Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1281 (24.8.1922)
- Date
- 1922-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KtuiiHnnerSS50 : inm Abnolen in der JCrp edition,!!.,Tabor str. 1-3, oder in einerVerschleisitelle (Trafik) monatl. K 16.000 Mit Postvaraahd für Wienü. Oesterr. monatl. K 16.000 Tseb e c hf o-'S Iowa kei: Mbn. K,20. Ungarn: Mo». , IC 150. Jujjo$lawien: Mo». Dinar 25. Polen: Mo». :Mk. 14Ö0. D euj;Ich!and? Mon. Mark 150. Frank* .reich: Monatlich Pres. 6 - WW" N 0 l» L »tz I u » f e « EMH b«t Prei«erh8fcunj^!». Vorbehalten lener fschecnö-bflowakoii tscfoech. K 1.28 Italien: Monatl.: 6. Lir« - Rumänien: Mo». >48. LoT Schweiz und das .übrige 1 Ausland monatlich Flrcs. 3. l Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—fl Telephone: 44-0-38,43-3-13, ab 6 Uhr abends 16-301. Te!«-Adr,; .Morgenzeitnng“ 'Wien Oesterreichiaches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Slr. 1281 / ^rtagast iW > 4. Zahrgaas Die Reise« des Kanzler». P. W i e », 24. Ausuib . Ein Anschluß wird gesuchte - Da die' politischen Äskachtverhältniffe Europas . hie Bereinigung Oesterreichs mit Deutschland ausschließen, seine aufs höchste ge- -stiegene wirtschaftliche und finanzielle Notaber nach einem Ausweg drängt, so läßt'nun der- Bundeskanzler den Anschlußwägen' dreispännig fahren. Der Sinn der Reisen.Dr. Seipels nach Präg, Berlin und Italien rst der, daß der Versuch gemacht wird, wenn es nun mit der deutschen Ideologie nicht geht, Anlehnung an ein größeres' Mrtschastsgebilde zu finden, das den materiellen Bedürfnissender Republik Oesterreich entsprechen könnte. Dem alten Ideal wird die Reverenz erwiesen, indem bife Spitzen der, Regierung einen Besuch in Berlin abstatten —- es wird.dort gewissermaßen, um die Absolution von feierlich> ausgesprochenen Gelübden ange-! sucht, woraiü ditz^ nüchterne Alltagsprosa zu ihrem Rechte kommen soll, die Realpolitik, die in den Dienst der Wirtschaft gestellt wird. Denn mögey die offiziösen Komrnenlare in noch so mysteriösen, und vielleicht auch hochtrabenden Worten ' von politischer Reuorientierung /und Auftostung mitteleuropäischer 'Ftagen sprechen, das Ziel ist nicht Politik, - .sondern 'Wirtschaft; Mit seinen eigenen Kräften kommt' Oesterreich mcht auf den ersehnten Ruhepunkt; es ist ihm trotz aller Anstrengungen nickst gelungen, sich zu einem 'Wirtschaftsgebilde zu, gestalten, das sich selbst - genügen.. ,würde,, und mehr denn je drängen seiüe Äfttschastlichen Kräfte an die Peripherie. Da jährhundertKalte Verbin«-' düngen mit dem Norden bestanden haben; soistes nur natürlich, daß zunächst ein .Anschluß an- 'die Tschecho-; Slowakei gesucht wirft. Beide MrtsMfWeb'ßkte/L.rMst- - zen stch''auch cheuttz Joch wie einst ZftsqftnnM : brüch, Oesterreich. ift der. größtei. ffür diL>. tschecho-swwäkischenMrodufte^ . dieTschWoWlowakeivift^ die Beherrscherin7 jener RohstoftgeWte;-vyn denen -es ahMchnstten ist, und sein pornehmftchster Lieferant,-so 1 daß beide Staaten aufeinander angewiesen sind. Vorläufig allerdings ist die Ntuatwn die, daß für Oesterreich' die Verbindung mit der Tschecho-Slowakei dringender ist als.umgekehrt. Für die Tschecho-Slowakei - kamen, dabei .anscheinendmehr politische.' als Wirtschaft- . liche Vorteile heraus^ .aber politische -Vorteile setzen sich rmr zu oft in wirtschaftliche -itnj; Es fragt sich nun, ob ein Anschluß an die > Tschecho-Slowakei, der im Wesen; mit einem solchen an die kleine Enftnte .identisch wäre, politisch möglich ist. Das zu erkunden, Par offenbar der Zweck des Besuches-, des Bundeskanzlers-'in Prag. Für eine solche Verbindung müßten vmerst gewisse Voraus- - setzungeu geschaffen werden, die im Wesen auf emeSta-? bilisierung der österreichischen Krone hinausliefen, wobei; als Mittel die Garantie eines^Staatskredites durch , die Tschecho-Slowakei, bezw. die kleicke'Entente, in.Betracht kommt. Dhne.'staNe'.Äöechselkurse'ist eine wirtschaftliche Kooperation zweier Staaten unmöglich, stabile Wechstt-! -knrse können dann zueiner valütärischen Gemeinschaft hinüberleiten, die die Voraussetzung einer' Zollgemein- ' schäst bilden.'Sowohldie Tschecho-Slckwakei wie Jugoslawien, "Las .'Mite.'- Mitglied.'dex-MnÄr-Entente, betreiben eine emrgische- DeslalihNspolitikf' beideJ haben«, mit dem Notendruck ausgehört Jutzoflawien etwa seit acht Monaten —, für sie wäre nun der Uebergang zu einer Valuta- und Zollgemeinschaft mit. keinen sonderlichen Schwierigkeiten verbunden; wolltensie Oesterreich in ihren Bund a-usnehttrtt, so müßtensie ihm jene Kredit-; Hilfe gewähren, die ihm von der großen Entente versagt wurde und die ausschließlich in den Dienst der >Paluta- . sapierung gestellt werden müßte. ' / ' Nimmt man an, daß die kleine Entente aus solch weitgreifende.' Pläne einer Wirtschastsgemeinschäft mit 1 Oesterreich Mzügehen geneigt wäre, so wird sie, sobald sie die Rückwirkungen des Anschlusses Oesterreichs auf; il ihre eigene Volkswirtschaft überblickt hat, die mög- . lichem Schäden' um W.größeres VorteW willen in Kauf - -nehmest.'- In! der Tschecho-Slowakei ist nun vor allem zn^berücksWigen; >daß die Steigerung der Valuta bisher sticht mit einehr Abbau s der . Produktionskosten -Schritt 'hiM;';''-eM^Ustschlüß'.vO0sterbelHs. würde' daher -jene KräMin.'Mr Dfchrcho-iSlöwÄEverstark^l/ldieauf! einen solchen Ausgleich hinstrebett; denn auf einMal sähe ' sich. die Industrie^ Mm,' Wirtschastsgebisdege^nübch-, wo qualitativ' .gleiche' Arbeitsleistungen M viel Iniedrs- > .geren 'Löhnen;vollbtücht^werden.'''."'Dadurchaber, daß? -durch den-Anschluß 'GswrteiM..der.>TsHecho-Slowakei cjn 'dauernderund zahlungsfähiges Abnehmer gesichert wäre, würde einerseiH.-die dortige'Istdüstriekrise viel von Schärfe iverlieren,. andererstMwLchen - oie Ergeh-' niste der dortigen palutarijchen MnieruM M M M ■ Freitag i» Ber»«a. - DepUrr, 23. August Der itulieuischeMinister des Aeustern Sch auzer hat im Wege dee italienische» BotschastiuBerlinde« BanbrstanzserDr. S e i v e l ein geladen, mit ihm in Der »«»Kr e i t ag dr« 1 25. d. zasaMmenznDffsa Bundeskanzler Dr. Seipel n»d Fi»akzmr»rster Srgar rerse« infolge dieser Emladung he«te vo« B erlin d ir ekt » ach 'Der«««, sodaß dieRÜckkehr «ckchWienvorausfichtlich erst Sonntag erfolgen wird. Wie daß« dieamtliche Nachrichteuftelle erfährt, hatder österreichische Gsfandtebeim Qnirinal Dr. Kmi at Ko « s Ki die Weisnng erhalte«, den Bundeskanzler Br. Seipel I» Dadona zn erwarte«. /.'■'•jcr totfudi iß Berli« Berlin, 23. August. Der Besuch des öperreichrschen B-andeskanzlers Dr. Seipel und des ihn begleitenden Fiyanzministers Segur bei der Reichsregierung in Berlin hat heute abends, mit der stbreise der österreichischen Herten nach Wien, seine» Abschluß gefunden. Den Hsprechuutzen wohiüeü apch die Finanz m i n-i st er der h^den Und«: und det Mstche^ Reichs MM sch ä s t 8 m i n i st e r bei. Der österreichische KaMer e^> örterte aussühtlich.die Läge,, wie sie Hch vom p Eststä sche.n, «fld Wsr^söhäHlftHen' /Standpüukte aus für Oesterreich nachdemÄu^angderLondoner Kon° -Mn-? /MüuWlW'jpW Oesterreich dort ■ bMHMrbNnd'/ .mft,.Ärw^MWW^Mtwrheü.'ivkrde,. Väststchär eine Pttfchl Wirkungen nicht nut Hr.^VästitHzch,' sondern auch für M^tsthropa sein Mßt«^' '.)Die., Besprechungen ttgähen .v0llkommene iü stick m un.g darüber, dach - Oesterreich bis zur Erledigung der Kreditsräg'e trachten müsse, durch Wirt- HastMe Maßnahme«, btt.desteu^ es uatstrgemSß auf ^di« Werstützung -seiner Iftchbarn ängewiesest sei, in der Zwischenzeit Äber. die gegenwärtigen Schwierigkeiten hinwegzukommlftts. Im rftischlusse hieran wurdeneftte Reihe von Einzetsragen erörtert/ Wobei!aKf deuisDer Seite freundliche .Bereitwilligkeit hervörtrat,' im Rahmen des eigenen WyUGs wo irgend möglich 'Hilft zu - leisten. Weitere Berhandlungen über die ßch Hierhei ergebenden konkrete« Ausgaben schließen sich an die Berliner Besprechungen an. Der BuqdesMaMe Mer ^VrlrAtrerM^ Berlin,, 23, August. HVoHWW Mm Empfang her; Prrsftvertreter ' in b'ct WtteMsHn Gesandtschaft hielt .BundMkanzler. Dt^-' ^KelpÄ,.^n^.,Wpmche,. worin tt'zn^ . nächst. bemerke,. daß er sich' freuej per. erste, österreichische BurMskanzlek zu sein, .der hach. Berlin ^omme. Die Reise hyde 'jedoch sticht-allein Berlin zuim Ziel/ vorher hübe her Be such, in P vag. ftattgefundeni: tzsch stöch^ heuteerfolge di e .Wellerfahrt stach Italien, wo in Vttonä eine ZusaMmen- Mnft mit deist. Minister des AstSPartWen.' Schanzer '.Mttsürde. .Unsere' MM, .so 'sührft^ ^e^/BürcheSkstn-ler Miftr äus^Hlt in Ast ga r st estre gewftse E r r e.g u n g hervörsterusen .Md. soll sogar zu. eistem.P.ro te st in Paris Anläße Mehen haben,. .als i ob ww.denHisttritt .ist die Äesne Entente 'vollzogest hatten. Der. Protest würde erber keinen Gegeststand findön. Unsere ReiftstfttÜberhaupt nur der Ä rs e stt i e r u.n g. Ich brchrche jä aher auch nicht zu sagen, daß der A n s chl u ß a n d i e kl ein e E n Leute nicht in der. Linie unser er P o.l itik l ie gt. Daß - unsere Reise uns zunächst nach Prag geführt hat und voir Berlin, nach Italien führenwird, erklärt Pch daraus, daß wir.in unserer Notlage das Bedürstüs hab^n mußten, uns .über die Stimu-nlng bei mvsereu wichtigsten-Nachbarn Aufklärung zu verschaffen, , also auch,in der Tschecho-Slowakei, .die-ja die ^Führung der kleinen Entente hat, und ebenso in .Italien als der einzigen Ententegroßmacht, - die. nmnittylbar an unsere Grenze Hie ErgebrrW verMrsZer' NLsse.; / j: /. . ' ^Eine politische und wirtschaftliche Aktion. , . P'rag^. '23/ licht von tschechischst^ dem Ministttprasidenten BÄl e s ch nahesteheüder Seite ffolgMdd Ditteisung zum Besuche des .Bundeskanzlers Dr. SejpA. Dr. Benes ch hat die P'ertretung. der Int<ressen Oesterreichs Vor demJBölkerbunde übernommen, dem er auch selbst eisten Plan zur .© an i et ung Mitt e le u r op as un d Oester * . reichs vorlegen wird. : , Als wichtigste Frage erscheint Dr. Beyesch im Äugest .blicke die der - gefährdeten ö st e r r e ich i s ch e n I n d u - .st p j e. In dieser Hinsicht wird.bereits jetzt eine Hilfeleistung erwogen. Man denkt in erster Linie an die Lieferung von Kohle und anderen Rohstoffen, damit die Arbeit der österttichischen Industrie Weitcrgehen könne und damit die Arbeiterschaft, Sie sich bis jrtzt sehr .diszipliniert gezeigt hat, nicht arbeits« und brotlos werde. Es wird sich nicht um eine Aktion von Staat zu Staat, 'sondern Um eine Pr ist ai!« Aktion unter staar- N ch er F L h r ung Handelns Die tschechische Industrie und der Handel werdest Kohle und, andere Rohstoffe, vielleicht auch Z stche r,. gegen Bezahlung in gewissen Jn-- dn^rieartikeln und anderen Rohstoffen liefern. ' Was nun '' ' die Böl kerb st nds att i on -anbelangt, so glaubt man keineswegs an ein P 0 l i t i s ch e 8 oder wirtschaftliches Aufgehen Oesterreichs in einem Nachbarstaate. Im Gegenteil .sowohl die TschechoMowakei als auch Italien seien unbedingt gegen die. Teilung Oesterreichs, dessen Unabhängigkeit beide Staaten als einest der Eckpfeiler der O r d n u n g MitteleuroPas betrachten. Aus dieser Feststellung ergibt sich, daß alle Mitteilungen über eine Angliedernng .Oesterreichs an. Jtqlien / unrichtig sind. Man glaubt in diesen Kreisen, daß die wirtschaftliche Angliederung Oesterreichs an Mitteleuropa, also an.die Tschecho-Slo- Vasis',geftM.'mw wegen.der^^'größeren'Anpaffung der gesunden wixtschästlichen Vörhättstiffe an den hohen Stastd ider Bälüta.die Gefahr-eines Rückschlages beseitigt weedeft köntttzn. : Hüv Oefterxeich -bestürW-HWsiverstäMich der 'Haüprnutzen Ver^^ Verbindung mit beti und derrkleinen Entente, daß ihnv jene Rohstoffquellen -zur-Mttsümlng' stünden^ die ihm durch die Zerreißung de.s alten Reiches entzsgen -worden ' Wenn -nun Dr, Seipel aus seiner AnMußsüche vuch eine BerVindststg mit Italien ins' Auge faßt ' undtrotzdem zunächst Fühlung mit der Tschecho-Slowakei 'Nahm, so - hat dies seinen Gr,md darin,' daß der Anschlüßkän die kleine En- .tLnte^.wrrtschastlich 'äwcckllrPgerü wstre,. zumal -sich -die Ää MM beftandem MxLckattßgemPMgtt Laufe der Geschichte vollkommen bewährt hat. Wirt- Wstlich wäre der Anschluß an Italien weniger günstig; Itälien ist selbst rohstoffarm und würde, durch den Anschluß Oesterreichs Rohstoffquellen, Holz und Erz, Polittsch durch die gemeinsame Grenze mit Deutschland gewinnen. Für Oesterreich käme aber der große Vorteil in Betracht, den ihm der direkte Anschluß an das Mittel- -meer durch die -itäliestischen Häfen bieten würde, und es würde - sich zu jenem Händelsstaate entfalten können, Worin viele das Heil erblicken^ Welcher Erfolg innner den Bemü-hstngen'Dr.- Seipels^ltz»schkedensein Mag, sie 'dürfen als b'-'d^fts-imer'Versuch,- Politik ans-Mics'.fich im Dienste'.»tz'i-jtiicher Zwecke zu betreiben, gewertet werden..