Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1581 (8.7.1923)
- Date
- 1923-07-08
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung. Die Ausländerfrage. zur knquete Für den 1-1. JE fiitib die Vertreter sämtlicher evst- Kasftgen Vereine einlberufen worden, damit sich diese zur Ausländerfroge äußern sollen. Den Stein des Anstoßes bilden nämilich die auswärtigen Spieler, die bei einigen Klubs bereits tätig sind uni) die, Gerüchten zufolge, sich mit der Absicht tragen, ihr Quartier in Wien aMFuschl-aoon. Wir haben m dieser Frage urffcre Ansicht schon einige Male kundgeten unid sind trotz verschiedener PolemÄen von ihr nicht abgekommen. Die Lösung der Streitfrage darf man nicht dadurch anstreben, daß man sich dom GeMhl, das zur Leidenschaft an-- wächst, leiten läßt nnd dadurch die Kare, berechnende Vernunft ausschaLtet. - SSoittm? Bon gegnerischer Seite toerden folgende Argumente ins Treffen Eichet: 1. Die Ausländer sind nicht erwünscht. 2. Die Teilnahme ausländischer Spieler geht den Vereinen, die ihre Bestände mit inländischen Kräften ergänzen, wider den Strich. Z. Die Überfremdung der Wiener Mannschaften muH verhindert werden. 4. Durch die Gewinnung ausländischer Spieler wird der eigene Nachwuchs vernachlässigt. 5. Man muß verhindern, daß eine ausländische Mannschaft die Wiener Meisterschaft gewinnt. 6. Durch die Ausländer werden die einheimischen Spieler veranlaßt' ihre Forderungen sprunghaft zu erhöhen. 7. Wenn elf Zulukaffern in einem Verein spielen, dann fuhrt dies zu unmöglichen Zuständen. 8. Das Beispiel, das England gibt, kann von uns nicht befolgt werden. Wen diesen Argumenten ist nur ein Wort entgegenzuhalten und das heißt: „Warum?" Dieses eine Wörtchen entkräftet alle vermeintlichen Gründe, die gegen die Teilnahme von ausländischen Spielern an den Wiener Konkurrenzen ins Treffen geführt werden. Die wie delphische Orakel förmlich hingöworsenen Grundsätze übergehen wir, da sie nichts als Phrasen sind, die vermutlich hei Massenversammlungen ihre Wirkung nicht vechchlen würden, die alber einer näheren Prüfung keinen Augenblick standhalten. Wir glauben deshalb, uns mit den Punkten 1, 2, Z, 5, 6 urrd 7 nicht näher befassen zu müssen. Punkt 4 besagt, daß durch die Gewinnung ausländischer Spieler der eigene Nachwuchs vernachlässigt wird. Bor allem stellen wir fest, daß keine Behörde das Recht hat, den Vereinen Vorschriften über die Heranziehung des Nachwuchses machen zu wollen. Die Gegenseite will aber doch immer glauben machen, daß die Ausländer, weit mehr kosten als die Encheimischen. Wenn also dies auf Richtigkeit beruht, dann würden die leitenden Faktoren irr den Klubs wahrlich schlechte Kaufleute sein, wenn sie den weit billigeren Eigenbau zum Teufel jagen, um die kostspieligen Fremden zu gewinnen. Die HeraMiehung des Nachwuchses ist überdies für jeden Verein, selbst wenn er durch eine gewisse Zeit elf Zulukaffern mit der Vertretung seiner Farben betraut,, eine Existeuzsache. Die Gegenseite wird doch nicht den Ansicht sein, daß Wien die Insel der Seligen ist und daß nur Wiener Vereine Spieler im Ausland „kaufen" können. Wenn unsere Nachbarn erkennen werden, daß das von den Wiener Vereinen praktizierte System erfolgreich ist, dann werden sie es sehr, sehr rasch übernehmen. Auch unsere Nachbarn werden sich nicht mehr bemühen, junge Spieler heranzuziehen, sie werden auf dem Weltmarkt als „Käufer" und Konkurrenten auftreten, und dann wird es schon weit schwieriger sein, die Bestände sagen wir aus Honolulu zu ergänzen. Auf die Tauer kann man also mit Äusläudern das Auslangen nicht fin'den und die Vereine werden sich trotz der kostspieligen Fremdem der mühevollen Erziehungsarbeit des Eigenbaues widmen müssen. am 11.Salt. Uns interessiert aber nun die Frage, ob die Vereine durch die Aussperrung der Fremden zur Erzielung des Eigenbaues gezwungen werden? In unserer Nummer vom 22. Jun: haben wir klipp und Kar nachgewieisen, daß gerade die Vereine, die keine Ausländer in ihren Rechen haben, die wenigsten Eigenbauspieler besitzen. Gerade sie gehen bei weniger kapitalskräftrgen Klubs auf Raub aus nnd schnappen letzteren die besten Spieler weg, so daß diesen jede EntwickluugAmöglichkeit genommen wird. Dieser Tatsache Wird ent- SUngehalten, daß die kleinen Vereine den großen weit mehr vieler abspenstig machen als nmgekchrt. Gut, wir wollen dies gelten lassen! Beweist dies aber nicht, daß die Verhältnisse stärker sind als die besten Absichten, daß die großen Vereine den Nachwuchs ganz einfach nicht heranziehen können? Also fort mit der Phrase, daß durch die Ausläutdex der eigene Nachwuchs vernachlässigt wird, ihr fehlt jede Begründung. Der Punkt 8 besagt, daß die Engländer sich den Luxus leisten können, Spieler vom Festland einAustellen, da mit Rücksicht auf ihr geringeres Können kerne Ueberfremdung der Mannschaften zu fürchten ist. Warum verschweigt die Gegenseite, daß wir nicht nur von Spielern aus dom Festlande, sondern in erster Linie von Schotten gesprochen HÄen? Will sie vielleicht abstreiten, daß der englische Fußballsport Nicht von Schotten Überfremdet" (übrigens ein scheußliches Wort) ist? Recht oder Anmaßung? Nach dieser Auseinandersetzung mit der Gegenseite wollen wir sachlich untersuchen, oft . irgend eine Behörde das Recht hat, Ausländer zu sperren. Da wir das Wesen des Professionalismus schon emmal eingehend analysierten, so wollen wir unsere Verhältnisse vorerst vom Standpunkt d-es Berufsspielertums beleuchten. Mit Rücksicht darauf, daß wir bereits Gesagtes wiederholen, können wir uns kurz fassen. Die ProfessionalMlbs sind Unternehmen, die nur dann bestehen kön-' nen, wenn sie nach geschäftlichen Grundsätzen geführt werden. Gleich dem Theater, Kabarett und Zirkus muß auch der ProfessionaMnb trachten, durch erstklassige Darbietungen die Interessenten anzulocken und zu ködern. Von Sentiment und Gestühl. kann man nicht leben, lveslhalib die Direktoren sich nicht den Luxus. leisten, ausländische Größen zu verschmähe.):, um minderwertige Einheimische zu präsentieren. Man muß den BerussspiolerAubs förmlich Dalrk und Anerkennung zollen, wenn sie den Mut aufbringen, keine Kosten zu scheuen, um den Zuschauern für ihr geopfertes Geld etwas ErsMaffiges zu bieten. Wo das Berufssviolertum herrscht, dort fehlt dem AuNändergesetz jede Berechtigung. . Wir wollen nun beide Augen zudrücken und behaupten, daß es in Wien ausschließlich Amateure gibt. Wer wagt es aber dann, den Herrenspielern die sportliche Betätigung einzuischränken? Ein Sportsmann, der die Leibesübungen, ohne, irgendwelchen Dorterl anzustreben, aus purer Freude betreibt, hat das Recht, sich in der Gesellschaft zu bewegen, die ihm genehm ist. In England erlaubt man ihm sogar, daß er gleichzeitig mehreren Vereinen angehört, so darf er zum Beispiel für bei: Klub A Meisterschaftsspiele und für den Klub B Cupspiele absolvieren. Nur im gleichen Wettbewerb darf er nicht stür mehrere Vereine tätig sein. Für einen Amateur-Gentleman gibt cs keine Einschränkungen, demgemäß fehlt dem Ausländ>e rgesetz auch im Ämateurverbande jede Berechtigung. Das Ausländergefetz konnte nur bei uns zur Diskussion gestellt werden, da bei uns ein Zwitterzustand herrscht. Wir besitzen keine Amateure — die wenigen Ausnahmen fallen nicht ins, Gewicht —, und zur Einführung des Berufsspielertums fehlt unseren Machtfaktoren die Fähigkeit und der Mut. Diese Verhältnisse haben eine derartige Verwirrung in den Copyright 1S28 Nachdruck verboten, by R. LSwit-Verlag, Wien-Leipzig. (32. Fortsetzung.) Roman von J.Opatoschu. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von S i e g f r i e d Schmitz. ' Auf dem Fußboden lagen Bauern in ihren Kleidern und schnarchten. Ein großer Ziegelofen nahm fast ein Drittel des Zimmers ein. Ans ihm brannte unter einem großen eisernen Topf ein kleines Feuer. An den Wänden hingen Texte, Schaufeln, Sägen und ein Dutzend verschiedenartiger Peitschen. In einer Ecke hing neben einem Kasten mit abgeriebenem Kupfergeschirr eine kleine Mazzo an einem weißen Bindfaden. Die Wände, der Fußboden und die Betten waren über und über mit Fliegen bedeckt,' wie mit schwanen Tüchern. Im Zimmer war es stickig nnd schmeckte nach Rauch; der Bvuerntäbak kratzte stark im Halse. Der Wirt erwachte sofort, musterte die Passagiere, hieß sie ihr Gepäck in einen großen Holzkasten leger: und deutete mit dem Daumen auf den Topf, der am Herd stand: ,^Jhr wollt doch ein Glas Tee?" Reb Jtsche antwortete auf diese Frage nicht, sondern erkundigte sich bei dem Inden: „Ist es lveit von hier zn einem Beth Hamidrasch?" „Nicht weit, wartet eine Minute". — der Wirt begann sich anzMeiden —, „ich gehe auch hin." Auf der Gasse ivar es noch still. Von der anderen ' Seite der Brücke aber, klang fernes Rauschen — Warschau erwachte. Aus einer Seitengasse kam ein Pächter mit einem Milchwagen gefahren. Sofort erschienen in großen Haufen Frauen, Mädchen, fast alle in rotgestreiften Unterröcken, die Schuhe nicht zuge/knöpft, die .Haare zerrauft — sie waren wohl 'geradewegs aus den Betten gekommen. Wie ein Bienenschwarm überfielen sie den Pächter. Einige trugen Krüge, andere Töpfe und Pfannen, sie krochen aus die Räder, auf den Magen, streckten die Hände aus, schrieen stnd lärmten:.. MÄH MHe — Micher!" # Der Pächter jagte das Weibervolk fort, fluchte, schlug auf allzugierige Hände, doch niemand kümmerte sich darum. Ein Jude, der es eilig hatte, lief von: Beth Hamidrasch nach Hause, den Tallisbeutel unterm Arm. Auf dem Wege kaufte er an einem Stand einen Bund Zwiebel und eilte zufrieden heimwärts — er -dachte wohl an die Schüssel Kartoffeln mit roten Rüben, -die ihm seine Frau schon auf dem Tisch vorbereitet hatte; in die würde er die Zwiebeln, mit dem Rahm mischen und darauf los essen, was nur 'Platz hat. Bor den: Bech Hamidrasch stand ein Jude in einer weißen Leinwandhose und einem, mehligen Hemd, als tväre er frisch aus dem Backofen gezogen. Vor ihm standen zwei Körbe mit Eierkuchen. Die Leute, welche schon gebetet hatten, standen im Verhaus bei einen: offenen Bücherschrank; dort verkaufte -der Schammes, eine Bran-ntweinslasche in der Hand, den Stöpsel im Mund, einigen für Geld, anderen auf Kredit ein Schnäpschen. Die frischen Eierkuchen fanden - reißenden Absatz, die Menge aß sie nach dem Schnaps und eilte heimwärts. ,Mcht umsonst heißt es: Warschauer FreWcke!" sagte der Jude aus dem Einkehrhaus lachend zu Reb Jtsche. Das Beth Hamidrasch war überfüllt. Die Juden gin-' gen hin und her in Tallis und Tefillin. Einige hatten die Köpfe emporgeveckt und streckten die Hände aus,.andere , schlugen, den Tallis über das Gesicht gezogen, mit den Händen an die glänzenden äbgescheuerten Wände; so sprachen sie sich auf verschiedene Weist mit dem. Herrn der Welt aus, jeder nach seiner Art. An den Wänden saßen -bei den breiten Eichentischen vor der G-emara junge Leute, halbe Knaben, mit ernsten Gesichtern, auf denen Sehnsucht lag, und lernten eifrig. Das Schreien der Juden, die sich eine Weile von den Le'bensforgen befreien und den Wochentag vor lhrem Gott abschütteln wollten, ihr Aechzen, ihr -Händeklatschen, 'das leise, sehnsüchtige Summen der jungen Menschen über der Gemara, all das erfüllte das Beth .Hamidrasch wie ein Wehgeschrei; .beim Qstn aber brach es ab; dort saßen müßige BeMx mit Mächten .Zigaretten,. Müm MMaMk vor _8. Juli 1923__Nr. 1581 Geistern ungerichtet, daß sie die LächerlichMt, die ein Sfedk ländevgesttz in jeder Form ist, nicht evkennen. Me nationale Meisterschaft und die AWwahlmMMschaft. Gefühlsmäßig wenden sich die oberflächlich denkenden Sportinteress,entM gqgen unseren Standpunkt. Sie weistn immer daraus hm, daß die Wiener Meisterschaft nicht von einer ausländischen Mannschaft gewonnen werden darf. Sie vergessen aber dabei, daß eine Meisterschaft nur unter bestimmten VoraussetziuWen national auSgeischvieben werden darf. N ach dem oben Gesagt-mr ist es ganz auSyeMossen, daß' man PrvWwnaWubs m eine nationale Meisterschaft zwängen kann, da sie dadurch der Derrrichtnnlg preisgeyeben werden. Dieser Wettbewerb kann nur dann ausgeschrieben werden, wenn man die Amatenrvereilm ins Auge faßt. Letztere Behauptung erfährt aber die Einschränkung, daß die Teilnahme an der naftio-uallen M,ersterschasit nicht erzwungen werden darf. Wenn -die Mitwirkung an diesem Wetilbeüverb Kr die Vereine offen steht, dann haben wir gegen ihn nichts ernzuwenden. Große Sorge bereitet der Gegenseite, daß wir unter Umständen keine erstklassige AnswaWnannschaft aus .die Beim bringen könnten. Mr teilen diese Beftrrchtung nicht, da unter normalen Verhältnissen kaum so viele Ausländer in den einz-Mren Vereinen tätig sein werden, daß unserem ■ Berbandskapitän nicht genügend Auswahl Verfügung stünde. Gekost wenn aber das Unerwartete, daß sämtliche erstklassigen Vereine ausschließlich Ausländer besitzen, eintreten sollte, dann mußte man sich eben nüt dieser Tatsache abfinden, da der Verbcmd kein Recht hat, in irgendwelcher Fon:: Mhrlfe zu schaffen. Wer ist ein Ausländer? . Jnteressanterweise geht der Ruf nach dem sportlichen Numerus vlausus von: V. A. S. aus. Die. SoziaBdemokraten, die dazu bevusen wären, alles Un-demokratische zu bekämpfen, bewegen sich im Sport im reaktionären Fahrwasser. Se:t wann lassen Sozialdemokraten Unterschiede, die die Menschen wegen ihrer Herkunft teilen, gelten? Wahrlich, im Sport weichen elftere in der Praxis weit von: Parteiprogramm albi Im politischen Leben sind sie gegen den NiumeMs clausus ioohl nicht, doch blieb es ihren Vertretern im Sport vorbehaften, den Numerus clausus zu verfechten. Das AiuÄändergesetz findet aber bei den Sportleirten aller Porteirichtungen viel Freunde, ohne daß nur ein einziger, die Definition au-sgestellt hätte, wer eigentilich cm. Ausländer ist? Halten sich diese sportlichen Umstürzler an die politischen Bestimmungen, die vor -den: Verfallder Monarchie Geltung betten, oder tragen sie der derzeitigen. Konstellation Rechnung? Ir: letzterem Falle würden wir alle war-ne-n, ein Ausländergesttz in Kraft treten zu lassen, da viele Vereine sollst den Großteil ihrer Spieler au die Luft setzen müßten. Das Recht der jüdischen Minorität. Um nun auf den speziellen Fall der Mifche-n iVereine einzu gehen, stellen tvir fest, daß die Juden auf dem> ganzen Erdball ein einziges Volk sind, gleichgültig, ob sie in Amevtka, Australien, Afrika, Asien oder Europa das Licht der Welt erblickt haben; alle sind sie Brüder. Der Fviedensvertnag von Sa-int-Germain' hat das Juden tun: als^ Volk anerkannt und dem'gemäß haben für sie die Gesetze, die die Minoritäten schützen, Geltung. Wir lassen cs uns einfach nicht bieten, daß ein jüdischer Sportsmann, dessen. Wiege zufälligerweise in Budapest stand, für uns ein Fremder sein soll. Zum Gegensatz von vielen andcrsnationalen Vereinen befolgen wir strckte den Grundsatz, daß nur Juden, unsere Famen zu vertreten haben. In dieser Hinsicht lassen wir uns aber , keine Einschränkung ge-sallem Dasselbe, das für uns gilt, hat übrigens auch, für die in Wien bcftehenden tschechischen Vereine Geltung. Wir würden uns sehr wundern, wenn zun: Beispiel.,der Sportklub Slovan das Verbot, das besagt, d-aß er zwischen Äs-chechen und Tschechen differenzieren müßte, anerkennen würde. Der-1-1. Juli kau-n wohl noch keine Grwscheidung in der Ausländersrage bringen, da diese nur in der Generalversaum:- lung des Fußballverbandes getvos'fen werden kann. Er wird aber Zeugnis über die Reise der Bere-insdelegievten Megen. Uns handelt es sich, nicht um den einen oder -den anderen Spieler, sondern wir verfechten trotz aller Angriffe unbeir.rt das Prinzip, daß nur das Recht und nicht die Anmaßung ftir die'Fassung von Gesetzen bestimmend sein kann. Fvrtz B a a r. Langweile, schi.mpften und beredeten die ganze Welt. Reb' Jtsche betete rasch, wie es seine Art war, versenkte die Hände in die Aermel und wandelte gedankenvoll durch das Beth Hamidrasch. Beim Ofen blieb er. stehen. Ein. schwerer Geruch schlug ihm entgegen, -daß ihm fast Abel wurde. Reb Jtsche blickte hinter den Ofen. Auf einem zerrissenen Strohsack lag stöhnend ein alter Jude. Die Unistehenden erzählten Reh Jtsche, der Kranke fei ein Fremder aus Litauen, er liege schon länger als eine Woche da, könne den Kot nicht halten und niemand sei zu finden, der ihm ein frisches Lager -bereiten würde. . ,Mas, niemand zu finden?" fragte Reb Jtsche der-- wundert. '„Und Ihr? Ihr seid doch auch Inden! Wie kann man einen Kranken so liegen lassen?" ,Mas predigt er?" witzelte ein Bettler. ,Wahrscheinlich ein Maggid!" nahm ein anderer daS Theina auf. ,Lieber' Freund, Ihr könnt -das Vergnügen ^haben," rauinte ein Bettler, der auf einem Auge blind war, Reb Jtsche ins Ohr, „es trifft sich nicht so bald die Gelegenheit zu einer solchen Guttat!" - Ein bloWßiger Junge, der zwischen dem - Bettlerhaufen stand, hatte bereits einen Fetzen zusammengeknüllt und wollte i-hn von . der Seite ^herab Relb Jtsche an den Kopf werfen; im gkeichen-Augenblick wendete sich Reb Jtsche um und rief M-ordechai herbei: ,-Hor' zu, es muß wohl ein -Topf rmd' ein. Trog zu bekommen sein. Besorge -das schnell. Wir werden den Ofen heizen und Wasser wärmen. Uebrigtzns gib dem Schammes ein paar Groschen, da wird, er alles besorgen." Die Bettler blickten einander au; sie sahen, daß das kein Maggid war; jeder von ihnen erklärte sich bereit, einen Topf und einen Trog hevbeizuschaffen. Ein Konkurrenzkampf begann, sie stritten und' unterboten einander. Bis endlich einer, ein ganz junger Mensch, alle unterbot und sich bereit erklärte, das ^wünschte »ganz umsonst zu bringen. Als das Wasser loavm war, entkleidete Reb Jtsche ganz allein den Kranken, setzte ihn in den Trog und begann, -ihn zu waschen, ^rvüptznug folgt.) > 649938