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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-07 · Heft 1642 (7.9.1923) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1642 (7.9.1923)
Date
1923-09-07
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. «Me« Wien, Freitag Wiener Morgenzeiturrg. September 1923 lkM:000 Aiüen der ,.Praller Qll". Mau rechnet bei Durch- Whriura mich dieses Geschäftes damit, daß vielleicht ein lieberjchuß für die Amonäre erhielt wird. Der -Mschluß der Sociate Wrrauciere für IW verzeichnet einen Reingewinn von 93.838 Wanken gegen -106.623 im Vorjahre, wobei freilich berück- Mtigen ist, daß unter die Roheinnahmen 416.156 Franken aus 'der „MndvlvertLMg der Effekten" gestellt find. Die Bilanz für Ende 1922 -weist aber keine wesentlichen Blenderungen auf. Beteiligungen stehen -mit 6.48 Franken (i. V. 6,41). Efokten mit 16.19 (i. V. 16.68), Debitoren mit 10,57 Mill. au Buch gegenüber 0,23 Kreditoren. Das Kapital beträgt 25 Mil- Konen Franken. Men« Börse. Hervorgernsen durch größere Abgaben der Konterucine, gestützt auf die aus Deutschland vorgelegenen Nachrichten und der Verschärfung des italienisch-griechischen -Konflikts, eröffnen die gestrige Börse .in ausgesprochen schwacher .Haltung. Stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden die Werte ungarischer Provenienz. So eröfneten.die Mtien der ungar. Hofherr um 54.000 K., Rima um 21.000 K., Salgo Kohlen um 70.000 K. und ungar. Kredit um 55.000 K. tiefer als sie am Vortage geschlossen. Auch die übrigen Bankenwerte und die tschechischen Papiere waren billiger erhältlich. Alpine büßten bei Eröffnung des Verkehrs 16.000 K. ein. Lediglich Waagner- Aktien behaupteten ihren l.'tztge,rlelducn Srand. Das Angebot war aber auf keinem Gebiet drängend. Im weiteren Verlaufe des Verkehrs konnten sich die Kurse vom Tiefstände ein wenig erholen, doch blieben die Umsätze bis zum Schluffe äußerst gering. Von den Schrenlenwerlen war eine Reihe von Effektengattungen mit dem Minuszeichen aufgezogen. Berg u. Hütten verloren lOODOO K., Perlmooser Zement 140.000 K., Hutter n. Schrantz 24400 K., Aussig chemische 40.0W K., Dampfschiff 60.000 K. und Neusiedler Papier 35.000 K. Auch Petrolerrmwerte unterlagen der allgemeinen Abschwächung. So büßten Naphtha 180.000 K, Fanta 80.000 K. im Kurs ein. Nur ganz wenige Papiere wie Adria, Schellenhofer und Färberei wiesen mäßige Kursbesfernngen auf. Der Gesamtverkehr konnte bis zum Ende keinen größeren Umfang annehmen, der sich die SyKulation wegen der morgigen Bersorgnng, trotz des flüffigen Geldstandes, Reserve anferlegte. Bezugsrechte: Pester Kommerzialbank 500.000 K., Lemberg Hypothek 15.<M K., Sarajevo Brau 675.000 K., A. E. G. Union 8300 bis 9900 K., Dynamo 2100 K., ungar. Waggon 21.000 K. und Waldheim 1850 K. Auf dem Anlagemarkte zeigte die tschechische Eisenbahn-Obligationen Besserungen, wogegen die österr. Renten etwas billiger erhältlich waren. Von den Oxoten notierten: Anzergen-Ges. 220.000 bis 250.000 K., ErdA 66.500 bis 69.000 K., Holzverband 25.090 bis §6.000 K., Jriag 310.000 bis 335.000 K., Mraznica 270.000 bis 285.000 K., Oleum 90.000 bis 100.000 K.. Tepege 160.000 bis 163.000 K., Wiener Waffen 23.000 bis 25.000 K. Mehmärkte i« St. Marx. (Eigenbericht der „Wiener MovgenKertung".) Rindermarkt. Der Austrieb belief sich auf 276 Stück knlandisches, — Stück ungarisches, — Stück tschecho-slotvakisches, — Stück holländisches, 397 Stück jugoslawisches, — Stück dänisches und 77 Stück rumänisches, zusammen 750 Stück Schlachtvieh, worunter sich 337 Stück Mast- und 413 Stück Beinlvieh befanden. Der Gattung nach waren 338 Ochsen, 119 Stiere, 293 Kühe und — Büffel. Es notierten: Ochsen je nach Oualität 12.000 bis 17.000 K., Stiere und Kühe 11.500 r« populären Preisen IL, TAB OBSTBASSE 17 Br Modellvorlage ohne Kaufzwang bis 16.000 K. und Beinlvieh 8000 bis 11.500 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Bei knapper Zuftchr sind die Preise gegenüber Montag neuerlich im Anfangsverkehr um 1000 bis 1500 K. pro Kilogramm im Preise gestiegen. Späterhin hat sich die Tendenz verstaut. S ch w e i n e m a r k t. Aufgetrieben wurden 1102 Schweine, darunter 272 Fleisch- und 830 Fettschweine. Es notierten: Fettschweine 24.000 bis 25.000 K. und Fleischschweine 26.000 bis 80.000 K. pro Kilogramm Lebendgewicht. Verkehr auf Basis der Dienstagnotierungen. S t e ch v i e h m a r k t. Die Gesamtzufnhr belief sich auf 2380 Stück Kälber, darunter 960 lebende, 860 Weidnerschweine, 248 Weidnerschafe, 47 lebende Schafe, 28 Ziegen, — Kitze und 16 Lämmer. Es notierten: Lebende Kälber 23.000 bis 29.000 K., Weidnerkälber 27.000 bis 35.000 K., Weidnerfleischschweine 26.000 bis 34.000 K., Fettschwelne 28.500 bis 29.500 K., Weidnerschafe 12.000 bis 22.000 K.. lebende Schafe 7000 bis 12.000 K., Ziegen 6000 bis 11.000 K., Kitze —„— bis —K., und Lämmer 9000 bis 18.000 K. pro Kilogranrm. Anläßlich des gesteigerten Bedarfes infolge des Doppelfeiertages war die Nachftage auf dem Kälbermarkte eine lebhafte. Gegenüber der Vorwoche sind die Preise um 2000 bis 3000 K. pro Kilogramm neuerlich gestiegen. Fleischschweine tendierten unverändert, während Fettschweins 1000 K. pro Kilogramm angezogen haben. > Baumwollmartt. Nsw-Borki, 5. September. Baumwollzufuhren in den ailant. und Golfhäfen 20.000, im Innern 17.000, Ausfuhr nach Großbritannien —, nach dem Kontinent —.—. Lokalmarkt middling t 26.80 (gestern 25.95). Tendenz r Stetig. — Termine: September 25.65, Oktober 25.54, November 25.50, Dezember 25.5V, Jänner 25.25, Februar —. Marz 25.37, April —, Mai 25.38 Juni —, Juli 25.-, August -.07. Prager Börse. Prag, 6. September. Die in der letzten Zeit ausgetretenen Realisationen waren heute besonders groß und die dadurch hervorgerilfenen niedrigeren Kurse könnten leicht ausgenommen werden. Auch die Hoffming auf eine baldige Beendigung des Kohlenarbeiterstreiks war die Ursache zu neuen Käufen, so daß es nur in wenigen Fällen zu Kursabbröckelungen kam. Fest blieben weiterhin Spiritus-, Bau-, Zucker- und Jnwald-Aktien. In der Kulisse konnten sich Skoda-Aktien, bessern. Auf dem Markte der Transportunternehmen war heute die Abschwächung allgemein. Heimische Banken lagen behauptet, während sich Wiener Banken durchwegs abschwächten. Der Anlagemarkt war ruhig. Tie Schlußtendenz war fest. Schlußkurse: Türk. Eisenbahn-Anleihe 400 Franken —, Böhm. Unionbank 460.—, Böhm. Eskomvtebank 441.—, Böhm. Jndustrialbank 455.—, Zivnostenska Banka 443.50, Anglobank 165.—, Oesterr. .Kredit 151.—, Wiener Unionbank 172.—, Wiener Bankverein 103.—, Bnschtiehrader Eisenbahn Lit. A 572.—, Sit. B 219.—, Ferdinands-Nordbahn 9550.—, Prag-Tuxer 213—, Aussig-Teplitzer Eisenbahn —, Nestomitzer Znckerindnstrie 1545—, Vereinigte Elektrizität Wien 211.—, Brosche 1905.—, Koliner Spiritus 1442.—, Köniashofs Zement 1400.—, Breitfeld-Danek 540.—, Ringhoffer 905.— Simmeringer 185.—, Rothkosteletzer Textil 393.—, Alp im Montan 374.—, Poldihütte 555.—, Prager Eisen 1322.—, Oesterr Berg u. Hütten 3340.- Skoda 650 -, Jntvald 690.-. Budavefter Börse. Budapest, 6. September. Die Eröffnung der heutiger Börse war ausgesprochen flau. Die tiefere Züricher Kronen« notiz blieb auf die Tendenz ohne Einfluß, da sich die Speku« lation große Zurückhaltung auferlegte. Wochengeld erhöht« sich heute wieder bis 14 Prozent, was eine allgemeine Realst sationsneigung zur Folge hatte. Die völlige Unsicherheit Wege« der Landesanleihe sowie die flaue Tendenz der Wiener Börse hervorgerirfen durch den südeuropäifchen Konflikt, trugen zw flauen Tendenz und den damit in Verbindung stehende« Kursrückgängen wesentlich bei. Die Wiener Arbitrage bewirkt« durch ihre großen Entlastungsabgaben in Artbitragewerten ein starkes Sinken und dies übertrug sich auf fast alle Märkte so daß gegen Schluß alle Effektengattungen mit nur ganz kleiner Ausnahmen Kürsnachlässe von 15 bis 20 Prozent zu verzeichnen hatten. Der Schluß war lveiterhiu flau und de: Verkehr bewegte sich in den engsten Grenzen. Schlußkurser Ung. Kredit 810.000.—, Oesterr. Kredit 152.000.—,Britisch-Ung. Bank 162.000.-,Salgo Kohlen 650.000.- Nimanmranyer 160.000.—, Südbahn 122.000.—, Staatsbahr 410.000.—, Gran-Szaszvarer 430.000.—, Oberungarische Berz 1,000.000.—, Drasche-Ziegel 430.000.—, Ungarische Allg. Köhler 2,470.000.—, Urikany Kohlen 1,050.000, Adria 650.000.— Clotilde chem. Fabrik 133.000—, Ung. Eisenbahnverkehr 288.000— Anglobank —.—, Verein. Holz 42.000, Kokung — Spodium 375.000. _ Sie Devisenkurse. Berlin, 6. September. (Devisenkurse.) — 'Amsterdam 12.967.500. - (7)780.500.—), Belgien 1,516.200.- (917.700.-), Christiania 5,386.500.— (3,192.000.—), Kopenhagen 6,044.850.- (3,591.000.-), Stockholm 8,778.000.- (5,286.750.-), Italienisch« 1,416.450.- (847.875.—), London 149,625.000 — (89,775.000.-) New-Aork 33,117.000.- (19,950.000.-), Paris 1,855.350- (1,117.500.—), Schweiz 5,985.000.— (3,591.000.—), Spanier 4,428.9t0.— (2,648.375.—), Wien 46.683.- (27.930.-), Prax 997.500. — (588.525.—), Budapest 1995.- (1097.25), Sofie 323,190.- (191.520.—), Belgrad 349.125.— (209.475.-). Berlin» 6. September. (Notenknrse.) — Noten: Dollar 33.117.000.— (19,950.000.— ), Pstmd 149,625.000- (89,775.000.-), Italienische 1,416.450.- (847.875.-), Polnische 17.000.- (9000.-), Tschecho-flowakische 997.500.- (588.525.-) Oesterr. gestempelte 46.683.— (27.930.—). Prag» 6. September. (Devisenkurse. — Mitgetellt vom Vankmnte des tschecho-slowakischen Finanzministeriums.) — Berlin 0.0050 (0.0180), Zürich 613.75 (614.75), Paris 190.75 (191.75), London 153.75 (154.25), New-Yor! 33.80 (33.80), Belgrad 36.12 (36.12), Bukarest (-.-), Wien 4.65 (4.63), Warschau —.— (—.—), Agram —.— (—.—), Budapest 17.25 (17.25), Jugoslawische 35.87 (—.—), Oesterreichische gestempelte Krone 4.61 (4.61), Polnische 1.35V, (1.31'/.), Ungarische 11.- (10.50). Budapest» 6. September. (Kurse der Tevisenzentrale.) — Amsterdam 7510 bis 7950, Bukarest 90.— bis 102.10 Kopenhagen 3500 bis 3720, Christiania 3115 bis 3335, London 87.000 bis 91.400, Berlin 0.0005 bis 0.0012, Italien 815.— bis 870.-. Paris 1080.-bis 1146—, Prag 575.- bis 619.-, Stockholm 5090 bis 6420. Zürich 3440 bis 3660. Wien 0.2730 bis 0.2950, Sofia 185.— bis 196-, Belgrad 205.- bis 218.20, New-Porl 19.200 bis 20.300, Warschau 0.0800 bis 0.0965, Brüssel 880.— bis 935.—. Warschau» 6. September. (Devisen.) Berlin 0.00775, London 1,116.000, New-Aork 246.500.-, Prag 7450.- Wien 3.49'/,. New-Pork» 5. September. (Devisen.) London 452.25, Paris 557.50, Berlin 0.0003, Mailand 424—, Zürich 1800.—, Kopenhagen 1824.—, Stockholm 2654.—, Christiania 1626, Amsterdam 3922.—, Prag 296.75, Wien 0.14, Budapest %«> Bukarest 45.50, Warschau 0.04, Madrid 1339.-, Helsingfors 275.-, Brüssel 457.—. Kanada 27/i$ u. p., Brasilien 110.60, Argentinien 32.42, Belgrad 106.25. Copyright 1023 Nachdruck verboten. 6y R.LöTit-Verlag,Wien-Leipzig. (84. Fortsetzung.) Zn Polens Wäldern. Roman von I. Opatofchu. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von Sieg fri ed Schmitz. Spät bei Nacht klopfte Mordechai an ein niedriges Hänschen, das kaum aus dem Schnee ragte. Eine verschlafene Stimme tönte von drinnen: „Wer ist dort?" „Ein Wanderer will übernachten.'" Keine Antwort. Mordechai wollte schon uxin Hetzen, da hörte er ein Geräusch bei der Dur. Eine verärgerte Stimme sprach vor sich hin: „Sie lassen ctnieit nicht schlafen! Treiben sich bei Nacht umher wie böse Geister!" Knarrend öffnete sich die Tür und hinter ihr sprach es: „Kommt herein, schnell, sonst haben wir den ganzen Frost im Zimmer!" Mordechai trat in eine finstere Stube. Stickige, warme Luft, die nach Kartoffeln und Kuhmist roch, schlug ihm ins Gesicht. Er schaute sich um, ohne jemanden zu sehen, und sagte: ' „Entschuldigt, gute Leute, daß ich euch gewerkt habe. Ich will bloß die Nacht durchschlafen, ihr sollt dafür bezahlt ^bekommen. In der Frühe gehe ich gleich weiter. Ihr 'braucht nicht Furcht zu 'haben . . ." „Um eines Mensichen willen ist nichts fchlver," tönte aus den: Dun'lel eine Frauenstimme, in der Fnrcht und Beruhigung zugleich klang, „aber, lieber.Herr, heutzutage, da die Wege voll voll Wölfen sind, nicht von Menschen, da muß man vorsichtig sein!" „Das Volk relbelliert auch bei euch?" fragte Mordechai. „Das Volk, .Herr, ist wild geworden, 'hat keine Furcht mehr vor Gott und haust in den Wäldern, daß man seines Lebens nicht sicher ist, lvemr man durchfährt!" Und wie ist der Gutsherr?" fragte Mordechai. „Das Dorf gehört doch RudowM." „Ja, lieber Herr. Der (Äutsherr, fragt ihr? Er ist, — wie ein Gutsherr eben ist! Ins Vorwerk darf man nicht die Nase hineinstecken." „Der junge Herr," lvarf der Bauer ein, „ist kein Gutsherr, das ist ein Hundsfott! Er kann nichts als Bauern Peitschen!" Jur Dunkel tönte das sehnsüchtige Muhen eines Kalbes. „Ihn: ist bange nach der Mutter. Gestern hat mau das Junge entwöhnt und im Stall ist es kalt, da haben Wir es ins Zimmer genommen." Der Bauer faßte Mordechai bei der Hand und führte ihn zum Ofen: „Herr, da habt Ihr ein Kiffen, kriecht hinauf; auf dem Ofen liegt Heu, da könnt Ihr euch hinleaen, aber erschrecket nicht, meine Kinder schlafen dort." Mordechai stieg vorsichtig auf den Ofen. Ueber einer Decke lenchiietc ein Kopf mit Flachshaar wie eine Garbe Mondfirahlen in die Finsternis, daß cs säst hell wurde. Mordvchais ntüde Glieder erbebten. Er streckte sich aufs seiche Heu hin. Die sonnigen Haare, welche neben ihn: lagen, machten ihn unruhig. Er hatte große Lust, sein winbdurchwehtes Geisicht, sein müdes Haupt in den Haaren zu bergen. Sein Herz floß über vor Freude und Dankbarkeit gegen die Menschen; er fühlte, wie seine durchfrorenen Glieder austauten; die Haare breiteten sich auf ihm aus wie frische Aehven, drückten leicht aus die Augenlider, das sehnsüchtige Blöken des Kalbes wurde flehender, ferner, immer ferner, bis es in weiter Ferne verschlvamm. In Mordechais Schlaf drangen Stimmelt. Er fuhr auf mit der Vorstellung, er sei auf einem Jahrmarkt, und setzte sich auf. Sein erster Blick ging nach der Seite, wo die lenchteniden -Haare gelegen waren; er fand nichts und begann selbst zu zweifeln; am Ende war das ein Traunt gewesen. Ter Gänsestall, welcher über Nacht ilts Zimmer genommen iuorfoeu war, stand beim Ofen. Die Gänse steckten ihre laugen Hälfe durch die Stangen, reckten die Köpfe und schnatterten ihr einförmiges gon-gou-gon. Das Kalb lag auf dem Stroh, streckte flehentlich die Schnauze vor und stöhnte ein zitterndes Muff. Ein alter Bauer >'b»e Rock hielt ein Stück Holz in der Hand und bearbeitete mit einem Schlegel ein Butterfaß. Neben ihm saß seine Tochter am Spinnrad und die Flachssträhne, welche nur ihren Hals hingen, verschwammen mit den durchsichtigen Haaren. „Essen, essen!" rief die Bäuerin, schob vom Ofen einen Holzklotz hervor, legte das Brett der Schlafbank daraus und stellte eine irdene Schüssel Volt dampfender Kartoffeln hin. Der Dampf erfüllte bald das halbe Ziruiner. Die Tyr öffnete sich. In Knäueln wehte der Frost herein, ihm nach ein altes Weiblein mit einem Stock: „Gelobt sei . . „In Ewigkeit Amen, Alte. Warm« so früh?" fragte die Bäuerin. „Habt Ihr mit der Schwiegertochter gestritten?" Die Alte klopfte den Schnee von ihren mit Fetzen umhüllten Schuhen, schaute mit ihren trüben Augen auf die dampfenden Kartoffeln und seufzte: „Fest streite mit niemandem ... ich kann mit dem schlimmsten Menschen auskommen. . . wenn man Tag und Nacht arbeitet, hat mau keine Zeit zu streiten . . . man nimmt uns ja den Atem . . . mit einem Tier muß man auch Mitleid haben, es ist Gottes Geschöpf, wie erst mit einem Menschen? Schlechte Zeiten, liebe Maria, schlechte Zeiten. . . unter drei Herren habe ich schon gedient, aber ich erinnere nrich nicht, daß die Bauern ans dein Hof davon gelaufen lvaren . . . der Vater von U'nserem, der selige Rudelvski, -der war doch dir Giite selbrr, uidjt umsonst hat ihn das Volk „Jesulein" genanut; aber einen Sohn 'hat er hinterlassen, der Donner möge ifyit treffen, er kennt kei.ne Kirche, tvas ist ixm für ein Katholik? Das ist der V>evfluchtc Luzifer, tvie er in den Heiligen Bücher>r steht, ist cs da ein Wmider, daß die Bauern, gute Kätholitetl, davon lausen? Bei den: heutigen Herren hat ja der Mensch fernen Wert, er ist ärger als ein Hnnd . . . Wladek haben sie zuur Strohschrieideil genommetr, er hat geschu>itten, bis ihn die Kräfte verlassen haben, Tag und Nacht, hat man je so etwas gehört? Jetzt liegt er ihr Bett und kann nicht atmen, er klagt über Seitenstechen . . . man muß ihn: zur Ader lasserr... so bin ich gekonunen, um euch zu bitter:, Wvjci>ech, ihr möchtet nach den: Essen hiuüberlormnerr . . ." (Fortsetzunc; folgt.)

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