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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-21 · Heft 1388 (21.12.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1388 (21.12.1922)
Date
1922-12-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«cke 4 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeiinns« 21. Dezember 192Z Nr. ilSS »»Mi» mm MW»» I #-Wtzts | ■plaAi-fUl Wiener Pelz Warenmarkt Breitfeld &Undar, -WLl -itttn nm sln- ImMi lüiw Mnm Mn BILLIGER , II. KL SperBg asse 8U3J Kin detail Vel< hon 43nfln40 Sixport rechmmg -er RuhegemrtzbeMesiungsgnmdage in Betracht rownrcnden MivitäLsbozüg«; 2. Die übrigen Bundes-(Bmidesverkehr§-)An^ Dellien v. .Hundert der vovbezogenen GrmrdlaHe. Art. S. Alle mit dem Art. 1 in Widerspruch stehenden gesetzlichen oder sonstigen Bestmmmngen tveken außer Kraft. 4M Gesuche «nt freiwilligen Abba«. Aus Innsbruck wird berichtet: Eine förmliche Lböcmfucht herrscht im Bereich der Bundesbahndirektion Jnnsbrink. Bisher gelangten 400 Gesuche mu frei-- lotüigcit Abbau (teils durch Abfertigung, teils durch Ruhcstandesöersetzung) ein. Von den Gesuchen wurden bisher etwa!OO zu stimm end erledigt. ProleKdresammümg der Mische» Zniellek« tuede». Gegen die antijüdischen Plane an -er Universität. Heute um halb 8 Uhr abends, fti&et im Saal der .'»Scholle" (2. Brz., LNenbru-mrgasse 1) die bereits angeckündigte Dersarrmck-ung der jüdischen -Akademiker Wiens jtott. Alle jiLischrn Aerzte, Advokaten, Ingenieure und Professoren werden curfgefordert, an dieser Versa mmluirg teilzun-ehmen imd durch Ähr Erscheinen gegen die an den Hochschulen geplanten Attentate auf das JuÄenüun zu pro- *esLieven. Eine Kundgebung für die jüdische Studentenschaft. „Der Verein TiAvaih Jehrrda beehrt sich, denn jüdischen ' Bochschulansschuß Me folgende tbu-ndgebuug gerichtet: Der Verein Trkwath Jehuda beehrt sich, dem Mischen; Hochschulausschrrsie anläßlich der Mveren Kämpfe, welche die Mische Studentenschaft gögemvärtig um ihr Recht und chre Ehre führt, seine vollsten Sympathien zum 'Ausdruck zu -bringen und gleichzeitig die Hoffnung auszusprechen, daß die Juden aller Kuilüirländer irr gleicher -Weise sich an die Seite der schwer bedrängten jüdischen Studenten Wiens stellen werden. Gewiß sind selbst in der in Leiden so reichen jüdischen Geschichte die Fälle nicht so dicht gesät, wo — wie in dem gegenwärtigen — so offen und unvechüllt Recht und Moral gänzlich ausgeschaltet werden. Die jüdische Studentenschaft möge sich vor Augen halten, daß, im mit Hinw.'gsetzuug über frststehende Tatsachen Urteile fällt und mit Umgehung der ferufenen Faktoren und mit strupelloseu Eingriffen tat ihre Kompetenz sich om Rrchteramt anmaßt, toer Pauschal- Verdächtigungen in die Oess'vntlichkeir wirst, ohlte nur den Versuch zu machen, durch konkrete Emzelfälle tatsächlich gn belegen, selbst m ganz objektiver und unwiderleglicher ('Deist die Höhseines sittlichen Standpunkts vor fcn Kul- 'turwelt — und n-rir diese konnnt in Betracht — eindeutig varle-zt. Möge die jüdische StndentenschDft die Dokumente ihres gegenwärtigen Kampfes rtchig der Gefchich'e auvertrauen, /welche ja doch immer die Höchste und letzte R'churm bleibt, Vor der alle Tagesgötzen und alle Tagesmem'.ntgert iu 'Nichts zerfallen, und möge sie des Wortes ringconk bleiben, welches sich an den für alle Juden so verchrungswürdigen .Namen Leopold Zunz knüpft: „Der Gedanke ist mächtig, genug, um ohne Anmaßung und Unrecht zu siege«!'' tonJt witd sie auch -weiter ihre Kraft nur >n krtiturell.w und sittlicher Erhebung und Vertiefung zu betätigen suchen." Versammlung der jüdischen Techniker:. Ter Jüdisch-Akademische TechrrUerverbcmd vemnstai- 4x Sarnstag im Lokale der zionistischen Bezi'cksstüicu (8. Bez., Benno-Matz 1) eine Mitgliederversammlung. Tagesordrmng: „Stellungnahme zu den. aktuellen Hochschrrlfragen". Alle jüdischen Techniker werden aufgefordert, zu der präzise 2 Uhr nachmittags stattsindenden Versannnl«»igs im eigensten Interesse zu «rschemen. HarlaMentsfrrie». In einer kurzen Sitzung erledigte gestern der Na- Konatrai die Formalität der dritten Lesung des Bub-» getprovisoriums, derNovelle zum Zwangsanleihegesetz mW der Ergänzung des Steu^rbegünstigungsgefetzes für 1922. Di« drei Gesetze wurden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten auch in dritter Lesung zum Beschlusst erhoben. Der Natio« nalrat ging hierauf nach den üblichen Feiert-agswünschen des Präsidenten Dr. Weiskirchner in die Weihnachtsferien. Die nächste Sitzung findet erst im Jänner statte Der Bundesrat hat hierauf nachmittags alle in den letzten Sitzungen vorn Nationalrat angenommenen Beschlüsse genehmigt, mit Ausnahme des Vorarlberger Katechctengrsetzes und der Steuers re rheit ni r Weihnachtsremuneratiouen.. Das. erste Gesetz konnte wegen des Widerstandes der Sozialdemokraten nicht ans die Tagckdrdnung gestellt lverdrn; die Linke will nämlich durch die Verschleppung dieser Vorlage gegen die Bundesregierung demonstrieren, die gegen das burgenländische Schulaufsichtsgesetz Ein- Gr-tch erhoben hat. Degen die tzer W-.ÜHnachtsrenmnerationen erhob wieder der Finanzminister Bedenken, der den daraus entstehenden Emnahmenerttfall mit etwa sechs Milliarden Kronen bezifferte. Auch der BmÄBnrt wird erst im Jänner wieder zw» sammentreten. Rundschau. Migung b» der Meerrnsenftam. Lausanne, M. Dezember. (Schweiz. Dep.-Ag.) Di« heptige Sitzung der Merengerckonnmssion, die mit großer Spannung erwartet wurde, nahm einen überraschenden Verlauf. Jsrnet Pascha erklärte, daß die Türken mit den Alliierten in der Frage der Durchfahrt der Handelsschiffe im großen und ganzen zusammengeh««. Auf ewigen Forderungen müsien jedoch die Türken -bestehen. Die Türken wollen auf der Halbinsel Galtipoli eine Garnison unterhalten, deren Umfang durch di« Alliierten seftgesetzt werden könnte. Ferner fordern sie die- Abfchassting' der Otationsfchiffe und die Beschiünkung der Befngnisie der Meerengenkommission. Diese dürfe sich nicht in die Beigvcrltrmg der Leuchttürme, die Entmilltarisiemng ustv. einmischen, sonder« nur die Kontrolle über di« Ein- und Ausfahrt der KriegKschisse nbernchnten. Schließlich fordenc sie nochmals Autonomie für die Inseln Leinnos und Samochrak« tmb Me' Nichtzulassung der Griechen in -der MserenAenkom,misiion. Lord Cnrzon -stellte mit Genugtuung fest, daß die Türken die allgemeinen Richtlinien des Projektes der Alliierten anrichmen, da ihre Einwände mehr die Durchft'chr-ung als dos Pniqip' -criShre,,. Wqemeines WM«M i« Irland. Dublin, 20. Dezember. Molsi.). Nach einer Meldung des Reutericheu Bureaus wird das Wahlgesetz für den südirisch.-n Freistaat, das dem Parlamennach Weihnachten zngehen wird, allen Mönn-ern und weiblichen Personen im Alter von über 2t die tiV.iTpfr oc§ Fv istaates sind, das Wahlrecht ge-- loähreir.' Es wird das Sy-stsm der Verhältniswahl in Voy'chlag gebracht, ferner eine VolksaLstim-nrung vorgesehen, an dev jeder zur ParlamentSivah! Berechtigte bülnehnren darf. Der Dai-l Ei-reann wird aus IM Mt-gliede-rm bestehen, das sind 25 mehr als vn gegenwärtige» .Parlament. Ae NotwmdiMt de« Völkerbundes. London, 20. Dezember. (Wolfs.) Auf einer grsierr zur Förderung des internationalen Friedens und Wohlwollens hier abg«ßaltenen Zusannnenkunft erklärte der Vorsitzende Lord Grey, daß große Rüstungen Kriege nicht ver^ hindern, sondern sie veranlassen. Es sei wertvoll, daß der Völkerbund bestehe. : Ae aWeblichen W8«e Am-Ea». Paris, -0. Dezember. Rach einer Meldung aus Washington sei der amerikanische Plan ^ur Lösung des ReparaüonöproblemZ der folgcttbc: 1. Die Vereinigten Staaten würden Vertreter in eine Konnnission entsenden, deren An.fgabe es lväre, die Lebensverhältnisse in Deutschland zu nntsrsucheu und die Gestultsurunce der Reparationen festzustellen, wobei ans die Zahlungssähigkeit Deutschlands Rücksicht gniommerr werden soll. 2. Wenn die festgesetzte Siimr»ce von allen ellwpaischen Mächten gulgeheißeu lverde, würden die Vrreirrigten Staaten die Zusicherung gebeli, daß amerikanische Bankiers eine Auleihe zur Ämortisierung der deutschen Schuld begeben. .3. Llmerika würde sich bereit erklären, eine weniger strenge Volitik betreffend die Rückzuhkurg der Verbindlichkeiten tkx Alliierten W befolgen. Set* Iehuda geftorbeu. JerusaleUt-18. Dezember. (Lel. der „Wr. Morgenztg.") Der bekannte jüdische Gelehrte Elieser ben Zehn da ift gestorben. Der Verstorbene ist der Verfasser der berühmten hebräischen Philologischen Enzyklopädie „DhesanruS linguae hebraieae" und zählt zn den ersten Pionieren der Wiederbelebung der hebräischen Sprache in Erez Israel und im Galuth. Am Leichenbegängnis nahm ein offizieller Vertreter der Regierung teil. - Elieser ben Jehuda ist irr. den 6Oer Jahren n Rußland geboren und nahm in seiner Jugend bereits in der ' hebräischen Literatur einen hervorragenden Platz ein. Er : Mte %m\ Kreise Perez Smolenskis. In den 8Oer Jahren begab er sich nach Palästina, nm feiner j LeberrsiMjWbe, her Wi eder he leb u n g .h er hebräi» s ch.en S p * a ch e jit dienen. Er gehörte zu den ersten in PcäästiM, W.die' hebräische H mgawgsspra ch e br ihrer Fävrilie erugeführt haben. In PMftma lüar er als Lshver, Schriftsteller und Joerrnalist tätig. Unter anderem begründete er die erste hebräische Tageszeitung in Palästina. Sein Lcbenswerk bildete die Enzyklopädie der hebräii ffan Svraäre. <m Ler er Ni Zv^rze-nhen arbeiteto. Ägesbericht. FMMmMer des Mische» MmdendOitM. Am 17. Dezember beging das Israelitische Blindeninstitut <nrf der Hohen Warte die Feier seines 50jährigen Bestandes. Der Präsident des Krlvatoriluns Dr. Karl Taussig begrüßte den anweftMn Bundespräsidenteu Dr. Michael H a i n i s ch, die Vertreter der M i n i st e r i c n -und des Büvgevmeift-ers, den Präsidenten der Knltusgc meinde Dr. Pick mrd Oberrabbimr Dr. C h a j e s, die Vertreter der Blinden-, Taubstummen- und aller andererr Wohltätigkeitsanftailten, sowie die überaus zahlreich erschienenen Fefbzäste. Er ging in jchnen Arusführungen aus den Entwicklungsgang der MrstaLt ein, der ein glückliches Geschick stets hervorragender Kräfte zugeführt habe, so daß es möglich war, jenen Weltruf zu erlangen, den heute das Institut hat. Der Direktor der Anstalt Prof. Altmann wies in seiner Festrede auf die Bevdiensie des Schöpfers der Anstalt Ludwig August Frankl hin, dem der glückliche uavd erhabene Gedanke kam, sich der blinden jüdischen Jugend zu erinnern, welcher der Anstalt aber gleichzeitig bei ihrer Begründung gleichsam als Wiegengeschenk die loichtigste Institution des Blmdenwefens, den Blindenlehrer-Ko-ngreß, mit-gsgö-G habe. Der Rädn-er betoute dann die Berdien'ste der ersten beiden Direktoren der Anstalt, Leopold Oesterreicher und Josef Libanski, das Hervorragende Wirten d«s Lehrers Siegimmd Kraus und insbesondere die jahrzehntelange allbekannte Tätigkeit des Direktors Simon Heller. Die Schöpfung des Blindenlehrerkongresirs, die psychologische Grundlegung der Blindenpädagogik, die Einfi'chrung der Handfertigkeiten, die Ausgestaltung des Arbeitsprinzips und das erfolgreiche System der Fürsorge seien die Erfolge und die Ehre der Anstalt. Daß diese Anstalt bestehen soll und bestellen toird, rveil sie bestehen inuß, entspringe nicht bloß einem wohlverstandenen Forischvit'tsgefilhl, sondern der wahrhaftesten Forderung d"r Hmnanität. Direktor Altmann schloß seine Ausfi'chrnngen mit einem Dank/ den' die Zöglinge dnltch die Absingung des 113. Psalms (hl hebräischer Sprache) darbrachteu Nun ergriff der Bun-despräsiident das Wort, wies mrf den sozialen Wert der Anstalt hin, betonte feine Begiehungen zu. dem ihm befreundeten Dichter Ludwig August Frankl und wünschte Ver Anstalt ein weiteres glückliches Gedeihen. Einem Mannerchor von dem ehe- Alaiigeu Z.gling der Anstalt, Prof. Storch, folgte eine Ansprache des Oberrabbiners Dr. CHajes. In wunderbarster Meise nabm er das ,Hatl'twah"-MoM zur Grund lage seiner Aussührnugen, stellte die Hoffnung als jenen Lichtpunkt auf, der das Leben der umnachteten Kinder zu verschönern und einem glücklichen Ziele zuzuführen inrstande ist. Hieraaf sprachen Sektionschef Dr. Heinz vom Itilterrichtsarnt, Präsident Dr. Pick, DiEor B ü rkl e n, Obmann H o r v a t h, Prof. Her z, Dr. Jakob Eng e.I, Dr. K r e n b e r g e r, die Vertreter verschiedener Jnstisiv tionen, der Vorsteher des 19. Bezirkes Seleskow lisch nltd der erste Zögling der Anstalt Fabrikant S ch u rn a u «, dem der gegenwärtig jüngste Zögling Mil der Rezitütton eines von Direktor Altknann verfaßten Gedichtes folgte. Mit der Absingung der Lieder „Lerchenschlag" und „Hatiiwah", bei der alles sich von den - Plätzen erhob, schloß die erhebende Feier, deren Musikalische Leitung der ehenmlrge Zögling Prof. Herz, von dem auch der 113. Psalnr und der Chor.„Lerchenschlag" komponiert sind, innichatte. Am Nachmittag fand.die Chanukkah-Feier statt,, bei der die blinden Kinder nach dem Anzünden der Lichter einige Lieder und ein Märchenspiel zum Vortrag brachte. Eine reiche Beschenkung loste einen stllnbenkallgen Jubel der armen Unglücklichen aus. Nach dieser erwartete die Kinder eine mit dörnehinsLem Herzen von - Frau Stephanie Schlüße arrangierte Jause. Frau-Schnitzer, Frau lÄrtrude Hofoauer, Frau Ottilie Rosenthal, Frau Doktor Sidonie Kahrc, Frau Dub und Herr Regiemngsrat Taussig, di« sämtliche dem Kuratorium angehören, Fra-' S. Goldschläger, Frau Hedi Toch und Frau Frarcko Rittermann, die den ChanEah-'Tisch reich bedachten tvaren Zeugen der unendlichen Freude und teilten dies in ihrer feinsinnigen Art mit den Kindern. Mener Glmrinderat. Die Budgetdebatte. Gestern früh haben die ans vier Tage anberaurilten Beratungen -wh.r das Budget der Stadt Ws-m begonnen. Stadtrat Finanzreferent Breitner gab in einer mehr als zweistünmgen Reoe eine' übersichtliche Darstellung der Perwaltung i Wiens.. Erschreckend sind die Ziffern,- die da austnarschiereü. ' Man Möchte kaum gllmben, daß die Steuerschraube so. scharf angezogen werden könnte. Man . hat das Gefühl, nur ein wenig, mchc noch, Md das Weißbluten der PevöMünaist da. Hist, "schwacher Trost bleibt denn Leser des^' VoranWageS:' D rö Hälfte a ller A n'S gä ben des B ill to n e n bü dg et 8 ist Wohlsahrtszwecken und dem Schulwesen, > gewidmet. i Stadtrat Breitner führte «. a. folgendes aus: Da di«! ÄerrMende Krile m Stenern «der. Steuererllöbuumn auL*!

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