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Wiener Morgenzeitung · 1923-09-04 · Heft 1639 (4.9.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1639 (4.9.1923)
Date
1923-09-04
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Wiener MorgenzettuNü. % SeMWerMS Mi 4. November: Hasmonea—Vorwärts 3, Elektra—Neutral, Donaustädter Bcwequns;—VcritaS, Athen-Pratersportklub,' Hazair-Hechawer. Aspanäbahn—Republik. 11. November: PratersPorlklub-^-Vcritas, DonaustLdter Bewegung—Elektra, Nelltral—Hasmonea, Hazair—Vorwärts 3, Athen—Republik, Aspangbahn—Hechawer. 18. November: Veritas—Athen, Neutral—Hazair. Donaustädter Bewegung-Hasmonea, Elektra—Pratersportklnb, Hechawer—Republik, Vorwärts 3—Aspangbahn. 25. November: Donaustädter Bewegung—Hazair, Hasmonea—Pratersportklub, Elektra—Athen, Hechawer—Vorwärts 9, Republik—Veritas, Aspangbahn—Neutral. 2. Dezember: Neutral—Hechawer. Pratersportklub—Hazair Hasmonea—Athen, Veritas—Elektra, Vorwärts 3—Republik, Donaustädter Bewegung—Aspangbahn. Envstand der Meisterschaft 1922—1923. Fünfte Klasse Nord. «■ Tore B er t i n e I 5 1 | P. K i I Republik. . 16 14 — 2 54 8 28 Liebbartstal .... . 16 11 1 4 50 20 23 W. F. C. . 16 10 3 3 35 22 23 Wien. .16 9 1. 6 36 28 19 Allemania..... . 16 7 1 8 ' 35 28 15 White Star ... . . 16 5 2 9 27 85 12 Britania. . 16 4 3 9 30 29 11 Bar-Kochba . . . . 2 2 12 18 61 6 Brig. A. E. . 16 1 1 14 8 58 3 Polnischer Brief. SS. August. Die Meisterschaft von Polen, an der acht KreismM-er teHnaI>mcn, nahn: am 19. Aimnst seinen Anfang. Dve Ber-ein-e wurden in zwei Gruppen eingetellt, und zwar bilden Wisla (Krakau). Warta (Posen), L. K. S. (LM) und JÄkva (Oberschtefien) sine Gruppe, während der anderen Poaon (Lemberg). Polowia (Warschau), Lauda (Wilna) Und W. K. S. (LuWin) angehören. Gleich der erste Moiftevschaftssonntag gestaltete sich sehr spannend. Ter Krakauer Meister Wisla mutzte nach dem ferngelegenen Posen fahren, wo er von Warta zur größten Uic'berraschuna mit 2:4 Toren geschlagen wurde. Die Kvakaner erhoben wohl gegen die Verifizieruna des Spieles Protest, da sie behaupteten, daß der Schiedsrichter nicht obMw war, doch dürfte dieser Einsiprache kaum Folge gegeben werden. Die übrigen Spiele waren wewiger interessant, da die Paarung ungleiche Gegner Mammenbrächte. Po>gon (Lemberg) beisi-egte W. K. S. (Lublin) müehlos 8:0. Polon-ia (Warschau) wurde mit La::da (M-ilna) ebenso leicht fertig, wobei das Resultat 4:0 lautete. Bei letzterem SpiÄ war auch der Kriegsminister anwesend, was aus dem Grund vermerkt werden soll, weil die polnischen Behörden bisher den sportlichen Beranstaltuirgen nur wenig Interesse entgegen brachten. In Kbnigshütte standen einander Iskra und 2. K. S. (Lodz) gegemdber. Letzterer Verein tyat't-c große Mühe, das Spiel Mit 3:2 Toren für sich zu entscheiden. Die zweite Runde der polnischen Meisterschaft nahm den erwarteten. Verlaus. Pogon (Lemberg) festigte durch einen überlegenen 5:1-Sieg über Polonia (Warschau) seine Spitzenstellung in d er Tabelle. Einehe ine Ueberraschung bereitete die Tatsache, datz Warta (Posen) aus eigenem Platz mit L. K. S. (Lodz) nicht fertig werden konnte. Das Resultat lautete 1:1. Wisla (Krakau) schlug Iskra (Königshüttc) 3:2. Lauda Wilna) besiegte W. K. S. (L-Min) 8:0. Außer den Moisterichastskälnpscu gelaugten ein-ige Treffen von untergeordneter Bedetttnna zur Austragung. Krakovia schlug Diana ans K>attowitz 7:2. Olsza blieb auch, im letzten Onalisikationsspiel gegen Z. S. C. mit 3:0 Toren erfolgreich. Ein WvchentaMpiel ß WerbetUhomeKtenfÄrdre - I „Wiener Morgenzeitung" 1 WiKla-^Iutrzenka endete mit 3:0 Toren Or «fteve» «aM. Am 26. Aimust wurden die MMevschasstSMÄ PortglMt, Lauda aus Wilna erhielt von Pogon' wicht: womHer 13 Tore. Der polnische Mrister. der sich seit dem SPüS gmv, Hakoah (Wien) ständig verbessert, bchand sich trotz FWens MS Mars Wavek Kuchar, der in Warschau bei där Wicht« a thletlikmeiskerschasten antvat, ln heMgwragender Form. Auch im WeWreiS wurden hohe Resultat« evMt. Warta Dchen) fertigte Iskra (KönHigsWtte) n(lt 7:0 Toren ab. Wt -(Krakau) schlug L. K. S. (Lodz) 6:1. Das Trchsen fand auf den: Platz des letzteren Vereins statt, lvobei sich das PMWm wenig gesittet benahn:. Die Wut der Irrseher und der natioMÄdemokratischen Presse richtet-e sich gegen dm Melitzer Schikdsrichter Nos-enseld, der die dtiederiage vevsckMkt haben soll. SMtverstäMich ist daran kein wahres Wort. Im einen: Fre-nMchaftstiresfem besiegte KvaSovia in Warschau den S. C. Polonia mit 1:0 Toren. Der Erfolg der Krakauer war nicht verdient. Eine kochbntierte KroNovva-Eis spielte in Przempsl amläWch der Platzeräffnung des I. S. C. Hagilbor. Letzterer Verein ist einer der wolligen Wischen Klubs Ostgakiziens, dem es ans sigonen KrGtvn aslcmg, einen prächtigen Sportplatz zu erbauen. Nach den üblichen Ansprachen, die den: Wunsch Ausdruck verliehen, datz die spoEchen Beziehungen zwischen polnischem >un«d indischen Dereinen sich immer inniger gestalten mögen, wrrvde das Freund« schaftstrüffcn aus-getragen, das der Kra-kovia einen 3:0^Dieg brachte. 2lm selben Tage holte sich Ezarn: aus. Lemberg durch Polonia in Pqzemysl eine 1 ^-Niederlage. In der Meisterschaft der Belasse siegte Hakoah (Stall: Abu) gegen Orlenta (Lewberg) 3:2, wodurch sich der Wische Verein das Weiterverbleiben in der B-Waste gesichert haben durfte. _E. MnckenbvMN. Floridsdorfs Erstklafsigffeit. Die Angelagenheit der Erst« klMiWeitserNämmg Floridsdorfs durch den Oe F. B. kam yn kr gestrigen Vovitanissiwmg des Wiener Verbandes n:nrrl:6: zur Verhandlung. Unter BerückisichtiqMg der Maturen. w'.drWe:t dieser Brsorderu-Ng wurde seitens des Vorsitzenden di' Änregnng gegeben, in einer pro forma onnuöLrufendn: Generaloersammümg die Statuten entsprechet) zu korrigieren. Nach langer, heftiger Debatte, in der der Oe. % B. wögen feines rechtlich nicht begründeten Beschlusses von Vertretern beider Gruppen angegriffen wurde, verfiel man auf den Ausweg, die ganze Sache der ersten Spielabteilung zur Stellungnahme und Dmchfführnng znzuweisen. Sprelausschutz erster Klaffe. Mittwoch. 5. d.. 6 Rhr abends, findet eine Sitzung mit autziervrdentkich wichtiger DägesovdnMtg statt. Der Vorverkauf für die am 6. und 9. d. <mf bet Hohen Warte srattfindenden in'.crnationaien Fntzibalkoettkämpfe wurde an folgenden Stellen eror'net: Slovan. Hotel Post, :. Bez. Fatsch mark:: Hnk.ay. ArlnsR''. 1. Gez., ÄMrapl^y: -Stadion, 2. Bez., Franzensbrückenstratz-e 24; Höersler. 2. Brz., Taborstratze 58; Vienna. Hotel Union, 9. Bez, Nutzidorfer« stratze. __ Schwimme«. Die Hakoah bringt auch heuer ihre stets so belebte« Schwmrmveranstaltungen qur Durchführung, und Ovar diesmal in Form eines größer angel-egten lokalen Meetings, das am 23. Septen:iber in: Dianabwd Mr Anstraguum gelangen dürfte.?(us den Ausschreibunlgen sind die zahlreichen IuyendkonEnrrenzen — den Intentionen der Sektion enGpvechend auch für die i-ünchten Jahrgänge — und eine FutzballerstÄffel besonders hervorMtheben. __) Aus den Vereinen. Ad i r.' Heute, 7 Uhr, AnsschnWtzung, zu der folgend Mitglieder .zu erscheinen haben: Bal-gban, Jäger, 'Kanner, Chches/Schwarz 1 und 2, Stratzberg, Deitelbaum, Banne:, Bauer, Hirschenhanser, Weitz rmd Pisk. Die Sitzung findet in unseren: Klublmal statt. Hakoah. Die Mitglieder werden hiermit aufmerksam gemacht, datz der norurale Parteienverkehr wieder ausgenommen wurde (täglich mit Ausnahme von Samstagen. Sv««' und Feiertagen von 4 bis 7 Uhr). M c :t o r a h. Heute Training aus den: Donaufekder- Plah. Morgen wichtige JtttHschuWtznng im Cafe Bikchria. Nr. 1639 ' Wien, Dienstag gafallm sei. Einige gut gemeinte Rippenstötze soll!en ihn für die entgangenen Annehmiiehkeileu entschädigen Endlich kamen wir am Freitag um 10 vorinittags in Havlvich an.^ In der Frauenkabine war cs nicht besser pigeigangen. Die besseren Ehehälften waren auf .ihre Herren der Schöpfung ernstlich böse, da letztere sie in ihren: Ianrnrer allein gelassen hatten. Die -nnheweibten logt«: aber beschivörend ,FEn'is ätz. datz die armen Mäm:-e.r selbst dringend Hilfe benötigten. Damit '*aar jeder EheMist beseitigt. Old Eirgland. .Wir waren mohr als froh, als wir ans Land.taumeln wmrten. Wieder wnüde»: wir von dei: Grenzorganer: erkannt, so daß wir die Revilsiolt ohne Aufenthalt bostandrn. Eilt Bähnangestellter stellte sich uns als Präsi-den.t des „RaiKvay Football Eln'b" (GisiMbahner-FntzbalMub) vor und litt) mtß ci«, Dienstag gegen seine Mannschaft, einen: bekannnten Amatourvereitt, in Harwich ein Wettispiel auszutvageu. Er garantierte für eine Einnahme von 500 Pfund. Wir versprachen, ihn: aus London eine telegraphische Antwort zutommen zu fassen. Wie groß war unsere Ueberraschung, als wir:-den Zug, der uns nach London führen sollte, bestiegen! An den Fenstern eines Waggons klebten Zettel, die bcsggten, datz er für den ^rorMnb Hakoah ans Wien reserviert sei. Sckion in Harwich gab es Nennenswertes zu seihen. Die Gepäckträger bedienten Meine elektrisch betriebene. Gepäckwaigelcheu. Eine Sehtznswürdiigkoit war der Gepäckwagen sol'bst, in den: wir unsere Koffer und Taischen vcrstantei:. Jeder zweite Waggon unseres Zuges war zur Hülste als Speisewagen installiert und anderes niehr. 11m einviertel 11 Uhr vormittags fuhren wir von Hatzwich äb. Einige, die es n-icht evlvarten konnten, mutzten sofort das Expevinwnt wogen, ob ihr Magen bereits ausnahmsfähig sei. Zun: Glück waren die Waggoilfeuster herabgelassen, sonst wären inauche Scheiben unter dam Anprall der Köpfe in Trün:n:er gegangen. Schade um das gute Frühstück, das aus Butter, Ntilch, Kuchen und Geibäck bestand und 2 Schilling, 6 Pence kostete. Ter Zug du.rche'itte eine zwrntich langweilige Gegend, so datz toir froh loaren. als wir mn 12 Uhr mittags in der Hauptstadt der Welt, in London, cmttvaifen. In: Bahnhof wurden wir vom Präsidium von WoMm: United (Bizapräisidont Iohitson, Mr. Davis, Mr. King Uslv.) und voi: zählreichen Vertretern der Zionistischen Partei herstichst bcgvützt. Und nun kamen wir, wie der Wiener so schön sagt, aus den: Schauen iticht heraus. Wahrlich. der erste Eindruck ioar überwältigend! Der riesenhafte Bahnhof selbst, dann bic endlosen Reihen von Autos, die in der Halle standen, ranibten uns den Atcn:. lieber viele Sticigcn ging es mu: zur Untergrundbahn. Aars vier Glciisen fahren fast ununterbrochen Züge und in drei Minuten waren wir an unseren: Bestim.mungsort, Station Adlersgate Street. In: Manchester-Hotel, wo wir eingnarliert sind, fand im Speiscsaal die offizielle Begrütznng statt, wobei wir von Vertretern der Zionistischen Partei und von Westham U>:ited willkommen geheißen wurden. Dr. Körner antwortete kurz und schlicht. Zum Frühstück wurden tvir von >u:seren Gcsinnnngsgenosscn dmgeladn:, und trährend sich die anderen gütlich tun, schreibe ich Seite ans Seite. Hevbsttermine der vierten Kknsse Güdost. 16. September: Donaustädter Bewegung—Hechawer, Athe>:—Hazair, Veritas—Hasmonea, Vorwärts 3—illeutral, Elektra—Republik. Aspangbahn—Pratersportklub. 23. September: Hazair—Veritas, Hasmonea—Elektra, Vorwärts 3—Donaustädter Bewegung, Pratersportklnb—Hechawer, Republik—^Neutral, 2lthen—Aspangbahn. 30. September: Hazair—Elektra, Neutral—Donaustädter Bewegung, Pratersportklnb—Vorwärts 3, Hechawer—Athen, Hasmonea—Republik, Aspangbahn—Veritas. 7. Oktober: Vorwärts "3—?lthen, Pratersportklnb—Neutral, . Veritas—Hechawer. Hazair—Hasmonea, Republik—Donaustädtcr Bewegung, Elektra—Aspangbahn. 11. Oktober: Pratersportklnb—Donaustädter Bewegung, echawer—Elettra, Veritas— Porivärts 3, 2lihcn—Neutral, epublik—Hazair, Aspangbahn—.Hasmonea. 28. Oktober: Hechaiver—Hasmonea, Elektra—Vorwärts 3, Neutral—Veritas, Athen -Donanstädter Bewegung, Republik— Protersportklnb, Hazair- -Aspangbahn. Copyright 1023 Nachdruck verboten. byR. Löw-if-Verlag; Wien-Leipzig. (81. Fortsetzung.) Zu Polms WAderu. 9lontan von I. Opatofchu. Anlorisicrlc Uebcrtragung aus dem Jüdischen von S: e g f,r i cd Schmitz. Bein: Kircheucinpang, tvo das Vluitergottesblld stand, war eine lveibiiche Gipsfigur üusaestcllt. Sie trug auf dem Kopf eine K'onfcderalla, auf oer Brust einen iveitzen Adler aus Blumen gewunden; an Hände:: und Füßen hingen Eisentellen. Ein Häuflein junger Burschen und Mädä>en kniete auf dem' Schnee und sang: „Boze cos Polske . . Die Meng,? fiel in d.-n Gesang ein; sie stand wie eine Mauer und in der lallen Luft schwcdlc ein wortioscs Zittern. Bei der Statue stand plötzlich eiu,-Priester, ein zlveiter, ein dritter. Die OReiige rührte sich rticht; sic stand mit strahlenden: Antlitz, Hörle nicht, ivas gesprochen lvnrd'e, pudern fühiic bloß, die Stunde sei gekommen, die Ketten müßten zerrisse»: werden. Kahane sprach mit heiserer Stimme und fuhr dabei mit dei: Fäusten in die Lust. Die iu seiner Nähe Stehenden schn^ut'lcn die Hüte und schrien: „Einheit". Mordechai fühlte einen näßen Schnurrbart, der nach Tabak roch, auf seinen Wangen, ein alter Pole IMe ihn umarmt und küßte ihn: „Einheit sagte man, also Einheit!" Jemand stimmte an und gleich hallte cs durch den ganzen Abhang: ,/3 dyrnem PozarGv --—" Der Gesang erhob sich, immer höher, schwebte über ieu Pelzmützen der Bauer»; in der Lllft hing der heilige Glaube eines Volkes, datz es heute oder nwrgen frei sein lderde. Ein Brausen ging durch die Luft: ,-Er fährt, er fährt." „Wer?" „Prin-z Poniaiowski." „Wer ist das?" „Wer das ist? ‘Sif soll man cs dir sagen?" „Ein Prinz?" ,^Ia, Herr, ein Prinz." „Nein, es ist nur Graf Zamojsk:." „Weißt du cs gewiß?" „Gewiß oder nicht gewiß, aber, m . da kommt bestimmt nicht irgendwer!" „Was sagst du zu den: Gespann?" „Wie das leuchtet." „Gold!" „Reines Gold." Aus dem Walde, sprengte eine Suite Schlachtschitzen. Man begann zu laufen; niemand wußte, wer gefahren kam. Verschiedene Namen wurden gerufen, man stritt, man wettete. Bald erschien eine Kutsche, au der zehn Pferde, vorgespannt lvaren, enstprechend den zehn Gortvernements Polens. In der Kutsche saß ein junger LRann von Damerp umgeben. Die Pferde waren in blau seidene:: Brokat gehüllt, aus km silberne Adler gestickt lvaren, und trugen auf dcll stolz emporgelvorfeneu Köpfen goldene Wappenschilder. Biegsame Töchter Polens in nationalen äkakauer Trachten bildeten eine Ehrenwache, beugten ein wenig ihre stolzen Köpfe und bezanbei'ten mit ihren blauen Augen und den bloulkn Zöpfen. Leise klangen die Glocken. Aus der Kirche kaim den: Prinzen eine Prozession entgegen. Stärker schwan-gell die Kircheuglocken und die stolzen Töchter Polens beugten ihre Köpfe tiefer, höher und stärker -klang ihr Gesang, vor: dem <Änszen einer jüdischen Geige begleitet. So wnrk das schlvere Joch abgeworfen, die Schmach und das Leid des polnischen Volkes ü'bertänbt, still und gottesfürchtig beugte die Menge die Knie vor ihren: Prinzen und sehnte sich nach einem Wort. Stolz stand kr Prn^ über den: knienden Volk und biß kriegerisch an seinem langen Schnurrbart; da sah er vom Walde her einen- Juden kommen. Es war Morschole, der Dorfschlächter, ein kleiner Jude mit zerfressenem Bart; er trug einen Sack mit Lungen und Lebern nach Hanfe. Der Prinz vergaß, -daß die Menge kniete und feines Wortes harrte. Er sprang au8 der Kutsche, lief dem kleinen Juden entgegen undumarmte und Mtzte ihn. Die Schlachtschitzen schwenkten die Konfederatka, die Damen ihre lveißen Seidenhandschuhe, das Volk, «das eben noch im Gebet versunken tvar, sprang mit einem Bivat auf mch schrie: „Einheit, lang lebe Moschko!", und unter den Zurufen der Damen ging dem Prinzen sein Temperawent durch; er hob Mojsche in die Höhe, ohne sich daran zu kehren, daß der kleine Jude mit den Füßen strampelte und weinte und setzte ihn in die Kutsche; der Zug fuhr wester. Die Danren suchten den Schlächter zu beruhigen, streichelten ihn, nahmen Sammtbänder, Maschen, Geschmeide vom Hals, flochten daraus für ihn eme KoNfcderatka n:it einer Pfaufeder, besprengten ihn mit ParfnmS aus silbernen Flacons und losten, wer ihn zuerst abküfsen sollte. Der arme Schlächter saß unglücklich da, weinte und betete. Movdechai stand' plötzlich bei der Gipsfignr, an der heilige Fahnen flatterteen. Bleich, die Hände erhoben, stand er etwas vorgebeugt, ohne sich zu rühren. Seine -offenen, milden Augen blickten ein wenig erschreckt und der Blick, Ivelcher in sie fiel, konnte sich von diesen Augen nicht mehr befreien. Zwischen den flatternden Fahnen erglänzten Gesichter, wie die zweier leiblicher Brüder — der bleiche Gottessohn und der noch bleichere Movdechai. Das Geschrei wurde' gedämpft, der Gesang leiser. Da und dort deutete man in die Richtung, wo M-ordechar stand, mit den Fingern wie auf ein Wu-nkr. Keiner begriff, lvas geschehen war, erstaunt hob sich die Ri enge auf die Zehenspitze::: „Wer ist das?" „Wer ist das?" „Ein Jude?" „Er sieht ans wie der Herr Zcsns." „Wer ist d«s?" „Wer?"' Morkchäi stand reglos wie vorher, das Antlitz bleich und schmal, die Haare nachläsiig über die Stirn fallen^ kn Mantel geöffnet, die lveißen Men Kcmde zum BoAe gewendet. lFortsehung Mi.)

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