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Wiener Morgenzeitung · 1923-08-04 · Heft 1608 (4.8.1923) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1608 (4.8.1923)
Date
1923-08-04
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Men, Samstag Merreir Moraenzeitung WZ Lotenklage. In memortem Jda Naumann, Alfred Wolf. Franz Heller! Ihr Mt in die sonnige, wonnige Welt, In die Bergendem Lichte entgegen! Ihr stieget empor zu dem ewigen Zelt Auf himmelbedrohenden Wegen! Ihr lachtet und Merztet und lachtet dabei Und suchtet die Sehnsucht im Wandern . . . Wir dachten euch eben noch selig und frei, Da war schon verklungen der Todesschret! . .. Was wissen wir einer vom andern! Sonst kehrtet ihr subelnd und jauchzend zurück, Nun seid ihr so schweigsam geblieben! Ur liebtet der schimmernden Berge Gluck! Wir sterben an dem, was wir lieben! Ihr tränket der träumenden Höhen Duft Und liebtet -das sorglose Wandern! Nun wißt ihr nichts mchr von der Stubeuluft, Die Erde weiß, wen sie zu sich ruft! . .. Mr bleiben die Armen, wir andern! _ Kurt Inhn. Vom Makkabi-Weltverbarrd. Stach eingehenden Verhandlungen mit dem tschecho- Eischen 'Kreise war eS letzterem nicht möglich, eine turnche Bevanistaltung anläßlich der Makkäbi-KoNMenq in >ad M orgMiisleren. In der Hauptsache scheiterte die Durchführung der VeranstMnng an nnnbevw'mdbaren finanziellen Fragen. Ein Sportfest hatte ungeheure Atittel beansprucht. dre anderen wesentlichen Arbeiten keinesfalls entzogen werden durften. Ans diesem Grunde machte diesmal dcwauif verzichtet werden, vor dem 'Kongreß mit einer technischen DerMstaltung zu erscheinen. Die Konferenz des Mattabi-WeltverbArdes wird trat Sonntag den 12. d. durch eine offizielle Sitzung eröffnet, zu der die zionistischen Führer eingeladen werden. Die Tagesordnung für die Sitzung wird vom Präsidium auf Grund einer Kombination der ans den Kreisen zu gegangenen Wünsche wir folgt vorgeschla-gen: 12. August: Offizielle Eröffnungssitzung, a) Begrünung; b) Berichte und Arbeitsreferat (Turnbritder Kuhn); c) Berichte der Kreise: d) Diskussion. 18. August: a) Finanzfrage; b) Arbeiten und Aufgaben bis zum Lurntag; e) Lurntag. 14. August: a) Sitzungen mit den Soottt- und Wanderverbanden, (Referat und Korreferat Durnbruder Kuhn und Dr. Simon: Die Scout- und WandevbÄvoguwa im Ma-kLabi-Weltverband und dir Stellung zu den nicht anMfchloffenen Verbänden; L) Diskussionen. 16. August: Schlußsitzung;' a) Anträge; b) turnerische Anregungen; e) EvgLntzunOwählen; d) Eventuelles. Die Anmeldung der Delegierten ist unverzüglich in je einem Exemplar wu senden an den Vorsitzenden Heinrich Kuhn, Eharlottenbrwg,. Leibnitzstraße 30, und ferner an dm Beauftragten des OrganisationSkomitees Tuvnbruder Robert Heller, Tschecho-Slowaker. Komotau, Ka-ntlstraße 5. Die Sommerreise der Hakoah. (Bon einem Reiseteilnchmer.) 4. Auch die beiden letzten Ezernowitzer Gegner wurden von-uns Merlegen abgeserttgt. Der Sportklub Polonia erklärte, daß er gegen uns under allen Umständen ein günstiges Resultat erzielen wolle. Dieser Ausspruch stachelte den Ehrgeiz unserer Mannschaft ganz gewaltig ans. und so kamen unsere Gegner diesmal schlecht weg. Sie wurden mit 9:0 Toren geschlagen. Anfangs spielten Nenfeld und Häusler sehr schwach, so saß unser Angriff nicht in Schwung kommen kannte, dcvbei wurdeic von unseren Stürmern die günstigsten Chancen vergeben. Erst in der 16. Minute gelangten wir durch . Häusler nach eurem Eckstoß zmn ersten Treffer. Vorher hatte noch HcilMn einen Effmeterstoß vengelben. Nun fanden sich unsere Stürmer langsam. In der 80. Minute ging Nearseld seinen Gegnern auf und dülvon und erzielte das zweite Tor. Nun stellten sich'Hunter in der 35. und Molnar in der 38. Minute mit je einen Treffer ein. Mit 4:0 ging es in die Pause. . . - Stach Seitenwechsel vergab vorerst Häusler günstige Chancen. Ein Streitfall Neufeld—Mieczinsky endete mit dem freiwilligen Abtreten des letzteren. Itr der 16. Minute erhöhte Guttmann den Stand ans 6:0. Bold darauf wurde ein Prachtschuß desselben Spielers, utit viel Glück abgowchrt. SlndSky erzielte dann in der 28. Minute das schönste Tor des Tages. Nun' folgten in der 30. Minute ein Tor von Häusler, und in der 32. Minute ein Treffer von Molnar. Punkt 9 hatte Molnar in >der 36. Minute zum Erzeuger. Das nächste Spiel trugen wir gegen Olympia aus Kronstadt aus. Unsere Gegner, stellten eine überaus stzinp.ithische Mannschaft, die ausschließlich . aus 'Siebenbürger Sachsen bestand. Wir blieben auch in diesem Treffen siegreich, wobei das Resultat 7 :>1 lautete. (Wir meldeten seinerzeit auf Grund des eingelangien Telegrammes ein 7:0-Re,su'ltat. Wir stellen letzteres hiermit richtig. An,m. d. NeV.) Wir traten mit folgender Mannschaft au: Halpern; Schewer» Weiß; Kerr, Guttmann, Hevliüger; Hunter, Molnar. Grnnwald Häusler, Dludskh. Bis zur 21. Minute war der Kampf offen/Dann brach aber für die' Gegner zum ersten Male das Verhängnis herein. Grünkvald köpfte nämlich eine flanke Sludskhs ein. In der 40. Minute verwandelte Guttmann einen Elfmeterstoß. Beim Stand 2:0 wurden .die Setten gewechselt. Stach der Pause waren wir ständig überlegen. Besonders verdiente diesmal das Schußvermögen Häuslers hervorgchoben zu werden.,Die Tore fielen in folgender Reihenfolge: Häusler (4. Minute), Hunter (6. Minute), Häusler (.11., 26., 29. Minute), Guttmann (30. Minute). In. der letzten Minute gelangten unsere Gegner zum Ehrentreffer. . Am Dienstag kamen wir von Czernowitz in Stanislau an, wo wir bereits Abgesandte von den Lemberger Vereinen trafen. Wieder mußten wir die mangelnde Voraussicht teuer bezahlen. Wir hatten mit Pogcm und Hasmonea für 20.000 tschech. K. abgeschlossen. Die Herren erklärten aber, im günstigsten Falle nur 13.000 tschech. K. bezahlen zu können. Sie stellten es uns frei, eventuell auf die Spiele zu verzichten und nach Haufe ftit fahren. Was blieb uns anderes übrig, als auf den Vorschlag ein'zugehen! Wir hatten also neuerlich einen Schladen von 1'5 Millionen österreichischen Kronen erlitten. Diesen Berichten schloß Holpern ein Schreiben an, dem wir folgendes entnehmen: Die Reise hat uns bisher wenig befriedigt, da wir viele Tage zur sportlichen Untätigkeit verurteilt waren und die Städte keinerlei Mbwaslung bieten. Ganz ausgezeichnet fügt sich Molnar in das EnsenMe. Hunter '.st ein idealer MittÄstürmer und unsere Spieler dürften durch feilte Mitwirkung viel gelernt haben. In ganz hervorragender Form 'befindet, sich Guttmann. Unsere Mannschaft spielt technisch ausgezeichnet, doch leisten sich unsere Stürmer viel tut Verschießen. . _ Zwanzig Jahre Red Star. Im Herbst 1902 fand sich eine kleine Schar fußballfreatdiger Jünger zusammen, die einen Fußballklub .gründeten. Um einer gewissen Anpassung an das Mutterland des Fußballsportes gerecht zu werden, wurde einstimmig beschlossen, den Titel „Sportklub Red Star" zu wählen. Nun ging es mit Feuereifer an den sportlichen Aufbau. Es erfolgte nach Gründung des Oesterreich! scheu Fußballverbandes die AnmÄdung zu demselben, woselbst Sportklub Red Star nach einem Qualisffationswettspiel gegen Bienna-Reserve in die zweite Klasse eingeteilt wurde. Im Jahre 1905 trat Red Star in die erste Meisterschaft ein. die unter den Vereinen der erstklassigen Reserven, wie Cricket, Vienna, W. A. C. sowie der MeMassigen Vereine Rudoffshüge'l usw. usiv. ausgetragen wurde. Red Star war nach Abschluß derselben int Mitteltreffen zu finden. Im MeisterfchaftÄsahre 1906—1906, das nur mehr zweitklassige Vereine zusammenbrachie, konnte Red Star den dritten Platz erreichen. 1906—1907 war ein Jahr bitteren Ringens, denn knapp vor dem Ziele wurde Red -Star geschlagen. Die ganze Saison über lag der Verein mit Rudolfshügel Kopf an Kopf in der Führung, fedoch im Entscheidungsspiel mußte der Verein mit 3:1 die Waffen strecken. 1807—1908. Dieser Zeitabschnitt brachte die Mo erste Enttäuschung für den Klub. Unter -den Pereinen F. A. C., 1. S. S. C., Wiener Ericketer, Ostmark. Südmark. Favorit, Margaretner Sportklub, Orion und Sturmvogel körnte der Verein ohne Niederlage mit zehn Punkten Vorsprung die Meisterschast erringen. Als im Verbände die Frage des Ausstieges aufgerollt 4. AuWlt 1923 Seite 11 wurde, woselbst Red Star als erster Anwärter genannt wurde, ergab der diesbezügliche Beschluß das Resultat, daß F. A. C.» der au zweiter Stelle lag, in die erste Klasse ein gereiht .und Rv» Star als Meister in der zweiten Klaffe verblieb und zum Tröste die Mcisterschastsmedäillett erhielt., Dieser Beschluß wttrde damit begründet, daß Red Star keinen eigenen Spielplatz besaß. 1908—1909. In dieser Saison spielte Red Star keine so gute Rolle mehr, da infolge des erlittenen Unrechtes mißmutige Spieler der echten Manusckmt ben Klub im Stiche ließen. In der Meisterschaft konnte Red Star daher nur an die dritte Stelle gelangen. In der Meisterschaft 1910—1911 gelang es dem Klub, bis in die Oualifikationsrunde zu kommen und wurde er vom Sportklub Hertha nach heißem" Ringen 3:1 geschlagen. Im Jahre 1911—1912 wurde die zweite Stelle erreicht. 1912—1913. In dieser Zeit ist e8 dem Klub gelungen, einen eigenen Sportplatz zu erwerben. Die Meisterschaft schloß Red Star im Mitteltreffen ab. Im Jahre 1918—1914 erlitt Red Star einen schweren Verlust, indem der Krieg acht Spieler der ersten Mannschaft förderte. Troll alledem wurde der Sportbetrieb aufrecht er» halten und der Klub konnte mit den «jungen Kräften, die. ihm zur Verfügung standen, sieben Turuierpreise und außerdem noch die Kriegsmeister,schaff 1914—1915 und die Sommermeisterschaft 1915—1916 gewinnen. Jedoch war in. diesen Jahren kein Aufstieg in die erste Klasse und die Ottakringer mußten wieder in der zweiten verbleiben. Nach dem Kriege wurde der Klub mit neuen Kräften aufgebaut und 1919 konnte derselbe einen anderen Sportplatz eröffnen, nachdem, der erste den Schrebevgävten zmn Opfer fiel. In der Meisterschaft war Red Sbcrr stets in: Vordevtresfen zu finden. Im Herbst 1922 überstede'lte Red Star auf soimn ietziON Sportplatz. Durch die Geilvinnung desselben konnte der Klub den Sporkbetrieb weiter ansbauen, so daß derselbe heute über eine Leichtathletik-, Handball- und Hockepfektion verfügt. In der Meisterschaft erreichte der Klub die zweite Stelle. Dvr Hakoah spielt heute -in Lemberg gegen Hasmorteck. Admlra spielt heute und morgen in Arad. . Wacker spielt morgen in Wiener-Neustadt. Wien—Prag. ' Für diesen Städtvkamplf, der am 19. d. in Wien zur Austragung gelangt, stellt Prag die gesamt» Sparta-Mannfchast. Me Simmeringer besiegten aus ihrer Sommerreise den F. C. Saar in Saarbrücken 3:0. Das Wiener Künstlerteam in Graz. Freitag den 10. V findet in Graz ein interessantes Wettspiel statt. Die Grazer Hakoah hat das Wiener Künstlertelam zu Gastt. Die Künstlermanuschast ist sportlich evn!st zu r-chmen und hat unter der Leitung ihres Trainers Popovich vie>l zugelernt. Außer dem Trainer und dem Süktlionsleiter Kotany uchmen folgende Spieler an der Reise teil: Rob. Nästelberger, Harry Paper, Karl Schultz (Theater a. d. Wien), Otto Glaser (Komödienhaus). KÄchl. Schwarz, Krüger (VolEsvper), Klaus-ner Uomödien'haus), Weiß (Chat noir). Dir. Hein. Bigni. Hagibor spielt morgen in Tulln. Lloyd trägt morgen ein Wettspiel in Rannersdorf aus. Die Erfolge der Hakvah-Leichtathlcten. In den letzten, Wochen hatte die Hakoah wieder eine stattli'che Zlnzahl Erfolge zu verzeichnen. In Prag errang Lustig im 100 Aarld-Lansm den ersten Preis gegen allererste internationale Konkurrenz. Ball wurde im Hütchenlaus und.Stalblhochijprung Zweiter, im 400 Meter-iLaüf Dritter. Beim Sportzfsst des F. Ä. C. konnte die Iünglingsmann-schaft ihren gvwoynien Siegeszug fort« setzen. Sie gewann üverlegen den 4 mal 200 Meter--AtaM, den einzigen Wlettbewerb, der bei bitefent Fckt der Jugend Vorbehalten war. MaMni. belegte 'im 1000 Meter-Borgabclaufen mit 30 Meter Vorgabe einen ehrenvollen dritten Platz. Die beiden Crstetr hatten 60, bezw. 80' Meter Vovackbe. Für den Länderwettkampf Oesterreich—TschechoMoüvcrket wurde der Hakoahner Ball in d'd Lätchermanuschaft Oesterreichs eingereiht, obwohl er Deutscher ist, doch genehutigte die Tschecho- Slowakei die Einstellung., Ball konnte im Hürdenlaus in der famosen Zeit von 16,1 hinter MeilHeim Zweiter bleiben, vor dem Vertreter der Tschecho-Slowakei. Der Sektionsausschutz der Hakoah hat sich dttrch Zuwahl der Herren Klein als Kassier und Lustig als Bcifitzer ergänzt Für die Zeit des Urlaubes des Herrn Dr. Kernberger wuvd«t 'Herr Nußbanm als Leiter bestimmt. Bei den mitteldeutschen Meisterschaften, welche Sonntag in Dresden ausgetragen wurden, gab es einige gute Rosultale. So gewann Kempe die 800 Meter in 2:01,2, Bazan erreichte im Hochsprung 176 Zentimeter, Biv'brich lies 200 Meter in 26,4 Sek. und Alleyt 400 Meter in BL,6 Sek. Copyright 1993 Nachdruck verboten. VyR.Löv!6-Verlag,Wfen*Lelpzlg. (55. Fortsetzung.) Zn Polens Wäldern. Roman von I. Opatoschu. Nuiorisievte UebertraMng aus dem Jüdischen von Siegfried Schmitz. Ach, vergessen — der Alte rieb sich die Stirn — sch habe ihm ja schreiben tvollen, Luzatto, man wird alt, ich erinnere mich nicht mchr . . . Und doch bin auch ich einmal jung gewesen, bin nach Lemberg gefahren' und zusamimen mit Schlojma zu Krochmal gepilgert.- Alles schon ein Traum! Nachman ist schon in der Welt der Wahrheit und Schlojme — Rabbiner in Prag. Er ist nicht dumm, der Schlojm-e. Es mutz ihm nur leid, tun, daß er so spät darausgekonnnen ist, es hätte keinen Sinn, sitz mit der ganzen Welt herumzuschlagen, solange man satt und ruhig leben kann. Er rst immer t-en sichersten Weg gegangen, hat nie Mut gchabt; anders wäre es auch nicht möglich gewesen, daß ein Mensch in Lemberg zwanzig Jahve lang von Wurst, nur von fetter Wurst lebt und für die Fleischer arbeitet; jetzt, da er das „Priesterkleid" angezogen hat, hat <r mit den alten Freunden ganz gebrochen; daß er Rab- Liner geworden ist, das hat ihn nmgebracht, er kann nichts mehr, kann nichts . . . nichtsdestoweniger möchte ich doch mit ihn: ein bißchen plaudern, wir müssen beide gleich alt sein, sofort, ja, gleich alt . . . beide'sind wir gleichzeitig zu Krochmal gekommen, im Sommer im Korn gelegert und haben Voltaire gelesen . . . ein Traum, ein Traum... bas Aiad dreht sich. . . Gott weiß, vielleicht wird viele Jahre später der Junge, Mordechai, genau so dasitzen wie ich und dieselben Gedanken haben . . . ein ewiger Traum . . . er hat keinen schlechten Kopf, der Mordechai. Wie lange ist er schon da? Drei Monate. In der kurzen Zeit hat er ganz gut deutsch lesen gelernt. Und den Maimonides faßt er auch gut auf. Wozu Hai aber Mraham seinen Einzigen hergeschickt? Wenn er ihn zum Rabbi schicken wollte, wozu hat er ihn bei mir wohnen lassen? Ans dem ^Paradies" kommt der Junge nicht unversehrt hinaus. Ja — der Alte stand auf, nahwÄ aus einem schwarzen geschnitzten Bücherschrank die „Zionsliebe" von Mapu, die soeben erschienen war, und legte sie auf den Tisch — das soll er lesen. Dann setzte er sich wieder in den Fauteuil, schloß die Augen und blieb im dunklen Zimmer sitzen. Aus den dunklen Bücherschränken an den Müden und aus den W* schnitzten Simsen krochen Schatten hervor, breitetett sich aus dem Boden und aus den Wänden aus wie alte Bekannte, und der gebeugte Jossel fühlte Plötzlich große Müdigkeit, es zog ihn zu- Bett, wie es eine-ausgereiste Frucht vom Baume, auf den Boden zieht. ,/Ah, Jyssel, was treibst du?" „Nachman?". „Du erkennst Eich nicht?" - „Du bist doch, glaube ich, gestorben?" „Hast du das Wort vergessest: „Denn kein Mensch erwirbt das Jenseits, ohne daß er erfährt, was das Wesen der Natur äst?" ,/So ist es also wahr, was Maimonides sagt?"! „Kejlyiß, es ist w ' ' „Aber.Samuel David Luzajto ..."; „Was macht der Italiener?" „Gr lebt." „Aiaimonides möchte ihn kennen lernen. Jeden Tag, wenn b*k Namen der Neuangekommenen ausgerufen wer-- den, Hort er zu, ob nicht auch Samuel Davids Namen darunter ist." ,ßx wird dort einen schönen Empfang ha>ben, das kann ich mir denken — rechts Maimonides, links Jbn Esra, von rückwärts SPinoza,^ und dann noch die Zweitrangigen! Sie wevdtzn ihn ja 'zerreißen, ha, ha, ha!" „Ah, wer ist das?" Jossel fuhr zusammen, sah Felicia, vor sich stehen und rieb sich die Augen. ,Kin bißchen eingenickt . . ." „Warum sitzest du im Finstern?" „Im Finstern?" Jossel griff nach der Tischglocke mÄ läutete. ,/Jä, ich sitze im Flnstern!" Gin Diener trat ein und verbeugte sich. ,/Ignaz, zünde an!" Der Diener zündete eine Oellampe an und wollte auch eine Lampe auf dem Kandelaber anstecken. - „Ist nicht notwendig, du kannst gehen!" Felicia streichelte Jossels graues Haupt und sprach bittend: „Warum sitzest dst so allein hier? Komm' doch in den Salon — wir haben Gäste." „Wer ist dort?" „Dieselben wie immer." „Kahane?" . ,Mhane, Komawwski. . „Der Gras?" unterbrach sie Jossel. „Was macht er hier in Kozk? Gr ist doch aus Galizien." „Du weißt ja, was er macht." „Er will also die Rüsten vertreiben, sonst nichts, wie?" „Ist das ein Verbrechen?" „Es ist Wahnsinn." (FortsttzWw iolol.> 062087

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