Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1618 (14.8.1923)
- Date
- 1923-08-14
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1618 Wien, Dienstag jchrvitmvgen, deren Opf-er Dr. .Körner war. Die verschiedenen wieder aumchovenim Disgualiftkatio-nen der Hütt-eLdovfer Spteler sind zu bekannt, um N>i<perihoit iiwßou zu mii ftcit. Gestern verbündete mui der Besitzende des Struma in der Sitzuns deö W. F. V. das enldgültiae Urteil. Nt-ernalLer luimte auf <i«en Nivnai, Achatzi outf sechs Ätoträte, unk Kreutzer auf Ittel Atonale diSquMsiMert. Strafantvitit ist der 16. Juli. Weiters erhalt der Funktionär Stelrk züvei Jahve Platzverbot. Der FdmMotlär KuK.prier lvmde aller Stellen enthöben. Ueiberddes jpraich nton über Leide Herren das Verbot auL. Sportplätze zu besuchen. Herr Wotitz stellte -m AnischAß cm die AnZifnhnmgen deS MMnravertveters fest, dass bei W. A. F. durch Irre- Mcang des Stvumas des Vorteiles teichaftig lvnvde, unberechitiat'evweis« Spieler Mitwirken zu lassen. Dadurch sind die «tm ALstvog' Verurteilten geschädigt. da W. A. F. mit ge- Moächter Mannschaft nicht ähnlich günstige. ReifuLtate. erxielhätte. Der Vertreter des Stvtoma vertrag die Meinung. daß nicht ftsttzustellen ist, ob F. A. C. bei rechtzeitiger Disqualifizievunig deL Achatzi vor den W. A. F. gelangt wäre. Immerhin bestand aber im MVgLichksit, weshaLb man den F. A. C. in der extern Klasse bÄassen soll. Herr MeiSI trat dafür ein, daß die Meisterschaft auf ein bis zwei Jahre cmfgehoben wird. Herr Stiebet schloß sich dieser Anregung in s-chr temperamentvoller Welse an. Schließlich wurde die Angelegercheit ans Freitag, siür welchen eine eigene Sitzung eM&erufen wurde, vertagt. Der W. A. F. wurde für diese Sitzung eingaladen. Wien—Pretzburg. Die Preßburger Mannschaft. Äiorgen kämpft Wien nach Over Fronte«. Das österreichische Team, das cibensalls ausschllietzbich aus Wiener Spielern üastoht, tritt aus der Hohen Warte gegen die Auserlvahlren von Finnland an, und unsere SlädMf hat in Preßlmvg die einheinMchen Repräsentativen Kwm Gegtler.ePreßibnrg hat folgende ApreLer mit der Vertretung der Fariben betmtt: Tor: Mavcjsch 2; Verteidiger: Mareisch 1, Rvichardt; Läuiser: Dooka-l, StvejM 1, Ziegler; Stürmer: Dobias, Mayer 3, Müller. Mayer 2, BlazÄ. Die Mitwirkung des tüchtigen Mit'teililänsers ist aber noch fraglich, da er zu den W-aGenübungen emrücken muß.__ Der neue HerrKa-Platz. Jnuiitten eines Proletarierviertels, dessen Armut matt au den vorhangsloisen Fenstern und an den schmutzigen Fassaden der Häuser erkennt, hat der SporMrb Hertha einen Sportplatz erhctfui, der gemeiniglich als eine Favoviiener Sehenswürdigkeit bezeichnet lverven kann. Eine Sportanlage zu beschreiben ist ein müßiges Beginnen, man nmß sie scheu, um sie schätzen zu lernen. Spielfeld, Laufbahn und Zuschauer- 1 räume sind mustergültig angeilegt. Das Paradestück des Platzes ist aber die mächtige Tribüne, die fast 3000 Perlenen faßt. Die Sportanlage, die ungefähr 25 Perisone n Unter* 'vringullgsmöglichkeit gibt, Wurde vom Baumeister F. W. Sommer erbaut. Die Hertha verdankt ihrem Kinbprästoenten Ratzl, dam SÄtionÄeiter Fink stets hilfreich zur Seite stand, diesen herrlichen Platz. _ Für Mittwoch und Samstag hentscht Spielverbot auf Wiener Boden. Die Mener Auswahlmannschaft, die morgetr in Pveßburg spielt, trifft sich morgen um halb 9 Uhr früh beim Hanptzolwmt, um die Fahrt mit der Elektrischen zu unternehmen. Die Reisebegleiter smd die Herren Wottitz und Nieder. Die Mannschaft kommt um 11 Uhr nachts am selben Tage zurück. Da Pallet verletzt ist, wird Fried (Cricketer) seine Stelle einnehtneu. Sport und Politik. Aut 21. Oktober, an welchem Lage die Wahlen für den Nadionalrat stattfindeu, sollen Meisterschaftsspiele ausgetragen werden. Rapid und Amateure beabftchttgcn isogar au diesem Lage oine Doppelveranstaltung zur Durchs füyrung zu. bringen. Die Amateure sollen gegen Sparta antreten, als Vorspiel ist der Meisterschaftskampf Hakoah—Rapid vorgesehen. In der gestrigen Sitzung des W. F. V. wurde der Ansicht Ausdruck verliehen, daß am Wahltage keine Fuß. ballspiele sdattftnden sollen. Schließlich wurde der Beschluß gefaßt, den Svielausschuß der ersten Klasse um seine Ansicht zu befragen. Die Antwort hat innerhalb von vierzehn Tagen zu erfolgen. _ Wiener MorgenzeUurrg. Die Snspens über den I. Ll. S. C. Borochow wurde aufgehoben. . . V ■ Wien- Prag. Bundesknpitän Meivl wird unser Team für das anr Sonntag stattfindende Stüdlejviel morgett nach dem Länderkampf Finnland-Oesterreich nominieren. Das Städtespiel wird von Schiedsrichter MntterS (Holland) geleitet. — Der Vorstand des Wiener Fußballverbandes räumte deiit Bundeskaprtäu das/ Recht ein, zwei auslärtdische Spieler iq das Wiener Team einzustellen. Prags Städteteam, das am 19. d. gegen Berlin amir-ill. erffchr eine Aenberung, Es lautet: Kakiba; Holouüek, Seifen; Stepan, Vabrous, Plodr; Kuizei, Stapl, Vanik. Cäpek, Lisar. Ersatz: P.inc, Burger, Jansa. / Die Hakoah in London. Sämtliche Spieler, die au der Lonidouer Reise tei>ltwhmen, haben unversüglich ihre Pässe Mt Sekretariat abzugeben. Die Jahrcsmitgliedsbertrivge für den Fußiballiverband betragen für Vereine de« ersten Klasse 40.000 K.,, für Vereine vor zweiten Klasse 30.000 K., für die Bereite der iümgett KAlse 20.000 St. Mittagsdienst. Um driupeude Angeilegenheite« unv Auskünfte erledigen zu können, ist im Sekretariat des Wiener: Fnßballverbandes ein Mittagsdienft -in der Zeit von 12 bis 3 Uhr eingeführt. Die Hertha tragt am 8. und 9. Septemlber auf ihrem neu erbauten Sportplätze zwei Wettspiele gegen Hercha (Berlin) aus. Roth (früher Moriah) ist dein S. C. Ari heigelroten. Münzer, der sich vorübergehend bei Hagibor betätigte, ist zu Ari zn-rückgek-chrt. Gänserndorf—Hasmonea v:v. Bor zirka 400 Zuschauern konnte die-Mt mehreren Eüsatzliewten angetretene HaImonea denr spiefftarken, zweitWassigeu PdovinAverein einen vollkommen eibenibürti^eu Gegner aibgeLen. Bei Hasnroma bot das Berteidigungstrio eine gediegene Leistung, wobei Weiß besonders hervorstach. Die Hawesreihe beisvieldrgte, nur der Angriff konnte sich gegen die ausgezeichnet spielende gegnev-sche Hintermannschaft schwer -durchsetzen. Die Gänsevstdorfer hatten keinen schwachen PuM aufznweisen. Hasmonea: Adler; Weiß, Markstein 2; Baron, Soka-l, Gold; Spira, WoMohn 2, Kestler, Fuß und Fromm. Beide Parteien wissen sich a-usgezeichnet zu verteidigen, so daß sich das Gefecht bis Kur HaWzeit haupt- >sachlich in der Feldmitte abwickelt. In der ersten Vl-ertelsüunde nach der Pause ist Hasmonea forliwührend in Front, ohne einen zählbaren Erfolg erzielen zu können. Die Gänsewdorfer ripostieren urid gelanMn in der 36. Minute zu einE Elser, den aber Adler abwehrt. Die Einheinvöschen bringen eine derbe Note ins Spiell, so daß Fromm in der M. Minute wegen einer Verletzung das Sp-ielsvld vevlassen muß. Bon nun an können die Eilcheimischen bis zum Schluß-pf'sr eine leichte Ueberlegenhcit in: Felde behaupten, ohne das Re- Mtat ändern zu können. 5kornerverhälltms 4:4. Vorher fand ein Wettspiel der Mäuserndorser Neservemaunschast gegeie die Hasmonea-Cenidren statt, das mit einem Zil-^Sieg der ProvülKler ondet-e. Oesterreichischer Fusstoall-Bimd I Sportplatz Hohe Warfe Limo 37 bis Perntergasse, Linie 86 bis ßüiuwiizkagasse, dann Josef Friedigasse, Stadtbahnstation Hciligenstadt, — - dann Schulweg »«— — —■< ■■■ . Mittwoch den 15. August 1. J., 5 Uhr nachm. I LinderspieS Finnland *•«« Oesterreich; 14. August 1923 . ' Seite 11 SchwArnen. Zur NebcrqnetMkg des AermelkanalS. Folgerr-deN Schwimmern ist bisheL dieses Kunststück aoglückt: 1870 Web- (England, 21 Stunden 4S Min.), 1011 Barogeß Mngland, 23 Stunden), 1923 Suliban (Amerrka, 27 Stiunven, 28 Min.), 1823 Tarabochi (Italien, 16 Stunden 23 Min.). In der Vorwoche gab es einige «rsolglose ,Versuche. Der Franzose Michel legte sogar 64 Kilmneter zurück, ohne daß 'es ihm gelnuqnr wäre, die engl7,che> Küste m erreichen. Er toar ISSttb. 30 Min: im Wasser und nmßte, 3000 Meter vor dem Ziele, den twtrdi GegenftrönMn-gen aussichtslosen Kanchf ausgvben. LeiMachleM. Carr siegt in Pardubitz. Der australische Meisierläuf« setzte gestern seinen Siegeszug .fort. Er lbestriüt das Laufen über 100 Meter, -das er in der vorzüglichen Zeit von 10,6 Sekunden überlegen Men Li-nka <Slckvia) Mivarm. Die Meisterschaft«« von Holland ergaben Sonntag in Groningen bei Abwesenheit einiger guter Leute, z. B. P.iu.eu. u. a. folgende Resultate: 200 Meter: Broos (23 Sek.) vor van Raippard. 800 Meter: Menso (2:01). Weitsprn-ng: Boot (677,5, Zentimeter). Hvchsprnng vom Stand: Ras (139 Zentimsier); außer Konkurrenz 143iL Zentimeter (Rekord). In London würbe, vonder Zeitung „News ot the World" unter dem Titel „BritÄche Spiele" ein großes Meckmg im Dta-msord Bridge bei Anwesenheit von Wer 30.000 Zuschauern veranstaltel, welches sehr guten Sport bracht?. Die Hauptresnltate lauten: 100, Aard: 1. Matthewman (10,1 Sek.). 2. Nicol um Handbreite. Im Vorlans schlug Nicol in 10 Sek. Matthewman. — 220 Aard: 1. MatÄMmran (22 Sek.), 2. Toms, 3. Nicol. — 440 Z)ard: 1. Buttiler (60 Sek.), 2. Cushing, 3. Toms. — 880 Z)ard: 1. Stallard (1:65,6), überlegen gewounen. — 1 engl. Meile: Webber (4:28,8). — 3 Meilen: Webber (-14:62-6). — Hammzer: Nokes (53,54 Meter, englischer Rekord). _ Ans den Vereinen. Ari. Heute um 8 Uhr abends Spielerverst,--i.ü-lung. Ausstellung für die morgigen Spi-Äe, nachher Ausfch-rißf'tzuiig mit wichtiger Taaesordttung. I. A. S. Bor ocho w. Heute um 8 Uhr abendZ w ll> tige Ausschußsitzung im Cafe N-chtnn, 20. Bez., Gaußpl.n). Alle Ausschußm-itglieder wollen bestimmt erscheinen. Hakoah. Die Mitglieder werden mrfmerffam gemach:, daß der freie Eintritt den Mch'terschaftsfpiolen mit 'unseren: Sportplatz in der Krieau nicht wie bisher gegen Vorweisung der Mitgliedskarte erfolgt. Es kam: hi-ngegef fedes Niitglicd, toelches auf freien Eiritr-itt' in dm reservierten Raun: reflektiert, zu dem am 26. d. stattfindenden Meisterschaftsspiel gegen Ostmark ab Montag den 13. d. täglich, mit Ausnas.-ne -von Samstagen, Sonnrmv Feiertagen, in der Zeit vor. 4 .bis 6 Uhr nachmittags im Sekretartat. 1. Bez., Wiasingerslraße 11, beim Schalter 2 gegerr Vovweilsung der ba^chtten Al'iiglisds. karte eine M'ichkkarte beheben. Der Eingang für diese Karren bsfindet sich rechts unter der Trrbüi.e. Klnbckbzeichen roieder ovhAtlich. ' Hakoah. Heule Klnbleitimgssitzung um L Uhr abends. — Leichtathletiisektion. Heute um halb 9 Uhr abends Borst andssitzunH. Aiorgen um 9 Uhr 45 Min. früh Abfahrt nach St. Pölten. Treffpunkt: 9 Uhr 16 Min. am Westibahnhof. Hechawer. Die Fußballer -der ersten Mannschaft und der Jungmannschaft haben heute um haivb 9 Uhr abends nn Klnbheim, Cafe Lido, zu erscheinen. Morgen am Sportplatz Banmgarten Spiele nur 9 Uhr und halb 11 Uhr. 'Nur anivvserrde Spieler wevdeir berücksichtigt. I. S. C. Jugend-bnnd. Heute um 7 Uhr abends MtgliederversammluitH und Ausstellung tzer Mai'mfchafren. Morgen Wettspiele mit Zwei Mcmnschaften in Böslon gegen das Indische Sommertcam 1 und 2. Kadimah. Die für den 16. d. angesetzte Generalversarmnsilng wird auf einen.spateren Termin verschwbeu. Denurrstag i>ctt 16. d. um halb 8 Uhr Schwimmabend im Brünnlbad. Es lvcrden alle Mitglieder sowie die Mitglieder des I. A. C. her glichst eingelvden. 4) o u n g Je w i s h S p o r t i n g E l u b. Morgen um halb 7 Uhr abends dringende LcilunMitzung im Eas. Schlöfselhof, 8. Bez., Alscrstratze 15. Ab halb 8 llhr Zusammenkunft der Mitglieder sämtlicher Sektionen. Piuqp-ong-- Spielabend. C»pyri^ht 1923 Nachdruck verLoten. R, Lö wit-Verlag, Wlen-Leiptig. (93. Fortsetzung.)^ 3n Polens Mldern. Roman von I. Opatofchn. Aiitorifievte Uebertragung aus dom Jüdischen von Siegfried Schmitz. I Die JiwdenHoit ist Überzeugt, daß die Toro des Gau- Eücit schon offen stehen und glaubt, das ganze Reich der Herrlichkeit warte rmgedüldig auf die Niinutc, da Rabbi Mnidelcs Seele eutporsteigett wird; itud box Mordechai saß ein zerbrochenes Mewschloin, das nicht sterbell Will, aber fc'ui-e Kraft mehr hat, sich zu widersetzen und sich dazu bereitet, dem Dodesongel sich zu. ergeben. Aber eine Klc'nsigieit will er wissen, eitle Kleinigkeit . . . Wird märt dort mit Ritten schlagen? Wer hat recht? Wer? In der Tür stand cm kleiner, dürrer Jude mit getbtclen Augen, einer dünnen Nase mit senerroter Spitze; itt einer .Hand hielt er einen Wmtschbvies, mit der anderen zmpfte er an den Paar Haaren, .welche da und dort ans seinem Kinn saßen, mtd zitterte <tm ganzen Leibe. „Willst dn etwas?" fragte der Rabbis Das kleine Mätmchen brachte denr Rabbi bcn Wu-ldschövies, ging nach rückwärts und blieb bei der Türe stchen. Ohne ihn zu öffnen, legte der Rabbi den Wnnschbvief aus den Tisch imd fragte: ..Was willst &t?" ,-Rabbi," der Jude machte eine tiefe Verbengnng, wollte näher kommen, blieb aber bei der Tür stehen, ,^tabbi . . . ich kann nicht mehr ..." ,/Was kannst du nicht?" Ich bin ein Schlächter, eilt Dorffchlächter, Rabbi . . . ich schlachte 'bei dert Juden auf dm Dövfewt das Bich, und wenn einmal ein SKick tvejfe wird, so schlagt mich der DoaHube. . . gestern habe ich bei dem Pächter Moische Stawisker einen Achsen geschlachtet, hier, nicht weit von p ■ :?cbs ist in feinem Blut erstickt, da hat tttich der Pächter so mörderisch geschlagen, daß ich mich kaum auf den Füßen haltert kallu . . Der Schlächter verstunt-mte, öffnete ei-it lvettig den Mlmd irud glotzte mit 5>cn senchteu, gervtetcn Augen stier Ulnher, zog den Kopf zwischen die Schult er:: nlld stand hilflos da. Mordechai siel es ein: So mußte der Schlächter allsgesehen haben, als ihn der Pächter geschtagell hatte. ,Mas willst du also voll mir?" fragte der Rabbi. „Mein Schlviegervater", begalllt der Schlächter Alt stottern, „ist Schlächter in Lütow; er ist schon sehr alt und halb bltlld; er schlachtet rnit der Brille auf den Augen: er dürfte gar nicht mehr schlachterr, aber er hat einen Haufen Kinder . . ,Mas willst du also?" der Naibbi ließ ihn nicht zit Ende redeil. „Du willst Wohl, ich solle feilt Schlachtelt für ungesetzlich erklärerr imd dich an seine Stelle setzen, was? Dein Schwiegervater, sagst du, ist blOd, hat aber eilten Hausen Kinder . . . so, so . . Der Rabbi schüttelte den Kopf und blickte durchs -Fenster; er sah, daß das Dienstmädchen ans der Wohnung Dowidls trat und einen Kübel mit Abfälsen tu den Schnee goß. Krähen flogen herbei und stocherteit int Schnee. Sie rissen und zupften mit ihren scharfen Schnäbeln an deir Eingsweiden einer Henne, lvelche unter dem Abfall lagen. Die KrAhen schlugen mit den Flügeln und hackten mit den Schnäbeln, schärften sie im Schnee und erfüllten die Lust mit ihrem Geschrei, das durch Aiark und Bein ging. „Kormn näher" — der Rabbi winAe den Schlächter heran —, „sichst du die schwarzen Krähen, die sich um. die Abfälle ranscn und sich gegeiffeitig mit deu Schnäbeln tu -die Augen fahren? Siehst du sie?" ,^Jch sche sie." „Weißt du, wer sie sind?" Erschrocken-wich der Schlächter zurück mtd autiwortete nicht. „Das sind verftnckste Seelen von Schlächtern, hörst hu? Verfluchte Seelen . . Der Schlächter wankte halb tot hinaus. Mit gesenktem Kopf Meb der^ Rabbi sitzen und murm-eltc in seinen Bart: „Er ist blind, man müßte ihm das Schlachten verbieten? So lange ich lebe 'nicht, so läge ich lebe nicht . . . In der Tür stand eine Frau mit einem Knaben. „Was wollt Ihr?" „Heiliger Rabbi" — die Frau beugte sich bis yu Erde, erhob sich wieder ltnd stellte ihren, bleichen Slnaben, der in weiße Leiir-waMleider gekleidet war, vor sich hin —, „von acht Kindern ist er der einzige übrig. Ein Kind der Trälten, aber ailch er magert immer mehr ab, so wie die anderen, deren Jahre ihm zugerechnet werden mögen. Da bin ich gekommen, ein sündiges Weib, das nicht wert ist -die Schwelle des heiligen Rabbi ju betreten, daß der Rabbi ihn segne ..." „Mas wollen sie von mir?" — der Rabbi wandte den Köpf zum. Fenster —, „sie -werden mich bald zu einem Gott machen! Ich segne nicht! Ich lveiß nicht, wie man segnet! Verstanden? Man kann es ihnen nicht aus den Kopf schlagen! Solche Ochsen!" „Heiliger Rabbi" — hilflos brach die Frau in Tränen aus —, „Rabbi, sagt mich nicht weg! Wenn Ihr es besehti, zerteile ich mein ganzes Vermögelr, ich lvill Wohltaten üben, damit nur. . ." Bleich trat Rcb Jtfche ans dem nächsten Zimmer ein. Er beruhigte die Frau, segnete den kranken Kraben nu-d führte beide langsaur hinaus mit leisen Trosttvortcu. „Betet zu Gott, dann wird er Ench helfen! Ihr wollt Wohltaten üben? Gut! Sehr gut! Wohltun hilft!" Schlecht gebannt blieb der Rabbi sitzen und ließ längere Zeit einen älteren Juden mit weißen Stieseln, ans einen: Stück Leder beinr Eingang stehen. Er sah auf ihn, als wäre cr nicht vorhanden, dann fuhr er ihn zornig an: „Was gibt es schon wieder?" Der Jude trat näher, setzte eine dlunme Adienc mit -blauelt Kinderaugen auf und sprach langsam und vorstchr^ als wäre es eine schwere ungetoohnte Aufgabe für ihn, ein Wort heransznbringen, auf welches er sich lange vorbereitet hatte. „Seit zwei Wochen bin ich UlNtevlvegs, heiliger Rabbi." (Fortsetzung fo!