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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-18 · Heft 1501 (18.4.1923) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1501 (18.4.1923)
Date
1923-04-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«fettt 6 Dien, Mittwoch Wiener Morgenzettung. 18. April 1923 Nr. IM Jeder bewvtzleIude, der «och keinen Schekel besitzt, beeile sich, de« Schekel zu entrichten, der znr Teilnahme an den Wahlen zum * dreizehnte« zionistischen Kongretz berechtigt Die hohen Preise der Vier besinnen langem ebzubröckeln. Der Brück ors:s für gute frt;d»2 E:er betrug gestern auf den Märkten 1250 K., während in bcn BezirkSgrschäften wert höhere Preise gefordert werden. £>ie in den nachfolgenden Rubriken mit ° bezeichnele« fiiotizen und Artikel sind entgeltliche Ankündigungen (8 26 des Pretzgefetzes). Ae Wiener Fleifchbänke-GesEchaft m. b. H. hat bereit« ab heute ihre Preise für Niudslelsch s>em verbilligten Rindermarkt eiKprechend um ein Bedeutendes ermäßigt. Prima Rindfleisch, flisih geschlachtet, -um Preise von r herberes 23.800 K., Hinteres mit Zuwage 24.800 K. pro Kilogramm. An den VolkSrindfleischstanden zum Preise von r Vorderes mit Zuwage 16.400 K., Hinteres mit Zuwage 18.400 K. pw Mlogranrm. Erstklassiges Gefrierfleisch zum Preise von r Vorderes jnit Zuwage 15.800 K. und Hinteres mit Zuwage 17.400 K. o <r - ----- ■; .... Jüdische Sühne isaak'deutsch) im HoteJ Stephanie, 11., Taborgtrass« 12 Heute, halb 8 Uhr abends Motke Ganew . Komödie in einent Vorspiel und 3 Akten von Schalem Aich Vorverkauf an der Tageskassa Bühne und Kunst. Giseubach. Es wäve feige mvd derantwortungslos, am Lage, da man den lustigen, aber bestimmt nicht glücklichen Heinrich Eisenhach zu tz^xche trägt, von seinem Wirken nichts als Gutes zu sagen. Gfenbach -war ern Künstler, aber der Tingl-Dangl-Ge» griff „Die Budap-ester", deren markantester Vertreter .er war, ist eine jüdische Schande. Das neue Judentum, oder demtlicher: die Schüler Herzls, haben sich leidenfchastliich gegen diese Jargonbühne gewendet, deren schmachvoller Berus es ist, allabendlich die Ehre des jüdischen Volkes zu besudeln -und mit hundert ekelhaften Zoten zu vemnglimpftn. Wir drücken uns mit Absicht also pathetisch aus, allen Belächlevn zum Trotz. Die ,Sudapester", das ist die Brutstätte Mischer Selbstbeschmutzung aus der Schaubühne. Reinliche Scheidung nicht mir jcnett gegenüber, denen hier höchstes Amüstment bereitet ist, sondern auch scharfe -Abgrenzung gegen die. anderen, die mit üderbtzenem Augenzwinkern und fragwürdiger Ueberlogenhoit die Darstellung vom Gegenstand der Darstellung absondern und diesen jm den Kauf rvchmen, -weil jene künstlerisch wertvoll ist. Sollen sie uns mw, die ,Mjektiven Kunstschätzer" (die sich häufig was darauf zugute tun, daß sie mehr Geist als Charakter haben), sollen sie uns nur engstirnig, chauvinistisch, lächerlich pathetisch nennen. Hier ist doch nur eines am Platz: Empörung. Lud dor Nichtjude, der mich einmal fragte, wie denn Juden überhaupt zu den »^udapeftem" gehen könnten, hat Loch das richtige und schärfste Urtvil gefüllt. Hat er nicht auch darunter gelitten, der höchst nnzwfriedene, höchst verbitterte Heinrich Eisenbach? Vor eia paar Jahren stand auf Straßenplakaten mit großen Lottern: ,I«>r Eisenbachi" — So glaubteman zu einer Vorlesung Eisenbaus -im Großen -Konzerchcrussaal locken zu müssen. Am Programm standen nicht Merke von Glinger und Laussig, auch nicht ,^8ozelachs", sondern Dichtungen von Medekind, Mtenberg, Ber° Hofmann, Morgenstern. Aber der Mann, der dann das Podium betrat, war gar nicht „Der Eisenbach", sondern einer, der für Stunden aus dem wide-rftchen Dunstkreis seiner gewohnten Tätigkeit in einer reinere Atmosphäre flüchtete. Ich. behalte ihn im Gedächtnis, wie er damals die Drille anlegte. Las Buch auf« schlug, es in der Linken hielt und mit eindrucksvoller Geste der Rechten seinen Vortrag begleitete. Mt welchem Weiß hatte er diesen Ab.nd vorbereitet! Er rezitierte den Text zmn grüßten Teil auswendig und war mit einer Hingabe bei der Sache, daß man merkte, wie sehr er diese Veranstaltung als „Ehrenabend" empfand. Und . auch darin können wir anderen nicht Zuströmen, daß Erfenbach, der Künstler, von seiner alltäglichen Befchäfttgunz im Tingl-Tan-gl unberührt blieb. Man merkte es schon» wenn er, der die Gabe außerordentlich scharfer Charakteristik hatte, -etwa den alten Briefträger in »Folos Vater" spielte, - man -merkte es schon, wie sein sonstiges Mbendwerk und das Pu- . bliknm, dem es galt, auf solche von Erfenbach heißgeliebte kunsti-lerische Bstatigung im richtigen Theater abfärbbe, wie er (um i nur auf die erwähnte Rolle zu verweisen und auf einen anderen Darsteller dieser Rolle, Tyrolt nämlich) jeden Mt. auf die Schlußsätze anlegte, auf den Schlager losfpielte, dem der untntbehvliche Beifall folgen mußte. Wer verantwortungsvoll ist, muß wünschen, daß der Typus ,/Budaftster Orpheum" verschwinde. Wenn wir uns nicht täuschen, -war auch in dem toten Heinrich iAsenboch dieser Wunsch lebendig, und manches Anzeichen spricht dafür, daß der große Komiker, der sich ganz bestimmt nicht am richtigen Platze fühlte, den jungen Juden innerlich zustimmt«,' di« gegen die »Sudapester" — wie man aus diesem traurigen Anlässe feststellen darf, nicht ohne Erfolg — Sturm lau fen. O. A. » . Das Begräbnis Heinrich Eisenbachs. Gestern nachmittag fcatfc <m dem Hietzinger Friedhof das B«aräb»-L Leinr.iL EisenbachS unter ungehenvar Beteiligung von Jachkollegen, Freunden und des Publikums statt. Sämtlich« Wiener Bühnen waren durch die Mehrzahl ihrer Mtgllieder vertreten. Unter der Leitung des Oberkantors Schleifer sang ein Chor zu Gemüt« gehende Tranerweisen. Dann hielt Rabbiner Dr. Grünwald einen Nachruf. Nach Beendigung der Trauerzevemonie wurde der Sarg, mit Krängen über und über geschmückt, unter den Klängen eines Trauerchorals. auf den Galawagen gehoben und durch das endlose Spalier der lausend und abertausend Teilnehmer zur letzten Ruhestatt,? geleitet. Am offenen Grob«' sprachen Direktor Glinger, ReMem-Jense n, der Präsident des Oesterreichischen BühmnveveinS Stärk und namens des Direktorenv-'rbandes Direktor Fronz. Konzerte. Das fürste Von Rudolf Nilius geleitete philharmonische Kammerkonzert brache wieder ein interessantes abwechslungsreiches Programm. Nachdem Hans D u h a r.« mit hoher Bottragslunst Dachs ,^kreuzstabkantate" gesungen hatte, bewährte sich in Dwvraks Serenade, op. 44, trotz kleiner vnsttmmrgkesten die große Virtuosität der philharmonischen Bläser. In dieser Musik blühen nationale Melodien auf, da findet man sich zu ländlichen Freuden zusammen, etwa zu einer Bauernhochzeit ober zu «n-er Kirchweih, und im Finale drehen sich die tanzenden Paare immer rascher zum Spiele deer böh.nilchen 7 "jmus.kanten. — Wilh? m Gr,ß. ter mit einer für feine Jugend erstaunlichen Meisterschaft die derschiedmen Formen und Techniken handhabt, stellte sich mit Novitäten ein. Er versteht sich auf witzige Einfalle und brillanten Schliff, aus der Leichtigkeit seines Probuzierens folgt fteilich, daß der Einfall nicht immer das volle Gewicht hat, aus der Fülle seiner Produktivität ergibt sich eine Fülle von Anlehnurgen. In seinen neuen ,Kandels", drei Stimmungsbildern für tiefe Singstimme und Kmmnerorchester, war ihm Herr Duhan als Interpret ein vollwertiger Bundesgenosse. An den Liedern fällt vor allem das eigenartige Orchestrrkolorrt auf, müde und doch schillernde Farben, die durch Mitwirkung des Klaviers noch an Klangreiz gewinnen. Träume von Dämmerung und Sehnsucht nach Ruhe finden in einer bestrickenden Melodik zärtlichen Ausdruck und so kann man den Liedern einen anhaltenden Erfolg Voraussagen. Du Kritiker fteilich kann dieser eleganten Tonsproche, di« sich gerne in leichten verbindlichen Redensarten ergeht, nicht recht froh werden. Stärker sind die Eimoände gegen seine reue „Ouvertüre zu einer Opera bnffa". Gerade , hier fehlt es an der z« einer Opera buffa erforderlichen Einfachheit und Gewichtlosigkeit. Die hochkultivierte Technck du Ouvertüre, die an Korngokds Musik zu ,Miel Lärm um Nichts" gemechnt, bedarf bei Groß' hohem Können kaum besonderer Erwähnung. In ganz andere musikalische Regionen führt Dr. Paul A. Pisk itt seiner neuen Diolinsonate, die von Mary Dickenson-Auner. und Friedrich Wührer vorzüglich interpretiert wurde. Sein großes Erlebnis ist Arnold Schönberg, in dessen Banne u nach eigenen Ausbrucksmitteln ringt. Die Melodik ist reich, aber nicht immer emgänglich, die kombinierte TlNorbÄ macht es dem Laien und auch dem Musiker beim ersten Hören rächt leicht. Di« Quartenakkordik scheint doch einigermaßen gelockert, Durakkorde und Ganztonakkorde beginnen Wh in dem Werke durchzusetzen, das in seinem gedanklichen Inhalt, in seinem Reichtum au Stimmurg und in seiner Formbeherrschung positive Werte birgt.—Bon Walter Klein hörten wir ein Streichquartett in einem Satze. Neuerlich offenbart sich hier sein gründliches Können, fein asketisch weltabge« wandtes Musizieren, das nicht auf Publikumsevfolg gerichtet ist. Dunkle Nebel scheinen über der Melodie zu lagern, die sich allmählich zu vollem Glanze durchringt, gedämpfte Feierlichkeit und auffchluchzende Rezitativ« verraten den leidenden Mystiker, seine Kunst des mehrstimmigen Satzes den gewandten Praktiker, der sich.kürzlich in seiner im ,J.MlSbrucker Universitäts- Verlag Wagner" erschienenen,Harmonielehre für Vorgeschrittene" auch a-ls kenntnisreicher Theoretiker erwiesen ha-t. fib. Der Gesangverein österreichischer Eisenbahner in Budapest. . Aus Budapest wird uns berichtet: Die Aufführung von Bevlioz' ,Fausts Verdammnis" durch den Gesangverein der osierrelchilschen Eisenbahner und die Dudavester PHMHanmonÄer war sehr enfoloveich. Der Rcdolttensaal war bis aus das letzte Plätzchen geifüllt. Das Publikum beredete dem Dirigenten Bernhard Ti4teil, den Mitwirkenden deS Wener LHerniheaterS Frau Hun-i-Mihaefek und Herrn Jeraer, sowie dem Mitglied der Budapester Oper Doktor Szierelhhidy Mvmische Lvatton. Ei« amerikanisches Drama Über das Wiener Elend. Aus Nsw-Tork wird uns berichtet: Die hiesigen Blätter kündigen das Erscheinen eines Dramas an. zu welchem das Wiener Elend den Stoff geboten hat. Dtt Devfasser ist Emerson Porter Brown, der im vorigen Jahr die nolleidettden Gebiet« Mttekeüropas bereiste und vpn dem in Wien vorgofundenen Elend so betroffen, wurde, daß er sich entschloß, das Gesehene in einem Drama M ve wert-en. Urftrün^lich hatte er die Absicht, das Drama ,LadyS for Sale" (Feilgebotene Frauen) zu bettt^ln, well in dem Stuck auch daraeksgt werden soll, wie der französisch« Frieden die Frauensmen der armen mit'Äeuropäifchen S'aaten zugrunde gerichtet hat. Nach reiflicher Ueberlegung änderte er den ihm doch zu stark erscheinende- Diteil und das Stuck Browns wird nunmehr unter dem Namen „Sold" (Verkauft) aufgesührt werden. Auf welcher Bühne es die Uraufführung erleben wird, ist noch nicht bestimmt. Der Wiener Schnbertkunö veranstaltet Samstag den 21. d. und Sonntag den 22. d. zwei Beethoven-Schubert-Konzerte, deren Reinerträgnis zur dauernden (Srb t tu na der ,»rf«Mnalicke« Grabstätten der beiden Tonmeister auf dem WLHringer Friedhof verwendet wird. Das Programm enthält größtenteils selten aufge-s führte Werke, darunter die „Chorpbantasie" Beethovens! und ^Mirjams SlegeSgesanq" von Schubert. Dirigent: Chormeister Viktor Keldorfer. Mitwirkender Kammersängerin Gertrud« Foerstel-Links, Klaviervirtuose Oskar Dachs, VorkägSmeifter Professor Julius Jenif-ch, der Damenchor deS WienerSchubertbundeS und daS Wiener Symphonieorchester. Der ausführlichen, mit den Texten der Chöre versehenen Vortragsordnung wird als Beilage eine genaue Wiedergabe jenes berühmten, im Besitze der Gesellschaft der Muflkfteunde besindlichen Notenblattes beigegeben fein, das sowohl Beethovens als auch Schuberts Handschrift aufweist. Karten bei Kehlendorfer und an der KouzerthauS-Tageskasie. Aus de« Theatern. Burgtheater. Morgen um 7 Uhr »Iultu8 C Ü» f ar". > Akademietheater. Morgen um halb 8 Uhr, »D e r g u t e K ö n i g*.! Jin Deutschen Volkstheater setzt Mxander; Moissi morgen Donnerstag sein Gastspiel als Marquis Posa..in -D o n C a r l o r" fort. Die Titelrolle spielt zum erste» Male Jakob Feldhammer. Raimund-Theater. Heute um 7 M-r Erstaufführung von Franz WerfelS «Schweiger". Herichtssaal. Mgefchaffte sind l« Wien gewerbebrrechttgt. Der Verwaltungsgerichtshof hat gestern entschieden, daß die Abschaffung kein Grund zur Verweigerung einer Ge« Werbebefugnis bildet. Der polnische Kriegsflüchtling Juda Hersch Fuchs, der seit Kriegsbeginn in Wien weilt, jedoch' auf Grund des Erlasses der Landesregierung vom Jahre 1919, wonach alle KriegSflüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückzukehren haben, aus Wien abgeschafft wurde, hatte hier das Gewerbe des Manufaktur- und Wirkwarenhandels angemeldet. Der Gewerbeschein wurde ihm jedoch verweigert, weil er infolge seiner Mschaffung nicht in der Lage sei, das Gewerbe auszuüben. Gegen diese vom Bundesministerium für Handel und Gewerbe bestätigte Entscheidung brachte Fuchs die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof ein, vor welchem gestern der Beschwerdevertreter Dr. Jakob Rapaport darauf hinwies, daß die Gründe für die Nichtzulassung zum' Gewerbebetrieb in der Gewerbeordnung taxativ aufgezählt! seien und daß die Abschaffung nicht unter diesen Gründen! vorkommt. Der Aufenthalt im Standort deS Gewerbes sei auch! gar nicht Voraussetzung für die Begründung und Ausübung! deS Gewerbes, das ja auch durch Stellvertreter oder Pächter! ausgeübt werden könne. Der Abgeschafste brauche sich also gar! nicht in Wien aufzuhalten und könne hier sein Gewerbe aus-! üben, beziehungsweise durch einen Stellvertreter oder Pächterausüben lassen. Der Regierungsverlreter Ministerialrat Doktor! Beckmann erwiderte, vom Standpunkt einer geordneteni Verwaltung sei es unzulässig, daß im Widerspruch mit einer! Verfügung der Polizei einem Abgeschafften ein Gewerbeschein! erteilt wird. Der Verwaltungsgerichtshof (Vorsitzender Präsi-'' dent Dr. Schuster) gab der Beschwerde Folge und hobdie angefochtene Entscheidung als ungesetzlich auf, weil! die Abschaffung allein kein Grund zur Verweige-! rung der Gewerbeberechtigung sei. .Der bettelnde Krieasinvalkd« vor Gericht. Vor dem Bv» zirksgericht Fünfhaus (Oberlandesgerichtsrat Dr. Neüoda)j hatte sich in den letzten Tagen der kriegsinvalide, vollständig: erwerbsunfähige Leopold Sebek wegen Bettelns zu der«, antworten. Der Angeklagte war geraume Zeit vor dem Be-j ginn der Verhandlung im Gerichts'gebäude erschienen und war-! tete auf dem Flur auf den Namensaufmf. Er ist noch jung,; kaum 30 Jahre alt, eine hochgewachsene Gestalt mit toten-j blassem Gesicht, vor dem der Richter bemerkt, man sehe dem, Angeklagten an, daß er unterernährt sei. Je länger er war-, tete, um so nervöser wurde der Mann; plötzlich sank er mitt einem Aufschrei der Länge nach auf die Bank und lag wie leblos da. Im selben Moment rief der Saaldiener seinen, Namen; er sollte vor den Richter treten. Der Saaldiener und' mehrere Personen bemühten sich um den Angeklagten, der in-, folge der Auflegung von Herzkrämpfen befallen worden war. Man brachte ihn in kurzer Zeit zu sich. Der Richter flagte ihn, ob er sich vernehmungsfähig fühle und bot ihm einen Sessel. Der Angeklagte erwiderte, daß er bitte, die Verhand-! lunä gegen ihn durchzuführen und zu beschleunigen. Da er! wieder alle Anzeichen großer Auflegung zeigte, sprach ihn der! Richter in teilnehmendster Weise zu, beruhigte ihn und sagte,! er möge sich nicht fürchten, es werde ihm nichts geschehen. Die' Verhandlung war kurz. Der Unglückliche erzählte dem Richter,, er habe eine Invalidenrente von 2000 Kronen monatlich, vonanderer Seite erhalte er 1000 Kronen, eine Schwester, die Schuhnrachergehilfensgattin sei und drei Kinder habe, »ntex-j stütze ihn ein wenig, soviel sie eben könne, das sei alles; davon, soll er leben. Cr habe betteln müssen, um nicht zu verhungern^ beim Betteln sei er angehalten worden. Der Richter sprach den' Angeklagten frei, weil unwiderstehlicher Zwang vorliege.; Der Archirmmdrit Lapiszenko. Bor dem Wa.Vschauvv KreiSgericht hat -heute die BerbaMnng gegeir den ehemaligen Archimandriten Smaragd Lapiszen ko, der dem Metropoliten der autokephalen orthodoxen Kirche Georg er-, mordet hat, begonnen. Der Antrag der Verteidigung, die Ber-j Handlung mit Rücksicht darauf, daß nicht alle Zeugen erschiene^ waren, zu vertagen, wurde abgelehnt. Der Angeklagte, bexj sich der polnischen Sprache nicht bedienen wollte, suchtej zu beweisen, daß nicht persönliche Rachsucht das Motiv bc^ Mordtat gewesen sei, sondern daß er das Haupt der autokr-, phalen.orthodoxen Kirche habe treffen wollen, denn, nach seines Ansicht könne die autokephale orthodoxe Kirche nur auf Beg schluß der gesamten orthodoxen Geistlichkeit und der orthodoxenj Bürgerschaft in Polen eingeführt werden.

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