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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-14 · Heft 1647 (14.9.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1647 (14.9.1923)
Date
1923-09-14
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9tx. 1647 Men, Freitag Wrener MorgMzettünü. ' 14. SeMEer ISA Seite G -bvAsaWLn geincht. mährend sich bei den Übrigen Werten Angebot und N-echsrage die Waac dielten. Schwächer ■ verkehrten nur Bau-, Textil- und .KoWeNPaviere. Der Anlage- Markt lau sehr fest unter Bevorzugung von StaatSpciPicren, die bis eitlem halben Prozent gewannen. Von Exoten begegneten Aussiger Rchsiuerie größere Nachfrage. Der Schluß Mg in sehr fester Haltung vor sich. S cii lußkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —Böhm. Unionbank 498.—, Böhm. Eskomvtebank 474.—, BVhm. Industrialbank 483.—, ZivnostenSka Banka 496.60, Anglobank 178.-, Oesterr. Kredit 168.-, Wiener Unionbank 193.—, Wiener Bankverein 114.—, Buschtiehrader Eisenbahn Lit. A 692.—, Lit. B 210.-, Ferdinands-Nordbahn 12.050.—, Prag-Duxer 230.—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn 1350.-, Nestomitzer Zuckerindustrie 1640.—, Vereinigte Elektrizität Wien 224.-, Brosche 2170.- .Koliuer Spiritus 1780.-, Königshofer Zement 1640.-, Brettfeld-Danek 572.-, Ninghoffer 1026.—, Simmeringer 197.—, Rotbkosteletzer Textil 438.—, Alpine Montan 393—, Poldihütte 572.—,Prager Eisen 1380.—, Oesterr. Berg u. Hütten 3680.—. Skoda 679 —, Jnwald 730.—. Iie Devisenkurse. Se5te»®“. (»eslfentntte.) — Amslndam 36,309.000.— (37,900.000.—), Belgien 4,408.950.— (4,688.250.—), (15,561.000.—), Kopenhagen 16,785.000.— (17,556.000.—), Stockholm 24,538.000.— (26,536.000). Italienische 4,029.900.— (4,309.200.—), ßonbon 418.950.000.—(438,900.000.—), New-York 92,169.000.— (95,760.500.—), Paris 5,306 700 — (5,605.950.—), Schweiz 16,359.000.— (17,316.600.-5, Spanien 12,369.000.— (12,967.560.—). Wien 129.675.— (135.660.—). Prag 2,793.000.— (2,892.750—),Budapest 498.750.—(518.700.—), Sofia 917.700.— (937.650.—), Belgrad 997.500.- (1,037.400.-). 13. September. (Notenkurse.) — Noten: Dollar 62'^6.000.— (95,760.000.—), Pfund 418,950.000.— (438,900.000.—), Italienische 4,029.900.— (4.309.200.—), Polnische 27.000.—(80.000.—), Tschecho-slowakische 2,793.000 (2,892.750.—), Oesterr. gestempelte 129.676.— (133.665.—). Prag, 13. September. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Dankamte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin 0.27'/,, (0.06) ■ Zürich 605.- (606.25), Paris Är .«^06.25) London 153.25 (153.25), New-Aork 33.76 (33.80), Belgrad 37.— (36.87), Bukarest — Wien 4.68»/, (4.55), Warschau 1.41'/. (1.42»/.), Agram ZT r. ^dopest 17.35 (17 30), Jugoslawische m -r,rV36,J5^ Oefterreichische gestempelte Krone 4.67 (4.57), Polnische 1.81'/. (1.31',.), Ungarische 13.- (12-). i»r äJv September. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 7570 bis 8010, Bukarest 90.— bis 103.- Kopenhagen 3500 bis 3720. Christiania 3115 bis 3335, London 87.600 bis 92.000, Berlin 0.002 bis 0.004, Italien 860.— biS 916.— bis 1186.-. Prag 580.- bis 624.-, Stockholm 5096 bis 542o, Zürich 3440 bis 3660, Wien 0.2740 bis 0.2960, Äa,A9,0~ bis 201-, Belgrad 210- bis 224.-. New-York 19.600 bis 20.400, Warschau 0.0700 bis 0.0865. Brüssel 920.— M 975.—. Belgrad» 13. September. (Devisenkurse.) London 420.25 N D-D'Paris 628.-bis New-York 9250- bis Saloniki —bis —, Mailand 100.60 bis —, Prag 275.25 bis Berlin 0.000125 bis 'Wien 0.1290 bis Bukarest 43.- bis-.-, Sofia mo bis - - Budapest 0.53 bis Brüssel M—.—, Amsterdam 3625— bis —, Warschmr bis —. Agram. 13. September. (Devisen.) Wien 0.1300 bis , Berlin -.- bis Budapest 0.5» bi8 - —, Bukarest bis Italien 402.50 bis ".-/London 420.- biS —, New-York 9225.— bis —.—, Parks 530;^- bis — Prag 275.50 bis —, Sofia bis —Schweiz 1662.50 »s —, Brüssel —bis —Warlchau 0.045 bis , Amsterdam —.— bis —, Stockholm —. . 12. September. (Devisen.) Berlin 0.0029, London 1,230.000, New-York 267.600.—, Prag 82.50. Wien 3.86. New-York» 12. September. (Devisen.) London 454“/lc, Paris o77.—, Berlin 0.00009, Mailand 437.-, Zürich 1791.—, Kopenhagen 1810.—, Stockholm 2656.-, Christiania 1613, Amsterdam 8929.-, Prag 299.25. Wien 0.14, Budapest 0.55, Bukarest 17.—, Warschau 0.0375, Madrid 1345.—, HelsingforS 263.-, Brüssel 478.—, Kanada 2V>« u. p., Brasilien 109.96, Argentinien 32.79, Belgrad 107.50. MMMM Fern von. Europa! Bauer nlavattcrie als Ka-mpstruppe gegen den Fußt»siport. In der polnischen Stadt Darnow beftelht ein uidsicher Verein namens Saür-ion, der sich sehr zufriedenstellend eutwickÄt. Erbesitz-t Sektionen für Turnen, Tennis, Leichtathletik, ^chivimi-men und Daüieuhandball. . Da Dauisou über einen «igänen Platz, der ein schönes SpieMd mchweist, verfügt, ltMrids man glauben, da ß au ch der FuMMport bei dem indischen DerM Me Wlegeistätte gründen hat. Tatsächlich bestand auch Me FußbaUe-kt-iou. der aber unerwavtet-erweife om übermächtiger Gegner erwuchs. Der FnßbaMatz grenzt nämliich an das Feld eines poluischeu Bauern, der hoch *u Roß hinter der HoliOlauke Wacht HM. Wiegt der Ball über die NmMimmg. darin sagt der sstortifrinKiche Reiter'dem Leder nach und erigreist von ihni Besitz. Zur Unterstützung hat er bei jedem Training und bei stdem Spiel eine gan^e Banevnkavallerie auifgetboten. Die Folge davon ist, daß der indische Verein nicht >in der Lage ist, so viel Bälle naäMschaffen, wie der Pole stiehlt. Die Mit-Meder von. Samson besitzen. nicht die Macht, nm sich vor diesen Diebstählen zu schützen. Der Bauer verübt nun zaWose Erpressungen, bevor er einen Ball zuvückgilbt. Er verlangt ANs-üge. Hamden, Hüte usw. als TauschobsM. Der in dieser Gegend herrschende Antisemitismus gibt dem reibenden Datdern den Rückhalt. Durch diese Zustände, die komisch wirken könnten, wenn sie nicht tragisch tvären, ist die Fußbollsckii-on des Mischen Vereines zur Untätigkeit verurteilt. Um den Siportbetvieb wieder aufneihmen zu können, errichten die Mitglieder ein viele Mckei hohes DrahtMer, das den Ball innerhalb des Platzes behalten soll. Im Gegensatz tzur Fußballabteilun» entwickelt sich die DamenhanidbaWeLivn ganz bedeutend. Künstlich fand auch das erste Spiel vor mehreren tausend Zuschauern statt. Da diese Sportart in Polen noch nnbekamit ist, traten zwei Aarnson- Mannscharsten ° gLgeneinander an. Die blau-weiße Mteilung siegte 5:0. Besonders zeichneten sich die Damen Lauser, Maresse und Herzmann ans. Zum Spiel Slavia—Hakoah. Eine Prager Preffestimme. Die „Prager Presse" schreibt über das Spiel, das die Hakoah, bekanntlich mit 0 :1 Toren unglücklich verlor, folgendes: „Zwei abgekämpfte Mannschaften bemühten sich am Sonntags ihrem Ruhme und Rufe gerecht zu erscheiiuu. Beide — Slavia und Hakoah -- bewiesen, daß ihre großen internationalen Erfolge keine Zufälle, sondern wirklichem, gediegenen Können entsprnngeii sind. Wenn trotzdun der mit großer SPannuna erwartete Kampf der Prager Slavia gegen den Sieger von London nicht die Erwartungen ' rechtfertigte, tag das nur an ser Müdigkeit der Mannschaften. Dir Slavia hatte bfö schwere Spiel vom Samstag gegen Slovan in den Gliedern, die Hakoah hatte die Strapazen der Reise trach London, Von der sie erst am Freitag zurückgctommeu war:-n. noch nickst uberivundri'. Das Spiel war nur in den ersten w'hn Minuten, in denen die Hakoah Hervorragendes leistete, und in der letzten Viertelst-.:udc interessant. Das Resultat cmirni4u n'cht uani Un ^ck-lnum Lü.stungk.i. E::> unruischied. u.-s Ergebnis wäre gerechter gewesen. Aber in dem 1:0'für die Slavia drückt' sich di^ überraschende Leistung des Tnrniannes der Slavia Sta-plik aus. Sein Spiel siche-'-- der Slavia den Sieg. Die Hakoah, die seit ihrem Sieg in W-?stI)am Liebling der Wiener geworden ist, bemühte sich, ihren Ruhm yt verteidigen. ES gelang ihr teilweise. Ihre Niederlage gegen die Slavia spricht nicht gegen ihre Qualitäten. Sie .--eigte, daß sie zu kämpfen und zu spielen versteht. Aber auch sic war müde." Wien-Prag. Zwischen Wiener und Prager Verein«» .{fob folgende Wettspiele vereinbart worden» 28. Sevtemberr Namd-- ' Sparta in Prag; 90. September» Vienna-Sparta 1« «tat; 14. Oktober: Hakoah-Slavia in Prag; 1. November» Rapid— Slavia in Wien. Neue Termine. 7. Oktober: Hakoah-Slovan; 28. Oktober: Hakoah—Amateure; 16. November: Hakoah—Vienna. Die Fußballsektion der Jüdische» Turnverein- St. Pölten hat anl vergaidgenen Sonntag ihr zweites Wettspiel t» dieser Saison cmsgetvagen und konnte dasselbe siegreich gestalten. Die 'Mannschaft \n der Aufstellung Dolly; Fra-m, Gelb H.; Kchut, Lichtenstarn. RasenAatt; Billy, Groß Willi, Gelb P., Stern. Schwager R.,' trat der 1 bMannschckft bei Harlander SporotkluIbS entgegen, der der Mosten PvowinL* klaisse angehört, und obwohl dieser Verein nach der Pause für drei Leute Ersatz aus der Ersten stellte, kdmite diedem Siegeswillen -der -jüdischen Mannschaft nicht Mvruch tun. Dm Mannschaft spielte mit derartiger Ambition und Energie, daß auch die teilweise technische Ueovriegenhest der Gegner, die vost inem Engländer trainiert werden, nichtauZtzurichten vermochte. Das Resulltat lautete 6:1, wobei die ersten Over Tors vor Halbzeit durch Groß Willi und Billy srzE wurden» während der dritte Treffer durch Gelb Paul -nach der Pause erreicht wurde. Sonntag sind wir in Krams bei der Hakoah zu Gaste und freuen uns ans dieses erste ZusammerrtreMn nm einen: Bvuderverein: Spiele in Agram. H. A. S. K. gegen Backa 3:0 (2:0); Entscheidungstreffen um den H. A. S. K.-ZubiläamSpokal. -- Meisterschaft 2. Klasse: Makkabi gegen Zagreb 4»1, Penkala gegen Derby 3:3, Slavija gegen Amateure 3:0, Sokol gegen Union 2;2, Croatia gegen.Rapid 3:1, Grafika gegen Olympia 2tO. Die jüdischen Vereine in der Tschechv-Slowakei» Olmütz: Hakoah (Olmütz) gegen Brünner Sportverein 9:1 (2»0). — Proßnitz: Hakoah (Olmütz) gegen Makkabi (Proßnitz) 8»L (2:1). Die Spielvereinigung Fürth Mrt Ende dst^eS MonatS nach Spanien, wo sie folgende Spiele austragen wird: 28. «ito 24. S-eptember: gegen 1. F. E. Barcelona, gegen den nm 26. v. tvahrschemlich noch ein drittes Spiel Mtairde kommt. 39. iuto 30. Sept-enrbcr: gegen F. C. Reale in Madrid. Länderspiele. 4. November: Holland—Schwerz in Ainsterdarn; 26. Mäi-z 1924: Holland—Belgien; 31. Aprr-l 1934: Holland—Deutschland in Amsterdam: 4. Mai 1924: Holland- Belgien in Antwerpen. Fritz Lenz, ein tüchtiges Mitiglie-d von Hagibor, hat stch a-in vorletzten Sonntag m-it Fräulein Schick ver-mWt. Nusstorf Jnngnr.—Hagibor 2 mch 3 ko mb. 2:1. Gleichwertigen Kampf, in dem die Sieger vom Glück begunstiyt waren. Das Goal für die -Nnte-vlegenen crzielte Mohl. Derselbe Spieler vergab einen Elfmeterstoß. Gute Leistn-ng bei -^ag'.oor boten: Regner im Tore, Schreier und Wicselmann. Hasmonea—Slovan (Reserve) 1:0 (1:0). Hasmonea: nt Kr bis . . .... . .. . .. ausgereichnc-tes Spiel. Der Sdrr-m kombinierte hervorragend -'.n'd verdankt Slovan das knappe Resultat dem Schuß-Pech der Hasmoueaner. Das Berteidigun-gstrio batte wenig zu tun, bekundete aber bei einigen brendlichen Situationen ihre gute Technik und Stoßkrast. Die -Deckung war der beste Mann« schaftsteil des s-udischc-n Vereines, lieber Schirock, der der beste Mann auf denn Feste wa.r, kamen die Gegner nur selten, hinweg-. aber such 'Schvrrfeld (früher Achen) und S^kal spielten aan; ausaszeichnci. Van bm Stürmern waren Gseyangyer, Fuß und Fro-in die besten. Zn der 95. Minute wird Froin im Strasranui foul angegangen und Woiß veowan-dolt den diktierten Elfrncterstoß nrchaltbar. Nach Ha'bzeit groi-ft Slovan Ä»«rstlsch an. kommt jedoch an Grebler und Weiß nicht vorbei. Bor Copyright 1923 Nachdruck verboten. ^j-JEULSwit-Verlag.Wfan-Loipzig. (88. Fortsetzung.) Roman von I. Opatoschu. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Siegfried S.ch m i tz. . Der junge Mann trat näher: „Kommt Ihr vor! weit her?" „Ans Ploek." „Ihr habt wahrscheinlich Geschäfte ans dem Hof'?" „Nein." Der junge Änn wollte noch etwas fragen, da er aber sah, das; die Alte mit dom Pchnnlüchcn kam, schtvieg er. Movdechai fetzte sich z>lnr Essen und begann ein Gespräch: „HM Ihr lv-enigstenS hier Euren Lobensunterhalt?" „Man schlägt sich mi'chsanr durch." „Andere Schani-Wirte sind doch reich gelvorden." „Bon einer Schenke ist noch niemand reich gelv-ort-en, and wenn'einer reich ist. so ist dies ein sicheres Zeichen, daß er sich mit Schivin-del a'bsibt, Schnaps ans Preußen schmuggelt. . . m>cin arbeitet doch nur für den Gutsherrn! Außerdem ist es ein übles Gewerbe . . „Wie meint Ihr das?" „Es ist doch klar — ich sitze da und inuß Gott bitten, oaß sich -ein Mensch betrinke und seine Menschenwürde verliere . . . hätte ich das früher gewußt, ich hätte meine paar hundert Giltden Mitg-ift nicht hitteingesteckt. . „Wie viel habt Ihr hinr'ingesieckt?" „Taulsend Gnl-deu." „Und wenn Ihr jetzt das Geld hattet, -was ioürdet (fhr damit tltn?" „Was ich täte?" der julsge.Mann rückte seing Mütze Wer und lächelte. „Die Hälfte würde ich meiner Frau zn-rücklassen und mit dern Nest von fünshttndert GtMn nach Berlin fahren." „Studieren?" Der junge Man ilnterdrückte ein Wort, das er sagen wollte, sah sich nm, ob niemand zuhörte, und fuhr leise fort* „Die Sache ist so; ich habe eine Schrift gsschricben, welche dem Buch von den Dreiecken widerspricht... ich nenne sic ,Buch der Vielecke' . . „Das heißt also, Ihr stimmt nicht mit der G.'rmelrie des Gaon von Wilna überci-n?" Movdechai hielt im Essen inne. „Das gerade nicht," der junge M-an-n niachte eine Han'd'öeweg-ung, die Aerg-er darüber ausdrückte, daß er nicht verstanden wurde, „der Gaon von Wilna \ycit in feiner Schrift gar nichts Neues gesunden; er gibt'selbst zu, daß er Euklid folgt... es ist ja richtig, bis aus ihn hat niemanid in hebräischer Sprache diese Disziplin so klar behandelt . . . meine Thoorie aber ist genau 'das Gegenteil voir der EuKids. Und ich beantworte jede Frage nind jedes Beispiel mit meiner Theorie ae'uau so, wie Euklid mit der seinen . . . das besagt nicht, daß meine Theorie nicht die einzige ist, Ihr versteht? Das Unglück ist, daß die Menschen fortwährend von Raum Und Zeit reden, i:nd in Wirklichkeit wissen wir bis leutc nicht, was das ist. So kommt es, daß wir alles, ivas in nuferen Augen unnatürlich anssieht, für unmöglich lMten! Ihr versteht?" Die Augen des jungen Mannes blitzten, im Eifer des Gespräches schob er seine Mütze fortwährend auf und ab n-nd stand ans. „Nach Euklid können die Winkel eines Dreieckes nicht weniger als 180 Grad.betragen; lvenn wir aber betoeisen können," der junge Mann fiel in den Gemara-Singfang, „daß sie doch kleiner sein können als 180 Grad, umib das beweise ich in meiner Schrift, so n:uß das zu einer nouien Geolnewie fuhren, tvelche der Gegensatz vom der Euklids ist." Während der Rede des jungen Manms saß Movdechai begerstert da; er begriff nicht recht, tvorin der Gegensatz dieser Theorie zur EuKidtschen lag. Ueberdi-es konnte er sich nicht des Namens eines russischen Professors entsinnender berühmt geworden war, weil er eine u©u« Geometrie heransgegeveni hatte. . . Mordechais Aerger wuchs, als hinge alles von dem vergessenen Namen ab, und seine Freude darüber, daß er den jungen Mann gefunden hatte, .schwand. „.Habt Ihr Eure Schrift schon jemandem gezeigt?" »Mterbrach ihn -Morde chai- Der junge Mann machte cino Bewegung mit den Achseln, die Nein sagte. Sein strahlendes Gesicht, sein« Haltung, alles übeizeugte M-ordcchai. sein Gegenüber habe etwas Neues gefunden, etwas Wertvolles geschaffen. Er nahm aus der Kommode einige Dutzend znsammenigehsftete Papierbogen und reichte sie Mordechai: „Das ist nreinic Schrift." . Mordechai blätterte in dem Manuskript.' Auf her zweiten Seite stan-d' ein hebräisches Gedicht im Raschischrift, das den Titel trug „An die Zeit"". Der junge Ddann meMe, daß Mordechais Auge darauf haften btieb; per«, legen begann er zu. stottern: „So . . . einfach ... so nsbenbei ... »im Gedicht . . „David, David," schrie die Alte, ,-komm' her! Ma.m braucht dich!" Mordechai las indessen langsam das Gedicht; er begriff nicht, in tyelcher Beziahimg es zum» Inhalt stand, und dachte daran, er nuiiffc Kahane herschicken, damit er die Schrift lese. Ein paar Bauern traten ein; ihr Geplapper füllte die Schenke. Der schwere Banerntabak kratzte im Hals. Mordechai stand auf. Ter jieuge llllann kam herein, einen Kork zwischen -den Zähnen. Mordechai zahlte für das Essen, versprach, in den nächsten Tagen mit einem Bekannten »vegen der Schrift herzukommen, verabschiedete sich und ging. Er schritt die Fahrstmße entlang, dem GutShos zu, dessen gemarterte Scheunen und Speicher wie .Kasernen am Sc-gie lagen. Er erinnerte sich an den Kommentar zum .„Führer"; es schien ihm. kein .Zufall zu sein, daß vor ei-nem Dreiviertol-jahrtaufend der Verfasser, des „Führers", Salomo Mannon, genau so in einer-Schenke gesessen war, wie jetzt der junge Mann, der im Verborgenen »im Schrift geschrieben und davon geträumt hatte, ''mS Ausland zu fahren. Drei Viertel e-imes Jahrtau'sends — und nichchs hatte sich geändert, alles war wie damals; vielleicht wird e.in DLeilv'ierteljahrt-aufend später »in hungriger Wanderer in die -halbvep^llene SchenEe emkehven und wieder einem solchen inmgen Mamrc begegnen.. , iwv weiß . ., vielleicht. <Fort!^ung 1-^»t.)

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