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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-28 · Heft 1632 (28.8.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1632 (28.8.1923)
Date
1923-08-28
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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M. E . . MM, DtMSkog.. SME« Treffer. Bei Bar Kochba wä^en Bock, Fischer und Rechter lobend zu erwähuel,. II* am Die Hakoah in London. Das Reiseprogramm. Morgen Mittwoch um 6 Uhr 56 Mm. früh verläßt die Hakoah irc;.t der Franz JoisefSbahn Wien, um sich nach London zu begaben. Dre Fahrt geht vorerst nach Berlin, wo die, Hakoähner im Hotel Zentral übernachten werden. Vom Bahnhof FriedrMtraße geht die Reife am Donnerstag um 8 Uhr 50 MiM früh nach Hoek van Holland tveiter. wo die Wienex um 10 Uhr 50 Min. nachts amommen. Nun wird um 11 Uhr nachts die Ueberfahrt mit dem Dampfer nach Havwich angetreten. Die Wiener werden am Freitag um 6 Uhr 4'S Min. früh englischen Boden betreten. Um 7 Uhr 60 MG. früh fahren die Hakoahner nach London. S'd iveffeil in der Livcrpovlstreetstallon um 9 Uhr .80 Min. abends ein. Die Londoner Adresse der Hakoah ist: Manchester Hotel, London E. C. 1, Aldersgate street. An der Fahrt nehmen folgende Funktionäre, Spieler und Schlachtenbummler teil: Dr. I. H. Körner, Artur Baar, Fritz Baltaxe, D. Herbst, Dr. Rosenblatt, Direktor Bund, Hunter, Halpcrn, Duldig, Scheuer, Trümmer, (Mb, Grünfeld. Gnttmann, Pollak, Kerr, Slndskh, Katz, Heß, Grünwald, Häusler', N-eufeld, Frau Holpern, Frau Baltaxe, Frau Grünfeld, Frau Fleischer. Matzner, Dr. Halphon. Ernst Weiß, Max Baltaxe, Meißner. Ue>berdies macht unser Sonderberichterstatter die Fahrt mit. Die Hakoahner werden in London durch die oberste Leitung der Zcvnistrschen Weltpartei unter Führung des Direktors des Keren Hajessod, Berthold Feiwel, empfangen. Ueberdies werden die Redakteure des „Jeüvish Ehro nicke" und des „Iewiish Guardian" int Bahnhof antvesend sein. Von Mitgliedern des Jetvifh Whlet'cvlubs werden die Hakoahner in Empfang genommen und bewirtet. Der Hakoah wurde bereits ein sweiieL Spiel in Leeds angetragen, welchem Wünsch die Wiener aber nicht Nachkommen werden. H'ngegen ist beabsichtigt, in London gegen ein Team aus jüdischen Amateuren und Professionals ein Spiel aus« zutragen. Das Programm des Londoner Aufenthaltes steht noch nicht fest. Die Hakouh (Paris) bat die Wiener eingeloden, in der französischeil Hauptstadt unbedingt ein Wettspiel auszutragen, rvelcher Einladung unter Umständen Fo-lpe gclePet wird. Die Hakoahner nehnren für Westham United c'nen Silberpokal mit. Anläßlich des Gastspieles der SSiencr Hakoah m London wird auch in der englischen Hauptstadt ein,' Hakoah gegründet. __ Die nächsten Meisterschaftsspiele. 1. Klasse: Danistag: Amateure gegen Simmering: Sonntag: Sportklub aefien Rapid, Ostmark gegen Wacker. Slovan gegen W. A. F., Hertha gegen Admiva. — 2. Klasse Nord: Gersthof gegen F. A, C., Stiivm 1914 gegen W. A. C., Donau gegen N. A. C.. Donaustadt gegen Jedlersdorf, Straßenbahn gegen Red Star, Sturm 1907 gegen Meidlinger Sportifrouinde. — 2. Klasse Süd: Rudolisshügel gegen Neubau, Vorwärts 11 gegen Germania, ^Sportfreunde gegen Bovwavts 1906, S. S. B. gege-rr BewegungSsPieiler. Phoni^a gegen International. Der Spielbeginn wurde wie folgt festgesetzt: Halb 1, häib 5 und halb 6 Uhr. Folgende Vereine wurden gestern vom W. F. V. suspendiert. dg sie ihren finanziellen Verpstichtnngen nicht nachgckammen sind: W. A. F.. Unitas. Rekord 16, Währiiiger Sportklu'b, Nordwacht, Vorwärts 3 und Einheit. . Bar Kochba—Reubauer Kickers 3:1. Bar Kochba: Singer 1; Prinz. Schwamm; Gelband. Nagler. Kämmerling; Kohen, Singer 2, -Bock, Fischer, Rechter 2. Der jüdische Verein, der verstärkt antrat, feierte eineil verdienten Sieg. Bock erzielt in der ersten Spielzeit einen Treffer. Nach Halbzeit gleichen die Unterlegenen aus. Bald darauf ist es wieder Bock, der einsendet. Zehn Minuten vor Schluß bucht Rechter 2 den lctztcir Oesterreichischer Fußballbünd. Heute findet rtm halb 7 Uhr abends im Vcrbandsheim/ Wieit, 2. Bcz., Taborstraße 1 (Obere Donaustraße 111), eine Komiteesitzung mit der Tagesordnling „Ausländerfrage" statt. Der Breslauer Fußvallverband sucht Trainer. Genaue Adresse im Verbandssekretariat, Wien, 2. Bez., Taborstraße 1 (Obere Donaustraße 111), zu erfragen. Herr Herrmann Alien hat die Obmannstelle Ai Hagibor übernommen. Unfähigkeit oder Löse Absicht? - .^'-0 ^UI Sonntag zur Ausiraguna gebrachte Ateistevschaft As V. Oe. S. über 100 Meter für Damen (Brust) wird ein lLchandmal in der Geschichte des Verbandes bleiben. In diöser Kouvurreniz starteten die boiden Schw>'stem Bieneniseld, zwischen denen seit dem Uebertrilt von Else -um W. A. S. die größte Rivalität cherrischt. Das Schwimmen wurde mm von Hedi Bwnenfeld (Hakoah) in der hervorragenden Zeit von 1:09,6 (österreichischer RÄord 1:30) vor Karsten (W. A. E.) überlegen gewonnen. Noch im Wasser re>kla>Mierte ihre Schwester, daß Hedi bei der Wende aibgestoßen hätte, während freie Wende vorgeschrielben war. Hedi BienenfÄd ggwann jedoch mit mindestens droieinhM Meier Vorsprung, uiid es ist jedem Einsichtigen Wohl klar, daß sie diesen großen Bor-' sprung durch dm besten Abstoß nicht gewinnen konnte. Aber auch aus rein formckleän Grunde durfte dem Protest nicht stattgegeben werden, denn der Starter hatte es — en^egen der Vorschrift — unterlassen, vor den: Ablassen die Startevinnen besonders darauf aufmevkianr m inachen, daß freie Weiide vorgeschrieben sei. Trotz alledem wurde dem Protest der einwandfrei geschlagen?u Eise stattgegeben, das Rennen annulliert mtb seine Renanstragung an geordnet! Wir sind neugierig, ob diese Renaüstragung auch baschlossen wovden wäre, weilii i'.icht die Hakoahneriii. sondern ihre Schwester voni W. A. S., die Meisterschaft unter den gleichen UurständeN gewonnen hätte! Zu dieser narren Austragung trat nun die Hakoahnerin nicht an. Zur Erklärung Ares Fernbleibens von: Start muß darauf hingewiesen Werders daß sich im Vorjahre ein fast gleichartiger Fäll (Zufall?!) ^getragen Hai. Hedi Dienenseld hatte, wie jedermann konstatieren konnte, knavv aber sicher gegen Schall (W. A. S.) die 10V Meter-Brustmeilsterlschaft gewonnen. Alle Zuiseher. Funktionäre und Zeitüchmer gäben dieser Airficht Ausdruck. Nur ein Zielrichter, Herr Hochermann (W! A. S.), konstatierte totes Renne n und es ionrde eine Neuaustvagung angeordnet! Hedi Bienenfeld fügte sich der volkkonrnven rrngcrechtfortigten Eiitscheidung >ilnd trat auch ein zweiltes Ma^l an. Es war Nicht su verwundern, wenn sie nun, ticif deprimiert, gegen ihre Gegnerin, die ja nichts zu verlieren hatte, knapp nrrterlrc,. Wer will es nun Fväulein Bicuenseld verdenken, daß sie sich Somstoig nicht dazu herbei'ließ. dieser neuerlichen Ungerecht-Weit durch ihre Teilnahme auch mir einen Schein von Berechtigung W verlachen. Schließlich werden doch alle möglichen Beugü-teiii!gun>pm n-ichts daran ändern fa>mtcn, daß die H a k o >a h n e r i n Bicuenseld die beste Brustschwimmerin Ovsterreichs, ist. Das Ergebnis der Wi-edcrholung haben wir bereits gestern veröffentlicht. Die Meisterschaft wurde zu einer Farce, da Me Bienenfcld, diegerade vorher in einer Stasettc geschwmnmm war, die nun vollkommen irreguläre Kmrkurvenz in der cleniden Zeit Vau 1:47 gewann. Ein solches Resultat in einer Meisterschaft nützt wahrlich de-m Ansähe'n des österreichischen Schwnumsports im Aelsland nicht! Aus der Häufung derartiger Vorfälle ergibt sich für die ^Hakoah die Notwendigkeit. energische Schritte iul österreichischen Schw-immverband zu unlern.chmeil. Sollte cs ihr dvn-noch nicht gelingen, ihr Recht — dos gleiche Recht wie für alle anderen Vereine — .. August IM . - ' Äösie-G u sinken, so wird sie die notwendigen' Kvu,s«^^uH2 v>en zi-ehen mü ssen! . DK sranzöstscheu Msisterschaften. Die dieSjähLipeu OMH Wh lerlchaften im Schwimmen Junten in Arra-s aüSgetrageu m» zeitigten sehr gute Resultate wie auch einige neu« Höchst- Iclftunflcu. Resultüte: 200 Meier Brust: Bouvier (Pari«) 3:09,8. 1500 Meter: Rebehrol (Bordeaux) 84:88,8, neuer Rekord. 100 Meter für Damen beliebig: Mlte. Äevpun (Touttcoing) 1:28. 4 mal M Meter-Stassstl: Enfantdtz Neptune de Toureoing 11:41,2, neuer Rekord. 400 Meter beliebig: Pado« (Tourcoing) 6:10. 400 Meter beliebig für Damen: Lehruu 7:36,4.100 Meter Rücken: 1. Horny (0* ' .— - - “ (Strasbourg) 1:31,0. 200 Meter Brust mar) 3:44.2, neuer Rekord. 6 mal b( .. d. Toureoing 2:38,4, neuer Rekord (Durchschnitt 81,1 Sek.). 100 Mter beliebig: 1. Padou 1:08,2; 2. Götz (Colmar) 1:16,8. 1000 Meter beliebig für Damen: Lebrun 19:88,2, neuer Rekord. 200 Meter (4 mal 80 Meter Brust. Rücken, Seite und eoing gleiche Jett. De« Jouna Jewish Sporting Club hat für das Schwimmen ,Lluer durch Wi«n^ zwölf Schwimmer nominiert. Leichtathletik. Lerminlifte für die Her-ftsaisvn 1923. 1. September: Wacker, Juuiorenmeetiny, Meidling. Ok 2. September: Stadlauer Union, lokales Meetmg, Stadlau. — 2. September: Deutsch-Wagram, österreichisches Meeting, Deutsch-Wagram. 8. Septenrber: Oe. L. B. Trans-Danubien —Steiermark. Graz.8. und 9. September: W. A. C., internationales Meeting, Prater. — 16. September: W. A. C.. Iuniorenmeeting, Prater. — 16. September: Oe. Ä. V., „Sporttagblatt"-Preis. 1, Tag. — 16. September: Wacker, Rund um Schönbrunn. 16. September: Oe. L. V. JnnSbmck—Klagenfurt, Städtewettkampf, Klagenfurt. — 22. September: Viemra, lokates Meeting, Hohe Warte. — 23. September: Oe. L. V., „Sporttagblatt"-Preis, 2. Tag. — 23. September: Wacker, lokales Meeting mit Stundenlauf, Meidling. — 29. September: Rapid, lokales Meeting, Hütteldorf. *— 30. September: Oe. L. V., „Sporttagblatt"-Preis, 3. Tag. — 30. September: W. A. F., österreichisches Meeting, Stockerau. — 7. Oktober: Oe. L. B., , Sporttagblatt"-Preis, 4. Tag, — 7. Oktober: W. A. F., lokales Meeting, Hütteldorf. — 14. Oktober: F. A. C.,*österreichisches ' Meeting. Floridsdorf. — 21. Oktober: Oe. L. V., Querfeldein- Meisterschaft. — 1. November: W. A. F., Oppelmeier-Staffel. Oesterreichischer Leichtathletikverband. ^Da der österreichi schc Fußballverband die seit langen Jahren, geübte Gastfreundschaft in seinen neuen Verbandslokalitäten nicht weiter auszuüben in der Lage war. ist nunmehr der österreichische Leichtathl.etikverband mit sämtlichen Unterausschüssen in das neue Verbandslokal, Wien, 9. Btt., Pvechtlgasse 9 (Telephonmlmmcr 22.393). übersiedelt und sind von nun an sämtliche Zuschriften ausschließlich un die obgenannte Adresse zu richten. . Die Boxkämpfe trn DreherparL. Tie Freitag den 24. d. stattgefundene Beranstastun^ bereu Resultate wir bereits brachten, hatte sich eines überraschend guten Besuches zu erfreuen. Es waren zirka 3000 Zuschauer gekommen, die dank der zweckmäßigen Anlage der Freilustarena auch von den entfernteren Platzen einen unbehinderten Ausblick auf den Ring hatten. Das Arrmraement klappte tadellos, die Kämpfe begannen pünktlich um halb 8 Uhr und die Pausen dauerten nicht länger, als unbedingt nötig, so daß enoch möglich war, die Heimfahrt mittels Straßenbahn zu bewerkstelligen. Der gebotene Sport war zwar, kein sonderlich hoher, doch wurde hart und ehrlich gekämpft. Der beste Beweis hierfür ist. daß alle Unterlegenen Verletzungen erlitten, die sie zum Äufgeben zwangen. Nur Cerny ging trotzdem mit seltenem Mut über die volle Distanz. Den Abend eröffneten der österreichische Meister H o l l e k, 57 Kilogramm schwer, und der afrikanische NeMer Köhler Copyright 1923 Nachdruck verboten. ^.Löwit-Verlag,Wien-Leipzig. (75. Fortsetzung.) Zu Polens Mldern. Roman von I. Opatoschu. Autorisierte Uebertragung auS dem Jüdischen von S i e g f r i e d Schmitz. Wir toerbtu nicht schivoigen, wir werden Rache nehmen für unser Blut, für deine Schönheit, für deine Keuschheit ... Die Schwächsten sind wir? Jä, Schwester, schon einmal haben die Schwächsten nt die Welt Jrrsal geschleudert, 'aus dem sie bis zuru heutigen Tage sich nicht befreien kann. Sei getrost, Schwester, sei getrost... Durch die jüdischen Friedhöfe wandelt nicht eine Felicia, nicht eine geschändete Suvele, kündend, der Messias sei ge'kornmen, seiner harrend als ihres Bräutigams. Änd wenn wir die Pein nicht Ehr werden tragen können, dann wird eine Surele oder eine Mirjam aufs neue Wc Welt in Jrrsal verwickeln, aus der sie nie mehr sich befroieir kann! Für unser Mut, Felicia, für deine Schönheit, für deine Kentschhert . . . - Felicia, Felicia... Mordtechai verließ das Zimmer. Strahl lam ihm entgegen, einen Pack Zeitungen in der Hand. „$n Warschau steht es gar rricht gut." „Was gibt es?" ' ,Meit Kronberg den „Kttrjer Poraunh" gewnsr hat, kann man das Blatt nicht in die Hand nehmen. Auf jeder Seite dasselbe Lied — Inden und tvieder Jr^en. Die Polen glauben wahrschoinlich, die dunklen „Kasiauträger" hätten plötzlich entdeckt, wie arnr im Geiste sie seien, und sich durstig auf die polnische Kultur geworfen! Die Duunnköpfe, neunundneunzig Prozent der Juden Polens wissen gar nicht, daß so etwas wie polnilche Kultur existiert!" „Was sagt Ihr zu Jastrows Predigt in der Karntelitcrkirche?" fragte Mvrdechai, -mehr um etwas zu sagerr, und uahnl sich in Gedanken vor, Strahl über den Brand bei Nacht zu befragen. „Na, er hat Amerika entdeckt!" Strahl zuckte mit den Achseln. „Dieselbe Lehre hat Kahane schon voriges Jahr gepredigt! Kahaue kann ich begreisen, aber wenn ein Rabbiner, dazu noch einer ans Warschau wie Rabbiner Weisels, dasselbe predigen geht, so sehe ich Gefahr darin. Es ist doch ganz klar," Strahl schaute aus die Zcitmrgen, als lese er etwas von dort heraus, „ist Polen -das Vaterland des Warschauer Rabbiners, so ist Rußland das des Moskauers, und werrn es, Gott bcivahre, zu einem Zusammenstoß kommen sollte, so müsien beide Rabbiner Todfeinde werden und mit Messern aufeinander losgchen. Hätten die Juden innner eine solche Politik geführt, von uns wäre längst keine Spur mehr geblieVeir! Mas willst du mehr, der Markgraf Wielopolski selbst ist dagegen! Und wie der Zar in Wilna war, hat ihm anr lautesten Hymnen-gesungen! Qdhmee! Einer der größten polnischen Dichter! Er hat dem Kaiser zu Ehren eine Hymne geschrieben, in der er alle an Patriotismus übertrifft, sogar den Russen Kukolnik. Jetzt frage ich dich, lvas hat es für einen Sinn, daß unsere Aufklärer die Polen übertrchfen wollen? Nein, Mordechai, wir Juden dürfen uns nicht einmengen!" Strahl machte, eine zufriedene Bewegung mit dem Zeitungspaket und schwieg. Mordechai sah Strahl und den Vater vor sich, di« Schwäger waren. Der Vater hatte ihm im Jahre 1831 Proviant geliefert. Sein Pferd war bei Wolja unter ihm getötet worden, als der Feind Warschau eroberte. Und Strahl? Er schreit: Unsiim, die Juden dürfen sich nicht einmengcn, mit4 für sein Geld sind schon mehrere hundert Geivchre aus Hem Ausland hinübergeschmuggelt worden. Ein Dienstmädchen mit einem Flederwisch in der Hand trat singend aus der Tür. Als sie den Herrn sah, vcrstnnnnte sic und tvollie ins Haus gehen. Strahl!hielt sic auf. „Schläft die Madame noch?" „Die Madame ist spazier-u gegangen ' „Allein?" „Die Madäme ist mit denr Grafen gegangen." Die gute Laune auf Strahls Gesicht lwar verschwunden Er rieb sich mit zwei Fingern die Augen, gähnte, und über sein Gesicht breitete sich eine stumpfe Müdigkeit, wie bei einem Kurzsichtigen, wenn er die Brille ablegt. Er hüstelte: Ein netter Mensch, der Komarowski!" ,Mes>halb, er liebt jüdische Fische?" Mordechai ertappte sich dabei, daß er zu weit gegangen tvar und wurde rot. „Was liebt er? Jüdische Fische?" Strahl tat, als hätte er nicht verstanden. „Woher weißt du, daß er jüdische Fische liebt?" Sein Blick ging Mordechai durch und durch, als wollte er etwas heraussinän, dann lachte Strahl dünn und hilflos Sein Gelächter hatte etwas Vogelartiges, das auf die Newen fiel. \ Felicia kam schnell herbei, vonr Frost gerötet, faßte kokett eine Hand ihres Mannes uyd legte sie an ihre Wange:' ,/Kalt?" „Wo hast du den Grafen gelassen?" Er legte ihre .Hand in seine, streichelte sie, und die Runzeln auf feinern alten Gesicht lächelten, um MovVechai zu sagen, er sei im Irrtum. ,ßt ist auf der Veranda und sieht die Post durch." „Hat er schon gefrüMckt?" „Nein." „So werde ich ihn einladen." „Gut. Wohin gehst du? Er sitzt doch auf der .Veranda, nach der Straße zu!" Mordechai sog den leichten, an Myrten ermuernden Duft ein, den Felicia hinterlassen hatte; er fühlte sich nicht mehr einsam und trat aus dem Vorhans. Der Frost stach und beuahru den Atem, hing über Bäu-> rucn und Häusern, wie zerfaserte Watte. Mordechai ging auf einem ausgetretenen Ae inen Pfqd dahin. Er gab nichk mehr Felicia die Schuld, sondern dachte daran, es gäbe nichts Häßlicheres, als wenn ein alter Mann j 'eine junge Frau nimmt. Fortsetzung Jolot*

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