Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1313 (7.10.1922)
- Date
- 1922-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Das Sulcröihsest mit seine« Symbolen, der la«bge-> schmückten Hütte, des.Lulgw und des Esrog, ist in sei-- item innersten Wesen-die' frohe CrNtestier eines bodenverwurzelten Bauernvolkes. Es ist das Fest des Einsammelns, der Dankesausdruck für.das Gedeihen in Feld und Weingarten und die Bitte - um, erneuten Erntesegen. Nach einem Jahre mühevoller Arbeit auf seinem Boden pilgerte der jüdische Landmann nach Jerusalem,, ünd fröhlicher Festesjübel erfüllte die weiten Räume des. jüdischen Heiligtums- So ist keines unserer Feste in Form und Sinn derart erdgewachsen, derart erfüllt von dem Duft, her Heimaterde wie Sukkoth, und daß sich seine,'Feier ungeändert erhalten hat, trotz allen Veränderungen in der äußeren Lage unseres Volles,'ist der sprechendste Beweis für den ungebrochenen Lebenswillen des Judentums, das keinen Riß in seinen Traditionen dulden wollte und sich bei der Zeiten Ungunst in seinem geistigen Leben ein ewiges Kräftereservoir schuf. So sind wir das Volk geblieben, das, entwurzelt dev Heimaterde, losgerissen von der Mutter Natur,-in seinen Traditionen den Zusammenhang mit der Scholle pflegt, den Segen des Himmelsfür die Fluren erfleht, die längst fremde Hände bebauen, und Neumonde und Gezeiten treulich beobachtet. Am Sukkoth aber erlebte der Jude seine Bodenfestigkeit mit verdoppelten Sinnen, das Glück des eigenen Heims als Erfüllung-einer alten Verheißung. Die'Beobachtung der Vorschrift, m der Hütte zu sitzen und in ihr sein Mahl einzunehmen, ist eindringliche Zstahnüng, sich des Glückes-der der feit zn 'gedettken, ‘dcr der Jude^si^WMWM^MW^' im Lande Mizrairn". So hob sich freie Gegenwart um so Heller üb' vom: Hintergrund einer düttMifVergangenheit, 'die'-niemals' in?Bergessenheit geraten dürste, weil Freiheit und die nur durch, sie mögliche Eigenesttwicklung als oberstes Gesetz über allem jüdischest Tun stand, als eines, das Vorbedingung und Grundlage bildete für alle Ausstrahlungen des schaffenden jüdischen Geistes. Lulaw und Esrog sowie die mit den herbstlichen Gaben gezierte Hütte begleitete als teures Vermächtnis unser rVolk in die Not der Zerstreuung. Anders als auf 'heimatlichem Boden war die Umgebüng^geworden, in, der Sukkoth, gefeiert wurde, aber sein .Brauch selbst blieb unverändert, und in den acht Tagest des Festes träumte der, Jude wachen Sinnes dem ältest . unsterb- ' lichen Heimatstraum. Wieder wölbte sich über ihm die schwanke Hütte der Verbannung, wieder war sein Fuß ' unstet geworden,, wie damals, als er durch die, Wüste zog,, in den kurzen Tagen des Festes aber wqr Galüth u nd Galuthnot'vergessenein Freier saß' in seinen eigenen Gemarken und rüstete sich zu einem neuen Jahre der Arbeit auf der. nährenden Scholle. .' , Die frohen Pilgerfahrten nach Jerusalem, welche den Höhepunkt des nationalen Lebens bedeuteten, leben nur mehr in der historischen Erinnerung, unseres Volkes. Aber Erez Israel, das Lano ewiger Sehnsucht und Verheißung,' will' wieder frstchthatejüdische Nknttererde werden. Wieder beginnen Spaten und Pflug ihre friedliche Arbeit auf dem Bodelt, der ffv Ästge auf die jüdischen Hände gewartet hat, wieder wist sich die Hütte wölben über einem neuen tatbereiten und lebensfrohen Geschlecht, das . seine BödenstäMrgkeit ' nicht lediglich als achttägiges Symbol, sondern i als greifbare Wirklichkeit erleben will. Heimatsehnsücht pocht an die Tore von Erez Israel, ünd ihre.Jüngsten > Pioniere tragen, mit stärken'Händen die Steine WHst Gefilden, die ihrem Volke das Glück neuer 'ErMn-sHnkeir'' sollen. Viel'zir.langsam.freilich für die 'Urigeduld unserer' Besten'erfolgtder Prozeß der. WiedetveKvürzelung in der heimatlichen-Erde. ' ", Im Zeichen, des neuenErez.MMk-'-stieivt'Mftst Polk heute' sein SuUoth.-.Wir Wäst''ersten schweren Weg hinter uns, lind manches Hindernisdas - groß' genugschien, um auch dem ZuverfiWicWn^^geMicha Zweifel am Gelingen ^inzustö^n,'J--ist-'!MchG'ütchem'.' Nunmehr gilt es,- die entscheidende -Tat^zu tun: durch nationale Anstrengung, durch, friedliche,^, gber unermüdliche, opferbereite Arbeit Palästina zum" MiMn Lande zu machen. Die große Politik hat filrs erste das ihrige getan, die UebeMndung der noch bestehenden Hindernisse, die' entscheidende-Tat selbst istjüdische^ Aufgabe. Es ist ein Werk, ^dessen Schwere und Größe' uns: mememo abnehmen -'kann,- dessen Gelingen Von unserer Entschlossenheit ÄshänM Wenn - unser Volk'! serneri Pflicht gewachsen-.ist, dann - lürfen wir hoffen, daß sich noch in missen Tagen--lie -des-Friedens breitet über amfex. Volk/ uüü -Äer Jerusalem»..-- ZchMMeiA ln “ ' . Kurze U«terbrechn»g der Derhandlnuge«. - Aus Mudania waren-VorgesstM>söwohl in Paris als auch in London.Nachrichten - emgetrüffen, -die -auf den Optimismus' der diplomatiMü'und'pvlinschen Kreise,sehr deprimierende WirkENg ausübten. Welche - Wendung in Mudania erfolgt ist, wo beveits - vollste Einigkeit erzielt worden fein soll, ist -stdch-nicht bekannt. Die . Nachrichten, die in später .Nachtstmtde m. London -eingetroffen sind,' müssen von außergewöhnlicher Wichtigkeit gewesen sein, da Llovd George sofort einen MnPevvat einberitt, der bis in dle späten Nachtstunden dauerte. UeKr den Ausgang ditter Mimsterbespvechnng üt .stoch nichts bekannt, fesytchi bloß, daß sich ein starker Pesslnrismus bemerkbar macht. Die Nachrichtenau§ Klolnasten besagen, daß im Raume der ncufrolen Zone in Kandra am Schwarzen Meer türkische Kavallerie aufgetauchtsei,? woraus geschlossen wird, daß Kemal PMa me Aosicht habe, nach Konstantinopel, zu marschieren. Man ist.deshalb in London sehr beunruhigt, und es wird erttart. daß mün e8 den Türken keinesfalls e.rlauben lverde, vor Abschluß oer Fried rnskonserenz aus die europäische Seite üverzutretrn; Die Kriegsgefahr erscheine keimswögs als besestigt. Eine pesfimistische englische Eeklqrmrz. — Die L«ge sehr^ernft. Londgn, K.-Dktvber. Das Reutersche Bureau meldet, daß nach amtlicher Mjtteilung die Lage <cks sehr ernst angesehen. wird. Gm dollsttzndiger Stillstchch ist eingetreteu. Die britische Regierung 'spann tf e d o ch j e d en Nervan für die Aufrechterhastung des Fviodeus und für die Erhaltung einer> vollen AchersiHHMung mit den Alliierten. Keinerlei newe -Jnstrükttonen Hd' aus London '^bges^ntzet-worden.-- hin- MgewäÄÜ'' wich 'amtlich'WM MHWM,-:' daß die TiM^-Whr Äs ihnen si^n versprochen wovdsn ist, und AmchzjrW keine der erforderliche« Bürgschaften g^bchr wollen» .. -: * London, 6. Ökstcher. DaS>Rewevsche Bureau erfährt von gut unterrichteter Sttte, daßfolgendes die Erklärung der plötzlichen Aendevung der, Lage im «ahen Osten ist: Anschomend gingen die Bechandlungen in Mudania bis gestern gut von statte«, obgleich die Türken soviel tvie irgend möglich zu erhalten strebten. Gestern jedoch wurden sie sehr aufpruchSvoll in der Frage Ostthraziens -und verlangten die. sofortige Besetzung, sie wollten jckoch kemetlei Bürgschaft und Sicherheit für die Minderheiten geben. DieS . fühxch zu dem Aufwerfen von Politischen Fragen. Die Mudania-Konfevenz ist jedoch nicht befugt, diese zu verhandeln. Jnfölgedesien kchrten die drei Genevale der Alliierten nach-.Konstzansimchel zurück, um-die ÄnKlogenheit döst Oberkommistärest ifal «irüerbreiten^ Der british DberLmmMär hat jetzt M letzten türkischen Forderungen nach London übermittÄt, um Weisungen zu erhalten. . Fortsehung der Ko«ferenz. - (Havas.) Die Konfereng, die gestern unterbrochen wurde, wird-h eut« fortgsetzt. - Curzon bei Poine^rs. - London, 6. Oktober. (Reuters Der- Kobimttsrat - hat heute die Erörterung der Or.<.rF« ge fortgesetzt. Pevschie« dene amtliche Pesönlichkeiien erklären, daß die Lage sehr schwierig' und ernst sei- Lord E-N .r z o n reist -rbm- 2 Uhr nachmittags nach Paris, um mit ^dem Ministerpräsidenten Po in rare zu konftrieren. ' . Kemal will Rntztaud einlabs«. - London, 6. Oktober. (Wolff.) - Der Sümtsfekretar des Auswärtigen hat heute folgernden Auszug 'aus der- Antwort her Augora-Re-gievung vom-4. Oktoiber..aus die..Ei-nlgdipng der Allnerteu erhalten: Die Zusammenstmsi von Mudan ia wird unseren Standptmkt bezüglich dernMtävifchen Lage prüfen und ihre Entscheidung wird' in allen Purckten ausglefuhrt werden.- Was die FriMnsverhaMuyger? betrifft, so. sind wir bereit, Vertreter zn.entsenden, ipn einen Vertrag zwischen der. Türkei und Griechenland sowie den* MAerten z»r erörterif und abzuschließen. Da die Mrierten die Möglichkeit zulasstn, daß diese-Kon- > fevenz auch anderswo als in Penedig Latt findet möchten wir vorschwgen, daß diese KotHreug^ am 20. . Oktober' ist - S m y'r n a zusaumwntrrtt. Da die einzigwichtige Frage hie k ü nf t rge. K o n t pw ll h e r M e e.r e «g e n .H, können wir nicht unterlassen, unsere^^NWrvaschUW^dariHer ausKffPrechett, - daß Rußland, die Uck r-a i.« e' uy d- ,G e? Wir. danken deü Allierten dafur, daß sie Mer R e ch t a-«f ■■£ äzi-e.«'ayeHmyt^ha^M' Wir -werden zu gegebeiwr ZeÄ unseveu Stclilchpuickt Vezüglich unserer Zulassu-pg zum VölkevbuM bekannt geben.-- Wir sind glücklich, die er» nente Versicherung betreffend die.' R. ä u m u n -g K. o n st a ntinopels durch die allierten Truppen-zur Kenntnis nehmen zu können. : Die russische SchWairze Meev-Mstt:. London, 6. Oktober. (Tel. d. „Wr. Morgenz-eitung"-) Die „Times" berichte« ans Moskau, daß die S o w. j e tregierung beschloffest habe, die Schwarze Meer-Flotte zu moMisieren und den Matrosen keinen Urlaub mehr' su gewähren. : ■ '; Ao«ze«1rrer»ng der Kevtaliste» bei.Tschau London,.. 6. Oktober.. <WoW Der Sonderberichterstatter des „Daily MryMe" meldet aus Tschchmk, daß die Zusammenzichung her ikomalfftischen Truppen fortdauere. uBdaß die bnüschen Truppen sich bis fetzt in WMrg mit JnfrnteneabLeiluWen ' der Kweiten Aruvee Kenlals befinden. .. Der Schandfleck des Völkerbundes. - ^r. V j e n. 7. 0kwbi»v t An vorgestern m Wien abgehaltenen internationalen Beratung ' der' Transportärbeiter - konüten die ungarischen Eisenbahner nicht teilnehmew Sie konnten und dursten nicht nach Wien; kommen, weil die ungarische' Regierung durch die Erfghrung, die sie zur Zeit des Interparlamentarischen Kongresses - in - Me« machen mußte, zur Vorsicht - gemahnt - war- und' dew Gseubähuern nicht die, Gelegenheit bietLN wollte, vod einem.internationalen Ärbeiterfoxum ihr gequältes ^erz auszüschutten und in die Welt hinauszurusen,.düß^ dre ungaxische Regierung sich unter - anherem auch durch, die pexfche. Lüge. den Eintritt en den Völkerhund erschlichen -Hat, daß' die Mchte der' Arbeiter in Ungarn - WOWl Pschutzt.seien - uich W sie^W verpflichte,.diese? jstW'rchMe^aWMmL.Den 'Ungarischen Jüden.'gehp i es.noch.schlimmer, als ^den. Arbeitern. Sfe hahen keine , '.Vertretung im Parlament; ihre Führer sind teils dürch GeWste mit den RegWnären, Wils durch Ernschüchte-' rung mttndtot gemacht.' Gs ist'daher W Pflicht der jüdischen-Preffe MßerhM^ UWaW-Mmer-^^v^^ fest-! Mstellen. daß: die nügärische' PÄiÄ-anf Lüge Und Pev- Me MfgebautM-daß^^ chre Vertreter in Genf bewußt gelten.-haben- ^^-M-'.sie'^errlLite'n^' daß der NumWs clausus nicht, gegen die" Juden vorichtet -sei und haß' die- Regierung: gleich nach der' Aiifnahiue' Ungarns inden-!. Völkerbund,cat den .Abbau dp« . Numerus, klauiüL überhaupt schreiten werd^ ^-' Wenige Tage sind seit jener feierlichen Erklärungdes ungarischen Ministers des > Aeußern Mnffy .verstrichen,-und in^ Budapest uttd in allen grotzen StädtL« ruht der Unterricht an den Hochschulen, weil die Urriversitäten voy.„Erwachenden Magyaren" und von< den -übrigen mit GunlMistöcken und sonstigen Waffett versehenen, sogenannten Kamercchschasten Llockierp sind, / - Die Forderung dieser sogenannten rassenmagyari^ . scheu. Elemente besteht/einfach -darin, .daß. die Juden , aus den; Hochschulen,-überhaucht verdrängt^ to^xbeu. ünd i der Mmerus ^claüsM stiM^nur-- ausDie"Hochschulen,! sondern auch aus die.iM- Ausländ erwörbener^^ - zu et^treckm sei. HäÜe MrffH -in -Genfs^ vor dem' Völkerbundrat als auch m de« Ausschüssen wahr ge-! sprWen,'.als er..versz^te,^M'Kegierung-M Herr,8er - SiAatipn im, Lande!-.E'.W^'4Mn^BersnK'zur? Ver-; breituntzvon' PWoMstimmuMn. mit^ allen Piitteln MelWchn, so hWnM MDDulen bonFei: MyckHe ' hyheert' urid die Von Gömbos upd.KönsortiuM atlfge- > hetzte^Jugend. an.das iM-'Namen des ungarischen Bol- ' kes in 'Genf abgegebene Versprechen gemahnt werden müflen. Statt deff^w hat der Untevrichtslnimsier Mraf Kuno Klebelsberg sofort die. Segel vor den "sieghaften - Erwachenden Magharen gestrichen und die bindende : Erklärung abgegebMan 'dem Nümerus elaüsuZ für die Hochschulen nicht -zuMttelN, 'hMegen schon ist näher .Zukunft eine Gesetzesv'örläge-über den Nunwrus clau- ' sus det im' Auslände, ^öÄMst'>Hochschuld-ipsoche."inder NittionalveMmmluNa-'-