Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1635 (31.8.1923)
- Date
- 1923-08-31
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1635 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung. 3t. August 1ÄA Prag-Duxer 215.—, Llussig-Teplitzer Eisenbahn 11-15.—, Nestomitzer Znckerindustrie 1590.—, Vereinigte Elektrizität Wien 219.—, Brosche 1570.-, Koliner Spiritus 1985.-, Köniashofer Zement 1296.—. Breltfeld-Danek 646.—, Ringhoffer 865.—, - Simmeringer 197.—, Rothkosteletzer Textil 413.—, Alpine Montan 988.—, Poldihütte 565.—, Prager Eisen 1365.—, Oesterr. Berg n. Hütten 3490.-. Skoda 659.60, Inwald 625.-. Budapest« Börse. Budapest, 30. Auaust. Die heutige Börse fta-:vd unter dem Drucke allgeimineu Angebotes, das schon zu Beginn größere Riickgängc nach sich zog. Da sich auch das Wochengeld ans 12 Prozent erhöhte,., schritt die Spekulation zu Realisationen. Die KonK'rmine nützte diese Gelegenheit ans und verschärfte mit Biaukoabgaben beit Kursrückgang noch weiter. Zn in Schluß wurden infolge der allgemeinen Abschwächnng zwar Rückkäufe vorgenomnzen und die Tendenz konnte sich etwas bessern, doch schlossen die meisten Werte um 8 bis 15 Prozent unter ihren: letzten Schlußkurs. Der Verkehr war bei Schluß lebhafter. S ch l u ß k u r s e: Ung. Kredit 920.000.—, Oesterr. Kredit 194.000.-,Britisch-Ung. Bank 200.000.-,Salgo Kohlen 735.000.-. Rimamnranyer 170.000.—, Südbahn 144.000.—, Staats ln hu 553.000.—, Gran-Szaszvarer 450.000.—, Oberuugarische Berg 1,000.000.-, Drasche-Ziegel 420.000.-, Ungarische Mg. Kohlen 2.650.000.-, Urikanv Kohlen 1,100.000, Adria 775.000.-, Clotilde chem. Fabrik 170.000—, Ung. Eisenbahnverkehr 220.000—, Anglobank —.—, Verein. Holz 37.000, Koburg. 62.000.—, Spodium 410.000. Sie Devisenkurse. Berlin, 30. August. (Devisenkurse.) — Amsterdam <309.200.- (2,932.660.-). Belgien 518.700.- (350.100.-), Ehristiania 1.795.600.- (1,216.950.-), Kovenbagen 2,044.875.- (1,396.500.-), Stockholm 2,952.600.- (1,995.000.-), Italienische 478.800- (323.190-), London 49,875.000.- (33,915.000.-), Rew-Nork 10,972.500.- (7,481.750.-), Paris 622.440.- (403.920.-), Schweiz 1,975.050.- (1,356.600.-), Spanien 1,476.800.- (1.007.476.-), Wien 15.561.(10.537.-), Prag 323.190.- (219.450.-), Budapest 61.695 (41.895), Sofia 103.740.— (77.805.-), Belgrad 115.710.- (77.805.-). Berlin» 30. August. (Notenknrse.) -- Noten: Dollar 10,972.500.- (7,481.250.-), Pfund 49,875.000.- (33,915.000.-), Italienische 478.80V.- (323.190.-), Polnische 4100.- (2800.-), Tschecho-slowakische 323.190.- (219.460.-). Oesterr. gestempelte 15.563.- (10.573.-). Prag, 30. August. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom Bankamte des tschecho-slowakische» Finanzministeriums.) — Berlin 0.03'/. (0.0475), Zürich 617.75 (617.75), Paris 192.75 (195.60), London 155.12 (155.12), New-Aork 34.- (34:-), Belgrad 36.75 (36.12), Bukarest —(-.-), Wien 4.66V, (4.68), Warschau 1.42V« (1.41»/.), Agram —.— (—.—), Budapest 17.80 (17.87), Jugoslawische 86.25 (35.75), Österreichische gestempelte Krone 4.66'/, (4.66), Polnische 1.34',. (1.37'/«), Ungarische 9.60 (9.50). Budapesk, 30. August. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 7510 bis 7710, Bukarest 88.— bis 95.—, Kopenhagen 3560 bis 3680, Christiania 3110 bis 3230, London 87.000 bis 89.400, Berlin 0.0020 bis 0.0040, Italien 822.- bis 857.-, Paris 1078.-bis 1114.-, Prag 565.-bis 589.-, Stockholm 5091 bis 5271, Zürich 3440 bis 3560, Wien 0.2720 bis 0.2860, Sofia 184.- bis 191.-, Belgrad 208.- bis 216.-, New-Pork 19.100 bis 19.700. Warschau 0.0800 bis 0.0900. Brüssel 858.- biS 920.-. Agram, 30. August. (Devisen.) Wien 0.1330 bis Berlin 0.0010 bis Budapest 0.52 bis Bukarest 42.— bis —, Italien 407.— bis —. London 431.— LiS —, New-Nork 9400.- bis Paris 532.50 bis Prag 277— bis —, Sofia —- bis —, Schweiz 1710.— bis —, Brüssel 450.— bis —, Warschau —bis —.—, Amsterdam 3730.— bis —, Stockholm —. Warschau» 30. August. (Devisen.) Berlin 0.0245, London 1,123.000, New-York 246.500.-, Prag 7300.-, Wien 8.48. New-Pork» 29. August. (Devisen.) London 455.—, Paris 565.50, Berlin 0.001, Mailand 432.25, Zürich 1805.—, Kopenhagen 1862.—, Stockholm 2671.—, Christiania 1631, Amsterdam 3932.50, Prag 294.25, Wien 0.14, Budapest.'/,«, Bukarest 46.25, Warschau 0.04125, Madrid 1345.-, Helsingsortz 277.50, Brüssel 464.—, Kanada 2»/« n. p., Brasilien 109.35, Argentinien 3206—, Belgrad 105.-. mmiwmmwu ■vwnmmrmm .. ,, Copyright 1923 . Nachdruck verboten. byR.Löwit-Ver!ag,Wien-Leipzig. ’ (78. Fortsetzung.) U Polens Wäldern. Roman Von I. Opatoschu. Äiitorijicrtc Uebcrtragung aus dem Jüdischen von S i e a f r i e d S ch m i tz. Dritter T e i l. Rom und Jerusalem. Er war untersetzt und starkknochig; die zu breiten, Zu wenig ciugebqgenen Schultern ließen den großen Kops kleiner erscheinen. Die tiefen Winkel an den Schläfer: mit den einzelnen zerzausten Locken, die aus schwarzer Seide zu sein schicmcn, flössen mit der breiter: Stirn zusammen, nr:d unter den dichten, schivarzen, hochgewölbten Brauen funkelten ein paar unruhige Augen, die sagten: Dieser Mer:sch führt alles a::s, was er beginnt. Die polnischen Emigranten in Frankreich, Belgier: und Deutschlaird kannte gar wohl „unseren" Kahane und in den Stndentenkolonier: vergötterte mar: ihn, erzählte von ihm' Legenden und neunte ihr: „Der heilige Paul." Philipp Kahane reiste von einer Kolonie in die andere. Er hielt Vorträge über die großer: polnischen Literaturwcrke, wie „Die Ahnen", „Die ungöttliche Kornödie", lehrte die jungen Menscher: Dichtungen lesen, organisiert» sie politisch ur:d half dem General Mcroslawski eine studentische Organisation gründen, die bereit war, beim ersten Rvif sich dern Aufstand auzuschließcn. Kahanes Polnisch hatte jüdischen Akzer:t; er konnte sich nicht von dem hebräischen Idiom r:nd den Bildern und Beispielen der Propheten befreien, sein Satzbau war jüdisch und als ihn einer seiner Kollegen, ein Pole, daraus aufmerksam machte, warum er sich davon nicht befreien könne, antwortete er, er wolle den Inhalt der Form opfern, einfach deshalb, weil er als Jude geboren war.. Kahane hatte keine Ahnung davon, wie man eine Pistole ladet und doch hielt er vor Studenten Vorlesungen über KgrMrk^tj.tzrMchre. Kaktik und. StrategU- KWW ikl Mm MWibW Fußball Schwere Angriffe gegen Schiedsrichter Mutters. Nachträgliches zum Städtespiel Wien—Prag. Der Inittelböhmische Gau des Cs. S. F. übergab der „Prager Presse" eine Erklärung zur Veröffentlichung, die wir dern Sinne nach zum Abdruck bringen: „Bekanntlich hielt Herr Mutters beim Bankett nach dem Spiel Wien—Prag eine Rede, in der er seiner Entrüstung über die Prager Spielweise Ausdruck verlieh. Herr Mutters, der seine Indisposition verdecken wollte, richtete seine Angriffe an eine falsche Adresse. Das Spiel war scharf, doch waren wir die Leidtragenden. Die Verteidigung, Deckung und Wieser im Angriff spielten sogar zeitweise derb. Am meisten hatten Kozeluh und Vlcek darunter zu leiden, die, um nichts zu riskieren, aufsteckten. Dworacek war unsere einzige Angriffswaffe, weshalb ihm übel mitgespielt wurde. Schon vor der Pause lich er sich zu einer Revanche provozieren. Die Art derselben war sehr auffallend und unerlaubt. (Sehr, vorsichtig ausgedrückt. Anm. der Redaktion.) Der Schiedsrichter übersah die Verfehlung. Das) was sich Dvoracek zuschulden kommen ließ, beding Wieser an unserem Tormann Hochmann in verdammenswertere« Weise. Der Schiedsrichter sah wieder nichts. Herr Mutters machte auch weiter vor der Panse sehr viele Fehler. Es schien, als ob Herr Musters uns gegenüber in Kleinlichkeiten parteiisch (!) wäre. Die zweite Spielzeit war noch häßlicher. Die Unsrigen erlangten bald das Uebergewicht, und nun erfreuten sich die Wiener des Wohlwollens des Schiedsrichters. Nun wurde Kolenath zur Strecke gebracht. Der Verteidiger Blun: unternahm gegen ihn in der Skrumage einen hint-erlistigen Angriff vor: rückwärts, offenkundig aus Wut, gab ihm einen Fußtritt und stieß ihn zu Boden. Herr Mutters sah wieder nichts. Es war für uns der schwerste Moment des Spieles. Wir waren bestürzt. Gott sei Dank, Kolenaty erholte sich, hinkte und spielte weiter. Bald darauf wurde Dvoracek von zwei gegnerischen Läufern gedeckt, stieß mit einem zusammen und revanchierte sich durch einen Stoß, obwohl der Ball schon fort war. (Sehr fein ausgvdrückt! (Anm. der Redaktion.) Dem betroffenen Spieler (Brandstädter) geschah nichts und es wurde weitergefpielt. Das Publikum schrie, der Schiedsrichter unterbrach das Spiel und informierte sich beim Linienrichter. Und ohne etwas gesehen und ohne abgepfiffen zu haben, schlaft Herr Mutters unseren Stürmer Dvoracek aus. Bis zun: Spielende beging der Schiedsrichter auch weiterhin zahlreiche Fehler. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß Dvoracek auch durch eine schwere Beleidigung provoziert wurde. Ein Wiener Läufer beschimpfte ihr: mit den Worten: „Du tschechischer Hund". In dieser Angelegenheit wurde eine Untersuchung eingeleitet und es wird eint entsprechende Satisfaktion und gebührende Bestrafung des Spielers verlangt." Diese versuchte. Entstellung mancher Tatsachen gereicht dem mittelböhmischen Gau nicht zur Ehre. Im übrigen können wir nicht umhin, die Rede des. Herrn Mutters anläßlich des Banketts als bedauerliche Entgleisung zu bezeichnen. Der Endstand der Meisterschaft 1922-23. Außer' der Hakoah nahmen an der Meisterschastskonknrren; des Wiener Fußballverbandes noch 14 jüdische Vereine teil. Ihre Erfolge sind wohl nicht imponierend, doch darf nicht vergesse,: werden, daß sie weil jünger wie ihre Konkurrenten sind. Immerhin ist en: Fortschritt gegen das Vorjahr unverkennbar. In der dritten .Masse West hielt der Sportklub Kadimah nicht das. was man sich anfangs von ihm versprochen bat. Er lag einige Zeit in der Führung, uuiimuß er sich aber mit dem neunten Platz begnügen. Wir hoffen, daß er Heuer wesentlich besser abschnetdcn wird. Ihre Zufammengchörigkeit bekunden unsere Vereine Hazair., Hasmonea und Hechawer auch in der Tabelle. Sie placierten sich in der vierten Klasse Südost an siebenter, achter und neunter Stelle. Auch von ihnen erwarten wir im kormnendei: Jahre bessere Lestnngen. Ganz hervorragend schlug sich der I. A. E. in der vierten Klasse Nord. Eingepfercht in 12 Vereinen, die ihn: nicht günstig gesinnt waren, erreichte er den dritten Platz. Hätten in den Schlußkämpfen die Nerven seiner Spieler nicht versagt, dann wäre chm der Ausstieg in die dritte Klasse sicher gewesen. Ir der fünften Klasse Nord mußte sich Bar Kochba mit der vorletzten Stelle begnügen. Noch schlechter erging es Moriah und Menorah rn der fünften Klasse W-est, wo sie in großem Abstand von den übrigen Vereinen die beide:: letzten Plätze einnehmen. In der Schutz gruppe Ost betätigen sich Hwei jüdische Vereine, doch vermochte sich nur Art günstig zu planeren. Dieser Verein endete nämlich an vierter Stelle, während der zweite, Achduth, den letzten Platz in der Tabelle einnimmt. Der Jüdische Arbeiter-Sportklub Borochow, der zum „Indischen Sportverband" nur in einem losen Verhältnis steht, vermochte sich in der Schuhgruppe Ost auch nicht mit Lorbeeren zu bedecken, da er ebenfalls an letzter Stelle landete. Der einzige Klub, de: unter sämtlichen jüdischen Vereinen einen Meistertitel zn errangen, vermochte, ist Makkabäa. der ins Dauerwettbewerb der Schntzgruppe als Erster einlief. In derselben Gruppe endete Achim am vierten Platz. Nachstehend veröffentlichen wir bi' beiden ersten Tabellen. Dritte Klasse West. Tore 1 Vereine .'S §> •s •Ü © 3 S L Sk A Meidling . . . . . . 22 17 4 1 62 20 38 Die weißen Elf . . . 22 15 4 3 60 21 34 Wieden . . 22 12 4 6 40 30 28 Mak-Hermania. . . . 22 10 2 10 49 44 22 Normania . . . . 22 8 6 8 25 29 22 Ober-St. Veit . . . . 22 9 3 10 35 38 21 Neptun. . . 22 6 8 8 26 37 20 St. Beiter Sp. F. . . 22 7 5 10 36 40 19 Kadimah . . . . . . 22 8 2 12 33 40 18 Fünfhauser Sp. C. 22 6 . 6 11 27 33 18 Rekord XV . . . 22 6 3 13 27 47 15 Phönix XII . . . . . 22 3 3 16 20 55 9 Vierte § klaffe Südost. Tore Btr e in S? g «o ' © 5 N £L o s» Feuerwelr . . . . . .22 17 3 2 64 19 37 Athen ..... . . .22 15 3 4 43 14 33 Aspangbahn. . . . . .22 13 5 4 71 37 31 Neutral .... °2 10 7 0 65 36 27 Veritas .... 11 4 7 44 23 26 Prater S. C.. . . . .22 11 4 7 45 26 26 Hazair. . . .22 8 5 8 37 34 18 Hasmonea . . . . . .22 7 2 13 48 50 16 Hechawer.... . . .22 6 3 13 28 52 15 Bewegung-Bew. . . . .22 5 4 13 28 57 14 Vorwärts III. .. . . .22 2 4 16 16 66 8 Nordwacht . „ . ... 22 2 2 18 12 «1 6 Spieleriibertritte. Vor Jahresfrist hat der Jüdische Dportvrrband einen Beschluß gefaßt, der dahin ging, daß Spieler von einen: jüdischen Klub zu einen: Bruderverein nur dann übertreten dürfen, wenn ersterer damit einverstanden ist. Wird der Spieler nicht freigegeben, dann kann er bei::: Indischen Sportverband protestieren. Gegen dessen Entscheidung gibt es dann keine Berufung. Dieser Beschluß hatte den Zweck, daß die Hakoah den kleineren jüdischen Vereinen n.cht die besten Spieler wegnimmt, wodurch die Breitenentwicklung des jüdischen Sportes gefährdet erschien. Wir erinnern uns, daß die Hakoah nach dem Beim ersten Anblick hatte seine ganze Figur etwas Kölnisches. Ter bewegliche Kahane mit den schwarzen Locken verschwand fast inmitten der blonden, hochgewachsencn Polen. Aber wenn er sprach, vergaßen seine blonden Zuhörer, daß zwischen ihnen ein kleiner Jude stand; sie sahen einen Propheten über sich, der feurige Blitze schleudert, Felsen und Berge mitreißt, peinliche Unruhe um sich verbreitet, die über Polens Felder und Wälder iagt, und kündet, die Stunde sei nahe. — Und die Jugend verläßt die Schulen und die Bücher, der Bauer den Pflug auf dem Feld samt Weib und Kinder):, und zur Befreiung sammeln sie sich in den Wäldern. Kahane war jahrelang im Ausland herumgereist, Komnnnnst gewesen, und hatte den Plan gehabt, eine Kolonie, eine Art „Neues Jkgria", in Amerika zn errichten, dazu Geld gesammelt und Anstvanderer geworben. Zu dieser Zeit war er in Paris Moses Heß begegnet und sein Plan zerrann in nichts. Heß hatte solchen Eindruck auf Kahane gemacht, daß er feine früheren Kamerun scheel anzuseheu begann; er begriff nicht, lvarum seim^Klegen, die erst gestern oder vorgestern ihrer jüdischen Umgebung entronnen waren, sich ihrer jüdischen Abstammung schämten, während Graf Jelenski. dessen Familie schon seit der dritten Generation christlich, dessen Urgroßvater, Reb Schaje, ein Apostel Jakob Franks gewesen war, bei jeder Gelegenheit sein Judentum betonte und es allen'vör Augen führte, als wäre es sein wirklicher Adel. Kahane begann fromm zu werden, ließ sich den Bart wachsen, predigte in Paris im Beth Hämidrasch, die Erlösung fei nahe, und glaubte, die Zeit sei gekommen, da alle unterdrückter: Völker die schiveren Grabsteine von ihren Gräbern wälzen und wieder auferstehen würden. Er durchstreifte die Straßen von Paris und spann die Fäden weiter, we-cye feine Brüder, die Propheterr, auf dem Bepge Moriah zu knüpfen begonen hatten und die bis zum heutigen Tage noch nicht gerisien waren. Selbst als das heidnische Rom dem griechischen und jüdischen Kulturleben ein Ende gemacht hatte, wuchs aus den Trümmern ein neues Leben hervor» das durch einen Juden evchüllt wurde. Und jetzt, da das christliche Ron: in Agonie liegt und ein r:eues Leber: an die Türen pocht, den Menscher: zn Taten weckt, kündet, die Erlösung sei nahe und liege in des Aklenschen eigener Hand — auch dieses neue Leben wird durch einen Juden enthüllt. Kahane vergötterte Heß, sah zr: Syvilla empor wie zr: Magdalena, stand arn Quell der jüdischen Erleuchtung, schöpfte darÄus Gottes Wort, verbreitete es im Beth.Hanridrasch, wo man ihn für einen Verrückten ansah, verbreitete es unter polnischer: Studenten, wo man ihm nicht zuhörte. Doch er wurde uicht müde, iu der steinigen Erde zu pflanzen, bis ein Wunder geschah — zwischen den felsiger: Spalten zwängten sich da und dort trotzig Bäumchen empor, trieben Zweige und Wurzeln irn trockenen Gestein und erinnerten an Gottes Wort. Kahane sah, feine Arbeit würde rncht mehr verlorengehen und werde ohne 'ihn geschehen; zufrieden fuhr er nach Polen zurück, im fester: Glauben, heute oder morgen würde dos polnische Volk sich befreien, wieder auferstehen, die Erlösung näher bringen. Als Kahane und Mordechai zum Weinschank kamen, sahen sie fchorr von weitem Komarowski mit.Jelenski im Schlitten sitzen. Flink sprang Jelenski vom Schlitten und ging ihnen entgegen. „Macht euch miteinander bekannt!" Kahane reichte ihm die Hand und wies auf Mvrdechai. „Graf Jelenski.." „Zum Teufel noch einmal", Jelenski unterbrach ihn und. seine Augen entschuldigten sich bei Adordechai, '„rvas für ein Graf bin ich für ihn? Ich heiße Jerzej, Jerzes Jelenski! Ich heiß? nach meinem Großvater — Jeruchem." Das letzte Wort akzentuierte er und sah Mordechai mit einem so krankhaften Äolz an, als hätte er nicht einen jüdischen Namen genannt, sondern ältesten polnischen Adel. Er wies Mvrdechai einen Platz an, sprang in den Schlitten und schrie den Kutscher an: ..Vorwärts!"