Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1659 (27.9.1923)
- Date
- 1923-09-27
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Cfeffe 8 Men, Donnerstag Wiener Morgerfzeituirg. 27. Se^ptember 1923 Nr. 1659 .V'öd)|ibv'ti;aa mit 200.000 Kronen, festgesetzt. Die Versendung von Kronen durch die Post, gleichgültig ob sie in Form von Noten, Schecks, Wechseln usw. erfolgt, ist ebenso wie die Mitnahme von Kronenschecks- Wechseln nsw. im Reisenden- oder im kleinen Grenz verkehr auch weiterhin ohne Rücksicht auf die Höhe des Betrages mir mit schriftlicher Bewilligung der Oesterreichischeu Nationalbank zulässig. Hingegen unterliegt die Ausfuhr von ausländischen Zahlungsmitteln (Noten, Schecks nsw.) seit der Aufhebuug des Steuerftuchtgeset^s (Februar 1923) keinerlei Beschränkungen mehr. Maßnahmen zur Unterstützung der Weizenproduzenten Amerikas. Washington, 26. September. (Wolfs.) In einer Konferenz zwischen Präsident Coolidge und den Kabinettsniitgliedern wurden Maßnahmen zur Unterstützung der Weizenproduzenten erörtert, namentlich die Möglichkeit einer Herabsetzung der Eisenbabnfrachten für Exportweizen und Exportmehl sowie eine Erhöhung des gegenwärtigen Weizen; olles. Adressierung von Zuschriften in Verkehrsangelegenheiten. Am 1. Oktober 1923 beginnt die neu^ Unternehmung .^stesterreichische Bundesbahnen" ihre Tätigkeit. Von diesem Tage an besorgt die Generaldirektion der ßDesterrcichischen Bundesbahnen" alle Angelegenheiten der Verwaltung und des Betriebes der österreichischen Bundesbahnen, die bisher dem Bundesunnisterium für Handel und Verkehr Verkehr) Vorbehalten waren. Der Wirkungskreis der Bundesbahndircktionen bleibt — abgesehen von den bisher von den Direktionen im übertragenen Wirkungskreis besorgten und nunmehr an das Ministerium für Handel und Verkehr zurückfallenden Angelegenheiten staatshöheitlicher Natur — vorläufig unverändert. Zuschriften in Angelegenheiten, die mit dem Betriebe und der Verwaltung der „Oesterreichischen Bundesbahnen" Zusammenhängen (wie z. B. Reklamationen aller Art, Lieferungsanbote, Zuschriften in Tarifsachen, Lagerplatzmieten u. dgl., Angelegenbesten der Pensionsbehandlung von Bundesbähnbediensteten uf-rü sind an die G ene r a'ldirekt io n der Unteru e h m n n g ,,O e st e r r e i ch i s ch e B u n d e s b a h n e n", Wien, 1. Bez., Stubenring 1, zu richten, so weit nicht zu bereu Erledigung die Dnndesbahndirektionen oder die Außen.- Dienststellen berufen sind. Das Taris ersieIlungs- und A b r e ch n u n g s b u r e a u der österreichischen Bundesbabnen, das H a u v t w a g e n a m i der österreichischen Bundesbahnen sowie das Elektrisierungsamt der österreichischen Bundesbahnen werden, und zwar vorläufig ohne Veränderung ihres gegenwärtigen Sitzes, der Generaldirektion einverleibt. Me den Wirkungskreis dieser Stellen berührenden Betriebs- und Verwaltungsangelegenbeiten sind demnach künftighin bei der Generaldirektion anhängig zu machen. Angelegenheiten staarshoheitlicher und aufsichtsbehördlicker Natur, die a.'.tch weiterhin dem Ministerium Vorbehalten bleiben, werden von der Verkehrssektron im Bundesminisi c r i lt m für Handel u n d Verkehr. Wien, 1. Bez., S r tt b e n r i n g 1. behandelt. Für Luft- und Schiffahrisangelegeuheiren aller Art bleibt nach w^e vor das genannte Ministerium zuständig. Die Stimmung in Finanzkreisen war gestern von Bureau zu Bureau Wohl etwas freundlicher. doch herrschte nach wie ror wegen der noch immer ungeklärten Lage in Deutschland weitestgehende Zurückhaltung, so daß sich das Geschäft nicht zu beleben vermochte. Von den Kulissewerten standen einzelne Bankenwerte in Nachfrage. Die Schrankenpapiere wiesen keine einheitlich» Tendenz auf. Dampfschifft sowie österreichische Banner Brauwerte wurden höher taxiert, wogegen tschechische Papiere, namentlich Zuckeraktien, billiger erhältlich waren. D'-e Budapester Börsentage in der ersten Okto-erhalste. Bueapest, 26. September. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Der Börsenra: hsi heute für die erste Oktoberchälste den 1., 5., 8., 12. und 1.1 Okrober als Börsentage angesetzt. Der ungarische Staatsnotenverkehr hat laut Ausweis :c:n 26. d. eine Erhöhung um 50,4 Milliarden auf 527,2 Milliarden Kronen erfahren. Die eskomptierten Wechsel erfuhren ' r.e Swig-erung von 21,3 Milliarden auf 321,7 Milliarden, wogegen sich die Giroguthaben um 9H Mlliarden Kronen verringerten. Emission von polnischen Goldbons. Aus Warschau wird gemeldet: Die Staatsschuldenkontrollkornnlissiou votierte die Emission einer zweiten Serie von Goldschatzscheinen in der Höhe von 10,8 Millionen Polnischen Gulden, rückzahlbar am 1. April 1924. „Jpiag" Internationale Petrolenmindnstrie-A^G. Die effektiven Stucks der ,Jpiag"-Aktien sind fertiggestellt und können an der Effektenkasse der Austro-Holländischen Bank in Wien. 1. Dez., Karl Lueger-Platz 4. während der üblichen Geschäftsstunden ab 27. September 1623 gegen Rückstellung der äusgegebenen Bestätigunasbricfe behoben werden. Nach dem 27. Dezember 1623 w'rd'mr den Umtausch Evidenzgebühr berechnet. Der Verwaltungsrat. (Entgeltlich.) Der Bedarf Palästinas au eisernen und stählernen Topswaren. Im Jahre 1922 sind nach Palast in a für rund 14.000 Pfund Sterling derartige Waren cingeführt worden, und zwar waren hieran beteiligt: Deutschland mit etwa 50 Prozent. Oesterreich mit etwa 20 Prozent. Italien mit etwa 10 Prozent. England mit etwa 5 Prozent und die Dschecho- Slowakei mit etwa 5 Prozent. Der Rest verteilt sich aus die übrigeu Länder. Ungefähr 90 bis 95 Prozent der eingeführten Töpfe waren emailliert, die restlichen etwa 5 bis 10 Prozent verzinnt. Ms hauptsächlichste Verbraucher kommen die Stadtbewohner in Betracht, die mit etwa 30.000 bis 40.000 Familien an.tzmehmen sind. Durch die neuaukommenden '.Kolonisten aus Europa und die stetige Verbesserung der sozialen LebensbcdinMngen dürfte sich die Nachfrage nach diesen Daren erheblich vergrößern. Im Lande selbst werden an allen Orten in kleinen Werkstätten Metallwaren hergestellt, aber hauptsächlich aus gebrauchtem Kerosinzinn. Diese Waren sind sehr billig und werden in großen Quantitäten von der ärmeren Stadtbevölkerung gekauft. Im allgemeinen haben sich bestimmte Dimensionen für die benötigten Warenarten eingesührt. Gebraucht werden: Krüge, flache Fleischpfannen mit Deckel, Suppentopfe mit Deckel und Henkel, Saucieren, Kessel, Wasierkrüge. Zimmerkrüge, Wassereimer, tiefe Schüsseln, Kaffee- und Teetöpse. Der palästinensische Einfuhrzoll für emallierte und verzinnte Waren beträgt 12 Prozent vom Wert. Für die Verpackung werden starke Kisten vorgezogeu, da diese Beraubungs- und Bruchgefahr vermindern. Im allgemeinen zahlt der palästinensische Besteller bei Auftragserteilung 25 Prozent bar an. während der Rest in bar gegen Vorlage der Dokumente in palästinensischen Häfen bezahlt wird. Indessen haben ganz besonders deutsche Firmen den Palästinensischen Einkäufern und führenden Importeuren in Palästina erheblich günstigere Zahlungsbedingungen eingeräumt. Börse für landwirtschaftliche Produkte. (Eigenbericht der .Wiener Morgenzeitung".) Vom Auslande liegen durchwegs feste Berichte vor. die indes auf die Gestaltung der Tendenz auf dem Wiener Platze ohne Einfluß blieben. Das Geschäft hier hat sich merklich verringert. Es notieren pro Kilogramm ab Wien (exklusive der Pauschalwarenumsatzsteuer): Weizen inländischer 3300 bis 3400 K., jugoslawischer 3600 bis 3700 K., Roggen inländischer 2525 bis 2625 K., Gerste inländische 2300 bis 2500 K.. tschecho-slowakische 2460 bis 2800 K., Futtergerste 2000 bis 2100 K., Mais 2900 K., Cingnantin 3350 bis 3450 K., Hafer inländischer 2150 bis 2250 K., fremder 2100 bis 2200 K., Reis italienischer 6900 bis 7150 K., Burma 5400 bis 5500 K., Siam 6900 bis 7200 K., Hirse 2400 bis 2500 K., Htrlebrein 4600 bis 4800 K., Mohn Abouuerueutsgebühreu für Pole» und Jeirtschland! AS 1. Oktober r Deutschland ..öftere. K. 28.060 Polen.polrr. Mark 100.000 10.500 bis 11.000 K.. Weißbohnen inländische 5200 bis 5400 5k., ungarische 5100 bis 5300 K., rumänische 4800 bis 5100 K., Kocherbsen inländische 4200 bis 4700 K., inländische Feldlinsen 4000 bis 4200 K., naturell 11.000 bis 12.500 K., Kartoffeln inländische 600 bis 050 K., Zwiebeln inländische neu 1000 bis 1050 K., Makoer 1150 bis 1200 K., Pflaumen a 25 Kilogramnr ctuviert in Kisten 80/85 5200 K., 95/100 5000 K., Pflaumenmus 4800 K., Preßheu österreichische? 1300 bis 1350 K., steirisches süß 1409 LiS 1500 K., tschecho-stowaksiches 1200 bis 1250 K. ab Grenze, Bnndstrob lose 950 bis 1000 K. ab Stationen, Rotklee inländischer arobseftcfrei 15.000 bis 17.000 K., Luzerne inländische naturell 14.000 bis 15.000 5k., Esparsette .3200 bis 3300 K., Leinsaat 6500 bis 0800 5k., Hanfsaat 4500 bis 4800 K., RevSkuchen 2150 bis 2250 K., Welzengftcß inländischer 6300 bis 6400 K., Weizenmehl ungarisches dopvelgrisiig 5600 bi? 5700 5k., griffig 5300 bis 5400 K. (2.45 bis 2.60 'tschech. K.), Brotmchl In 4400 -iS 4600 K.. Futtermehl la 2100 bis 2200 5k.,- Roggemnebl Ia 3900 biS 4000 K., tschecho-slowakischeS 70%ifl 1.65 bis 1.70 tschech. K., Weizenrleie inländische 1175 bis 1250 K. Wiener Holzbörse. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) Der Verkehr an der gestrigen .Holzbörse gestaltete sich ruhig da sowohl Ausgebot wie auch Nachfrage sich in den engsten Grenzen hielten. Gesucht waren lediglich Rundholz, Lärchenpfosten, Eiche, Kürzungsbretter Frachtparität Wien-Südbahn, Bauware Parität Kindberg-Güming.' Für Langholz von Nadelholz-Rundholz legte man 200.000 K. Geld ab niederösterreichischcr Station. Ausgeboten wurden Brennholz Scheiter trocken rumänisches 10% Prügel zu 3,450.000 K. Wien, trocken gemischt zu ' 2,700.000 5k. ab niederösterreichischer Station, von L a u b h o l z> Schnittmaterial inländische Eiche gute Merkantilware zu 1,009.000 K. ab niederösterreichischer Station, slawonische Eiche Boules I zu 3,000.000 5k. ab Spielfeld ausfuhrfrei, Boules II zu 2,650.000 K., polnische Bonles I zu 1,800.000 K., von Laubbolz-Rundholz Eiche von 30 Zentimeterauswärts zu 6« 0.000 K. ab niederösterreichischer Station, tschechische Linde von 30 Zentimeter aufwärts zu 650.000 K. ab Wien, Ulme (Rüste) von 30 Zentimeter auswärts zu 520.000 5k. ab Wien, von Nadel- Schnittmaterial Tischlerware Fichte 13 Millimeter 16 bis 32 Zentimeter zu 720.000 51. Wien, 20 Millimeter 18 bst 32 Zentimeter 620.000 K., Bauware 50 Millimeter von 18 Zentimeter aufwärts zu 450.000 K., Kistenware 13 Millimeter 8 bi? 17 Zentimeter zu 370.090 5k. ab niederösterreichischer Station. Exportware sägesallend 3" : 9" zu Lstg. 16 Standards Bristol Channel, 2" bis 4" zn 215 bis 225 ftanz. Franken, 24 Millimeter Breitware, Qualität normal zu 195 frcmz. Franken cis atlant. Hafen. Baumwollmartt. Dew-Tsork, 25. September. Baumwollzufuliren in den atlant. und Golfhafen 90.000, im Innern 61.000, Ausfuhr nach Großbritannien 13.000, nach dem Kontinent 8000. Lokalmarkt micköling: 29.10 (letzt. Kurs 29.75). Tendenz: willig. — Termine: September —.—, Oktober 28.38, November 27.92, Dezember 27.94, Jänner 27.50, Februar —. März 27.42, April —.—, Mai 27.35, Juni — Juli 26.78, August Berliner Börse. Berlin, 26. September. Da sich die außen- und innenpolitische Wirkung der Ausgabe des passiven Widerstandes zurzeit noch nicht übersehen laßt, war die Kauflust an der Börse vorerst nur gering und überwiegend bestand bei der Unsicherheit der politischen Verhältnisse Verkaufsueiaung. Hierdurch trat für die meisten Werte eine Senkung des .Kursniveaus ein, die aber nur bei den schweren Montan- und Industrieaktien über 160 bis 600 Millionen Prozente hinausging. Bei dem ermäßigten Stande bekundete dann die Börse Widerstandskraft. Auf dem Devisenmärkte ist die Nachfrage sehr gering geworden. Bei der amtlichen Festsetzung der Kurse ergaben sich nur geringe Erhöhungen und wurden dieselben bis auf geringe Ausnahmen voll zugeteilt. (Alles in Tausenden von Mark.) Schlußknrse: Türkische Lose 930.000, Oester-. Staatsbahn 1,750.000, Nordd. Llohd 215.000, Ver. Elbeschiffahn v..:1ifcn:r: verboten. Wwlsch, fegr FyhrMM. Eine Legende von Zoltau Nagh. -.. berechtigte -Übertragung aus dem Ungarischen von r Stephan I. Klein. j Zu einem kleinen polnischen Dorfe lebte einmal ein Fuftn:.-.nn mit Namen Fei wisch. Dieser Feiwisch war ic;. u in seiner Kindheit gar einfältig gewesen, so daß er nicht lernen konnte. Obschon sein Vater, der mit Wein b.sichelte, ein scharfsinniger Talmudgelchvter war, sein eßbarer aber sogar ein berühmter Rabbi, ein heiliger Ö'-'rnn, ein Zadik. -Feiwisch' Vater hielt den Sohn best, .rl ich ' um Lernen an und der Arme saß auch den ganzen 75.--; uub dir halbe Nacht vor dem Buch, doch wollte ihm - 's in drn Kopf. Als einmal der Vater seinen Kummer dae-nber dem Großvater, dem großen Rabbi, klagte, ließ dieser F: i w isch jii sich rufen, sprach mit ihm eine Stunde lang unter ivi- Augen und erklärte dann, Feiwisch brauche nicht zu st.e reu. Er möge bloß jeden Tag sein Gebet -verrichten und 'icspäter ein Handwerk wählen, das er ausüben und wo« von er werde leben können. .So kümmerte man sich denn •7.darum, was -Feiwisch auch immer treiben mochte, -und r ihn nie danach, was er gelernt habe. Dennoch saß er v.;.) weiter oft bei den Büchern und laß fleißig, was sehr sest.'-n von ihm war. So lebte er noch einige Jahre, bis er 're in;:3 wurde. Dann erklärte er, daß cr heiraten und lst iru anu werden wolle. Darob waren der Vater und die ganze Familie ver- -;weisc!t. Nicht etwa, weil Feiwisch heiraien wollte; das ist .-.r.e gottgefällige Handlung und jedermann mu-ß heiraten, st andern ivogen des gewählten -.Handwerks: 'denn dieses war --ce unziemlich für einen so vornehmen Mann wie Feiwisch, den Enkel eines Rabbi. Doch Irrwisch lvar ein kräftiger '.stimm mit düsterem Blick und großer Hartnäckigkeit gewstrd'en; ivas inrmer man ihm auch sagen mochte, er wiederholte unentwegt: „Ich will Fuhrmann werden". Wieder ließ ihn der Großvater zu sich rufen, sprach mit ihm eine Sumste lang unter vier Augen und erklärte dann, man uröge sich ihn: nicht widersetzen, er solle Fuhrnraim wermir. ststarcuMin chr» der Bv^a« «üve MÄ jand auch einen wohlhabenden Gastwirt, der ihm gerne die Tochter gab. Denn in seinen Augen wurde die Einfalt des Schwregersohues reichlich durch die vornehme Abkunft wettgemacht: für -die Tochter eines Gastwirtes war es auch so noch eine Ehre, von dem Enkel eines großen Rabbi gefreit zu werden. Es wurde Hochzeit gehalten, der Vater kaufte Feiwisch einen alten Karren, der Schwiegervater gab ihm als Aussteuer zwei Pferde mit Geschirr' und so konnte Feiwisch gleich mit der Uebernahme von Fuhren beginnen. Ein gar starker >Maiw war Feiwisch, gar fleißig und so redlich, Wie sich dies für den Enkel eines Rabbi geziemt; so vertraute chm denn jedermann gern seine Waren an. Denn bei ihm ging nichts verloren und wurde nichts zerbrochen. Deshalb ging es chm ziemlich gut, er ersparte sogar ein wenig Geld, erstand dafür im Nachbardorf ein Keims Anwesen, übersiedelte dahin und lebte dort mit seiner Familie. Doch dieser .Hauskartf hat eine Geschichte: In jenen: Dorfe lebten nämlich wenig Juden, so daß mit Mühe zehn erwachsene Männer für den gemeinsamen Gottesdienst auszübringen waren. Deni: zehn erwachsene Männer sind für eine Gemeinschaft nötig. Irr jenem Jahr, da Feiwisch ein Haus suchte, war infolge eines Todesfalles und eines Wegzuges die Zahl der erwachsenen Männer auf neun zusammengeschmolzen, so foift kein genrcinfamer Gottesdienst abgehalten werden konnte. Deshalb zerbrachen sich dje Juden der Gemeinde den Kopf, woher sie noch einen Inden nehmen könnten; da versuchten sie denn, Feiwisch zur Uebersiedlung in das Dorf zu bewegen. Tenn sie hatten gehört, daß er ein .Haus suche, kannten ihn auch als Fuhrmann und schätzten in ihm eine:: gottessürchtigen Mann, der jeden Buchstaben des Gesetzes streng einhielt. Deshalb redeten sie Feiwisch zu, er möge .das .Hans kaufen und gingen ihm beim Handel aus jede Meise an die Hand, damit er es billig erstehen könne; so kam der Kauf zustande und die Gemeinschaft war wieder vollzählig. Doch es dauerte nicht lange und iit der kleinen Gemeinde entbrannte ein großer Streit. Der.Kontor verließ das Dorf und ein rceuer mußte gewählt werden, >der in einem so kleinen Orte zugleich anch Schächter ist; da geschah es, daß sich die Gemeinde über die Person des neuen Kantors Wicht erv-gen Lonnbe. Es KZ'b z!vei Kandidaten: der eine 'war ein mageres, kleines Männchen mit langem, dünnem Hals, großem Adamsapfel, ein wenig seitlings geneigtem Kopf. Er hieß Schimschon, hatte eine hohe, helle und schmi'egfame Stimme, sang mit geschlossenen Augen und wiegte dazu mit Msameu vog-elartrgen Bewegungen den Kopf im Takt. Der andere Anwärter hieß Sender, war nur um ein geringes größer als Schimschon, jedoch gedrimaeit und breit, mit borstigem, rotem Bart, mit dröhnender Baßstimme, die wie das Brüllet: eines Stieres klang n::d die Fenster der kleinen Synagoge erbeben ließ. Feiwisch hielt es mit der Baßpartei ueid erklärte aufs entschi-sden'ste, er wolle eine Weiberistimme wie die Schimschous nicht hören, sie Passe nicht für einen ertvachsettler: Maim, und wer eine solche Stimme habe, könne gar kein ganzer Man:: sein, und demzufolge auch kein richtiger Schächter. Der Parteikampf tobte sehr erregt, man warb um Anhänger, Versanrmlnngen wurden einbcrufen, Reden gehalten, alle Rabbiner der Umgebung wurden u:u ihre Meinung befragt, man ließ die Kandidaten immer wie-der Probe singen. Endlich warrde einer von ihnen g>ewählt. Doch die Wahl fiel nicht auf Sender, für den sich Feiwisch einfetzte, son- >dcrn auf den dünnstim-nrigen Schimschon. Nach der Wahl tobte der Streit zwischen den beiden Parte-ien noch heftiger und es währte Wochen, bis sich die L-eidenschaften ein wellig legten. Die Anhänger der besiegten Partei fügten sich allmählich in die Lage. Bloß Feiwisch lvollte sich nicht beruhigen. Und je mehr cr erkannte, -daß seine Parteigänger einer nach dent anderen das Feld räumten, desto wüielider wurde er, und als er schließlich allein blieb, war mit ihm überharlpt nicht mehr zu reden. Tenn Feiwisch war ein sehr eigensinniger Mensch. Er erklärte, dieser Kantor sei fein Kantor, vor allem aber sei dieser Schächter kein Schächter; /das Rind, das er schlachte, fei nicht koscher, davon esse cr, Feiwisch, nicht, jene aber, die davon äs^eu, esseil trefe und mögen daran ersticken. Einen Borbeter mit solcher Kinderstimme wolle er nicht hören nnd er bete artch nicht zrlsammen mit unreligiösen Männern, die trefe essen, mit Gesetzesverletzern, Unwissenden, Sabbatentweihern und unverschämten Hundsfotten, und er werde nicht nrehr dorr gemeillsamen Gottesdienst besuchen. Demzufolge aß cr kein Fleisch nnst /-'ng anch nicht -in die Synagoge. (ivOVii'j;",tin; i.'-I'.ii.- s