Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-08-04 · Heft 1261 (4.8.1922) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1261 (4.8.1922)
Date
1922-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980341--11903-2998392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

MMM 'i & f \/V\J (c ^■’T7"4" :;;^T^T V>r«IoMvsrLi80 Mia»; Z«m Abholea in der jExpedition, II.,Taborstr. 1 -3, «der in einerVerschleisstelle (Trafik) monatlich K 5000 jMit Postversand für Wien u. Oesterreich monatl. K 5000 Tschecho-Slowakei: Mon. K 20. U ngar n: Mon. jK 150. Jugoalawien: Mon. Dinar 25. Polen: Mon. Mark 800. Deutschland: Mon. Mark 60. Frankreich: Monatlich Frcs. 6 Nachzahlungen bei Preiserhöhungen; Vorbehalten T schecho>8!owak«li tschech.fcl.SO Italien: Monatl. oi Lire RumanienrMon. 40. L«i Schweiz nüd das sihrixe Ausland monatlich Fres^ 3. Redaktion n. Administration 'Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3.19, ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: »Morgenzeitnng',; Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 MP Nr. 1261 Wie«, Freitag, 4. Äagaft 1922 4. Jahrgang Die n des Räthenau ordes. -/. Wie n. 4. August. Morgen, sollen die französischen Sanktionen gegen Deutschland beginnen. In welcher Weise sie sich äußern werden, darüber bewahren die französischen amtlichen Kreise strengstes Stillschlveigen. Es ist so.wie vor einem Krieg. In der Tat ist doch auch der 5. August ein Kriegsdatum. - Am 5. August 1914 beantwortete die ftanzösische Regierung das deutsche Ultiinatruu, in welchem die Stellung von Pfändern für diefranzüsische Neutralität im österreichisch-russischen Konflikt gefordert worden war, mit der Kriegserklärung: Acht Jahre später, arbeitet das Kabinett Pomcare die Instruktionen für, neue Maßnahmen gegen Deutschland aus, unter denen sich nach Meldungen amerikanischer Sensationsblätter die Ausweisung von 80.000 Deutschen aus dem Elsaß und die Beschlagnahm« des Privatvermögens reicher deutscher Personen im besetzten Gebiet befinden sollen. Man wird abwarten können, ob die^ wahr ist. Solche. Akte^ würden selbst den schärfsten Bestimmungen des Friedens-' Vertrages, aber auch der Ansicht der französischen Regierung über den; Eigentumsbegrrff widersprechen. Es ist auch sehr zu bezweifeln, ob schon, morgen die Sanktionen emsetzen we^en. Denn am 7. August, also. zwei Tage später, wird Poincare in London die neuen Besprechungen über die deutschen Reparationen beginnen, und er wird diesen Konferenzen kaum mit Men vorgreifest-, die von den änderen Mitgliedern des Obersten 'Rates nicht gebilligt Wörden sirid. . : -;l V Immerhin ist die Situation Deutschlands sehrprekär. Das Wohlwollen, das Lloyd George . noch in Cannes und in Gestua ' gezeigt Hat, ist nach dem die Wiesbadener Konvention und' ihr inzwrMn vvtt'den^ Alldeutschen abgeschossener Schöpfer in hohen Ehren' stand, has sich eine Verschärfung der Tonart herausgestellt. Man. geht nicht gerne zu W^rhaNdluMN mit Deutschland, weil keine Sicherheit dafiir chesteht, daß die deutsche Regierung ihr Wort Hallen karrn. -Nicht ihr Pille wird bezweifelt, sondern ihre Macht, Und darüber, gibt sich auch in Deutschkmd selbst niemand mehr einer Täuschung hin. Die Folgen der Ermordung des Erfüllungsnnnisters zeigen sich - jetzt aüf dem Gebiet / der äußeren Politik, nachdem sie innen die Reichseinhert in schlvete Gefahr gebracht hasten. Beides, die Unterminierung der Bersöhnungspolitik und. der Republik, war von den Rechtsparteien beabsichtigt und ist ihren, mit der Vollstreckung des Planes beauftragten Mordjüngern, in vollstem Umsang gelungen. Die Sturmtruppe, hat sich, in Bayern konzentriert und führt dort ein interessantes. Spiel mit dem deutschen Gedanken durch. Die konservativen Nationalisten,' deren Zusammensetzung aus bayrischen Klerikalen und preußischen Feudaljunkern den künftigen Historikern viel Kopfzerbrechen machen wird, sind zu Separatisten geworden, weil die republikanische Reichsgewalt durch eine einheitliche Kriminalpolizei der Mordpropaganda des antisemiüsch-chauvmMschen Gelichters sich erwehren, will. Diese Kreise genießen den Schutz der bayrischen Regierung, die in ihrem monarchistischen Separatismus sich gerne der Unterstützung der malkontenten Raubritter bedient, denen sie dann nach getaner Arbeit den Fußtritt geben wird. Denn zwei Werkelspieler in. einem Wirtshaus tun nie gut. Die „Saupreußen" Ludendorffscher Schminke werden so lange geduldet, bis der. Kirn wieder auf dem Thron sitzt, aber nicht der hohenzollernsche. Einstweilen aber vertragen sie sich und leben von dem, was der Tag und die royalistischen Gegenspieler auf der französischen Seite ihnen bringen: die Zersetzung Oesterreichs, die preußisch angestrichene Horthh-Herrschaft in Ungarn, die französische. Agitaüon im Rheinland, alles Ivird benützt, um der deutschen Republik den Sftick zu drehen und die große Gegenrevolution Vorzübereiten. Wenn sie nicht die Macht besitzen, ist ihnen das Deutsche Reich und sein friedliches Gedeihen ein Zielpunkt intensivsten Hasses. In einer oberbayrischen Versammlung hat in der Vorwoche ein alldeutscher Redner gewünscht, die Entente möge noch mehr deutsches Gebietbesetzen, dann wäre es aus r|üt der „verruchten" deutschen- Republik. Poincare beeilt sich, mit .seinen Senegaltruppen Herr Wunsch, zrr erfüllen. Die- Sanktionen.,-di«. 'epMMhrt,sind ein wesentlicher Teil des heutigen alldeutschen Programms. Sie werden genau so lange dauern, als sie England und Amerika dulden. Dann werden sie mitsamt der Orgeschpolrtik. die sich ausihnenalimenttert, .verschwinden. Die zis«istische IchhreskonferrW. L o n d ult, 3. August. (J..C. B.) Zu der-am 25. August beginnenden zion\stijchen JahreKkonf e r e n z i n K a r l s b a d liegen bereits zahlreiche Anmeldungen vor. Die amerikanisch? zionistische- Organisation entsendet die foltzenöen Delegierten: Louis LipSky, Abraham G o ldb e r g^ Peter Sch w r iz e r, Hermann C o nhetm, Morris^ Rchthen.berg, Bernarv A..Rosenblatt, Jakob Fish man, Frll Henriette Szold (zurzeit in Jerusalem) Und Mrahäm Schomer. Die Delegation ist instruiert worden^ . die Einberufung eines j.ii di scheu Welt kon gre sses . na ch Pal äst in a zu fordem. /' ■ ’ - Die Sitzungen der Jahreskottftrrnz werden st r e u g dert-ranlichen Charakter tragen. Das Publikum wird keinen Zutritt erhalten. f Da« pälästtvkksische Aadentum mb dte Jerufalent, 1. Augustsf (I. E. B.) Der Wüäd Lenmi beschlvtz. die Entsendung einer aus den Herren Achad Haam, Ben Gurip . K alvarisky> Sch. T sch e r n o w ist und l l i n bestehenden Delegationzur zionistischen- Jahreskonserenz in Karlsbad, UM' übrr> dir-^ttretüng der P aWt i» e ns i s chest J^n-- den'in der Jewish Ageney zu steMen. - ' ■" 1 ,r; r; Jernfalem, 1. C. Bt) Im Namen der moslem 1 f ch - ch r i MM e 'n-D e r e i n e und mit deren Unterstützung durchwandern Agitatoren dys Land und rufen die arabische Bevölkerung zur Unterzeichnung von Petitionen grgen -,as stri 1 is che Mandat in Palästina auf. Die arabischen Mitglieder des Regie« rnngsbeirates verweigerten ihre Zustimmung zur öffentlichen Anleihe für die Entwicklung Palästinas, die vom Oberkommissär Sir Samuel angeregt wurde. Sie begründeten ihre Mtüng damit, daß die arabische Bevölkerung kaine genügend^ Kontrolle Mer die Ausgaben der palästinensischen Adminiftratton habe. Indessen bereiten sich viele Dörfer zu großen Landverkäufen an die erwarteten neuen jüdischen Einwanderer vor. Die Araber erachten' den gegenwärtigen Zeitpunkt als günstig für die' Erzielung hoher Bodenpreise. Die Sti«HttAg r« PLiLstiKa. Jerusalem^ 2. (I. C. B.) Die mos« l e misch e< G e s e l l s ch a f t in Haifa beglückwünschte telegraphisch die zionistische Exekutwe Palästinas zur Ratifikation des Mandats, in der sie eine neue glückliche Aera für alle Teile der paläftinensische« Bevölkerung erblickt. Der Waad Leumi versendet ein Rundschreiben an alle jüdischen Gemeinden, die Keren Hajessod-Kampagne im ganzen Lande sofort anszunehmen. Ueberfiedlung des jüdischen NaLio«Klsonds nnch Palästina. I e r ü f a l e m, 2. MKrst. (I. C. B.) Die Regierung! erteilte 15 Beamten des Hänptbüreaus des I. N. F. im Haa^ die^EiNreisevisa DUlästinaV Bis Ende August - wird die''NÄ<rrstMN«tz'--M^PMtztbnreaüsdes Jüdischen ' . Nattonalfonds nach Jerusalem vollzogen sein: 9le*e fiatrhltättfe in PalSstina.; > ^"UeKiM t«iNÄuM B.WÜ PolLM« bureau des Jüdischen Nationälfonds führt, jetzt wichtige ' NNterhaNdlMgest niW^M^a V i f ch e n H r o tz gr ü y.d< b e s i tz e r n wegen AnWfs^ neuer Ländereien für Mc ’ jüdische Kolonisation. Erreftnng tu Transjordanien. Jerusalem, 2. August. (I. C. B.) Der Oberkommissär Sir Herbert Samuel und der.Zivilsekreiär - Sir Windham Deeds besuchten den Emir Abdullah, ' Um die erregte Stimm««g in Transjordanien z« beruhigen: Die Judenfrage in Polen. . Erllarungen des Ministerpräsidenten Novak. Warschau, 3. August. (M. her „Wiener Morgenzeiwng".) In der politischen Aussprache, die der neue Ministerpräsident Prost N o v a k mit den Vertreter« der FreieA/Bereinigung . jühi'scher ■ Abgeordnete r, Grün bäum und H irf ch h or n, geführt hat, gab der Ministerpräsident die solyende Erttarung ab: „Ich erachte es als geboten, Ihnen zu. erklären, daß ich auf dem Boden der dollständigrn Toleranz ohne Unterschied der Religion und her Raste stehe. Mein sehnlichster Wunsch ist, daß fedet Wknjsche Wkgep sich in Polen zu Hause fühle. Den Versuch,-einen Teil der Kräfte, aus denen der polnische Staatzusammengesetzt ist, aus den öffentlichen Arbeite« änszüMeßen, halte ich. für staatsschadlich.' Diesen. meinen Standpunkt werde ich auch - in meinem Atvejtsprogramm Ausdruck geben." Die^ jüdischen Abgeordneten erwiderten, daß sie vom Krakauer. Abgeordneten Dr. T h on Über die Gesinnung des nunmehrigen Ministerpräsidenten informiert worden ftien, was ihre Absttmmung i« Hauptausschuß z n« giunsten Prost RavakS beeinflußt habe. Ihr Wunsch sei, daß die im Zusammenhang mit den Wahlen dringendste^ Angrlegenhett rde^ Anerken nNng ' det Stgatsbürgerschaft restlos und unzweideutig erledigt werde^ damit Hunderttansknde von Inden, denen jetzt; bezüglich ihres polnischen Staatsbürgerrechtes Schwierigkeiteu gechächt werden, in die^ Latze kommen, ihp.Wahlrecht quszttüben. Der MkNisterpräfideut sagte eine rasche Erledigung zu. Im weiteren Verlauf der Aussprache erklärte der Ministerpräsident es für Nicht ansgeschlosten, daß der Sejm vor den Novemberwählen Noch eine kurze Herbstsestion abhaltcn werde. Für diesen Fäll sprachen, die jüdiWn Abgeordneten den Wtznsch aus, daß die Gesetzesvorlage betreffen^ die Außerkrastsetzung aller noch aus' der Zelt des zaristischen Regimes bestehenden Rechtsbeschränkungen gegen die Juden in dieser Session zur Erledigung gelangen möge, damit die Juden nicht auch in dem zweiten Sejm.den gelben Fleck des Bürgers zweiter Klaffe mit hinübernehmen müssen, i Rach Schluß der offiziellen Aussprache kamen die jüdischen Abgeordneten auf die jüdischen Beschwerden gegen den Kriegsministet zü sprechen, mit denen sie in diesem Augenblick und deshalb nicht mit gebührendem Nachdruck offiziell hervörtreten Wollen, weil sie die Situation des neuen Ministerpräsidenten nicht erschweren möchten. Lembergs 3. August. (Tel. der „Wiener Morgenzertung".) Im Hinblick auf die durch die letzten Beschlüsse des. Sejm geschaffene Jage hat die Exekuüve der zionistischen Organisation Ostgaliziens eine Tagung des nengewählten Pärteivates für den 6. August rinbernfen. Mit Rücksicht auf die Dringlichkeit der Tagesordnung wird auf ein vollzähliges Erscheinen der Mitglieder Gewicht gelegt. Den Vorsitz wird in Vertretung des augenblicklich verreisten Präsidenten Dr. Reich der amtierende Vizepräsident Dr. R o s marin führen. Die Beratungen werden einen vertraulichen Charakter tragen. Vorgänge in Italien. ' Rom, 3. August. (Stefani.) Die Kammer ist für den 9. August einberüfen worden. Der Streik beendet. Rom, 3. August. Das geheime Streikkomitee hat gestern abfnds die Fortdauer des Aus stau des . beschlossen, um. den Anschein zu vermeidendaß man vor dem Ultimatum der Faszisten^ zurstckweiche. Repressalien - der Fasziston sind bisher infolge Einwirkung der. Regie-! rüng unterblieben. Heute früh ist die Arbeit nahezu n o rl mal ausgenommen worden. Kleinere Zusammenstöße ereigneten sich in San Lorenzo Tr-astevere. In Castellamare! Adriatico wurde ein Zug durch einen Sabotageakt zum Entgleisen gebracht, wodurch der Heizer ge töte i und zwei Personen verwundet wurden. In Vigevano ist die Arbeitskarnmer zerstört wyrdens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.