Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1665 (3.10.1923)
- Date
- 1923-10-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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•<*»>» wm, Ämmvory ZexitU, Visen- und Bauwerte. Heimisch« Bauten konnten sich von den emaanK erlittenen Einbußen erholen, während die Wiener schwach vlreben. Bon Transportwerten zogen nur Nord- . Lahnaktien, im Kurs« an. Auf dem Anlagemarkt erfreuten sich .-Staatspapieve reger Nachfrage. Auf dem Exotenmarkt war die Hattuna schwach, doch trat gegen Schluß eine Besserung zutage, namentlich für Bulgaren, Jnwald und Schönpriesener. Der Schluß war erhalt. Sch l « ß k u r s er Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —v—, Böhm. UnionLank 459.—, Böhm. ESkornptebank 472.—, Böhm. Jndustrialbank 495.—, Zivnoftenska , Banka 451.50, Anglobank 173.—, Oesterr. Kredit 150.—, Wiener Unionbank 16V.—, Wiener Bankverein 101.50, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A 680.—, Lit. B 223.—, FerdinandS-Nordbahn 11.100.—, Prag-Duxer 280.—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn 1200.—, Nestomltzer Zuckerindustrie lp60.—, Bereinigte Elektrizität Wien —, Brosche 1610.-, Koliner Spiritus 1478.-, KönigShofer Zement 1570.—, Breitfeld-Danek 569.—, Ringhoffer 866.—/ Gimmeringer 202.—, Rothkosteletzer Textil 400.—, Alpine Montan 330.—, Poldihütte 504.—, Prager Eisen 1186..—, Oesterr. Berg «. Hütten 9180.-. Skoda 695 -. Jnwald 640.-. Baumwollmarkt. Aew-Bork» 1. Oktober. Baumwollzufuhren in den atlant. «nd Golfhäfen 132.000, -im Innen: 80.000.. Ausfuhr nach Großbritannien 79.000, nach dem Kontinent 36.000. Lokalmarkt miääling r 29.50 (letzt. Kurs 29.40). Tendenz: stetig. — Termine: September —, Oktober 28,76, November 28.39, Dezember 28.39, Jänner 27.90, Februar März 27.85, April. Mat 27.84, Juni Juli 27.20, August Ae Devisenkurse. Berlin, 2. Oktober. (Devisenkurse.) Amsterdam 125,286.000.— (114,762.500.-), Belgien 16,159.500.- (12,578.500.-), - Christiania 60,473.500.- (38,304.000.-),!T; >-"entzogen 56,658.000.- (43,092.000.-), Stockholm 84,586.000.- (64,439.000), Italienische 14,864.000.- (10,972.500), London 1464,375.000.- (1097,250.000). New-Aork 319,200.000.— (241,395.000.-), Paris 19,152.000.— (14,763.000.—), Schweiz 66,857.500.- (43,092.000.-), Spanien 42,892.600.— (32,917.500.-), Wien 448.850.- (341.200.-), Prag VM6.125.—(7,231.875.—), Budapest 1,695.700 - (1,296.700), Sofia 8,142.126.— (2,244.375.-), Belgrad 3,840.375.- (2,793.000.-). Berlin» 2. Oktober. (Notenkurse.) — Noten r Dollar 819,200.000.- (241,395.000.—), Pfund 1448,376.000.- (1097,250.000), Italienische 14,364.000.-(10,972.500.-), Polnische 67,000.- (57.000.-), Tschechoslowakische 9,526.000.- (7,231.600), Oesterr. gestempelte 4,485.000.- (3,410.000.-). Prag» 2. Oktober. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Baukamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin 0.07 (0.12), Zürich 612.76 (612.76), Paris 204.76 (208.60), London 155.50 (164.60), New-Aork 84.20 (34.10), Belgrad 39.26 (39.05), Bukarest —(-.-), Wien 4.57% (4J58), Warschau 0.78% (0.91%),' Agram (-.-), Budapest 17.12 (17.12), Jugoslawische 88.75 (38.75), Oesterreichische gestempelte Zkrone 4.66 (4.67), Polnische 0.69% (0.85»/«), Ungarische (-.-). DuLapesk» 2. Oktober. (Kurse der Devisenzeutrale.) — Amsterdam 7600 bis 8040, Bukarest 95.— bis 108.- Kopen- Hagen 8440 bis 3660, Christiania 3100 bis 3320, London 88.200 bis 92.600, Berlin 0.001 bis 0.002, Italien 885.—bis 940.—, Paris 1180.- bis 1246.-, Prag 683.— bis 627.-, Stockholm 6180 bis 6460, Zürich 344-0 bis 3660,Wen 0.2740 bis 0.2950, Sofia 190.—- biS'201.—,.Belgrad 220.- LiS234.-^, New-Aork.. 1S'400 bis 20.800, Warschau 0.0560 biS 0.0716, BrüM 1020.- drs 1076.-. * Warschau, 2. Oktober. (Devisen.) Berlin 0.0014, London 1,970.000, New-Aork 394.000, Prag 11.980, Wien 5.62. Agram, 2. Oktober. (Devisen.) Wien 0.1190 bis —, Berlin 0.0002 bis —. Budapest —bis —, Bukarest 40.- bis Italien 387.- bis London 336.- bir —, New-Aork 84.60 bis —Paris -.- bis —, Prag 247.- bis Sofia -.- bis Schweiz 1535.- bis —, Brüssel 346.- Bis , Warschau -.- Bis Amsterdam —.* - bis —.—, Stockholm —. Belgrad. 2. Oktober. (Devisenkurse.) London 896.— Bis Paris 524.- Bis —, New-Aork 85.76 Bis . Genf 1543.— bis —.—, Saloniki —bis —, Mailand 892.— bis , Prag 255.- bis —.—, Berlin 0.00056 bis -.-, Wien 0.1210 bis -.— Bukarest Bis Sofia 82.— bis —Budapest 0.46 Bis —, Brüssel 460 — bis—.—, Amsterdam-.— bis —, Warschau —Bis-.—. New-Aork, 1. Oktober. (Devisen.) London 464%,, Paris 694.—, Berlin 0.000033, Mailand 449.-, Zürich 1784.—, Kopenhagen 1780.—. Stockholm 2652, Christiania 1584, Amsterdam 3929.-, Prag 299.50. Men 0.14125, Budapest 0.50, Bukarest 46.25, Warschau 0.02376, Madrid-.-, HelfingsorS Brüssel —.—. Kanada -.— u. p., Brafilien , Argentinien —, Belgrad 113.60. . .. . . Nachdruck verboten. (S. Fortsetzung.) Feiwisch, der FuhMMn. Eine Legende von Zoltan Nagh. Lmzigberechtigte Uebertragung aus dem Ungarischen von Stephan I. Klein. Die Stimme des Herrn schien stärker zu werden: „Was heißt das, ein Scherz?" rauschte die Frage. „Was heißt das, ein Scherz?" wiederholten mit singenden Stimmen die Rabbiner und begannen hastig in ihren Büchern zu blättern. Es klang wie Waldesrauschen. Die Seele des Metzgers erklärte stammelnd: «Der Scherz bestand darin, daß Feiwisch darüber sehr traurig wurde und Angst hatte. Ich aber lachte." „Darf man darüber lachen, daß ein anderer Mensch Angst hat und traurig ist?" fragte, der Herr, Md die hundert Millionen Rabbiner wiederholten singend die Frage und blätterten in den Büchern; es klang, als wäre ein Windstoß in die Blätter gefahren. Kaum vernehmbar flüsterte die Seele des Metzgers: „Denn er war ein so einfältiger Mensch . . ." „Darf man Scherz treiben mit einem Einfältigen?" fragte der Herr und fragten die Rabbiner mit zornigem Gesang und blätterten hastig, daß es wie Sturmwind brauste. Die Seele des Metzgers schrumpfte zusammen. „Man darf es nicht, Her r", sprach er still. „Nun weiß ich schon, daß man es nicht darf, Ich bin eine arme, verirrte, sündige Seele, laß'- Barmherzigkeit walten/ du Barmherziger und Gnadenvollerl" Wiener Morgenzeitung. 3..Oktober. 1923 Sewl! wmm m m Dank an die jüdischen Mandatare. Am kommenden Sonntag findet ans dem Krieauer-Spvrt- Platz das Meisterschaftsspiel Halocch—Slovan statt,. wobei die Besucher dieses Treffens die Annehmlichkeit, baß diie Straßenbahn nun bis Mm Sportplatz fährt, erfahren werden, Anläge nuferes jüdischen Vereins, erfreute sich, bis jetzt keiner be< sonderen Beliebtheit, was' ausschließlich daranf zurückznführen war, daß zu seiner Erreichung ein fast ihaWtündjger Fußmarschvon der Straßenbahn notwendig war. Im Sommer empfand man den Uebelstand nicht so sehr, da der SpaAergang durch tyic schönen Prat-erauen viel Schönheit in sich harg. In deruRegen- Perioden des Frühjahrs und des Herbstes,' dieden Präterboden glitschig machten und ihn teilweise ustter Wasser setzten, gehörte schon eine bedeutende Portion SelhstveMugnnng dazu, un: der' Hakoah Irene 'Gefolgschaft zu leisten. Ebenso unangenehm, empfanden es die Zuschauer, wenn sie im. Winter durch den Schnee stapfen oder gar gesahrb'ingende Eisflächen überqueren' mußten. Die schlechte Straßeübahnverbindnng 'hätte 'demgemäß Mr Folge, daß viele treue Freunde des süWchen. Spbris. es. bei unfreundlicher Witterung - vorigen,' hchr MychW?. ihres' Lieblingsvewins fevnzMeiben^ Es'war nun selWerständlich, daß die Hakoah ihr ^Bestreben darauf richtete, eine'Besserung dieser unleidlichen Verhältnisse im Gsmeinderat zu erwirken. Die jüdischen Mandatare, um deren Unterstützung'die Hakoäbner bittlich wurden, vechHertägten' in glänzender Weise das in 'sie gesetzte Vertrauen Sie scheuten weder Mühe noch Kosten, um. der Hakoah behilflich M sM, and ihrer nimmermDen Tätigkeit hat es der jüdische Berein zu danken. daß die Straßenbahn bis zum Krieauer Sportplatz fährt. Obwohl wir.wissen, daß di« jüdischen Mandatave es-als ihre'Pflicht evächten, allen jüdischen Organisationen behilflich zu sein, so. können wir uns doch nicht versagen, ihnen unseren Dank Nbzustattim. Wir müssen uns darüber klar werden, daß die Hakoah ohne die Unterstützung unserer Vertreter im Gemeinde rat nie das gesteckte Zre-l erreicht hätte. Wir sind uns dessen bewußt, daß der gesamte jüdische Sport in Wien nur . dann auf. stolze Höhe gelangen kann, wenn ihm' Wortführer in. den politischen < Behörden erstehen. Der jüdische'Sport benötigt das Wohlwollen der Rathausgewaltigen, um sich Spiel- und Turnplätze zu sichern. Wir handeln also im ^eigensten Irvtevess«. wenn wir -tom 21. d., am Tage der WDl, unsere Stimmen für die jüdische Emhei'tsliste abge'bcn. Terror! Die diesjährig« Herbstsaison steht unter einem ungünstigen Stern: Fast an jedem Sonntag gibt es auf-einzelnen Wiener Sportplätzen Ausschreitungen, die den Zweck verfolgen, eine Mannschaft oderden,, Schiedsrichter einzuschüchtern. Die Vortelle, die die Meisterschaft in sich birgt, werden durch diese Exzesse vollkommen. aüsgchoben, und jeder denkende Sportsmann stellt sich di« Frage, -wie man diese Uebelstände aus der Welt i^sifEN-kann. Die Press« laßt es an Aufklärungsarbeit wahrlich pWMMjsstn hie' stÄnge j Hand unsere HAKOAH.SPORTPLATZ — KRIEAU neben' der Meierei Krieau —, Sonntag den 7s Oktober, */24 Uhr: Meifterfchaft Vomer: Sportbehörden. Der Fußballverband glaubt damit seine Pflicht! getan, zu haben, wenn er die Spieler disqualifiziert, wobei wrr noch - feststellen, daß die Bestrafung der Fußballer nicht nach dem richtigen Schlüssel erfolgt. Vor allem vermissen wir, daß der Strafausschuß mit der nötigen Strenge einyreist, wenn Fußballer auf dem Spielfeld durch ihr Gehaben dre Zuschauer zu Exzessen förmlich provozieren. Dieses Vergehen verdient gleich empfindlich bestraft zu werden w:e ausgesprochen« Roheitsakt«. Vor dem besten Mittel, das die Aufrechterhaltung der Ruhe auf den Sportplätzen gewährleistet, schreckt der Verband' ailffallenderweise' immer zurück. Die Derrortrupps bei den Ausschreitungen werden > immer von den Zuschauern Leigestellt, wäre demgemäß am. Platze, wenn man das Publikum zur .suspendiert den Meisterschaftsspielen, die in die Zeit der Sperre fallen, aberkennt. Wenn die Zuschauer sehen werden, daß sie durch Exzesse. ihrem Lieblingsverein nicht gutzumachenden Schäden zu-' fügen, dann werden sie sich bald eines besseren besinnen. Bei den Treffen der erstklassigen Vereine üben die „Kie- .bitze" Terror "aus. In den unteren Klassen hingegen versuchen sich aber auch 'die Schiedsrichter mit großem Erfolg als Ter-> .roristen. Daß die . jüdischen Vereine unter dem zuletzt genannten -Mißständ besonders - zu leiden haben, wird wohl niemanden, wundern. Unsere kleinen Brudervereine haben meist nach'drei Fronten zu - kämpfen. Als Gegner kommen' nämlich nicht nur die zu bekämpfende Fußballmannschaft, sondern auch deren Anhängerschaft und oft auch der Schiedsrichter in Betracht. So hatten wir z. B. am vergangenen Sonntag das Vergnügen,, dem Mezsterschrstsspiel Hasmoma—Republik beizuwohnen, und' wir erklären, daßwir einen derartigen Schiedsrichter, wie ein gewisser Herr Huber vom Sportklub Donau davstellte, noch nie gesehen haben. SelbstverstäMich war der nominiert« Unparteiische, wie es eben in den unteren Klassen zur Tagesordnung zählt, nicht erschienen, so daß Hasmonea gezwungen war, sich diesem Herrn Huber au^uliefern. Nicht nur, daß der: Schiedsrichter selbst von den «rnfachsten Spielregeln kein«' Ahnung hatte, ließ er durch die Tat und durch seine Aeußerungen erkennen, daß er mit allen Mtteln den Erfolg des jüvi- .scheu Vereines verhindern wollte. Bei den Spielen der kleinen Klubs fehlt die öffentliche Kontrolle, so daß sie ' dem Unparteiischen, der die einzige Amtsperson auf dem Felde ist, auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Der Wiener Fußballverband und seine Unterausschüsse haben jzahllose Funktionäre, deren Arbeitsgebiet wahrlich gering ist. Sie hatten demgemäß, die Pflicht, nicht nur dasüv Sorge ät tragen, daß tatsächlich der Schiedsrichter bei den fielen erscheint, sondern sie müßten auch Kontrollorgane auf die einzelnen Sportplätze entsenden. Nur. auf diese Weise ist es möglich, daß jungen Leuten der 'Sport nicht verleidet und daß die Meisterschaft nicht um ihre Roelität gebracht wird, _ Kte nächsten MeWevschSstssY^le. Am . kornmendein Sonntag Onden svMmIde Meistövschast> T?? » Vonnittags 10 Uhr: Slovan-Reserven — Hakoah-Res. Achtung! Strassenbahn Äk bla -zum Sportplatz Vorverkauf: Hotel-Post, Hakoah,'Atlashof* Stadion, II. Franzens* brückenstrasse 24, Häusler, II. Taborstrasse 59 10341 : . E'rst^M'a s s e: Amateure gegen Wacker, HMHä gegen SpvEüb, Hakoah gegen Slovan, Ädmiva gegen Ostmark, W. A. F. gegen Vienna und Simmermg gegen Rapid. Zweite Klasse Süd: Gvvmaüia gegen Vorwärts06, Bewegung 20 gegen Gimmeringer SP. Dg., BewegumBiPieler , gegen Sportsveuinde, Ruidolsshügel gegen Vorwärts 11, Cricheter gegen International, Neubau gegen Phönizia. Zweite Klasse Nord: Nußdorf gegen Red Star- Gersthof gegen Sturm Ö7, Moivlmger Sp. F. gegen Straßenbahn, DonaustM gegen Donau, F. A. E. gegen W. A. C., Jedlorsidorf'. gegen Stürm 14. Dritte Klasse West: Neptun^ gegen Ast-.uia, Union 14 gegen Weiße Ns, Ober-St. Beit gegen Wieden, Fünshaus gegen Normannia, Banmgarten gegen St. Veit, KäUimäh , gegen M. A. C. Vierte Klasse Nord: I. A. C. gegen Wiener Viktoria, Astoria 20 gegen Unität, Sievering gegen Alsergrund, Währing gegen Taubstummen, Reichsbund gegen Neulevchew. seid. Graphia gegen Dornbach. Vierte Klasse Südost: Lamdstraher Vorwärts flehen Achen 2, Prater Sp. C. gegen Gvchie, Beritas gegen Hechawer, Hazäir gegen Hasmonea, Republik gegen Donau« stadt-Bewegung, Elektra gegen Aspangbahn. Fünfte Klasse Nordost: Stammersdors-Athrn gegen Viktoria 20, Hirschstatten gegen Hochstädt. Menvvah gegen' Nordost 211, Aspern gegen Flovidsdorser Rasenspieler. Und - er warf sich vor dem H e r r, n nieder. Feiwisch' Seele aber betrachtete die. andere, traurige, bußfertige Seele und .dachte bei.'sich: „Wer hätte geglaubt, daß dieser ungeschlachte./Metzger, dieser seelenlose Spaß- Vogel, eine so weiche und traurige Seele hat?" Plötzlich - vernahm er in her Ferne jammernde und weinende Stim- - men, Weibevklagen und Kindergveinen, und er erkannte.die Stimmen der Frau und der Kinder des Metzgers. Die wehklagten nun unten auf. der Erde um-den Toten. Da fragte der Herr weiter: ,^ast du noch andere Zeugen?" / Und'still antwortete Feiwisch' Seele: ,Mrn, Herr. Ich will mein Recht Nicht >mshr suchen.' Auch die anderen.haben' Weib nnd Kind, auch die würden Zweimen, bepiefoft du die Männer hierher, furchtbarer Richter! Deine Bavm^hertzigkeit suche ich, 'nicht mein Recht. Wir waren allesamt schwache, irrende Menschen. Sie zürnten mir, weil ich den menen Kantor nicht ^ben wollte. Sei ‘ ihnen bavmhertzitz." ^MeshaW wolltest du 'den neuen Kantor nicht , haben?" Feiwisch' Seele dachte nach; er entsann sich kaum' mehr, weshalib er den neuen Kantor nicht hatte, haben wollen. Dann sprach er zögernd:' ,Meil er eine so dünne Stimme.hat, so weibisch, so kindisch. Nicht eine solche Stimme soll deinen Namen preisen, sondern das volle Schmettern einer Männerkehle..." Der Herr.antwortete Nicht. Stille herrschte. Dann sah Feistnsch' Seele/ .daß . die Rabbiner, das Buch schlossen (vorerst Ußten sie das Blatt, wo sie ihr Lernen beendet) und sich in den Stühlen Wrücklehnten. Die Zeit der Nacknrrttagsandacht ist gekommen — dachte « bei sich. Sei» Gwßvater aber erhob sich nnd begann zu singen..: Mit hoher, ' schmelzender, klarer Stimme sang er das Abendgebet, die langsamen Triller zu kummervollem Schluchzen dehnend. Feiwisch klang des Großvaters Stimme wie die Schimschons. Die ^rswmnÄumg der 'hundert Millionen Rabbiniev betete mit geschlossenen Augen, lantlos, und nur beim Namen des H.errn erscholl ihre Stimme, in geldämpfteim Chor dem Gebet antwortend: „Gelobt sei e r und sein Name!" Und zum Abschluß raunten sie wie plötzlich sich' erhebendes und mählich ersterbendes Wa-ldesvauschen: ,/Amen!" Feiwisch Seele aber lauschte dom Gesang. Tränen drangen ihm aus den Augen und rannen in Strömen über seine Mangen. Er warf sich neben die anderen Seelen hin und schluchzte. Und wesich und warm erklang die Stimme des H e r r n, da er nochmals anhub: „Weshalb gefällt dir dieser Gesang nicht, so sehr nicht, daß du seinethalben in einer inemer Gemeinden Zorn und Zwietracht gesäet hast? Wer wagt einen Unterschied zu machen zwischen den Stimmen, die mich preisen?" Feiwisch Seele schluchzte, bitterlich: ,Mer wagt einen Unterschied zu machen zwischen den Stimmen, die den Herrn preisen? Wer ist es, der Zorn und Zwietracht säet und die Versöhnung uicht kennt? Ein böser Wtensch ist es! O, Herr, ich bin eine arme, verirrte, sündige Seesle, laß Barmherzigkeit walten, du Barmherziger und Gnadenvollcr!" (Schluß folgt.)