Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1414 (20.1.1923)
- Date
- 1923-01-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980495--13519-3000170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
iWlep:Zum Abliolenb der iExpedHiön>TT„Taborptr,l-3, oder (n einer Vcrschleisstelie i(Trafi)c) monatl. K 28.000 Mit Postvemhd für Wien v. öesterr. monatl. K 28.000 Ta ehe c h o-81 owa le ei: Mdii.'K 17. Ungar*: Mb» K 6Ö0. Jugoslawien: Mön. frnav 30. Polen: Mon. Mk. 4000. Deutschland: Mon. Mark 1200. Frank*., ßelgien: Monatl. Frcfi. 8 MM» Nae1i BahJ nosr«t» ^E0 bei Preiscthobungop ’ «orböbaHfo Nr. 1414 T schecho - Slowakil t tsthech. K1.--.? lta 1 i e n: Mpnatl. 10 •Uro K unf 3n ien;'Bulgarretl Monatt 60Leibezw. Lewa, S c hw,e iz. tmd »das übrige Ausland roonntlich Fräs; 3. Redaktion ». Administration — Wien,U., Taborstrasse 1*-Ä, Telephöäe: 44-0-38,43r3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. . Tel.« Adr.': ^Mdrxenzeitunx" \ . '! 'Wien: :• Oestenreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150*693 S.SnftiBttna --7. W i e n, L< Jänner. Auf den Protest .Deutschlands Men die 'Okkupation des Ruhrreviers hat die ffranzösttch: Regierung geantwortet, ihre Maßnahmen seien nicht militärischer Natur, sondern nur eine Polizeiaktion. .Trotzdem befnwen sich beide - Staaten miteinander im Kriegszustand.. Es hat sich auf bechen z Seiten eina Art' KrieMresseqüartier etabliert und» es werden täglichvon Heiden.Bulletins . über die Vorgänge im Kriegsgeviet instie Welt gesetzt,, die — meist übertrieben — doch das eine yls unzwelfebhasi erkennen lassen, daß die Aktion Wngft das Geleise einer Polizeimaßnahme verlassen.HÄ. Das.Ruhrgebiet ist zur Ganze '.besetzt, die- Kohlenproduktion' unter Kon-, trolle gestellt, und für das Reparakiönskynto beschlagnahmt. Die leitenden OrganederJndustrie werden den eimn Tag von Frankreich, den anderes von Deutschland nnt^ Strafandrohungen überschüttet.Allerdings ist dos siemlich ' Platonischen Charakters. Denn beide- Teile meinen es? nicht sehr errrst, weil We.Arjdustriebarane. sehr mächtige Herren sind, die sich auf ihre'Freunde in' Paris und.in Berlin verlassen können. Für alle Fälle sind pie 'Jnduftriegewöltigen im Augenblick gut national. Ihre Aussprüche .und ihr. Stolz, füllen die Presse Undwir hören aus dem Schluchzen.der deutschen Blätter, die "stolze-- Fxeüd'e'- 'ans-'solche '.Kerle' heraus, die sich nicht einmal vor. Bajonetten fürchten. Aber mit' diesem Patriotismus * hat es eiüe sonderbare Bülv.anLtnis. Die' einrückerchen . Franzosen haben die Feststellung gemacht, , daß diese JrchüstriemagnÄen ihrem' heißgeliebtest, deutschen Vaterlandseit dreö Monaten keine-Köhlensteuer gezahlt hatten, wie überhaupt die deutsche, Schwerindusme im ganzen .Verlaust des KpnflMes aus geschäftlichen und politischen'Gründen Nicht M. tzar denrschen Repühli5M"fmd 'Mr. ^tzk^' sie an der»' EütwertNM der.Mark genügend üM Deutschlands in schwerster Polltischer'Rot'mn, Atem ringt» Affen sie^srch WohLstlle MärthrerkranKe . winden. uno. »schicken ihre Direktoren zu den Verhandlungen mit den jfrastzösischen GMralen. : . ' Der Konflikt' ist: bis' zur. Stunde politisch . nicht weiter gekommen; Die Gegner Wersen einander die Be-, schuldigung des Vertragsbruches an; den Kopf, und es sieht: so aus,, als wollten beide sich ineinander verbeißen. Irgend ein Vorschlag zur Entwirrung de^- Knotens ist Weder bon französischer noch von deutscher Seite gemacht worden. Dies ist auch für die nächste Zeit kaum zu-erwarten, da aus dem finanziellen Streit ein politischer geworden und von beiden Seiten, das nationale und. staatliche Prestige, engagiert worden ist. Die französische Aktion hat trotz der »Schärfe ihres Vorgehens nichts erreicht und ist ins Leere gegangen. Deutschland wieder erhält keine Kohle und muß'sie. in Englarch kaufen, , was', die Steigerung des Pfundkurses, aber auch die, Reserve der englischen Regierung verständlich macht. Einen Ausweg aüs der verfahrenen Situation, würde nur der von Schweden kommende Borschlag bieten, im Pahmen des Völkerbundes den Streit' zu behandeln und eine Konferenz aller an. her Frage beteiligten Maaten einzuberustn. Dieser Vorschlag bringt die MöAichM für. Frankreich, sich von. der so unproduktiv wirkenden MÄ thode der produktiven Pfänder zurüötzüziehen - und er gibtr Deutschland wieder die Gelegenheitneue Zahlungspläne aus den -Berätungstisch zu legen.- Wie immer das Schicksal dieses Jnterventionsversstches aussällt, keinesfalls darf die deutsche Regierung ans ihrer passiven Resistenz bestehen bleiben. Die „Frankfurter Zeitung" hat den Gemütszustand bß deutschen Volkes als „Verzweiflung und Verwirtüng" charakterisiert.- Aber von solchen Sentiments darf sich eine Regierung, die ihre Verantwortung voll, erfaßt, nicht leiten-lassen. Sie darf auch, nicht auf England oder Amerika-basten^ sondern muß selbst, so bitter der Canossa-Weg auch sein mag, offen vor aller Welt unter Angabe von Ziffern und Zahlen Frankreich zu; Verhandlungen auffürdern. Nur die direkte Aussprache mit dem Gegner kann das Problem aus der politischen. Atmosphäre herausbringen? Die..gegenwärtige..-deutsche RegierstygM'der Exponent deines Bevqlkerungsteiles, der aüs. egoistischen Interessen der inneren und äußeren.Schcirfwacherei dast Wort redet. Die deutsche Schweri)MsM'-.Hü.-mit"Hilfe' der Geldentwertung ihre Produktionskosten herabsetzen und unMenerÜchS.DLMflgeEkdstzeyirWBHnnen. Sie . hat guten Grund,'von ihrenSDejbWisiü■Deutsch-' land und in Oesterreich gegen die Juden Hetzen zu laffen, uni dest Blick der'.Maffest von ihren eigenen Praktiken abzulenken,., De chat>ihre MithilfetrzOistn^Wirthschen Plänen der. Reparationen und Macksiabilisierung verweigert und Mit. ♦ IerLeiterdes — Mammen. — Lärmfzenen in der Nattünklversammlung. B « d a p e st- 19. "ZÜnner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung"») Sietrn Mittäter des -Attentats gegen das Haichtstadtifche Operettentheater - find heute : der S t a a t s a n w a { tsch a f t eingeliefert wyrtzeu. In der Ortschaft S o r oksar. bei PUtzüpest find: ebenfalls zwei dem Mittelstande angehörende junge Leute verhaftet worden, die an dem Attentat beteiligt, warefi find ist Mren Wohnung man eine Unmenge von. W a f f e n und M u n i- - t i o n. fand. Sämtliche verhaftete Personen sind M itgli e d e r d e s> B e r e ines K e r' C r w»ä ch enden M a g h a r e n. Die polizeiliche Untersuchung hat einwandfrei festgesteM, daß der verbrecherische Plan und dessen Durchführung vom Sekretär des Landesverbandes der Erwachenden-Ver- eine Alexander Adorjau , stammt. In der vergangenen Woche berief dieser eine vertrauliche Bersammlung ein, deren Teilnehmer sich schriftlich zur-striktesten Verschwiegenheit verpflichten mutzten. In dieser Versammlung Welt - Ä d o r j a n eine. Hest^de, in der.' Mk' erklärte, mau Mrfe in >'deK- Gau pl ft llche « M «gar M «- TH^Utvr^ wm*,: ''EMs. einemridr stt Nbrperspart djenensteNOrpheüm" tin Operettentheater machen 'will. Man müsse ihm ynd den jüdischen Theaterbesuchern die Lust hierzu nehmen. Es wurde beschlofien, das Theater anzugreifen und gleichzeitig eine au-saiebige Zudenverfiolgung in her Stadt zu veranstalten. Adorjan legte einen wbhlausgedachten Plan Por, lietz die einzelnen BejirksorganisätioneN der Erwachenden aufmarschieren und leitete Persönlich de» Angriff. . Äks die Polizei «ach den Aussagest der verhafteten- Komplizen Adorjan festnehmen wolktep fand sie ihn nicht mehr in der Hauptstadt.. Der Sekrietfir ist mit Hilfe feiner hochgestellten Gönner wahrscheinlich mit einem falsche« Patz ins Ausland entkommen. Es ist gegen ihn ein Sterkbrief erlassen worden, doch ist nach den bisMigen Erfahrungen kaum zu hoffen, -atz man,, ihn erwischen wird. Einer der in Soroksar perhaftete« E r w a ch t n d e n gab . bei der Polizei folgendes zu Protokollr Wir erhielten den Auftrag, mit Knütteln Und Totschlägern bewaffnet nach Budapest zu kommen und sollten nach folgendem Plan Vorgehen: Sobald im Innern des Theaters -er er sie Schn tz krache, sollten wir die Ausgänge des Gebäudes besetzen und die Flucht des Pubii tu ms der eit e ln. Zeder, dessen wir habhaft'werden können, sollte verprügelt werden. Keiner der Theatergäfte dürfe ans die, Stratze gelangen. Sobald . wir das Publikum: zurückgedrängt haben, müssen im' Theaterraum 1 n e u e r l i ch Sch Ulf t fallen, damit wieder eine Panik astsbricht und die Flüchtenden bei den Ausgängen des Theaters noch einmal v e r p r ü g e l t werden können. Wir haben laut dieser Weisung gehandelt Md das Publikum gehörig ' ' ■; mit Stöcken und Knütteln bearbeitet. Draützen auf der Stratze hätte ein Signal aus einer Sirene den Schluß dev Aktion verkünden sollen. Unser Befehl lautete, datz nach diesem Signal jeder, das Weit e s uch e u m üs s e, damit keiner von uns in die Hände -er Polizei gelange.; kln^r Büdcrpsster BeriMerstatter schreibt uns: v. Die natümstzstischen Antisstniten aller Länder bringeÄ^w'w'cM'f erne BeraLredU'Ng, die Ksinst-ftrüg, inmier dann mit einer"; Lausbüberei' hiervörzütreten, wchn das betreffende Länd^ K- : rade der größten Ruhebedach '^o ma^n es.die Hakenkxenzler in -Dmtschland, so auch ihre' GesinnuWsMwoffen m Wien ernd so haben es die.' ErwacheiÄchMützsttn,- in" den : letzten Tagen in Budapest gemacht. In.anschaulicher Kor-m haben Aes die sozialdemokratiMn Abgeordneten 'der ungarischen Nätionawersammlung Franz Re! s i n g^e r - und Josef P a k o e s in ihren Interpellationen über -das hübrsche Attentat - im Budapester Operettentheater davgelegt. ' Franz Re i sing er führte'aus: Es ist höchst merkwürdig, daß sich bei uns immer dann solche aufreizende Zwischenfälle ereignen, wenn das Layd der Ruhe mtÄ Konsölidierung bedarf, Als über den.Friedensvertrag von Tria». üon verhandelt wurde, wurde Bela S o m o g y i ermordet., Als Ministerpräsident Graf 'Stephan Be thle n an .der, - Konferenz von Venedig teilnöhm, um-dort. für Ungarn. i Bortelle zu erringen, wuche^ däs BombenMwMt . ^, W ElisabetWS-ter KqM- . .. v; verW. Und Hostie/Zwischenfall an der stngar^Krumänischen Grenze bk WstÜter in Erregung hält, wird ' das Attentat gegen das hauptstadtrsche Theater verübt. Es hat den Anschein, als würde in diesen Vorfällen ein b e- .. stimmtes System liegen. - Da diese Ereignisse dem. Lande großen moralischen Schaden.zufügen, liegt-der Gedanke nahe, - daß' nicht so sehr die Tater selbst, als die Anstifter die Schuldigen sind, die '' . im Jntereffe der Wne» ßstttente gehandeli: haben. Unter gwtzem Lärm der Abgeordneten» gruppe, die zur Leitung des VerbanM der Erwachenden Ungarn gehört, fordert Abgeordneter Reisin ge r, daß Klarheit darüber geschaffen werde, wohin die Fäden des Attentats führen. . Im Verlaufe der weiteren Debatte erklärte Abgeord-. neter Emil P i ck l e r, daß die Tätigkeit der Erwachenden Ungarn sin die Jrttereffen. der Feinde fördernder Büterlandsverrat ist. Damuf entstand zwischen dem Redner und . den „Erwachenden"-Abgeordneten ein heftigerWo r.twechsel, lstr schließlich so ausartete, daß der Vorsitzende dem Abgeowneten Pickler das Wort entzog. Abgeordneter PakocS verwies in seiner Interpellation zunächst darauf, daß Vorfälle wie jener im hauptstädtischen Operettentheater dem Lande enormen moralischen und wirtschaftlichen Schadw verursachen. Er warf die Frage auf, was wohl geschehm Wäre, wenn das Publikum: infolge dieses niederträchtigen Schurkenstreiches^ seine Ruhe verloren hätte. Derlei Attentate wiederholen sich bei uns von Zeit zu Zeit. Bela Fabia n (Demokrat): Immerdann, wenh außenpolitische Verwicklungen bsstehen! (Großer Lärnr. rechtst) PakocS strtfahrend: Da4'Attentat gegen das Cast Club wurde zu einer Zeit verüdt, als w.irsim Interesse der Aufnahme einer amerikanischen Anleihe verhandelten, und, wie 'bereits erwähnt wurde, erfolgte das Attentat gegen den Eli,sabethstädt.er Klub m der Zeit^da wr-^ Ministerpräsident in Venedig verhandelte. Am gestrigen Tage begaben sich drei Fmanzkapazitäten, und zwar Alexander Popovitsch, BärvnMols. Ullman^n und Julms .Walder nach der Schweiz,-um dort im AMrHe der stn- Mrischen Regstvung an wichtigen' Fi-nanzverhaMungen ltellMÄhmen,' und selben Täge hat sich dieses ' schändliche Attentat, ereignet. Der Interpellant vetlas dm! im . Organ der Erwachenden ' Ungarn ,^zozat" veröffentlichten' Bericht.über das Attentat, iu welchem die'-. Täter eine «ernste und moralisch-ethische Gesellherbeigeführt, Vielleicht wird man auf einwal näheres siber die Beziehungen zwischender französischen und titidetttschen „vertikalen Gliederung" der Jndüflrie er-, llkärieven. Blick KrM dfti ZU2 liffen dieses Patri'ottsmus tun können^ So lange sich die deutsche Mgierüng^.yW - von den Stinnes - mch Thyssen befreit, wirdWMl-ich'Mch1--verhaMungSwmig-! ÄM MhanWnMsthitz tziM