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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-20 · Heft 1563 (20.6.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1563 (20.6.1923)
Date
1923-06-20
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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y^'*< ^sWMV'r** i|f Nr. 1663 Men, Mittwoch Wiener Morrgerrzertung. Die heutigen Meisterschaftsspiele. Die Vereine zeigen nun endlich das Bestreben, mit den Ndeisterschaftsjpielen rechtzeitig fertig zu werden. Da die Dorm- und Feiertaastermine nicht mehr wichen, nehmen sie Wochentage zur Hiffe. Heute finden nun nicht weniger als c>vei Spiele statt, die im Mitteltr-eiffen der Tabelle eine UmivAßung heweisühren können. Gin schwer bezwingbarer Gegner ist für die Amateure der First Vienna Footballolulb. Auch im letzten Tressen bissen sich die Ober-St. Beiter an diesen Klub Zähne aus. Alles hals ihnen aber nichts und sie mußten mit 3:4 Toren geschlagen das Fold verlassen. Die Vienna hat am vergangenen Sonntag die Hakoah besiegt, wÄ)vend die Amateure an RudolsshügÄ Leide Punkte albgelven mußten. Die Papiersovm spricht also unlbedingt für die Döblinger. Auch Lei ttuer Untersuchung der Kvä'ftsverpAtnisse der einzÄnen ManuchaftstzeTe komutt die Vienna nicht schlecht weg. Im Angriff m sie Wohl stark unterlegen. Die Deckungsreihen hingegen imriften einander schon Mich wert sein und im Hintertreffen xelbühvt der Menna entschieden der Vorizua. Die Amateure sollten also aus dem Felde eine gewisse UMerlegenheit geltend machen können. £b sie imstande sein werden, diese in Tore amtzusetzen, ist eine andere Frage'. Geifühilsmäßig glauben wir rn eine Punkteteittma. Die Ob-er-St. Beiter könnten heute zuuriudest /vorübevgchend Rapid vom ersten Platz in der Tabelle verdrängen. Dicher Fall wurde albev nur dann eintreten, wenn k»ie Hiutteldorfer heute .gegen Admira unterliegen. Die Vienna wieder würde durch einen Sieg den Sportklub übecholen. Eine, Niederlage der Döblinger könnte bewirken, daß sie Hertha und äUtomt'a den Vortritt lassen müssen. Das Spiel, das aus der Hohen Warte um 6 Uhr beginnt, wird von Herrn Werner -eleitet. Alle Berechnungen ans den Kopf stellt« der W. A. C. am vergangenen Sonntag, als er die Aldinira mit 5^1 Toren absertigbe. Heute hat der Praterkkub voraussichtlich auf dem Simmeringer-Matz im Spiel gegen Hertha eine wesentlich schwerere Ausgabe zu lösen. Die Favoritener stellen eine bedeutend härtere Kampifmanuschast ins Feld wie vor einigen Dayen die Flovidsdorfer. Trotz des letzten eindrucksvollen Sieges glauben wir nicht recht daran, daß der W. A. C. der Hertha auch nur einen PuNkt wird abnchmen können. Die Favoriten er haben Aussicht, durch einen Sieg Vienna und Hwr-Mub zu überholen und sich auf den fünften Platz in der Tabelle zu schieben. Diese Gelogenhvit wird sich m Hertha wahrscheinlich nicht leicht entgehen lassen. Unterliegen die Favomtener, dann lausen sie Gefahr, von der Admira Äbechlugolt zu werden. Der W. A. C. kann seine Position heute auch im Falle eines Sieges nicht günstiger gestalten, da er bei gleicher Punkte- und SiegmnMl mit dem F. A. C. bas schlechtere Torverhältnis hat. Schiedsrichter Seemann. Das letzte- Treffen gewann Hertha3^U Ein MedecholunOspiel traysn Rapid und Admira auf dem Platze des elfteren Vereines aus. Wie noch in Erinnerung sein dürfte, standen die zwei Mannschaften sich schon in einem MeisterlschaftSkampstder &Frühjahrsslerie zählte, gegenüber, wobei die Hüttevdovfer eich bneben. Die ungünstigen WitterungÄerhMtnisse n aber den Schiedsrichter Retffchury veranlaßt, das Tressen vorzeitig abzubrechen. Die unfreundliche Einflußnahme der Rapid-Funktronäve und Hütteldocher Anhängerschaft zwangen den Unparteiischen, den Kampf fortsetzen zu lassen, doch annulliert« der Vorstand des W. F. V. bas ganzp Spiel und ordnete seine Neuaustraguny an. Dieses Wiederholungsspiel ßndet nun beute statt. Seit der letzten BMegnung hat sich das Kräfteverhältnis zugunsten Rapids noch bedeutend verschoben, so daß mit dem neuerlichen Sieg dieses Vereines zu rechnen -ist. Die Hüttelldorfer würden durch den Erfolg dem ersehnten Meistertitel wesentlich näherkominen. Eine Niederlage könnt« zur Folge heben, daß ihnen die Amateure die Führung im Wettbewerb ab nehmen. Die Aldmira wieder hat im Falle ihres Sieges Aussicht. Simmering, Hertha und Vienna zu überholen. En« Niederlage würde sie in der Tabelle nicht zurückwerfen. Schiedsrichter Schlmieger. Ein jüdischer Antisemit. Bestrafung für die Teilnahme am Wiener Schiedsrichtrrkongreß. In Krakau trug sich eine Skandalaffäre p, die in polnischen .Sportkvrisen luugcheures Aufsehen hervorruft. Schon seit längerer Zeit machte sich im Krakauer Fußballverband eine Strömung geltend, die ausgesprochen antisemitischen Charakter trägt. Ans diesem Grunde legte, wie wir schon vor Monaten 'berichteten, der Sekretär des . Schiedsrichterkollogiums seine Stelle zurück. Nun wurde Ing. Rosenstock als Schiedsrichter unter dem Worwaud suspendiert, weil er unbefugter Weise beim Wiener SchiedsvWerkongveü anwesend war. Im Anschluß daran, wurde einer der bestcn Krakauer Schiedsrichter, Herr Rvsenfeld grundlos brüskiert, weshalb er aus dem Kollegium austrat. . . ' Diese Vorfälle trugen -sich im Rahmen einer systrmattschen antisemitischen Hetze zu, die sich gegen die indischen VerbaudSmÄglieder und Schiedsrichter richtet. Der Initiator dieser Bewegung ist der von uns schon öfter erwähnte Jude Doktor Lustgarten, der offenkundig seine antisemittsche Gesinnung zur Schau trügt. Der Krakauer Fußballverband steht vollkommen, unter 'dem Terror des Dr. Lustgarten, «der auch den polnischen Verband nach außen hin vertritt. Intevessanterwevse sind arische Verbandsmitglieder mit dem Vorgehen dieses „Sportsmannes" nicht einverstanden, sie erklärten sich mit den jüdischen Schiedsrichtern, die zum großen Teil ihre Stellen zurück-. - legten, solidarisch. Mit Rücksicht 'darauf, daß die jüdischen Berbandsfunktivuäre zu den Tüchttgstcn im Krakauer Kreis zählen, würde der Fußballverband durch de-n Rücktritt dieser Herren unermeßlichen Schaden erleiden. Da Dr. Lustgarten jede Gelegenheit benützt, um im Ausland don polnischen Verband zu repräsentieren, machen wir alle Verbände aus Dr. Lustgarten als „Sportsmann" geziemend aufmerksam. Prager Neuigkeiten. Prag. 17. Juni. Sparta gegen Slavia war das Ereignis der letzten Woche. Die Roten dokumentierten /auch diesmal ihre traditionelle Uelberlegcnheiit über den alten Widersacher, indem sie nach , einem mehr als aufregenden Kampf m>it 6:4 Toren - sichere Sieger blieben. Sparta wurde vom Schiedsrichter arg benachteiligt, der zwei regulären Treffern, aus ganz räffeilhaften Gründen di« Anerkennung' versayte. Damit scheint di« Meisterschaft auch für,dieses Jahr sicher bei der Sparta aufgehoben. Die weiteren Spiele ergaben folgende Resultate: Union Zi-Kov -Meteor (Weinberge) 4:0, Viktoria (Zizjkov)—Nuselslky S. K. 2:1, A. F. K./Vrsovic-e—S. K. Lieben 2:0, C. Ä. F. K. Weinberge—Viktoria (Meinberae) 2:0. A. F. K. Kolin—Glavaj 8 4:2, Cechi« <Karölinenthal>—Spa-rta (Kosire) 4:1. Die Auswahlmannschaft des Jüdischen Fußballverbandes spielte gegen den.Ungarischen Verband der Dschecho-Slowakei 20. Juni 1923 Seite 8 das zweite Mal unentschieden. Bei HaVbzeit war das Wüsche Team mit 2:0 durch Nikolsburger in Führung, die Ungarn konnten jedoch ihr Finish erfolgreich gestalten.und egalisierten. Das 2:2-Mefultat ist in Anbetracht der großen Spiülstärke des M. L. Sz. und in Anbetracht des ungewohnten Platzes für die K. M. K. R. J.Mf sehr gut. ' ' Die Angriffe einiger SporMätter gegen den Brünner Makkabi 'haben sich afevöllig grunAos erwiesen. ^Sparta", das Klnborgan oes Tschechen me.'sters, und der ,-Spvrtovni Vesttrik" haben dem Sporlpublikum einpredeu versucht, daß Makkabi in Spanien unter dem Namen S. C. Moravia auftvat. Ihr Korrespondent hatte Gelegenheit, in Ausschnitte spanischer SporMätter Einsicht zu nehmen, in denen von S. K. Malkabi (Brünn) die Rede ist. Wie die „Selbstwehr" zu berichten weiß, wird diese Angelegenheit noch vor den höchsten Instanzen zur Sprache kommen. Uobvigens hatte das Prager Publikum Gelegenheit, mit eigenen Augen zu sehen, daß M-akkabi (Brünn) tatsächlich etwas kann. Denn 0:3 dem Meister der Republik auf ldefsen Platz zu unterliegen, ist mchr als ehrenvoll. Die Brunner konnten sich gegen die robusten Spartaner nicht recht durchsetzen und nur ihre hohe Technik leuchten lassen. M>akkabi (Brünn) trägt am 20. d. tn Olmütz gegen Hakoah ein Propagandaspiel aus. Der Sta.atsvevband (C. S. A. F.) hat die Ausnahrne der itcit gegründeten Ämäteur-Fußball-Union ciögelchnt, Der tschechische Verband <C. S. S. F.) hat gegen die Mehrzahl der Viktoria Zizkov-Spieler eine Untersuchung wegen Übertretung des Amateurparagraphen verhängt. Orch vom M. T. K. soll nun doch zum Prager D. F. C. „übersiedcln", wen« nicht schon in nächster Zeit zwischen dem ffchecho^owaküschen und dem ungarischen Verbaude ein Kartell geschlossen wird. Hakoah EAmütz)—Hakoah (Witkowih) ß?5, Hakoah (Olinütz>-S. K. Hodolany 1:4, Hakoah <LNniütz)—Olmützer Garnffonself 1:6, MakkM Wroßnitz)—S. K. Zideniee 0'.4, Makkabi (Möhr.-Ostrau) und S.' K. Mor. Ostrava komb.—S. K. Prerov 5:0. F. T. Spiele jüdischer Vereine. Bar Kochb»—White Star 2:2 . (2:2). Bar Kvchiba: Smaer 1; WeißfÄd, Geltband; Glusker, Nagler, K/rdisch; Suschitzkp, Kohen, Berger. Singer 2, Mayor. Vor HaMgvit andauernde Ueborlegenheit Dar Kochbas. Schon in der 4. Minute erringt Singer 2 aus einem Freistoß die Führung. DerfÄbe SpiÄer erhöht bald darauf aus einem Elfer den Vorsprung. Durch einen dreimal alblgeschossenen Elser ustd ein Nasses Mißvorständ- ' nis der Verteidigung gelingt White Star der Ausgleich. Nach - Seitenwechsel deüber Kampf, doch wird am ResMate nichts geändert. Bei Bar Kochba zeichnete sich die Bvvteidiguug Singer 1. Weißteld, GÄbastd. die Sti'mnar Nagler und Singer 2 aus- Simmering« Sportvereinigung (Reserve)—Lloyd 1:0 (0:0).- Der S. C. Lloyd tourte in diesem Spiele nach längerer Zeit wieder einmal voUtändüq befriedigen. Besonders gpt schlugen sich Wevteiidigung ur.d DeckMg. in der wieder KeoteZz and Sendw 1 hsrvorvagten. Auch dsr Sturm konnte durch die Einstellung Meier durchschl-qgskräfttgeir Innenstürmer ein viÄ nützlicheres Gpisl als m letzter Zeit vovsühven. Vor Halbzeit kristallisiert sich langsam eine leichte Ueberlegenheit des S. C. Avyd heraus, und in den letzten 20 Minuiten kommen die Simineringer fast me über die Eigene Häiliste. In diesen 2V Minuten konnte Älottd das Beste in dieser Saison voNführen. Daß in . dieser Zeit nicht einige Tore füÄen. verdanken die Simmermger nur dom Schußpech der gegnerischen Gtiüirmer und dem hervorragenden Spiel 'ihres Tormannes. Nach der Pauls« Wnnen die Simmevünger das Spiel Men gostalten und zeitweise sogar eine leichte «Ueborlegenheit bekunden, doch erringen sie erst (15 Minuten vor Schluß durch ZnOmayer den einzigen Treffer. Die Wusgleichsanstrengungen des S. C. Lloyd bleiben aber erfolglos. Lloyd: Frey: Ksrtesz, Chajes; Weingarten, Sendro 1, Kurz; Rlchatyn, Bckb. Spitz, Sauerquell, Sendro 2. Mattaböa—Carnuntum 2:0. Makkabäa: S. Zmrmerm«M; Dankner. Pollak; Groß, Lutz, Gerner; Heinrich, Gopriyght 1923 Nachdruck verboten. bYfi.L5wtt.veri&s,Wf«.Leipwg. (16. Fortsetzung.) Zn Polens Wäldern. Roman von I. Opatofch«. Autorisierte Uebertragung aus dem Jüdischen von S i« g f r i e d Schmitz. Dagegen liebte Dwojvele ihren Großonkel, Red Meirl, den honigsüßen. Der «war auch wer! Der heilige Leviie war sein guter Freund! Er kam zu ihm nach Scheps zu Gaste! Dwojvelies Vater hält nicht viel von seinem Onkel, freilich — von wem hält er denn etwas? Er nennt ihn,MeilbervaM" und erzählt, der Oheim habe Wunschzettel nicht nur rtr Scheps, sondern auch in Drobnin und BeZwün entgögengenommen. T'wojvole kennt sich da nicht ans. Wie soll Venn sie, ein fündiges Weib, ihre Wege und Ziele begreifen-? Wenn Juden zu jentandem fahren, so ist wahrscheinlich etwas daran! Und Dwbjvele fährt jedes Jahr heimlich, 'daß keiner etwas merke, nach Scheps, wenn Iahrgeit rmch Reb Meirl ist, legt achtzehn Gulden für Jahrzeitlichter nieder und bleibt mit dem Zadik allein an seiner Ruhestatt. Der Scharmnes keMt sie. Er weiß, daß kein Fremder anwesend sein darf, wem Dwojvele sich mit ihrem Großonkel ausspvicht. Und wenn ihr ettvvs nicht recht ist, dann führt sie mit ihm einen kräftigen Disput — Eigenblut ist doch etwas anderes. Jedesmal, tvenn sie von dem Zadik Abschied nimmt, dann erwähnt sie in ihrer Bitte Reb Götzels Namen und zählt chm ihren Stammbaum auf . . . Ihrem Väter ist Dwojrel-e stets fern gestanden, vor übergroßer Ehrfurcht hat sie immer vor ihm gezittert; sie erinnert sich -nicht, daß der Vater je sie angolächelt hätte. Er hat immer gelernt, war stets mit Stadhangelegenheiten beschäftigt und hat unter die Awnen die Geschenke und Gaben verteilt, welche man ihm brachte; im Hause herrschte -fast mmtet die Armut. Dafür aber konnte man sich mtt ' etwas brüsten, denn ihr Vater, der ist schon wer! Die ganze Gegtznv tvußte, wer Reb Mojsche ist. Einmal ist er eine ganze Nacht gesessen und konnte kerne Geschesstelle finden, um das Fleisch des Schlächters ftir koscher erklären KU können. RäM Mojfche wußte aber.— lvenn er den Ochsen für unrein erklärt, wird der Fleischer bankrott. Da nahm er die Verantwortung aus sich und erklärte das Fleisch jftg koscher. Dafür aber entschied er bei allen Fragen, die seine Frau an ihn richtete, zu ihren u-ngunsten, und wenn Dwojreles Mutter eine Frage über rein und unrein hatte, so hatte sie Furcht, seNst zu ko-mnren und schickte eine Nachbarin. Dwojrele erinnert sich: Ihr ältester Bruder, Reb Berisch, hat zwei Wochen nach der Hochzeit Sehnsucht bekommen zu Reb Mendele zu fahren und ist nach Kozk gewandert. Ern Monat war vergangen, Awei Monate, drei Monate, Reb Berisch kam nicht zurück. Mt Tranen ist die junge Frau vor den Schwiegevvater getreten und hat ihm ihr HevKeid ausgefchüttet. Rabbi Mojsche hat dann dem Rabbi von Kozk einen Brief geschrieben. Was darin stand, weiß keiner bis heute. Als Rabbi Mendele den Brief gelesen hatte, lächelte er und befahl Reb Berisch sofort hnmzufähren. Nicht ,Ms Ehrfurcht vor dem. Vater", sagte der Rabbi einige Male, „sondern um deiner Frau Willen. Als Reb Berisch heimkam, wollte ihm der Vater nicht den Wllkommgvuß geben. Die Mutter brach rn Trämn aus: Was soll das bedeuten? Rabbi Mojsche hatte aber ein Gelübde getan, den Sohn drei Tage nicht zu sehen; er befahl, am vierten Tage möge der Sohn in den Strünchsen zu ihm kommen. Rabbi Mojsche war ein Gtarrkopf, da half nichts. Und als Reb Berisch am vierten Tage in den Strümpfen vor den Vater trat, da bot ihm der wieder keinen Willtommgruß. „Was hast du so lange in Kozsk gemacht?" „Ich habe mit dem Rabbi das Buch ,Mn Jakob" gelernt." „Was, „Ejn Jakob"?" — der Vater lächelte, als wollte er sagen: das heißt auch schon etwas lernen! Dann setzte er sich mit dem Sohn hin, lernte und disputierte mit ihm. Ms er so mit dem Sohne länger als eine Stunde disputiert hatte, bot er ihm den WMommgmß und rief die Mutter herein: ^tte, gib Branntwein und Bäckerei her! Mr brauchen uns unseres Berisch nicht zu schämen!" Jeder Zweig an Dwojveles Stammbaum war ein eigenes Stück Leben, eine jüdische Legende, die sich vom Vater auf den Sohn, von der Mutter auf die Tochter vererbte, eine Legende der Juden in Polen. Dwojrele wischte die Tränen aus den Augen und warf über ihre entblößten Schultern einer: türttschen Seidenschal. Eine Weile betrachtete sie sinnend das Schlafzimmer von allen Seiten, als sähe sie es zum erstenmal; sie bemerkte, daß Abrv'hams goldene Uhr unter dem Kiffen hervorgerutscht war und mitten in dem verdrückten leeren Bett lag. Furchtsam sah sich Dwojrele noch einmal um und als sie niemanden sah, preßte sie ihre dünnen Lippen aufeinander und rang die Hände; auf dem blassen länglichen Gesicht furchte sich ein ttefer Schmerz. Sie fühlte sich schuldig; Mordechcns Tun ließ sicher ihre Väter nicht ruhen. Für wessen Sünde strafte sie Gott? Dwojreles Sohn soll eines Pächters Tochter heiraten — das ist nicht zu ertragen! Schone Zeiten sind gekommen! Freilich — er ist immer im Walde, geht müßig umher, da kommt er auf solchen Unsinn! Vielleicht hätte ich Abraham nicht wecken sollen? Sicher nicht, das war eine Dummheit — vorher hatte ich mit Reb Jksche reden sollen, der habe e§ dem Bengel ordentlich gegeben! Vor Reb Jtfche hat er große Ehrfurcht. Das wird MN eine schöne Nacht werden! Wer weiß, am Ende erschlägt er den Buben noch? Wenn er in Wut gerät — dann behüte Gott! Dwojrele sprang vom Bett auf und sah durchs Fenster, ob Abraham schon kam; als sie niemanden sich, schob sie, ohne es zu wissen, gedankenlos Mrahcmrs goldene Uhr unter das Kissen und legte sich, Tränen in den Augen, wieder ms Bett. Im Nebenzimmer hörte sie Schritte und rief: ,/Brajne, schläfst du?" „Nein, Frau, ich komnre schon." Wie eine Mutter! —seufzte Dwojvele —, es läßt ihr schon keine Ruhe mehr, von einen: Zimmer wandert sie ins andere, bis Mordechai zurückkommt. Es ist ja nicht das erste Mal! Brajne hatte bei Mordechais Eltern mchr als zwanzig Jahre gedient. Sie gaben ihr fünfhundert Gulden und eine Kuh als Mtgist und verheirateten sie an einen Dorfschneider. Ms Brajne vor der Niederkunft stand, wurde ihr Mann plötzlich krank und starb. Vor Kummer darüber gebar sie ein totes Kind. Es war gerade zur Zeit als Mordechai auf die Welt kam. Brajne trat wieder zu Abmham m Dienst ruch als seine Frau starb, wurde sie sozusagen die Hausfrau und führte die Wirtschaft nach ihrem eigenen Gutdünken. (Fortsetzung folgt.) 11 niiiim ir nimmr" m,....in..—v4!jiwiijaajiMHiaHMMMaBMwiwaaMBM»!Wtf^|,ge3afcggBsaeaaaB BfttKBSflSftfiäiSSSfflfif! mmmim

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