Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-04-28 · Heft 1511 (28.4.1923) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1511 (28.4.1923)
Date
1923-04-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980592--14584-3001332
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 6 Men, Samsta- Mener MovgenzettuM .7 mt, „D r e Meistersinger v o n N ü r n b e r g", ienStag geschlossen. — Im Redoutensaal: Morgen rlb 8 Uhr, „DerBarLier v o n S e v i l l a". Montag gL 8 Uhr, Ballel-Soirö: Couperin- Ravel - Rameau , ohann Strauß. Dienstag geschlossen ' ", Wochenspielplan des Bu rgtheater sr konntag, 2 Uhr, „Weh' dem d er lüg?, 7 Uhr, Mn* onittS tntb Cleopatra". Montag, v Uhr, „D i e Lützen der Gesellschaft". Dienstag geschlossen. Mittwoch, 7 Uhr, JntoninS und Cleopatra. onnerstag, 7 Uhr, „C y r a n o v o n B e r g e r a e. Freitag, «Uhr, „R o s en m o n t a g". WochenspielplandeSDentschenVoNsiheater 8 r Sonntag, halb 3 Uhr, „Wienerinnen", ' chr, „Die gelbe Nachtigall". Montag, halb 7 Uhr, o n C a r l o s". Dienstag geschloffen. Mittwoch, 7 Uhr, zur ier des Jubiläums Viktor Kutscheras „Wienerinnen", «onnerstag, halb 7 Uhr, „Die Kronprätendenten", -eitag, 7 Uhr, „D i e g e l L e N a ch t i g a l l". Wochenspielplan des Raimundjh e a t e r s. Sonntag, halb 3 Uhr, Wiener Kammeroper r D er Zigeunerbarvn", 7 Uhr, „Der U n b e st e ch- Jt ch e" mit PallenLerg, Montag, Mittwoch und Freitag, 7 Uhr, ß)a§ weiße Lämmchen" mit PallenLerg. Dienstag geblossem Donnerstag, 7 Uhr, „D e r U n b e st e ch l i ch e^ mit lallenberg. Die Exl-Bühne eröffnet am 2. Mai im Apollotheater ihr kesjähriges Gastspiel mit der Komödie „Der Eh estreik" pn Julius Pohl. __ Gerichtssaal. Horchy-Zrrstiz. Aus Budapest wird uns berichtet: Das blutrünstigste ftttsemitffche Matt „A Nep" benützte die Krise an -der Budakster Börse dazu, um in einem Artikel die heftigsten Angriffe j:gen die Börse und im ZusanvmerHang damit gegen die ^uden zu erheben. In dem am 8. Oktober vorigen Jahres erhieneuen Zlrtikel sagte der Verfasser, man dürfe diese Frage jicht mit Glacehandschuhen ansassen, das christliche Ungarn ftrfe nicht das Opfer der jüdischen Blutsauger werten, die über die Presse und das Kapital verfügen und auf die Oberflächlichkeit, Indolenz und Korruption der Andersgläubigen spekulieren. -. Mm.- muffe ganz rücksichtslos und mit allen, Mt den äußersten Mitteln zu retten suchen, was zu ptten fei, denn in diesem Kampf auf Leben und Tod zwischen Judentum und Christentum dürfe das christliche Ungarn nicht Unterliegen. Wegen dieses Artikels erhob die Staatsanwaltjhaft gegen den Redakteur des genannten Blattes Johann lnka -die Anklage wegen Prcssevergehens an der Aufreizung gegen die jüdische Konfession. In der VerhaMung vor dem Strafgerichtshof führte Oberstaatsanwaltsubstitut Dr. Meßner in seinem Plardoyer juS, der inkriminiette Artikel weife alle Merkmale einer bewußten Verhetzung auf. Irder traurigen Lage, in der sich Ungarn befinde, fei vor allem das einträchtige Wirken aller ehrlichen Bürger des Staates nötig. Der Artikelschreiber verallgemeinerte in «der ungerechtesten Weife. Nicht nur Juden, sondern unverhältnismäßig viele Christen spielen an der Böiffe, und sowohl diese wie jene haben ihre Agenten, von denen sie zum Spiel verleitet werden. Es gebe unter den Juden ebenso wie unter den Christen Löse und gute Menschen. Es muffe endlich einmal der Verhetzung ein Ende bereitet und der friedlichen Zufammenarbsit dev Weg freigemacht werden. Der Verteidiger des Angeklagten bestritt, daß der Artikel eure Aufforderung zu einer strafbaren Handlung enthalte. Nach kurzer Beratung sprach der Gerichtshof den Angeklagten mit der Begründung frei, daß der Artikel tvohl tatsächliche Entstellungen und Uebevtrekbungen enthalte, die Grenzen der berechtigten Kritik jedoch nicht überschreite. Der öffentliche Ankläger meldete gegen diesen Freispruch und seine seltsame Begründung die Berufung an. 2er SummiknAtel. Das Strafbezirksgericht 1 hatte gestern über die Frage zu entscheiden, ob der Gummiknüttel, der in letz Zeit, insbesondere bei Sprengung von Versammlungen, sehr häufig zur Verwendung gelangte, als verbotene Waffe anzusehen ist. Anläßlich der Demonstrationen beim Vortrag des Prof. Nicolai im großen Konzevthaussaal am 35. Jänner wurde der Hör er der Philosophie der Wiener Universität Felix Grund verhaftet. In seinem Besitz wilrde bei der Polizei ein Gummiknüttel vorgefunden und als verbotene Waffe saisiett. Der Verhaftete wurde sofott wegen polizeiwidrigen Verhaltens vom Kommissariat zu achtundvierzig Stunden Arrest verurteilt und überdies dem Bezirksgericht tvegra Uebertvetung des Wafftnpatents angezeigt. In der gestern stattgehabten Verhandlung erklärte der Angeklagte, daß ein Gmnmiknüttckl, der hauptsächlich zum Selbstschutz diene, Äs Waffe, insbesondere als verbotene Waffe nicht anzusehen sei. Der Richter riß den Gummiknüttel am oberen Ende auf und stellte fest, daß dieses von außen nrit Leder, überzogene, harmlos anssehende Instrument >n seinem Innern aus einem m i t kleinen Drähten durchzogenen Gesiecht dünner Holzstäbchen bestehe und verurteilte den Angeklagten wegen Uebertretung des Waffenpatents zrr eiltet Geldstrafe von zwanzigtausend Kronen, eventuell z r zwölf Stunden Arrest. In -der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß der Gummiknüttel ritsächlick eme Waf'e sei, die imstande ist, eine erhebliche Vee'-etzun.'. bcrvorznruien. Ein Merkmal der hi mtücki sch en Art diefer Waffe — erklärte der Richter — liege in der Tatsache, daß dies der Waffe von auß-m nicht rn>- gesehen werden kann. Eine ganz harmlose Bewegung des Armes mit dem Knüttel genüge, um eine schwere Verletzung hervorzurufen. Der Verteidiger des Atzgekbagten meldete gegen den Schuldspruch -die Berufung an. Für Abonnenten der „Wiener Morgenzeitnng^ PRÄMIE: Drei elegante Geschenkfoänd« (Derzeitiger Ladenpreis K 200.00Q) leder/der rin Jahresabonnement auf die „Wiener Morgenzc u. :> 330.000, bis zura 8. Mai 1923 voraus bezahlt, erhält das genannte Werk als Prämie. Dadurch verbilligt sich der Bezug de, „Wiener Modenzeitung" um K 200.000 und der Abonnent erhält ausserdem ein für Jedes jüdische Haus wertvolles Werk Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung" erschliesst mit dieser Prämie, die auch für Auslandsabonnenten gilt, die bedeutsamste Quelle zur Kenntnis jüdischer Geschichte und jüdischen Volkstums* Niemand wtrd diese Gelegenheit versäumen, das Werk Professor Graetz’ ohne besonderen Aufwand zu erwerben ^^dWmWWWPWWWPWVWPWWWWWWVGWWGWWWWWGWGUWWGVWWVWWWWWW ü"“4 W eefjrtgfen Administration dl« *. Mat d. J. erfolg««, Ir™« h.?u. Bestel)ung muss di^Ueberveisung des Betrages von 330.000 österreichische« y?h™"e des betreffenden Landes vollzogen werden. Bestellungen, die nach dem 8. Mai dj. emlangen, können nicht mehr berücksichtigt werden „Wiener MorgenzeitMiig“, Wien, H, 'Eaborslrasse 1-3 Lv. Apnr IMS 4t& flfljj Bolkswick öeftemfcette fitone=0.0077'/2 fientfmes. ««»zatzlung Wien 0.0077 ßenttmes. Zn Zürich notierte die österreichische Krone . . 0.0077 ( 0.0077»/, am 26. April) die österr. gestempelte Krone 0.0077V, ( 0.0077'/, am 26. April) die tschechische Krone . . . 16.35 ( 16.07'/, am 26. April) die Mark ........ 0.0185 ( 0.0187 am 26. April) Holland . ... . 215.— (214.25 otn 26. April) New-York. 551.60 (548.- am 26. April) London. 25.50 ( 25.42 am 26. Apriy Paris . . 37.20 ( 37.- am 26. AprU) Mailand ........ 27.10 ( 27.05 am 26. Äpril) Belgrad ......... 5.60 ( 6.60 mn 26. April) Bukarest ........ —.— ( —am 26. April) Sofia. . 4.10 ( 4.05 am 26. April) Budapest. 0.10'/, ( 0.10 am 26. April) Warschau ........ 0.0120 ( 0.0115 am 26. April) Bndavester Wirtschaftsbericht. Budapest, Mitte April 1923. Während des Letzten Hakbmonats hat sich der Stand der ungarischen Krone in Zürich zum Nachteil geändert. Die innere Entwertung schreitet unaufhaltsam fort. Der Hauptgrund hierfür ist, wie anerkannte Fachmänner meinen, darin zu suchen, daß die Regierung die öffentlichen Angestellten mit Naturalien zu versorgen hat, demzufolge gezwungen ist, große Getreide-, Kartoffel-, Zucker- und andere Bedarfsartikelmengen aufzukaufen und dadurch selber auf dem Markt die Preise in die Höhe zu treiben. Die aus diese Weise entstehende und stets anwachsen-de Teuerung wird dann seitens der ,-wirtschaftlichen Faktoren", wie Groß- und Kleir-kaufleute, Bauern, Industrie, Kommune und Staat vervollkommnet. Die Regierung erhöht das Maß der „Partizipieruug" am Gewinn -der Zucker-, Saem charin-, Zündhölzchen-, Benzin-, Petroleum- und Oelfabviken, worauf die Preise all dieser Artikel, von der Quelle angeftmgen, durch die Hände verschiedener „Miteffer", Großhändler, Kommissionäre, Geueralrepräsentauter.-, Zwischenhändler und Kleiukausteute in potenziertem Verhältnis steigen, bis sie endlich zum unglücklichen Konsumenten kommen, der aber, falls er der arbeitenden Klaffe angehört, keine Gelegenheit hat, die Mehrausgabe auf den „Arbeitgeber" genannten Herrgott zu übertragen. Die Kommune hat am 26. März mit der Begründung, daß die Straßenbahnangestellten 80 Prozent Aufbesserung erhalten, die Fahrpreise um 67 Prozent erhöht, seither mußte sie mn weitere 38 Prozent bessern, woraus am 16. d. -die Fahrten um noch 60 Pwzent teurer wurden; das Publikum mag vre höheren Preise mit 'bet Beruhigung bezahlen, daß die Gesellschaft wenigstens kein schlechtes Geschäft machte. Die Sache hat auch eine humoristische Seite: Die Direktion hat in der sicheren Annahme, das Mumzipmm werde zur Erhöhung auf 100 Kronen die Einwilligung gober.«, auf die Fahrkarten im vorhinein diesen Preis drucken lasten. Doch hat -die Generalversammlung nicht gewagt, zuzustrmmen, daß die Fahrten auf einmal um 100 Prozent teurer werden, und so wurde denn die Steigerung auf 80 Kwnen beschloffen; jetzt kommen also die Fahrgäste gut weg, sie bekommen für 80 Kronen Fahrschswe. die mit dem Preise von 100 Kronen ^bedruckt sind. Die Mgarische StaatSbcchn, die seit 18. d. wieder mit höhsoem Tarif arbeitet, hat ein halbjähriges Defizit von fünf Milliarden zu verzeichnen, was gar nicht zu verwundern ist, wenn man bedenkt, wie dort gewirtschaftet wird. Ein Beispiel: Wenngleich Schwellenhölzer auch h.< Rumpfungarn erhältlich sind, mußten solche im Ausland beschafft werden; zu diesem Bchuse waren mehr als 200.000 Pfd. St. nötig, deren Bewilligung die Dovisenzentrabe, natürlich gegen ihr Prinzip, dem Har.del und Gewerbe gegenüber — nicht verweigern konnte. Auch sonst wird keine Realpolitik geführt; im Errähnmgssenal richtete Graf Hadik einen heftigen Angriff gegen die Regierung, die er für die Geldentwertung verantwortlich machte. Sie gebe kein Geld zu Investitionen, kümnrere sich, wiewohl zum Beispiel fast alle Brücken und Straßen im Lande stark beschädigt sind, um die Herstellung und sonstigen öffentlichen Arbeiten, die viele Hunderttausende von Arbeiterhänden beschäftigen winden, nicht, und sei schuldtragend daran, daß nicht jedermann, der von Arbeit lebt, den Lebensunterhalt verdient. Vom 16. d. an kostet auch die Post mehr, ebenso wurden die Telephon gebühren echöht. Daß die Preise von Milch, Eier und Weizen — demzufolge auch Mehl und Brot — ebenfalls wahnsinnig gestiegen sind, braucht wohl nicht erst separat erwähnt zu werden. Nebel erging es aber den Mionären der Engl.-Ung. Filmtheater A.-G., wo während des zirka zweijährigen Bestandes 84 Prozent des eingezahüen Stammkapitals verloren gingen. Neugrwndungen: Kelenfölder Tuchfabriks-A.°G. mit 25, Agrieultuva Handels-A.°G. mit 25, Cevealia Getreide- Handels-A.-G. mit 16, Ludwig Marx Lackfabriks-A.-G. mit 14,4 MMonm Stammkapital ur.d zum Schluß die Budapester Fvechafeu-A.-G., durch deren Entstehen der Csepeler Hafenbau, der als Projekt der franMschen Schneider-Creuzot-Gruppe die Oeffentlichkeit schon sett längerer Zeit beschäftigte, endlich zur Wirklichkeit geworden ist; die Aktien übernahm zum großen Teil -der ungarische Staat selbst. Kleine Erholung der Devise Budapest. Auf dein Züricher Markt hat sich die Devise Budapest von 0.10 auf 0.10,50 erholt. Es scheint hier die Jntervent-ionstätigkert der -ungarischen Regierung eingegriffen zu habe«. Ob dies auf 'die Dauer möglich sein wird, ist fraglich, -da die Bestände der ungarischen DovisenzentraLe minimal sind. Die Devise Bettin verharrt vorläufig aus dem Niveau 0.01,86. Es scheint dies ein« UebergangSzustand zu sein, und es wird erst '.TTT&sr: "Offner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.