Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1267 (10.8.1922)
- Date
- 1922-08-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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UBzeiaammerKiso Wi «9: Zum Abholcn in der Expedition, II.,Tabor str. 1-3, , oder in einerVerschleissteUe ^Trafik) monatlich K 7000 Mit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 7000 Ts ch e c,h ’o-S 1 pwake!: Mob. K 20. Ungarn: Mon. K 150* Jugoslawien: Mon, Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon.. Mark <50. Frankreich: Monatlich Fr cs. 6 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen Vorbehalten T scH»(ho*«io4ratsl I tschech.BC1.EO Italien: Monat!. 6. Lif Rumänien: Mon. 40. L4 Schweiz und das übrig* Ausland monatlich Fr«». 1 Redaktion u. Administrativ Wien, H„Taborstraasel—' Telephone: 44-6-38,43-5-19. ab o Uhr abends 16*301' Tel.-Adr.: .Mvrgenzoituag* Wien Oestetreichisches Postspar; kassen-Konto Nr. 150.69* Nr. 1267 Wie«, Donnerstag, 10. A«g»st 1922 4. Jahrgang Oesterreich in Gefahr. —y. US t e n. 10. Der diplomatische Vertreter des „Haily Telegraph" teilt mit,/daß die Londoner Konferertz unmittelbar im Begriffe stehe, auch die österreichische Frage zu erörtern. Diese Unmittelbarkeit ist freilich sehr stark emzuschränken. Falls die Konferenz in der Frage der deutschen Reparationen nach der Inzwischen durch die Expertenkommission erfolgten Ablehnung her Pvincareschen sieben Punkte noch beisammen bleibt, wird sie — möglicherweise — auch von Oesterreich sprechen. Unter dieser Voraussetzung besteht sogar einige Hoffnung auf eine- Behandlung, der österreichischen Frage, du hie Ententeregierungen unter einem gewissen moralischen Zwang stehen. Oesterreich hat durch seinen Londoner Gesanoten Frankenstein und durch den nach London, entsandten Sektionsches Schüller, den Ententemächten eine dringliche Note überreichen lassen, die die Verhältnisse in Oesterreich schildert und die Notwendigkeit der schnellen Hilfe darlegt. Die vielfach im Ausland, so besonders, in Prag und in Budapest verbreitete Nachricht, von einem. Ultimatum der österreichischen Regierung sck)emt nicht richtig zu sein. Leider hüllt sich das Kabinett in Stillschweigen und tritt diesen Gerüchten, die im gegenwärtigen Zeitpunkt, knapp vor der Subskription zur Notenbank, sehr gefährlich werden können, weder energisch noch überhaupt entgegen. . Durch ihr Stillschweigen werden den Arbitragehyänen Und den Winkel- Händlern, deren Weizen dank der „Kontrolle" des Devisenhandels wundervoll blüht, die von Panik Geängsttgten direkt zugetrieben. Was die-Entente anlangt, so bedeutet die Unterstützung Oesterreichs nichts Mehr nrndi nichts minder als die Existenz ihres gesamten europäischen Systems. Ser Staatenbäu, der -in Mitteleuropa-nrrt Hilfe der Fviedensverträge ausgerichtet würde,- , ^nispricht sicherlich keinem Ideal und er ist noch in^ pielen wesentlichen Purckten korrekturbedürftig. Aber er ist doch vorhanden, setzt sich ans lebensvollen Organismen zusammen und bietet eine gewisse Garantie für die Konsolidierung des Kontinents der führenden weißen Rasse. Aber in diesem Bau in Oesterreich einer der Grundsteine, der nicht aus dem Zusammenhang > gelöst - werden darf. Wenn dieser Grundstein von der Sturmflut der Rot zerrieben oder in den Bolschewismus hinöingespütt wird, dann bricht der ganze Bau zusammen. Oesterreich, das schön einmal, als in München Eisner und in Budapest Bela Kun ihre Künste und realPoMsches Verständnis zeigten, die Katastrophe Europasverhinderte, hat davon wenig Dank erfahren. Von Minchen und von Budapest aus gehen die Agenten, die den Anschluß Oestexreichs an die Weltreaktion herbeisühren wollen. Ihrer Verhetzung, ihrem Geld und ihrer Preßmache ist es gelungen, der österreichischen Bevölkerung die Angst vor dem Zusammenbruch — unter dem sich niemand etwas Bestimmtes vorstellen kann — jn die Glieder zu jagen und ihre Initiative zu zerbrechen. Bleibt die Entente noch länger kühl, dann kann drese PvopagaUda wenigstens soweit Erfolg haben, daß es zum Abfall der agrarischen Bundesländer und ■ zu schlveren sozialen Bewegungen in Wien kommt, die sich durch keinerlei militärische Kordons aufhalten lassen. Die Oststaaten konnten sich von Rußland absperren, weil es'seitwärts von ihnen liegt. Aber Oesterreich liegt nun einmal an der Donau,' zwischen der wirtschaftlich, außerordentlich empfindlichen Tschecho-Slowakei und dem Politisch zerklüfteten jugoslawischen Staat., Die ruhige Entwicklung dieser Staaten ist nur durch Oesterreichs Existenz und dnrch seine Sanierung garantiert. Ein soziales Erd» beben in Wien würde weit über Prag, Warschau und Belgrad sich fühlbar machen. j Die Fehler der österreichischen Politik liegen klar zutage. Mer in der letzten Zeit ist doch ein Anlauf zur Selbsthilfe zu konstatieren. Die Notenbank ist nach schweren Krämpfen so weit gefördert, daß ihre Errichtung im September möglich sein wird. Das Grundkapital ist bis auf einen kleinen Rest gesichert und es braucht nur mehr der so oft zugesagten Mitarbeit des ausländischen Kapitals, um die-Bank zu aktivieren, um endlich dem. Banknotenumlauf. eirtc Grenze zu setzen. Dieses erste Resultat wäre'von großer moralischer Wirkung, weil es den Respekt vor dem Geld wieder Herstellen würde. Wenn noch dazu die Devalvation käme, die Einführung einer neuen Währung die dem einzelnen die demoralisierende Tausenderwirtschaft abgewohnt und ihn lehrst .in. der menen Krone .wieder die Arbeit zu achten, so würde sich sogar wieder der Sparsinn regen. Die sozialen Errungenschaften der Revolution, der Acht- " MlWMng felÄer Pefflmistlsäir Stimmung. London, 9 .August. Wse das Reutersche Bureau er* fährt, hatte der RedaMonSarrsschutz der Konferenz seine Arbeiten noch nicht beendet, sondem sich auf halb vier Uhr nachmittags Vertagt. Bisher sei für eine neue Vollsitzung der Konferenz nach nichts vereinbart worden. Die vorherrschende Meinung gehe dahiü, daß, obwohl man nicht alle Hoffnung aufzugeben braucht, die Lage doch s ehr u n - günstig sei und ein Zusümme n bruch der Kons e tetti keine Ueberraschüng Hervorrufen werde. ' Die Politik PoinearLs. London, 9. August. (Havas). „Daily Cronkle" schreibt: Die Politik Poineares würde nach Abzüg aller Kosten einen unbedeutenden Reinertrag für die Wiedergutmachung übrig lassen. Das Blatt setzt sodann die englischen Grundsätze betreffend die Zahlung der Schulden auseinander und sagt: Bar allem ist guter Wille auf Seite der Deutschen notwendig. Hiezu mutz Man sie zuerst überzeugen, daß wir keineswegs die Absicht haben, ihre wirtschaftliche Lage zu schwäche«, und daß wir ihr Gedeihen wünschen, damit sie ihre Schulden zahlen können. Wenn wir wollendaß aus den Wiedergutmachungen pekuniäre Resultate erwachsen, ist es unbedingte notwendig, mit der Wirklichkeit Fühlung zu nehmen: Wenn die Franzosen das Problem der Wiedergutmachungen in praktischem Sinn erwägen 'könnten, was die beste Art wäre, die Entschädigung, deren sie bedürfen, zu erlangen, würden selbst jetzt nicht wir an einem Uebereinkommen/ zweifeln, aber das: pttglück ist, daß sie, obwohl sie sich, der wittschLflW bediene«, ständig an London, 9. August. - Ml.-Komp.) In der gestrigen Sitzung der Sachverständigenkommission - sprach sich die Mehrheit der Mitglieder gegen die französischen BorschlSge. bezüglich der Errichtung einer Zollgrenze und der Einhebung - von Stenern im besetzten Gebiet aus. Die Maßnahmen M Beschlagnahme von Bergwerken und Domapen sowie die Kontrolle der Großindustrie wurde ebenfalls mit Mehrheit abgelehnt. Bezüglich des letztere» Punktes wurde darauf verwiesen, daß die Borstellungen, die sich das Ausland über die Gewinne der deutschen Industrie mache, zum großen Teile übertrieben feien. Nach Mitteilungen ans informierten Kreisen kann man sagen, daß die? Belgier eiüe äußerste scharfe Kritik an den ftanzösischen Vorschlägen übten, doch glaubt man nicht, daß eS zu einem Bruch der Konferenz kommen wird, vielmehr erwartet man eine provisorische Regelung, um Gelegenheit zu einem Ausgleich , der Gegensätze zu schassen. Was das kritische Datum, den 5. August, den nächste» Zahlungstermin betrifft, so wird Versichert, es Negern dieser Beziehung keine Gefahr vor, daß Frankreich aus diesem Anlaß sich zu einem gesondertem Borgehen entschließen könnte, da ja die Neparationskommifsion auch gegen den Willen Frankreichs ein Moratorium gewähre», könne. -- - London, 9! August. (Tel.-Komp.) In ReglernngSkreisen wird erklärt, daß die gegenwärtige Konferenz in de« Reparationsstage keine endgültige Lösung bringen sonne. Sie kann höchstens . eine Vcrständigungsbasis für dis europäischen Alliierten schaffen/ die Reparationssrage kann endgültig nur mit Hilfe Amerikas geregelt werden. Lloyd George hat diesem Gedanken auch im Plenum der Konferenz Ausdruck gegeben und man spricht davon, das die nächste Konferenz, die in der Reparatkönsfrage Pie entscheidende fein wird, noch vor Ende September stattfinden soll. Ei« ApneK aÄ A«erik«. / Paris,. 9. August. (Tel.-Komp.) Im Auswärtige» Amt wird versichert, daß die in London vertretenen alliierten Mächte in ihren wie auch im Namen der übrigen Alliierten einen Appell an Amerika richten werden, die Regierung der Bereinigten Staaten möge in Washington eine Konferenz zur Regelung der Frage der interalliierten Schulden einverufen. Nachqeben Äer FrsAzosen? . Paris,-9.. August. (Wolfs). Dem „Jpurrial" wird, aus MtatzbürgherMe^^sß^dart. Hr. Befehlei«getrosstnsei, die ausgesprochenen Ausweisungen vom Deutschen bis.aus weiteres auszuschieben. Dem Blatte zufolge hatte man-für gestern abend den Beginn der Ausweisungen erwartet und für die Durchführung dieser Maßnahmen bereits 50 Polizeiinspektoren bereitgestellt. ErLlLrrnmen de Hactgs. Rom, 9. August. (Stefarn). In der heutigen Kammersitzung gab de Facta eine kurze Regierungserklärung ab. Hinsichtlich der äußeren Politik sagte der Ministerpräsident, man müsse in Erwägung ziehen, daß der Wiederaufbau der verschiedenen Staaten des europäischen Kotttinents ein einziges Problem bilde. Es sei nicht möglich, an das Gedeihen eines Staates zu denken, sobald sich seine Nachbarn in überaus bedrängten Umständen und in der Gefahr einer katastrophalen Krise-befinden. Bon diesem Gesichtspunkte werde sich Italien bei seiner Haltung in London leitey lassen. bester Lei der Regelung der Lohn- und Personalftägen, können und, dürfen nicht angetastet werden. Sie sind durch-Gesetze gesichert Aber der Sinn dieser Gesetze ist doch' der, die Produktivität zu fördern unh den Staat als Ganzes vorwärts zu bringen. Gegen diese Kardinalforderungen sündigen alle ht gleicher Weise und jede Klasse hat 'ihr Programm, auf das „Rette sich, wer kann!" zugeschnitten. Das' ist nicht der Weg aus dem Elend.und beschleunigt nur den Untergang der Klassen miteinander in dem Sumpf der Anarchie. Oesterreich darf' den Boden des Friedensvertrages nicht verlassen. - Es hat aber das Recht und die Pflicht, auch von der * Entente die Beachtung dieses Vertrages kategorisch zu fordern. Auch bei uns ist der Erfüllungs- Politik eine' Grenze gesetzt: in den Nerven und in der Geduld des Volkes, dem man ein Mehr an Ruhe und Ordnung nicht zumuten darf. , \ Der FaszistenrAmmel. An neuer Exzeß in Südtirol. —- Erklärungen de Fattas. > Innsbruck, 9. August.- Der „Südkiroler Landeszoitung" wirdaus-- Ft.a«zensfcstberichtet, daß im dortigen Bphnhof Abgeoridn-eter Dr. R»utt-Meolussi Mf einer MschäDr-eise nach -dem Pustertal« von FasMen bedroht worden ist. Zwei bowaffnete Faszisten stiegen' zu chm in den Äb'teÄ und erklär>ien ihm, daß er. erschossen würde, tvenn er irge-Mvo. eine Rede. halten /sollte. Der - Mgeö-vdNete wurde '.von femer .Lage durch den KörM»ievl-KommMÄantm.bestol!t, der -zwei Manu nslt.sew-em...Schatze 'Soaqistrgdbe., '' , . Pom, 9. /August. In -seiner hcü'tigen RegiernngserMmug sagte der Ministerpräsident, was die innere Politik betreffe, lMe' die lbektagenswerie' künstliche Stillegung des ösftnt-Ncherr Wirren gestürzt habe. Niemand könne sich jedoch an die Stelle de§ Staates setzen,-der allein iUS Recht zur Intervention habe. Die Maßnahmen der. Regierung wnr-. den un.evschütterlich' dieses Ziel verfolgend Niemand dürfe sich beklagen, wenn die Aufvechterhaltung der Ordnung der Armee anvertrant werde. (Lebhafte Zustimmung.) Der. Mimsterprästdent schloß seine Ausführungen nüt dem Bevlangen nach einem Vertrauensvotum. (Langanhaltendcr Beifall.) Innsbruck, 9. August. Wie der „Ällg. Tirolex Anzeige^ meldet, halten die stalienifchen Truppen. gegenwärtig iw Tauftrertal und auf den Höhen, der Zillertaler Grenzbergr sowie der -Grenzzüge der TaMrn große militärische Wbungen ab. . Rom, 9. August Die sozialistisches PavteMtn-ng.erklärt in einem . Manifeist, das Proletariat fühle sich, wenn cs auch mit ungleichen Waffen zu kätrrpfen gezwungen sei, dennoch unbesiegt. Das Manifest kündigt eine neue Sammlung der proletarischen Kräfte an. ' Diewegen.Ermordung des Setzers Mül l e r angcklagten Triester Faszi sten sind mangels an Beweisen frergesprochen wovden.. . Ei« falsebe Desch»rdigung Berlin, 9. August. Das Wolsfsche Bureau meldet: Dü Agentur Havas läßt ' sich aus Kopenhagen melde«, die Deutsche Reichsbank habe in eine,« Rundschreiben de« deutschen Industriellen?und .sianfleuten den Rqt gegeben, die ftanzösischen und die belgischen Devisen aus. den Markt zu werfe«, um eine Kaisie herbeizuführen und die öffentliche Meinung während der Londoner Konferenz zu beeinflußen.- Diese,Wchricht wird auss . entschiedenste demeritiertt