Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1458 (5.3.1923)
- Date
- 1923-03-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Die Einberufung des Rcichstages bereits für Dienstag und die damit verbundene Verschiebung der Reise deS Reichskanzlers nach Bayern und Württemberg erregt die Stimmung der politischen Kreise. Man ist der; Ansicht, daß die Dienstagsitzung keine leere Protestformel gegen die Uebergriffe der Franzosen im Ruhrgebiet bringen wird, sondern das; die Negierung im Reichstag diesmal Maßnahmen Vorschlägen wird, die sie ohne ein neuerliches Vertrauensvotum nicht verantworten will. Ueber den Charakter dieser Maßnahmen ist man selbst in sonst gut unterrichteten Kreisen.aus bloße Kombinationen angewiesen. Die Regierung will sich Vollmachten er- Wirten, die sie eigentlich bereits besitzt, die sie aber^ unter dem Druck der Ereignisse nicht ohne ein Visum . der Volksvertretung ausüben will. ' ‘ Die Erklärung soll diesmal ausdrücklich und feierlich die Verletzung des Versailler Vertrages konstatieren. Die Maßnahmen, die angekündigt werden, solltn in dem vollkommenen Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Frankreich und Belgien bestehen. Die deutschen Botschafter, die bisher bloß beurlaubt waren, sotten , diesmal ausdrücklich abber n s e n werden. Die unmittelbare Ursache des Vorgehens der Regierung ist di« Verordnung 147 der Rheinlaudkommission, die deutschen Beamtest die Todesstrafe androht, wenn sie die Befehle der Reichsregierung durchführen. Die heute erschienene Verordnung des Reichspräsidenten E b e r t, derzufölge wirtschaftliche, politische und militärische Hilfeleistu-ig an die Franzosen, als Spionage abgesehen wird, enLMt den Ernst der Situation. Weitere De'eMngen. Der Einmarsch in Frankfurt bevorstehend. Berlin, 4. März. (Wolfs.) Wie aus Köln gemeldet wird, sind ans dem rechten Rheinuser weiters besetzt worden die Bahnhöfe Linz, Unkel, Erpel, Ulmbach, Ehrenbreitstein, Vallendar, Bendorf, Fahr, Croß-Irlich und Leütesdorf. Berlin, 4. März. (Tel. der.„Wr. Morgen-, zeitung".) Einer heute aus Paris vorliegenden Meldung zufolge gilt bie-Besetzung von. F r an k f u r t am Main und Elberseld rtls bevorstehende. MmilhM KSrlsMhe ' Berlin, 4. Marz. (Wolfs.) In Mannheim schreckt sich die von den - Frmzofsn eingeleit^ie Bej<(nng auf den HandeIs- und Industriehafen. Der Verkehr über die Rheinbrücke nach der Pfalz und vom Handelshafen her wurde von den Franzosen unterbunden. Die neur NeSarbrücke ist ebenfalls besetzt. Drei Neckarschiffe mit Salz wurden weggenommen. In K a r l s r u h e wuroe der Rhcnrhesen von ungefähr. 80 Mann französischer Truppen besetzt. Das Hafen-, gebiet ist vollständig abgeschnürt. ' Das Zollamt wurde gleichfalls besetzt. Ilsens des Rhemsb'findet sich eine weitere größere französische Trnppemnsammlung, deren Marschziel noch nicht, bekannt ist. . , In Koblenz nahmen die Franzosen die Gelder für die Arbeiislojcuun»'chötzuug betm stä Nischen Wohlfahrtsamt weg. Koblenz und Ehretwrcitsir in gleichen zurzeit einem gewaltigen Heerlager. Im Zr.srntmenhang mit der Besetzung des Post- und Telegraphenamtes wurden 68 Postbeamte von den Franzosen ins unbesetzte Gebiet abtransportiert. AnMag aus die bie DsMast in Nom. SB et? t i it, 4. März. (Wylff.) Nach e ner spat absn-s Mer e n getroffenen amtlichen . Melvrmg aus Rom rst bei einem Anschlag auf die deutsche Botschaft der L^- gationSfekrctärAleenburq durch einen O b e r s ch e n k e l s ch u tz schwer, aber erfreulickerwei se nicht lebensgefährlich verletzt woroen. Rom, 4- März. (Stefan!.) In der Nacht drangen zwei Diebe in die Villa des deutschen Botschafters ein. Sie kamen bis ins zweite Stockwerk, wo die Diener auf sie Schüsse abgaben, durch die beide EmdrinAinge verwundet w-urtzen. Die herbeigerufene Polizei verhaftete sie sodann. Me die Agenz'a Stefan! erfährt, hat Ministerpräsident, Mussolini es bemängelt, daß di«. Umgebung der deutschen Botschaft zu Wenig bewacht sei, und dem Botschafter sein Bedauern ausgesprochen, v Amerikas Absage an den SMerbund. Washington, 3. März. (Reuter.) Der Senat hat mit 49 regen 24 Stimmen den Vorschlag auf Vertretung der Verrinigten Swcllen im Internationalen Gerichtshof' dbgelehnt. -ie Riiumung ivgoflawifcherr Gebietes durch die Ztaliener. . StraßeakrWalle ia Prag. Kommunistische Demonstrationen. Prag, 4. März. Die Polizei - Korrespondenz meldet: Nach einer heute voi mittags auf der Sophien- Infel abgehaltenen, von der kom m uni st i s cd e n Partei einberusenen Versammlunggegen das Gesetz zum Schutze der R.publik zog eine' größere Gruppe in d a s I n n e r e d^e r S t. a d t. - Die Polizei versuchte v-rgeblich die Demonstranten zu zerstreuen und mußt e g ege n d i «Wen g e vor gehen, wobei sech.S. A n slagen fenfter eing,eh bückt würden. Bier, zehn Personen werden-yM^.a stet, fünf von ihnen wurden nach Sichttpellnng' ihrer Zresttität wieder sreigelaffen. RaiionMstea gegen Kommunisten. Dirrhrügel als Argumente. Berlin, 4. Mörz. Heute kam es km Nachbarort Erkner zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Mitgliedern eines LandwchrvereinS. Die Kommunisten drangen k» den Saal, in dem sich die Landwrhrmanner befanden, ein. Es entstand eine allgemein« Prügelei, in der Stöcke und Dierglaser als Wafse» dienten. Sine größere Anzahl von' Personen wurde verletzt. Ser Besuch Apponyis bei Waiseri» Zita. Budapest, 4. Marz. Das Ungar. Tel.-Korr.-Bur. teilt mit: Gegenüber tendenziösen Melsungen eines Wiener Blattes über den Besuch des Grafen Albert Apponyi bei der Königin Zita hält chan es an zuständiger Stelle für notwendig, neuerlich festzustellen, daß Graf Albert Apponyi naturgemäß keinerlei Auftrag von der ungarische» Negierung besitzt und infolgedessen alle hieran geknüpften' Kombinationen nichtanderes sind als haltlose Erfindungen. Bombenattentat i» Kairo. Kairo, 4. März. (Reuter.) Im e nglischest M i l itarviertel wurde eine Bombe geworfen, wodurch eine Person getötet und vier Verwundet wurden. Das Ssterreichische SeWt im Mrz. Nach, dem Völkerbundplan wurden die MönatsauZgaben mit durchschnittlich Ä9 und wurde das Defizit mit dürchschnittbich 339 Milliarden prälimmiert. Im Monat Jänner stellten sich die Ausgaben auf 735, im Monat Febmar aus 751 MMiarven, dürften gber nach dem Voranschlag« im Monat Mä^ auf 718 Milliarden sinken. Mit Rücksicht auf die gleichzeitige Steigerung der Ginnahmen wird sich'jedoch das Märzdefizit/nur auf 308 Milliarden belaufen, wodurch die MsglÄchüntz der Ueberschreitungen in den ersten zwei Monaten dieses Jahves herbeigeführt erscheint. Das erste Quartal 1923 'gilt noch als Nebergangkepoche und die ziffernmäßigen Folgewirkungen der Belgrad, 4. Marz. (HavaS.) Die italienischen Truppen SanierungZaktion müssensich erstiin der Budgetgebarung Mn all« Or!« der drill«» Zrne in Talnlatien geräumt j kmm«nt«n P-riedem änßer». , pe den D. H. S.-Behoöden riberge-bv^ > - llmlehren!! e n. am 5. März. Am Samstag die Juden, gestern dir Tschechen — ast ' wen sich die hakenkvcuzlerischen Terrorbanden morgen ms geschwungenen Stöcken und Knütteln' stürzen werden, weil man noch nicht. Vielleicht werdendes die sozialistischen An beiter sein. Es vergeht mm kein Tag mehr, da nicht in de» Straßen ein von den Halenkveuzlern hervorgerufener Tm mult entstünde und' noch immer sicht die Regierung dir Herrn Seipel, Frank und Waber diesem. Treiben untLt'ä zu. Nicht nur das, sie unterstützt es geradezu dadurch, da^ sie es duldet und systematisch den ganzen Verwaltung körper dieses Staates mit solchen Elementen durchsetzt, i Es ist-noch nicht so lange' her, stit^Herr Seipel vsö seinen Reisen nach Genf und Paris zurückgekehrt ist uni .der Lange aus die Hilfe'wartenden Oeffentblchkeit die Bon schaft von denr günstigen Verlauf der Kreditverhand.'unge^ gebracht hat. Tenn niemand in diesem-Lande gibt sich de» Täuschung'hm, daß die staatliche Existenz OLfterreichs am drei Faktoren beruht: der Hilfe des Auslandes, dem Wohls wollen der Nachbarn und dem guten Willen ferner Bürger; Gerade'anläßlich der Schnorreisen Herrn .Seipels würds der gute Wille, die Geduld und die Qpftrfteuv'.gkeit deösterreichischen Bevölkerung immer wieder betont und votz. dem Ausland, an das sich dieser Staat nun seit Jahren im Hilfe werrdet, auch anerkannt. Und gerade in der Zeit nach der Rückkehr des Bundeskanzlers,, gerade jetzt,, da Metz üngen aus London von der bedeutenden Ueberzeichnun» der östervoichischen Anleihe zu berichten wrsien, -macht sich in Oesterreich -der Geist der Unordnung, Urchuldsanrkeit urch t^s Wütesten Terrors breit. Bor wenigen Tagen erst wurde ein Konflikt mit der Tschecho-Slo-Wakei gerade, noch boigelHgt. HakenkMtzler h-Ä bentschechischen..Avteitertransporlen die Durchfahrt durch österrerch'rsches' Gebiet verweigert. Gestern - hat .man Hst geraSe-.i-»tcht' bäzu'- «itvaKen wird, .das. -uns so.--notwendig»- Wohlwollen des nördlichen MHbarn zu hoben. Abgesehtzp von'mit der Tschecho-Slcwakoi -besteheliden Vertrag siyd , die Beziehungen Oesterreichs zur Nachbarvepublik'bis, her immer gute gowesien und Oesterreich hat wahrlich keinen Scha'den davon gehabt. Werden die Bezichungen zu einen- Staate) mff dessen Wohlwollen wir scwohl' Politisch wtz wirtschaftlich angewiesen sind, durch Radaupolrt'ck systema, tisch getrübt, -daun ist einer der Grundpfeiler, auf tvelchen sich nnsere Staatlichkeit aufbaut, erschüttert. Die Ereignisse der letzen Tage sind eine ernste Mahnung an die Verantwortlichen in diesem Staate, null endlich den Wog ztrr Urw kchr zu betreten. , G—-d. Ms r" e ELudlSnkommisiiöu in Me«. , DaS Interesse an Wien nn Ausland D im. sieben M-crchfttt, Go traf Samstag nachmittags unter Fühmng des Herm Witte-Guizot wieder eine aus Mszehn Mitgliedern' bestehende, von einem etsässischene Stndien- und J-nformat-Anskomitee w Stvaßbuvg «ach Wien entsendete Gesellschaft em, die aus -MWieldcrn der verschiedensten Berufe besteht und» - ohne daß sie euren offiziellen Charakter besitzt, sich vovwregond über wirtschaftliche und kulturelle Fragen t unter Ausschluß aller Politik — informieren will. Der Kommission gehören außer dem oben genannticu Herrn Witte- Guizot unter anderen folger^-e Herren an: Perro 1 es, sozral^ demokratischer Bärgermcister von Stvaßburg; B e r n a g e. Di- .vyktor des Handels- und Industrstvereins in Elsaß-LothriMN'/, Schissele, GeneraÜmt des Departements Bas-Rhm;-Prpf.j Be uda nt, Deka« dcr juridischen Fakultät, und Ha cksp i Ic,| Professor an der phLos-oPhischon Fakultät in Straßburgri Lucius, Generalsekretär der Stratzburx>cr ßaydeMaminer;! Chvfrcdakteur I ä ge r der Straßburger Tageszeitung '„L'Alsaee! franeaise" und einige Vertreter verschiedener Korporationen, i Obwohl die Kommission kein?« offiziellen Charakter! trägt, bezweckt sie mit den Spitzen der staatlichen und städtischen! Behörden und anderen prominenten Persönlichkeiten, in Füh»! lüng zu treten und Verbindungen besonders auf wirtschaftlichem! und kulturellem Gebiete anzuknüpfrn. Der Straßburger Bürgenneister hat gestern vormittags im Rathause vorgesprochem Bürgermeister Reumann war aber nicht anwesend, so daß Hr. Peiwtes den Besuch wiederholen wird. Einem Redakteur unseres Blattesgegenüber drückte einer der zwei Professoren dev Straßburger Universität sein B e d a u e r n ö a rüber a u 6,! daß die Wiener Universität ihre alte Tradi-s tion ein Born der Wissenschaft und Kultur f ür; d-i« ganze K«ltÄrwelt zu sein, so!e.i"cht'rn Hev»! -ens anfzugeben, im Begriffe stehe. (!) " . Samstagabends fand zu Ehren der Kommission ein, EMigTZk-rSerL'-bLim -svÄ^Mn- Gesandte» statst .M -.hoch) BrssunmB&aBi 6813