Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1457 (4.3.1923)
- Date
- 1923-03-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. ■;> v.' ty-'W ’IOOO »5»* ZmhAbhoIenmder Ejroedition.lb.Taborstr.l-S, , «der m einer Verachletsätelle Mcksik) monatl.' K]28.000 ■ Mit PefitirersandfürWIen y. jOesterr. monatl. K. 28.000 . fTseb e e h.o-S I öwä k el; Mdn. K17. Un gram: Mo»,';K 6Q0. Jugoslawien: Mon, ' Dfur. Sb. P oleri: Mon. Mk. 8000. Deutschland: , Mon. Mark 5000. Frank r.; .Belgien:: Monatl. Frcs. 8 |MV* Naehsahlunf«n MM.; , P/«j*erHöhunytn vorbehaitro «r ' W . W . W . * . , ' TscVimdio •8lmüB|i«l ( tscfiBch. Kl.- 11 a I i en: Monatl. 10 Lty R um S n i e n, BulgarieV Monat!. 601. ei bezw.' tdwa S c h w e i z undidäs obrjstt Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion tt. Adminisb t ^io1! Wien, I!., Taborstrasse 1 —j Telenhone: 44-0-38.43r3-rl9, ab6Uhrabd8.19-483it^30i TeL- Adr.: .Morgenzaitaog^ Wifen ' •' ■ Oesterreiebisches Postflipar* kpssen-Konto Nr. 150.693 Rr. 1467 Unsere Warnung. —> Wien, 4. März. Cm neues Judentum ist gestern in der Bolkshalle des Wiener Rathauses erschienen. Das Stattfinden dieser Riesenversammlüng allein ist eine'Larjache, an deren politischen Wert kein Faktor dieses Staates vorbei kann. Man hat das Judentum nullifiziert, es durch eine raffiniert ersonnene - Wahlkreisgeometrie um seine Vertretung gebracht '.Aster, .das jtzdisLe . Volk läßt, sich. nicht ableugnen,' nicht hinwegd"rilent.ieren und auch nicht durch Terrorismus des Gesetzes oder der Straße einschüchtern. Es erhebt, seine Forderungen im vollsten, Bewußtsein seines Rechtes auf gleiche Geltung mit allen anderen, mit denen es die Pflichte,r teilt. Gegen die Versammlung war von seiten der Häkenkreuzler ein heftiger Kampf entfaltet worden. Alle ihre Versicherungen, daß sie das Recht der freien Meimmgöaußerung respektieren, Zeigten sich als erlogen. Diese Partei wird nicht'müde, ihre Achtung vor dem republikanischen Geist zu verkünden'. Sie schreit seit dem Vorfall in.Hietzing über den Terrorismus der ^-- anderen. Mün, ww haben gestern eine Probe dieses freiheitlichen" Empfindens gesehen. Die Versammlung stand im Zeichen der jüdischen Einigkeit. Alle Redner betonten entschieden die Notwendigkeit für,das Judentum, seine Reihen zu' schließen üttd sich wie rin Mann gegen den Geist der Verfolgung, her Unterdrückung und der niederträchtigsten Lüge zur Wehr zu setzen. Der Widerhall, Iren diese. Aufforderung m der Persammlüng fand, '.bewies,, daßdie MziehungsaKeü, die der nationale Gedanke im Judentum geleistet hat, rnrnmehr kräftig zu wirken beginnt.-DtzI -Juden-. Lunl> -das gestern in.' die B.Äk8haste^MMeE.)einig. in ißth Willen,, zu den: Unrecht nicht einfMJa^rtzd Amen W -sagen., Zeitdes GewährenlasieMüMchcr iWr-.M.-rrMLoMi.' tümS^st.'«Wtzft4tnb?vie>Resodaö^^AsssÄnmütik' Mr WeiM zur.MrnÜüs KllöMMWM^WMix eMscherw'er' Deutlichkeit.älles< wasschir ^rirpflüden. Im Nationalrat haben alle Parteien -Oesterreichs wie ein Mann geschwiegen, als der Büstd^skgnzler von dem' bodenständigen christlich-deutschen Volke sprach. Sie chaben nichts zu dem Optionserläß .d:« Ministers Waber, nichts zu der RassenverorNnn'g des Miniüors Frank gesagt. Sie'schweigen. Die eineü, weil sie aruisemitisch sind, die anderen, weil sic ihre eychmrerte Popularität nicht noch durch Judenschutz belasten wollen. Nun hat das jüdische Element, ohne dessen Unterstützung und Mitarbeit dieser Staat ein armseliger Sandhaufen wäre, selbst gesprochen, nutz sei« Wort wird nicht bloß in den Kanzleien her österr^ hischc:: Minister gehört werden, sondern überall dorr, wo Oesterreich gehört werden will: Wir dulden oicü E^csie der in den Gefetzfabriken sitzenden Halen^eu.sternicht nrehr und wir werden, unsere Menrung an allen Stellen sagen, wo Oesterreich unter Hintansetzung von Rasse und Sprache die Solidarität der Kultur ^nruft. Wir, sind, nm ein Wort aus der Kriegsterminologie zu gcbr-tUcheu, in der aktiven Defensive. Ls wird nunmehr ernste Sache der Regierulaber auch der Parteien sein, aus der durch uns geschossenen Sachlage die für den Staat Oesterreich gedeihlichen Konsequenzen zu ziehen. Wir weigern dem Staat nicht unsere Mitwirkung an der Lösung seinev Probleme, dre doch auch uns tangieren. Es gibt keine jüdische Gruppe, die. sich irgendwie gegen den Staat, gegen seinen inneren Frieden und "gegen seine Entwicklung zu einem geordneten Mitglied oes Völkerbundes stellen würde. Es gibt aber heute auch keine jüdische Gruppe mehr, die die fortgesetzte Schändung der jüdischen Ehre, die Bedrohung üpllrer Existenz zu dulden gesonnen ist. Das zu be- Misen war der Sinn der gestrigeü Versammlung. Wir sprechen, wie und wo wir'wollen,. was wir denken. Unsere Versammlung war eine Warnung, den. Bogen fticht zu überspännen. Wer hören soll und hören will, ist nun gewarnt. . * An derselben Stelle, von wo die Hetze, die seit Wochen und Monaten nun schon die Oeffentlichkeit vergiftet, alt demselben Otte/ der den ÄUsgangspünkt einer tvohlorganisierten Bedrohung der. Ruhe und Sicherheit dieses Staates war, ist gestern ein machtvolles Wort einmütigen Protestes, gesprochen worden. Ein Wort, das tzieder in Oesterreich noch im Aussände. üngehört Verhallen wird, denn es zeigt vor allem, daß unsere- Gegner einer einheitlich geschlossenen. Masse, einer Phalanx.gegenüberstehen, mit der sie zu rechnen haben. Es ist die Warnungdllß auch jüdische Geduld schließlich rin hat. ' Dka. MntW MMN IM 8. Zahrgang An Massenbesuch. — Halenkreuzler - Iemanstmttonen. SvrensuAgsversuÄe. — Gegen den amMchen Die' für' gestern nachmitta-is augekündigte jüdische Kraleswersammlung - in - der Polkshalle des Rathauses, w.'lche von den - j ü d i s ch n a t i o a l e n Man d a- Mißglückte Wiens gegen die antiseuMsche' 'HakenSreuzlerhetze und gcgen . die Haltung der Rogrerung'. Rufende jüdischer Bürger'aller Stände mW Altersklassen, Männer'und Frauen, füllten die BEshalle des Ratbauscs noch vor der anges-etzten! Stunde,' überaus zahlreiche Pesucher.chflnten keinen Emlaß ' mehr finden und harrten gedüldig üfl Ärkaderchof des Rathauses bis zmn Schlüsse. der 'Ver^tnmlung aus. Die Zahl der zur Versammlung Kommenden, welchen es nicht gelang, bis zum. Rathaus, dur'chzudrmgey, dürfte sich auf Zehntausende belaufen. . . - - . Die antisemitische Maffia hatte alle. Hebel in Betve- 1 gung geslctzt und Tarrserwe von EMdenten ausgebotsn, um die Bersamlülung^^ unmZMch zu machen. . . » - - Die HWnkreuzle^ \ untqr denen man Viel stigeühlichen Wchwuchs und zahlreiche zweifelhafte Element ^heMpkte,' .wären lange hör ider für - die Värsämnchung anbeMmDu-Frist auf dem Rat-, hausplätzi dem FranzensHntz Ulw 'in ^en a.fr das-Rathaus 'äusmärschr'E." MM'.HMe ' zü 'jMedieren^ Mässen 'äusl'erüstet' tvaren; srürHii^M^aüfdie^jüdischen" Bürger Und begannen, sie' zu^.ptu'gelut M kam 'zn verschiedentlichen. Bal-gereien - und .' yrchvöre. .jüdische Passa-u ttzn wurden verwundet. Etliche Häkeflkvelizker 'giflM - ' mit gestichieu Mesiem los und üwchien Miene, ausi jüdische Bürger loszustechen. Die Situation wurde immer heMhlicher, da.griff die Pol i z e i ein und. säuberte dey Platz hör dem Rathause. Die Verwundeten wurden - in . die nahe 'gelegene Polizeiwachstube in der Lichtenfelsgasie gebracht, wo wiederholt die Rettungsgesellschastvorftchr, um Verletzten erste Hilfe zu leisten. Die Exzesse fandrn.jedoch'.^-u-f der Ringftraßä ihre Fortsetzung. Die.Rcwdhs, .die o r g a n i s i e r t wären und unter einem emheitlichen Kommando standen, über-. Men die Straßenbahnwagen und stürzten sich auf dis jüdischen Pasia'iere. Die' Polizei grifft.in. zahlreu».n Fällen ein und.nahm viele Derhafwngen vor. Da sich die von der Polizei abgadräWen Exzedenien in der Nähe des Rathauses immer wieder sammelten und wiederholte Versuche machten, das Rathaus zu stürmen».wüßte Poliz'eiverstLrkrvng berufen werden,welche mit viele?die Exzadenten' zurückhielt, .die sich.fortgesetzt in. Mijenntischen Drohungen ergingen, die diensttuenden Polizerorgäue mit Beschimpfungen überschütteten. und die' PsMe' der berkttenen Polizevmannschaf.'en Ar Falle zu bringen suchten. Sowohl von per Seite deö Parla me uts als von der V a t ib kirche her machten die EWdenten- Sturmversuche aufdas/Rat- Ms. Ein-Mann, mit schwarzem Schnurrbart und Brille, der weder Dlantel noch Hut trug, erteilte die jeweiligen. Befehle zum Stürmen, die jedoch an dem Widerstand der Polizei sWleften..' Das Haupllomman'do der hakenkreutzlEscheu Wurmtvüppen' befand sich dfem Anschein nach in den Rauchen der von Herrn D i e n e r repräsentierten Universität, woher: sich die Anführer stets ihre WeisunM hölleNt Bor der Universität' hielten 'die Exzedenten eine im< prvvisierte Versammlung ab, wobei, ein Hakevckreuzler die entsprechende^ Rede HM. An den Gasten - neben dcm. Rarhause überfiel der Mob vorüberfahrende Aüä>MobM die sich nur durch schnelles Meiterfah«n in Sicherheit brmM konnten, vor der Lonwardrtnd Wkomptebank wurde.der Zusäste eiE -AMmp-ilS!>verpriWtc Auch in der' AösefstadtLvs1.wßtz ttnwdien mehrere Straßenbahnwagen über- Augartenbmcke, 'von wo. sie einen Einbruch in die Leopol-dff stadi unterüchmen wollten. Sie wurden' «doch von beril« Lener Polizei daran gehindert. ' In der Äolkshaille, - ' Unterdessen nahm hie Versammlung m der B-'llöhalliq einen völlig u-ngestörien Verlauf. Die Ansprachen der Red^ ner wurden mit leidenschastlichem Interesse angehört nutz die Versammlunz gab ihrem Unmitt über die zügellose anq «semitische Hetze und d'.e Past'.vitat 'der N'eglerüng in lautes EntrüstrmosMfen Aucdmck. Sämtliche R-edner beschrä^ ten sich auf kurze Ansprachen-, .welche mit stürmischer Zu-- sümmung ansgen.-mm-en wunden.. - . . : . - Den Vorsitz-führte der- Bizopräsidentdes Zionist'schert Larcheskomitees.- . . . - . .Knltnsrat.Dr. Isidor Schals welcher die BersammlunZ mit' folgender Ansprache er> öffnete: .. ';"V... Wir', wollen wü dig ntd. nch'a.sagen.' ichs jdde«. Juden ^r nÄÄlM. Rektor, der Technik. mukte ^OMen. jüdisch: MiNSgerneinkre chn..einm' Beiwag für osS KmegS» denkm-Ä «der geMeNM Studen'en-an^irrg. datz ll S Prozent . der. ge fallen r.m Stude?^.?); I,td.eH sind Pobel» Preist rag er ' -Wunde' ein i ü b t scher Sohn; de r .Sßgcättes:. -.Wk-p jüdisch MrsorgeMMit. was ' . . ... . ' . . ’V-— fstr.vie KV-Hasgef."N^M"Nnv^ Wn-' 'RuStransPörkgEstch. chiberr.' Wir proEi-eren nicht gegen.die, jugeMchn. tzerMftchL- »Hakenikvenzler". Sw wissenr-icht. was. sie 'tun und. wozu s-ie mißbraucht werdend Wir wenden mis an dw' Rcgierrmg, sov^r-n, ' - , Rechtssichicheit «Nd NechtstAeichheit : : für alle Bewohner und leaen unser - f r-e-i m ü t i g e § .B e». Kenntnis zu 'diesiem St aat e ab. -(Stürmischer Beisatt.)-! GemeinderaL Dr« Leopold PLaschkeS. l . . Nicht Provö-ka'ion. '.sondern AuiDlövüng. nicht Angriff, sor^ «dern Warnung D der'Zwcck 'pl^er Versammlung.-Unse«.-' Abivehr wew^et sich Nicht bloß gegen jene, die diesen neuen z Kamps-gegen das Iuden-um beaonnen h.rber.. sondern vor allem l g?ge« die Regierung, die oeflillenll'ich die Mittel nicht finden will, diekern treiben EirHoli -m tun. Dieser Staat braucht eher Ordnung uwd'Sicherheit ci's irgendein Staat auf dem ErdenM-nd:.. We darf die Negierung. drrTrn, daß derart infmne -KedpMatg Massenhaft kleben, daß Richter im Dienste das Hakwkrenz tragen und vaß'Mvökaten verurMt. werden, die sich dagegen., wahren? Diese Insiiz s ch-ä n -L e t sich selbst. Wir.verlangen von -der- Regierung. Laß. sie sich von Hakenkren^lern säubere.. - Dieser Staat lebt «t einem Zustand, der nicht Losung der schweben>l-cn schweren. .Krise — und nicht A u f l ö s u n a. ist,. D'.e Mburbeiler jüdischer Ätllrcbkeii nrögen.sich ihren Führer, den de-u'schna-tion^en. . hakenkrerrz-lerischen Chgrak.llrrldsä»- - LlH. Wolf anscha-uen. Das.gegen die-Juden dieses Staates, geübte Prinzip: . ' ' j Steuer zahlen und kuschen! wevdstt wir uns nicht ^län-er biete-n lalley. ' Rodugr ichliW. unter siümMcher Züstimnrnng mit'einenr Appell, in die -Mihendes 'bÄvußttzn Jndent'nms emzutreten. - \, \ Gemeinderai Dr. Pollack, . lWaft oMmnSert: Der.Rogievung .mußklargeleot werire», '' welch bedeutsamer Focktör im öfterre-lchischen Wirtschastssind Kulturleben, die Audrn in Oesterreich' sind. Sie haben znm größten Teill ar»' der I nd ustbial i s i e r un g dieses StagieK^ ' mit-earöÄ-let. Der Staat 'des' Herrn Se ipell.'hätte ft-ine Kte^ dite bekommen, gäbe es-keine schaffenden Inden. Und ge^-adr^ wir Juden, die einen so starken Anteil am Wirtschaftslode« . - Öester'^ichs hr-ben. 'können nicht ruhig die täglichen Be*. . schnnGimgen hinnehm.en; -die i ü d i s ch,e K a u f m a rn s ch a f t.;fcic j,Ldischen Inidustriellen tverden sich dies nicht..ge- - fällen'lassen. Als der heiliige.Mmister Schm i b .noch eine ., «eine. chvistlichsoziale Partemummxr war und'.es chm . cinnE ün Gememderat hermksrntschte. die. VoWwebr gelwre ins- . Äardesäerich^. da ist-er mntiig/ins ,Ionn-..iIistettü>>mner gd--. . lÄffen uiw hat-diese, seine Rede korrigiert. Bon solcher Ceits Rach Vier Uhr Hckie -pyn iM FoMtaHÄw.'.der^ Neübäugaste her «in. Wsihlostener Zflg von Hakellkreutzl«rn 'mit d^r HakeMcüzfahne herä>it - und ^zog .gegen das Rathaus, wo DH ihm die''Polizei entgegenstellte. Die DemvnstMten - wurden über die Lastenstraße dirigiert und zogen, gpgen die tväre das Bertranen rm Ausland däisinl. Und wir nütt'en wir wollen nicht --drohen; aber wir .erklän'n. daß. wir. Ind.'nnicht gewillt sind, den Sündenbock dafür.abzngeben^ daß Herr Ludendorsf den Kricg verloren hat. ' .Unser Pwtäst gogef da täg-'.ickst'Genreinln'!: .aber.>ka«n- .nur. wirksam sein,' wjrmr wir a l-te?Z'ns a in me nha l r e'ii. Alles Pavtmunlarschiede unter den Juden nürnon veme vsücknvvidanL-