Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1445 (20.2.1923)
- Date
- 1923-02-20
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980526--13850-3000532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«L .. Wfy den 20 Februar 1923, Vs8 Uhr abends, im Theaterseal des Hotel Stephanie, IL, Taborstrasse 12 w Wiener VrorseBzett««s. vom fcP and JK ELM»L»Li 30, FeLrM MÄS; Gehn H Aus dem Programm: „REB ABE% Szene von Unojdhi — Chazoth aus „DREI MATUNES'’ von Wolfsthal Kartenververkaof foidef Redaktion der „Wiener Morg*n«Hmigu und Sekretariat des Vereines „Freie Jüdische Volksbühne* wehten Institutionen, wie KasinoS, Genossenschaften uftv., I wurde die Bewilligung zum Ausschank gewährt; hingegen remcmmvievten jüdischen RestaurationSinhabern, die seit Jahrzehnten ihr Gewerbe musterhaft ansübrn, dieses Recht entzogen. Es tkgt klar zutage, daß eS den Initiatoren weniger um die Bekämpfung des Moholgenusses als um die vielter jüdischer Existenzen zu tun war. Ser Rnmeriu rlausur-Antrag ln der DersaffMqrkemmWen. Warschau, 18. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng") bis BerfassunySkommissilM beschäftigte sich mit dem von den -Nationaldemokraten in' der Untcrrichiökommission gestellten Antrag über die Einführung des N u m e r u s e l a u s u s für 'bi* Juden an, sämtlichen Schulen. Die NationaldemolraKn haben inzwischen ihren Antrag, der ursprünglich den Passus Enthielt, daß der Numerus clausus die Hochschüftr der nichtpolnischen Nationalitäten 'unfassvn soll, dahin geändert, 'daß nur ein« Numerus clausus für die Juden eingcfichrt werden soll. Abg. Reich beantragte eingangs der Sitzung die Vertagung der Verhandlung, da die Sitzung der Vrrfassungskommission Plötzlich einberufen worden sei, der Antrag wurde jedoch ab ge lehnt. Ferner beantragte Tr. Reich die Feststellung, ob sämtliche Mitglieder der V-erfasftmgskmnmission tatsächlich vonder Sitzung verstärdigt wurden. Im Namen der Sozial d e m o k r a t e n legte Abg. Czapinsli gegen die BerhaMung des Numerus clausus-Antrages P r o t e st ein. Die BegrünnÄnig bcS nationaldemokratischen Antrages brachte Prof. Äonopinski vor. Nachher begründete Abg. Grün» bäum die Unzulässigkekit der Einfühnmg des Numerus clausus und bezeichnte ihn al's verfassungswidrigen Akt. Der Antrag verstoße zugleich gegen den Minoriiü en- Vertrag des Versailler Frkedcnsvertrages. Der jüdische Klub werde auf keinen Fall einen solchen Rechtsbruch tolerrercn. Dr. Reich besprach in einer längeren Rede die juridische Unzulässigkeit dieses Antrages. Die nationaldomokratischen Abgeordneten Ryma, Dubänowicz und Lutoslawski brachte», die bekannten antisemitischen Schlagwotte der Ncu'onqLdemokvat«?vor, denen Abg. In s ie r vom Mischen Klub die gehörige Antwort erteilte. Interessant ist die Stellungnähme des Abg. Czerny von der Witos-Partei, der sich Wen di« prinzipielle Einführung des Numerus claujuS erklärt«, er sei aber für bi« Nichtzulassung der Juden zu den Studien im Falle von Platzmangel an den Umversitäten. (Mit anderen Worten: die Witos-Partei ist zwar gegen die gesetzliche Einführung eines Numerus clausus, aber sfür die praktische Durchführung desselben.) In der zweiten 'Sitzung der Kommission wurd« der Br«f des Präsioer.'cn der Uuterrichtskommission zur Verlesung gebmcht, in dem mitgetcilt wird, daß die UnterrichtSkommission chre Anfrage, ob «n Gesetz über den NmneruS elausuS im Widerspruch zur Verfassung stehe, zurückziche. Hierauf wurde der Antrag an di« Unter* «chtSkommission zürückgeleitet. Ungarn. Sine SemonftraNo« HoMr. Aus Budapest wird uns berichtet: Reichsderwcsrr Nikolaus Horthy hat sich dieser Tage eine Sache geleistet, die überall als eine Demonstration gegen den, wenn auch noch sehr schüchtern anftretenden Liberalismus auftzefaßt wird, Sein« Durchlaucht beehrte das niedrigste, blutrünstigste und lügenhafteste Blatt, welches selbst in diesem Sumpf l des christlichnotionalen Kurses den Rekord au Niedertracht geschlagen hat, das Blatt der Erwachenden Ungarn „A N e p" mit seinem höchsteigenen Besuche. Mit großem Gefolge erschien Horthy in der Redaktion des ,,A Nep", in welchem täglich die Lügen gegen das Judentum geschmiedet, di« Pogromartikel fabriziert werden und die. Hetze gegen die Arbeiterschaft Mfcitoiett wird. Der Empfang war ein geradezu feierlicher. Seine Durchlaucht geruhte die ganze Lügenfabrik mit allen Einrichtungen, die moderne Druckerei - in Augenschein zu nehmen, die Redaktion zu böglückwüNischen und' das.Blatt auch weiterhin feiner Huld und Gnade zu versichern. „A Nep" gestaltete tags darauf ferne Ausgabe förmlich zu einer Festnummer und man kann sich nun vorstellen, daß die Leser dieses von politischen Dunkelmännern erzeugten PreßorganeS darauf schworen, daß alles, was in dem Blatte geschrieben und Helogrn wird, im Geiste des allmächtigen Horthy verkündet wird. Da will Graf Bethlen die Welt noch glauben machen, haß es ihm um die Wiederherstellung der Rechtsordnung kn Ungarn ernstlich zu tun sei!; RmnSnle«. Sie aMrmitifchen Studenkm bereue«? . Bukarest, 18. Februar. (I. C. D.) Eine mehckköpsige Deputation der rumänischen Stildentenischast der Bukarester Universität erschien bei . dem Ministerpräsidenten mtfo ersuchte ihn, kte fiebere röf fnu n g der Universität zu verfügen. Die Unser Prinzip: Gut;■ ZtonlstUebe Bezirkssektion Leopoldsladt »» « ■ Mittwoch den 21. Februar, 8 Uhr abends, hn Cufd , ■ Frits, il., Grosse Sperlgasse 3$ (Ecke Gr. Pfarrga se) ■ \ Versammlung] Gegenstand: i Lage der Juden in Oesterreich J ■ Redner: Gemein de rat Dr. Jikob EHRLICH. Ge- ” ■ meinderat Dr. L. PLASCHKES, D. NEBENZAHL » ■ Jüdische Mitbürger! Erscheinet zihlreich! S ■ 31* ■ Deputation gab dem Mimsterpräsitdeirkn die Bersichemmg ab, daß die Studentenschaft keinerlei D monstrativnen mehr ver-- anstallten wivd. Sie fei dieses Treibens satt und Wolle sich nunm-chr ausschließlich dem Slachvnm widmen. Der Mnistevpräsident evwLderte daraus, er werde bk ©itic der Dtmdrntenschast mitder größten Aufnf.>rlfa>mkeit behandeln, schon mit Rücksicht daraus, daß durch die zwcu^swaife Schkießrmg der Universität mchvere an den bedauerlichen Vorgängen unschuldige SÄtdenten zu leiden haben. Die Regierung Hai versuchswe-ise in der .Handelshochschule in Marrseruditrg die W^ervuftvahme der Studien angeordnet. Der Minister für BoWbMmng erschien persönlich! in der Hochschule und warnte in einer Ansprache die lernende Jugend vor weiteren Ausschreitungen. Der Mmister eMärte, im Falle ernenerter Ausschreitungen werde er die Schule ohne Bedenken auf ein ganzes'Jahr schließen lassen. < Ae ramSaischr AattmrsWrtek gese« den AMemttismnr. Bukarest, 18. Februar. (I. C. B.) Tle unter Führung Man-ius hier tagende Konferenz der rumänischen National- Partei nahm eine "Entschließung an, in welcher der Antisemitismus entschkden verurteilt wird. kkWong der e«dUmtlo«W M die Wischen Mule«. Bukarest, 18. Fvbürar. (I. C. B.) Auf Antrag des rumänischen Mnristers für Vosksbildung der Mnisterrat beschlossen, die Staatsstrbveüiion' der jüdischen Normalunb Mittelschulen sowie der Rabbinatssemin«re zu'erhöhen. Der Minister begründi« seinen Antrag damit, daß di« ReHievrmig wegen des. Diefftanöes der rumänischen Valuta genötigt werden wird, auch den Schulen anderer Konsessümen die Staat Subventionen zu erhöhen. Da oiber die jüdischen Schulen auch für Mlriche MichtlingSurid WaSfenkinder zu sorgen haben, sei eS angebracht, Mt ihnen den Anfang zu machen. . Mener zionistischer Malta»««. Seute. 7 Uhr adendZ, diinginde Sitzung. Ae KepemMs-Arlem in Polen. Aus Warschau wird gemeldet: Am 1k. b. hat in gan| Polen die Feier des 460. Geburtstages K op e r n i k u s' ba gönnen. Die Warschauer Gedenkfeier wurde, mit einer Messt eingeleitet, dyc das Präsidium des S e j m, die M i n ist e r uw! . das d i p l v m a t i s ch e K o r p s beiwohnten. Ar^ drn F e st. z u g zu dem von Torwaldsen geschaffenen Kopernikus-Denkmas schloß sich eine feierliche Sitzung im Rachause an, an der ams der. Präsident der Republik teilnahm. Den Tag beschloß eine Galavorstellung im Theater, die in eine Apotheose für de? Begründer der modernen Astronomie ausklang. In Thora der Geburtsstadt Koperniküs', tritt der erste' Kougreß de, polnischen Astronomen zusammen. WrMnserear der „Hrchaluz" in Beklk«. Am 27. d.. dem dritten Jahrestage' der heldenmütig^ Verteidigung der Kolonie T e l - H a i vor dem Ueberfall da Araber wird in Perlin die Melikonfereyz der Organisation „Hechaluz" eröffnet werden An der Konferenz werden VAtz treter sämtlicher Landesoroonisationen sowie Delegierte auf Palästina teilnehmen. (I. C. B.) - I« Prsvotatenr — LMß. Wie gemeldet hat, die Reichsprüfungsstelle für Filme dest Film „Nathan der Meise", rnt.ge-MN dem Gutachten der Mü« chrner Sachverständigen, di^ diesen Film als gefährlich für diz öffentliche Ordnung bezeichnet hatten, zur Ausführung frei« gegeben. Nun haben die nationalsozialistischen Agitatoren eint Propaganda gegen die Vorführung dieses eng an Lessingf Drama sich anlehnenden Films in Bayern angefangen, ditz den Erfolg hatte, daß die Vorsührungsgesellschaft eine gwße Am zahl Drohbriefeaus nationalsozialistischen Kreisen ert hielt, in welchen filr den Fall der Vorführung des Films Skam dalfzenen vorausgesagt werden. Die Gesellschaft sah sich deshalß veranlaßt, von der Vorführung des FilmS Abstand zu nehmem Die nationalsozialistische Presse kündigt dies als einen Sief ihrer Propaganda an und warnt die Gesellschaft davor, auch in Zukunft den „provokatorischen Film „NathOr der Weise" ich nationalsozialistischen München, der Hochburg des Antisem« tismus aufznfilhren. Die Regierungsbehörden haben zu bei ganzen Sache keine Stellung genommen. (I- C. B.). , Amzekchmmg Sr. Semhard Munkacsir. LiouMenm» d« Mnt-HW in der Znksttiea. Bukarest, 18. Februar. (I. C, DJ Die allgemeine Hilfs- MeDuny des I o i n t für die Bukowina wuvde in diosen Tagen geschlossen, eS bleibt nur die Wieb.'.ra>ufboMrb!erl.ung übrig?. Die jüdischen Zeitungen. veröffentlichen einen Aufmf an die Bukowinaer Juderschast, für die bisher vom Joint erhaltenen jüdischen Waisenkinder mvwnchr selbst die Migen MiM auszubringen. ,: . . .. Lttsuev. Si« Fmse der Mische» MMerinM. K?wno, 18. Februar. (I. C. B.) Die Kownver „I i d,d i s ch e S t i m m e" bringt die folgende, anscheinend aus offiziellen Kreisen inspirierte Mitteilung: Im Zusammenhang mit den in den Couloirs des Sejms verbreitet gewesenen Gerüchten über die Nichiaufnahme eines jüdischen Ministers in das künftige Kabinett, Gerüchte, die unter der jüdischen Bovölkemng Litauens große Unruhe hervovgerufen haben, sind wir jetzt in der Lage, aus autoritativen Quellen mrtzuteilen, daß in der Frage der Zusammenstellung des neuen Kabinetts keine Mnderungen aeßennber dem früheren Zustand elntreten und daß die Posten der n a t i o n a l e n M s n i st e r w l e bisher besetzt bleiben werden. Die Zeitung teilt ausdrücklich mit, baß die Nachricht au-s verantwortlichen Regierungskreisen stammt. In unterrichteten jüdischen Kreisen weiß man, daß einflußreiche litauische Politiker in der Tat eme Tendenz für die Nichtberufung eines jüdischen Ministers genährt haben.. Sie Fkmrose« versoffen Memel. Memel, 19. Februar. (Wolfs.) Die' französischen Besatzuugstruppen haben heute morgens M e m e l i n a l l e r Stille geraumt. Tie Kasernen wurden von L!- lauern bezogen. Tie Franzosen begaben sich auf ihre im Hafen liegenden Schiffe. . Ans Budapest wird uns berichtet: Dem hervorrageN» den jüdischen Geschichisphilosophen und Sprachforscher Doktötz Bernhard Munkacsi wurde dieser Tage eine Ehmng zu» teil, die nicht nur eine Auszeichnung für ^ep Gelehrten, fon. dern gleichzettig eine ernpfindsame Verurteilung des christlich* nationalen Kurses in Ungarn ist. .Die Rassenmagyaren, die m ihrem finnisch-ugrischen Rasienwahn dem jüdischen Forscher Munkacsi wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum die Vorlesungen an der Universität durch allerlei Rechtfertignngs« schikanen unmöglich machten,' müssen jetzt von ihren finnischen. Stamme^enossen die Ohrfeige einstecken, daß. die bedeutendste wissenschaftliche Gesellschaft F-inn-lands, die. Finnisch-ugrische Gesellschaft, denselben Juden Dr. Bernhard Munkacsi in einem herzlichen Schreiben davon verständigte, daß sie ihn zu 'hrem Ehrenmitglied erwählt habe. In dem Schreiben wird der StnerlcmmQ der wissenschaftlichen Tätigkeit Musacsis und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß er die Ehrenmrtgllsdschäst annehn^n und der Gesellschaft arnch weiterhin seine.schätzenswerte Mötwirkung zrrtvenden. werde. Dr. Munkacsi, der' sich durch seine Forschungen auf dam Gebiet der finnisch-ugrischen Sprache hervorgetan hat, arbeitet geHerwärtig an Notizen zum drftten/und vierten Bond seiner Sammlung der Volksdichtungen der Wogulen und an der Aufarbeitung der Text-, und Wörtersammlung, die er int Weltkrieg mit in Gefangenschaft geraten:« Wotjaken und Oß'ekrn aülfgenommen Hot und welche. Auffchl'utz über bisher unerschlosseres Material bieten soll. An «Me P. T. MonnMte«! 5?fo!gs der vall'wri'chkn Verhältnifst fttz« «« M genöllzt« «d 1. Mörz ISN iie BezugspebÜhren wie sol-t ftstzustßen: P»ks». monaUich. . . .pst« Mark 8bM.— ««»lkchlsnö. ««,aMch . ... . Mar« SOM.-r 8n8«sta»ien» «enaN'.ch . . . . . ... .Dinar 39.-: Vrrwaltnng -er,,Wirrirr Marsen-eiimrg". II„ Taäorstraße 4S Tetnnbo» 47»t«73 - Iw g>o» In tiatstt