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Wiener Morgenzeitung · 1922-08-13 · Heft 1270 (13.8.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1270 (13.8.1922)
Date
1922-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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lWlWserltis» fUi:Zm Abholen ia der Kxpaditioa, ll.,T ab or str. 1 -3, •der ia «merVersehleuBtelle (Trafik) monMlich K 7000 Mit Posbrersaad für Wien a. Oesterreich monatl. K 7000. Tseheeho-Slowäkei: Mob. K20. Ungarn: Mon. K150. Jugoslawien: Mon* Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deatschla'ad: Moa.Mark60. Praakreieh: Monatlich Frt*;6 NaduaUnngea ' fed FnherhStwsftn.; 'rorbthalte* ' ' .■ i Tschecfeo-81 oWitk*!' li , «schech. K 1.80 < h Itali.en: Monatl. 6. Lir« Rumänien:Mon. 40. L«i Schweiz and das übrig-« Ausland monatlich Frcs. 3. Redaktionn. Administration Wien, IL, Taborstrasse 1—3 - i—— -W»'-- Telephone: 44^0-38,43-J-l« ab 6 Uhr abends 16-301. Tel-Adr.: ,Mbr§snre»K«x',' /:■<Wien . ,.,iuv 'Öesterreickisehes PostspaN. hassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 1270 Wi««» S««Nt«s» 13. Äagast 1922 4. IahrgaRg Die Kämpfe im Sozialismus. / —X. W i e», 13. August. Die an Herbeiführung der Weltreaküon mit alleren monärchifttfch-mMaristischen Emblemen, arbeitenden Elemente, haben sich in München ein Zentrum geschaffen und sind von hier aus eifrig bestrebt, unter Ausrrütznng aller Schwächen der Friedensverträge den moralischen, Politischen und sozialen Regenerierungs- Prozeß Europas zu verhindern. .Biele Umstände wirken zusammen, um dieses Werk zu erleichtern. Die Entente befindet M in meinem schweren prinzipiellen Gegensatz^ der sich ausnahmslos in allen unerledigten Fragen der Kriegsliquidativm zeigt ' Und nür durch allerlei diplomaüscheKünsteleien. provisorischen .Charakters notdürftig überbrückt werden kann. Die besiegten Staaten sind durch-die fortdauernde Zollblockade,' durch finanzielle Mißwirtschaft und Parteienhader in eine unglückliche Situation geraten, die ihnen den Friedensvertrag fälschlicherweise als. den einzig - schuldtragenden Faktor erscheinen läßt. Trotzdem aber würde die Tätigkeit der Kriegsparteien bald erlahmen, wenn nicht die Zustände, in - denen sich die sozialistischen Parteien befinden, ihre Minierarbeit fördern würden. In der ersten Oktoberwoche soll in Hamburg wieder der Versuch ' unternommen werden, die. alte Intern nationale ausznbanen und ein Programm, für den wirtschastlichen und politischen Aufbau Europas zu entwerfen. Die, Geschichte -aller bisherigen Versuche zeigt, daß sie an demWLerstreit,zwischen dem Kommunismus russischer Mcücke strM dem europäischen Sozialismus in die Brüche. 'ginM^-Schorr MFe-ttrüM 1Y19 hatte die etftc Konf^M^aMAnsilHive. dhr MÄonr ^Pcl'M'Kü-' »Mn 'ihM OMHMüjernMonatz' üsid legten Me!,BesiMungen auf ein eiWUiches Vorgehen lahnr, irÄeln ' sie auf leine-WHItrevölutton im Sinne ihres Maximalprogramms hofften. Als sich jedoch die.Konstruktion der westlichen Ententestaaten als so stark erwies, daß auch, die. sozialistischen Parteien. sich beit; Tatsachen fügen. mußten, schritt Moskau zum offenen Kampf. Er wurdet mit äußerster Kraftanstrengung gegen die Sozialdemo- ' traten geführt,^ die zuerst in Deutschland, dann auch in Oesterreick) und in Ungarn als Agenten der Bourgeoisie beschimpft und zur Ohnmacht gebrächt wurden. Dabei trieb der BolschÄvisnms ein gleisnerisches Spiel, indem er ununterbrochen die Arbeitermässen mit'dem Ruf nach; der Einheitsfront, in Atem hielt, alte Bestrebungen zu' diesem Ziel aber sabotierte. Am heftigsten wurde die im' Februar 1921 in Wien gegründete Arbeitsgemeinschaft befehdet, was leicht gelingen konnte, da sie außerordent- - sich, unklar über die Kriegsfrage und die Hewaltanwenl pnng bei der Machtergreifung durch das Proletariat, redete. So kam das Resultat zustande, daß. eine sozialistische Gruppe der anderen die Schuld au der Bereit-' lung. des Arbeiterweltkongresses beimaßnnd daß schließ-/ lich auch, die rm April dieses Jahres in Berlin, zusammengetreteue Nettmrkommission . resultallos aus-. cinandergehen müßte. Nunmehr beruft die alte (zweite)' Iirternanonale, gemeinsam mit der. Wiener ArbeitsgemeinschaA einen qllgemeinen Kongreß'nach Hamburg - ein, der ans einer in i^n nächsten Tagen in Prag ünberaumten Besprechung vorbereitet, werden soll. Aber, die. Aussichten'auf die Herstellung der alten Schlagkraft sind sehr gering, da-die Moskauer Internationale den Besprechungen fernsteht und sicher alles tun wird, um ihre Beschlüsse herabzusetzen. Wessen sich der Sozialismus, der weit über die Kreise des Proletariats hinausgewachsen ist, 'von dieser Seite /her zu versehen hat, lehrt dev eben zu Ende gegangene Prozeß gegen die' vierzehn Sozialrevolutionäre, die / allen Versprechungen ftiujt Trotzzum Tod verurteilt worden sind. Das Urteil / ist auf zehnjährige Jsotierhast - herabgesetzt; worden,' in' der die Verurteilten - als Geiseln zum Schütze des Bolschewismus gegen einen sozialistischen Aufsta'nd nt halten sind. Im Falle eines solchen Aufstandes wird das Todesurteil, vollstreckt. Die Moskauer Gewalthaber 'et- ' klären in einem Kommentar das Urteil als Produkt der.' Staatsräson, das „von der Regierung mit Rücksicht auf die politischen Interessen bestätigt" worden sei. Nun, an- - ders reden ja auch die Mörder Rathenäus. nicht, und anders, begxünden;atlchdie GeruhtetHo-thys Nicht ihre- Schandurteile.^Die Haltung.'der -Sowjets, beweist, wie' stchrphtstie. ihr -.System .sehen und wie lehr sie sich, die Praktiken des Zarismus zu' eigen gemacht' hahen.. Frei-, lich wird auch diese Staatsjustiz sie nicbt vor dem Ende schützen,'das. bisher noch jede barba.risch.e Tyrannei gefunden hat. Die EinigUUg -evorstehe«-. Londv st, .12. August. (Tel. d. „Wr. Morgertzerkrng".) Die Sachverständigen haben sich heute vormittags neuerdi ug s iw Schatzamt versammelt und man hofft, heute zu einer endgültigen Losung der vorliegenden Fragen zu gelangen. Man erwartet, daß bis Mon t a g der ausgearbertete Bericht der ^Sachverständigen an die Konsetenz abgehen kann. Im allgemeinen herrscht hier die Ueberzeugung, daß die En t ente wi e de r g er et 4 c t ist und daß ein zufriedenstellendes Kompromiß aus den Diskussionen hervorgehen wird', das man als vollständiges Uebereinkommen wird bezeichnen können. ' . ' " Ueber Heu Inhalt per zehn Gegenvorschläge L l o h d G eo rges^ wikduoch folgendes mitgeteilt: '1.- A u tonom i e d e r. R e i'chsb a n k und Kontrolle dieser Autonomie entsprechend den Berliner Vereinbarungen mit der Garantiekommission. 2. Maßnahmen der Garantiekommission zur Konsolidierung der Schuld Deutschlands. 3. Abgabe von 26 Prozent der Deviseneingänge f«.r pen deutschen Export an die Reparckionskommission. 4. B e s chla gn a hme d er deuts che it Zöl le für die Reparationsstommission. Die Eingänge aus 3 und 4 bleiben 'aber für die ( Dauer des Moratoriums zur Verfügung Deutschlands. Dy;;.diMev.Hchertragung dieser Emnahmen ReparaÜostÄWMisiion' w i d e r s P r i ch t noch.Frankreich,' 8. Kontrolle dex deutschen EinNähuieu. und Ausgaben" Mrch Me G ä r a n^t he io m m i s s i o m'. ent- , sprechend« den Herlinrr. Vexefnbarnngen^ 6^ G'e s e tzdige« hier Klärung schaffen. 7. und 8. Kontrolle der staäk» lichen Bergwerke und Forste aus dem linken Rheinufer. E»w Beschlagnahme der Eingänge hieraus ist vorläufig nicht vorgesehen. Eine Ausdehnung der Kontrolle auf das Rührgebiet wurde wegen juristischer. Schwieiigkeiten fallen gelassen. 9. Maßnahmen der Garäntiekommission .für die Stabilisierung des Markkurses. 1v. G e w L h r u n g ein e s vollständigen Moratoriums bis zum Ende des Jahres. Die Reparatronskommission wird alsbald die Bedingungen über die Barzahlungen ab 1923 prüfen und feststellen. Diese künftigen Barzahlungen sollen' aus den äbznliefernden 26 Prozent der Ezportdevisen erfolgen, dürfen daher niemals höher sein als . die Barsumme dieser ExPortdevisen ergibt. , , ( Die BeschlassnahWe der VeMcheA FöKe'^ . Paris, 12. August. Die Agcnce Havas^. meldet aus London: Die Finänzmtnrster und die Mäuzsachverftän'- digen haben die sieben Punkte, über welche die Regierungschefs zu einem Uebereinkomnren gelangt sirtd, e i nsiimmig genehmigt. Die aus der Beschlagnahme der Solleinnahmen und - der 26prozentigen Aüsfuhrabgabe jzu gewartigeuden Summen werden aüfeitt bei' der Deutschen Reichsbank ans dm Namen des Garantiestomitees dröfflletös Konto eingezahlt werden. Das Komitee stvird diese Summen zur-^Berffgimg^-Ä8;Reiches^brbasien-. lauge »dieses, -seine'-VetpstHtüWn erfüllt.^ g e h U NO Ke S'-v'ttdsic . K apL t<a l s f bu ch t.^, Dieser Punkt-,enthalt noch rerüMxak^^^Mläge^ viMetchtin Berlin, i2. August. (WoW Das Ergebnis der Besprechungen zwischen der deutschen Reichsregierung und der bayrischen ^Staatsregierungstvird heute Veröffentlicht. Danach erklärt sich. die payrische Staatsregrerung bereit, die am 24: Juli erlassene Verordnung zum Schutze der Verfassung der. Republik am 18,. d. au.sz u h e b e n. Dip Reichsregieruug. gibt Erläuterungen zur Durchführung des Gesetzes zum Schutzeder Republik, hauptsächlich-über das .'zu beobachtende'rHM'cht und polizeiliche Verfahren, und erklärt, die. Besorgnis, haß die Politik der Reichsregierung planmäßig , darauf gerichtet sei, die Zuständigkstten her. Länder sorLschrestend einzuschränken und das Reich immer mehr zum Einheitsstaat zn gestatten, für döllständig Nnbegründet. Die Reichsregierung wolle nicht über die verfassungsmätzigen Befugnisse' des Reiches hinaus tzohesisrechte det Länder au sich ' sichen. Sie sei ■ der Ueberzeugung, daß die einzelstaätliche (Nliedernng -er Länder der reichen Mannigfaltigkeit deutschen Wesens und deutscher Kultur entpricht und daß die Pflege des StammesbewußtseinS in den 'einzelnen Staaten die beste ®c* wahr reichssreudigrr Einglieverung in das Ganze, der Nation sei. ' / ss '? 7 Die Mörder Aslherrarrs KapitäÄleütnant Dietrich verhaftet. V e.r l in, 12. August.7Tesi d.1,^Wr. Morgenzeistmg"^ Die. Dorüntersnchüngen in der RatheÜän-Mordsache sollten dieser Tage geschlossen werden. Der Abschluß des Vorverfahrens ist jedoch dadurch verzögert worden, daß der vor kurzem in Erfurth verhaftete Kapitänleutnant Dietrich erst gestern in das hiesige lttitersuchttngsgefänFNis' eiügeliesert worden ist.' Äapitänleutttaü^ Dietrich wird beschuldigt, in den Mordplan verwickelt zu sein. Da es sich als Nötig erwiesen hat, auch auf ihn die Voruntersuchung aüszudehnen, künn diese erst in einigen Tatzen endgültig geschlossen werden. T e ch o w, der Führer des- Mördaütos, verteidigt sich dahin, daß er uur^auf Befehl seiner''Organisation gehandelt habe. Als er ^Bedenken bekommen chatte, habe er nur gewaltsam gezwünactt. die Ftthrnn'tz des Antos übernommen. . - ^"''' Nü'ch der»Pat:^^ " '' B e rl.in, 12.'A)Mst'' (Tel. b.; „Är. Mortzenzeitüng".).' Mft: Welcher Sicherheit, die Mörder Ratheuaus nach der Tat äuftratc-n -- f i e r ü h m itc u s i ch s o g a r ck hx cx Tat — zeigt ihr Verhalte): gegenüber dtm mitbcsthuldigterr Garagenbesitzer Schütt. Sofort'nach dem.' Mord 'fuhren die drei Täter Mit dem Automobil in die Garage und stzaten Schütt, der-bis dahin von der Berwendun-g des Autour^bits keine Ahnung gehabt haben will, offen: „S o e b e n h ab e n W it den Ra th en au er s ch o s s e n." Schütt will ganz fassungslos und bestürzt .gewesen sein, üm so mehr, als die Töter hinzufiigten, wenn tr ein So-rt darübcr vorlauten lasse, ginge es ihm ans Leben. Am Abend erschien der Bruder des T-echow bei. Schütt, sirck sagte ihm, es seien die i» den Zeitungen beschriebenen gelben Auto kappen im Auto vergessen Word e n, s i e m ü ß t e n der b r a n.n t w e rden. Gleichzeitig wurde Schütt mit dem. Er schießen bedroh t,> wenn er nicht den 'Befehl ausfjihre und Stillschweigen bewahre. Schritt beriet sich mit seinem Geschäftsteilhaber, ob sie.die Sache sanzeigen oder Pest Befehl au§- führen sollten. Rnr die, F u r ch i vor der a n'g e d r o ht e n R a ch e brachte sie zu dem Entschluß/zu s ch w e i g e«. Eine Fra n, die im Hause wohnte, hatte von ihrem Fenster , aus zufällig das Gespräch des Techow mit Schütt angehört. Sie ging Schutt nach und über raschle ihn. als er die Kappen im Ofen der Garage verbrennen wollte. Aus die Frage der Frau, was,er tue, sagte er: „Es sin d Kappen -er Mörder Rathenaus, i'ch muß sie verbrennen. Keiner darf ein Wort verraten^ sonst ist es um unser aller Lcb.en geschehen. Die.GsheiMsrgauisatto:ren..habeu überall ihre Aufpasser." Die Frau machte trotzdem d.er Polizei Anzeige, die daher ' schon am SaMDiag, ,also am Tage des Attentats, wüßte, wo sich das Auto besand. Sie schritt aber noch nicht ein, weil der jüngere Techow angegeben hatte, das Auto werde am Dienstag wieder abgehott werden, und. die Möglichkeit vorlaq, öei dieser Gelegenheit die Täter oder Helfershelfer abzufasien. Wie aus dem Reichsjusiizministerinm verlautet, ist die Voruntersuchung gegen Techow. und Genosse'.; abgeschlossen. Die Akten stiegen bereits dem L)brrreichsstnatsan'w'a!t. zur Erhebunng der Anklage vor. Wegen Begüststigutt^ der Rathenan-Mördör schwebt ein ftlbstAnbwes'^ Versah en gchr Dr. S t i n (Saüleck). . . ' ,: f. *5entfli; geqe« Kass e l, 12. August. (Wolff.) Die^Oberftaatsanwaltschaft teilt mit, daß der Anschlag aus den Oberbürgermeister S. ch e i d e m a n n nunmehr völlig ausgeMrt ist. Tie .in C o f e l feftgenommenen Angeschuldigten H ü st e r t und ^O.els chstLger Haben ein umfassendes Gestä ndn i s abgelegt.-Danach trug Oelschläger in' einem Blechbe- -Halter die B l a.u s ä y.r.< s p r i tz e., Ferner.fnhTte'n sie,ei»e Mehrlädepistole mit sich. Als sie den Obcebürgermeister fallen sahen, hielten sie ihn für erledigt und ergriffen die Flucht- -■ ' ■■■*"- - - -

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