Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1679 (17.10.1923)
- Date
- 1923-10-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SWtMtoo^ Wiener Morgenzeikung. 17. Oktober 1923 Nr. 1679 Sie Wahlen finden Sonntag den 21. Moder von 7 Uhr Mische Wahlgememschast. WSHlerversammlungen. Hente Mittwoch. 1. Bez., Spiegelgass« 10, W<rhlibesprechu>ng m den Räumen des Wiener Edelsteinklubs (nur für KKrbmitglieder), 6 Uhr abends. Redner: Gomemderäte De. Schwarz-Hiller und Dr. Pollak- Parnau. 9. Bez., Hollandstratze, Hotel Guth, 5 Uhr nachmittags: Frauenversammlung. Rednerinnen: Frau Dr. Knopf und Fvan Anitta-MÄller- Tohen. 9. Bez., Wittelsbachgasse 6, Knabenvolk Sschule (Zmchenfaal), 7 Uhr abends. Redner: Gemernderat Dr. P las chkc s und Gemeindevat Doktor Schwarz-Hiller. 1 Bez., Glockengasse 30, Bolksbibliothek «Zion", halb 8 Uhr aberchs. Redner: Bezirks rat Hoffman«, Bezirksrat Plaschtes und Dovid Rebenzahl. st. Geg.» Liljenbrunngasse 1, Scholle", halb 8 Uhr abeM. Redner: Gustav L ö w Y, Dr. Kantor und Sekretär Fleischer. 9. Bez., Taborstraße 49, Cafe Reif, halb 8 Uhr abends. Redner; Dr. Epler, DavA Nebenzahl und Gemoindewt Dr. Schwarz-Hiller. t Bez., Praterstraße 60, Cafe Reichshof, halb 8 Uhr abends. Redner: Dr. Ascher, Dr. Ehrlich und Dr. Waldmann. 8. Bez., Löwengasse 39, Cafe Ilion, haW 8 Uhr abends. Redner: Dr. Körner, Hofrat Dr. Riesenfelv meb Dr. Friedmann. %. Bez., Mariahilferstraße 99, Cafe Palace, halb 8 Uhr abends. Redner: Frau Amtta Müller- Cohen, Sekretär Fleischer, Markus Fischer, Dr. K r a s n Y, Baurat Dr. Defris und Dr. I. H. Körner. 9. Bez., Berggasse 33, Cafe Metropol, BevsammlNiNg geistiger Arbeiter. Redner: Dr. Schal: t, Arzt, Dr. Kantor, Anwalt, Dr. Jakob Weiner, Beamter. 20. Bez., Dresdnerstraße A, Restaurant Moser, 7 Uhr abends. Redner: , Oberbauvat Stricker, Dr. S. Kanto r Md A. Schwertfinger. Donnerstag den 18. Oktober. 8. Bez.. Alberigasse 43, Schützenhaus, halb 8 Uhr abends. Redner: Frau Auitta Müller- Cohen, Aurel Engel, Dr, Klara Frank A und Dr. Pordes. A). Bez., Gaußplatz U, Cafe Halper«, 7 Uhr abends. Rämer: Gomeindevat Dr. PlaschkeS, H. PiukaS und D. Nebenzahl. Geslnnungsgenofleu mch PertrauenSmänn« tzeS Sprengels 6 (Taborftratze, Praterstraße nah die umliegenden Gassen) wolle« sich sofort im Wreugellokal, % Bez., Taborstraße 20 a, melden. * Alle Gesinnungsgenossen und BertrayerSmärmtr des Praters werde« ersucht, sich zur Mitarbeit in de« i« der „Wiener Morgenzeitung" vom Samstag den 13. d. publizierten Sprengel« des Praters zu melde«. Die Mitarbeit eines jeden ist unbedingte Pflicht. Die Sprengellokale sind täglich von 8 Uhr Wh W 8 Uhr aberws geöffnet. Ae Wahlbmeaung. Ane Wische Mvssenknndsebung im 8. Bezirk. Die jüdische Wählerversammlung, tyelche S y n fl t a g vormittags im großen Saale des Heimatkinos in der Porzelkanggsse ab geh alten wurde, hatte einen derartigen Besuch aufzuweisen, daß der Zutritt zum Saale polizeilich gesperrt werden wußte. Gemeinderat Dr. Bruno PoNak-Parnau besprach die auf W ä hl e r f a n g berechnete sozialdemokratische Taktik, welche über die Aussichten der Jüdischen; Wahlgemeinschaft bewußt falsche Berechnungen verbreite, und behandelte die Zustände an den Universitäten, an denen sich eine schamlose, antisemitische Hetze breit machte Der Antisemitismus hat auch bei den Gerichten seinen Einzug gehalten, und während jüdische junge Leute verurteilst werden, weil sie blutrünstige, antisemitische Hakenkreuzplakate abreißen, kommen hakenfreuzlerischc Exzedenten mit bedingter Verurteilung davon- Die gleiche Behandlung erleben die Juden bei der Besteuerung, und die jüdischen Wähler dürfen es sich nicht länger bieten lassen, daß sie . dreimal so hoch besteuert werden wie ihre Mitbürger. Bon der Czernm-Partei, tvelche jüdische Stimmen Wern wolle, Mt es mx kärgliche Reste. Herr Czernin hat geantisemitelt und hei den Christlichsozialen hospitiert, statt seine jüdischen Wähler zu vertreten und von dem Demokrawfl ist nichts anderes übrig geblieben, als der feudal-gräfliche Hetzer gegen die Arbeicher. Diese Bürgerlich-Demokraten hahen in öffentlicher Versammlung versprochen, Professor Hoffmeister aus ihren Reihen auszu sch liest en, wenn seine skandalöse Erklärung bezüglich der hetzantisemittschen Verlautbarung an der Hochschule für Bphenkül tur richtig sei. Aber sie ist richtig, und Herr Hoffmeister ziert bis heute die Czernin- Partei. Wer einer solchen Partei seine Stimme gibt, ist wert, von ihr vertreten zu werden. Unlv.-Prof. Hofrat Dr, Ehrmann erklärte: Wir leben in keinem so glücklichen Staate, daß wir «ns nur um wirtschaftliche Fragen kümmern können.. Esgibt Länder, in denen es den jüdischen Gewerbetreibenden möglich ist, einen Gewerbetreibenden zu wählen, und in denen der jüdische Fortschrittler einen Fortschrittler wählen kann. Aber bei uns ist dies nicht der Fall. Keinem Volk mutet man so viel an Beleidigungen und Demütigungen zu, wie den Juden. Darum dürfen wir uns nicht um die wirstschastlichen Verhältnisse allein kümmern, und unser Recht und unsere Ehre wahren. Wir müssen Menschen wählen, welche die Schmerzen und die Nöte des Judentums kennen, weil sie selbst Juden smd. Menschen, die sich nicht ducken, wenn es gilt, jüdische Rechte zu vertreten.. Sie werden sich aber auch nicht tmcken, wenn es gilt, Menschenrecht zu vertreten. Börsenrat Glück empfahl m warmen Worten die jüdische einheitliche Liste und wies darauf hin, daß die Zusammenarbeit der Parteien to d« KnltuSgemevnde die besten Früchte getragen habe. Auf Grund dieser Einheit sei es gelungen, die Gemeinde auf ein Niveau ju Krumen, welches nie zuvor batta. Univ.-Prof. Dr. Königstein knüpfte au eine charakteristische Erzählung des Mischen Dichters Schalem Alejchem an, in welcher von zwei Juden erzählt wird, die von drei Kosaken beschützt werden. Doheli erhält jeder von ihnen Prügel, weil ein Kosak, «m s e i n e rt Juden zu verteidigen, den des anderen prügelt, während der dritte zuschaut, Dies sei gegenwärtig die Lage der Inden in Oesterreich und daraus müßte die jüdische Wählerschaft die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Dr. Jakob WM« erklärt, es sei eigentlich falsch, von einer Jüdischen Wahl» gemeinschast zu sprechen, und es wäre Hess«, vyn Mer Jüdischen „Gemeinschaft" zn sprechen. Diese habe sich bereits in der Kultusgememde bewährt und ebenso auf dem' Boden der gemeinsamen Arbeit aller Juden für den Aufbau Palästinas, im Keren Hajessyd. Die So« zialhemo kraten greifen zu den bedenftichsten Mitteln und zu allerlei Verdrehungen, um der jüdischen Gemeinschaift die Stimmen abzuziehen, welche sie durch ihre eigene antisemitische Haltung verloren haben, die sie zum Beispiel bei der Behandlung jüdischer Gesuche um Abnahme in den Heimatsverband betätigt haben. Redner schließt mit einem Appell an die Versammlung, diese Ge« meinschaft über die Wahl hinaus heizuüghalten und gemeinsam m allen jüdischen Angelegenheiten, vor allem beim Äufbaue Palästinas, Mammen zu stehen. Oberbamgt Kempl« erklärt, die Inden, denen man allgemein besondere Klugheit nachrühme, handeln in Politischen Dingen vielfach unklug. Sie vertrauen ihre Interessen Parteien an, welche jene nur dann wahren, wenn es ihnen paßt, um sie im gegebenen Augenblick fallen zu lassen. Darum habe die Judenschaft endlich beschlossen, selbst für die Vertretung ihrer Interessen zu sorgen und einmütig zusammen zu stehen. > Gemeinderat Dr. Plaschkcs beleuchtete die Tätigkeit der jüdischen Mandatare im G e-> meinderat, welche durch ihre Haltung selbst die antisemitischen Hetzer in die Schranken verwaisen komtten und in vielen Fällen tvirksam für die jüdischen Rechte eingetreten sind. Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen wie in Budapest und München. Die Sozialdemokraten wollen und können keine Judenschutztruppe sein, wir aber brauchen eine Judenschutztruppe, daher müssen wir uns eine wählen — a u f r e ch t e I n d e n, die auch über die Wahl hinaus Gemeinschaft halten. Dr. Schallt erklärt, es sei nicht nur im Interesse der Juden gelegen jüdisch zu wählen, sondern auch im Interesse des Staates, dessen gute Untertanen wir sind. Die Jude:: waren immer gute Oesterreicher und sind als solche stets für eine Politik der Versöhnung und gegen die Verhetzung aufgetreten. Als die Z i o n i st e n vor vielen Jahren der Regierung solche Vorschläge machten, wurden diese zurückgewiesen. Erst als es zu spät war, da erwies sich die . VatWntt,iqffit ifczex SUmabne. Sach tan SR« 1 title« M*» die Juden ihre Pflicht geican und mehr als bas. Der e r st e gefallene Student war ein Kadimahner, der erste, der d goldene TapferkeitsMedaille erhieltein I v r i a n e r, die Anzahl der g e f a l l e u e it Studenten ergab' 8 7 Prozent, und da gab es keinen Numerus clausus. Mil die Zionisten auch ttn Kriege ihrem Programm der BöllerversöHmmg t§ui blieben, wurden bei deren Führern H a u s d u r ch s u ch n n gen vorgenommen. Auch in der Republik haben wir Inden zur Ausrechterhaltung der Ordnung beigetvagen, wir schufen das jüdische B a t a i l l on, aus dem daun, der jüdische Stadtschutz und später dbe allgemeine Stadtschutztvache hervorgtzng. Die Sozialdemokraten wollen das alles vergessen, sie habe« «ur.eiwe Sozialisierung durchgeführt, die So- Sialjsiorung deS Judenh tzsseS. Darum ist es ein Postulat der Vernunft, jüdische Vertreter zu wählen, welche sich von der Hypnose der Parteipolittk ferne halten. Es sprachen noch der Vorsitzende Dr. Georg Weiner über BezirkSfragen und Herr Ehrlich vom Standpunkte der Gewerbetreibenden für dt« Liste der Wahlgemeinschaft. Die Ausführungen sämilicher Redner wurden mit stürmischem Beifall auf^enomme«. gMsche «Werversammlmg beim MgeE Wne Premiere für DöHling war die im großen Saale -es Kasino Zögermtz am 1ö. d. stattgchahte MasienvtzvimmnLunH jüdischer Wähler. Mchdem der Bovsttzende .^ofvat Dr. Werner die Vorgeschichte der Wahlbewegung n kurzen Worten skizziert hatte, ergriff, lebhaft Degrüßt, Dr. H. Körner das Wort umÄ verwies mttex anderem «Mf -aS mustevgchende Beispiel der Hakvah, die allen Inden das SeÄstverttanen ipiedergeden soll, ein vorgel ftcktes Adel durch nimmemMes Streben zu erreichen, ^lheyda-umt Stricker ftffelte die Zuhörer durch Witz und DmsÄ Wch erschütterte sitz durch die Schilderung der i»«cheM« Gssahven, welchen die Inden zweifellos Mgegeugchen, wenn sie nicht ehrliche SachtMtsr rmtz Wächter Ms chren eigenen Reihen sich erwählen. Reicher Beifall ahnte in DMing seltenen Gast. Schließlich führte der DbdsnMr Kandidat Dr. Jakoh K o h n die um die jüdischen MnM>en huWnden Parteien in ihrer Theorie und Praxis Metzer Hakenkreuz noch Sowjetstern köfl-ntzu die Wegweiser des Iuventurns sein. Nur unter dem Schikde Davids könne« sie Fveiheit und Frieden finden. Nachdem Dr. Kohn eine Jntevpellation über M eterschutz und Meinrentnevinteressen unter dom Beifall der Versammlung 'heauiwortet hatte, schloß Dr. Werner mit -er Aufforderung, jeden jüdischen Mann und jede jüdische Fmu am Wahltage zur Urne zu bringen. Ne Sttmmzettel der Mischen Wahlgemei«' schnst. Stimmzettel sind in folgende« Lokale« zu haben: 4. Vezkk: Lass Atlashof, Wiefingerstraße 41. -- Cafs de Franse, Schottenchrg s. s. Bezirk: Antttq Mülle?, Untere Augartenstratze 3d. — Gasthaus Baron. Große Schtffgafse 19. Machsike Hadath, DÄiffamtsgaffe 80. — Cafe Safttyrbrücke, HoLandstraße 4. — Jüdischer Rationalrat. Taborsttaße 20». — Cafe Blau. Rote Sterngasse 17. - CafL Reif, Taborstraße 49. - - CafL Reichshof, Prater- Maße 60- — Cafö Piffl. Franzensbrückenstraße 1. — Cafe, Wolfgang SchmMaasse 10. — CafL Winkler, Stuwerstraße 1. Gastyaus „Zum Radfahrer", Ausstellungsstraße 86. — BolkS.» biblivthek Zion. Glockengasse 80. ». Bezirk: Zentraler Cafe Jliqn, Löweuaaffo 39. — Restaurattv» Litman, Radetzkystraße 21. I. A. V. Makkabäer, Reisnersftaße 23. - Mische Schlofferwerkstätte, Apostelgaffe 89. 4. Bezirk: Norbert Hpchstumm, Schtkanedergasse 11. 6. Bezirk: Menoräh, Amerlingstraße 19, Hofftiege. — Cafs West» minster, Nariahilferstraße S7. — CafS Rairnundhof, Stroh* matzergasse IS. - CafL Greppl. Gnmpendorfersttaße. 7. Bezirk: Restauration Reiß, Mariahilferstraße 124. — Restauration Zitahof, Mariahilferstraße 68». — Cafs Westbahn, Westbahnsttaße 60. — CafL Brtllantengrund. Lerchenfeldersttaße. 8. Bezirk: Bennoplatz 1. — Caft Schlösselhof, Alserstraße 15. 1V. Bezirk: Zionistische BezirkSsektlon, Favoritensttaße 180. 12. bis 15. Bezirk: Verbandsheim, Herklotzgasse 21. IS. Bezirk: Cafe Pretzl, Ecke Hütteldorserstraße und Heinlgasse. 1«. Bezirk: Caft DubinSky, Thaliastraße 22. 17. Bezirk: . Turnverein Makabbi, Rötzergasse 9/11. 28. Bezirk: Karl Meißl-Straße ’l. — Karl Meißl-Straße 5. Agitationslokale der Jüdischen Wahlgemeinschaft im 9. Bezirk Lokal l, CafL Mettopül,'Berggasse 33. — Lokal Ut Ser* sorgungShauS, Seegasse 9. — -Lokal tllr Makkabi, Liechtensteinsttaße 20. — Lokal M r - Zerenwniensaal, Müllnergasse Sl. — Lokal V: Jvria-Bude, Masergasse 4». Auskünfte beim Wahlleiter OberrechnunaSrat W c -> > ", »»» n WlnaW'ifi* Mta«W»M«WWlltaWtaMW»V »«MW