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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-18 · Heft 1275 (18.8.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1275 (18.8.1922)
Date
1922-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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' " V.. ’ IliielHummerR250 Wien: Zum Ah holen in der ^Expedition, ll..Taborstn 1-3, oder in eine^Ver^chleiMtelle .(Trafik) monatlich K 7000 Mit Postvergand für Wien u. Oesterreich monatl. 7000 Ts c h e e h o-S 1 owa kei: Mon. IC 20. Ungarn: Mon, K150. Jugoslawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. ' F r a n kJ. reich z Monatlich Pres. 6 NaebeaWungen. Preiserhöhungen : Vorbehalten bei Nr. 1275 Wie«, Frettas, 18. A«g«ft 1922 Tsehec9o0«$loaraii«l i tschQth« K 1.20 .! i e n : ..Monatl. 6v Lu»' u m ä n.i e n: Mon. 48. Lai S c h W e i z; und das ibrif« .».üsland monatlich Fräs. 3« Redaktion u. Administration Wien, II.,TaborstrasB* 1—-3 Telepliöde: *44-1^36,48-8-if,' ab 6 Uhr abends' 16-301. TeL-Ädr.:’.Morgcnxeitung‘ i Wien Oe^terreichisches PoatSpai1*: kassen-Konto Nr. 150.693 4. Jahrgang Das Zentrum Eaxvpas. . -7- W i e n. '18. August. Die englische und französische Presse bespricht die -Entscheidung: der Londoner Konferenz über Oesterreich in auffallend scharfem Ton. Alle Blätter unterstreichen die europäische Bedeutung der Donaurepublik, deren ^Lebensfähigkeit dmch seine' Isolierung'- untergraben werde. ^Journal des Debats" verlangt > die Freigabe der unausgeschLpsten Reichtümer' zugunsten der Staats- Wirtschaft, der ^Oeuvre" hebt. die 'Ärenschliche Seite der^ Angelegenheit Hervor. Oesterreich büße grausam für* die Fehler der habsburgischen Monarchie und verlange jetzt Brot, und Kohle. Am bedeutsamsten äußert sich „Westminster Gazette", das liberale, englische Or-, gan, bas ausführt' zum Wohle Europas wäre es not-' wendig, neuerlich die frühere' Einheit eines wirtschaftlichen Blocks,.dessen Mittelpunkt 'Oesterreich: gewesen sei,', anzuerkennen/ die Zollschranken, die seit'Friedensschluß errichtet wurden, Dollständig aufzuheben und so Oester^ - reich den ihm znkommenden Platz, in der kqumrerziellen Struktur Europas zu sichern/' " / Jede Hillfsmaßnahme für. Oesterreich, die für die weitere Zukunft des- Staates getroffen witd, muß von diesem Gesichtspunkt ausgehen. . Die Aufteilung . der allen Monarchie, die ohne leden- Uebörgang und ohne Milderung. von, den Siegernnichteü, vorgenommen' wurde, hat sich an Oesterreich,, nicht minder aber auch. an den anderen Nachfolgestaaten gerächt, deren, inneres polrtischtzs und wirtschaftliches Lehen.nicht zür Konsolidierung 'gelängen ' kann. Die Monarchie. ’ konnte nicht Mehr weiter leben.. Ihr Zusammenbruch,-ware^ auch, ohne das 'Hinzrllün.Per. Entente als. notwendige Folge' i>e§ Krieges eingetreten, indem der. grvße^taät die' Wirtschaftliche Kraft' der in. ihm ZusamMenqeWossenen VyWer resllosi.aüsgegehen dieses Urteil -er-MWch'te. vpy.sej'nenMHstreckern aus-' geführt wurde, stand in einem' grellen- Gegensatz zur Logik der Politik/ die es erfordert ' hätte,-- die -Waffenstrechrng Oesterreich-Ungarns, hie doch auf Gnade und, Ungnaiw an den- Präsidenten Wilsoy -erfolgt war , doch nickst an der Bevösterüng zu strafen. Daß die Völker ihre Freiheit, und.-SelKftbesttmnnmg erhielten, war eine unbedingte Forderung Her. auf den ' Schlachtfeldern geschaffenen Tatsachen. -Aber die .Zerreißung der wirtschaftlichen Einheit war eine Ueberspaimung des Poaens. Ein wichtiges Element für' die Befestigung des Friedens wurde von den Siegern rücksichtslos zerstört, ohne die Folgen zu bedeuten, die aus der plötzlichen' Aufhebung einer orgqnisch . aufgebaüten Genreinschaft entstehen mußten und entstanden sind: Hätte man nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes ein Zollparlament' der. neuen Staaten gebildet, so wäre ihrer Unabhängigkeit kein Abbruch geschehen, aber der Uebergang hätte geregelt und unter Schonung der wirtschaftlichen^ Verbindungen erfolgen können. Aber die Einsichtslosigkeit" der Sieger zusammen .mit dem aufflammenden Chauvinismus der neuen Staaten haben dies gemeinsam verhindert, und Pen Grundstein zu dem neuen Unglück gelegt, das als Fortsetzung des Krieges über den Frieden hinaus Mitteleuropa in Atem hält.' , . Oesterreich war ohnmächtig. Aber doch nickst soweit, daß es nicht in der Folgezeit'wenigstens von sich aus auf ' die Anknüpfung der altem Beziehungen hätte . hin-' arbeiten können. Es ist vieles in . dieser Wchtnng geschehe^ und die Versuche Renners-, in Politischen Kontakt nnt der Tschecho-Slowakei und Jugoslawien zu gelangen, lieferten^ da sie. sich mit dew-Gedauken " der weiterblickenden Politiker in Prag begegneten, gute Ergebnisse.'Die polittschen Interessen liefen in bezug aus die Bedrohung durch Ungarn parallel^ und so kam es zu dem ersten Vertrag zwischen Benesch -in'd Renner, der sich jedoch nicht auswirken konnte, well die von Ungarn haranguierten Christlichsozialen den Kanzler knapp vec her Reise nach- Belgrad stürzten, Hein politisches Konzept mußte auch von seinen Nachfolgern ausgenommen werden, aber.'.jeder -stützte' über die inneren ^Intrigen: Müyer über, die Anschlutzpropaganda, Schober über den Lanaer!-Vertrag. Das Ausland, das die österreichiscye Politik, in viel einfacheren, gröberen Strichen sieht, mußte stutzig Werden und seine, Taschen schließen. Freilich droht auch diesen Staatenaus einem Zerfall Oesterreichs eine sehrtiefgreifende Komplikatton. Man sprach und spricht von der Austeilung, des Ge-, bietes, wobei 'Deutschland, Italien und Jugoslawien;in Frage känrcjn. Abgesehen von-der hierdurch bedingten Vernichtung des - Saint-Germainer: Friedens, der doch auch.wirtschaftlicheu Inhalt besitzt,llviirde die Frage des Burgettlandes,chtzr.allem aber die Frage Wiens,.aus die Taaesordnunü üelanlltzL ein Moblen^ tzas. Mr untex Die Lysü«g Des ALeLeuropäische» Problems. -7 VsrlLwfig keine GinÄLrufung : des Pärlarsteyts - ,^,7 Er» Artikel des .,OLVvre*> Wien, 17. August. Der. heutige Ministerrat beschäftigte sich naturgemäß in erster Linie mit der durch den Slusgang .der L 0 stvoü ich?K o n sie r e n 5, die neuerliche Be t w e if u n g dev K r e hichh i l f e für Oesterreich cm den Bi»lke r bund' und die vom Verwaltungsrate. der Anglo-östörreichischen Bank gestellten Bedingungen für deren Beteiligung an Set Oesterreichischett Mlioualbank, geschaffene Lage. , Der Bundeskanzler stellte zunächst «fest, daß die auf Sie Sanierung' Oesterreichs gerichtete Politik der Regierung sich vis znt Stünde -voVümmen innerhalb der Richtlinien hielt, welche die Regierung selbst zu Beginn chret Amtstätigkeit Mögenhat. Während früher, seitdem die Delegierten des Völkerbundes im Frühsommer 1921 in Wien waren, an der Hoffnung : festgehalten wurdet Selbsthilfe und Auslands^ h i l f e würden sich Zug um Zug ergänzen, hat die geaenwartige Regierung, 'Nn das- Vertrauen auf die Lebensfähigkeit Oesterreichs - Und ' auf den Nettungs-: ■ willen f ststüer BevLlkernng zu heben,' ein S e lbsthilf-sv-rogrämm ausgestellt, das ihr für eine i Reihe Von - Monaten die BewegUNgMeiheit verschaffen sollte^-die'sie, zur Erlangüttst -eAAuslandskredite für^! nötig exachtew. Sie war üherzeMt, daß sie Hamit hen. Ratschlägen hee küWgch ''WMiMer.-wKUk^ine». ent-? F sna.NL k r-e'üfH,' d,cheü'sWhlwo^rk'''«üd:^ i-e».! sWstMs.'UMH 'e «dMerdung ch en pex Selh/st-. hr l f e mnd den A u s l a N^d s^r ed i t eft her, daß ste ^dui ch deN ersten Teil des Selbsthilfepkanes, die E rr i ch t.um g der m e n e n K o s< n b am k, n a M H a f t "v e r zvH e r t>n, ja fast g e fLHr d e t en. . Sie erreichten. durch diese T a k t i k ä b e r L och n i ch t,. was sie beabsichtigieü, nämlich eine sofortige. Znsicherung der Kredithilfe dürch die Mächte. Die Regierung sieht sich nun in der Lage, neuerdings vor dem B öl k e r b u ftd.e i h re Sache zu b et reibe n und gleichzeilig uüter inzwischen kaum g ü n st i g e r gewordeNen Umständen doch noch die neue äst e r r ei ch is che N o t en van k in s L e benzu rufen..Die mit 1 elenropLische Frage wäre bei einer anderen Behandlung Oesterreichs wahrscheinlich viel einfacher zu thsen gewesen Her Vielmehr .sie wäre gar nicht' in fener ernsten Gestalt, die sie ^nunmehr angenommen hat und die vietteichr früher, als die Welt erwartere. zu einer w i t k l ich c n L ö s u n g drängt, ausgetancht.,^ Der M i n ist e r r a t b i l l i g t e d i e S ch ritt e, die der Bundeskanzler unternommen hat, um eine mäglichst beschleunigte Verhandlung der österreichischen Angelegenheit vor dem Völkerbund zu 'erzielen. Er nahm in Aussicht, nach der Rückkehr der nach London und Paris entsendeten Delegierten, die kaum vor Sonntag zu erwarten ist, da am Freitag noch eine en t scheid ende Sitzung des Verwaltungsrates der L 8 n. d e r b a u k in Paris stottfindet, sofort zn den geforderten Modifikationen am Statut der Notenbank endgWig Stellung zu nehmen und dann zu veranlassen, - daß womöglich noch' iü den ersten Tagen der nächsten Woche der Haupt<tusschuß einberusen werde. Der Nationalrat selbst wird erst z n s ä mm e n t r e t e n, wenn die Entwicklung der mitteleuropäischen Frage konkrete Anträge der Regierung ermöglicht. - . ,. -v : , ""Sn* »oynifc- W'mMnn lyntmifmpmm . Paris, 17.,August. Unter:der.lltzbevschvi-ft: „Ein inte na t Io n a le r ..Sk an da V4: schreibt '„Osudre"'-Das' 'anr. letzten' Montag durch den eichllsch-ftauMschen Konflikt^ über die deutschen Reparattönszahluilgen " hervorgerufen-e Itufscheu ' hat das tragische Ereignis, das die . Konferenz: von London aö-' geschlossen hat, .säst'verschwinden: lassen.^Es ^handelt: sich .um die.; unglückliche Republick Oesterreich,- die/seit-:drei - Jahren so grausam' für dir Fehler/der 'hcchtzbnrm-scksin: Monarchie -büßt und die au die 'StäaWmanmLr' 'der::'EnteiE:,dHL'-'» letzten Hilferuf in ihrem Elend gerichtet hatte. ,'Diä Pölitiker^' die die'Ausgabe übernommen -.haben, sechs' Millionen' Männer, 'Fr.auen un'd^KinÄ.'cr . der'österveichsichenr-' Bevölkerung vor Hunger zu Kewähreü'-'hatteü.' an- 'die:- Groß-; mächte die Bitte gerichtet, ' ihnen! M Hilfe: zn.' kommen,: mit- :welchen Mitteln immer-es :sei, ünd.! denr .Volke: B rot--pnd Köchle zu gchen.f- KsiNerlx.i. ^-pMMchrn^A«gwMüde sind in-' dief-er -erschütternden Bitte; es'handelt sich nur um Hunger. Die Regierung, die seit^zwvi Jahren Unlerstßtzmrg in ihrern schMremKampfe sircht,<'hat'^in'ige- B'MsPrc-ch üngesi, aber wenig Geld erhalten^. Ztztch^langem, schmetzlichem j Warten hat die ReparaiMskom.missiou .endlich am?1...;.J-uli die Gründung^ e ine.r n epen-.'-N-oche.n zi'a.n'k'-üüier.Har'äntte. der staatlichen". EmWmäi-'aus, 'den Zollen,' .Forsten züch Aa- . :lmtzü'emciMchj.5.. ' 'x‘>l 4..,'.* f;? ^.''KüS BjW auf ^n^ Verläüf- ^drr-'P^rätÄjig^/ über'.' das öfteWichi-sche-' ZsiiMchezi zu"-sprechen und erklärt,'/diese! .sÄ nicht.nur. trggisch',' M. Wusse llWft.Sch chw '.erwecken.^, Der französische Ministerpräfiöent, verlange .jetzt' fur sFrcmk-? reich das Recht, 'seine'HandlüntzZsreih-eit .»M>er ' '."zn.'MaMü..'. ' Cs. gebe nun einen Fall, - in' de;n' diese Handlüngssveihelt " in: schöisir und odler Weise und überdies. Mt, Nutzen Anwendung.' finden könne, näm-llch' gegon-Wep ^Otzsterreich, WeunUFra n k-. reich allein .unter allen Großmächten mi-1U ttter- ’ stützung der klei nen Enient«; Oesterreich beschützen, retten und wie-deraüfrichten . wollte, wurde es nicht nur ein ' erhebendes Beispiel von Güte , geben, ' sondern auch' riüen Akt von höchster politischer.Bedeusimg voltbr-ingen. . Oesterreich vor der LondoAer - 'KsUfitzrenz.' . ' Prag, 17. August. (Tel. :d7 -,Wr5:-MoügßnKi-tllM^^-.. llebikr die Verhaiidllmg des österreichischen Kreditgesuches an die- Entente - meldet die „Prager Presse" folgende- EinzÄheiten: Am 14. Angttsi nachmittags .empfing-'Lloyd . Ge^o r g e den ö st e rr e i ch i s ch tu- G e sa n d ten, der ihm eine N'o t e -, Merdie - sinaWelle Lage Oesterveichs überverchte. Der Pvemvevunnister-, 'verlas -diese .Note am Mchm-ittag. in der Vollsitzung deriKonferenz- Sie enthielt -ein dringendes Ersuchen an die Verbündeten, der österrei- . chischen Rogiettmg eine ne u e A n l e i h e von 15 Millionen Pfund.'zu bewilligen. Die österreichische Regierung erklärte, es sei ihr unmöglich, die.Geschä-fhe^Ves'-'Lmwes weiterznfichren, wervn hies-ev-Kredit, nicht.gewährttverden sollte.' Der englische Preoniernnnister - betonte, . England habe bereits 12F Mlliomn Pftmd vorgeschossen, ohne daß ', irgend eine. Be sser itit g de t f i nanzieile n Latze Oesterreichs erzielt worden sei. Poineäre. tmd Schanze r .führten aus, sie .hasten bereits - 55 Ml- . liorren Franken, bezichungKweise, 280 Millionen Lire, hergegckben. Die Konsebenzteiltiehmer kamen überein, daß' keine der Verbündeten Ztegierungeu in der Lage sei, ihren Steuerzahlern zu empfehlen,, sich zugunsteil Oesterreichs, neue Lasten atlfzuerlegen, che die Lage dort nicht an •:’^-w-taara;gH;«cMCT83w schweren Krmnpfen zu : löstn wsire.. Das sind tausend . Angelpünfte für neue Krisen und Erschüttenmgen, die die. Sukzeffionsstaaten in allen Gliedern verspüren müßten.. •! 'v ' Das: Problem Oesterreichs ist das Problem von. kaunr. sichen Millionen Menschen 'gleicher Sprache und. Kultur. - Es ist unrichtig, 'wenn 'di^^ Aüftichtung ihrer. Wirtschaft, als eine Frage der.Steuerleistung in .den: Ententestaaten angesehen Werden- Würde. Die Summe,: die-Oesterreich zur Sicherung seiner - Existenz für den, Augenblick braucht, wird in. den Kasernen und ans den Kriegsschiffen der Großmächtesehr-rasch und sehr wenig produktivtäglich hutzende.Male überschrltten, Liberia .und Gr8»' ÄÄ!jr.n' NnarÄiK'-Halleyr “ Oesteweich' will keine Almosen, sondern Kredite, und wenn ihre Verwendung argwöhjttsch'"betrachtet wird, so steht einer Erweiterung der -Finänzkontrolle, die ja vorhanden ist, nichts im Wege. Es handelt sich auch nicht um.Regierungskredite, sondern um Arbeitskredite, die vom Kapital verlangt werdenfür die nur. die Genehmigung ' der: Regierungen notwendig ist. Diese Kredite, ohne die der Patient kaum mehr vor Hunger und Revolte zu schützen-ist, können ihm im Augenblick.helfen. Darüber hinaus muß das Problem poMsch erfaßt werden. Der / wirtschaftliche Block in Mitteleuropa, in dem das Donau-Rhein-Elbe-Oder-Gebiet organisch vereint war, Muß,wieder aufgerichtet werden?.,.. , wwssaitisiasjas 154

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