^adeo Mare). Anßerdam wird sie in Wien gemn Admira. in Pardulbih, PiAen, Mähr.-Oltvau und Brünn spielen. In Koste« wird sie Rapid, Wiener Sportklub, Adnrira, Slovan und Hertha als Gäste empfanden. Der polnische Meister Pogon lLembergs wiid stn Frühjahr eine Reßse nach Italien, Schtwoiq, Frankreich und Belgien un-berrvthmen. Weihnacht st ournee der Slavia. Di« Pvaaor Slavia spielt am 23. wnt 2.‘ in Bilbao mit dem sportlichen Meisteügerein A. C. Bilbao, femer am 30. d. und 1. Jänner in Barvelona mit dem dortigen F. C. Baroellonia. schließlich am 5.„ -und 6. Iännor in Zürich geigen Ulmna Fellows und F. ,C. - Zürich. Wettipie°lvrrha>MnMg'n mit Straßbuug sind noch im Gauge. Schwarz wkd chereits am koamnienden Sonntag üstn Meistenschaft §!>pi«il Hal^oah—Diemra miöwrrben/ Der üdische Berün darf ihn deshalb «mstellen, WM er beim Makkaol lBrünm) an dir Meisterschaft' des jüdischen Verbandes Echt leUtzsnmnnwn hat. Hakoah (Zürichs besiegt« den F. E. Wivkinolen 4:1 (1:1). Sparta erledigte in diesem Jahre bisher 60 Wettspiele mit dom Gesamffkvr« von 255:52. Die meisten TrieGsr ermelt« Tvoroeek. und -rar 76. Cervenv i'kvirte 55mias. In Pmq fpiolte die Sparta 34 mal. mit aNH'ländischen .Klubs 26 mal. Von de« 60 WetWiclen gewann die Svarta A. 6mal rmsutschieden, 3 Spiel« gingen verloren. — Bulla Wanna, Wien) hat sich bereits enpa/ült'iq höi der Sparta cmMmv'Edet. Prozeß um einen Fußball-Wanderpokai. Bor dam Ol-. Mheir Kreisi^ericht ist derzeu «>in merkwürdiger Prozeß «e häniTi'N. Der Stroit ach^um einen FufchaK«Wa.nderpMrl. Eine In^Ftriesimna m Prostnitz w'dnrel« dem Siejaer in der Fußballn^eisterschE von Mtt>e,lmähren einen WaudevPlM im Werte von 1500 tfchech. Kronen Der Pokal wurde dem haaMischen Fußbalsga-u übergeben, der m Jahr« 1922 den Wottibewerlb erWuete. In diesem Wettbewerb siente der S. C. Olowouc. dem daarM der Posal für das Jahr 1922 zuM. Im Jahve 1828 «Äi:t oister der S. C. Olaminc ein.?, Mederlsfle u-ttd sollt« »rach den Propositionen feen Pokal ziurückstellen, da de« Pdkal erst nach dein dritten Siege in das enWWM Gilgentum e-mes KstM Weraeht. Der S. C. Olomonr.wehaev!«^ sich Mach, de« PcM zurüchzufgebem, weshaG er vor dem Oümützer ZWlnMtA «ch MchMe des SiErpretses 'gMactz i wurde. Die BerbaMn-ntz maßte. Kvecks Vorladung neuer Zsugm vertagt weiden. S«ma»«-Pokal. Hakoah <Iungmannschaft>—W. A. C. (IunMMinlschaft) 6:1 (8:0V Am Dienstag abends fand darrst« Spiel um derr vom Wiener Amateur-Spor'verein au?« aefchtiehenen SeemMn-Pokäl statt. Der Nachwuchs der HaLooh stand d«Nl des W. A. C. gegenüber. Das Spiel endet«, mit einem überleaenen Si«ye der Blau-Weißen. Das Resultat drückt nicht einmal das Krastederhältnis richtig aus, da einersoits di« DoMosten, andererseits das Nichtausnütz«« der besten Sctzußgelegenheit«« den W. A. C. vor eine-r vernichtenden Niederlage betvahr'em Dei Hakoah gefiel Reich am besten: Ros«Matt 2 spielt mehr fürs PubMmn als für die ALarmschaft, ohne aber auch dem erster«« gefallen zu können. Der Übrige Teil der Manufchast war recht brav. Bei den Unter- Copirrtjfh» »924. Rilchdrua orrbsten. J, fe"« -vimikofl-Verlag, Burlto. (24. FvrlNtzuug.) Lnkel Moses. Roman von Schalom Asch. ^Ia, ja, ich will, daß du mich sehr liebst. Den Onkel muß man sehr, sehr lieh haben"; er faßte sie wieder bei der Hand und sah ihr m die Auyen. Mascha bekani Furcht. Sie lächelte kindisch: „Du bist heute so sonderbar. Onkel!" ,Änderbar? Haha, sonderbar — Uten, kiv, ich will dir heute etwas sagen, ein Wort will ich dir sagen; viele, viele haben auf dieses Mort gelvartet. niemandenr habe ich eS gesagt, aber dir will ich es sagen." Mascha hatte Furcht, zu fragen, was das für ein Wort sei. Sie hatte überhaupt Firrchr. zu sprechen, und mt den einen Wunsch, fort zu fein, so schnell wie möglich fortzulaufen. ,Höre, Mascha", der Onkel wunde plötzlich sehr ernst und nahm sie wieder -ei der Hand, „h know, du bist a clever girl. du verstehst — den Onkel Muß man liebhaben und ihm gehorchen und vor ihm Respekt haben, großen Respekt; du siehst ja, wie alle vor dem Onkel Respekt haben — und das ist nicht umsonst, mein Kind, nicht umsonst. Der Onkel wünscht Gehorsam, wünscht, daß man alles tut, was er befiehlt. Horst du, alles — keine Widerrede, keine Widersetzlichkeit. Wenn der Onkel sagt, daß heute Sonntag, so ist Somitag, und wenn er sagt, daß heute Montag ist. so ist Montag. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Und, was die Hauptsache ist. gehorchen, liebes Ki-nV, folgsam sein, in allem, verstehst du. Mascha?" „Du bist so sonderbar, Onkel", plötzlich lachte Mascha ihm ins Gesicht. Der Onkel biß sich auf die Lippen, schwieg und dachte eine Weile darüber nach, was nun zu tun sei. Er entschloß sich, vorläufig das Gespräch abzubrechen und Mascha Zeit gu gebest, seine Worte tief in ihr ju-nges Herz Eindringen gu lasten. Er sah, daß seine Worte auf sie Eindruck gemacht hatten. In der Nähe des Strandes war ein jüdisches Restaurant für vornehme Gäste, dort fuhr das Auto mrt Onkel Moses und Mascha vor. Auf der Terrasse saßen dicke Fronen, deren Männern es gut ging, gepudert, in Badekostümen, mrd spielten.Karten. Da n>ud dorr tauchte ber «wem Kranz von Frauen auch ein junger Mann auf, ebenfalls im Dadekostiun. Doch er war auch so dick, daß man. glauben konnte, er sei eine Frau . . . Die E'.geutnrne''in des Restaurants, Mistreß Fleischmawn, eine bekannte Heira:svermitL!'.rlU kam den Besuchern entgegen. Die Gäste aus der Terrasse hielten einen Augenblick im Spiel inue und warfen nevtzirrige Bracke auf das angekommene Paar. Alle kannten Onkel Moses, er gehörte zu ihrer Ge- - schästSlaste, mH sie wußten auch um sein Verhältnis zu Mascha. Die Frauen riefen ihm von den Tischen her zu: „Mister Melnik, habest Sie nicht meinen Mann gesehen?" ,Hes, ich habe ihn gesehen." „Kommt er. heraus?" „Er schwitzt in der Stadt,. Mistreß", anvw»riete der Onkel behaglich. Mistreß Flaischmarm nahm Mascha nnbcvm Arni und lächelte sie an, da sie nicht wußte, wie sie sie ansprechen sollte. „Das ist mein« Braut, Mistreß "Flgischmann", stellte Onkel M-oses Mascha vor. . Mascha wurde bleich vor Schreck und brachte kein Wort heraus. , An den Tischen, wo die nackten Frauen in den Bade- * kostümen saßen und Karten spielten, erhob sich ein Summen und Brummen wie in einem Bienenstock. . . 4. Manes, der Agitator. Onkel Moses ging ernsthaft dav»rn, in den Ehestand zu tveien; er trug Aaron Melnik auf, eine prächtige Verlobung vorzubereiten und sämtliche Kusminer eilMladen. ES sollte Bier und Brantwein nach Herzenslust geben auf des Onkeils Rechnung. Der Onkel selbst ging wie em glücklicher Bräutigam umher. Es tvar o.in Vergnügen, zu sehen, tvie er sich benähm, wie er Brautgeschenke kaufte und sie jederinann zeigte. Die Kusminer Landsleute freut«:, sich darüber, daß der Onkel in den Ehestand trat; sw betrachteten es als ein freudiges Ereignis in der eigenen Familie. Nur Aaron gönnten sie das Glück nicht. Aber andrerseits dachten sie, es sei bester, daß einer von der eigenen Sippe in die Goldgrube komnie, denn ein Fremder. Da ist es ja doch leichter,-'etwas herauSzuschlagen. So taten sie. Aaron, seiner Frau und seinen Kindern süß, als könnten sie mur durch sie das Ochste ErÄenalück -rreichen. Doch zwischen war Sam, deS Onkels Neffe, nicht untätig. Am Abend des Sonntags, an tvolchem der OnSel mit Mascha ausgefahren war, besuchte Sam seinen Vetter Manes. um mit ihm Rats zu pflegen, wie das Unglück einer Heirat des Onkels zu veMten wäre. Manes tvar der einzige Kusminer, welcher in Anrer'cka dasselbe Leben führte wie daheim. In der Heimat iixtr Manes eine eigenartige PersonbichkeiL gewesen. Er hatte mit dom garten Städtchen Krieg gefi'chrt. nrit dem Rabbi ,des Städtchens, denr Rothschild des Städtchens, dem Wucherer des Stadtcherrs, ihr ganzes Tun u-nd Treiben bekämpft und sein eigenes Leben gelebt. Manes hatte in der Heimat nrit christlichen Burschen verkehrt. Er war der einzige Jude rnr Städtchen, tvelcher Tauben hielt. Unrecht konnte er nicht vertragen, ob es nun gegen ihn oder gegen andere ging; doch me kam er mit einer Klage vor ein ordentliches Gericht, sondern er hatte seine eigenen Gerechtsame, wo er der Richter war und das Unrecht sühnte. Ganz Kusmin hatte noch den Streich in Erinnerung, welchen Manes dem Wucherer Joel gespielt hatte. Als Dlanes vom Militär hermkehrte, fand er das Städtchen Kusmin dom Wucherer Joel gänzlich verschuldet. Joel war der reichste Mann in der Stadt. Me Häuser waren ihm verpfändet, alle Hochzeitsgeschencke lagen in einem großen Kasten bei Joel dem Wucherer. Kicsmin stöhnte unter der schweren Last der Zinsen, welche Joel den Einwohnern ausbürdete. Alle arbeiteten für ihn, «rtb wenn Joel am Morgen von Haus zu Haus ging, um seine Zinsen einzuanahnen, da legte sich ein schwerer Schatten auf alle Einwohner von Kusmin. Mastes konnte diesen Zustand der Ungerechtigkeit nicht ertragen und beriet mit dem Gendarmen Jerzej, was zu tun wäre. Joel hatte eine Magd in' Dienst, die wußte, wo alle Pfänder aufbewahrt ivaren. Diese Magd aber hielt treu zu Joel und wollte das Bersteck der Pfänder nicht verraten. Da verschaffte ihr Manes einen von seine« Kameraden als Bräutigam. Dem Hwobe ein Anteil als Mitgift zugesagt, und sein liebevolles Drängen brachte die Magd dazu, das Geheimnis ju verraten, daß Joel die Pfänder in einer großen Lade verwahrt habe rntlb die Schlüssel stets unter das Kopfkissen legte. Der Bräntigam überredete mnr di? Magd, ihur bei Nacht leise di« Tür m offnen. ^Fortsetzung folgt.) *

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