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Wiener Morgenzeitung · 1923-11-08 · Heft 1701 (8.11.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1701 (8.11.1923)
Date
1923-11-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Fußball SK. gBitwtt Mougenzettung. Betrachtungen. Wir haben schon eiwnal darauf hiug«wies«n, dah die internationalen Erfolge der Hako^ah mit den in Wien erzielten M>eister!schastsresnltaten nicht in Einklang -u bringen sind. Wir kennzeichneten auch die Gvünde dieser nach oiberfläckflicher Be-- toackMng uirerkläMchen Erscheinung. Jan Ausland erfordert es nänmch das primitivste AnständSgeMl, das; man -den Gästen, selbst wenn sie verhaßte Juden sind, nicht unfreundlich begegnet. Die Hakocchner haben demgemäß in der Fvemde nicht die gewchldten Hemimungen, so daß^ sie zu ihrer richtigen Form' anftanfen können. Ganz anders hingegen liegen dre Verhältnisse in der Heimat. Hier hat die HaLoch gegen eine kompakte Masse UeLelMsinnter anznkämpfeu und diese ständige Nervenbelastung bringt es mit sich, daß ^ie Spieler nicht die Erfolge erreichen können, die ihnen «ff Grund ihres Könnens gebühren würden. Wie recht Mir mit dieser Ansicht halben, beweist der Umstand, daß dieHaLoch zu Beiginn einer jeden Saison, also zu einer Zeit, ivo die Fußballer «och ausgeruhte Nerven Hoven, ihre Gegner glatt ahfertigen. Stetig werden aber die Leistungen der Mischen Mannschaft schwächer und erst bis sich die Spieler an die Verhältnisse, .die hier bei uns herrsche», wieder gewöhnt halben, stellen sich neue Erfolge ein. Die Herren Berichterstatter, die aus bequemen, Logenplätzen dem SÄel foligan. gefallen sich darin, immer über das TMünenpM'Mrrn zu wettern. Wir laden sie dazu ein. einmal mit einem unserer Vertreter sich in den.Zuschauerraum, zu begeben, der für Stehplatzkartenbesitzer reserviert i;ii. Wir ftiw dessen gewiß, daß die dort gewonnenen Eindrücke sie mit Entsetzen erfüllen würden. Menschen, die im gewöhnlichen Leben die Regeln des Anstandes und der guten Sitten befolgen, wtr-- den be'i den Spielen der Hakoah brutale Terroristen. Ändere wieder, die sich zu einer politischen Partei bekennen, die dir DuldsanMt M ihrem Obersten Grundsatz ausgestellt hat. gebärden sich wie die avgsten Radanantisemiteu. Was sich zum Beispiel beim letzten Spiel Sportklub—Hakoal) aus den D'ehpkatzrampen zugetvagen hat, über trifft alle noch so Phantastische u Borstell-ungerr. Schimpforgieu, in dem» das Wort „Saujnv" immer wEÄchrte, und Wilde Drohungen konnte man von allen Seiten vernehm-en. Wenn es nicht gar so traurig wäre, so konnte man über manche dort zun: Besten gegebene Weisl>eit lachen. So enWobete sich 5. B. eine gut angeqogene Frauensperson nicht, nachfolgenden Ausspruch zu tun. als Grünwald den MniniKvingenden Treffer für die Hakoah er- Mte. Sie brüllte nämlich mit einer Dtinnueulraft. die man ihr nie zuHetrawt hatte: .M ist ja kein Wunder, iverm der auSgüfressene Schievechud' unsere Leute umfchmeißen kann." Ein Vergleich zwischen dem jungen, schunichtigen Grüulvald und den gegnerischen hünenhaften Verteidigern Beer und Teufel läßt erkennen, mit welcher Blindheit der Rassenhaß die Frau geschlagen hat. Wir haben auch schon darauf hiugelostsen. daß die kleinemi jüdischen Vereine, die an der MMerisMr der unteren Klassen teilnchmen, womöglich noch ärgeren Unbilden ausgesetzt sind. Es nimmt uns also nicht wunder, wenn diese Klubs zeitweise empfindliche sportüche Mißerfolge erleiderr. Tatsächlich muhte» auch irr den letzten Wochen mehrere jüdische Klubs 'Schwächeperioden durchnrachm, in denen sie mit größ-erer Tordifferenz geschlafen wurden. Wir bemerkten als Folge davon -in den Mfchen Sportkreisen eine geilviss« Mutlosigkeit. die -dazu führte, daß man ZuifammenMiuisse und Auflösungen jüdischer ita>§ in Erwägung zog. Der letzte Sonntag X>at aber die erfreuliche Tatsache gezeigt, daß fast sämtMe jüdischen Vereine ihre Meisterschaftssprel« erfolgreich bestanden. Me jüdischen Spieler sind. nämlich wieder im richtigen Fahrwasser. Sie haben sich auch in dieser Saison schmr an die Anfeindungen gewöhnt und strebe»! mit unerschütterlichem Mut un-'beemfluß° bar den Erfolg an. Es wäre unserer Meinung nach ganz vevfchlt, bereits Bestehendes zur Freude unserer, Gegner aufgoben U' trollen. Wenn wir auch der Ansicht sind, daß Neil- Mündungen von jüdischen Vereinen schädlich wäre»,!, so sollen doch die' bestehenden Verein« erhalten bleiben. Wir sind der Ueberzeugung. daß ihre CUtwiMmg selbst von einer Welt von Feinden nicht aufgchalten werden kann. Es sind ihrer derzeit noch nicht zu viele, da Wien zahllose junge sPortfreuMiche Juden besitzt. Der Maktabi l^Brünn) in Wien. ' Der jüdische Sportklub Makkabi (Brünn) gilt nach Ansspruch des bekannten Brüuner Sportschriftlstellers Prof. Zeckendorf als die beste KombinationÄmannschaft der Dschecho-Slowakei. Dieser Fachmann stellt das technische und taktische'Können des Angriffes über das der beiden Prager Spitzenvereine Sparta unid Slavia. Der Sportklub Rapid, der den Makkabi für kommenden Montag verpflichtet hat. dürfte damit einen guten Griff getan l^ben. Wir sind überzeugt, daß das Wiener Sport Publikum von den Fähigkeiten des Brunner jüdischen Vereines überrascht sein wird. Manche Wiener Zeitungen halben sich darin gefallen. Len -Makkabi lBrünn) ständig cmzugreifeu. Vor-allem'machten sie ihm die Tatsache znin Vorwurf, daß er fast ausschließlich Spieler in seinen Reihen hat. die ihre sportlmstn Fähinkeiten in 'Budapest erbangten. Sie drücken Las aus die Art aus. daß der Makkabi (Briinu) nur- Ungarn b-esikt. Welch» t-endenMe Absicht diese Meldungen verfolgen, ersieht man daraus, daß gerade diese Blätter nie daran Anstoß nahmen, daß der Deutsche Fußballklub (Prag) fast keine Spieler deutscher Nationalität besäht. Der Prager Verein wird sogar noch .uffchülldigt, da er doch M Vorkämpfer des deutschen Sports in der Han-vtsta-dr der Tschecho/LlMvakei-darauf bedacht sein muß, eine spiefftarle Mannschaft zu stellen. Bei einigem guten Willen würide nian dem Ma-Käbi iBrnun) nie den Vorwurf mache» können, daß er sich mit. fremden Lorbeeren schmückt. Als jüÄiscknationalcr Verein hat er nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, pvischru Juden keinen Unterschied zu machen. gl-eichMlia ob sie in? Norden oder, im Süden Europas das Licht der Welt erdlickren: Wir.jüdischen Sportler sreUcn uns über die Tatest des Brünn-er Ata-ttäbi. Ihm ist cs zu danken. daß viele »V baller. die in ihrer Heimatstadt bei assimilatorischen K'ubs unv für Ungarns Ghr-e spielten, mm ihre Lträfte einem jüdischen Verein und im wri-.ercn Sinne dem indischen Volk im sportlichen WSrkungNrsis -,ur Verf-ügmyg stellen. Tao hc-be Können des Mak>5abi (Brünn) tvar für den jüdischen Tpnxt :u der Tschschv -Slvivakei von großer proPagan-diistischer Beden - lang. Gleich der Diener Hako.ib har der AdMabi zahlreiche Siport-reistn unternommen, wobei überall dort, wo letzterer Dewin auftru-t, BrrrdeMchs. ersiv.u-dru. Demgemäß ist es nicht zuletzt Um Brunner -Matkabi;,u danken, daß der indische Sport in der' DsäwchoElowakci einen derartigen Au'Wwnng gepoumlen hat. Der jüdische Sport ist weit jünger als der Spor: der übrigen mittdleuropäjsch-en Völker. Es Hst nun klar, daß ersterer aufangs nickst di« glaiche Höhe erreichte wie der Sport der übrigen Nationen. Der durch nichts zu brechende Ehrgeiz der . Juden brachte aber das Kunststück zuwege, daß Zummhfft. di« Spitzenvereine de^r Mischen Ap-örtibetveanng urun auch nach msttÄenroPäischen Begriffen als erstklassig 'bezeiichn«! werden können. Einer der besten jüdischen Vereine kourmt nun nach Wien, um seine Kräfte mit dem langjährigen österreichischen Ddsiftar zu messen. Die Wiener jützWe Sportgeme-mde freut sich cHrilrch. den Brürrner ME'Äbi in Wien begrüßen zu können. Wir sind auch überzeugt, daß er von den Wiener Brn'derverpineü überaus herzlich ausgerwmmtzn wird. Schiedsrichter für SonniM. W. A. F.—Wscker: Schöuecker; Slovan—Hertha: Kienzl; Simniering—Hakoah: Komar: Vienna—Amateure: Braurr; Sstinark—iZPoriUnb: Putzcndoppler; Rapid—Admira: Werner. Hagitzor (Prag) unterlag g»n vergangenen Sonntag gegen die Reserveinannfchgfl des D. F. C. 1:4 (OS). Hojduk (Spalato) unternimmt in? tömntenden Winter «ine Wvt-t-spielreise nach Algier und Tunis. Auf der Rückfahrt werden di« Jugos'lawrn noch Zwei Spiele in Frankreich mistragen. Hakoah. An Stelle des ausgcschiesenrn Herrn Rubin wurde Herr Ludtvig Schtoartz als Sekretär verpflicht«!. 8. November 1923 Seite > RAPID-PLATZ, Hiitteldorf XIlIMHüttelclorr, Straasontahnllaien 4öf50 tmd59 Voroytoüpiq «frer Stadtbahn VpattaahnztlKe Montag don 11 Novombor« halb S Uhr Hakkabi Ta""» Rapid halb 1 Uhr Meisterschaft Große LokaliMen werden an Vereine noch flir einige Tage in der Woche vergeben NV^-Reftaurant.Ntahop tfeWST % Wolfsohn 1 und Markstein 2 wurden mit der Spicsührerwürde der H-asmcmea-Reserve beträut. Das Meisterschastsspirl Hasmonea—Prater T. C. finde. komurenden Sonntag nur 4L Uhr auf bem Cricketer-Platz stau. . Schönfeld (Hasmonea) ist von seiner Verletzmrg, die er im Spiel gegen Vorwärts erlitten hat. soweit hergestellt, daß er kommende» Somltag ber«ÄL nmwircken dürfte. - Herr Heinrich Freund wnr'de -n den Ausschuß d.'s S. E. llniras kooptiert. Der Äoung Jewish Spvrting Club veranstalte: cm 2. DezenGer unter der» ProteLtova-rr des Herrn Dr. Desider Fricdmaun eine Chan-Ma-Soir?« zugunsten der nofloid-endm Ju.Zon Deutschlands/ Hervvragen-de jüdische Künstler Wiens wirken in uneipennirtziger' W-rife mir. Das PelKhaitZ Egon Fsiehl, Wien. 1. Bcz., Karnlnerstraße, ha: als Dameupreis für biest Veransrastnng cin^i Pelz Mistet, der in den näbstm Tagen rj\\i Ansstetirmg gehängt. Einen schwimmsportlichrn Vortrag hält der deutschr Diel, st e r mrd W-Mrskor-dschwimn'.er Skamper Mienns, ® ii), der« ' zeit Trainer der Hakoah, im Rahnren eäner von der Schwimmfektion diests^Verein-es vcranstal»«:eu Kinovorführnug,. die am , 2.ö. d. ^um^ HÄ!d 11 Uhr vormittags im FevdimudÄtino.. 2. Bez., ' Nadorstraß« 1, slarffindok. Mchster Skamper spricht über dir grsund-heiMch« uub 'irtlich« Bedeumng des. Schwimmsportc? rmv über die Entroickl-ung tzreser LeübeM'nng. Außer dem Schrvi-mmifponfstm „Meister des Wassers" gelangen noch Kino, an-fnahmen» über das Wettspiel Hakoah—WffHam United und ein Lustspiol zur Vorführung. Der Kartenvorverkauf beginnt am Montag den 12. d, im Sekretariat. der Hakoah, 1. Bep. Wi-esingcrstraße 11. wcirerZ in der FMal-e des Sporthauser Siahson, 2. Bez., Ta'borftraß« 4 l-Schühhaus Savoy). Der Rem-ertrag-. der Brranstalt-ung dien: zur unmtHLMchru Aus« diliduug minrer-ökmittclter jüdischer Knasten und Mädchen im 'Schwimmen. Weitschwimmen des P. T. E. (Pretzdurg). Rtzsirlrat« des fountägigen Landrsweiij«^vimm«ns: öv Met-erMiilüschnl« schwimmen: 1. GerhM (M-ÄLrmie) 41,6 Sek. 39 Meier-Schn-ell« schwimmen: 1. Dr. Rezsucha (P. A. C.) 88 T«k. IM Meter« Brusrschwüumen: 1. Schmelz (P. T. E.) 1:27,7. 11)0 Meter- RückeiffMvimmen:' 1. Apfel (P. T. E.) 1:27A 30 Meter. Dasnenschrr-ell>sch.wimmen: 1. Avanyi (P. T. E.) 58:4. Kürspringen für Mittelschüler: 1. Schmuck sReal) 19,5 Punkte. Kur« springen für Senioren: 1. Ramlharter (P. T. E.). LÄgenftafsel 6 mal 25 Meier für MittrlfchMer: 1. Real A 1:A,8. Lagen« - stafsel 5mal 50 Meter Senioren: 1. P. T. C. 3:56. M Merer- SHucllschwimuren: 1. Ra-mha-vter (P. T. E.) 1:19,4. 50 Meter- Rückenschwimmen für Mitteffchüler: 1. KtöbuM (Reall, -12 Sek. 300 M-eter-Br-ustfchwimmen: 1. Schmelz (P. T. E.t 8:25,0... 50 Meter-Rückriffchwinrm«n: 1. Apfel (P. T. E.) 38.5 Sek. 50 MeterSchnellschwi-mmen für Mittelschüler: 1. Schmuck (Real) 87 Sek. 50 Metier-DamemÄckenfchwimmen: 1. Jelinek O. A. C.) 49,8 Sek. 6nral 25 Meter^Schnellschwinuustafetle für Mittelschüler: 1. Real 1:51,4. 6mÄ 50 Meter-Sch'.tell. fchwiMnstaforte: 1. P. T. E. 1:18,8. Wasserpolo: -P. T. E.— P. A. C. 4:1. Drr Trainmgsabtnd der Schw.mmchItion. der Ha'oah ffneeflheut« von 4 bis 8 Uhr abends im Margar«jenbad st-aii. Die Einteilung ist folgende: Von 4 bis viertel 6 Uhr Zöglinge (Knaben), von viertel 6 bis fordbmM 7 Uhr Mädchen ur.-d GopYTiglit 1S>4. »aöbtutf derboren. J. L»dy*ohnlkoff*Y«Ug, Bwlin. (6. Iortsetznu,.) Snkel Moser. Roman von Schalom Asch. Tmojve ilvar das erste unter >den KinVem, welches in Ame.rika Geld verdiente und der Mitten nach Haufe ge-' bracht hatte. Sie hatte vom ersten Tay <m, da sie nach -Amerika gestomtmn war, Geld verdient — und deshalb hielt sie sich für die wiMche Herrin des Hauses. Sie war neidisch auf ihre jüngeren Brüder und Schwestern, daß sir rwch die Schnste besuchen tonnten, Ittet eine ein Jahr, der andere zwei. Sie hatte gleich arlbeiten gehen müffen und da lvar sie der Meinning, sie, habe als einzige für den Hans^ stilt gearbeitet, obwohl ihre Brüder nnld Schwester schon längst stlbst arbeiteten und Geld voMeiniten; doch am meisten lvar sie ans ihren jüngeren Bruder Charstie neiditsch, welcher noch als Kmd nach Amerilka gekommen war und viel länger die' Schule >beifucht hatte als die anderen Müder; unV-odü'ohl cr schon erwachsen war, ging er doch nicht ständig arbeiten, svndrvn lernte toeiter und besuchte an den Astenderl „pWpavatory fchools", »välhrend er bei Tag gelegMtlich arlbeitete, wo es sich gerade traf, manchmal länger, manchmal kürzier oder gar nicht. Die Schwester vergönnte es dem Burschen nicht, daß er ein College beziehen und es am Ende KU einem Advokaten bringen Würde, ivas sein Wllnsch war. Sie hegte die. feste Memung, nur für Charlie hätte sic irr 8er Jugend so schwer gearbeitet und nur feinetioegen seien ihre Lippen und Hände fo dick md ihr Hals so dünn und mit blauen Adern durchzogen'. . « Seinet» wegen sei sie eine alte Jungfer gebliebeni ... „Any-habe, mein „breaffast" wird nicht verderben. Es Nndet sich schon ein Abnehmer dafür", ni«jf sie mit einem schufen Mick auf Charlie. Der Bursche antwortete der Schivester nicht. Er war au solche Szenen von Jugend ans gewöhnt. GhaM verstand ferne Schwester und hatte Mitleid mit ihr. Und als wäre ,ev, wirtlich schuldig, weil er . auf ihre Kosten hemngcwachsen ivar, hüllte er sich in Schweigerr. „Well, was gibt eI, wieder die .Hausfrauertönte Klaras Stimme aus dem nächsten Ziimner. Sie trat ein, ebenfalls in Hut unL Mantel. Klara tvar viel jünger als ihre Schwester; sie hatte in Amerika ein Jahr die Schule besucht und arbeitete jetzt in e.in-ent feineren Gewerbe bei Damenhüten als Berkänferin. Die Eleganz, welche in ihrem Berufe notlvendig war, tvar an ihren Kleidern und Bewegungen zu ntevken. „Any-have, Mama, sie ist doch nicht allein d-i« Hausfrau hier, wir wagen doch auch etwas Mn Haushalt bei. Nicht, Manra?" Die Schwester aber hörte Klaras Wortemcht niehr, sie war bereits Hinter der Tür. „Rämne schon eMich deine De.Mn, dein Gebetbuch mtd >deinen DaM aus, räume sie doch schon auf; das alles geschieht deinetwegen. Wenn der Morgen kommt, dann ibreitet er sich so ans, daß die Kinder keinen Platz zum Frühstücken haben", so ließ Genendel itjmt Kummer und Sorgen cm ihrem Mann aus. ' Berl schämte sich Vox seinem BmÄer und lache Ue deöhaG mit seinen klaren Kinderangen. „Gemndel, es ist jemarstk hiep, Ge-mnW." Gemndel anüvortete nicht. Still deckte sie den Tisch. In einer M-i-nute war der GrbeMsch in einen Eßtisch verwandelt. Verl ionisch sich und zog den BmLm tzmn Tisch.. . Mvon, ivelcher sich bei seinem BvMr ganz elend suhlte, hatte eigentlich schon langst davonlanfen wollen, doch ihn «vgriff großes Mitlchd mit seinem Bruder, den er sehr lieb hatte; als er ihn jetzt leiden sah, da nahm er all seine Kraft zusammen/ wusch sich hlvas er sonst vor dem Essen nic tat) und setzte sich au den Tisch, nur mit seineuc Pvuder KU essen. Als der Bursch' ohne Hut, ohne, gebetet und sich 9^ waschen zu hasten, zu Tisch kam, um zu essen, lömniurt« Berl, welcher gerade den Segen über dc>8 Brot sprach und nicht unterbrechen durste, zum Söhne gewendet: „Hm. nu, hm." ,Mas httß nn, da ist sch»»d das Hmn-u." Genenoc nahru den Hidt Charlies und stülpte ihn ihm auf dem Kopf. „Geh', Ehar'lir, bete." Der sioltzahnijährige Bursche lat, «was Die Mutter;.(m hieß, faßte den Tallis des Vaters au den Schaufädcii. murmelte etwas vor sich hin, küßte di« Scharffäderi und sttzte sich zum Frühstück. ,,Gene,ndel!" brnnrntte Bevl ärgerlich. „Was gtbt's? Es ist schon gut, du betest für ihn. Tu betest für alle. Irr AmerAn hat man keine Zeit zu bueu." Aaron Aicktze feine Schwägerin an; er erkannte sie nicht wieder. War das die fromme Judenfmu, welche daheim in der Fraudnschull die Gebote vorsprach und einmal ums andeve tmt einem Löffel oder em-ttn Topf ins Beth Hamidratsch gslausin kam, mu eine „Schaale" zu fragen? Was war aus ihr ge-wordvu in der kn-yzen Zeit, da sie in Amerika, toerr! Aber Genrndel ivar, wie gesagt, in Arnevika „liberal geworden". So teilte sich die Familie des Onkel Ber! :n Awei Parteien. Die eine bestand aus dem Vater und den Kwei ältesten Töchtern, Dwoj« der altert Jungfer, und der Jüngeren, die einen galtz-ffchen Juden .geheiratet haits: die bei^.n Töchter erimwrten sich noch des Vaters, wie er in der alten Hestnat gewesen war, als er obenauf war, und lhatterc Achtung vor chm. Di« andere Partei bildeterr di« Mutter und die zwei füngsten Kinder, Charlie rntib Klara, welche zum großen Teil schon in Arnerika anfgewachsen waren. Ti« liebten die Mutter und di« Mzltt'er liebte sie. Die Reibungen zwischen den beiden „Parteien" waren bc'-' jeder M-Mzrit zu spuren. . GorisetzunA liokhV

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