Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1588 (15.7.1923)
- Date
- 1923-07-15
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wieners MorgenzMung. Sportprogramm von heute. Leichtathletik. Internationales Meeting, Hakoah-SPortplatz ..... 5 Uhr. Schwimmen. Badener NLoeddNg.. 4 Uhr. Radfahren. Drei Stunden-Rennen, Hernals.. . . . 4 Uhr. Boxen. Uubkampf Wacker—Fünshaus, Wacker-Dpor-tplatz, 10 Uhr vorn:. Leichtathletik. Dir kommenden leichtathletischen Bewerbe. Am 21. und 22. d. werden die Känivfe um die österreihrschen Meisterschaften ifür Damen und Herren ausgetragen, Sie heuer von t«n besten Wiener und Provinzathleten be- 'tritten werden. Am 29. d. wird der Städtekanchf Prag—Wien vonstaUen qehen, in welchem die Oesterreicher versuchen werden, für die vorjährige Niederla.qe Revanche zu nehmen. Am Vortage verunstaltet der F. A. C. ein Anfängerlneetr.ig. Am 5. August folgt in Budapest der Länderkampf Oesterreich—Ungarn, bei dem sich die Oesterrcicher wenigstens benüher werden, ehrenvoll abzufchneidsn, wenn auch die Siegerrussichten recht geringe sind. Am selben Tage dürfte in Men ein Stundenlauf sowie Bewerbe für Anfänger und Damen abgehalten Werdern Am 11. und 12. August hält dann der W. A. F. in Hütteldorf sein rlljährliches internationales, stets besonders von Tschechen und Ungarn beschicktes Meeting ab. Meeting des deutschen Kreises des Makkabi- Weltverbandes. Der deutsche Kreis des Makkabi-Wcltverbandes veranstaltet wie alljährlich auch Heuer ein leichtathletisches Spcrt- «est der jüdischen Turners«Haft, und zwar diesmal an: 20. August it Frcn:kft:rt am Main. Da es sich um ein groß angelegtes Meeting handelt, dos als Propagandaveranstaltung gedacht ist, lädt der Bar Kochba Frankfurt am Main alle jüdischen Turn- und Sportvereine, auch sofern sie nicht dem Makkabi-Berbaiide angehören, herz- (ichst ein und hofft auf reges Interesse und starke Beteiligung. Copyright 1923 , Nackdruck verboten. byR.Löwi‘'Verlag,Wien-Loipzig. (38. v^OTifc^UltQ.) Zy Polens Mlderu. Roman von I. Opatoflhu. Autorisierte Uebertragung aus den: Jüdischen von Siegfried Schmitz. Verärgert verließ Mordechai die Schenke; es war ihm, als hätte sich in seinem Hirn eine verborgene Schraube gelost; Fragen, eine schwerer als die andere, tauchten plötzlich auf, setzten sich an ihnr fest wie lästige Fliegen und seine Lippen flüsterten leise: „Die vier, die des Paradieses teithaft tourden.. Am Abend fuhr der Wagen vollbeladen aus den: Dorfe. Die Insassen waren fröhlich; sie hatten ihr Gezänk vergessen, sangen und hofften, mit Gottes Hilfe am frühen Morgen in ÄoZk;n sein. Mordechai begann einige Male ein Gespräch mit Schmiel; er bemerkte aber, daß Schmiel nicht recht antwortete und zu warten schien, bis man ihn an der Zunge ziehe; da setzte er sich in einen Winkel und dachte daran, Schmiel habe wohl Furcht vor Zuhörern. Schniiel saß zwischen den Chassidm: und gab unaufhörlich Erläuterungen der Thora.' Alle hörten ihm aufmerksam zu und erwiesen ihm alle Ehren. Mordechai tmmderte sich über Schmiele Er begriff sein Gehaben nicht und fühlte Trauer in sich auf,steigen. Er blickte auf die breiten,, stillen Felder, auf die Waldstreifen, die von weitem wie dunkle Wolken aussahen. Die Sonne ging blutig in Flammen unter und entzündete für kurze Zeit die Wipfel des Waldes. Die Trauer in Mordechai wurde noch stärker. Red Itsche saß mit geschlossenen Augen und brummte etwas vor sich hin. Die Flammen erloschen allmählich. Es wurde dunkler, grauer, der niedergeschlagene Mordechai fühlte, wie in seinem Herzen etwas grau wurde und mit der untergehenden Sonne verschwand; er senkte den Kopf, steckte die Hände in die Aermel, preßte die Lippen aufeinander und wiegte sich hin und her. Der Fuhrmann bog mit dem Wagen in die Wälder von Lukow ein und es wurde plötzlich finster. Die Pferde verlangsamten den Schritt; mühsam gingen sie tut Sand vorwärts. Aus der Ferne schienen Adenschen vom Walde HeWMchMMön und .Mitten am Wege stehen p bleiben. Meldungen zum Sportfest und Anfragen bezüglich Quartier und Verpflegung sind bis spätestens 6. August an Dr. S. Levi, Frankfurt am Main, Bleidenstrahe 22, zu richten. Die Ausschreibungen lauten: Herren: Laufen über 100, 200, 400, 800 und 3000 Meter, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Speerwerse::; Dreikampf: 100 Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen; 4 mal 100 Meter-Staffel; Schwedenstaffel: 400. $00, 200 und 100 Meter; 3 mal 1000 Meter-Staffel. Damen: Lausen über 50 und 100 Meter: 4 mal 100 Meter- ■. Staffel, Hochsprnng,' Kugelstoßen (5 Kilogramm). Jugend (1905—2900): Laufen über 100 und 400 Meier, 4 mal 100 Meter-Stalffel, Weitsprnng, Kugelstoßen. .Jugend (1907—1908): Laufen über 50 und 100 Meter. Weitsprung, , _ Fußball. Die Armrleuee in Schweden. En: überlegener Sieg. (Drahtbericht der Wiener Movgenzeilung.) Am Freitag spielten die Amateure in Norvköping und errangen mit 6:1 einen überlegenen, eindrucksvollen Sieg. Die Wiener ließen in den? herrlichen Spiele alle ihre Vorzüge besonders hervortreten, so daß das objektive Publikum mit Beifall nicht kargte. Allen voran glänzte Schaffer, der vier Treffer erzielte. Wieser und Hansl kamen je einmal zu Goalehren. Die ProsessionaLsvage. Die Enquete vom Mittwoch ist vorüber, nun wird sich der Vorstand des Wiener Fußhallverban-des in semer.morgigen Sitzung mit der Prosesstonalfrage beschäftigen. Man darf darauf gespannt sein, was da morgen heraüskonrmen wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach gar nichts; vor allem deshalb, weil, wie wir bereits auseinandergesetzt haben, die Aufrichtigkeit der meisten Vereine noch sehr viel zu wünschen übrig läßt. Man wird wieder die sogenannte Ausländersragc in den Vordergrund schieben. obwohl es jedem vernünftigen Menschen klar sein muß, daß sich diese Frage mit der Erledigung der Profcssiönalfrage automatisch regelt. Während von vielen Seiten ans die schlimmen Ausländer losgezogen wird, die an allem Unglück schuld find, toird von den erstklassigen Vereinen lustig daraustos gekapert. Nicht nur bei den Klubs der unteren Klassen wird das Wild gejagt, sondern auch untereinander werden die Spieler abspenstig ge- Der bloßfüßige Israel, welcher auf den: Bock saß und die ganze Zeit kern Wort gesprochen hatte, rief als erster: „Es ist Zeit zum Abendgebet!" Die Fuhre blieb stehen, alles stieg aus, umgürtete sich, der eine mit dem Gürtel, der andere mit einem Tuch, befeuchtete die Hände am taubedeckten Gras und zerstreute sich im Wald. Ein alter Ehassid blieb stehen, wendete sich gegen Osten, stiitzte beide Hände an einen dicken Baum und begann mit wiegenden Bewegungen den Singsang des Gebetes. Alle fielen ein, ihre Stimmen wurden höher und lauter und drangen von Baum zu Baum, schlugen an die hohen Fichten wie an gespannte Saiten und widerhallten tief in den Lnkower Wäldern, als irrten sie unter den vielästigen Bäumen umher. Ein Bauer geriet unter die Betenden, zog den Hut und bekreuzte sich furchtsam. Bald aber merkte er, daß hier Juden beteten; eine Weile stand er still da, dann ging er, beruhigt, da nicht weit von ihm Menschen Gottes'Namen anriefen, mit sicheren Schritten in den finsteren Mäld hinein. Nach dem Gebet bestieg die Menge wieder die Fuhre und die Pferde trotteten langsam weiter. Einige Ehassidim streckten sich auf ihre Packen hin und schauten in den Sternenhimmel, der über dem dichten Wald hing; es kam ihnen vor, der Wagen würde nie aus der Dunkelheit heraus. Andere waren eingenickt, andere rückten zu einer Gruppe zusammen und. saßen mit geblendeten Augen da, in die die Lichtstreistn des Mondes fielen; sie. scheuten sich, auf den Wald zu schauen, fühlten ihre ganze Hilflosigkeit und Furcht vor der Nacht und erzählten einander Geschichten. Der bloßfüßige Israel saß ans denr Bock und brummte leise vor sich hin; es tönte wie das Summer: einer gequälten Fliege; leise klatschte er in die Hände und zog die Töne so wehmütig und herzzerreißend, daß alle in der Führe verstummten. -Mordechai spürte im Halse etwas laufen, als hätte ein Strahl kalter: Wassers seinen Körper durchfahreil und schauerte zusammen. . Der bloßfüßige Israel riß an seinen langen, strähnigen Haaren und brummte mit z:vsanmre.ngepreßten Lippen, als hätte er schweren Kummer; er preßte die Finger zusammen, streckte, sie dann wieder aus und wies nach Osten, Westen, Norden und Süden. Sein Brummen ging ' ‘ 18. FM M3 ' ' . macht. Mit allen möglichen UebervedungEnisten, Bevftn«» Hungen und Vorschüssen suchen die VeremsKapwer die ausS Korn genommenen Spieler für sich zu gewinnen, was ihnen aber trotz aller Anstrengungen in vielen Fällen doch nicht gelingt. Der so umworbene Spieler nützt aber dm Uanjftanfc. daß er gesucht wird, zu Erpressungen aus. Der Stammverem bat den Schaden, denn er muß notgedrungen das von anderer Seite Versprochene überbieten. Innig n:it der Professionalfrage hängt auch die Frage der Vevbesser-ung der Sportmoval zusammen. Die Gerüchte über Schiebungen in der letzten Meistevschäft lvollen nicht verstummen. Wir wollen auf diese schmutzigen Mgelegenheiten' nicht toeitcr eingehen, aber,- daß solche Gerüchte, und versteckte Anschuldigungen immer wieder auftauchen/ ist ein Beweis dafür, wie unhaltbar die jetzigen Verhältnisse sind. Mit der Frage, ob ein Ausländer sofort oder erst nach sechs Monaten an der Wiener Meisterschaft teilnchmen darf, wird das Problem, den Fußballsport auf eine gesunde Basis zu stellen, nicht gelöst werden. ' Spanische Fußballer auf dem Kontinent. Bor emigsr 'Zeit hieß es. daß der spanische Fußballklub Gspagnol in Fürch gastieren werde. im letzten Augeüblick wurde aber die R'eiise abgesagt. Nunmehr bringen Prager Blätter die Meldung, daß der F. E. Valencia im August in — Pilsen spielen werde. Die Meldung kommt nns spanisch vor. Niederösterreich gegen Oberösterreich. Das Auswahlspiel der beiden Provinzverbände findet am 29. d. auf -dem W. A. F.- Sportplatz in Hütteldorf statt. Die ersten allrussischen Athletenwettkämpse. Am 15. August finden in: Internationalen Roten Stadion m Moskau große athletische Wettikäntpfe statt, am denen sich dre konnnttni'stischen Jngeivdbünde und dst GeiwerHchaftev beteiligen tverdm. An die westeuropäischen Arbeiterorga-nifationen sind Einladungen ergangen. Die Prager Sparta veranstaltet am 21. :vnd 22. d. ein internatiorales leichtathletisches Meeting. Die Eöteborger Kampsspiele. Die letzten Spiele des ' Göteiborger Fußballturniers brachten dem englischen Sport schwere Niederlagen. Die Resultate lauten: Haag—London 3:2, Göteborg—London 2:1, Kopenhagen—London 2*1. Die Hakoah-Mannschaft in der nächsten Saison. Der Hakoah stehen in der nächsten Saison, vorausgesetzt, daß toe noch notwendigen Freigaben erfolgen, folgende Spieler für d:e erste Mannschaft zur Verfügung: Tor: Halpern» Duldvg; Verteidigung: Schoner, Gold, Trümer; Deckung: Gntman«, iPollak, Kerr, Grünfeld, Skudsky; Angriff: Katz, Grünlwäld, Molnar, .Hä::sler, NeufÄd. He>ß. Dazu kommen null) einige junge talentierte Spieler, die Wohl in der allernächsten Zeit die volle Reife erlangen werden, wie Wortmann» Herlinger. Klarfeld ufw. Gold, der Verteidiger des W. A. F., hat sich bei der Hakoah angemeldet. Ludwig Wortmann, >drr verdienstvolle Obinann >deS S. C. Hazair, fährt Montag aus berustichen Gründen nach Griechenland und in die Türkei und wird mit den« dortigen jüdischen Vereinen in'Verbindung treten. Hasmoneg—Hagibor 5:2. Beide Mannschafte:: traten mit Evsatzleuten an. Wahrend Hasinonea gezwungen war. vier Leute aus der zweiten Mamvschaift zu stellen, mußte Hagibor für Räbinowitz und Stern Ersatz stellen. Hasmo-noa war nicht so überlege::, als es das Resultat beisagt, denn beide Mannschaften hatten gleichviel von: Spiel, nur . bowi-esen die Hasmonea-tStürmer die größere Schußsicherhe>it. Hagibor hatte einen schtzoachen Tag. Die sonst so gute Verteidigilna spielte sehr unsicher. Nur Du>kes konnte befriedigen. Die Läuserreihe besaß in Edelsten: ihren 'besten Ällann. Der Sturnr liescrt-c ein schlechtes Spiel. Roth verdarb durch unnützes Dribbeil-u vidle Chancen. Llber auch Münzer und Lenz waren schwach. In der 20. Minute verwandelt Keßler einen Clfmeterstoß, Lichtenstern gleicht bald darauf aus, doch gelingt es Kestler, abermals für seine Favben die Führung zu erringen. Nach Halbzeit erhöhen Fuß, Kestler und Wolssohn 2 den Stand auf 5:1. Knapp vor Schluß kann Senz mit scharfem Schuß das Endvchultat Herstellen. in leise Worte i'cker: ,^Jahwe — in Vaters Namen... Unser Gott — in der Mutter Namen... Jahwe — int Namen der Harmonie... ist ein ein-zig — in seinem Reich. Das Singen klang wie ein Weinen und hatte keine menschlichen Töne mehr. Lang lag das Weine» in allen Ohren und ließ die Stille noch :nchr hervortreten, machte die Furcht noch größer, die DunkeHeit tiefer und alle erbebten. % Mordechai entdeckte, daß er neben Reb Itsche saß. Plötzlich bemerkte er, daß der Himmel lichter w::rde; die Sterne wurden größer, blitzten stärker und lagen lvie hmgestreut nebeneinander; sie senkten sich tiefer und schienen sich jetzt und jetzt über alle Häupter zu ergießen. Reb Itsche faßte Mordechai bei der Hand, blickte in den Hinunel, schwieg eine Weile und fragte dann leise: ,^övst du?" ' ' Geblendet öffnete Mordechai die Augen und sah in den Himntel; er hörte tausend Töne hera:Ä)ringeu, einer leiser als der andere. Die Töne kamen ans dem Wald, a::s der Finsternis, von den Stemen. Er fiMte Relb Jtfches Hand und hörte ferne Worte, die ihn: ums Ohr klangen, als streichle rhn jenmnd mit einer Flaumfeder: durch wiMichen Gesang kann man zur Grenze der Prophetie gelangen; der wahrhafte Zadik ist mit dem Herrn der Welt allein nur durch Gesang..." Mordechai hörte nicht, tvas Reb Itsche sprach; er sah, wie die Sterne liefen, sich in eine Reihe aufstellte:: und zu Buchstaben formten. Ern feurig^es ,^Jahwe" formte sich' rechts, ein feuriges „Elohenn" links. Der „Vater" beugt sich sehnsüchtig und verlangt nach der ,M:tter"; die „Mutter" weint, daß sie in Fesseln ist; ein Aufruhr entsteht, die Sterne stieben auAewander, machen Platz und Gesang durchströmt den Himmel; Millionen Stewre singen, der Wald singt mit. Dev Gesang umhüllt die „Mutter" wie ein Lichtkleid; er zerreißt die Fesseln und führt die '„Mutter" im Tanzschritt zum ,^Vater". Der ,Skater" geht der „Muttes entgegen, nintmt sie und vereinigt sich mit ihr. Da wird es Mt einem Male! still und aus der Stille erstehen all die Millionen Geschöpfe im Hinnnel, auf der Erde, in den tiefen WäMvu^ in den Gewässern. Sie zerstreuen sich, lobsrngcm mA stunnneqn Gesang und paaren sich. (Fortsetzung folgt.) i? SPORTPLATZ HOHE WARTE Heute Sonntag, 15. Juli, 7,5 Uhr nachmittags, MONtTREAUFFOHRUNG der „F e s t w i e s e" aus Die Meistersinger von üiirnberg“ Regie Rainer Simons 99 1000 Mitwirkende Restliche Karten an den Tageskassen s Hotel Union von 9—12 Uhr vorm. u. Hohe Warte ah 3 Uhr nachm. Linien der elektrischen Strassenbahn: 36, 34, 37. 10224