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Wiener Morgenzeitung · 1923-10-12 · Heft 1674 (12.10.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1674 (12.10.1923)
Date
1923-10-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1674 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 12. Oktober 1923 Sette S kann aufrichtig sagen: ich habe meine eigenen. Inte r-- essen in diesem Staate und diese kann nur einer aus meiner Gemeinschaft vertreten. (Applaus.) Die Anhänger des Grafen C z e r n i n behaupten, er habe nicht gewußt, was er tat, man hätte ihn aufmerksam machen müssen. Wird cs notwendig sein, einen Juden aufmerksam zu machen, daß er vor einer Abstimmung über den Nümerus-elausus nicht den Saal verlasse? (Pfui'.-Rufe.) Wo eine Vertretung der jüdischen Interessen geschaffen wurde, müßte jeder, der sich noch zum Judentum bekennt, hinter ihr stehen. (Lauter Beifall.) Sekretär Fleischer setzte sich mit den „Thora-Juden" der Czernin-Partei auseinander und erwähnte, daß Czerniu in einer „demokratischen" Versammlung der letzten Tage die erschienenen Vertreter der Frontkämpfer feierlich begrüßt habe! Wer will die jüdische Kirche» Ment Die Sozialdemokraten haben ein paar völlig unbekannte füdrsche Mitläufer ausfindig gemacht, unter deren Namen im 2. Bezirk ein Flugblatt verbreitet wird, welches für die Sozialdemokraten und gegen die Jüdische Wahlgemeinschaft Stimmung zu machen sucht. Das Flugblatt, das sich an die jüdischen Wähler wendet, appelliert an den jüdischen Scharfsinn, der „durchden Schleier nationalistischer Schlagworte" hiudurchdringen soll, es warnt die Juden davor, dem Schlag Worte de? „k l e in aber rein" zu verfallen, dann möchte man «ine Art von unfreiwilligem Selbstbekenntnis erblicken — und versteigt sich zu der Frage, ob uns mit einer „national verhüllten Demonstration unserer Schwäche" geholfen sei. Biel besser sei es natürlich, die jüdischen Stimmen der großen ,^ulturpartci" zu geben, deren Programm „die Gleichheit alles dessen predigt, was Menschenantlitz.trägt." Selbstverständlich geschieht es durchaus im Geiste dieses Programms, daß die Sozialdemokratie als einzige Partei vor den Wahlen das dringende Bedürfnis empfunden hat, Wahlplakate in Form von gemeinen antisemitischen Karikaturen zu veröffenAichen, welche das gesamte Judentum mit Panschalbeleidignngen bedenken und an die niedrigsten antisemitischen Instinkte a p P e l i e r e n, nur christliche Stimmen zu fangen. Wie es mit der Praktizierung jener in diesem Flugblatt gefeierten „Gleichheit alles dessen, toas Menschenantlitz trägt," aussieht, darüber kann man sich in dem Flugblatt selbst unterrichten, in dem es heißt: „Freilich, hört man jagen, auch unter denen, die sich Sozialdemokraten nennen, gibt cs vereinzelte Judenfeinde. Allzu lief sitzt noch in den Massen der mittelalterliche Judenhaß, den die ehemaligen Machthaber und ihre Nutznießer durch Jahrhmrderte eifrig genährt haben, um uns Juden als Blitzableiter bei Empörungsausbrüchen des gequälten und ausgebeuteteu Volkes mißbrauchen zu können. Nun, das mag vielleicht in einzelnen Fällen zutrefsen." Hauptsächlich trifft dies wohl in jenen Fällen zu, in denen jüdische Sozialdemokraten und deren Trabanten den traurigen Mut aufbringen, den jüdischen Namen zu verunglimpfen oder sich bei antisemitischen Angriffen feige zu drücken, um nur nicht an ihr Judentum erinnert zu werden; aber auch die Herren a la Stadtrat Richter und Sevor haben oeichlich Gelegenheit gehabt, diese „Gleichheit" gegenüber armen, arbeitenden' Inden praktisch zu betätigen! Die „Glaubensgenossen", die hier angerufen werden, loerden freilich vertröstet auf die Erziehungsarbeit der Demokratie, ivclche die Arbeitermasfeu zur Achtung vor unserer Meirschntwürde und zur „Toleranz unserer berechtigten jüdischen Eigenart" erziehen wird wer aber an den antisemitischen jüdischen und nichtjüdischen Führern der Sozialdemokratie diese Erziehungsarbeit vollbringen soll, darüber erfährt mau da nichts! Daß hier wieder mit der Verleumdung operiert wird, daß ein Erfolg der jüdischen Liste „zur Stärkungder Reaktionäre" dienen würde, ist beinahe selbstverständlich; dieser alte Ladenhüter wird von den Sozialdemokraten immer dann hervorgeholt, wenn sie der jüdischen Sache in den Rücken fallen wollen. Der erfolglose Versuch, die jüdische Einheitsfront zu stören, trägt die folgenden Nnterschristen: Hugo Treb i t s ch, Kontrollbeamter, 2. Bez., Schiffamtsgasse 12; Julius Schwarz, Papicrhändler, 2. Bez., Untere Donaustraße 39; Ignaz S i n n r e i ch, M. d. V. Tempelsr., 2. Bez., Ferdmandstvaße 22; Josef P i ck, Religion sichrer, 2. Bez., Lcopoldsgasse Nr. 27; Georg Feuer, Maler,' 2. Bez., Herminengasse 6 (nicht Maler S. Feuer, gleiche Adresse, der uns um die Feststellung bittet, daß er sich mit dieser Aktion nicht identisiziere); ferner David Wagend erg, A.-Mitglied des Jüdischen Vereines Nicderösterreich; Moriz Figdor, Rcligions- .lchrer, 2. Bez., F. Hochedlingcr-Gasse 21; Josef Sp r i n z e l e s, Reisender, 2. Bez., Lichtenauergasse 6; Oskar OHlatt, Möbelhänler, 2. Bez., Praterstraße 52; Eugen Benda, Tapezierermeister, 2. Bez., Lichtenauergasse 7; Rudolf Adler. Kaufmann, 2. Bez., Taborstraße 66; Ing. Siogmund Korn.f«tn, Beamter der israel. Kultusgemeinde, 2. Bez., Czerningasse 6; Salomon Beer, Friedhossdiener, 20. Bez., Kaschelgasse 6; Hermann Z i r n e r, Kaffeehausbesitzer, 2. Bez., Untere Augartenstraße 11; Karl Kalman n, Tapezierermeister, 2. Bez., Rote Sterngasse Nr. 31; Wilhelm Spielberger, Glasermeister, 2. Bez., Tempelgasse 6; Ing. Ignaz Knöpfelmacher," Patentanwalt, 2. Bez., Praterstraße 28; Josef Weiß, Kinobesitzer, 2. Bez., Untere Augartenstraße 28; Hermann Wagenberg, Fabrikant, 2. Bez., Obere Donaustraße 48a; Richard Kaiser, Beamter der israel. Kultusgemoinde, 9. Bez., D'Orsaygasse 11; Heinrich K n o l l, Schuhwarenhändler, 2. Bez., Obere Donaustraße 43; Joses Goldstein, Vorstandsmitglied Osfeh-Chesed, 2. Bez., Schiffamtsgasse 3; Moriz Ho row itz, Handelsvertreter. * Auch tut 4. Bezirk wird von den Sozialdemokraten eine solche Irreführung der jüdischen Wähler versucht. Von einem „Wahlkomitee derWiedner Judenschaft" werden Flugzettel zu einer am Sonntag den 14. d. im großen Gemeinde- .facti, 4. Bez., Schäffergasse, stattfindenden Versammlung verbreitet. Als Zuckerbrot wird die Phrase hingestreut, daß, wenn sich die jüdische Wählerschaft darüber in: Klaren ist, wie besonders wichtig für sie der Ausgang der diesmaligen Wahlen sein wird, sie gewiß der Einladung Folge leisten wird. Diese Einberufung ist aber, wie wir erfahren, eine g e m e i n e Irreführung der jüdischen Wähler des 4. Bezirkes, die von einigen Mitläufern der Sozialdemokraten unternommen wird, um Juden von der Wahlgemeinschaft abzuziehen und unter listigen Vorspiegelungen dein sozialdemokratischen Lager zuzuführen. Dieses Vorgehen allein zeigt schon, wie sehr sich unsere Gegner vor der Jüdischen Wahlgemeinschaft fürchten! Der jüdische Wähler aber ersieht daraus, wie wichtig seine Stimme geworden ist! Daher wird der jüdische Wähler ganz besonders achtgeben müssen, und allen Manövern, unter welcher Firma sie auch immer austretcn, auswcichen. Für den j ü d i s ch e n W ä h l e r gibt es nur eine Partei: Die Jüdische Wahlgemeinschaft! Mißbrauchder sozialdemokratischen Srdnerwehr Gbsvmals hat sich der Unfug ereignet, daß sozialistiiche Ordner in Uniform in eine zionistische Versammlung (in der Leopoldstadt) eingednmgen sind. Wozu das geschieht, ist nicht recht klar. Die Ausgaben der soz'ialistischen Ordnerwehr dürften keineswegs darin bestehen, zionistische Versammlungen zu stören. Es wäre sicherlich airgebrachter, wenn die Herren Ordner ihre gewiß kostbare Zeit dazu verwenden wollten, sich an die Punkte zu begeben, wo ihre Parteigenossen durch die Revolver der Hakerckreuzler bedroht werden. Merkwürdig bei diesem Zwischenfall war aber auch das Verhalten der Polizei. Denn diese, zirka 40 Mann stark, hat es ruhig mitangesehen, wie zehn mit Knüppel bewaffnete Männer aus die Versammlungsteilnehmer losgmgen. Zwar hat der Obcrpolizeikomnrissär Dr. Kraft, mehrere Zeugen vernommen, die die Knüppelhelden bei ihrer „Arbeit" gesehen haben, doch hat «er trotzdem keinen Anlaß zum Einschreiten gefunden! Die Vertrauensmänner des Wahlsprengels Taborstraße Nr. 1 bis 19 sowie der anliegenden Gassen werden für heute um 7 Uhr abends in unser Sprengellokal, Cafe Salztorb rücke, Holllandstra ße 4, zu einer dringenden Besprechung eingÄadcn. Dar Pech der 8robde«tsche«. Die Wahlaussichten der Großdeutscheu vermindern sich, voir Tag zu Tag. Die Wahlgemeinschaft mit dem Deutschen Landbund ist in die Brüche gegangen und die Bauernpartei kandidiert in alleir Ländern, mit Ausnahme von Obevösterreich uitb Kärnten, selbständig unter der Partetbezeichmlng „Landbund für Oesterreich". Die Großdeutschen hatten, noch bevor sie sich mit den Landbündlern zerschüigen, alle offiziellen Drucksorten sowie Wahlvorschläge noch unter der gemeinsamen Parteibezeichnung „Großdeutsche Volkspartei und Landbund" bei den Wahlbehörden eingereicht. Gegen diese Parteibezeichnung hatte der Landbund zunächst bei der Hauptwahlbehörde mit der Begrüitdung Einspruch erhobelt, daß sie irreführend sei. Die Hauptwahlbehörde, deren Vorsitzender der Großdeutsche Vizekanzler Dr. Frank ist, schloß sich jedoch dieser Anschauung nicht an, und empfahl den Kreiswahlbehörden, die Einsprüche des Landbundes abzuweisen. Die Kreiswahlbehördc St. Pölten war aber anderer Ansicht. Sie hat dem Protest des Landbundes Folge gegeben, und entschieden, daß die vor: beit Großdeutschen für diesen Bezirk eingereichte Liste, um Verwechslungen mit der des Lairdbundes hintauzuhalteit, keine Parteienbe-« Zeichnung führen dürfe, sonderit lediglich mit dem Namen ides L i st e n f ü h r e. r s, Dr. Urft n, zu bezeichnen sei. Infolge dieser Entscheidung gehen zumindest die Reststimmen aus dem Viertel ob dem Wiener Wald für die Gr ostdeutschen verloren, da eine „Ursin-Lifte" im Wahlkreisverband nicht airgemeldet ist. Es ist nun eine ziemlich allgemeiit verbreitete Meillung', daß die Großdeutscherr beim ersten Ermittlungsverfahren nur ein einziges Mandat, das des Ministers Doktor S ch ü r f f, im Viertel unter dem Wieuerwald erhalten werden. Aber a u ch h i e r liegt ein Protest des Landbundes gegen di« gewählte Parteibezeichltung vor.- Entscheidet nun die Wahlkreisbehörde in W r.-N e u st a d t im selben Sinne wie die St. Pöltener, so würden die Geoßdeutschen im Viertel untev dem Wicnerwald nur mit der Liste Schürff bezeichnet werden können, und da somit im ganzen Bundesgebiet kein einziger Großdeutscher im ersten ErmittlungSverfahreit ein Mandat erhielte, würde diese Partei auch Leint zweiten Skrutinium auf die Zuweisung weiterer Mandate keinen Anspruch haben, und die großdeutsche Vertretung würde sich auf Dr. Schürff und zwei Kärntner Großdeutsche, die dort auf der bürgerlichen Einheitsliste stehen, reduzieren. Allerdings ist: es möglich, daß in Oberösterreich, wo der Landbund mit den Großdeutschen geeint vorgeht, beim ersten Ermittlungsverfahren doch ein großdeutsches Mandat errechnet wird; das ist noch die einzige Hoffnung dieser Partei, weitz sonst alle ihre Führer, Vizekanzler Dr. Frank, die gewesenen Minister Dr. W a b e r und Kraft, Sepp Straffner usw., aussichtslos im geschlagenen Felde enden würden. Das Erheiternde an dieser Schlamastik der Groß? deutschen'.ist, daß sie sich in ihren eigenen Netzen verstrickten. Die neue Wahlordnung ist von ihrem eigenen Führer Doktor Frank so kompliziert ausgearbeitet worden, um trotz der Verringerung der Nationalratsmandate von 183 auf 165 den Großdeutschen ihren bisherigen Mandatsbesitz zu garantieren, während die anderen Parteien um 18 Mandate weniger erhielten. Da es aber meistens anders kommt, werden die Künfteleielt des Herxn Frank seiner Partei eben nicht: viel helfen, und sie lauft Gefahr, im Nationalrat auch ziffernmäßig auf jene Bedeutungslosigkeit reduziert zu werden.- die ihrem inneren Gehalt entspricht. Mische Wahlgemeinschaft. Wählerversammlungen. 1. Be 3-» Samstag den 13. Oktober. I o h a n n e s g a s f c, Kaufmä n irischer Verein, halb 8 Uhr abends. Redner: Obevbaurat Ing. Stricker, die Gemeinderäte Dr. Schwarz- Hiller, Dr. Pollak-Parnau und Dr. Defider Friedman n. 2. Praterstraß.e 60, Cafe Reichshof ' (Theatersaal), HM 8 Uhr abends. Redner: Ge.meinderat Dr. Plaschkes, Bezirksrat Hoffmann und Oberbaurab Ing. Stricker. Bez., Prater 113' Restaurant „zum Einsiedler", 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Siegfvied Spitzer, Brenner und Dr. Löwenherz. Züdiscbe MMgemeinscliakt 9. Bezirk Sonntag den 14. Oktober l.J., %10 Uhr vorm., findet im Heimat-Kino, IX., Porzellangasse 17, ein Mische» Maffeumeetiim Referenten: Gemeindeii i,i m, rat Dr. Schallt, KultuSvorsteher Dr. statt r°t Pollak-Parnau. '6ofia‘ÄSlt Arnumn, U,U“Ä KoMtein Kultus Vorsteher Ignaz Glück, Jakob Weiner, Genteinderat Dr. PlMler 2. Bez., Krummbannt gaffe 8, Au s s p ei s tt n & halb 8 Uhr abends. Redner: A. Schwertftnge^ Dr. Zolles und Dr. Felix. 2. Bez., Praterstraße 60, Cafe Reichshof. Frauen Versammlung. Redner: Gemernderab Dr. Sch Warz-Hill er, Ing. R. Stricker, Gemeinderat Dr. Plasch>kes. 2. Bez., Große Schisfgasse 24, „Emeth weschalom", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. W a l d m a n n und Redakteur Racker. 2. Bez., H e r m i n e n g a s s e 8, „Chassidi m", -halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. T a r t a k o w e r und Prof. Rath. 2. Bez., Schiffamtsgasse 5, ,L)seh Chesed", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Steinbcrg und Nebenzahl. 2. Bez., Schiffamtsgasse 20, „M a ch s i! e Hadath", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. R h b a c z e w s k i mit? Meier Henis ch. 2. Bez., Hollandstraße 2, ,Liwiath Chen", halb 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. P o r d e s rmd Nebenzahl. 2. Bez., Prater 113, Restaurant „z n m E i n s i e d l e r", 4 Uhr nachmittags. Redner: Dr. Löwenherz, Dr. S. Spitzer und. Josef Brenner. 3. Bez., Obere Viaduktgasse, „Oseh Tow", halb 8 Uhr abends. Redner: Baurat Dr. Defris, Dr. Waldmann und Dr. Salo Le mb erg er. IEDEK WKHLE für den Einkauf von Stoffen für die Herbst* und |i|a>ftn Wintersaison: Damen- und Herrenwäsche, Bett* wdlcli und Hauswäsche, Strickwaren, Teppichen, Vorhängen etc, nur das bekannt verlässliche u. billige [Schiffmann II.. TaborstraBe 48 Telephon 47-1-79 En gras En detail

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