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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-20 · Heft 1445 (20.2.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1445 (20.2.1923)
Date
1923-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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HszetnpmerKIOOO 'ÖPieir Zum Ahholen in de* Expedit ton, ’ T„ Taborstr. 1-3, jeder in einer Verschleli«teHa iffrafik) monatl. K 28.000 (MitPostversand furWietftn. . Oesterr. monatl. K 28.000 jTsehecbo-S'owakei: jMon. K 17. Unfrei: Mob ,;K600. l"«rösl;awien:Mon, . V'na^ - h Pol e n: Mop. Mk. 8000. Deutschland: Mbn. Mark 5000. Frank r., BplffienV Monat). Fres. 8 ' Wttr' N*eS*«hV.utifen *H| bei PreiaerhStiunem < «orbehotteti Rk. MS -5 W ' rsch«ctio*3tfOWlta«S I «schech. K 1.— I tja J i f n :MonatI.l0 Tire Rumänien, Bulgarien Monatl. 60 I ei hezw. Leyra, § chwei z und das ubnjre Ausland monatlich Fres^ 3. Redaktion n. Administration Wien, IL, Tahorstrasse 1—-3 Mim. HimstU LL FÄruar 1923 Telenhone: 44-0-38.43-3-19.: ab 6 Uhr abdr. 16-301,19-483 Tel.-Adr.: .Mergeraeituiig“ Wien OeBtenreicbiscbes Postsnar* kasaen » Konto bJr.. 150.693 S. Fahrgans Bock GiMmiknüttel rum?. W i 9 n. to. Vesterrerch wird immer nachdrücklicher in die. Schmutzwellen des sogenannten Scelenaüfschwungs hineingezogen. Die politische Auseinandersetzung der verschiedenen 'gegnerischen Gruppen soll Gewaltmethoden Platz machen und das Programm der Pudapestcr Erwachenden und der Münchner Hitler-Leute halt seinen glorreichen Einzug in die Straßen Mens. An die Stelle - der sachlichen Auseinandersetzung tritt die Stinkbombe und der Gummiknüttel und wo die Argumente nicht.ausreichen, soll der Revolver entscheiden. Die landfremde Art, die Formen der bisherigen poli-° > tischen Auseinandersetzung durch dir krasseste Brutalität abzulösen, wird gerade von Kreisen favorrsirrt, die ' sich nicht' laut genug auf das mißbrauchte Schlagwort von der Bodenständigkeit stützen können. Ein friodlicher Arbeiter mußte mit seinem Leben dafür bezahlen, daß es eine schamlos freche Propaganda tvagen kann, ihre /aus einen reaktionären Umsturz abzielenden Methoden . auf den Boden.Wiens zu verpflanzen,, ohne daß ihr die Behörden zur rechten Zeit und mit der nötigen Ent-- - -schiedenheit in den- Arm fallen. Mas dein einen recht ist, fannbent .-Wderen-. biffig -sein/ und die Monarchisten ör- : weisen sich als gelehrige Schüler der von dem antiseiniillchen Kampsausschuß dirigierten Häkenkreüzler. Eine Flut rn> und ausländischen Geldes steht dieser Maffia zur BerfügNyg und man muß es ihr m der. Tat zuichilligen, daß sie. großzügig arbeiteti Eine? Versammlung . M pie andere ab, immer dreistere und/immer ünverhyhlener 'tpird die Hetze in die - MasschrHMwagen, unter i denen.MN Art Ausnützung dM..geaMBWeNÄ Mwie- /zu>kssNen'HM^Und:.d«^LosuD^ziim PWrom ffi.die. I Parole der gedtingenen Subjekte; die inan ausschickt/ um;de.n Ruf der neuen „Ordnungszelle" Wien 'zu be-' .gründen.- ' •' v.J *; Diesem dunklen Treiben ist bisher von keiner Seite .mit gebührender Strenge entgegengetreten worden. . Man hat sich mit dem Gedanken beruhigt, daß eS ja -bloß gegen die Juden gehe und es verspricht keine Popu- ■larität, der „kochenden arischen Volksseele" cntgegengutveten, wenn sie wieder einmal den äufgepeitschten Instinkten der Masse die Juden zum Fräße hittwerfen Will. Aber wie überall sollen - auch m diesem Falle die Juden die Prügelknaben abgeben, über deren Rücken die Reaktion ihren eigentlichen Zielen züsteueru will. Der Kanrpf gegdn das Judentum ist stets noch mit dem Kampf gegen Freiheit.und Demokratie verschwistert gewesen und wie in Horthy-Ungorn der Antisemitismus als Schrittmacher für die allgemeine ReaMon herhalten mußte, sy ist auch die Hakenkreuzpropaganda nicht gewillt, es bei der bloßen Judenhetze bewenden zu lasten. .Aber wir Juden.haben es satt, aus die Dauer den Spielball abzugeben, und fordern, daß der Hetze ein entschlossenes Endebereitet tuerbe. Ties zu-tun obliegt jedoch der Negierung, die bisher: eure merkwürdig zwiespältige Haltung gezeigt hat. Während der Bundeskanzler im; Auslande nicht müde wird, darauf hinzuweisen, ivie notwendig es für die Konsolidierung der politischen Zustände Europas ist, daß die Ordnung in Oesterreich aufrecht erhalten werde, und vor der Tafelrunde einer „deutscl'-katholischen Philisterschaft" von der Notwendigkeit der Völkerverständigung und der Kräftigung des Pölkerbunidgedankens. redet, / wird gegen die gewalttätige Hetze, ivelche auf Umsturz abzielt, nichts Cr Etliches unternommen. Man duldet es, daß sich eine Dlliatnr besoldeter Hakenkrenzler breit macht, um mit Totschlägern und Gummiknütteln geistigen Zuzug von Wien fernzuhalten und läßt ungestraft blutrünstige .antisemitisch Hetzplakate an alle' Straßenecken kleben, die. das Judentum mit der Nattenplage vergleichen, deren Bertilgnng eine Notwendigkeit fei. Man läßt einen antisemitischen Kampfausschuß walten, an dessen .Spitze ein moralisch minderwertiges Mubjekt über -die /-Reinheit ariscl er Sitten" wacht, und 'macht sich mit einer Srästenzählunglacherlich,r.die.keineStvegs bloß der .statistischen ErsastltngHr'jüdischen Täuflinge und Kow .svstionsloseir-'dieni-.'' -7- - ein Beginnen/ gegen das von unserem Standpunkte aus nichts einznwerchen Ware — joiidern vielmehr ein der He.tze^ fy^MHes^Schlagchort ostiziel! legjtiiuieren und -de^u -ämtlÄM/Äörtschatz ein- ^verleiben soll, nni so dem Niehl nndkJerzabek die Arbeit -nach horthyiutgarischen .Methode',^ zu serleichtern, wenn sie einmal einen Ministersitz eröherNHillten, .waS in Oesterxeich dnrckjaus im Bereich« derMöglichkeit liegt, Pie das Beispiel der Mäher und Frank lehrt. SrMrimsen Amrdr. Paris, 19. Februar. fTel.'Komp.)Der Korrespondent kIs »Mettt Parisien" hatte eine Unterredung .mit, - dem Vorsitzenden der interalliierten Nyeinlandskommifsion Tirard,.der gegenwärtig in Paris weilt. Tirard erMrte. es sei «ötwsich dessen zn erinnern, was im JrrbrelHZI vorge^anaen sei, um die gegenwärtige Lage zu verstehen. Damals habe es fünf Monate gebraucht, bis der Zollkordon,;# der am Rhein eingerichtet wurde,, gehkrig funktisniert hat. Auch heute wird Ach die^ Lage nicht anders gestalten. Auf die Frage, ob die Deutschen den Widerstand noch lange fortsetzen werden, erklärte Tirard, daß dieser Widerstand noch sehr lange Zeit aNhalten könne. Man dürfe Ach darüber keinen Illusionen hingeben. Indessen kovchre Per? WMrftattd nicht von der Bevölkerung des Rheinlandes, sondern von der deutschen Regierung und den Beamten.. Vierhundert Beamte seien bereits ausgewiesen loprdert^ ^Ker Gehorsam gegenüber den Befehlen von Berlin habe -iedoch «och nicht MÜchgr-Mrn». Wls jetzt Wtten die MWer MfisteNA beantwortet. EsDjchrfche.knyH,- datz M diese Haltnng nicht wehr lange fortsetzen Könnten.. Mafnrahmerr>hle.r Rheinlandskommifsion tverden geniitz ihxe Früchte tragen. Frankreich müsse Entschlossenheit zeigen ^uNd Geduld haben.. Mimch wich doch vermitteln. Berlin, 19. Februar. (Tel.-Komp.) Das angeblich^ Interview der „Sunday Limes" mit -.Reichskanzler Dr. Cnno hat sich als fingiert herausgeftellt. Die englische Presse glgubt jedoch an desivn Echtheit und machte dessen Inhalt zum Gegenstand einer großen politischen Erörterung. Bei dieser : Gelegenheit ist festgestellt worden,, daß zwar England noch keineswests. von dem Bündnisgedanren mit Frankreich abge'rückt sei, daß aber in englischen politischen Kreisen der Ge-! danke einer. englischen Vermittlung auf! jeden Fall im Bereiche der MSglichkeit liege. Die Voraussetzungen, an die eine solche Vermittlung vorläufig geknüpft wird, erscheint allerdings noch unvereinbar mit den französischen Ansichten und den Änscbauungen des Kabinetts Enno und der überwiegenden Mehrheit des deutschen Reichstages. ES ist nicht ausgeschlossen, daß eines Tages diese Voraussetzungen gegeben sein werden, wenn, beiderseits die Neigung zu einer friedlichen Einigung in der Neparationssrage deutlich zutage tritt. Es erweckt große Ueberraschnng, daß in der englischen Presse eine so übereinstimmende Antwort auf das fingierte Interview erfolgt ist und man glaubt, daß man sehr , gerne Gelegenheit ergreifen würde, um dieWoraussetzüngen für die englische Vermittlung kundzugeben» Jn Berliner politischen Kreisen wird erklärt, daß deutscherseits eine- Antwort allerdings vorläufig mcht zu erwartenist.' : Die feltze Mördlat, weMr Mamslag nqchts. .em friedlicher: Arbeiter zum Opser gefallen ist, erwecktdas: .MÜgefüM Lller ',Empfindeyden.7.oLne Unterschied, von BekeMtnis und Partei; aber dabei) darf es nicht sein Bchientzen>hä^ch.^ie--H?tze>.ist:.aöM-.dreist und die Gefahr zu groß gchioxden, als daß:mmt. ihr ruhig zusehen könnte. Es ist Sache der Regierung, diesem finsteren Treiben Einhalt W tun und vorzstsor^n, daß die psüüjche Auseinandersetzung in der österreichischen RepubLL' Abgeordnete der Labonr Parttz k« Sffea. London, 19. Februar. Das Reutersche Bureau nrekhck aus^Essen: Bier Abgeordnete der Arbeitetp a r t e i sind hier angekommew . SMMone» ffr die Ministekdeinche. Paris» 19.'Fkbn'ar. (Hava?.) Wie die Blätter melden, befasten sich d'.e Besetzungsbehovden im Ruhrgebiet rm Einvernehmen Mt den amtlichen. Pariser Stellen mit dev Fva-^e, jenen Städten, die von deutschen Minister.» besucht werden, S a n k t i o n en, nantentlich' hohe G e ld-. büßen aufzuerlogen. ^. Anttsemitische Hetze—mrch imbesetztmMiet! Esten, 18. Februar. (I. C. B.) Der m.daS RuhMbiet entsandte SonderberichtersM-ter des J. C. B. telegraphiert; Die völlstchnaüonalen Kreise im oikupierftn Gebiet W-yq in der letzten Zeit ihre antijüdifchH Zl.gitativn nt-cht aufgegeben. Im'altbefttzten Gebiete käme« Fälle vor, wo die BesatzungSmacht aus ei^emp Initiative- Versuche/ a n ti s e ni i t is che r -MlDM gung unterdrü.ckt hat. Dor kurzenr verofsentftW W^-eme-H-x den-' antksemiirsDu - JuW'eutschen Ordr^ ' dessty .Politik deS^DvWWiM . äizichtigt'wrrd.- -"' > •; :' .- . "-.j- - -; '• r In einer großen Rheknftaöt versuchten fra n zö sü sche K r ei se mit den dortigen Juden Fühlung zu bekommen und re-gten bei ihnen einen o r.ga n i s ie rt e'n Ka m pf g e g e n die I ude » He tze an. Die jüdische« Kreise haben diese Annähemngsversuche mit'Entschiedenheit zurückgewiesen. ' Trotzdem versuchen antisemitische Kreise im besäten Gebiet der Legende von einem angeblich zwischen Jude« 'und Okkupationsmacht bestehenden Kontakt den.Bot^n z« ' bereiten. Bezeichnend für die -Stimmung der rechts stehenden Kreise des Ruhr^ebiets ist der'folgende Ausspruch, den eine einflußreiche. Persönlichkeit aus dem rechten La^er in e'mer gr ßen Ruhrstadt gegenüber einem jüdischen Politiker getan hat: „Un'ere Zurückhaltung gegenüber den Juden ist nicht ans den Burgfrieden, i sondern ans die Tatsache de» Okkckpation zuruckzuführen. Sobald die Okkupation aufgehört hat, w'rd die Abrechnung mit l den Juden beginnen."! Bon der Streikbewegung der Ruhvarbeiterschaft als Protest gegep Nebergriste der Bosatzungsbehövden . sind mehrere Betriebe, darunter die Thyssen-Werke betroffen, i« denen j ü d i s ch e A r b e i t e r beschäftigt 'sind. Die jüdbtz schen Arbeiter gehen in allen Fällen mit der übrigen Avtz bsiterschaft solidarisch vor. Krieg zwischen Pole» and Waue«? Warschau, 19. Februar. (Prrvattelegramm.) Dre Teilung des neutralen Streifens bei Wilna zwischen Pole« und Litauen hat eine ernstere Wendung genommen. Litaue« scheint nun ernsthäft den Kampf un die nordlichc Strecke der Bahnlinie Grodno-Wi-lna ausnehmen zu wollen. ES hat bis jetzt die neutmle ^ne durch reguläres Mlitär besetzt und.auch Polen konzentriert dort .Truppen statt Gendarmerie.; r; t Auf beide n Sei ten trat bereits'Artillerie i n T a t i g k e i t, wobei nach polnischen Darstellungen Re Mauer begannen. Mit republikanischen Methoden erfolge. Es wäre ei« 'Müßiges Spiel, für die notwendige Sanieruna des Staates Kredite znsammenzubetteln und die:-Hilfe de- .Auslandes durch die Hetze anf eigenem Boden hinter- .treiben zu lasftn. Die Jüden in Oesterreich aber sind auf keinen Fqtt gewillt, dieses. Spiel., miizümaichrni und den Treibereien der Diener, Riehl, Wölf und' Frank ihren Rücken hinzuhalten.

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