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Wiener Morgenzeitung · 1923-06-05 · Heft 1548 (5.6.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1548 (5.6.1923)
Date
1923-06-05
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Sk. im MM, Dienstag gestern Kohlen- und Montanpapiere. Die übrigen Schraülmwerte zeigten keine einheitliche Kursgestaltung. Zucker-Aktien vackchrten rmgleichvnäßig. Die Schlichtenden; war abwartend, die Stimmung jedoch fest und der Verkehr lebhaft. E chl « ßk« rs et’Uttfl. Kredit 46.250—, Oesterr. Kredit 17.000.-, Britssch-Ung. Bank 8360-, Salgo Kohlen 108.000.-, Rimanmranyer 27.250.-r, Südbahn 17.000.—, Staajsbahn 92.000.—; GrM-Szaszvarer 78.000.—, Oberungarische Kohlen 112.000.-, Drasche-Ziegel 45.500.-, Ungarische ALg. Kohlen 866.000.—, Urikany Kohlen 206.000, Adria Clotilbe chem. Fabrik 20.000-, Ung. Eisenbahnverkehr 43.500-, Anglobank —.—, Verein. Holz 2950.—, Koburg 14.000.—, Spodium 47.000.—. Baumwollmartt. Aew-BoiA» 2. Ami. Baumwollzufuhren in den atlant. rnü> GolfhäM 4000, im Innern 1000, Ausfuhr nach Großbritannien —.—, «ach dem Kontinent —. LokÄmmckt middling t 27.40 (gestern 27.65). Tendenz: Ruhig. Terminer Juni 26.20, Juli 26.90, August 25.—, September 23.80, Oktober 23.25, November 23.08, Dezember 22.92, Jänner 22.60, Februar 22.57, März 22.55, April —. Sie Sebifettftttfe. Berlin, 4. Juni. (Devisenkurse.) — Amsterdam 30.124.50 (30.623.-), Belgien 4259.- (4364.-), Christiania 12.867.50 (13.241.60), Kopenhagen 14.064.50 (14.463.50)> Stockholm 20.249.- (20.847.50), Italienische 3631.- (3665.50), London 351.120.— (362.95.—), New-York 76.009.- (78.054.-), Paris 4922.50 (6087.-), Schweiz 13.740.60 (14.114.60), Spanien 11.421.—(11.970.—), Wien 106.73 (111.72), Prag2259 - (2354.-), Budapest 13.66 (14.71), Sofia 773.— (798.-), Belgrad 924.50 (927.60). Berlin» 4. Juni. (Notenkurse.) — Noten Dollar 75.411.- (79.501.-), Pfund 352.117.- (364.686.-), Italienische 3636.- (3760.60), Polnische 127.60 (137.60), Tschechoslowakische 2184.60 (2374.-), Oesterr. gestempelte 101.70 (109.-70). Budapest» 4. Ami. (Kurse der Devisenzentrale.) — Amsterdam 2061 bis 2124, Bukarest 28.— bis 30.—, Kopenhagen 976 bis 1006, Christiania 869 bis 899, London 24.350 bi8 24.950, Berlin 0.0007 bis 0.0710, Aalien 246.-bis 266.-, Paris 342.- bis 362.-, Prag 157.50 Bis 163.50, Stockholm 1401 bis 1451, Zürich 950 bis 980, Wien 0.0745 bis 0.0785, Sofia 62.50 bis 54.60, Belgrad 64.50 bis 66.60, New-York 5260 bis 5410, Warschau 0.0960>biS 0.4030, BMel 294 bis 304. 4, Ami. (Devisenkurse. — Mitgeteilt vom tschecho-flowakischen Finanzministeriums.) — 606.75 (601.75), Paris (154.87), New-York Bukarest —.— (—.—), 5.45 (5.45), Agram (62:76), Jugoslawische (4.65), vis Prag» Bankamte Berlin*) 4.07»/, (4.33), Zürich 219.25 (219.75), London 154.87 33.80 (33.80), Belgrad 41.- (38.25), Wien*) 4.61 (4.60), Warschau (-c-), Budapest*) 61.50 v_..u/, 40.75 (38.37), Oesterreichische gestempelte Krone 4.58 Polnische (5-65), Ungarische 60.50-(60-60). *) Für lMOO. Agram, 4. Ami. (Devisen-) Wien 0.185 Berlin 0.009 bis Budapest 1.60 bis Bukarest bis —, JtalienW5.— bis —, London 377.60 bis —, New-York 7960—^iS ,5-.-, .Paris 642.50 bis Prag 246.- bis —, Sofia —K- bis -.-, Schweiz 1482L0 bis —BMel-425.- bis , Warschau -.- bis — Amsterdam —.— bis —.—, Stockholm —.—. Amsterdam» 4. Juni. (Devisenkurse.) London 11.80 bis 11.81, Berlin 0.0031'/, bis 0.0033'/^ Paris 16.45 bis 16.50, Schweiz 46.02*/, bis 46.12'/,, Wien 0.0036 bis 0.0036'/,, Kopenhagen 47.10 bis 47.20, Stockholm 67.85 bis 68.05, Christiania 43.15 bis 43.30, New-York 255.- bis 255.75, Brüssel 44.15 bis 14.20, Madrid 38.65 bis 36-86, Italien 11.90 bis 12.—, Budapests,04',. bisO.Ob'/. HelfingforS 7.- bis 7.10, Prag-7.62 bis 7.66. Belgrad» 4. Ami. (Devisenkurse.) London 382;— bis Paris 635.-bis Neto-York 8150- bis . Genf 1490.- bis-.-, Saloniki-.- bis Mailand 386.-bis-.-, Prag 248.- bis—Berlin 0.4060 bis —, Wien O.4440 bis —, ' Bukarest —.—<bis —, - Sofia- 81.- bis Budapest 1.60 bis Brüssel . bis—.—, Amsterdam—.— bis—.—, Warschau —bis — MöMenzM« Jmn 1923 Warschau» 4. Ami. 255.750.-, New-York 54.760.- (Devisen.) Berlin 0:68, London. -, Prag 1650.-, Wien 0.76'/,. New-Vork» 4. Juni. (Devssen.) London 463.—, Parts 648-, Berlin 0.1250, Mailand 468.26, Zürich 1806.-, Kopenhagen 1860, Stockholm2663.-, Christiania 1688, Amsterdam 3919.-, Präg 299.75, Wien 0:14126, Budapest 1.876, Bukarest 63.-, Warschau 0.17876, Madrid 1620.-, Helsingiors 278.-, Brüssel 1 557.50, Kanada 2l/< unter pari, Brasilien 9750, Argentinien-3548 Belgrad 132.—. 3 Meisterschaftsgloffen. Merkwürdige Ansichten., Nach dem Meislerühciitüi'piel Hakoäh—W. A. C. gab es -eine feuchtfröhliche Demonstra-twn gegen die Hakoahner. Ein Großteil der Anhängerschaft des Praterllubs war darüber empört, daß die Krieauer den W. A. C. nicht gewinnen ließen. Dieser Empörungen verliehen halbwüchsige Bursche dadurch Ausdruck, daß sie aus einiger Entfernung die Hakochr.-er anspuckten. Wir würden auf diese Vorfälle nicht näher zurückkomMen. um so mchr. als die Übeltäter die verdiente Strafe erfuhren, wenn nicht die Anpassung dieses Teiles des W. A. C.-Anhanges symptomatisch wäre. Ausfallenderweise glaulben nänüich - viele Parteimänner der Mistiegskandidäten. daß gerade die Haloch dazu förmlich verpflichtet ist. den Puuktmrmen auf eigene Kosten zu helfen. Die Hakoäh ist. aber für UngehörWeiten nicht zu haben, selbst wenn sie sich dadurch Feinde schafft. Das Jnnentrio der Hakoah. Drei vorzügliche Techniker stürmen nun in der Mitte des Hakoah-Angriffes. Alle drei Spieler sind körperlich sehr leicht, trotzdem erfüllen sie ihre Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit., Im letzten Spiel har Grünwald eir,: prachtvolles Volleytor erzielt, das überaus lehrreich war. Neufeld flankte urü> Grünwald übernahm den von rechts kommenden Ball mit den: rechten Fuß und jagte ihn „gestützt" ins Tor. Es ist eine Binsenweisheit, daß Volleybälle immer mit dem Fuß übernommen werden sollen, von wo der Ball kommt. Linke Flankenbälle sind also mit dem linken» Fuß anzugchen. Wie oft sündigen unsere Stürmer gegen diese Grundregel des Fußballspieles. Der Grund dafür dürste darin zu suchen sein, daß die Meisten Wiener Stürmer „einbeinig" sind. Häusler vernachlässigte im letzten Spiel den rechten FiÄgelstlürmer Neufeld, was-von den Kritikern sehr übel vermerkt wurde. Wir seihen uns nun gezwungen. Häusler in Schutz zu nehmer.-, da er in dm meisten Fällen zu seiner Handlungsweise gezwungen war. Der linke Läufer des W. A. C. „klÄte" nämlich ständig an Neufeld, so daß letzterer immer -abgedeckt war. Heß muß schneller werden. Ihm tut. vor allem Lauftrainig not. Katz und Grünwald suchten oft ihren Verbindungsmann. doch trieb sich dieser in der Läuferreihe herum,. weil er eben rächt mÄgÄoÜMM war. Gutes und Schlechte von den Hakoähnrm. Gnttmann befindet sich derzeit in vorzüglicher Verfassung. Von seinem Zuspiel kann so ziemlich eine ganze Mannschaft leiben. Im letzten Treffen fiel er gegen Spielende etwas alb, was darauf zuüückßuführen war. daß er durch das - harte Spielfeld lfußmarod wurde. Tatsächlich sind fast sämtliche Werter Spielfelder derart hart, haß die Spieler über kurz oder lang „kapute" Knöchel bekommen -müssen. Pollak wird so lange von uns keine Anerkennrmg finden, bis er seine leichtsinnige Spielweise ausgibt. Die Mtc Leistung wird gmMch verwischt, wenn vollkommen.unnötige Spielereien ein VeUlrffttor eir.«- tvagen. Dies möge sich Pollak gesagt sein lassen. Sern Partner Scheuer ist da von ganz anderem Kaliber. Er .^pfeift" auf Schönheit, sein Spiel ist ausschließlich auf Nützlichkeit eir:«gerichtet. In ihm besitzt die'Hakoah einen ihrer treuesten und besten Kämpfer. Falsche VoraMetzunaen.Der dmchschkagskrvifkWe Stür-; Mer des W. A. C. rst unbestreitbar der Äegypter Enver. Da überdies sein Stoßvermögen auf beachtenswerter Höhe steht, glaubte der PraterNub, ihn als „Tank" in Verwendung stellen zu können. Diese Ansicht wäre aber nur dann richtig, wenn auf dem MitteffMirmerposten ein umsichtiger Dirigent stehen Würde, der Er.ber im richtigen Moment ins Feuer schicken kann. Dieser MitieWirmer fehlt ober dem W. A. C., rmd die Folge davon ist. daß Enver den Ball im ungeeignetsten Moment und in der -unverwendbarften Art bekam. Enver konnte sich in der Mitte unter den gegebenen Verhältnissen viel weniger ertfalten als am Flügel.- Durch seine AMtelluug in ' der Verbindung hatte der W. A. C. einen vorzüglichen Fbügelstiürmer verloren und einen unbrauchbaren Innenstürmer, ge- , Wonnen. Der Täter Wessely erwies ftd) in früheren Spielen als (,-zwar energischer, aber durchaus fairer Spieler. Er ist gegenwärtigin Höchstform und der einzige Stürmer der Hütteldorfer, der Won dem Rückgang seines Vereines verschont blieb. Der Schiedsrichter Braun leitete den schweren Kampf in . gewohnt mnsichtiger' und energischer Weise. Auch derAusscyluß Weffelys, obwohl er einen sonst fairen Spieler ohne vorhergehende Verwarnung betraf, erscheintdurch die.-besondere Gefährlichkeit des Fouls gerechtfertigt. Das Rapid-Publtkum ist daS lauteste und unduldsamste in ganz Wien. Die Anhänger der Grünen empfinden eS anscheinend als persönliche Beleidigung, wenn ein Gegner die Frechheit besitzt, besser zu spielen, als ,,chr" Verein. Daß diese Schädlinge des Sports in solchen Fallen daS Sprelergebnis durch Terrorakte zu verfälschen suchen, ist bei ihrer Mentalitätselbstverständlich. Sonntag schadeten sie-aberder Raprd-Elf nur, da unter dem Einfluß ihres Tobens und Heulens das Spiel' übermäßig scharf wurde, und Herr Braun vielleicht nur deshalb,, um den Kampf nicht ausarten zu lassen, sofort mit einem Ausschluß vorging, der dann Wessely betraf. Der Pöbel benahm? sich auch noch nach dem Spiel derart exzessiv, daß einzelne! Amateur-Spieler, der Schieos- und die Linrenrichter erst lange? nach Schluß des Spieles untep allerlei Listen, Herr'Braun im' Netlungsauto, in Sicherheit gebracht werden konnten. .Drei Ballkünstler nebeneinmwer besitzen vre Amateure in Schaffer, Kalman und Eutti. Von diesen außerordentlichen? Spielern ist vielleicht der Eigenbau Eutti der beste. Kalmans! Spiel wird leider häufig durch versteckte Foulsverunziert. Rapid tritt ab! Noch vor Jahresfrist hätte niemand, der nicht Zeuge dieses Vorfalles gewesen, die Nachricht geglaubt.? Die Mannschaft, die ihrem Namen „Rapid" immer alle Ehre? machte und durch ihrem ünbezwinglichen Kampfesmut und? überlegenen Elan so viele schon verlorene Treffen noch aus? dem Feuer riß, sollte sich nach kaum einer halben Stunde geschlagen geben und abtreten. Lächerlich! Leider war es doch so.- Und in diesem mutlosen Verhalten der Mannschaft kommt der? unleugbare Rückgang noch , viel deutlicher zurm Ausdruck als in? den Niederlagen der letzten Zett. ' * Das Foul» welches Wessely beging, trug deutlich die Marke des alten Rapid-Kapitäns Kuthan. Es war ein ausgewachsenes „Buckerl". Kurz hatte, um einen hohen Ball zu köpseln, einen Sprung gemacht, als ihn, der Rapid-Stürmer? im gleichen Moment unterlief. Der Amateur-Mann überschlugj sich in der Lust und stürzte in schwerem FM auf den Rücken^ glücklicherweise, ohne Schaden zu nehmen. Auf genau dieselbe' Art brach der unglückliche Pekarna oas Genick. . --; Der Heldenkampf der kleineren jüdrfchen Vereine. Vielen unserer Leser wird obiger Titel übertrieben er-? scheinen, doch raten wir diesen Zweiflern an, sich irgend ein Meisterfchastsspiel eines kleineren jüdischen Vereines anzusehen. Dre als Juden verpönten Sportleute sind vollkommen schutzlos den Terrorakten von RadaubxiLern ausgesetzt, so daß es nicht wundernehmen kann, wenn viele Stimmen die: Zurückzichüng der jüdischen Vereine aus den einzelnen Gruppenmeisterschaften verlangen. Einen Heldenkampf im.wahrsten. Sinne des Wortes hat jetzt der Jüdische Athletikklub zu bestehen, der die besten Aussichten hat, die Meisterschaft der dienen Klasse Nord zu gewinnen. Das letzte Spiel brachte diesen Verem mit der Währinger Viktoria zusammen^ die sich von allem Anfang an, zahllose Derbheiten zuschulden kommen ließ. Der Schredsrichter bestrafte wohl jedes Vorgehen, trotzdem befleißigten sich die Währinger keiner reineren Gangart. Ms nach ungefähr einer viertelstündigen Spielzeit ein I. A. C.-Mann ein Foul beging, diktierte der Unparteiische einen Freistoß, womit aber die Währinger nicht einverstanden waren. Sie verlangten stürmisch den Ausschluß des jüdischen Spielers und, als der Schiedsrichter diesem Wunsche nicht Folge leistete, versetzte ein Währinger seinem Gegnereine saftige Ohrfeige. Der wirMche Uebettäter wurde selbstverständlich an die Lust gesetzt. Ein Meiter Währinger versuchte sich auch als Raufbold, weshalb er ebenfalls ausgeschlosseü wurde. Bis zur Pause gelangte der I. A. C. mit 1:0 Toren in die Führung und in der zweiten Spielzeit erhöhte der jüdische Verein seinen Vorsprung auf 2 : 0. Zehn Minuten vor Schluß schlug der Währinger Tormann einen gegnerischen Stürmer vollkommen grundlos mrt der Faust ins Gesicht, so daß dem Schiedsrichter . neuerlich nichts anderes übrig büeb, als auch den Tormann auszuschließeir. Auf dieses Zeichen strömten die Anhänger der Viktoria ins Spielfeld und verwickelten die I. A. C.-L'eute in eine arge Rauferei, an der sich die Spieler und Ordner der Währinger beteiligten. Mit größter Mühe konnten sich die jüdischen Spieler und der Schiedsrichter m die Umklekde- .kaüinen retten. Wir sind neugierig, ob sich der Fußbattvervanv -.dazu auftaffen wird, ein Exempel zu statuieren, um den jüdischen Sportlern den ihnen gebührenden Schutz angedeihen zu Lassen. Copyright 1038 Nachdruck verboten, by R. Löwit Verlag,Wien-Leipzig. (8. Fortsetzung.) ZN Polens WAdem. Roman von I. Opatoschu. Autorifierte Uebertragung aus dem JWiischen von Sieg f ri ed-- Schmitz. Wenn Schlojme sein Unglück anstzeweint hatte, dann war er, als wäre nichts geschehen, wieder der gutmütige Chassid, trank weniger und schnupfte nrehr seinen galizischen Tabak, sang stets uud war immer hetter, als hatte er nie im Leben Unglück gHabt; das hielt sich so bis §mn nächsten Feiertag. Mordechai dagegen ging jedesmal, wenn der Lehrer sich vor ihm ausgeweint 'hatte, halb besinnungslos umher. Er war überMgt, Schlojme sei der unglücklichste Mensch auf der Weltj denn er hatte ja niemanden. Mordechai machte sich dann Vorwürfe, daß er Schlojme so oft nicht gehorcht und über ihn gelacht 'hatte, und schwor sich zu, von jetzt ab dem Lehrer zu-folgen und ihn so lieb zu haben"' wie den Vater. Im Alter von zwölf Jahren konnte Mordechai schon selbst das eine oder das andere Stückaus der Gemara lernen. Aber er war zerstreut uud mitten im Lernen stellte er manchmal Schlojme die Frage, warum ein Grind sich nicht auf dem Bart, sondern nur ans dem Kopf bilde, oder »r zog aus der Tasche einen kleinen, grünen Frosch hervor and ließ ihn über die Gemara Hüpfen. Schlojmg. lächelte stets über die Streiche seines Schülers; nie riihrte er ihn an. Einmal aber hielt Morde- Kais Mutter in Sch?l-ojmes .Gegenlvart dem Sohn eine Strafpredigt, daß es sich für einen Jungen, der schon die Gemara lerne, nicht schicke, mit den Fischermädels zu spielen, vor allem aber nicht nrit Rachel, dem Tochterchen; des Pächters. Mordechai schwieg, sah der Mutter fest in die Augen und wurde rot. Schlojme ging aufgeregt im Zimmer hin und her, spuckte fortwährend, als wäre chm - eine -Mücke in den Mund geraten, und wie die Mutter gegangen war, nahm er Mordechai schweigend bei der Hand, -setzte ihn zum Tffch, stellte sich hinter ihm auf, stützte die 'haarigen Hände ans den Tisch, wiegte sich hin und 'her .- . und schrie: , „Du Verräter Israels! Christenmädels gar, M Du - Mrchtsnutz du!" Zum ersten Male, seit Schlojme Movdechäis LHrer war/gab er ihm einen -Puff, daß der Junge vor Schmerz auffprang. Mordechai war ganz wirr im Kops; er verstand nicht, was der Lehrer sagte, und wußte nicht, lvas' man von ihm wollte. Er fühlte mr, wie chm Schlojmes Bart über den Nacken und die Wangen kroch itttfo hatte das Gefühl der -Kälte, als spürte er glatte Schlangenleiber. Er riß sich los, verschwand uud streifte mit den Fischern einige Tage umher. So wuchs Mordechai heran, ein großes Kind, sah jedermann fest in die Augen, liebte die Fischer, liebte den Lehrer und hatte vor nichts Furcht. Er glaubte Schlojme, daß Aristoteles dem Maimonides den Namen einer Keinen Ader im menschlichen Körper überliefert e habe; wenn man die ausschneidet, kann, man einen Toten lebendig machen. Aber er glaubte auch Watzek, daß mittenim Walde eine Weide stehe, die nienrals das Rauschen des Wassers und das Krähen eines Hahnes gehört habe;, schneidet man aus dieser Weide eine Pfeife, so kann nran Mt -ihrem Pfiff Tote aus den Gräbern trecken. Dwojrele weinte fortwährend, daß Mordechai wie ein Wilder auswuchs; er sei groß wie ein achtzehnjähriger -Junge und könne mit niemadem, zwei rechte Worte sprechen. Sie wollte durchaus, Abraham möge ihn zu ihrem Vater bringen, damit er etwas Lebensart lerne. Mraham liebte den Schwiegervater nicht und verschob die Reise von- Monat zu Monat. Indessen, kam ein reicher Getreidehändler, schloß mit Abraham Verlöbmis .durch Handschlag und Mordechai wurde Bräuttgam. Der künftige Schwiegervater forderte, Mordechai solle bis zur -HMeit -bei seinem Großvater, dem Rabbi, lernen. Als Mordechai vierzehn Jahre alt war, führte ihn Abraham zum Schwiegervater, der . damals schon ein hoher Sechziger war..' ~ Rabbi Mojsche war ein kleiner, 'hagerer Mann, mit einem schütteren Bärtchen, das nie grau werden wollte, -und mit kleinen, wässerigen Augen. Wenn er mtt jemandem sprach, so Hatte er die Gewohnheit, dem Partner nicht in die Augen zu sehen, sondern seine Mgel zu betrachten, wie bei der Hawdala. -Rabbi Mojsche fuhr Wohl nach Kozk, insgeheim aber war er ein Gegner des Chassidismus und haßte die Ehassidim schon seit Jahren. Als er nämlich, noch als Jünling, zum ersten Male nach Kozk kam und ein Schrei-? ben des RaM. Leibusch Charis an den alten Kozker RaM mitbrachte, in dem stand, Mojsche gebühre -Leim Auftnf zur Thora der Titel ,Morenu" — da zerrissen die Chassi-? dim am Säbbcüh das Schreiben in kleine-StAcke, denn ft* wollten in ihrer Mitte keine Bevorzugten haben (Fortsetzung.folgt.) >

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