Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1390 (23.12.1922)
- Date
- 1922-12-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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w Hf! 1390 : ‘ *' Wien, Samstag_^ Ai«b mayer; als Ersatzmämier: Dwektovstelbvertreter 'Adolf Meitet, Regierungsvat Tddolf Kn'lhanek und Oborbuch- Halter Hermann Ed i. ' ,;. In semenr Schlußworte teilte Goirverneur Dr. Sch« st e r daß. der BnacheLprasÄeRt. den Minister a. D. und Bizeprä- 'stdeirten der Bodenkredliavstatt Pr. Richard Reisch zum Präftoenten der Oosterreichifchen Nattonalbank ernannt habe. Mit .einem Dante an die ÄHchienesten schloß W Gmrvernsur die Versammlung. Zer Aumeis der SeMche« Relchrbrmk. Zunahme des RotenumlanfeS um 123,3 auf 970,2 Milliarden ' Mark. Berlin, LS. Dezember. Nach dom vorlvGvnden ÄnSweis!der Reichsbank vom 15. b, haben die zur MonatSmttte üblicherweise echchbon Kredit« u.nd ZMungKmittLlanfordermrgen» auf deren Zunahme w der zweiten Dezenrberwoche n. a. der Bedarf .für das Meihnachtsseschült wie auch schon die Bereitstellungen für den Joihresschluß wesentlich einwirkten, zu einer neuen außerordentlichen Anschwellung der Anlagebestände und NoienMi-sgabe der. Bank Mfühtt. . Die. gsscunte Oa^it-alsanlage hat sich um 172,9 auf IE,3 Milliarden Ward " vermehrt. Die bankmäßige Deckung allein stieg u^ 172,7 'aus Milliarden Mark, mrd zwar der HechßelLestond um 70,7 Milliardm Mark, der Beistand an diskontierten ReichsschqtzanwcismWn um 102 Milliarden Mark. Der von den ueu dean« fMchten Kvediibeirägen auf den Fbonten der fremden Gelder der Bank verWedene Teil war diesmal nicht aNäettächWch; di« prrvate-n und öfs-onMchen Guthadm zeigen nach dem Stande vom 16. d. eine Erhöhung um 77,7 auf 3R Milliarden Mark. - Der Banlnot-snumlemf hat in der Berichtswoche um 723,3 aus 070,2 MiNiardeu Mark genommen, wirrend der Umlauf m DaÄehenskassenschemM. tpitfom^ Wring« ifügig, rrämLich trn 78,6 Millionen auf 13,7 MilliaMü Äka'rk, -mvSckAing. ' ' Die Jn-Msprakchmchm« der DarLchenskasse« des Reiches fitzte sich Ebenfalls m ^beträchtlichem Msmaße fort. Dia Dariehicnssordevunigsn dehnten sich um 98I auf 191,4 Milliarden Mark aus. Da die Reichsba-nk einen dieser Zunahme entspvrcherrdeu Bewag an Davleheuskasshuschemen von den Dar- ^lMskassen zu iüberychmen 'hatte/ so vermehrten sich die Bestände der Ban? an sMen Schemen unter Berücksichtigung dev' aus. dem Verkehr Iurückgeflossenen Summe um 38,3 auf 117,6 Milliarden Mark. ' " ' «e NWkchtM der ZeWWuWe in mmtm n.!' Die KaprtalsverhMtnisse. Die Gründung eines Industrieunternehmens in Pa- Kstina, besonders einer. Textilfabrik, erfordert bedeutende Kapitalskraft. Die zur. Textil ienörzeugmig erforVeAichen Maschinen sind im Lande selbst nicht erhältüch, sondern sie müssen ebenso wie Ersatzteile aus dem Auslände, eircgefuhrt werden, so daß bei der Rentabilitätsberechnung die ^rachtstzesen und -ein Wertzoll von 12,6 . Prozent zum Moscht uenpreis hmzukalkuliert werden.müssen. Der Il'ilterrwhnrer. muß. ferner über genügend Gell)-- Nuttel verfng««/ um die Einrichtungen für den v o l lsi L n d i g e n TextilPreduEtionSProzeß schaffen zu - können. In einem altindustriellen Gebiet ist es ohneweiters möglich, daß der einzelne . Untxrnehmer nur einen Teil des .Erzeugungsvorganges - in seinem eigenen Unternehmen , y^aw»^y»»i»8M»yaafg>»«v«»MPlK*«nic8|a»t«Uii nwj»wirM «<mi 'ui<w»»i»h»iii..w^wi— ' , sKachdruck verboten.) [ KeWchtm «s dm mm; Bon'S. Zemach. ' -'! ent Hebrarschsn überlc.-: . -' .■.:.: ii. ' 7 '; Ephron. . Ephry«,. eilt /iruppiges, dürres Maultier mit stark herhartre.tcniden Rippen, die-ihm von der Wirbelsäule bis her-' Nb au den Bunch liefen , und sich wie gefurchtes Ackerland ausnahmen, stand mit gesenktcmt Kbpfeda und Moß von Zeit, zu Zeit, während der ihnr vom Nacken herabbaumelnde, vors Gerste strotzende Futtersack. ihn schier zu Boden drücktearhMmüde. und schlaftrunken feine' trüben, tränendm Augen. Rüben warf dent Tieve einen flüchiignr Blick zu, machte mit der Hand eme «hwchvende Bowsgung und sagte lochend: s; ©itt abgM-nkder Fnvalide . . . Und der j-unge Bauer'fuhr fort: Einey wunderlichen, Namen.hast Är dem Aas gegeben . . . Ephron . . . Ephron . . . Waä bedeutet das? NubeN wurde hei dieser Frage Plötzlich ernst, sein Gesicht verdüsterte sich und nahm einen gereizten Äusveuck an. Seine hervortvetenden Wangen fingen Plötzlich .rasch zu ^cken an unv seine dicken -Lippen saugten heftig an dem Mundstück der Pfeife. . Nach, einer; kurzen Pause wandte er sich an feilte Gefährten mst unsicherer Stimme. Soll ich euch die Geschichte diese- Ephwn erzählen- .. . Und ohne ihre Zustimmung abzulvarten, begann rr: Das ge'chah vor rund sechzehn Jahren in der Farm pKilanith". Ringsum war noch alles öde, es gab tveder Bäume noch Häuser, Nup auf dem Gipfirl des Berges ragte zwischen Felsenbruchstücken ein einsames zweistöckiges HaNS, am welches fich zu beiden Seite» des groß en, von einer hohen Mauer umgebenen H'ofeK.Ställe für die Pferde und das yinphieh reihten, l.v, . .■ '■ ' . durchführt und dannentweder das.Halbfabrikat verkauft oder die Ware in einem fremden Unternehmen für eigene: Rechnung sertigstellen' läßt. In einem solchen Lande kann . sich der Produzent' auf eine TeilerMgung . beschränken, zum Beispiel bloß auf das Spinnen /oder aufs Bleicher,- Färben und Appretieren. Dieser Vorgang ist in eistem nruindüMellen Mr 'in einem nu.r' teilweise oder gar" nicht industrialisierten Gebiete wie Palästina unmöglich. Es wäre wohl denkbar, daß aus Aegypten eingeführte Rohbaumwolle in ' PalästiM' versponnen und das Gam nach England zur Verwehung auSgeftzhrt^ oder, daß im Auslande gewebte Ware nach Palastim eingeführt, dort gefärbt, appretiert, und. dem V-erövauch zugeführt wird. Es ist aber komnrerziell urünögtich und Wwirtschastlich, etwa in Englanid gesponnenes Garn einzuführen, es-^in Palästina zu ioeben, das Gewebe in Deutschland zu färben und das Endprodukt in Aegypten zu verkaufen. Der Gründer eines DextilunternehmenS wie auch in der Regel jehes anderen Betriebes muß also ungefähr . gleichzeitig, hie Einvichtungeu für den gesamten Produktionsprozeß schaffen vom.Rohprodukt angefangeN bis zum verkaufbereiten Fertigfäbrikät eine Tatsache, welche die Gründung von Industrieunternehmungen in Palästina oft erschweren, in manchen Fällen auch unmöglich machen dürfte, dafiir aber auch eine Reihe wichtiger Vorteile mit sich bringt und dem modernen produktionstechnischen Gnmdsatz . vertikaler Betriebskonzentration entspricht. Die Kapitalskraft des JndUstrkunternehmerin Palästina muß-auch deshalb viel größer sein alS zum Beispiel in Europa/Weil die Otganisatton des Geldmarktes hier und dort^ tpesentlich verschieden ist. Der Industrielle in Palästrm. kan» itn? allgememen micht auf langfristige,. ' WMgrWw rechOU er kann ÄsoM deWWkKm' M«) Bank weder GrüntMngsnoch für die erste Zeit Betriebsktedite erhalten. Es ist bei den gegenwärtigen Verhältnissen selbst 'sstt ein schon im Betrieb befindliches Unternehmen nicht leicht, auch nur kuMrrftige Kontokorrenikvedite zu halbwegs annehmbaren Bedingungoen zu bekommen.. Dre Palästina-Banken find in ihrer.Geschäftspraxis Nicht etwa Mobilbanken für Zwecke des Handels und de« Industriesondern geben hauptsächlich nur Hypothekar¬ oder Lombarddarlehen. Die Gründunng einer kapiialsfiarkey, großzügig, wenn' auch vorsichtig geleiteten Industrie- und Kommerzialkredikbank wäre eine wesentliche Erleichterung für die Entwicklung von Industrie und Handel Zn Palästina.; ■ \ . -Ausdem Gesagten ergibt sich, daß derjenige, der in Palästina ein Industrieunternehmen und im besonderen eine Textilienerzeugung gründen will, über ausreichende ..Plittel verfügen muß, Um einen vollständige» ProdiMons- > cippqrat auszustellen, feEr über genügend Kapital Uw biessn' Apparat auch ohuff-Ktzedit weuigstens solange m Gang zu halten, bis dpS Ünisrnehmew sich selbst erhalten kann, bis die Rentabilität des Hnternehmens beginnt. . Diese Grundsätze wurden, bei der'Gründung; doü^ Unierllehinungen in Paläsüna ruehrnials nicht beachtet Die Folge^ davon ist, daß einzelne an sich durchaus gesunde und lebensfähige UnternehMngen nur infolge nicht'genügender Käpitalslr-aft stillgelegt tverden mutzten und die Tätigkeit der Unternehmer sich jetzt statt in produktiver Arbeit im Streben nach Äapitalsvernrchrung erschöpft, sei es in Form von Kredit, sei es in Form einer Beteiligung,- efsle 5clu*(ii * isi tfeiam Die Ronstttwerung der österreichischen J*latwna1lank ist dm 22. Dezemler 1922 erf olgt. Auch die luribcf* Zeichnungsschluß: 30. Dezemler 1922 ——:-----. Es ist övher vor jeder industriellen Gründung in Palästina sorgfältig' zu. erwägen, ob ausreichend Kapital sichergestellt ist, um übe« die finanziellen' Schwierigkeiten, p närtzentlich zu. Anfang, hinwegzukommen. _Dr. Fritz Rodeck. Der Devisenverkehr des tschecho-fiowakischen BankamteS. Prag, 22. Dezember. Der Bankausschuß beim Finanzministe-' rimn Hai gestern uüt-er dem Vorsitz des FinanzMinisterz leine, ororntliche monatliche Sitzung ' abgehalten.' Es wüiche festge-' stellt, daß di« durch den Zusammenbruch der.Mährischschle sischen Bank mr Publikum h-ervorgerufene vorüber-! geAnPe Beunr-tlhigung gewichen ist und daß,die 'Geldinstit-u,te^ wieder ein Äwvachsen ihtes. CinlagenstandeS austveifen kon- ' neu. Es wurde mit - B-e ft iedtgmrg zur Kenntnis Myommen, daß die Maßnahmen, die in der Sitzung des BaakausfchusseS vom^ iH.1 beschlösse» wurden, zur Beruhignng des De-! viseüm.ä.rk.teS beitzetMgen^^^haben.? Der Devisenstand des! BankamteS weist keine neuerliche Abschwächüng auf,' da der legitüne Bedarf an ausländischen Zahlungsmitteln durch'. den erhöhten Zufluß von Cxportvaluta gedeckt wird. . > Die Zeichnung auf SkotenbänkaWen. Di« Devifenzenwale! hat für die Eirrzahlung in t s ch e ch i s ch e n Krön e n auf Nationalbank-Aktien, welche auf Grund von gezeichmten Gold-!' anleihe gekauft werden, ab gestern einen BerrechnnugSkurS^ i mum* «Mwgi— Das ganze obere Stockwerk bewohnte der Verwalter, mit seinen Gehilfen, wahrend' das einen einzigen ' großen Wohnraunr. bildende Erdgeschoß einer Gruppe Arbeiter, etwa zwanzig an dr« Zahl, wörmlter auch ich mich befand, zum Aufenthalt, diente. Wir waren sämtlich Junggesellen im Alter von zwafizkg bis dreißig Jahren, lebenslustige, sorgenfreie Taglöhner, lauter leichtsinnige,' zügellose Unbände, die an..ein geregeltes, ruhiges Und zielhewußtes Leben sich noch nicht gewöhnt hatten, x - Unser Beisammensein in Eilansth hatten wir einem Zufall zu verdanken. Aus aller Herren Ländern waren wir hier zusammengewürfelt worden, einer dem zweiten unbekannt, und jeder sein,; Vergangenheit vör dem Genossen geheim haltend. Dies bewirkte, haß man sich^ gegenseitig fremd und mißtrauisch, verhielt, was mtürlich zu häufigen Reibungen führen mußte, i Ich hatte damals mein fünfundzioanzigstes Jahr zurückgelrgt, war kerngesund, ftrötzend von Kraft und jugendlichem Uebermnt, erfinderisch, gewandt und herrschsüchtig. Es.gelang mir immer, , wie keinem anderen, ungestraft Gerste für das mir anvertraute Vieh zu stehlen, aus des VrrwaltevS Tanbenschlog Tauben in unser Wohnzimmer zu locken, auch war ich fiink im Reitest, Schießen, und Mp es irgend einem der Aufseher eine» Schabernack zu spielen, war ich immer den andern voran, M einem Wortewo es mrr einen nmtwilligen Streich, ein; ausgelassene Schednerei auszuführen gab, wobei sich das junge Blut nach Herzenslust austoben konnte, 'halte ich stets als erster die Hand im Spiele. Meine Gefährten wa«n mir alle abhold; sie. konnten mich einfach nicht leiden, ich wußte selbst nicht warum. Vielleicht war daran mrine Otoanjomfett und mein herrisches Wesen schuld, aber wie dem auch sein möchte^ sie fürchteten sich vor mir und waren auch ab und zu tvährend der Arbeit auf meinen Beistand angewiesen, sö daß sie' .sich mich außen hin meiner wilden Abenteurrrlnst nicht.widersetzten» ja mir zum Scheine östrr an die Hand gingest. Und als in «Itter Wisttspnacht der Retzen oinsetzte und bis spät in den. Tag hinein fortdaurrte, hatte die Glocke pm ^Wst Morgen die Lenw niK zur Mheit gerustst, Irr den Ställen stand. ftt8 Vieh an die leeren Krippen! festgebnnden und wir alle blieben nach dem Frühstück Wj heim und fingen allmählich an, das so angenehme Lässig-! keitsgeffchl des süßest Nichtstuns in alle» Gliedern zu der-. In dem gemeinsamen Saale, wo langD Ner 'Mttdes zwei Reihen aus Brettern roh zufammengezimmerter, mit schmutzigem, w irr durcheinander geworfenem Bettzeug fi^j decktet Betttrn sich hinzogen, einen widrigen Geruch von. Schweiß,. Tran, Rauch und allerhand Unrat stlUsströmend^ herrschte die Dunkelheit des trüben Tages. Auf den Betten; lagen, ihrer MNM Länge nach hingestr^ckt, große Arbeiter»! gesellen in blauen Hosen und bunten Blusen, all» Bur-i schen mit langem Schopf, barfüßig und mit.zerzaustem! Haar, an dem Reste von Stroh und Federn klebten. Eimge -lagen auf dem Rücken und starrten mit unerschütterlichem! Gleichmut die.mit Spinngewebe über und über besäte. Zimmerdecke «ft; andere lagen am Bauch, musterten di«! . fettglanzende Diele und lachten in sich hinein. Än Leiden Enden Vds langen, wackeligen Tisches! hockten zivei Bursche, Landsleute von jenseits des Meeres.! Sie hatten ihr« Blusen-' abgelegt, saßen mit anfgeschürz-i len. Hemdärmeln unv schrieben auf schmutzigem, zerknitter-! tem Papier Briefe an ihre in der Ferne zurückgelassenen! Geliebten. ' Und draußen strömte der Regen unaufhörlich herab.s Bald ließ er für kurze Zett etwas nach, bald verstärkte er! sich von neuem, der Wind heulte zwischen den Felsenklüf-i ten, heulte und winselte und die Regentropftn schlugen! . laut, auf die Fensterscheiben, ails wären es Bogelschnabel. Alles zusammen erzeugte eine gedrückte, nervöse Stim-. mungein eigenartig, beklemmendes Gefühl, das di,s Herz! . schier bersten machte vor lauter Schmerz, über dessen Ursache man sich keine Wchenschast abzulegen vermochte. Hauptsächlich regten die zwei Briefschreiber auf, die, die Gesichter über das Papier gebeilgt, ruhig dasaßen und mit den Frdern knatternd langsam über dasselbe hinfichven» bedächtig» behutsam, Mit den schwieligen Hänven ängstlich jeden Duchstaben aöz'-^lnd. alle Augendiicke innehaltend, als ob sie lehnrigen Boden zu bestellen hotten. . Gortsetzung folgt.)- >